Rosi Mittermaier und
Christian Neureuther
entdecken Südtirol
Die beiden ehemaligen Skirennläufer wandern zu
Almen, kehren in Gasthöfen ein und besuchen
ganz besondere Orte wie den Laaser Marmorbruch.
Rosi kocht mit Bäuerinnen, Wirten und Spitzen-
köchen Gerichte aus einfachen Zutaten und ergänzt
die Südtiroler Rezepte um ihre persönlichen Tipps
und bayerischen Lieblingsspeisen.
Christians Erzählungen von Geselligkeit und Herz-
lichkeit machen aus diesem Buch mehr als eine
Sammlung von Rezepten. Ob auf der mittel-
alterlichen Burg Taufers, der höchsten Schutzhütte
des Landes oder einem kleinen Weingut im
Südtiroler Unterland: Rosi und Christian lauschen
den Geschichten ihrer Gastgeber, essen, trinken,
lachen mit ihnen – und lernen so Land und Leute
kennen.
Mit 50 Rezepten aus Südtirol und Bayern
Abkürzungen
g
Gramm
kg
Kilogramm
ml
Milliliter
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Liter
Msp.
Messerspitze
TL
Teelöffel
EL
Esslöffel
Pkg.
Packung
Alle Rezepte sind für vier Personen. Der Verlag erstellte dieses Kochbuch mit größtmöglicher
Sorgfalt. Für dennoch vorhandene Fehler kann keine Haftung übernommen werden.
Kritik und Anregungen sind erwünscht.
Impressum
©
Edition Raetia, Bozen
Redaktionelle Mitarbeit: Lenz Koppelstätter, Magdalena Grüner, Eva Simeaner
Korrektur: Ex Libris Genossenschaft, Bozen
Grafik: Philipp Putzer, www.farbfabrik.it
Fotos: Christjan Ladurner, Christian Neureuther
Zeichnungen: Rosi Mittermaier
Coverbild: Arik Oberrauch
Druckvorstufe: Typoplus, Frangart
Printed in Europe
ISBNE-Book: 978-88-7283-579-1
ISBNPrint: 978-88-7283-555-5
Unser Gesamtprogramm finden Sie unter www.raetia.com
Rosi
Christian
Südtirol
Mit
und
in
Rosi Mittermaier
Christian Neureuther
❋
KULINARISCHE BEGEGNUNGEN
❋
Fotos von
Christjan Ladurner
Prolog
Unser Lieblingsgericht
6
Im Wolkenschloss
Das Becherhaus in Ridnaun
8
Südtiroler Apfelstrudel aus Mürbteig
16
Rosis Apfelstrudel
18
Freiluftkino, Kräutergärten & Biokost
Die Hühnerspielhütte bei Gossensaß
20
Rote-Bete-Spatzln mit Bergkäse
30
Rosis Blaubeerdatschi
30
Wo die Welt noch in Ordnung ist
Das Gasthaus Lazins in Pfelders
32
Ziegenfrischkäse mit selbstgebackenem Roggenbrot
40
Rosis Obazda
41
Wie die alten Rittersleut
Burg Taufers im Ahrntal
42
Pressknödel mit Ahrntaler Graukäse
50
Rosis Pressknödel mit Varianten
50
Die Schmuggler-Alm
Die Tolder Hütte im Gsieser Tal
52
Rindsgulasch mit Speckknödeln
62
Speck-Kopfsalat
63
Rosis Breznknödel
63
In den weißen Bergen
Die Rossalm bei Prags
64
Schweinsbraten mit Kartoffeln und
gedünstetem Weißkraut
74
Rosis Kartoffelsalat
75
Gastlichkeit im Bauhausstil
Das Briol bei Barbian
76
Brioler Topfennocken mit Bergkräutern
86
Rosis Steinpilze
86
Fast schon kitschig
Die Adler Mountain Lodge auf der Seiser Alm
88
Ladinische Bohnensuppe mit Knödeln
98
Rosis Fleischsuppe
99
Es klappert die Mühle
Der Hofschank zur Malenger Mühle in Seis
100
Schlutzkrapfen
108
Rosis Reiberdatschi
109
Erlebnisküche mit Herzblut
Bad Schörgau im Sarntal
110
Marinierte Bachforelle mit eingeweckter Roter Bete
117
Karamellisierter Kaiserschmarrn mit
glasierten Apfelperlen
118
Rosis „Arme-Leute-Schmarrn“
119
4 ❋ INHALT
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Genuss am Gletscher
Die Schöne Aussicht am Schnalser Gletscher
180
„Schworzplentene“ Knödel
192
