Migrantischer Feminismus - Encarnación Gutiérrez Rodríguez - E-Book

Migrantischer Feminismus E-Book

Encarnación Gutiérrez Rodríguez

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Beschreibung

Dieser Band unternimmt eine Neuschreibung feministischer Bewegungen in Deutschland aus der Perspektive der politischen Selbstorganisierung migrantisierter Frauen*. Anhand von Erzählungen von Zeitzeug:innen und Archivmaterial wird die These widerlegt, dass die 1990er Jahre eine „stille Zeit“ in der Frauen:bewegung Deutschlands war. Es wird aufgezeigt, dass die 1980er und 1990er Jahre eine „geräuschvolle“ Zeit war, da sie den Höhepunkt in der politischen Selbstorganisierung von Migrant:innen, Schwarzen Frauen*, Sinti:zze und Romn:ja, exilierten und jüdischen Frauen* in der Bundesrepublik darstellt. Mittels der Erinnerungsarbeit im Sinne eines Eingedenken lösen die Akteur:innen ihr „right-to re-narrate“ ein, indem sie eine neue Erinnerungspolitik und -kultur migrantischer Theoriebildung und politischer Praxis in Deutschland eröffnen. Auf diese Weise versucht das Buch folgende Fragen zu beantworten: – Was bedeutet die Auslassung migrantischer feministischer Geschichte für die Politik der Geschichtsschreibung deutscher Frauenbewegung? – Wie würde eine solche Intervention in der Vergangenheit die Gegenwart und die zukünftige Erzählung der Frauenbewegung in Deutschland neu definieren? – Was würde diese „Neudefinition“ für Deutschland als Einwanderungsland und (post-)migrantische Gesellschaft bedeuten?

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Seitenzahl: 308

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Impressum

Encarnación Gutiérrez Rodríguez & Pinar Tuzcu

Migrantischer Feminismus in der Frauen:bewegung in Deutschland (1985—2000)

1. Auflage 2021

ISBN 978-3-96042-828-2

© edition assemblage

Postfach 27 46

D-48041 Münster

[email protected]

www.edition-assemblage.de

Die Titelabbildung basiert auf dem Plakat

„Sind wir uns so fremd?“

Umschlaggestaltung & Satz:

Chrissi Latsch, www.monoparade.de

Lektorat: Concetta Sabine Mugavero

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH

Eigentumsvorbehalt:

Dieses Buch bleibt Eigentum des Verlages, bis es der gefangenen Person direkt ausgehändigt wurde. Zur-Habe-Nahme ist keine Aushändigung im Sinne dieses Vorbehalts.

Bei Nichtaushändigung ist es unter Mitteilung des Grundes zurückzusenden.

© Daniel Heinz

ENCARNACIÓN GUTIÉRREZ RODRÍGUEZ

Prof. Dr. Encarnación Gutiérrez Rodríguez ist Tochter andalusischer-spanischer Gastarbeiter: innen und Professorin der Allgemeinen Soziologie an der Justus-Liebig-Universität Giessen.

PINAR TUZCU

Dr. phil. Pinar Tuzcu ist in der Türkei geboren und aufgewachsen und lebt seit 2007 in Deutschland. Sie hat promoviert und arbeitet im Fachgebiet Soziologie an der Universität Kassel.

Für Hülya Türker…

und

Juan José Gutiérrez Cabello y

Josefa Rodríguez Santana

DANKESWORTE

Wir möchten uns in erster Linie bei Nivedita Prasad, Ayşe Tekin, Behshid Najafi, Malin Kundi, Elizabeta Jonuz, Necla Açık, Yasemin Yıldız, Hamide Scheer, Emine Şahinaz Akalın, Rosa Liccardo, Selçuk Yurtsever-Kneer, Kook-Nam Cho-Ruwwe, Kader Konuk, Cathy Gelbin, Iman Attia und Simin Jampoolad für ihre Mitarbeit, Hilfe und Geduld im Prozess der Realisierung dieses Buches bedanken. Wir möchten uns auch bei Macarena Gonzalez Ulloa bedanken, die zeitweise an der Durchführung als auch Transkription eines Interviews sowie Konzeptualisierung unseres Ausschnitts in der Ausstellung des Historischen Museums Frankfurt Ich sehe was Du nicht siehst. Rassismus, Widerstand, Empowerment mitgearbeitet hat. Auch Jamila Adamou von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung möchten wir für ihren Enthusiasmus und Glauben an unsere Arbeit danken. Wir sind auch der edition assemblage sehr dankbar, dass sie uns bei der Veröffentlichung des Buchs unterstützt hat. Ein ganz besonderer Dank gilt hier Carla Schäfer für die Betreuung der gesamten Publikation und an Chrissi Latsch für die tolle Gestaltung des Buchcovers und das Layout. Und nicht zuletzt verdanken wir diese Veröffentlichung dem detaillierten Lektorat von Concetta Sabine Mugavero.

Zudem dankt Encarnación ihrem Team an der JLU, Andrea, Andreea, Çiçek, Daniel, Johann, Johannes, Manuela Schmidt, María, Moschda und Sebastian für ihre Unterstützung im Uni-Alltag. Auch dankt sie ihren Kolleg: innen in Mecila 2020/21, ganz besonders Léa Tosold und Juliana Streva für die Resonanz ihres Denkens in dieser Arbeit, und Jörg Klenk und Sérgio Costa für die Geduld mit den institutionellen Widrigkeiten. Auch Pinar gilt ihr Dank für das nicht aufgeben und Weitermachen. Ganz herzlich dankt sie auch ihrer Schwester, Angela, ihrer Cousine Encarni Lopez und ihrer Liebsten Shirley für das gemeinsame Ertragen der Covid-Einschränkungen virtuell und faktisch. Einen besonderen Dank gilt Rosa für das Teilen ihrer Geschichte und allen ihren Weggenoss: innen für ihre Generosität, ihren beständigen Glauben an ein gutes und gerechtes Leben sowie ihren Gesten der Liebe. Doch ganz besonders gilt ihr Dank ihrer Freundin Selçuk; ihre ungebrochene Zuversicht hat dieses Projekt von Anbeginn begleitet.

Pinar möchte sich bei der allerersten Feministin bedanken, die sie kennengelernt hat: ihrer Mutter Fadime Türker-Tuzcu. Teşekkürler Anneciğim! Sie dankt auch ihrer Schwarzen und migrantischen feministischen Community in Kassel, insbesondere Melehat Kutun, Eda Kara, Emine Vural und den Black magic Grrls von der ISD Kassel, nämlich Swazi, Sabrina, Rachel, Nuha, Eden, Eunice und Awet, dafür, dass sie unterstützende und ermutigende Vibes in Kassel erzeugen. Und an Encarna für ihren Einsatz und ihre Inspirationen, die dieses Buch und diese Geschichte möglich gemacht haben. Pinar widmet dieses Buch Hülya Türker, die eine Kämpfer: in war, die unermüdlich für sich und ein menschenwürdiges Leben anderer kämpfte, uns aber unerwartet und sehr früh verließ. Canım Hülyam, gülden güzel gülüşün ve kıymetli hatıran bu kitaba yazılmış sözler gibi hafızalarımızda ve kalbimizde kazılı kalsın.

