Mission Rente - Rolf Walter G. - E-Book

Mission Rente E-Book

Rolf Walter G.

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Beschreibung

"Mission Rente" erzählt Geschichten, die das Leben schreibt. Mit der Pensionierung fängt eine neue Aera an. Vorausgesetzt, man hat das grosse Glück, diese auch wirklich erleben zu dürfen. Jeder und jede hat genügend Zeit, sich darauf vorzubereiten. In der Regel sind das gerade mal so um die fünfundsechzig Jahre. Nur, machen muss man es. Es lohnt sich. Das Alter hat so viele Überraschungen parat. Viele unterschätzen die neue Situation. Werden von der Realität überfahren. Sind berfordert. Jammern und frustiert sein ist dann keine Lösung. Die meisten Rentner und Rentnerinnen aber können dem Herbst des Lebens mit Gelassenheit begegnen. Es bleibt dann nur noch, das Leben in vollen Zügen zu geniessen. Mit der nötigen Demut und Dankbarkeit.

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Seitenzahl: 107

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Geld allein macht nicht glücklich – aber es ermöglicht, sich alles zu leisten, was glücklich machen könnte.

Wieso sollte man andere lieben, wenn man sich selber am liebsten hat?

Für die wahre Liebe ist es nie zu spät.

Es muss nicht immer Risiko sein um zu gewinnen.

Zusammen – und doch alleine.

Auswandern ist vielmals eine Option – aber nicht immer eine Lösung.

Ruhestand ist planbar – Schicksal nicht!

Wenn einem zuletzt nichts mehr bleibt – ausser seinem Stolz.

Es sind nicht nur die Hochs, die zusammenschweissen.

Selbst ist der Mann.

Der Wert einer Familie wird erst so richtig bewusst, wenn man nie eine hatte.

Geboren um zu helfen.

Das Feuer der Liebe ist zwar erloschen, aber die Glut ist immer noch da!

Vorwort

Der Tag, den man sich so sehnlichst herbei wünscht, rückt immer näher. Und plötzlich steht man kurz davor. Der Fokus ist ganz klar darauf gerichtet, ab sofort morgens aufzustehen wann immer man will. Selbständig sein Leben zu bestimmen. Nicht mehr jeden Morgen zur Arbeit fahren zu müssen. Sein eigener Boss zu sein. Das Ende der aktiven Berufstätigkeit ist minutiös geplant. Nicht aber die Zeit danach.

Und jetzt ist er da. Dieser neue Alltag. Jahrelang hatte man darauf gewartet. Sich danach gesehnt. Davon geträumt.

Die Abschiedsfeierlichkeiten vom Berufsleben sind noch so präsent. Lassen den neuen Alltag erst gar nicht so richtig zu. Als Jungrentner und Jungrentnerin geniesst man es zunächst, nur noch das zu machen, wonach man gerade Lust hat.

Die einen sind teilweise überfordert, sich selbst zu managen. Ein Leben lang wurden sie von Vorgesetzten geplant und geführt. Und jetzt sollten sie – von einem Tag auf den andern – für alles alleine zuständig sein. Andere waren es von der beruflichen Position her gewohnt, Untergebene zu planen und zu führen. Und jetzt gibt es niemanden mehr im Alltag, der geführt werden muss, der sich führen und planen lässt. Ausser sich selbst.

Die meisten kommen mit der neuen Situation ganz gut zurecht. Andere sind überfordert, sind hilflos. Wissen nicht, was anfangen mit der neuen Freiheit. Viele sind auch enttäuscht, dass es nicht so läuft, wie sie sich das vorgestellt haben.

Jede Pensionierung geht ihren eigenen Weg. Jede der nachfolgenden Geschichten ist wahr. Es kann vorkommen, dass man sich – in der einen oder andern Form – selbst wiederfindet.

Orte und Namen der Protagonisten sind frei erfunden. Die Geschichten nicht.

Geld allein macht nicht glücklich, aber es ermöglicht, sich alles zu leisten, was glücklich machen könnte.

Die Keubühlers haben es geschafft. Sie sind reich. Sehr reich. Das war nicht immer so. Aber jetzt – als Rentner – mangelt es ihnen an nichts. Finanziell jedenfalls. Sie können sich alles leisten. Sie leisten sich auch alles. Gesellschaftlich stehen sie zuoberst. Es ist ihnen zu gönnen. Alles, was sie besitzen, haben sie selber erschaffen. Wie es um ihre Familie steht? Das wissen sie vermutlich nicht so genau. Es bleibt fast keine Zeit, darüber nachzudenken. Sie schaffen immer noch.