Rosis Speck-Krautsalat
192
Dem Ursprung entgegen
Die Vordere Flatschbergalm im Ultental
194
Südtiroler „Muas“
204
Rosis Reisauflauf mit Äpfeln
206
Rosis Johi-Gelee
207
Die Hütten-WG
Die Griap auf Meran 2000
208
Schöpsernes Bauernbratl mit Kartoffeln
218
Rosis ausgezogene Schmalznudeln
219
Die Kunst des Kochens
Die Miil in Tscherms
220
Basilikumravioli
230
Rosis Schwarzwurzelsuppe
231
Epilog
Taubenwald in Vöran
232
Leberspatzl-Suppe
240
Krautwickel
241
Rosis Fleischpflanzl
242
Rezeptverzeichnis
244
Glossar
245
Ein Bauernhof zum Lernen
Der Untertrotnerhof am Ritten
120
Südtiroler Krapfen
126
Rosis Bayerische Creme
130
Rosis Hollermus
130
Im Einklang mit der Natur
Der Petersberger Leger bei Deutschnofen
132
Gemüsegröstl mit Kräuterpesto
142
Rosis Ingwer-Ananas-Smoothie
143
Rosis Rote-Herzen-für-die-Liebe-Smoothie
143
Im Land der Reben
Der Brunnenhof in Mazzon
144
Polenta
152
Rosis Biersuppe
152
Weiße Welt
Der Laaser Marmorbruch
154
Saure Suppe
164
Marillenknödel
164
Rosis Dampfnudeln
166
Rosis Apfelmus
167
Rosis Vanillesoße
167
Zwischen gestern und heute
Der Tisenhof im Schnalstal
168
Schnalser Schneemilch
176
Rosis Wildgulasch
177
Rosis Kartoffelknödel halb und halb
178
5 ❋ INHALT
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Der eine oder andere wird sich fragen: Warum machen
zwei Oberbayern ein Buch über Südtirol? Darauf antwor-
te ich mit einer Gegenfrage: Warum nicht? Schließlich
unterscheidet uns kulturell und sprachlich gar nicht
so viel, geschichtlich betrachtet sind wir vom selben
Schlag. Unsere Berge hängen zusammen, wir steigen
gerne darauf herum und fahren fast noch lieber mit
den Skiern von ihnen herunter. Rosis und mein Vater
haben beide im Krieg in Südtirol gedient und trotz einer
schrecklichen Zeit die wunderschönsten Geschichten
mitgebracht. Zusätzlich haben beide den Rotweinabsatz
wesentlich mitgefördert und uns neben vielen anderen
Eigenschaften auch die Liebe zum Kulinarischen in die
Wiege gelegt.
Es ist gar nicht so weit nach Südtirol, nur ein Katzen-
sprung. Sobald man vom raueren Norden über den Bren-
ner in den wärmeren Süden gekommen ist, möchte man
jedes Tal, jeden Berg, jeden Winkel und vor allen Dingen
möglichst viele Menschen kennenlernen. Aber wie
schafft man das? Vor Jahren waren wir für ein anderes
Buchprojekt in Südtirol unterwegs, auf der Suche nach
speziellen Orten, die einem Kraft und Stärke vermitteln.
Es blieb nicht bei diesen Orten, wir hatten das Glück,
dabei einen Menschen zu treffen, der selber zur Entde-
ckung wurde: Christjan Ladurner. Bergführer, Fotograf,
Heliguide – und durch und durch unkonventionell. In
Südtirol kennt man ihn schon, er hat wunderbare Bü-
cher veröffentlicht und mit Reinhold Messner den „Kö-
nig Ortler“ fotografiert. Wir mussten uns einfach treffen
und haben uns ohne viel zu reden verstanden. Keiner
kennt seine Südtiroler Heimat und seine Berge besser
als Christjan. Und er stößt mit seinem fotografischen
Auge in Bereiche vor, die einem „normalen“ Menschen
unerschlossen bleiben. Das touristische Südtirol kennen
Rosi und ich schon, er aber konnte uns ein Südtirol
zeigen, das weit weg von Apfelblüte und Törggelen liegt,
und von den Orten, die sich mit allerlei Superlativen
rühmen. Er hat uns gezeigt, wo das Herz dieses Landes
schlägt: bei den Menschen.