INHALT

• WEGE ZUM MIGRANTISCHEN FEMINISMUS

Encarnación Gutiérrez Rodríguez & Pinar Tuzcu:Einleitung

Encarnación Gutiérrez Rodríguez: Bündnispolitik, affektive (Ver-)Bindungen und kollektive Praxis: Migrantischer Feminismus zwischen rememory und Eingedenken

Pinar Tuzcu:Wellenbrecher: innen: Sub(versives) (P)Rosa des heimatlosen Feminismus

• EINE BEWEGTE ZEIT: BERLIN

Nivedita Prasad: Jenseits der ‚Opfer- oder Exotinnenrolle‘: Wege zu Bündnissen

Kook-Nam Cho-Ruwwe:Wer sich nicht bewegt, spürt ihre Fesseln nicht: Koreanische Frauen in Deutschland

• GLOBALE VERBINDUNGEN-DIASPOREN: KÖLN/BONN

Ayşe Tekin:Unterschiede! – Und was eint uns? Die Entwicklung der Verschiedenheit im Migrantischen Feminismus

Behshid Najafi:„Ach, schon wieder agisra!“ — Wiederholungen und Widerstand. Eine Politische Praxis der Verschränkung

Malin Kundi:Ge/hören oder: Wo man gehört wird, gehört man hin

Elizabeta Jonuz:Romnja – ‚rassig‘ und ‚rassisch minderwertig‘?

• WIDERSETZUNGEN – NEUE IMAGINARIEN: HAMBURG

Necla Açık:Jina Azad di Jiyanê de: Talking Back to the Power

Yasemin Yıldız:Hexen gegen Rassismus: Über die „Zeit, wo du zum einen die politische Auseinandersetzung hattest, zum anderen aber auch Raum für Ästhetik, Körper und Musik“

Emine Şahinaz Akalın & Hamide Scheer:Cadı Kazanı (Hexenkessel) – Vom Gefühl, dass was nicht stimmt, zum berauschenden Gefühl von Definitionsmacht und Selbstwirksamkeit

• MIGRANT:INNEN – EINE POLITISCHE STRATEGIE: FRANKFURT

Encarnación Gutiérrez Rodríguez & Selçuk Yurtsever-KneerSeiltänzer: innen: FeMigra in Frankfurt

Wahrhaftigkeit und Sehnsucht Ein Gespräch mit Rosa Liccardo

• DEUTSCHE FRAUEN: BEWEGUNG UND (POST)MIGRATION

Natascha Apostolidou:Differenz und Gleichheit — Migrant: innen in der BRD und ihre Position in der Frauen:bewegung

Ich sehe was, was Du nicht siehst: Rassismus, Widerstand und Empowerment

WEGE ZUM MIGRANTISCHEN FEMINISMUS

ENCARNACIÓN GUTIÉRREZ RODRÍGUEZ & PINAR TUZCU

EINLEITUNG

Die Idee zu diesem Buch entstand 2015 in Gesprächen zwischen uns beiden und verwandelte sich mit den Jahren zu einem Projektantrag, den wir 2017 beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst mit dem Titel Migrantischer Feminismus in der Deutschen Frauenbewegung (1985–2000) — Intersektionale Erkundungen stellten. 2018 wurde der Antrag bewilligt und wir machten uns sofort an die Arbeit. Wir kontaktierten und luden potenzielle Teilnehmer: innen ein. Einige Weggenoss: innen antworteten sofort und bestätigten ihre Teilnahme, andere wiederum sagten aus zeitlichen Gründen ab oder meldeten sich nicht zurück. Zwischen 2018 und 2019 besuchten wir Aktivist: innen an unterschiedlichen Standorten in Deutschland. Das Ergebnis dieser Gespräche, die im Sinne der Methode Oral History durchgeführt wurden, findet sich in diesem Buch wieder. Die Autor: innen dieses Buches haben mittels ihrer Erinnerungen ein kollektives Gedächtnis des Migrantischen Feminismus und dessen Bündnispolitik nachgezeichnet.

Wir betrachten dieses Buch daher als Ergebnis einer politischen Gemeinschaftsarbeit, an der Nivedita Prasad, Ayşe Tekin, Behshid Najafi, Malin Kundi, Elizabeta Jonuz, Necla Açık, Yasemin Yıldız, Hamide Scheer, Emine Şahinaz Akalın, Rosa Liccardo, Selçuk Yurtsever-Kneer und Kook-Nam Cho-Ruwwe beteiligt sind, wobei auch Kader Konuk, Cathy Gelbin, Iman Attia und Simin Jampoolad unterschiedlich an diesem Mosaikwerk über rassismuskritische feministische Selbstorganisierung mitgewirkt haben. Auch sind wir Jessica Jacoby dankbar für ihre Erlaubnis, das Vorwort zu ihrer 1994 mit Claudia Schoppmann und Wendy Zena-Henry herausgegebenen Anthologie Nach der Shoa geboren – Jüdische Frauen in Deutschland wieder abdrucken zu können. Auch der Reprint von Natascha Apostolidous Artikel Differenz und Gleichheit. Migrantinnen in der BRD und ihre Position in der Frauenbewegung, der 1995 veröffentlicht wurde, trägt zu diesem Gesamtwerk bei. Wir möchten allen Beteiligten für ihre Beiträge und das großzügig zur Verfügung gestellte Material aus ihren Privatarchiven danken; besonderer Dank gilt Kader Konuk, Malin Kundi und Selçuk Yurtsever-Kneer.

Uns ist bewusst, dass wir mit diesem Buch nur einen kleinen Einblick in die Geschichte des migrantischen Feminismus in Deutschland geben können. Doch stellt dieses Buch auch nur einen ersten Schritt in der Annäherung an eine vielschichtige und vielseitige rassismuskritische feministische Bewegungsgeschichte dar. Wir hoffen, dass dieses Projekt andere dazu bewegt weiteren Spuren nachzugehen. Uns selbst haben Projekte inspiriert, die ebenfalls an der Ausgrabung rassismuskritischer intersektionaler Bewegungsgeschichte arbeiten. So knüpft unser Projekt an den von Denise Bergold-Caldwell, Laura Digoh-Ersoy, Hadija Haruna-Oelker, Christelle Nkwendja-Ngnoubamdjum, Camilla Ridha und Eleonore Wiedenroth-Coulibaly herausgegebenen Band Spiegelblicke. Perspektiven Schwarzer Bewegungen in Deutschland1 an. In Spiegelblicke wird die 30-jährige Bewegungsgeschichte der Organisierung Schwarzer Menschen in Deutschland anhand von Essays, Portraits, analytischen Texten, Storytelling und Foto-Reportagen mit Zeitzeug: innen und Aktivist: innen der Bewegung intergenerationell erzählt. Dieses Buch hat uns tief berührt und uns maßgeblich angeleitet, die Bewegungsgeschichte des Migrantischen Feminismus der 1980er- und 1990er-Jahre zu erzählen. Gleichzeitig stand unser Projekt auch im Dialog mit dem Berliner xart splitta-Projekt Passing it On, das 2019 unter der Leitung von Nicola Lauré al-Samarai und Iris Rajanayagam initiiert wurde. In ihrer Onlineplattform The Living Archives2 schreiben die Initiatorinnen, dass diese Plattform „der Dokumentation, Archivierung und Bereitstellung von in BIPoC Communities entstandenen Inhalten und Wissen dient“.3 Wie xart splitta beschäftigt auch uns die Frage, wie „innerhalb politischer Bewegungen, über politische Bewegungen sowie zwischen verschiedenen Generationen und Kontexten Wissen produziert wird“.4 Dabei interessiert uns vor allem, wie das Wissen über die politische Selbstorganisierung von migrantisierten Feminist: innen erzeugt und intergenerationell weitergegeben wird. Es ist unser Wunsch mit diesem Band ein Stück Geschichte weiterzuerzählen und mit der Generation, die heute aktiv ist, Akteur: innen wie Black Lives Matter, Initiative 19. Februar Hanau, NSU-Komplex Auflösen, Refugee-Streik, aber auch mit anderen rassismuskritischen intersektionalen Selbstorganisierungsgruppen sowie antirassistischen intersektionalen Gruppen, ins Gespräch zu kommen. In diesem Sinne folgen wir auch Peggy Piesches5 Überlegungen im ersten Kapitel ihres Ausstellungskatalogs Labor 89, individuelle Erinnerungen von Aktivist: innen als Formen der Reflektion kollektiver Räume von Widerstandserfahrungen zu begreifen. Zudem schließen wir uns mit diesem Projekt dem Vorhaben Piesches zur Schaffung einer intersectional remembrance6, die einen intersektionalen Zugang zur Erinnerungskultur und -politik beschreitet, an.

