Mit Resilienz Krisen überwinden - Sabine Lahme - E-Book

Mit Resilienz Krisen überwinden E-Book

Sabine Lahme

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Beschreibung

Stress, Überforderung, Krisen – das Leben schreibt oft düstere Kapitel. Lichtblicke zu finden fällt uns dann nicht leicht, gesund zu bleiben oft noch schwerer. Doch die gute Nachricht ist: Mit jeder Hürde, die wir überwinden, gewinnen wir innere Stärke und Widerstandskraft und werden so resilient. Resilienz-Trainerin Sabine Lahme hat aufgrund schwerer Krisen am eigenen Leib erfahren, was es heißt, wieder aufzustehen. Anhand der sieben Säulen, die unsere Resilienz ausmachen, vieler konkreter Tipps aus ihrer Coaching-Praxis sowie anschaulicher persönlicher Erlebnisse zeigt sie Ihnen Schritt für Schritt, wie auch Sie in schwierigen Situationen mit Gelassenheit und Selbstvertrauen Ihre psychische Widerstandskraft aufbauen und dauerhaft stärken können. Mit den zahlreichen stärkenden Übungen entkommen Sie dem Stress und gewinnen Ihr Lebensglück wieder zurück.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 293

Veröffentlichungsjahr: 2023

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SABINE LAHME

Mit Resilenz Krisen überwinden

SABINE LAHME

Mit Resilenz Krisen überwinden

Wie Sie lernen, immer wieder aufzustehen und neue Kraft zu schöpfen

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen

[email protected]

Wichtiger Hinweis

Dieses Buch ist für Lernzwecke gedacht. Es stellt keinen Ersatz für eine individuelle medizinische Beratung dar und sollte auch nicht als solcher benutzt werden. Wenn Sie medizinischen Rat einholen wollen, konsultieren Sie bitte einen qualifizierten Arzt. Der Verlag und der Autor haften für keine nachteiligen Auswirkungen, die in einem direkten oder indirekten Zusammenhang mit den Informationen stehen, die in diesem Buch enthalten sind.

Originalausgabe

1. Auflage 2023

© 2023 by mvg Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Türkenstraße 89

80799 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Redaktion: Silke Panten

Umschlaggestaltung: Monika Tomaszewska

Umschlagabbildung: shutterstock/B.illustrations

Satz: Christiane Schuster | www.kapazunder.de

eBook: ePUBoo.com

ISBN Print 978-3-7474-0534-5

ISBN E-Book (PDF) 978-3-96121-916-2

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96121-917-9

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.mvg-verlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de

Inhalt

Vorwort

Die sieben Säulen der Resilienz

Resilienz – was ist das eigentlich?

Kann Resilienz trainiert werden?

Schritt für Schritt zu mehr Resilienz im Alltag

Säule 1: Akzeptanz

Akzeptieren, dass es so ist, wie es ist

Ritual: Weshalb fällt es mir schwer, etwas zu akzeptieren?

Was machen Krisen konkret mit uns?

Raus aus der Hängematte der Selbstzufriedenheit

So bringen Sie den inneren Kritiker zum Schweigen

Übung 1: »Ich bin ein wundervoller Mensch«

Übung 2: Die Treppe der Akzeptanz

Übung 3: Die Hosentaschen-Akzeptanz

Mein Akzeptanz-Learning: Kommunikation ist das A und O

Mein Tipp für mehr Resilienz in Ihrem Leben: Schaffen Sie schöne Momente!

Säule 2: Optimismus

Optimistisch sein, so gut es geht

Was genau bedeutet Pessimismus?

Was genau bedeutet Optimismus?

Was Optimisten von Pessimisten unterscheidet

Erst glücklich, dann optimistisch?

So werden Sie vom Pessimisten zum Optimisten

Übung 1: Das Glückstagebuch

Übung 2: Das Lachen

Übung 3: Das Kopfkino

Mein Optimismus-Learning: Alles geschieht aus einem guten Grund

Mein Tipp für mehr Resilienz in Ihrem Leben: Gehen Sie wandern!

Säule 3: Lösungsorientierung

Was Lösungsorientierung mit Selbstwirksamkeit zu tun hat

Enttarnen Sie Ihren Problemtyp

Erkennen Sie Ihren Konflikttyp

Warum die Lösung und nicht das Problem Mittelpunkt Ihres Lebens sein sollte

PAL – Probleme anderer Leute

Was wir von Tieren in Sachen Lösungsfindung lernen können

Von der Wunderfrage bis zu den SMART-Zielen

Die fünf Grundsätze der Lösungsorientierung

Übung 1: Die Problempäckchen

Übung 2: Das Glas voller Lösungen

Übung 3: Der Perspektivwechsel

Mein Lösungslearning: Dinge annehmen, die sich nicht ändern lassen

Mein Tipp für mehr Resilienz in Ihrem Leben: Lassen Sie los!

Säule 4: Opferrolle

Welche Rolle Vorbilder in unserem Leben spielen

Die Opferrolle und die Ohnmacht

Exkurs: Was sind eigentlich Rollen?

Die Anziehungskraft der Opferrolle

Vier Wege aus der Opferrolle

Die Herausforderung der »Ja, aber«-Einstellung

Übung 1: Die richtigen Fragen – der SOS-Koffer

Übung 2: Vom Opfer zum Superstar

Übung 3: Raus aus der Opferrolle

Mein Opfer-Learning: Ein guter Mentor bleibt dies auch noch nach seinem Tod

Mein Tipp für mehr Resilienz in Ihrem Leben: Öffnen Sie Ihr Herz!

Säule 5: Verantwortung

Wie bitte? Ich soll verantwortlich sein?

Es liegt in Ihrer Hand

Selbstverantwortung übernehmen, aber wie?

