Mission SOL 2020 / 4: Im Sphärenlabyrinth - Hermann Ritter - E-Book

Mission SOL 2020 / 4: Im Sphärenlabyrinth E-Book

Hermann Ritter

5,0

Beschreibung

SOL – dieser Name hat einen ruhmvollen Klang in der 3000-jährigen Geschichte der terranischen Raumfahrt. Das hantelförmige Fernraumschiff spielt immer wieder eine entscheidende Rolle im schicksalhaften Konflikt zwischen den kosmischen Mächten der Ordnung und des Chaos. Im Jahr 1552 Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist Perry Rhodan, der die Menschheit von Beginn an ins All begleitet hat, in die ferne Galaxis Yahouna versetzt worden. Dort sollen er und die Besatzung der SOL im Auftrag der Kosmokraten herausfinden, ob die Ritter der Superintelligenz BARIL immer noch der Ordnung verpflichtet sind oder ob sie bereits den Mächten des Chaos dienen. Die SOL gerät schnell in Bedrängnis, wird gekapert und in den Dienst einer Ritterin BARILS gezwungen. Währenddessen reist Rhodans Sohn Roi Danton an einen Ort, wo BARILS Helfer mysteriöse Aktivitäten entwickeln. Welches Ziel verfolgt dieses Geheimprojekt? Danton und Rhodan erhoffen sich Antworten IM SPHÄRENLABYRINTH ...

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Nr. 4

Im Sphärenlabyrinth

Sie meistern den Nebel – eine Flucht aus dem Nirgendwo

Hermann Ritter

Cover

Vorspann

Die Hauptpersonen des Romans

1. 16. November 1552 Neue Galaktische Zeitrechnung – Sphärenlabyrinth

2. 16. November 1552 NGZ – Kepraunsystem

3. 18. November 1552 NGZ – Sphärenlabyrinth

4. 20. November 1552 NGZ – Mauritiussystem

5. 18. November 1552 NGZ – Sphärenlabyrinth

6. 20. November 1552 NGZ – Sphärenlabyrinth

7. 20. November 1552 NGZ – Sphärenlabyrinth

8. 20. November 1552 NGZ – Sphärenlabyrinth

9. 20. November 1552 NGZ – Sphärenlabyrinth

10. 20. November 1552 NGZ – Sphärenlabyrinth

11. 20. November 1552 NGZ – Sphärenlabyrinth

12. 20. November 1552 NGZ – Sphärenlabyrinth

Impressum

SOL – dieser Name hat einen ruhmvollen Klang in der 3000-jährigen Geschichte der terranischen Raumfahrt. Das hantelförmige Fernraumschiff spielt immer wieder eine entscheidende Rolle im schicksalhaften Konflikt zwischen den kosmischen Mächten der Ordnung und des Chaos.

Im Jahr 1552 Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist Perry Rhodan, der die Menschheit von Beginn an ins All begleitet hat, in die ferne Galaxis Yahouna versetzt worden. Dort sollen er und die Besatzung der SOL im Auftrag der Kosmokraten herausfinden, ob die Ritter der Superintelligenz BARIL immer noch der Ordnung verpflichtet sind oder ob sie bereits den Mächten des Chaos dienen.

Die SOL gerät schnell in Bedrängnis, wird gekapert und in den Dienst einer Ritterin BARILS gezwungen. Währenddessen reist Rhodans Sohn Roi Danton an einen Ort, wo BARILS Helfer mysteriöse Aktivitäten entwickeln. Welches Ziel verfolgt dieses Geheimprojekt? Danton und Rhodan erhoffen sich Antworten IM SPHÄRENLABYRINTH ...

Die Hauptpersonen des Romans

Roi Danton – Rhodans Sohn tarnt sich als Chaotarchenführer.

Rannkfarr – Der Kolonnen-Anatom misstraut seinem neuen Kommandanten.

Perry Rhodan – Der Terraner will Danton zu Hilfe eilen.

A-Kuatond

1.

16. November 1552

Neue Galaktische Zeitrechnung

Sphärenlabyrinth

Wie kommen wir zurück?

Roi Danton starrte in den Nebel. Er fühlte sich wie ein Mann, der in einem fremden Gebäude in einer fremden Stadt erwachte. Er war noch derselbe Mensch, aber alles andere war fremd und neu.