Doch vor allem entwirft dieses Buch einen neuen Zugang zur Geschichte der Frauen: bewegung in Deutschland in den 1980er- und 1990er-Jahren. Aus der Perspektive von biografischen Erzählungen der Teilnehmer: innen dieses Projektes, wird die These widerlegt, dass die 1990er-Jahre eine ‚stille Zeit‘ in der Frauenbewegung Deutschlands war.7 Die hier gesammelten Zeitzeugnisse erzählen eine andere Geschichte, die in den offiziellen Narrativen und institutionellen Repräsentationen der deutschen Frauenbewegung zumeist ignoriert wird. Wie dieses Buch deutlich vorbringt, stellen die 1980er- und 1990er-Jahre einen Höhepunkt in der politischen Selbstorganisierung von Migrant: innen, Sinti: ze und Rom: nja, Schwarzen, exilierten und jüdischen Frauen* dar. Wie Pinar in ihrem Buch Ich bin eine Kanackin. Decolonizing Popfeminism – Transcultural Perspectives on Lady Bitch Ray (2017) schreibt, werden „[d]iese intellektuellen, aktivistischen und künstlerischen Beiträge aus dieser Zeit [] in der Geschichte des Feminismus in Deutschland eher ausgelassen“.8 Trotz der Lautstärke – the noise – die diese Akteur: innen in öffentlichen Veranstaltungen, Zeitschriften und in verschiedenen Publikationen zum Ausdruck brachten,9wurden diese Interventionen von der deutschen Frauen:bewegung zu diesem Zeitpunkt ignoriert. Aber genau in dieser Zeit organisierten sich Aktivist: innen, Intellektuelle, Akademiker: innen und Künstler: innen aus diesen Kontexten, veranstalteten Konferenzen, publizierten Bücher, gründeten politische Gruppen und veröffentlichten Statements, die sich mit den Fragen von Rassismus, Antisemitismus, Geschlecht, Klasse und Sexualität und deren Verschränkung im Kontext von Flucht, Migration und Diaspora aus einer rassismuskritischen intersektionalen Perspektive auseinandersetzten.

Wie Encarnación in ihrem 2011 veröffentlichten Aufsatz Intersektionalität oder: Wie nicht über Rassismus sprechen? schreibt, fanden in dieser Zeit die ersten Abhandlungen zur Analyse verschränkter Herrschaftsverhältnisse im Spannungsverhältnis von Rassismus, Geschlecht und Klasse in Deutschland statt.10 1986 veröffentlichten May Ayim, Katharina Oguntoye und Dagmar Schultz das Buch Farbe bekennen. Afrodeutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte. Auch in den Zeitschriften Informationsdienst zur Ausländerarbeit oder Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis teilen Aktivist: innen der rassismuskritischen feministischen und lesbischen Bündnispolitik ihre Gesellschaftsanalysen, Kritik und Theorie mit. Zum Beispiel thematisiert Natascha Apostolidou 1980 in der Zeitschrift Informationsdienst zur Ausländerarbeit den Rassismus, den sie in der deutschen Frauen: bewegung beobachtet und erfährt.11 Auch Deniz Çamlikbeli, Annita Kalpaka und Nora Räthzel publizieren fünf Jahre später zu diesem Thema.12 Zwar wurde damals in dieser Auseinandersetzung nicht der Begriff „Intersektionalität“ verwendet, doch ging es in diesen Beiträgen um die Verschränkung unterschiedlicher Ungleichheitsverhältnisse, die sich aufgrund des Zusammenwirkens von Sexismus, Rassismus und Klassenunterdrückung ereigneten. So stellen Kalpaka und Räthzel in ihrem für die deutsche Debatte bahnbrechenden Aufsatz von 1985 Paternalismus in der Frauenbewegung?! Zu den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen eingewanderten und eingeborenen Frauen fest, dass „eingewanderte Frauen in einem aus mehreren Widersprüchen geknüpften Netz leben (wie alle Individuen)“13. In den 1990er-Jahren wurden dann die Autor: innen, die sich im Kreis der Zeitschrift Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis bewegten – wie z. B. in dem 1990 veröffentlichten Heft 27 mit dem Titel Geteilter Feminismus: Rassismus, Antisemitismus, Fremdenhaß – angesichts des auf den deutschen Straßen wütenden rassistischen Mobs unüberhörbar. Vier Jahre später wird die Frankfurter Migrant: innengruppe FeMigra in ihrem Aufsatz Wir, die Seiltänzerinnen. Politische Strategien von Migrantinnen gegen Ethnisierung und Assimilation in Anlehnung an das Konzept des Combahee River Collective „interlocking system“ über die „Gleichzeitigkeit von Unterdrückungsverhältnissen“14 im deutschen Kontext reflektieren. In diesem Sinne kennzeichnet der Begriff „Migrantischer Feminismus“ nicht nur eine Bewegungsgeschichte politischer Selbstorganisierung, sondern auch ein neues politisches feministisches Selbstverständnis, das im Austausch mit Schwarzen, Chicana, Third World Feminismen und First Nation Women Bewegungen der 1990er-Jahre in den USA wie auch im Dialog mit Feminismen in Süd- und Osteuropa, Lateinamerika, Asien und dem afrikanischen Kontinent entstand. Diese Feminismen untersuchen patriarchale Herrschaftsverhältnisse in ihrer Verschränkung mit Rassismus, Antisemitismus, Kapitalismus und Kolonialismus aus einer globalen Perspektive.