Verantwortung und Schuld

Verantwortung und Sprache

Verantwortung und Egoismus

Verantwortung und Erwartung

Verantwortung und Veränderung

Verantwortung und Leidenschaft

Verantwortung in der Natur

Übung 1: Der 90-Grad-Winkel

Übung 2: Ein Wäschekorb voller Verantwortungen

Übung 3: Der gesunde Egoismus

Mein Verantwortungslearning: Ich habe es selbst in der Hand, wie ich mit einer Situation umgehe

Mein Tipp für mehr Resilienz in Ihrem Leben: Vergeben Sie!

Säule 6: Netzwerkorientierung

Kurz erklärt: Das Netzwerk und seine Funktion

Ein Netzwerk kann für Klarheit im Kopf sorgen

Was Sie in puncto Netzwerk von der Natur lernen dürfen

So pflegen Sie Ihr Netzwerk

Übung 1: Die magischen Bausteine

Übung 2: Ein Nagelbild Ihres Netzwerks

Übung 3: Das Poesiealbum

Mein Netzwerk-Learning: Es können Wunder geschehen!

Mein Tipp für mehr Resilienz in Ihrem Leben: Wertschätzen Sie Ihre Stärken

Säule 7: Zukunftsplanung

Wie Sie Ihre Zukunft gestalten können –allein oder mit Partner

Diese Eigenschaften sollte eine Vision haben

Zukunftsplanung mit der SWOT-Analyse und der WABE-Planung

Warum kleine Glücksmomente eine positive Zukunft schaffen

Wie Sie motiviert in Ihre eigene Zukunft marschieren

Ihre Zukunft und Ihre Bedürfnisse

Übung 1: Das Zukunftshaus

Übung 2: Ade, Aufschieberitis

Übung 3: Der Brief an Ihr zukünftiges Ich

Mein Zukunftsplanungslearning: Meist kommt es anders, als man denkt

Mein Tipp für mehr Resilienz in Ihrem Leben: Setzen Sie sich Ziele!

Praktisches Zusatzmaterial zum Thema Mentaltraining

Übung gegen die Angst

Übung für das Selbstbewusstsein

Übung für den bewussten Atem

NACHWORT

ENDNOTEN

DANKE

ÜBER SABINE LAHME

Vorwort

Selbst der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

Laotse

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich freue mich, dass der Titel des Buches Mit Resilienz Krisen überwinden Sie so neugierig gemacht hat, dass Sie nun dieses Buch in den Händen halten. Auf den folgenden Seiten geht es um Resilienz, um Geschichten rund um das Thema, meine Tipps als Expertin und nicht zuletzt auch um meine eigene Geschichte, die ich Ihnen erzähle, um Ihnen immer wieder Gedankenimpulse zu geben. Ich darf Ihnen zeigen, wie ich coache und welche Möglichkeiten Sie haben, diese Methoden in Ihr Leben zu integrieren. Wissen zu teilen und mutig zu sein, ist meine Herzenssache. Dieses Buch erzählt vom Mut, neu zu starten.

Falls Sie jetzt denken »Noch so ein Buch, bei dem ich etwas verändern soll!«, möchte ich Sie beruhigen. Genau das ist nicht mein Ansatz, wenn es um das Thema Resilienz geht. Mit den Geschichten und Tipps in diesem Buch möchte ich bewirken, dass Sie vielleicht den einen oder anderen Aha-Effekt haben. Ich möchte Ihnen zeigen, dass es einen Weg gibt, mit Dingen umzugehen, die wir Menschen nicht ändern können. Und ich möchte Ihnen an der einen oder anderen Stelle vielleicht ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern.

Sie lernen mit diesem Buch die sieben Säulen der Resilienz kennen und erfahren, was es damit auf sich hat und wie ich selbst diese Säulen in mein Leben integriert habe. Mit dem Wissen der sieben Säulen der Resilienz wird es Ihnen leichter fallen, mit schwierigen Situationen in Ihrem Leben umzugehen, um zukünftig sorgsamer mit sich selbst zu sein.

In jedem einzelnen Kapitel warten wertvolle Impulse und Anregungen auf Sie. Dazu gesellen sich wirksame Übungen, die Ihnen auch in schwierigen Situationen den Weg aus der Krise und hinein in ein selbstbestimmtes Leben aufzeigen. Umrahmt sind diese Impulse mit persönlichen Tipps und Anekdoten aus meiner eigenen Biografie. Denn ich habe schon sehr früh gelernt, was es bedeutet, wieder aufzustehen, nachdem ich hingefallen bin. Aufzustehen und gehen zu lernen war nicht nur eine Lernerfahrung meiner Kindheit, sondern sollte sich in meinem Erwachsenenleben noch mehrmals wiederholen. Meine Gedanken wieder und wieder auf die Reise zu schicken, um nach Lösungen zu suchen und dabei auch noch geduldig zu bleiben, war eine weitere Aufgabe, die mir mein Leben stellte.

Vielleicht macht Ihnen meine Geschichte ja Mut, sich auch auf Ihren Weg zu begeben. Denn mal ganz ehrlich: Wenn ich das alles geschafft habe, dann schaffen Sie das auch. Und im Zweifel hilft Ihnen der eine oder andere Stupser aus diesem Buch dabei.

Mit diesem Buch möchte ich Sie »in Gang bringen«, motivieren und inspirieren, Ihr Leben in Leichtigkeit zu leben. Unter Umständen inspiriert Sie das Buch, auch neue Wege zu gehen und zukünftige Erlebnisse neu zu überdenken.

Ein Spruch von mir lautet: Hinfallen dürfen wir alle, doch jammern nützt nichts. Popo heben und nach vorn gehen, auch wenn’s wehtut.

Los geht’s, lassen Sie uns gemeinsam mutig sein.