Er kannte das Zimmer nicht, er kannte das Haus nicht. Seine Kleidung war seine Kleidung, seine Hände waren seine Hände. Wenn er sich im Spiegel betrachtete, erkannte er sein Äußeres.

Sobald er feststellte, dass er allein im Gebäude war, öffnete er die Haustür. Draußen erkannte er nur undurchdringlichen Nebel. Seine Sicht reichte nicht weiter als einen Meter.

Er trat in den Nebel hinaus. Mit dem Spazierstock tastete er den Weg vor sich ab, damit er nicht unvermutet in eine Grube oder einen offen gelassenen Kanalschacht fiel.

Dann zählte er die Schritte, bis die Straße in einer T-Kreuzung endete. Er wandte sich nach links, merkte sich die Abzweigung und ging bis zur nächsten Kreuzung weiter. Er begegnete keinem Menschen, erkannte kein Straßenschild oder sonstigen Hinweis, der ihm gesagt hätte, wo er war.

Die Oberfläche der Straße war eben, trotzdem tastete er mit dem Stock immer weiter vor sich entlang. Kein Geräusch durchdrang den Nebel, kein Hupen von Fahrzeugen, keine menschlichen oder tierischen Laute. Er wäre froh gewesen, hätte er wenigstens das Tuten von Schiffssirenen oder das ferne Erklingen von Musik gehört.

Nichts.

Er war allein im Nebel. Und er musste sich intensiv auf den Weg konzentrieren, damit er notfalls zurückfinden konnte.

Wir müssen zurück!, dachte Roi Danton und starrte weiterhin in den Nebel.

*

Roi Danton zwang seine Gedanken in die Realität zurück. Es war unmöglich, sich allen Fragen gleichzeitig zu widmen. Er musste eine Frage nach der anderen beantworten. Und vielleicht war die Frage nach der Rückkehr nicht die wichtigste.

Er atmete tief durch. Er hatte schon viele aussichtslos erscheinende Situationen überlebt. Genau diese Erfahrungen hatten ihn gelehrt, eine Gefahr realistisch einzuschätzen.

Er hielt sich auf einer Skapalm-Bark auf, die den Eigennamen GRAGRYLO trug, und er konnte sich nur auf drei Menschen verlassen, die ihn begleitet hatten. Sie hatten ein Raumschiff der Terminalen Kolonne TRAITOR gekapert, das zu neunundneunzig Prozent nicht unter seiner Kontrolle stand.

Die Besatzung aus Kolonnen-Anatomen betrug laut Angaben der Bordsupratronik derzeit achthundertdrei Wesen. Das war ein Kräfteverhältnis von über zweihundert Gegnern für jeden aus seinem Einsatzteam.

Im Moment verfügten die vier Menschen nur über die Ausrüstung, die sie mit ihrem Gepäck mitgebracht und in der Zentrale übernommen hatten. Es gab keinen Nachschub. Sie konnten sich nichts liefern lassen, keine Gegenstände anfertigen und nicht auf irgendwelche geheimen Ressourcen hoffen, die man ihnen zur Verfügung stellte.

Noch waren die vier Menschen wachsam. Aber irgendwann mussten sie essen, schlafen, sich von den Anspannungen erholen.

Dazu kamen zwanzigtausend Lebewesen an Bord, die alle als Opfer für lebensverachtende medizinische Experimente der Chaotarchenhelfer herhalten sollten. Es war ein grauenvoller Plan der Kolonnen-Anatomen. Wenn Danton nur daran dachte, schüttelte es ihn.

Um ein einziges Wesen zu erzeugen, das als Nebelzonen-Navigator geeignet war, als sogenannter Kompant, mussten 19.999 andere sterben. Einfach nur deswegen, weil die TRAITOR-Mediziner noch nichts gefunden hatten, was diese Prozedur beschleunigte oder vereinfachte. Es gab keine Erklärung, warum von zwanzigtausend Probanden nur einer die Torturen der Veränderung überlebte, um am Ende die gewünschten Fähigkeiten zu erhalten.

Ein unverständlicher Ansatz, überlegte Danton, während er in den Nebel starrte, der das Hologramm vor seinen Augen auszufüllen schien.