Rosi ist eine wunderbare Köchin. Wenn Gäste bei uns
einkehren, wird gekocht, zusammengesessen und geges-
sen. Rosi bringt immer etwas auf den Tisch und sobald
der Tisch gedeckt ist, öffnen sich die Seelen. Diese
Augenblicke wollten wir erleben – aber eben nicht zu
Hause, sondern bei unseren Gastgebern, die bereit wa-
ren, ihre Küchentür zu öffnen und sich mit Rosi an den
Herd zu stellen. Und, ganz ehrlich: Der Hintergedanke,
dass Rosi dabei auch ein paar Südtiroler Gerichte lernen
würde, spielte auch eine Rolle, warum ich mich so auf
dieses Projekt gefreut habe.
Es war also angerichtet: Wir hatten einen grandiosen
Fotografen, und mit Rosi habe ich eine Frau an meiner
Seite, von der ich mir vorstellen konnte, dass sie so
manche sperrige Türe leichter öffnen würde. Was aber
sollte ich dabei? Ich bin kein guter Koch, aber ich habe
schon meine Stärken. Ich kann Wasser richtig gut heiß
machen und bin auch ein guter Chauffeur. Ich habe
also der Rosi und dem Christjan versprochen, dass
ich mich ganz brav ins Eck verkrümeln würde, keine
laienhaften Fragen zum Kochen oder Fotografieren
stellen würde, dass ich dafür aber eifrig mitschreiben
und zumindest beim Essen und Trinken eine gute Figur
abgeben würde.
So ist dieses Buch entstanden. Drei Jahre lang waren wir
immer wieder gemeinsam unterwegs und die Zeit ist wie
der Wasserdampf im Kochtopf nur so verflogen. Jeder
Besuch und jede Kochstunde waren für uns eine Berei-
cherung. Unsere Gastgeber haben uns hineinblicken
lassen in ihre Welt, wir durften einander kennenlernen,
haben uns ausgetauscht und unsere Lebensgeschichten,
unsere Freude an der Begegnung und, nicht zuletzt,
unsere Rezepte geteilt. Wir danken unserem Fotografen
Christjan Ladurner und unserem Verlag für die Mög-
lichkeit, dieses Buch umzusetzen: Es ist unser Lieblings-
gericht. Guten Appetit!
Christian Neureuther
6 ❋ PROLOG
Prolog
Unser Lieblingsgericht
Warum
machen zwei
Oberbayern
ein Buch über
Südtirol?
Im
Wolkenschloss
Das Becherhaus in Ridnaun
W
ir haben ja mit unserem Fotografen
Christjan Ladurner einen äußerst
erfahrenen Bergführer an der Seite.
Eines Tages fragt er uns, ob wir uns
vorstellen könnten, mit ihm das Becherhaus zu packen.
Hey, Freund, denke ich mir, das kann ja wohl nicht
wahr sein, „Häuser“ packen wir immer.
Wir sind dann hinter Sterzing rechts rein ins Ridnaun-
tal bis zum ehemaligen Bergwerk Schneeberg. „Becher-
haus“ steht da auf dem Schild: „6 h 10'“. Hoppala, das
scheint doch eine größere Tour zu werden. Es ist ein
heißer Augusttag. Bis zur Grohmannhütte geht's noch
recht gemütlich, doch danach schwingt sich der Steig
steil hinauf zur Teplitzer Hütte. Drei Stunden Aufstieg
liegen schon hinter uns, doch erst ganz fern am Hori-
zont oben auf einem Grat sehen wir eine kantige Erhe-
bung, wie so eine kleine Zündholzschachtel. „Do miass
mer aui“, sagte der Christjan.
Das Gelände wird nun immer alpiner, rechts von uns
streckt sich eine riesige Gletscherzunge Richtung Tal
und aus dem grauen Eis und den Schneefeldern spru-
deln überall Wasserbäche heraus, stürzen zu Tal oder
bilden eisblaue Gletscherseen. „Das ist der Rest vom
größten Gletscher Südtirols, dem Übeltalferner“, erklärt
uns Christjan. „Schaut euch links und rechts die glatt
geschliffenen Felsen an, die hat das Eis blank gerieben
und die Steine unten im Tal zu riesigen Geröllhaufen
aufgeschüttet. Jetzt wisst ihr, welche gigantische Di-
mension dieser Gletscher einmal hatte. Dramatischer
kann man den Klimawandel nicht vor Augen geführt
bekommen.“
Ein mulmiges Gefühl befällt mich, bei aller Schönheit
der Berge rund um uns herum. Irgendwie habe ich das
Gefühl, auf ein Skelett zu blicken, dessen Untergang wir
mitzuverantworten haben. Wenn man sich auf alten
Bildern anschaut, wie dick das Eis früher war und wie
weit es ins Tal hinabreichte, dann wird es einem Angst
und Bange um die Zukunft unserer Berge – unseres
Lebensraums.