Die sieben Säulen der Resilienz

Jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens mit Veränderungen und Krisen konfrontiert. Das kann die Trennung der Eltern sein, der Auszug aus dem Elternhaus, der Tod eines geliebten Menschen, ein Umzug in eine andere Stadt, verbunden mit dem Verlust der Freunde, und so weiter und so fort. Leider lässt sich das Leben nicht immer planen, und allzu häufig müssen wir auf das reagieren, was gerade passiert. Manche der Veränderungen, die wir in unserem Leben erfahren, sind unkalkulierbar, geradezu überraschend und kommen förmlich über Nacht, andere dagegen sind lange im Voraus erkennbar.

Genauso wie jede Veränderung, jede Krise und jeder Wendepunkt in unserem Leben anders ist und andere Konsequenzen mit sich bringt, so bewerkstelligt auch jeder Mensch eine solche Situation auf seine eigene Art und Weise.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, weshalb einige Menschen mit Wendepunkten, Belastungen und Krisen in ihrem Leben besser zurechtkommen als andere? Die Antwort lautet: Diese Menschen sind resilient.

Resilienz – was ist das eigentlich?

Das Wort »Resilienz« kommt vom lateinischen Verb »resilire« und wird übersetzt mit abprallen oder zurückspringen. Ursprünglich wurde das Wort in der Physik verwendet und beschreibt in der Werkstoffkunde die Fähigkeit eines Werkstoffes, sich verbiegen zu lassen und danach wieder in den ursprünglichen Zustand zurückzukehren. In der Persönlichkeitsentwicklung wurde der Begriff »Resilienz« benutzt, um die Stärken besonders jener Menschen zu beschreiben, die schwere Erkrankungen oder traumatisierende Erlebnisse durchgestanden, einen Arbeitsplatz oder nahe Angehörige verloren oder generell Rückschläge im Leben gemeistert haben. Dafür wird das Wort auch heute noch häufig verwendet. In einigen Fachbüchern wird Resilienz als die »psychische Widerstandsfähigkeit« beschrieben. Darunter ist zu verstehen, dass Menschen in Krisensituationen psychisch stabil, körperlich belastbar und geistig gesund bleiben.

Kann Resilienz trainiert werden?

Menschen mit einer guten Resilienz haben gelernt, dass sie selbst für den Ausgang einer Krise oder einer Belastung verantwortlich sind. Das heißt, sie kennen ihre Fähigkeiten und sind sich bewusst, was sie selbst an ihrer Situation ändern können und was nicht, und gehen dann die entsprechenden Schritte. Das stärkt den Selbstwert und das Selbstvertrauen.

Diese Menschen verfügen über gute innere Mechanismen, die ihnen in schwierigen Situationen helfen, mit dem eigenen Verhalten ein positives Ergebnis zu erzielen. Folglich bezeichnet Resilienz die Fähigkeit, Belastungen sowie Krisen zu bewältigen. Dabei führen wir durch unsere sozialen und persönlichen Ressourcen einen Ausgleich herbei und nutzen die Krise für die eigene Weiterentwicklung.

Grundsätzlich gilt, dass sich Resilienz trainieren lässt, denn es gibt verschiedene Wesenszüge, die sich positiv auf die Psyche auswirken. Sie sind also wahrscheinlich ein Mensch mit hoher Resilienz, wenn Sie folgende Charaktereigenschaften innehaben:

Sie denken grundsätzlich positiv.

Sie halten Krisen für bezwingbar.

Sie empfinden Krisen als Chance für persönliches Wachstum.

Sie sind entscheidungsfähig.

Sie haben ein hohes Maß an Selbstvertrauen und ein positives Selbstbild.

Sie besitzen eine vertrauensvolle Grundhaltung.

Sie achten auf sich.

Sie probieren gerne Neues aus.

Sie stellen Fragen und interessieren sich für Zusammenhänge.

Keine Sorge, wenn Sie sich in dieser Aufzählung nicht wiederfinden. Mit ein wenig Übung – und mit diesem Buch – lässt sich all das lernen.

Schritt für Schritt zu mehr Resilienz im Alltag

In diesem Buch möchte ich Sie auf Ihrer Reise durch das »Immunsystem« Ihrer Psyche begleiten, damit Sie gestärkt und kraftvoll allen Herausforderungen Ihres Lebens begegnen können.

Resilienz lässt sich in sieben Säulen unterteilen, von denen jede einen thematischen Schwerpunkt bildet und einen wichtigen Bestandteil der Resilienz darstellt.

Diese sieben Säulen der Resilienz sind:

Akzeptanz

Optimismus

Lösungsorientierung

Opferrolle verlassen

Verantwortung übernehmen

Netzwerkorientierung

Zukunftsplanung

Ich führe Sie in diesem Buch Schritt für Schritt durch die Inhalte zu mehr Resilienz, indem ich Ihnen in jedem Kapitel eine dieser sieben Säulen vorstelle. Mithilfe der Übungen zu jedem Thema können Sie ganz einfach direkt an die Arbeit gehen und meine persönlichen Geschichten und Tipps sollen Sie auf diesem Weg unterstützen. Am Ende der sieben Säulen wartet noch eine kleine Überraschung als Zusatzmaterial auf Sie.

Je nachdem, in welcher schwierigen Situation Sie sich befinden, kann es für Sie auch hilfreich sein, sich zunächst nur mit einer einzelnen Säule und den dazugehörigen Übungseinheiten zu beschäftigen.

Säule 1: Akzeptanz

Laufen lernen leicht gemacht

Wenn es uns gelingt, Dinge so zu akzeptieren, wie sie gerade sind, nur dann ist es möglich, in Wandel mit uns selbst zu gehen.