Schon nach den ersten Versuchen hätte man auf der Erde und anderen Planeten erkannt, dass dieses Vorgehen im wahrsten Sinne des Wortes unmenschlich war. Man hätte die Forschungen stattdessen so weiterbetrieben, dass man sich dem Problem zunächst theoretisch näherte, ohne damit Leben in Gefahr zu bringen.

Und höchstwahrscheinlich hätte man die Experimente eingestellt, sobald klar geworden war, dass die Zahl der Toten in keinem Verhältnis zu den Erfolgschancen stand.

Er hatte selbst schon Menschen in den Tod geschickt, erinnerte sich ungern daran, wie es gewesen war, im Widerstand gegen Unterdrücker zu kämpfen. Das war die Last, die mit der Verantwortung für Untergebene einherging. Es war nicht lange her, da hatte er ... Nein. Er hatte dringendere Probleme, als in alten Wunden zu bohren.

Krefferk war der Kommandant der Skapalm-Bark gewesen, und nun war er tot. Aber die von ihm ausgesprochene Drohung, dass die zwanzigtausend Wesen sterben mussten, wenn Danton ihm nicht die Kontrolle über die GRAGRYLO zurückgab, war noch nicht ausgeräumt. Jemand wie Krefferk hatte sicher einen Stellvertreter, der unter ihm gedient hatte. Solche Wesen dachten meist ähnlich wie ihr ehemaliger Vorgesetzter.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis der aufgerückte Kommandant auf dasselbe perfide Spiel verfallen würde. Womöglich würde Danton keine andere Wahl bleiben, als zu kapitulieren – denn was war schon das Schicksal von vier Terranern gegen das Leben von so vielen unschuldigen Opfern?

Und außerhalb des Raumschiffs? Gab es da draußen irgendjemanden, irgendetwas, das ihnen zu Hilfe eilen konnte?

Roi Danton hatte in seinem langen Leben viel gesehen. Explodierende Sonnen, fremde Welten von bedrohlicher Fremdartigkeit oder Schönheit jenseits des menschlichen Verständnisses. Doch im Augenblick sah er: nichts. Oder genauer: Nebel.

Hätte er eine der Lichtschleusen benutzen müssen, die in die Nebelzone führten? Dienten die Schleusen nicht nur der Steuerung des Verkehrs, sondern war es schlichtweg gefährlich, wenn man direkt einflog?

Dagegen sprach, dass der Nebel der Skapalm-Bark nicht schadete. Keine Anzeige wies auf Veränderungen an der Außenhülle hin, die Besatzung hatte keine Auffälligkeiten gemeldet – keine Kopfschmerzen, keine Ausfälle durch andere, unerklärliche Faktoren. Es war einfach nur ... Nebel.

Danton seufzte. Und wie kommen wir zurück? Seine Gedanken drehten sich im Kreis. Er versuchte, sich ein wenig zu sortieren.

Wahrscheinlich konnte er zum Ausgangspunkt zurückfliegen, dem Ort, wo sie im Mauritiussystem in die Deckung der tausendfünfhundert Kilometer durchmessenden Nebelkugel geflüchtet waren. Aber verließ er dort die Nebelkugel, warteten keine Freunde auf ihn, sondern die schussbereiten Schiffsgeschütze seiner Verfolger.

Im Augenblick fand er es daher angenehmer, durch den Nebel zu stolpern, statt sich klaren Geistes der Verhaftung, wenn nicht Schlimmerem zu stellen.

Danton war kein ängstlicher Mensch. Auch seine drei Begleiter wussten, dass jede neue Mission ihre letzte sein konnte. Aber er hatte die Verantwortung für sie – und für die zwanzigtausend Wesen an Bord. Wenn die vier Menschen einfach zurückkehrten, würden die Experimente weitergehen, die fast alle dieser Lebewesen töten würden.

Bis auf eins von zwanzigtausend, dachte er und verdrehte die Augen. Was sollte er tun?

Es gab nur einen Ausweg, wie er in der momentanen Lage zumindest Zeit schinden konnte. Kurz schloss er die Augen, kontrollierte die Atmung. Kann ich das? Die Antwort war eindeutig: Er musste.

Entmutigt schaute Danton auf die Anzeigen der Zentrale. Wie oft hatte er sie schon angestarrt?