Dieses Buch knüpft an diese vielschichtigen und komplexen Perspektiven an und begeht gemeinsam mit den Akteur: innen dieser Bewegungsgeschichte eine Neuschreibung feministischer Bewegungen in Deutschland aus migrantischer Perspektive. Indem die Teilnehmer: innen dieses Bandes ihr right-to-re-narrate manifestieren, eröffnen sie eine alternative Narration zur offiziellen Geschichtsschreibung der deutschen Frauen: bewegung. Wie wir bereits erwähnt haben, gewinnt die als „still“ charakterisierte Phase mittels der Zeitzeugnisse der Aktivist: innen an Lautstärke. Das Ausgraben dieser politischen Selbstorganisierung bringt den offiziellen Diskurs ins Schwanken. Dieser Zugang erfordert einen alternativen methodischen Einstieg zur gängigen archivarischen Dokumentationsarbeit. Denn es geht hier um ein re-narrating. Dies bedeutet nicht einfach eine stumpfe Korrektur der Geschichte, sondern auch eine methodische Intervention in die Linearität des Erzählens, indem die Vergangenheit in einer Weise thematisiert wird, in der sie als Bezugspunkt der Gegenwart in die Zukunft ausstrahlt. Die Vergangenheit verändert so die Gegenwart, die auch den Blick in die Zukunft neugestaltet. In dieser Hinsicht hinterfragt die Methode des re-narrating die offizielle Erzählung, indem sie die Stimmen, die in der hegemonialen Geschichtsschreibung ausgelassen wurden, zu Wort kommen lässt und ihre Sicht und Erinnerungen in das Zentrum der Rekonstruktion von Geschichte rückt. Das Erkennen von Lücken in der offiziellen Geschichtsschreibung ist in dieser Methode der erste Schritt. Wie Pinar in diesem Band erklärt: Diese retrospektive Intervention verändert auch, wie wir die gegenwärtigen, insbesondere marginalisierten Diskurse verstehen, indem es den Blick auf das, was „unverständlich“ bleibt oder „aus dem Zusammenhang gerissen“wurde, richtet.15 Wenn diese Erzählungen also auch aus der Perspektive derer umgeschrieben werden, die von ihrer Konstruktion ausgeschlossen wurden, füllen sie nicht nur die Lücke der Vergangenheit, sondern wirken auch darauf hin, dass diese Erzählungen heute in Erinnerung bleiben und morgen weitergegeben werden.

Darüber hinaus beschreibt Encarnación in diesem Band in Anlehnung an Léa Tosold16 die geleistete Erinnerungsarbeit der Teilnehmer: innen dieses Projekts im Sinne von Toni Morrisons17rememory. Rememory hat nicht nur das Erinnern des Vergangenen zum Gegenstand, sondern erwächst aus einem gegenwärtigen politischen Moment der Reflexion, das die Sehnsucht nach transformativer intersektionaler Gerechtigkeit als Projekt der Gegenwart-Zukunft aufmacht.18 Auf diese Weise versucht dieses Buch folgende Fragen zu beantworten:

• Was bedeutet die Auslassung migrantischer feministischer Geschichte für die Politik der Geschichtsschreibung der deutschen Frauen: bewegung?

• Wie würden die Gegenwart und zukünftige Erzählungen der Frauen: bewegung in Deutschland durch eine solche Intervention in der Vergangenheit neu definiert werden?

• Was würde diese ‚Neudefinition‘ für Deutschland als Einwanderungsland und (post-)migrantische Gesellschaft bedeuten?

Im Lichte der oben genannten Fragen und durch die Methode der Oral History, die Archivarbeit sowie das Sammeln von historischen Dokumenten wie Fotos, Zeitungsartikeln und Pamphleten wird der historische Kontext der gesammelten Erzählungen rekonstruiert. Vier Standorte – Berlin, Hamburg, Köln/Bonn und Frankfurt – werden anhand der persönlichen Erzählungen und des gesammelten Archivmaterials eingeführt. Unterschiedliche feministische Praxen und Strategien gegen Rassismus, Antisemitismus sowie globale und lokale kapitalistische rassifizierte heteropatriarchale Ausbeutung werden vorgestellt.

Methoden und Ansätze zur Geschichtsschreibung des Migrantischen Feminismus

Unser Fokus liegt auf den Akteur: innen des Migrantischen Feminismus, deren Erinnerungen und Erzählungen aus der offiziellen Geschichtsschreibung der deutschen Frauen: bewegung ausgelassen worden sind. Die Erzählung über die deutsche Frauen: bewegung ist erweitert und vertieft worden, indem wir mit zwei methodischen Zugängen gearbeitet haben: (a) Archivarbeit und (b) Oral History.

a) Archivarbeit

Die Archivarbeit beinhaltete das Sammeln und Sichten von Material (Bücher, Zeitschriften, Flyer, Poster, Fotos), welches sich in den persönlichen Beständen von uns und den Teilnehmer: innen unseres Projekts befand. Das Material wurde ausgewertet und in die politischen Debatten der deutschen Frauen: bewegung von 1985–2000 eingeordnet.

Die ausgewählten Texte, die von den Aktivist: innen in dieser Periode geschrieben wurden, behandeln wir als Archivmaterial, da sie uns einen Einblick in die Rhetorik und die Diskussionen der Zeit vermitteln. Diese Texte machen auch deutlich, wie diese Gruppen theoretisch und praktisch unterschiedliche gesellschaftliche Verhältnisse in ihrer Verschränkung thematisierten und politisch analysierten. Ihre politischen Strategien bzw. kulturellen und wissenschaftlichen Interventionen adressierten daher bereits das Zusammenwirken von Rassismus, Antisemitismus sowie heteropatriarchalen und kapitalistischen Verhältnissen. In dieser Hinsicht bildet jeder dieser Texte auf unterschiedliche Weise eine heterogene politische Geographie des Migrantischen Feminismus ab. Die Topografien, die wir mit den Städten Berlin, Hamburg, Köln/Bonn und Frankfurt markiert haben, treffen sich alle an einem Kreuzungspunkt, der sich mit dem gemeinsamen Streben nach transformativer intersektionaler Gerechtigkeit umschreiben lässt. So beschreibt Ayşe Tekin in ihrem 1994 veröffentlichten Text Unterschiede wahren, Zusammenarbeit möglich machen beispielsweise die Kreuzung dieser intersektionalen Verhältnisse. Sie legt dar, dass „Migrantinnen in der Frauenbewegung einen Dialog suchten, mit dem sie Wege des Zusammenlebens finden wollten“.19 Tekin erklärt, wie sie es trotz ihrer Unterschiede und ständigen Selbsterklärungen sowie „grammatische[n] Schwierigkeiten“ geschafft haben „eine gemeinsame(Verständnis)Sprache“ zu entwickeln.20

Der 1989 erschienene Text Entwicklungsarbeiterin in Deutschland von Kook-Nam Cho-Ruwwe aus der Koreanischen Frauen: gruppe zeigt wiederum diese Unterschiede exemplarisch. Sie schreibt über die Migrationsgeschichte der koreanischen Frauen*, die als Krankenpflegekräfte in den 60er- und 70er-Jahren nach Deutschland kamen. Cho-Ruwwe erzählt in diesem Text von kollektiven Kämpfen um die Anerkennung ihrer beruflichen Qualifikationen in Deutschland in Zusammenhang mit ihrem Widerstand gegen koloniale und kapitalistische Denkweisen, die sie in Deutschland marginalisierten. Auch die Publikationen Nach der Shoa geboren: Jüdische Frauen in Deutschland21 und Jekh Čhib: Roma- und Sinti-Frauen22 berichten von den unterschiedlichen Erfahrungen und Gemeinsamkeiten, die die Aktivist: innen im Rahmen der Bündnispolitik des Migrantischen Feminismus zusammenbrachten.