Begonnen hat alles an den Gestaden des Bodensees. Grossvater Kneubühler war Bauarbeiter. Ein sehr fleissiger Maurer. In den Dreissigerjahren gab es die grosse Kriese. Auch Paul Kneubühler war davon betroffen. War arbeitslos. Auswandern – wie viele Schweizer – war für ihn keine Option. Zu fest war er mit seiner Heimat verbunden. Alles was er hatte, war sein Wille zu arbeiten. Er wollte einfach nur schaffen.

Schon bald machte er sich selbständig und fing an Häuser zu flicken. Kleine Arbeiten. Keller ausbauen, Bäder umbauen, Küchen einbauen, Hühnerställe aufbauen. Einfach alles, was ein Mann alleine ohne Maschinen bewerkstelligen konnte. Er war zuverlässig, arbeitete sauber und machte seinen Namen schnell zu einer Marke. Nach und nach konnte Paul bis zu fünf Mitarbeiter beschäftigen und diese auch anständig bezahlen. Er war zufrieden mit dem Erreichten. Er hatte eine stabile Basis für seinen Sohn erschaffen.

Hanspeter hatte, wie sein Vater, auch Maurer gelernt. Mit viel Motivation übernahm er den väterlichen Betrieb. Er hatte Ideen und Visionen. Er wollte etwas Grosses schaffen. Baufirmen gab es zu dieser Zeit genügend.

Überall schossen Neubauten wie Pilze aus dem Boden. Alle wollten neu-bauen. Da musste er nicht auch noch mitmischen. Er wollte etwas wirklich Neues kreieren. Genauer gesagt, Altes er-neuern. Das wollten die wenigsten. Er spezialisierte sich auf Renovationen und bot seine Dienstleistungen in der ganzen Ostschweiz an.

Inzwischen beschäftigte Hanspeter bis zu zehn Angestellte. Die Büroarbeiten wuchsen ihm über den Kopf hinaus. Er brauchte Verstärkung in der Administration. Eine Sekretärin wurde eingestellt. Eine Grenzgängerin aus dem nahen Vorarlberg. Die Anstellung von Rosemarie war für Hanspeter ein Glücksgriff. Ihre Engagements für die Firma und für Hanspeter waren enorm.

Zusammen stellte man schon bald fest, dass der Reisezeitanteil an den jeweiligen Einsatzort – im Verhältnis zur Arbeitzeit – viel zu gross war. Ein Lösung musste her. Hanspeter hatte sie. Ein Filialnetz aufbauen. Das sollte es sein. Damit verkürzte er die Arbeitswege – und die Kosten. Und er war damit überall regional vertreten. An vielen renovationsbedürftigen Liegenschaften hingen bald Schilder mit der Aufschrift: «Kneubühler Renovationen». Kneubühler wurde zum Begriff. – Zwischendurch wurde noch schnell geheiratet. Hanspeter und Rosemarie waren sich schon bald im klaren, dass sie zusammengehören. Und zwar geschäftlich wie privat. Gemeinsam schnupperten sie erstmals am Wohlstand. Sie hatten sich entschlossen, reich zu werden. Koste es was es wolle.

Fachleute aus der ganzen Ostschweiz wurden angeworben. Diese konnten sich im Hauptgeschäft auf ihre zukünftige Funktion als Filialleiter ausbilden lassen. Wenn sie dann den Ansprüchen der Kneubühlers genügten, wurde eine neue Filiale eröffnet. Möglichst in der Wohngemeinde des neuen Filialleiters. Das garantierte Regionalität. Erfolglose Filialen gab es nicht. Kneubühler war Matkleader geworden. Die Firma wuchs.

Wenn die Arbeit knapp wurde, schaute sich Hanspeter nach renovationsbedürftigen Verkaufsobjekten um. – Bares war in der Zwischenzeit genügend vorhanden. – Kaufte diese auf, renovierte und sanierte sie und verkaufte sie weiter. Mit beträchtlichem Gewinn. Um Fremdkosten zu senken, entschloss sich Hanspeter, in den Immobilienhandel einzusteigen. Er gründete eine eigene Immobiliengesellschaft. Jetzt blieb der ganze Gewinn aus dem Häuserhandel bei den Kneubühlers hängen.