Er rief trotzdem einige Hologramme auf, um sicherzugehen. Die Skapalm-Bark tauchte als Projektion auf – eine achteckige Säule mit bleistiftspitzenartigen Pyramiden an beiden Enden. Zuerst ließ er die Bereiche farblich markieren, auf die er zugreifen konnte. Das vor ihm schwebende Abbild wurde grün.

Das reicht nicht. Er modifizierte seine Anfrage an die Bordsupratronik. Welche Bereiche kann ich kontrollieren?

Sofort veränderte sich die Darstellung. Wo eben noch ein grünes Raumschiff in seiner ganzen Pracht vor ihm geschwebt war, sah er nun ein buntes Gebilde, in dem es wenige grüne, einige gelbe und viele, viele rote Bereiche gab.

Er hatte die GRAGRYLO mit einem kühnen Handstreich in seine Gewalt gebracht. Noch beherrschte er manche Bereiche komplett. Aber dies konnte sich jeden Augenblick ändern. Wenn das vor ihm die SOL wäre, gäbe es sicherlich eine Möglichkeit, die Kontrolle über die Zentrale von einem anderen Punkt des Raumschiffs aus zurückzugewinnen.

Was würde Perry tun? Wie oft ich diese Frage schon vermeiden wollte ... um doch immer wieder auf sie zurückzukommen.

In all den Jahren, die er mit seinem Vater verbracht hatte – was war ihnen wirklich gemeinsam gewesen? Er war nicht wie andere Kinder aufgewachsen. Sein Vater war nicht irgendein sterblicher Mensch, sondern der Terraner schlechthin. Perry Rhodan hatte diesen Titel gehasst, aber er war an ihm kleben geblieben.

Andere Väter leiteten vielleicht eine Firma, während sein eigener Vater stets den Eindruck machte, als laste das Gewicht der Verantwortung für die gesamte Menschheit, sogar für die Milchstraße auf seinen Schultern.

Zwar hatte Danton viel Zeit mit seinem Vater verbracht. Aber nicht weil sein Vater in den ersten dreißig Jahren seines Lebens zur Stelle gewesen wäre, als er ihn gebraucht hätte. Sie hatten so viel Zeit miteinander verbracht, weil sie beide potenziell unsterblich waren.

Das kann einem die Vater-Sohn-Beziehung nachhaltig verhageln.

Das war jedoch nichts, worüber er in den vergangenen Jahrtausenden nicht schon oft genug nachgedacht hätte. Und nichts, was ihn im Moment weiterbrachte.

Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, dass man die Skapalm-Bark ausschließlich von der Zentrale aus kontrollieren konnte? Gleich null, gab er sich selbst die Antwort. Umso notwendiger war es, dass er sich einen Überblick über die Situation verschaffte, der ihm Handlungsoptionen eröffnete.

Gab es jemanden auf dem Raumschiff, der auf ihrer Seite in den Konflikt eintreten könnte?

Gab es außerhalb der GRAGRYLO jemanden, der ein Freund und Verbündeter oder auch nur ein möglicher Koalitionspartner war? Perry Rhodan würde ihn suchen, finden, ein Abkommen schließen.

Mit ihm eine Antwort auf die dritte Frage suchen, die derzeit nicht mal ansatzweise zu beantworten war: Wo sind wir?

Mit einem kurzen Befehl aktivierte Danton die Innerschiffskommunikation. Er entschloss sich, TraiCom zu sprechen – schließlich gab er sich als ranghoher Offizier der Terminalen Kolonne TRAITOR aus. Jemand in seiner Position musste sich ohne Translator mit seinen Untergebenen verständigen.

»Hier spricht Kalbaron Danton«, sagte er. »Ich rufe den aktuellen Befehlshaber an Bord der GRAGRYLO. Ich wiederhole: Hier spricht Kalbaron Danton.«

»Was soll das?« Die Stimme klang mehr als unwirsch.

»Spreche ich mit dem neuen Kommandanten?«, hakte Danton nach.

Keine Antwort. Für ein Gespräch, das im ganzen Schiff mitgehört wurde, nicht gerade ein guter Anfang.