Neben diesen ausgewählten Texten haben wir auch Poster von den Konferenzen, Broschüren und Aufrufe zu Veranstaltungen sowie Fotos, die die Bewegung in Standbildern festhalten, in jedem Kapitel eingefügt. Ein kleiner Ausschnitt der Archivmaterialen wurde bereits im Rahmen der Ausstellung des Stadtlabors des Historischen Museums der Stadt Frankfurt unter dem Titel Ich sehe, was Du nicht siehst. Rassismus, Empowerment und Widerstand vorgestellt, die im September 2020 eröffnet und bis März 2021 gezeigt wurde.23

Wir danken den Kurator: innen der Ausstellung vom Stadtlaborteam Ismahan Wayah, Puneh Henning, Susanne Gesser, Mariam Koller und Jeanne Nzakizabandi, die uns Raum gegeben haben, diese wichtige Zeitspanne rassismuskritischer feministischer Bewegungsgeschichte in der Ausstellung zu zeigen. Unser Dank geht auch an Barbara Mugalu, Elsa Bosch und Macarena Gonzalez Ulloa, die gemeinsam mit uns das Ausstellungskonzept entwickelt und umgesetzt haben. Auch Jamila Adamou möchten wir in diesem Rahmen danken.

b) Oral History

Oral History ist ein qualitatives Verfahren, das meistens in historischen Forschungen verwendet wird. Das Ziel ist durch aufgezeichnete Interviews zwischen einem: r Erzähler: in mit persönlichen Erfahrungen von historisch bedeutsamen Ereignissen und dem: der Interviewer: in die historischen Aufzeichnungen zu erweitern und zu ergänzen. Wir haben Einzelinterviews mit den Teilnehmer: innen auf der Grundlage dieser Methode geführt. Die Interviewfragen waren nicht strukturiert, sondern wurden entsprechend dem Erzählfluss erstellt und formuliert. Grundsätzlich haben wir unseren Teilnehmer: innen das Ziel dieses Projekts mitgeteilt und sie gebeten, sich an die politische Atmosphäre in den 1980er- und 1990er-Jahren in Deutschland in ihrer Lebensgeschichte zu erinnern.

Unser Wunsch war es, für das Projekt relevantes Wissen zu sammeln und mit der Methode der Oral History einen narrativen Raum zu eröffnen. Wir haben weder die Geschichten der Teilnehmer: innen mit einer konventionellen Forschungsmethode analysiert, noch war es unser Ziel, ihre Aussagen als ‚Forschungsdaten‘ zu erfassen und zu interpretieren. Der Prozess des Erzählens wurde nach Durchführung der Interviews nicht beendet. Wir haben einen etwas anderen Ansatz gewählt: Nachdem wir die Interviews transkribiert und an den Transkriptionen der Interviews von den Teilnehmer: innen weitergearbeitet hatten, wandelten wir sie in Prosa um. Unsere Absicht war es, mit der Umwandlung der Interviews in Prosatexte, die Geschichten in der Hand ihrer Erzähler: innen zu lassen. Dies bedeutet, dass jeder Text mehrere Phasen des Austauschs zwischen den Herausgeber: innen und den Teilnehmer: innen durchlaufen hat und die Teilnehmer: innen ausgiebig an ihren Texten gearbeitet und Korrekturen bzw. Ergänzungen vorgenommen haben, die sie für notwendig hielten.24 Wir sind sehr dankbar für ihre Bereitschaft mit uns zusammenzuarbeiten, ihr Vertrauen, das sie uns geschenkt haben, und ihre unnachgiebige Geduld in diesem Prozess. Auch möchten wir unserer Lektorin, Concetta Sabine Mugavero, die an dieser Phase des Projekts maßgeblich beteiligt war, ganz herzlich danken.

Zu den Beiträgen

Auf der Basis des Archivmaterials und der narrativen Interviews sind wir der politischen Arbeit von Migrant: innen, Schwarzen Frauen*, Women of Color, Jüdischen Frauen*, Rom: nja und Sinti: ze Frauengruppen und Vereinen begegnet. Das sind z. B. ADEFRA, FeMigra, De Colores, ELISA, Rom e. V., Lesbisch Feministischer Schabbeskreis, Ban Ying, FIZ, Südströmungen, das Bunte Frauennetzwerk Bonn/Köln, die Koreanische Frauengruppe, die Iranische Frauen: bewegung im Ausland, Cadı Kazanı, agisra, Nozizwe, DaMigra oder das Frauenzentrum Schokofabrik. Die Dokumentation umfasst u. a. die folgenden Konferenzen und Veranstaltungen:

• Ausländische Frauen diskutieren: Sind wir uns so fremd?, Juni 1986, Bonn.

• Zweiter bundesweiter Kongress von und für Immigrantinnen, Schwarze Deutsche, Jüdische und im Exil lebende Frauen, Oktober 1991, Berlin.

• Dritter Bundesweiter Kongress von und für Schwarze/im Exil lebende Frauen, Migrantinnen und Jüdinnen, Oktober 1995, Hamburg.

• Upre Romnja: Erste bundesweite Tagung von und für Romnja und Sintezze, 1996, Köln.

• Marginale Brüche25: Kulturelle Produktionen von Migrantinnen, Schwarzen und jüdischen Frauen,

November 1997, Köln.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil führen wir in den Kontext und den methodologischen Rahmen des Projektes ein. Im zweiten Kapitel erläutert Encarnación den Zusammenhang von Bündnispolitik, affektiven Verbindungen und kollektiver Praxis: Migrantischer Feminismus zwischen rememory und Eingedenken. Inspiriert von Léa Tosolds26 Zugang zu rememory widmet sich dieses Kapitel der Erinnerungsarbeit im Lichte des feministischen migrantisierten Aktivismus der 1980er- und 1990er-Jahre. Dabei wird die Arbeit des Erinnerns, die von Tosold und Morrison als Reaktualisierung der Gegenwart betrachtet wird, in Verbindung mit Walter Benjamins „Eingedenken“ gebracht. Das Argument wird in vier Schritten entwickelt: Zunächst wird mittels Walter Benjamins Begriff des Eingedenkens über die Verräumlichung der Erinnerung im Rahmen des rassismuskritischen intersektionalen Widerstands nachgedacht. Dem folgt eine Rekonstruktion von Bewegungsgeschichte aus der Perspektive des Sentirpensar27 (Gefühltes-Denken), das die affektive Genealogie des Erinnerns und der politischen Praxis aufspürt. Schließlich werden Wege der Bündnispolitik rekonstruiert, um an gegenwärtige rassismuskritische intersektionale Kämpfe anzuknüpfen.