Sabine Lahme

Können Sie sich noch daran erinnern, wie Sie laufen gelernt haben? Falls nicht, lassen Sie mich Ihnen kurz auf die Sprünge helfen: Laufen lernen Kinder im Alter von etwa einem Jahr. Davor krabbeln sie, versuchen, sich hochzuziehen, und können die Füßchen heben und senken. Die ersten Tritte erfolgen bereits im Mutterleib, doch da ist von loslaufen noch keine Rede. Laufen fängt erfahrungsgemäß mit den Fingerchen an, denn diese werden als Grundlage für das Hochziehen am Stuhl, Entlanghangeln am Bettchen oder zum Ergreifen des elterlichen Mobilfunktelefons auf dem Sofa benutzt (kleiner Scherz am Rande). Die Fingerchen sind also die ersten Lauflernhilfen im Leben eines Kindes, die sogenannten Stabilisatoren. Mit ihnen machen Babys schon sehr früh Greifübungen. Sie spielen damit, beobachten ihre eigenen Finger, klammern sich an unsere Fingerglieder, versuchen, diese zu erspüren, und ziehen schließlich ihr eigenes Körpergewicht mit ihren Fingerchen hoch.

Sehr bald bemerken sie ihre eigenen Beinchen. Auch diese werden ertastet, erkundet und genauestens untersucht. Hat das Kleinkind seine ersten Lernerfahrungen mit den Fingerchen, dem Hochziehen und Entlanghangeln gut erarbeitet, dann folgt als nächster Schritt die Beinarbeit. Ein Schritt nach dem anderen. Dabei kommt es vor allem darauf an, die Beinchen geradezustellen. Zu Beginn ist die Beinarbeit noch sehr wackelig, und die Stabilität des Körpers ist auch noch mitten in der Arbeit, doch diese Aufgaben klappen meist sehr schnell.

Ausbalancieren, durch- und festhalten, schon geschafft. Die ersten Schritte sind gemacht.

Anfänglich ist von Aufgeben keine Rede, denn auf eigenen Beinen zu stehen und die Welt aus einer neuen Perspektive zu betrachten, das ist es, was Kinder neugierig macht und ihre spielerische Wissbegier fördert. Gewicht verlagern, schwungvolle Gehbewegungen, all diese Dinge brauchen ganz viel Übung und tägliche Neugier auf noch mehr. Bis die Kinder dann laufen können, vergehen noch eine Menge Zeit und viele Übungseinheiten. Einige Kinder laufen früher und andere etwas später. Doch das Ergebnis ist bei allen Menschen dasselbe: Sie sind auf ihren eigenen Beinen in Bewegung.

Nachmachen, entdecken und in ständiger Bewegung zu sein, fordert Eltern spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem Kleinkinder das Gehen für sich entdeckt haben, enorm in ihrem Handeln und Tun. Jetzt werden die Eltern auf Trab gehalten, und das von früh am Morgen bis spät abends. Entdeckerreisen für die Kinder sind Geduldsübungen für jeden Elternteil.

In Bewegung zu sein, das ist es, was Kinder jetzt für sich benötigen, um die Entdeckungsreisen und die Abenteuer des Lebens gut zu meistern. Denn ab jetzt ist jede Reise ein Abenteuer der Bewegung und eine Piratenreise ins Leben. Ein wesentlicher Unterstützer des Gehens ist die kindliche Neugier auf mehr. Plötzlich sehen die Kinder viele Sachen aus einer neuen Perspektive. Was früher noch groß und unerreichbar erschien, ist jetzt in greifbare Nähe gerückt. An manchen Tagen ist dies das pure Glücksspiel für Kinder – und für die Eltern dabei der blanke Horror.

Wenn ich mir nun vorstelle, dass ich das auch so als Kind gemacht habe, mit meinem Dickschädel und meiner Energie, dann bedaure ich in der Retrospektive meine Eltern sehr. Doch sie haben mich ja in die Welt gesetzt und mussten somit auch mit den Konsequenzen rechnen. Spaß beiseite. Kinder möchten wissen, wie die Welt funktioniert. Sie möchten erproben, was machbar ist. Sie erkunden ab dem Zeitpunkt, ab dem sie aufrecht auf ihren Beinen gehen können, fast alle Stellen der Wohnung und sind, bis sie zu Bett gehen, wissbegierig und kaum zu bremsen.

Erinnern Sie sich noch, wie Sie die Welt erkundet haben? Nein? Dann erzähle ich Ihnen, wie Sie das gemacht haben und weshalb diese Erfahrung wichtig ist für Ihre Resilienz. Denn diese Fertigkeit, wie Sie damals erlernt haben, aufzustehen und zu gehen, die Welt zu erkunden und sich für Dinge zu interessieren, das ist ein wichtiges Werkzeug für Ihre zukünftige Aufgabe, wenn es um Akzeptanz geht. Um zu verstehen, wie die Welt funktioniert, waren Sie nicht nur in Bewegung auf Ihren Beinen, nein Sie haben auch alles andere erkundet. Kinder räumen zum Beispiel alles aus, es wird untersucht, angefasst, umgedreht, ab und zu auch zerstört. All diese Bewegungen gehören zur Erkundung der Welt dazu. Besonders stolz sind Kinder, wenn ihnen etwas gelingt, wenn sie eine Aufgabe lösen konnten. So zum Beispiel beim Bauen mit den Holzklötzchen, wenn es gelungen ist, diese aufeinanderzustapeln. Oder nehmen wir das Aus- und Anziehen von Puppen, ein bei Kindern sehr beliebtes Ritual, das gleichzeitig eine Lernerfahrung für das eigene An- und Ausziehen im eigenen späteren Leben darstellt.