»Wer auch immer du bist«, versuchte Danton es weiter. »Mein Auftrag, an Bord Verräter ausfindig zu machen, hat vielleicht mit dem Ende von Hoch-Medokogh Krefferk das Übel noch nicht an der Wurzel ausgerottet. Wer ist der Nächste in der Befehlsreihenfolge?«

»Das ist ...« Eine Mischung aus Räuspern und einem unterdrückten Lachen erklang. »Kommandant Krefferk ...«

»... war ein Verräter«, fiel Danton seinem Gesprächspartner ins Wort. »Es war von Anfang an die Aufgabe meines Teams, jene zu identifizieren, die gegen TRAITORS Interessen handeln.«

»Blödsinn!«

Aha, er hat angebissen. In Gedanken atmete Danton auf.

»Ich muss mein Handeln nicht erklären«, sagte er entschlossen. »Aber bedenke doch selbst: Wer gab den Befehl an Haldukass' Flotte, die GRAGRYLO zu zerstören? Obwohl ich mich vorher eindeutig identifiziert hatte, obwohl diese Identifizierung überprüft wurde und es keinerlei Zweifel an meiner Person und an den mir übertragenen Rechten gab? War es nicht Krefferk, der sich im Vorfeld mit Haldukass ins Benehmen gesetzt hat? Gibt es Aufzeichnungen von jenen Gesprächen in der Raumstation? Hat Krefferk dir oder sonst jemandem erzählt, um was es bei diesen Absprachen ging?«

Er wartete einen Moment. Keine Reaktion. Aber jemand wie Kalbaron Danton durfte nicht unsicher sein. Immerhin war er im Recht, seine Geschichte war völlig authentisch. Zumindest musste die Gegenseite das glauben.

Endlich erklang die Stimme wieder. »Verzeih mir, Kalbaron Danton. Mein Name ist Rannkfarr, der Stellvertreter des bisherigen Hoch-Medokogh. Durch Krefferks Tod gehen seine Befugnisse auf mich über.«

»Gut. Dann bist du derjenige, mit dem ich über das weitere Vorgehen sprechen muss. Wir sollten nun einen Kommunikationskanal wählen, der nur für uns zwei bestimmt ist.«

Rannkfarr zögerte. »Eine Frage habe ich noch, die ich klären muss, bevor ich deine Autorität vollständig anerkenne.«

Langsam wurde Danton ungeduldig. »Wenn das deiner Meinung nach nötig ist ...«

»Ein winziger Faktor ist für mich noch unverständlich. Nein, nicht nur für mich, sondern für viele andere ebenso. Die Kralle des Laboraten – Krefferk trug eine Kralle. Damit war er immer und überall ein treuer Diener TRAITORS und zu verräterischen Handlungen überhaupt nicht fähig.«

Innerlich musste Danton lachen. »Die Kralle. Ja, sicherlich.«

Dann wurde er lauter. »Seit Jahrhunderten weiß man, dass TRAITORS Gegner die Wirkung der Kralle neutralisieren können. Natürlich hat jemand Krefferk dieser frevelhaften Behandlung unterzogen. Sonst hätte er ja nie gegen TRAITORS Interessen arbeiten können! Und das ist ihm gut gelungen. Er wirkte wie ein treuer Offizier, aber er säte Misstrauen, wo er nur konnte. Krefferk schuf die Grundlage dafür, dass sich die Pest der Individualität und die Saat der Zwietracht in unseren Reihen ausbreiteten. Hat er nicht befohlen, uns anzugreifen – trotz meiner eindeutigen Identifikation und Autorisation? Sag mir, Rannkfarr, willst du denselben Fehler begehen wie dein Vorgänger? Und sollten wir nicht zuerst gemeinsam versuchen, die Skapalm-Bark aus diesem Nebel hinauszunavigieren?«

Roi Danton registrierte, dass die Kommunikation von der anderen Seite auf eine Direktverbindung umgeschaltet wurde.

Dann war Rannkfarr wieder zu hören: »Gut. Im Augenblick können wir beide die Angelegenheit nicht bis zur völligen Zufriedenheit aller Beteiligten aufklären. Daher bin ich mit einem ... Waffenstillstand ... einverstanden, bis höhere Autoritäten meine Fragen beantworten können. Ist das für dich akzeptabel?«

Dieser Rannkfarr schien zumindest vernünftig zu sein. Oder er spielt wie ich auf Zeit – das soll mir recht sein.