Der Weg wird steiler und anstrengender, wir spüren die
fünf Stunden Aufstieg, die wir hinter uns haben, doch
vor uns liegt noch die letzte wirklich steile Passage, eine
leichte, gut gesicherte Kletterei und die Lust darauf treibt
uns nochmals an.
Endlich, nach sechs Stunden sind wir oben – im
Wolkenschloss der Stubaier Alpen. Die Hütte taucht
urplötzlich wie ein großes Vogelnest, das auf dem Gip-
felfelsen thront, vor uns auf. Sie liegt auf unglaublichen
3.195 Metern und ist damit die höchstgelegene Schutz-
hütte Südtirols. Sie ist umzingelt von so bekannten
Gipfeln wie dem Wilden Freiger, dem Zuckerhütl, der
Sonklarspitze oder dem Botzer.
Der Wirt Erich Pichler und seine Frau Andrea empfan-
gen uns gemeinsam mit ihren beiden kleinen Töchtern
9 ❋ BECHERHAUS
Do miass
mer aui
Emma und Leonie und dem obligatorischen „Schnapsl“.
Erich kommt aus dem Passeiertal, Andrea aus dem
Pitztal – hier oben, über ihren Tälern, strahlen uns
Menschen an, denen man anmerkt, dass sie in einem
extrem fordernden Leben ihre Berufung gefunden
haben. Da schlägt einem das Herz noch höher. Erich
ist gelernter Koch und Berg- und Skiführer. Früher hat
er im Winter in Sölden im Skigebiet gearbeitet, wollte
aber immer schon eine Schutzhütte pachten, als neue
Lebensbestimmung. Als ihm das Becherhaus angeboten
wurde, wusste er, was er wollte: „Das und kein ande-
res!“
Die beiden Mädchen springen draußen auf den Felsen
wie die Gämsen herum, während uns Erich und Andrea
in die Hütte holen. Ich kann gar nicht hinschauen,
rundherum geht es Hunderte Meter runter. Aber Emma
und Leonie bewegen sich völlig unbeschwert, wie andere
Kinder auf dem Schulweg. Auch wenn sie erst acht und
zehn Jahre alt sind, sie kennen den Berg, die Gefahren
und auch die Grenzen. Das haben ihnen die Eltern
beigebracht.
Das Leben hier oben ist hart. Erich erzählt uns, dass er
letztes Jahr wegen des schlechten Wetters drei Wochen
fast ohne einen Gast heroben gesessen sei, wenn es aber
schön sei wie heute, dann sei es Stress pur. Morgens,
mittags, abends ist die Hütte voll mit hungrigen Berg-
steigern, dazu müssen die Zimmer gemacht, die Wege
gesichert, die Seile kontrolliert und die Markierungen
in Schuss gehalten werden. Die Lebensmittelversorgung
muss organisiert werden – und der Hubschrauber ist
teuer. Ohne Passion geht hier nichts und erst recht
nicht ohne eine Frau, die ihn mit Herz und Hand unter-
stützt.
Das Matratzenlager ist spartanisch eingerichtet und
bietet Platz für 100 Bergsteiger, Rosi und ich dürfen im
Sissi-Zimmer übernachten. Im Haus befindet sich eine
kleine Kapelle, das höchstgelegene Marienheiligtum der
Alpen, und an einer Wand hängt ein Marmorrelief mit
Sissis Konterfei, 80 Kilogramm schwer. Wir erfahren,
dass das Becherhaus früher Kaiserin-Elisabeth-Schutz-
haus hieß, denn es war Kaiser Franz Joseph, der den Bau
auf Wunsch von seiner Sissi genehmigte. Die Kaiserin
hatte sogar schon einen Besuch geplant – ich vermute,
man hätte sie wie Baumaterial herauftragen müssen.