Die Zahl der nötigen Firmenfahrzeuge stieg derart in die Höhe, dass ständig einige davon in den Autowerkstätten standen. Kurzentschlossen baute Hanspeter eine eigene Reparaturwerkstätte für seinen Wagenpark auf. Wiederum konnten Kosten eingespart werden. Das Unternehmen vergrösserte sich fast von Tag zu Tag.

Inzwischen bestand die Firma Kneubühler nicht mehr nur aus Renovations-Filialen. Auch Lieferanten- und Zuliefererbetriebe wurden eingekauft und angegliedert. Der Immobilienhandel boomte. Um nicht die Übersicht zu verlieren wurde eine Holding gegründet. Damit schaffte sich Hanspeter eine Absicherung für seine Errungenschaften.

Ihre drei Kinder waren keine Kinder mehr. Jedes hatte einen handwerklichen Beruf erlernt. Für jeden Beruf hatte Hanspeter für die Jungmannschaft eine adäquate Stelle in seinen Betrieben parat. Ziemlich schnell gab er Verantwortung und Kapital an seine Nachkommenschaft ab. Er gab viel ab. Nie aber die Oberaufsicht.

Es war ein leichtes für die drei «Kinder» – jedes für sich –, ein eigenes Haus zu bauen und eine eigene Familie zu gründen. Jetzt hat jedes der drei Kinder sein eigenes «Schloss» mit Sicht auf See und Berge. Und jedes dieser Schlösser hat seine eigenen Mauern. Um sich gegen Eindringlinge zu schützen. Vor allem auch, um sein Eigentum zu schützen. Schlösser stehen meistens auf Hügeln. Man kann sich gegenseitig sehen und zuwinken. Um sich zu treffen, müssen jedoch Gräben und Mauern überwunden werden... Es sind die elektronischen Medien, die die Familie zusammenhalten.

Rosemarie und Hanspeter sind jetzt beide über achzig Jahre alt. Körperlich gut beieinander und geistig immer noch auf höchstem Level. Nicht mehr arbeiten kommt für sie überhaupt nicht in Frage. Arbeit ist ihr Lebenselixier. Ohne können und wollen sie nicht sein. Sie sind süchtig danach. Vermutlich ist hier auch der Grund ihrer Vitalität zu suchen. Ums Geldverdienen geht es ihnen schon lange nicht mehr. Das übernahmen inzwischen die Jungen. Die Senioren haben mehr, als sie je in ihrem verbleibenden Leben ausgeben können. Oder doch nicht? Wer weiss das schon.

Die beiden gönnen sich ab und zu eine kleine Weltreise. Die darf dann ruhig ein bis zwei Monate dauern. Aber das muss dann wieder für eine Zeit lang reichen. Rosemarie geniesst auch kulturelle Anlässe. Theater- und Ballettbesuche gehören bei ihr zum Alltag. Hanspeter hat einen grossen Freundeskreis. Er ist Mitglied in diversen Society Clubs und gehört einer Jagdgesellschaft an. Und natürlich haben beide immer noch viel, viel zu tun. Von Pensionierung wollen sie jedenfalls noch nichts wissen.

Enkelkinder haben sie auch einige. Zeit für diese haben sie jedoch noch nicht. Aber die wollen sie dann später nachholen und geniessen. Wenn sie einmal nicht mehr arbeiten. So jedenfalls ist es geplant. – Arme Reiche.

Wieso sollte man andere lieben, wenn man sich selber am liebsten hat?

Ricardo ist jetzt 72 Jahre alt. Nach wie vor fährt er jeden Tag zur Arbeit. Er kann nicht sein ohne. Was sollte er denn auch sonst tun? Vor 35 Jahre wurde er geschieden. Seither lebt er alleine. Er war nie in einem Verein. Auch sonst hat er keine Hobbies. Jeden Tag treibt es ihn raus aus der winzigen Altstadt-Wohnung. Ohne Balkon und ohne «Weitsicht».

Grossvater Gustavo Galli kam um die Jahrhundertwende von Italien her in die Schweiz. Er wollte hier etwas erreichen. Das gelang ihm im Süden nicht. Er kam völlig mittellos daher. Aber er hatte viele Geschäftsideen mit im Gepäck. Eigentlich wusste er nicht genau, was er hier arbeiten sollte. Er wusste nur, dass er kein Freund von schmutzigen Händen war.