2.

16. November 1552 NGZ

Kepraunsystem

»Du bringst die ganze Mission in Gefahr!« Tess Qumisha fixierte das Gesicht der Zentrifaal, bis sie das Gefühl hatte, gleich zu schielen, weil sie mit beiden Augen ein einzelnes, breites Sehorgan im Blick behalten musste.

A-Kuatond schwieg. Ungerührt lehnte sie sich in ihrem Sitz zurück, die Arme vor der Brust verschränkt. Der Hautlappen der linken Hand umfing den rechten Unterarm, die Krallenfinger der rechten tippten einen langsamen, bedrohlichen Rhythmus auf den linken.

Qumisha warf Perry Rhodan einen Blick zu. Doch der hatte es für den Moment aufgegeben, mit der neuen Befehlshaberin an Bord der SOL auch nur ein Wort zu wechseln.

»Also gut, dann wieder von vorn.« Qumisha würde keinen einzigen Fußbreit Boden zurückweichen. »Egal wer du bist oder wie mächtig du irgendwo anders bist: Das ist unser Schiff. Die SOL ist unsere Heimat, hier wohnen Wesen, die uns etwas bedeuten. Und ich bin nicht bereit, diese in Gefahr zu bringen, bloß weil eine Ritterin BARILS der Meinung ist, dass ihr einzelnes Leben wichtiger ist als das aller anderen an Bord zusammen.«

Rhodan seufzte. »Tess, man wird nicht Ritter, wenn man das eigene Leben für bedeutungslos hält. Es ist ein Joch, in dessen beiden Eimern die Verantwortung für kosmische Ereignisse liegt. Glaub mir – ich weiß, wovon ich spreche!«

Sie wandte sich ihm zu. »Heißt das, dass du mit diesen irrsinnigen Anordnungen einverstanden bist? Warum umwickeln wir nicht gleich jedes Kleinkind an Bord mit einem Empfänger, Draht und Sprengstoff? Wenn A-Kuatond irgendwas nicht gefällt, kann sie dann jederzeit auf einen Knopf drücken, und – peng – irgendwo in der SOL explodiert ein Kind.«

»Du bist unfair, Tess.«

Zur Überraschung der beiden mischte sich die Ritterin nun selbst in das Gespräch ein. »Ich verstehe den Vergleich nicht ganz. Aber ich erkenne, dass ihr deutlich zu viele Gefühle in die Situation hineininterpretiert.«

Qumisha wollte wieder eine spitze Bewegung machen, doch mit einer Handbewegung brachte Rhodan sie zum Schweigen. »Dann erkläre uns doch vielleicht selbst, wie dein Verhalten gemeint ist.«

»Gut. Aber nur, weil es BARILS Willen war, dass du mir als Orbiter zugeteilt wurdest.« Ihre Stimme wechselte in jenen Singsang, den Qumisha und Rhodan in den vergangenen Tagen bereits mehrere Male zu hören bekommen hatten, wenn wieder irgendwelche Texte der lokalen Superintelligenz zitiert wurden. A-Kuatond deklamierte ihre Erklärungen in einem Tonfall, der in der automatischen Übersetzung der Translatoren wie eine Litanei klang: »BARILS Wille und Wollen muss Fleisch werden in allen Wesen, sodass verschmelzen das Wollen und der Wille BARILS mit dem Willen und dem Wollen jedes Wesens, sodass BARIL zum Wesen und das Wesen zu BARIL wird. Wenn es der Auftrag, das Wollen und der Wille BARILS waren, dass dieser Mensch namens Perry Rhodan zu meinem Orbiter wird, damit er dienen und herrschen, vernichten und heilen, erkunden und verstehen lernt, dann soll es so sein. Denn BARILS Wille wird zu meinem Willen, und BARILS Wollen wird zu meinem Wollen, so wie BARILS Sein alles Sein durchdringen wird am Ende der Zeiten.«

Qumisha versuchte, bei diesen Phrasen aufmerksam dreinzublicken, um zu verhindern, dass A-Kuatond merkte, wie sehr sie von diesen hohlen Aussagen angewidert war. Sollte ich jemals den Drang verspüren, BARIL zu dienen – hoffentlich findet sich dann jemand, der mich vorher erschießt.