Kinderaugen leuchten dann besonders, wenn ihnen etwas gelingt. An Ihre leuchtenden Augen können sie sich vermutlich nicht mehr erinnern, aber vielleicht an das Gefühl der Freude oder des Glücks. Vielleicht waren Sie erfreut, motiviert oder begeistert. Unter Umständen auch inspiriert, berührt, erleichtert oder sicher. All diese Gefühle wurden damals angelegt, und meist können wir uns an die Szenen nicht mehr erinnern, doch die Gefühle sind in Ihnen abgespeichert. Und diese Gefühle können sich heute noch genauso anfühlen wie früher, nämlich in den Momenten, wenn Ihnen etwas gelingt. Dann sind sie auch heute glücklich, zufrieden oder sogar erfüllt und ab und zu auch dankbar.

Mit zunehmendem Alter denken wir nicht mehr darüber nach, ob wir laufen können; wir tun es, weil wir es akzeptiert haben und weil wir es nun mal können. Doch stellen Sie sich bitte für einen Moment vor, Sie wären damals mit dem ersten Fall auf den Popo oder die Knie auf die Idee gekommen: »Das Fallen akzeptiere ich so nicht, ich bleibe lieber fortan in meiner robbenden Haltung.« Wie merkwürdig würde das wohl heute aussehen, wenn das der Fall gewesen wäre? Wie gut, dass Sie sich damals dafür entschieden haben, dass einmal hinfallen bedeutet, grundsätzlich einmal mehr aufzustehen. Denn genau das war Ihre Entscheidung. Sie haben akzeptiert, dass Sie noch nicht komplett aufstehen, sich nicht alleine halten können und noch etwas Übung benötigen beim Finden Ihres Gleichgewichts. Sie sind davon ausgegangen, dass Sie nach vielen Übungseinheiten laufen lernen werden. Diese Neugier hat Sie damals in Bewegung gebracht und Sie dabei unterstützt, dass Sie heute aufrecht gehen können.

Akzeptieren, dass es so ist, wie es ist

Was ich mit diesem Satz aussagen möchte und was uns das Beispiel des Laufenlernens eindrucksvoll zeigt, ist, dass wir erst in die Veränderung gehen können, wenn wir den Istzustand selbst akzeptieren. Das bedeutet: Wenn wir akzeptieren, dass der Zustand oder die Situation, in der wir uns gerade befinden, so ist, wie sie ist, und wir diese nicht verändern können, erst dann ist auch ein Wandel realisierbar. Denn Akzeptanz bedeutet auch loslassen, was gerade noch an uns klebt und uns daran hindert, Neues in unser Leben zu lassen.

Wir sollten uns dessen bewusst sein, dass Veränderung grundsätzlich nur mit uns selbst möglich ist. Menschen und Situationen, die nicht unserer Vorstellung entsprechen, begegnen uns im Leben immer wieder. Ebenso stolpern wir oft über Konflikte, die uns vor neue Herausforderungen stellen. Manche Menschen fügen uns Kränkungen zu, andere Liebeskummer oder Herzschmerz, und vereinzelt sind es auch Situationen, die uns sehr ärgerlich, sauer oder wütend machen. Meist sind es die unerwarteten Situationen, die uns eiskalt erwischen.

Wenn ich über Akzeptanz spreche, dann bedeutet das nicht, dass Sie alles hinnehmen oder sich den Situationen ergeben sollen. Nein, Akzeptanz bedeutet, die Energie und die Zeit, die Sie aufbringen, um gegen das, was passiert, anzukämpfen, genau diese Energie sollten Sie lernen, zukünftig einzusparen. Denn meist ist es vertane Zeit und unnötiges Verschwenden von Energiequellen, leider zu Ihren Lasten. Die Energie, die Sie für unnötige Zeitfresser einsparen, die dürfen Sie gerne gewinnbringend einsetzen, um zum Beispiel Lösungsstrategien zu entwickeln, die Ihnen helfen, etwas in der Realität zu verändern. Vor allem so, dass es Ihnen am Ende des Tages gut geht und Sie zufrieden sind.

Machen Sie sich bitte bewusst: Wenn Sie nicht der Chef des Ganzen sind, wer denn dann? In der Psychologie heißt es oft: Sei dir selbst dein bester Freund. Das drückt nicht aus, dass Sie egoistisch oder rücksichtslos durch Ihr Leben gehen sollten, sondern, dass der wichtigste Mensch in Ihrem Leben Sie selbst sind. Denn, wenn nicht Sie, wer denn dann? Es mag sein, dass der eine oder andere jetzt denken könnte: Das ist ja pure Selbstsucht. Nein, das ist es nicht; es ist Selbstliebe, Selbstakzeptanz und Selbstverantwortung. Und das sind gesunde Muster in unserem Leben. Wenn Sie sich nicht selbst ernst nehmen, weil Sie Ihre Gefühle vernachlässigen oder Situationen vermeiden, die etwas mit Ihnen machen, wer sollte es dann tun? Denken Sie bitte daran, dass es an keinem Ort der Welt ein Kilogramm Selbstakzeptanz, Gelassenheit oder Optimismus zu kaufen gibt. Sie selbst sind in der Verantwortung für Ihr Leben.

Menschen, die gelernt haben, dass sie sich selbst ihr bester Freund oder die beste Freundin sind, gehen nicht über Leichen, sondern sind empathisch, hilfsbereit und wohlwollend, vor allem sich selbst gegenüber. Als Kind haben sie gelernt, dass der Weg nur mit kleinen Schritten machbar ist und sie ihn ausschließlich selbst gehen können.

Nehmen auch Sie sich wichtig. Sie sind der Kapitän auf Ihrem eigenen Kutter. Das bedeutet, Sie steuern sich selbst durch Ihr Gewässer, durch alle Riffe (die sichtbaren und die unsichtbaren) und durch hohe Wellen und nur Sie allein können durch die Stürme Ihres Lebens segeln. Was Sie mitbringen sollten, ist ein wenig Geduld, der Wunsch nach Veränderung, die Bereitschaft, Neuem zu begegnen, und das Wissen, dass es auch ab und zu Rückschritte geben wird. Rückschritte sind Lernerfahrungen und die gehören dazu. Sie sind ein wichtiger Teil im Veränderungsprozess und ab und zu nötig. Denn was wir Menschen gern vergessen, ist das Feiern unserer bereits geleisteten Erfolge. Und genau dann, wenn Sie einen Schritt zurückgehen, können Sie sich bewusst machen, was Sie schon erreicht haben. Sie können sich vor Augen führen, wie viel Sie sich schon bewegt und welche Strecke Sie bereits hinter sich gelassen haben.