Doch daraus wurde leider nichts. Sie starb wenige Wo-
chen vor dem Besuch durch die Hand eines Attentäters.
10 ❋ BECHERHAUS
Wie die Hütte auf den Gipfel kam
Wie haben die das damals nur geschafft? Ohne
Hubschrauber! Trotz Wind und Schneestürmen
errichteten die Arbeiter die Hütte in nur sechs Mo-
naten. Im März 1894 begann die Bauphase. Für den
Transport der insgesamt 25 Tonnen Baumaterial
verwendete man bis zum Aglsboden große Pferde-
schlitten, die auf gefrorenem Firn gut vorankamen.
Vom Erztransport im benachbarten Lazzacher Tal
hatte man sich für den weiteren Weg die Bremsbah-
nen abgeschaut, bei denen mit einem Gegengewicht
aus Wasser und Steinen ein Transportgut hoch-
gezogen oder abgelassen wurde. Das letzte Stück
aber, den Becherfelsen selbst, musste das Material
eigenhändig über den Felssteig getragen werden.
Am Abend des 16. August 1894 fand die Eröffnung
statt – und pünktlich zur mitternächtlichen Stunde
konnte man noch auf den Geburtstag des Kaisers
anstoßen.
Das Leben
hier oben
ist hart
Zubereitung
1 Für den Mürbteig die kalte Butter klein schneiden und
mit dem Zucker und dem Ei verkneten, entweder mit
den Knethaken des Handrührgerätes oder mit möglichst
kalten Händen. 2 Das Mehl und eine Prise Salz über das
Buttergemisch sieben und mit kalten Händen alles rasch
zu einem glatten Teig verkneten. Vorsicht: Zu langes
Kneten lässt den Teig brüchig werden. 3 Den Teig zu ei-
nem Ziegel formen, in Folie einwickeln und mindestens
30 Minuten, besser noch eine Stunde, im Kühlschrank
ruhen lassen. 4 Die Äpfel schälen und entkernen, dann
in kleine Scheiben schneiden und mit Zucker, Semmel-
bröseln, Sultaninen, Pignoli, Rum, Vanillezucker, Zimt
und Zitronenschale mischen. 5 Den Teig auf einer be-
mehlten Arbeitsfläche ausrollen, zwei Längsstreifen vom
Teig abschneiden und zum Verzieren bereitstellen. 6 Den
ausgerollten Teig auf ein eingefettetes oder mit Back-
papier ausgelegtes Backblech legen. 7 Die Apfelfüllung
verteilen und den Teig von beiden Seiten zuklappen,
dadurch hat mehr Fülle Platz. 8 Das Eigelb verquirlen
und den Strudel damit bestreichen. 9 Mit den Teigsteifen
ein Rautenmuster auf den Strudel legen und im vorge-
heizten Backofen bei 180 °C Ober- und Unterhitze oder
160 °C Umluft ca. 35 Minuten backen. 10 Mit Staubzu-
cker bestreuen.
Tipp: Zum Apfelstrudel können Sie Vanillesoße (siehe
Seite 167) oder geschlagene Sahne servieren.
Südtiroler Apfelstrudel
aus Mürbteig
Zutaten für den Mürbteig
200 g Butter
100 g Zucker
1 Ei
300 g Mehl
1 Prise Salz
Zutaten für die Fülle
7 Äpfel
50 g Zucker
50 g Semmelbrösel, in etwas Butter geröstet
40 g Sultaninen
20 g Pignoli
2 EL Rum
1 Pkg. Vanillezucker
1 Msp. Zimt
1 Msp. Zitronenschale, gerieben
1 Eigelb zum Bestreichen
1 EL Staubzucker zum Bestreuen
16 ❋ BECHERHAUS
Ich vermute, für einen Koch gibt es nichts Schöneres, als
für hungrige Bergsteiger zu kochen, denn auf über 3.000
Metern bekommen wir ein Drei-Gänge-Menu, das ein-
fach genial ist. Erich ruft uns in die Küche und sagt: „Ich
freu mich so über euren Besuch, drum mach ich euch
jetzt noch meinen Südtiroler Apfelstrudel.“ In der engen
Küche herrscht Hochbetrieb, das ganze Geschirr und Be-
steck der Gäste muss abgewaschen werden. Das Einzige,
was ich tun kann, ist beim Abtrocknen zu helfen. Es ist
ein gutes Gefühl, etwas Nützliches beitragen zu können.