In ihrem Kapitel Wellenbrecher: innen: Sub(versives) (P)Rosa des heimatlosen Feminismus erzählt Pinar Tuzcu die Hintergrundgeschichte des Projekts und der Interviews. Sie diskutiert zwei zentrale Fragen des Projekts in ihrem Beitrag, nämlich: „Wie würden die Gegenwart und zukünftige Erzählungen der Frauen: bewegung in Deutschland durch eine Intervention in der Vergangenheit neu definiert werden? Was würde diese ‚Neudefinition‘ für Deutschland als Einwanderungsland und (post)migrantische Gesellschaft bedeuten?“ Durch eine kritische Analyse des Meta-Narrativs der westlichen feministischen Geschichtsschreibung im Allgemeinen und der deutschen feministischen Geschichte im Besonderen spürt Pinar den Lücken nach, die durch eine chronologische Erzählung entstehen. Da diese Geschichten in der Art der ersten, zweiten und dritten Welle etc. geschrieben werden, behauptet Pinar, dass der Migrantische Feminismus zu einem Wellenbrecher wird, da er nicht in dieser chronologischen Beschreibung feministischer Geschichten als Wellen erscheint oder sogar in sie hineinpasst. Pinar betrachtet das poetische Geschichtenerzählen als einen Weg, wie die migrantischen Feministinnen ihre heimlichen Geschichten von Zugehörigkeit, Heimat und ihrer Muttersprache erzählten. Indem sie diesem Erzählstil folgt, befragt sie auch, wie die poetischen Geschichten eine neue feministische Politik des lokalen transkulturellen Feminismus definierten, die einen postmigrantischen Feminismus im heutigen Deutschland hervorbrachte. Im zweiten Teil des Buches Rekonstruktion von Geschichte – bewegte Narrationen werden die gesammelten Beiträge und das Archivmaterial in vier regionale Sektionen unterteilt und mit Fotos vorgestellt. Kapitel IV – Eine bewegte Zeit: Berlin eröffnet mit dem Beitrag von Nivedita Prasad Jenseits der ‚Opfer- oder Exotinnenrolle‘: Wege zu Bündnissen. Darin rekonstruiert Nivedita feministische und BWoC- (Black/Women of Color)-Politik im Berlin der 1980er- und 1990er Jahre aus biografischer Sicht. Sie erzählt von den verborgenen Mauern, die die weiße deutsche Frauen: bewegung von der Bewegung von Schwarzen Frauen*, von Women of Color (BMWoC) und migrantischen Frauen* trennten und wie ihre Positionalität als Migrantin mit Gender verschränkt war. Zudem spricht sie über die Konstruktion und Funktionalisierung von migrantisierten und rassifizierten Frauen*: als Opfer in der deutschen Frauen: bewegung. Niveditas biografische Geschichte zeigt weiter, dass der Mauerfall 1989 eine neue Phase in der feministischen rassismuskritischen Bündnispolitik markiert. Denn eine BMWoC aus Westdeutschland erlebte nicht das gleiche Othering wie eine aus Ostdeutschland. Sie erklärt auch, wie es diesen Frauen trotz ihrer Differenzen und ständigen Diskussionen – manchmal sogar Konflikten – gelungen ist, ihre eigenen Räume und Plattformen zu erschaffen, um gemeinsam gegen Rassismus und heteropatriarchale Strukturen zu kämpfen.

Wir setzen diese Diskussion mit einem anderen wichtigen Teil der Geschichte des Migrantischen Feminismus fort. In ihrem Beitrag Wer sich nicht bewegt, spürt ihre Fesseln nicht: koreanische Frauen in Deutschland erzählt Kook-Nam Cho-Ruwwe die Geschichte der Krankenpflegekräfte, die um die 1970er-Jahre von Korea nach Deutschland migriert sind, und wie und warum sie die erste koreanische Frauen: gruppe in Berlin gegründet haben. Kook-Nam erklärt auch, dass alle Veranstaltungen in dieser Zeit aus internationalen und transnationalen Verbindungen und Beziehungen entstanden waren. Sie berichtet, wie die kritische Auseinandersetzung mit der kolonialen Geschichte und deren Kontinuitäten das Leben der Migrant: innen in Deutschland geprägt hat. Konkret spricht sie über die langfristigen Auswirkungen der japanischen Kolonialisierung von Süd-Ost-Asien auf die Beziehung zwischen japanischen und koreanischen Frauen* – diesmal als Migrant: innen in Berlin – und wie ihre kritische Haltung gegenüber dem Kolonialismus sie zusammengebrachte. Da Berlin schließlich ein dritter Ort für diese beiden Frauen: gruppen war, ermöglichte dies einen Heilungsprozess nach dem Krieg, da sie sich gegenseitig mit den Kriegsverbrechen konfrontierten und über öffentliche Geheimnisse sprachen. Darüber hinaus erfahren wir in Kook-Nams Beitrag mehr über die internationale Solidaritätskampagne, die von der Koreanischen Frauen: gruppe in Berlin initiiert und organisiert wurde, um die Arbeiter: innen in Korea zu unterstützen, die gegen das deutsche Textilunternehmen Adler streikten. In dieser Erzählung finden wir sowohl die Geschichten der internationalen Solidarität im Kampf gegen deutsche kapitalistische Konzerne und Kolonialismus als auch den Kampf der Koreanischen Frauengruppen gegen Rassismus in Deutschland.