Stellen Sie sich vor, Sie würden einen Marathon laufen. Mal ehrlich, wie weit würden Sie ohne Übungseinheiten kommen? Bis zur nächsten Weggabelung? Einen Kilometer? Vielleicht ein bisschen mehr? Mir würde schon ab der nächsten Weggabelung die Puste ausgehen, und ich hätte zu akzeptieren, dass ich null Komma null trainiert bin. Wie würde es Ihnen gehen? Wäre für Sie Training nicht auch eine Lösung?

Genau diese Trainingseinheiten gibt es auch auf Ihrem Weg, resilienter zu werden. Dabei sind sie mehr als bloßes Training, sie legen den Grundstein für echte Beziehungsarbeit. Beziehungsarbeit an und mit sich selbst. Machen Sie sich bewusst: Jede Beziehung ist Arbeit, auch die zu uns selbst. Und genau die fällt uns Menschen am allerschwersten.

Ritual: Weshalb fällt es mir schwer, etwas zu akzeptieren?

Schreiben Sie doch einmal einen Brief an sich selbst. Das ist eine wundervolle Gelegenheit, um an der Beziehung zu sich selbst zu arbeiten, über das zukünftige Leben nachzudenken und dem bereits vergangenen Leben zu danken. Sammeln Sie zuerst alle Ihre Ideen und Impulse, über die Sie schreiben möchten.

Überlegen Sie sich an dieser Stelle für einen kurzen Moment, was der Grund war, weshalb Sie sich dieses Buch gekauft haben, oder was Ihr Interesse geweckt hat, dieses Buch in die Hand zu nehmen. Was war Ihr erster Impuls? Welche Ideen hatten Sie, wobei die Inhalte dieses Buches Sie unterstützen könnten? Unter Umständen ist es Ihr Wunsch, Vergangenes zu akzeptieren, Ereignisse, die in Ihrem Leben geschehen sind, zur Ruhe zu bringen. Oder vielleicht haben Sie gerade den Wunsch, sich zu verändern.

Nehmen Sie sich jetzt gern einen kurzen Moment Zeit. Besorgen Sie sich Stift und Papier und los geht es.

Nun befassen Sie sich mit Ihrem zurückliegenden Leben. Stellen Sie sich die folgenden Fragen, und gehen Sie darauf in Ihrem Brief an sich selbst ein:

Was brauche ich, um Dinge, Ereignisse, Geschehnisse, die ich nicht ändern kann, zu akzeptieren?

Welche Methode könnte mir dabei helfen zu akzeptieren, dass ich nicht alles im Leben ändern kann?

Schreiben Sie die Erkenntnisse so detailliert wie möglich auf Ihr Blatt Papier – Ihren Brief an sich selbst. Das können schöne Ereignisse sein, schmerzhafte Erlebnisse oder magische Momente.

Dazu ein Beispiel: Mein Großvater war ein wichtiger Mensch und Mentor in meinem Leben, leider ist er viel zu früh verstorben. Das kann ich nicht ändern und halte ihn aus diesem Grund in liebevoller Erinnerung. Um diese Situation, den Verlust meines Großvaters, zu akzeptieren, hilft es mir, ihn in schwierigen Situationen gedanklich um Rat zu fragen.

Wenn Sie alle Ereignisse und Situationen in Ihrem Brief aufgeschrieben haben, dann gehen Sie auf das Leben ein, das noch vor Ihnen liegt. Stellen Sie sich nun diese Fragen:

Was möchten Sie unbedingt erleben und mit wem?

Wer ist die wichtigste Person in Ihrem Leben?

Welche Dinge werden Sie in Ihrem zukünftigen Leben verändern?

Woran haben Sie Spaß?

Was macht Sie glücklich und zufrieden?

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?

Ich gebe Ihnen auch hierzu ein Beispiel: Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde ich sehr gerne einen Gesprächsabend am Kamin mit meinem Großvater machen.

Wenn Sie am Ende Ihres Briefes angekommen sind und alles niedergeschrieben haben, dann verschließen Sie den Brief an sich. Notieren Sie nun Ihre Adresse auf dem Briefumschlag, und geben Sie den Brief einem guten Freund, einer guten Freundin, Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin. Bitten Sie die Person Ihres Vertrauens, den Brief in einem Jahr an Sie zu senden. Ich bin gespannt, was Sie in einem Jahr über sich erfahren werden und was sich binnen eines Jahres verändern wird.

Für Menschen, die gerne in der digitalen Welt unterwegs sind, habe ich auch noch einen Tipp: Machen Sie doch mit sich selbst einen Termin in Ihrem digitalen Terminkalender aus und hinterlegen Sie Ihren Brief elektronisch. Vielleicht haben Sie auch Lust darauf, mir in einem Jahr zu berichten, was sich alles in Ihrem Leben positiv verändert hat. Ich freue mich auf Ihre Post.

Viel Spaß damit, und nun geht es weiter zum Thema, was Krisen mit uns machen.

Was machen Krisen konkret mit uns?

Den meisten Menschen fällt es schwer, etwas zu akzeptieren, wenn sie es nicht kontrollieren können, es nicht in ihrer Hand ist oder Sie es selbst nicht steuern können. Sie hegen den Wunsch, die Kontrolle über die Gefühle, über das Leben und über sich selbst zu haben und es bestenfalls nicht aus der Hand geben zu müssen. Natürlich ist es verständlich, dass wir ungern Dinge aus der Hand geben und diese am allerbesten selbst kontrollieren möchten. Doch ist das auch sinnvoll? Vor allem bei Dingen, Ereignissen oder Geschehnissen, die von außen auf uns einströmen, fällt es uns extrem schwer, etwas zu akzeptieren.