Gustavo kam nach Basel. Zufällig. Schnell fiel ihm auf, dass italienische Lebensmittel schwer zu bekommen waren. Damals. In seinem Kopf machte es klick: Italien nach Basel bringen. Das machte er sich zur Aufgabe. Er reiste zurück nach Padova, traf sich mit Bauern und handelte Verträge aus. Wieder in Basel gründete er sein Importgeschäft. Er liess alles kommen, was in Italien gerade so auf dem Lebensmittelmarkt zu bekommen war. Oliven, Zitronen, Tomaten. Sogar Weine, Käse und Salamis. Er fing an Restaurants mit seiner mediterranen Ware zu beliefern. Er machte sich schnell einen Namen. Er heiratete und schon bald wurde Nello geboren.

Nello wuchs in Basel auf. Er fühlte sich als Basler. Sein südländisches Aussehen und sein Schweizer Dialekt machten ihn zum Exoten. Er war zwar geschäftstüchtig wie sein Vater, aber mit Südfrüchten & Co. hatte er nichts am Hut. Er wollte einen handwerklichen Beruf erlernen.

Als gutem Schüler standen ihm viele Türen offen. Er entschied sich, Buchdrucker zu erlernen.

Nach Abschluss der Lehrzeit, konnte er sich voll ins Berufsleben stürzen. Rekrutenschule war für ihn kein Thema. Er war ja immer noch Italiener. Und ein hervorragender Berufsmann mit Ambitionen. Er wollte schnell sein eigener Meister werden. Das sollte kein Problem sein. Geld war unterdessen bei den Galli’s genug vorhanden. Schon bald stand eine kleine Druckerei zum Verkauf. Der Kauf war für Nello reine Formsache.

Der junge Galli zeigte sich sehr ehrgeizig. Der Erfolg blieb nicht aus. Die Firma wuchs. Er heiratete eine Schweizerin. Nello fühlte und dachte wie ein Schweizer. Herr und Frau Galli bekamen einen Sohn: Ricardo. Wenigstens der Name musste italienisch sein. Und katholisch musste Ricardo auch sein. Damit waren sie bedient. Sie hatten den Nachfolger für das Unternehmen. Sie waren zufrieden. Der Fortbestand der Druckerei schien gesichert.

Der Fokus der Gallis lag nun voll auf dem Geschäft. Ricardo wurde ein kleiner, dicker, verwöhnter «Italo»-Junge. Der kein Wort Italienisch sprach. Mutter war schliesslich aus dem Berner Oberland und Vater immer im Geschäft. Dem Jungen sollte es an nichts fehlen. Materiell. Sozialgesellschaftlich fehlte ihm einiges. Mit seinem Aussehen und seinem Stottern war es nicht leicht, Anschluss bei andern Kindern zu finden.

Aber Ricardo hatte etwas, was andere nicht soviel hatten. Er hatte immer Geld. Das machte ihn interessant. Mit dem vielen «Münz» in der Tasche stand ER jetzt im Mittelpunkt. Er kam sich plötzlich mächtig vor. Sein Selbstvertrauen überbordete. Seine Selbstüberschätzung war das Resultat seiner Erziehung.

Ricardo hatte während der Schulzeit etwas an Gewicht verloren. Um mit andern sportlich einigermassen mithalten zu können, musste er immer alles geben. Und weniger essen. Schulisch war er immer vorne mitdabei. Lernen fiel ihm leicht.

Als Kronprinz war seine Zukunft schon seit seiner Geburt geregelt. Allerdings schien ihm der Beruf des Buchdruckers zuwenig Herausforderung zu sein. Er entschied sich, Schriftsetzer zu werden. Mindestens das musste es schon sein. Schon bald nach der Lehrzeit strandete er im elterlichen Betrieb. Natürlich auf dem Büro. Nello wollte seinen Sohn sofort auf die Übernahme vorbereiten. Ricardo zog es vor auf Zusatzausbildungen zu verzichten. Für die Buchhaltung hatte man schliesslich Personal. Unter anderem auch eine junge Buchhalterin. Für den Rest gab es noch alte Beziehungen. Die hatte man vom Vater übernommen. Solange Papa das Zepter noch in der Hand gehalten hatte, lief alles perfekt. Das Geschäft florierte. Dann übernahm Ricardo definitiv.

Gleichzeitig mit dem Wechsel der Leitung wechselte auch die Technik im grafischen Gewerbe. Buchdruck wurde Offsetdruck. Bleisatz verschwand und wurde ersetzt durch elektronische Satzgeräte. Eine neue Aera war angebrochen. Statt eigene Leute umzuschulen, wurden teure «Spezialisten» eingestellt. Trotz Technologie auf neustem Stand ging der Umsatz zurück.