In Kapitel V Globale Verbindungen in Diasporen: Köln/Bonn stellen wir einige Stränge des Bunten Frauennetzwerkes in der Region Köln/Bonn vor. Unter anderem wird die Arbeit der Gruppe ELISA (Emigrantinnen, lesbische, Schwarze, im Exil lebende Frauen in Aktion) und der Netzwerke von Schwarzen, migrierten, exilierten, jüdischen Frauen*, Rom: nja und Sinti: ze vorgestellt. So erzählt Ayşe Tekin in Unterschiede! – Und was eint uns? von der Entwicklung der Verschiedenheit im Migrantischen Feminismus. Als Mitglied von ELISA war sie maßgeblich an politischen Kampagnen und kulturellen Aktivitäten beteiligt. In ihrem 1994 veröffentlichten Aufsatz Unterschiede wahren, Zusammenarbeit möglich machen beschäftigt sie sich mit der Beziehung zwischen den Aktivist: innen der deutschen Frauen: bewegung und der Migrant: innenbewegung. In diesem Zusammenhang thematisiert sie die Solidarität unter Frauen* und schreibt, dass die „politische Solidarität unter Frauen ( ) zuerst die Befreiung von den Bedingungen der dominanten Ideologie in der herrschenden Kultur“ benötige.28 Auch das Poster der ELISA-Konferenz Unterschiede Netzen – Unterschiede Nutzen sowie ein Auszug des Tagungsprogramms sprechen von der Anerkennung und dem Umgang mit Unterschieden in der politischen Praxis. Der Beitrag von Behshid Najafi „Ach, schon wieder agisra!“ Wiederholungen und Widerstand. Eine Politische Praxis der Verschränkung gibt einen Einblick in die Nachhaltigkeit des migrantischen Aktivismus anhand der Erzählung über die Gründung von agisra e. V.29 1993 in Köln. Dieser Verein bietet bis heute Migrant: innen und geflüchteten Frauen* kostenlose psychosoziale Beratung, Begleitung und Unterstützung an. Auch in dem Beitrag von Malin Kundi Ge/hören oder: Wo man gehört wird, gehört man hin werden Fragen der feministischen Organisierung entlang der eigenen Organisierung in jüdischen Lesben- und Frauen: zusammenhängen sowie der Arbeit in Migrant: innenorganisationen vorgestellt. Als freischaffende Fotografin hat Malin uns in großzügiger Geste einiges von ihrem Archivmaterial sowie ihren Dokumentarfilm Grenzenlos mächtig zur Verfügung gestellt. Dieser ist May Ayim gewidmet und eröffnet den dritten Bundeskongress von und für Schwarze, im Exil lebende Frauen*, Migrant: innen und Jüd: innen ab, der vom 3.-6. Oktober 1995 in Hamburg stattfand. An der Organisierung dieses Kongresses waren beteiligt: ADEFRA, agisra Köln, das AG-Antirassismusbüro der Frauenanstiftung (FAS), De Colores, ELISA Köln, die Koreanische Frauengruppe, die Iranische Frauengruppe, Jacaranda, Südströmung, Philippine Women’s Forum, THARA und Frauen in der Einen Welt e. V. Malins Text wird begleitet von Bildern und dem Vorwort von Jessica Jacoby, Claudia Schoppmann und Wendy Zena-Henry der Anthologie Nach der Shoa geboren. Jüdische Frauen in Deutschland30, die eine Reihe von Beiträgen von jüdischen Frauen beinhaltet und 1994 im Berliner Verlag Elefanten Press erschienen ist. Zuletzt bespricht Elizabeta Jonuz in der für diesen Band neuüberabeiteten Fassung ihres 1996 veröffentlichten Aufsatzes Romnja – ‚rassig‘ und ‚rassisch minderwertig‘?31 die rassistische Konstruktion von Rom: nja und Sinti: ze in der deutschen medialen, wissenschaftlichen und politischen Öffentlichkeit. In diesem Rahmen wird auch die von Elizabeta Jonuz mitherausgegebene Zeitschrift Jekh Čhib vorgestellt. Die Zeitschrift Jekh Čhib wurde etwa halbjährlich von Rom e. V. Köln herausgegeben und thematisierte die Situation, Geschichte und den Alltag von Rom: nja und Sinti: ze. Neben diesen eindringlichen Beiträgen beinhaltet dieser Abschnitt Bilder, Poster, Flyer und Tagungsankündigungen, die in diesen Netzwerken zu diesem Zeitpunkt zirkulierten.

Das sechste Kapitel bringt uns nach Hamburg. Hier sind die Erzählungen von Hamide Scheer, Emine Şahinaz Akalın, Necla Açık und Yasemin Yıldız verortet. Die Interviews mit Necla, die in England, und mit Yasemin, die in den USA lebt, wurden online durchgeführt. In diesem Teil erzählen uns die Akteur: innen die Geschichte ihres Zusammenkommens und wie bedeutsam dies für ihre persönliche aber auch politische Entwicklung war. Von Necla lernen wir nicht nur über die Geschichte der ‚Emanzipation‘ als migrantisierte kurdische Frau in Deutschland, sondern wir erfahren auch einiges über den institutionellen Rassismus, vor allem an deutschen Universitäten. Denn unabhängig davon, dass sie kontextreiche und theoretisch komplexe Arbeiten und Präsentationen an der Universität leistete, wurde ihr Image als Studentin auf die Frage reduziert, ob sie in der deutschen Sprache gut genug sei.

Yasemin, Hamide und Şahinaz erzählen die Geschichte des 1981 gegründeten Vereins INCI (InterNationale Cultur und Information für Frauen e. V.) und die von Cadı Kazanı e. V. (auf Deutsch: Hexenkessel), der 1989 gegründet wurde. Beide Vereine wurden ausschließlich von Migrant: innen gegründet und organisiert. Ihre Geschichten handeln davon, wie diese in solchen Initiativen das Gefühl von Definitionsmacht und Selbstwirksamkeit entwickelten und ermutigt und bestärkt wurden, in ihrer politischen Arbeit ihre Stimmen noch lauter gegen Rassismus, Klassismus und Sexismus zu erheben. Insbesondere zeigen beide Interviews, wie rassistische Angriffe in den 1990er Jahren sowohl in Mölln als auch in Solingen Ärger, Frustration und Enttäuschung hervorbrachten, aber auch eine ‚Hexen-Macht‘ besonders bei aus der Türkei stammenden Frauen hervorrief. Sie verwandelten wiederum ebendiese ‚Hexenkessel‘ in ihre politische Emanzipation und ihre Kämpfe für eine intersektionale Gerechtigkeit in Deutschland.

Im siebten Kapitel Migrant: innen – eine politische Strategie: Frankfurt richten wir unseren Blick auf zwei Erzählungen des Migrantischen Feminismus in der Rhein-Main Region. Zunächst spricht Encarnación mit Selçuk Yurtsever-Kneer in Seiltänzer: innen: FeMigra (Feministische Migrantinnen) in Frankfurt über ihren migrantischen Aktivismus. Die Gruppe Feministische Migrantinnen, auch bezeichnet als FeMigra, wurde 1991 in Frankfurt gegründet. Als selbstorganisierte Gruppe von Migrant: innen beteiligte sich FeMigra an den feministischen rassismuskritischen Perspektiven und Strategien der bündnispolitischen Arbeit. Zur Illustration dieser Arbeit beinhaltet der Abschnitt zwei Dokumente aus dieser Zeit: den Offene[n] Brief an den Magistrat, an das Frauendezernat der Stadt Frankfurt und an Migrantinnen und Frauenprojekte, veröffentlicht 1992 in der Migrant: innenzeitschrift Dyalog, die damals u. a. von İmran Ayata herausgebracht wurde, und den im selben Jahr erschienenen Text Sicher ist nicht sicher, daß Sicherheit sicher ist. Als Zweites erzählt Rosa Liccardo in Wahrhaftigkeit und Sehnsucht von ihrer Migration 1968 nach Deutschland, ihren Aktivismus in der Gewerkschaft und in der deutschen Lesben- und Frauen: bewegung. Das Gespräch mit ihr führte ihr Sohn Max Cappabianca am 30. Januar und am 2. Februar 2009 in Frankfurt am Main. Wir danken Rosa und Max für die großzügige Erlaubnis dieses Gespräch hier wieder abdrucken zu dürfen.

Das letzte Kapitel besteht aus weiteren Texten und Archivmaterialien, die wir für dieses Buch gesammelt haben. Obwohl wir Natascha Apostolidou nicht in diesem Projekt interviewen konnten, stellt ihr 1995 veröffentlichter Text Differenz und Gleichheit. Migrantinnen in der BRD und ihre Position in der Frauenbewegung für uns eine wichtige Ressource der Geschichte des Migrantischen Feminismus dar. Als weiteres Archivmaterial haben wir einige Bilder unserer Ausstellung, die im Rahmen des Stadtlabors des Historischen Museum in Frankfurt zwischen September 2020 und März 2021 gezeigt wurde, ausgewählt.