Damit Sie das besser nachvollziehen können, gebe ich Ihnen hierzu ein Beispiel: Ihr Chef informiert Sie darüber, dass Sie Ihren Arbeitsplatz verlieren werden, weil das Unternehmen, in dem Sie angestellt sind, verkleinert wird. Er erklärt Ihnen, dass es einen sehr aufwendigen Prozess gab, in welcher Abteilung wie viele Mitarbeiter entlassen werden müssen, wie der Sozialplan auszusehen hat und wie der prozentuale Entlassungsschlüssel ist. Um keinen seiner Mitarbeiter zu benachteiligen, erzählt Ihnen Ihr Chef, wie er diejenigen Mitarbeiter, die zur Entlassung anstehen, ausgewählt hat. Zuerst hat er jeden Namen seiner Mitarbeiter, die nach dem Sozialplan noch übrig waren, auf einen Zettel geschrieben und diese Zettel in ein Glas gelegt. Dann hat er, wie bei den Lottozahlen, dieses Glas geschüttelt, um die Zettel mit den Namen der Mitarbeiter gut durchzumischen. Danach wurden die Zettel mit den Namen der Mitarbeiter, die entlassen werden sollten, der Reihe nach wie ein Los gezogen. Einer der Mitarbeiter, die ausgewählt wurden, sind nun Sie. Dieser Zustand ist unveränderbar, und Sie haben demnach keine Möglichkeit, etwas daran zu verändern.

Was ist der erste Gedanke, den Sie haben? Vielleicht: wieso ich? Oder: Was habe ich gemacht, dass es mich trifft? Es sind wie gesagt vor allem solche Situationen, in denen es uns besonders schwerfällt, den Zustand zu akzeptieren: Situationen, in denen wir etwas aus der Hand geben müssen, das wir nicht selbst verursacht haben, und in denen wir keine Chance auf ein Einwirken bekommen und nicht das Geringste dazu beigetragen haben. Dass in diesen Momenten Gefühle wie Fassungslosigkeit oder Wut, gepaart mit Angst und Stress zum Vorschein kommen, ist völlig normal. Mit diesem Ausgang des Gespräches hatten Sie nicht gerechnet und es erwischt Sie eiskalt. Das Gefühl, etwas nicht selbst in der Hand zu haben, macht uns ohnmächtig, es ist katastrophal und grauenvoll zugleich.

Gefühle außer Kontrolle zu wissen, das Körpergefühl nicht kontrollieren zu können und womöglich alles entgleiten zu sehen, das sind Vorstellungen, denen wir gerne aus dem Weg gehen möchten. Genau das ist jetzt in dieser Situation unmöglich, denn Ihre Gefühle tanzen jetzt mit Ihnen Samba. Ihr Körper hat Stress, Sie fühlen sich hilflos, und Angst, wie es jetzt weitergehen wird, macht sich breit.

Machen Sie sich bewusst: Das sind ganz normale Gefühle, die immer dann entstehen, wenn wir Menschen uns in einer Überforderungssituation befinden; und genau darin stecken Sie gerade. Das Adrenalin schießt abrupt in die Höhe, Ängste, die im Normalfall ein Warninstrument sind und bei Gefahr unterstützen, werden aktiv, und der Körper ist auf Gefahr programmiert. Ihr komplettes System ist außer Rand und Band, da diese Situation eine Gefahr für Sie darstellt. Der Blutdruck steigt durch das Adrenalin, quasi unwichtige Funktionen wie die Verdauung werden unterdrückt, und auch die Immunabwehr wird durch das Cortisol zurückgefahren. Bei unvermeidbaren Gefahrensituationen sind diese Funktionen folgerichtig, sinnvoll und überlebensnotwendig. Jedoch in dieser Situation jetzt gerade sind sie eher anstrengend. Abstellen können Sie diese Funktionen in Ihrem Körper leider nicht, jedoch ist es machbar, dass Sie sich diesen Emotionen nicht ganz ergeben müssen.

Erinnern Sie sich noch an den Satz zu Beginn dieses Kapitels? »Wenn es uns gelingt, Dinge so zu akzeptieren, wie sie gerade sind, nur dann ist es möglich, in Wandel mit uns selbst zu gehen.« Sie können die Kündigung jetzt nicht mehr ändern, schön finden müssen Sie diese aber trotzdem nicht. Was Akzeptanz hier jedoch meint, ist: Akzeptieren Sie, dass es jetzt gerade so ist, dass Sie gekündigt wurden. Mehr meint Akzeptanz hier nicht. Ihre Gefühle sollten Sie nicht ignorieren, denn die sind da und wollen ganz klar beachtet werden. Sie dürfen sauer sein, traurig und auch ärgerlich, denn das sind echte Gefühle, die zu Ihnen und zu dieser Situation gehören. Zudem weisen Ihre Gefühle Sie gerade darauf hin, dass sich jetzt in Ihrem Leben etwas verändern wird, mit dem Sie nicht gerechnet haben. Gemeint ist damit dieses Ereignis, das unkontrolliert aus dem Off kam und das Sie jetzt gerade sprichwörtlich versucht, aus der Bahn zu werfen.