Die Rosi schaut Erich und Andrea neugierig über die
Schultern, denn sie machen den Strudel anders, als sie es
aus Bayern kennt. Der Teig wird nicht eingerollt, sondern
nur einmal umgeklappt. So haben mehr Äpfel Platz – und
davon gibt es in Südtirol ja mehr als genug.
17 ❋ BECHERHAUS
Zubereitung
1 Das Mehl auf die Arbeitsfläche sieben, einen Kegel an-
häufen, oben eine Mulde machen, in die Mulde kom-
men Ei, Salz und Öl. Alles mit einer Gabel verrühren.
2 Mit der anderen Hand langsam das Wasser zugießen,
die Mulde immer größer verrühren, bis der Teig die
richtige Konsistenz hat. 3 Dann mit beiden Händen
kräftig durchkneten, bis der Teig glatt und geschmeidig
ist. Zu einer Kugel formen und mit Öl bestreichen.
4 30 Minuten rasten lassen. 5 In der Zwischenzeit die
Äpfel schälen, entkernen, feinblättrig schneiden, mit
Zitronensaft und einem guten Schnaps beträufeln.
6 Auf einem bemehlten Tuch auf einem Tisch den Teig
mit dem Nudelholz austreiben, mit beiden Handrücken
von der Mitte nach allen Seiten hin weiter ausziehen
bis er papierdünn ist, aber nicht reißt. 7 Ca. ein Drittel
des Teiges mit zerlassener, lauwarmer Butter bestrei-
chen. 8 Die anderen zwei Drittel mit den geschnittenen
Äpfeln belegen und Zucker darüberstreuen. 9 Nun wird
der Strudel durch Anheben des Tuches eng aufgerollt,
bei der Seite mit der Fülle beginnend, sodass die zuvor
aufgetragene Butter den Strudel am Ende zuklebt.
10 Eine Reine mit etwas Butter ausstreichen, den Stru-
del drauflegen (mithilfe des Tuches). 11 Die restliche
Butter zerlassen, den Strudel damit bestreichen und ca.
40 Minuten bei 180 °C Ober- und Unterhitze backen.
12 Wenn er leicht gebräunt ist, noch eine Tasse Milch
drüberträufeln und noch 5 Minuten fertig backen, bis
die Milch verdampft ist. 13 Mit Staubzucker bestreuen
und noch warm servieren.
Rosis Apfelstrudel
Zutaten für den Teig
200 g Mehl
1 Ei
1 Prise Salz
2 EL Öl
50 ml Wasser, lauwarm
Zutaten für die Fülle
5 Äpfel
1 EL Zitronensaft
1 EL Schnaps
80 g Zucker
100 g Butter
125 ml Milch
1 EL Staubzucker zum Bestreuen
18 ❋ BECHERHAUS
Bei Rosis Teig ist das viel mühsamer. Während Andrea,
Rosi und die beiden Mädchen Äpfel schälen und die
„Weimerlen“ verstreuen, unterhalte ich mich mit Erich
über die guten alten Zeiten in Sölden, woran wir beide
viele Erinnerungen haben. Sölden war ja über Jahre das
Trainingszentrum von Rosi und mir. Gleichzeitig beob-
achte ich, mit welcher Begeisterung Emma und Leonie
beim Strudel mithelfen und auch ihren Teil zum „Über-
leben“ auf der Hütte beitragen. Nirgendwo als am Berg
lernt man besser, dass man aufeinander angewiesen ist
und sich gegenseitig hilft. Bei Andrea und Erich wird das
vorgelebt und nicht anerzogen. Eine bessere Lebensschule
gibt es nicht.
Im ersten Moment könnte man glauben, so eine Kind-
heit auf einer Hütte wäre eintönig, denn zum Spielen
gibt's eigentlich nur die Hütte. Doch das Gegenteil ist
der Fall. Jeden Tag kommen neue, interessante Menschen
zur Tür herein und erzählen von spannenden Erlebnissen
am Berg. Da passiert immer etwas Aufregendes oder
auch Tragisches. Die Gäste haben Zeit und freuen sich,
mit den Kindern Mühle, „Mensch ärgere dich nicht“
oder Canasta zu spielen. Es wird gesungen und gelacht.
Alle sind hier eine große Familie und alle werden gleich
behandelt. Da bekommt auch jeder nur ein kleines Stück
von dem Apfelstrudel und am nächsten Morgen ist das