Wir hoffen mit diesem Buch aus einer sozialgeschichtlichen Perspektive zur Erweiterung feministischer Theorie und der Geschichte sozialer Bewegungen, vor allem der Frauen: bewegung in Deutschland, beizutragen. Die gesammelten Beiträge durchleuchten den spezifischen Kontext der deutschen Migration nach 1945, indem es die Geschichte der ‚Gastarbeiterinnen‘ und der n Kontext der deutschen Migration nach ‚Gastarbeiter: innen-Töchtergeneration‘, der Bildungsmigration und der internationalen Migration in der deutschen Frauen: bewegung zwischen 1985–2000 thematisiert. Wir hoffen daher mit dieser Anthologie folgende Punkte beizutragen:

a. die Erweiterung des Forschungsfeldes Migration und Gender um die Perspektive des Migrantischen Feminismus;

b. die Verkomplizierung der Debatte zu Intersektionalität um die Verbindung von Theorie und Praxis in Schwarzen, migrantischen, exilierten, jüdischen sowie Rom: nja und Sinti: ze Feminismen;

c. die Entwicklung einer Gesellschaftsanalyse und Kritik, die aus der Verschränkung vielschichtiger Herrschaftsverhältnisse und Machtbeziehungen aus der Perspektive des Migrantischen Feminismus erwächst;

d. die Situierung von Wissen, aufbauend auf kollektiven Prozessen des Widerstands und der politischen Organisierung migrantisierter Frauen*;

e. der Aufbau eines neuen didaktischen Zugangs in die bildungspolitische Arbeit in Deutschland, der aus den Verflechtungen der Geschichte der deutschen Frauen: bewegung und der Migrationsgeschichte Deutschlands resultiert;

f. die Betrachtung, dass die politische Selbstorganisierung gegen rassistische intersektionale Gewalt in den 1980er- und 1990er-Jahren maßgeblich von rassismuskritischen feministischen Bewegungen angeführt wurde.

Wir wünschen Euch eine aufschlussreiche und ermächtigende/empowernde Zeitreise mit diesem Buch!

Literatur

Apostolidou, Natascha (1980): „Für die Frauenbewegung auch wieder nur ‚Arbeitsobjekte‘?“, in: Informationsdienst zur Ausländerarbeit 2.

Bergold-Caldwell, Denise, Laura Digoh, Hadija Haruna-Oelker, Christelle Nkwendja-Ngnoubamdjum, Camilla Ridha und Eleonore Wiedenroth-Coulibaly (Hrsg.) (2016): Spiegelblicke. Perspektiven Schwarzer Bewegungen in Deutschland. Berlin: Orlanda Verlag.

Camlikbeli, Deniz (1984): „Deutsche Frauen – türkische Frauen“, in: Informationsdienst zur Ausländerarbeit 1.

Escobar, Arturo (2014): Sentipensar con la tierra. Nuevas lecturas sobre Desarrollo, territorio y diferencia. Medellín: Ediciones UNAULA.

FeMigra (Feministische Migrantinnen, Frankfurt) (1994): „Wir, die Seiltänzerinnen: politische Strategien von Migrantinnen gegen Ethnisierung und Assimilation“, in: Eichhorn, Cornelia und Sabine Grimm: Gender Killer: Texte zu Feminismus und Politik. Berlin-Amsterdam: ID-Archiv, S. 49–63.

Gelbin, Cathy, Kader Konuk und Peggy Piesche (Hrsg.) (1999): AufBrüche: Kulturelle Produktionen von Migrantinnen, Schwarzen und jüdischen Frauen in Deutschland. Königstein im Taunus: Ulrike Helmer Verlag.

Gutiérrez Rodríguez, Encarnación (2018): „Political subjectivity, transversal mourning and a caring common: responding to deaths in the Mediterranean”, in: Critical African Studies, 10:3, S. 345–360.

Gutiérrez Rodríguez, Encarnación (2011): „Intersektionalität oder: Wie nicht über Rassismus sprechen?“, in: Intersektionalität revisited. Empirische, methodische und theoretische Erkundungen, Sabine Hess, Nicola Langreiter und Elisabeth Timm (Hrsg.). Bielefeld: Transcript.

Hartmann, Fatima, Elizabeta Jonuz, Yvonne Küsters, Cordula Lissner, Ute Moschner (1995): Jekh Čhib: Mit einer Zunge reden. Materialien zur Situation der Roma und der BRD, Nr. 4.

Jacoby, Jessica, Claudia Schoppmann, Wendy Zena-Henry (Hrsg.) (1994): Nach der Shoa geboren. Jüdische Frauen in Deutschland. Berlin: Elefanten Press. Jonuz, Elizabeta (1996): „Romnja – „rassig“ und „rassisch minderwertig?“ Anmerkungen zu Geschichte und Realitäten von Romafrauen“, in: Rassismen und Feminismen. Differenzen, Machtverhältnisse und Solidarität zwischen Frauen, Brigitte Fuchs, Gabriele Habinger (Hrsg.). Wien: Promedia.

Kalpaka, Anita und Nora Räthzel, (1985): „Paternalismus in der Frauenbewegung?!“, in: Informationsdienst zur Ausländerarbeit 3.

Piesche, Peggy (2019): „Einleitung Oder: 1989 Als Gesellschaftslabor“, in: Labor 89. Intersektionale Bewegungsgeschichte*n aus West und Ost, Peggy Piesche (Hrsg.). Berlin: Yilmaz-Günay Verlag.

Morrison, Toni (2019): The Source of Self-Regard: Selected Essays, Speeches, and Meditations. New York: Alfred A. Knopf.

Tosold, Léa (2020): „Cartografia Co-Moventes: Imageando o Quilombo com Beatriz Nascimento”, paper presented in Research Area Medialities of Conviviality, Mecila - The Maria Sibylla Merian International Centre for Advanced Studies in the Humanities and Social Sciences Conviviality-Inequality in Latin America, São Paulo.

Tosold, Léa (i. E): „Quilombo as regime of conviviality: sentipensando memory politics with Beatriz Nascimento”, Mecila Working Paper Series, São Paulo: The Maria Sibylla Merian International Centre for Advanced Studies in the Humanities and Social Sciences Conviviality-Inequality in Latin America. Tekin, Ayşe (1994): „Unterschiede wahren, Zusammenarbeit möglich machen“, in: Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis, 17:36, S. 103–109.

Tuzcu, Pinar (2017): Ich bin eine Kanackin. Decolonizing Popfeminism. Transcultural Perspectives on Lady Bitch Ray. Bielefeld: transcript Verlag.

Webseiten:

https://agisra.org/ (Zugang: 22.01.2021)

https://orlanda.de/post/katharina-oguntoye-im-rbb-ueberfarbe-bekennen (Zugang: 11.02.21)

https://thelivingarchives.org/passing-it-on/; (Zugang: 10.02.2021)

https://www.xartsplitta.net/the-living-archives/ (Zugang: 10.02.2021)

https://www.xartsplitta.net/en/passing-it-on/ (Zugang: 10.02.2021)

ENCARNACIÓN GUTIÉRREZ RODRÍGUEZ

BÜNDNISPOLITIK, AFFEKTIVE (VER-)BINDUNGEN UND KOLLEKTIVE PRAXIS: MIGRANTISCHER FEMINISMUS ZWISCHEN REMEMORY UND EINGEDENKEN

Dem Konzept rememory von Toni Morrison1 folgend, schlägt Léa Tosold2