Doch nicht wir leben das Leben, sondern das Leben lebt uns, und somit sind auch Krisen, Veränderungen und Wendepunkte in unserem Leben unvermeidbar. Wie Sie jedoch damit umgehen, das ist ganz allein Ihre Entscheidung. Etwas so zu akzeptieren, wie es jetzt gerade ist, hört sich oftmals an wie eine Aufforderung, zu resignieren oder aufzugeben. Genau das Gegenteil ist der Fall. In die Akzeptanz zu gehen, ist bereits ein Schritt auf dem Weg in die Veränderung. Lassen Sie diesen Satz wirken: Akzeptanz ist der erste Schritt in die Veränderung. Diese Bewegung fällt den meisten Menschen schwer; stattdessen versuchen sie das Unmögliche vom Unmöglichen zu verlangen, sie kämpfen gewissermaßen darum, dass es sich ändern lässt. Allerdings können wir wie gesagt nur uns selbst verändern und keinesfalls unser Gegenüber. Doch genau das ist es, was viele Menschen in solchen Situationen dann versuchen. Sie wollen unter allen Umstanden den anderen verändern.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Hat das bei Ihnen schon einmal zum Erfolg geführt? Sind Sie beim Versuch, Ihr Gegenüber zu verändern, schon jemals auf offene Arme gestoßen? Nein? Dann stellt sich mir die Frage, warum Sie es wiederholt versuchen. Vielleicht haben Sie bislang noch keinen Schlüssel zu dieser Frage gefunden. Vielleicht haben Sie noch keine Methode gefunden, die Ihnen dabei hilft, etwas, das sie nicht verändern können, zu akzeptieren.

Einen Türöffner für Ihren Weg zur Veränderung kann ich Ihnen anbieten. Was nicht in meinem Angebot enthalten ist, ist der Schlüssel für die Möglichkeit, Ihr Gegenüber zu verändern. Doch ich gehe davon aus, dass Sie das ab jetzt nicht mehr möchten.

Raus aus der Hängematte der Selbstzufriedenheit

Akzeptanz bedeutet, die Kränkung, das Verhalten des Gegenübers sowie den eigenen Mangel nicht zu ignorieren, sondern nachsichtig anzunehmen. Den meisten Menschen fällt dies schwer. Sie sind gewohnt, sich eher zu ärgern und dem Groll zu folgen, als bei sich klarer hinzuschauen. Motzen geht ja bekanntlich immer.

Natürlich ist es schmerzhaft, anstrengend oder auch unangenehm, bei sich selbst genauer hinzusehen. Doch es lohnt sich, aus der Hängematte der Selbstzufriedenheit auszusteigen, und zwar mit allen Konsequenzen. Stellen Sie sich einmal vor, dass Sie nur noch dann ärgerlich wären, wenn es sich für Sie lohnen würde oder Sie einen Gewinn daraus erzielen könnten. Das ist gar nicht so leicht. Selbstverständlich ist es behaglicher, bequem in der Hängematte der Selbstzufriedenheit zu liegen. Das verstehe ich sehr gut. Und wenn Sie sich für den Weg entscheiden, aus der Hängematte auszusteigen, ist es erst mal anstrengend. Ihre erlernten Muster werden es Ihnen anfänglich schwer machen. Doch genau das ist der wichtigste Schritt, um sich mit den eigenen Bedürfnissen, Wünschen und der Gewohnheit im Umgang mit Kränkungen zu beschäftigen. Dinge zu akzeptieren, die wir nicht ändern können, ist eine entscheidende Annahme für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit.

Wer Krisen, Krankheiten, Meinungen und Mängel bei sich und anderen sowie dem eigenen Habitus und sich selbst als Typ akzeptiert, verfügt über einen großen Reichtum an Selbstvertrauen, Selbstwert und eine Menge an Zufriedenheit. In der Resilienz bedeutet Akzeptanz, alle unveränderbaren und unvermeidbaren Dinge des Lebens zuzulassen. Kummer, Leid, Kränkungen, Wendepunkte und Misserfolge sind Dinge, die zu unserem Leben gehören. Wenn Sie als Persönlichkeit gelernt haben, damit umzugehen, dann dürfen Sie sich ab sofort resilient nennen. Sie lassen die oben beschriebenen Themen buchstäblich an sich abprallen, denn Sie haben die Fähigkeit, eine Kämpfernatur zu sein. Doch vor der Akzeptanz gibt es noch das Thema der Selbstakzeptanz.

So bringen Sie den inneren Kritiker zum Schweigen

Haben Sie sich schon einmal mit der Frage beschäftigt, was wohl passieren würde, wenn Sie sich so annehmen würden, wie Sie sind? Oder wie Ihr Leben aussehen könnte, wenn Sie es selbst gestalten würden. So, wie Sie es für richtig und sinnvoll erachten? Nein? Dann wird es jetzt höchste Zeit.

Als Erstes schmeißen Sie Ihre inneren Zweifler oder Kritiker raus. Denn genau die sind es, die Ihnen vorgeben, wie Sie Ihr Leben zu führen haben und wie Sie sein sollen. Was aus der Sicht Ihres inneren Kritikers gut und nicht gut für Sie ist und was jetzt gerade wieder für Veränderungsthemen anstehen, die es zu verwandeln gilt, obliegt Ihnen allein. Doch glauben Sie jetzt bloß nicht, dass Sie bei Ihrem Kritiker auch nur die leiseste Chance haben, mitsprechen zu dürfen. Das ist nicht der Fall. Ihr Kritiker ist es gewohnt, eigenständig zu handeln. Leider nicht immer zu Ihrem Wohl. Viele Menschen werden von ihrem Kritiker besonders häufig überrascht, wobei die Betroffenen eher weiblich sind. Männer leiden seltener darunter, völlig verschont werden jedoch auch sie nicht. Bestimmt kennen auch Sie die Stimme des kleinen Barbaren, der Dinge zu Ihnen sagt wie:

»Du bist nicht so hübsch wie die neue Kollegin!«

»Ein paar Kilo weniger könntest du wirklich wiegen!«

»Das geht doch sicherlich auch besser, oder?«

»Dein Kollege ist erfolgreicher als du.«