Mit sich und der Welt in Reimen - Marianne Hartwig - E-Book

Mit sich und der Welt in Reimen E-Book

Marianne Hartwig

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Beschreibung

Mit sich und der Welt in Reimen ist Marianne Hartwigs neunte Sammlung von Gedichten. Wieder im Zeitraum eines Jahres entstanden, ist die Sammlung thematisch in sechs Kapitel unterteilt: 'Zitieren und Fabulieren', 'Naturfreuden', 'Von den Tieren', 'Mit Farben und Pinsel', 'Schutz und Flucht', 'Träumen, Zweifel, Widersprüche', Der Untertitel 'Aus meinem lyrischen Tagebuch' macht den Stellenwert deutlich, den das Reimen in ihrem Leben hat.

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„Jeder Augenblick ist ewig

wenn du ihn zu nehmen weißt

ist ein Vers, der unaufhörlich

Leben, Welt und Dasein preist“

Konstantin Wecker

Inhalt

Vorwort

MIT SICH UND DER WELT IN REIMEN

Zitieren und Fabuliere

Naturfreuden

Von den Tieren

Mit Farben und Pinsel

Schutz und Flucht

Träumen, Zweifel, Widersprüche

Alphabetisches Verzeichnis der Titel

Zur Autorin

Vorwort

Mit sich und der Welt in Reimen ist Marianne Hartwigs neunte Sammlung von Gedichten. Wieder im Zeitraum eines Jahres entstanden, ist die Sammlung thematisch in sechs Kapitel unterteilt.

Im ersten Kapitel ‚Zitieren und Fabulieren‘ lässt sie sich von ihren Lieblingsautoren inspirieren und integriert Zitate aus deren Werk.

Im zweiten Kapitel geht es um ‚Naturfreuden‘, die sie veranlassen, einen eingehenden Blick in ihren Garten zu werfen.

Das Thema des dritten ‚Von den Tieren‘ sind ihre vierbeinigen Begleiter, in erster Linie die Katzen, die ihr Haus bevölkern.

Im vierten Kapitel ‚Mit Farben und Pinsel‘ liefert der Besuch einer befreundeten Künstlerin das Motiv.

Das fünfte ‚Schutz und Flucht‘ rückt ihr Elternhaus im Hunsrück in den Blickpunkt, das für sie einen wesentlichen Ankerpunkt darstellt.

Im letzten ‚Träume, Zweifel, Widersprüche‘ kommt die Autorin auf sich selbst zu sprechen und reflektiert ihr selbst gewähltes Exil auf der Mittelmeerinsel.

Der Untertitel ‚Aus meinem lyrischen Tagebuch‘ macht deutlich, was für einen wesentlichen Bestandteil ihres Lebens das Reimen für sie darstellt.

Chris von Gagern, Ibiza, Nov. 2018

Zitieren und Fabulieren

Im Einklang

Zitat-Gedichte sind eine neue Leidenschaft

die statt Leiden Wort-Spiele schafft

und manchmal Gedichte

in Verbindung mit der eigenen Lebensgeschichte

inspiriert von A. Manguel „Eine Geschichte des Lesens“

Inspiration hilft immer

auch einem eigensinnigen Frauenzimmer

Man muss nicht Vorleser bei Borges gewesen sein

Der Mutter meiner Freundin Irmela vorzulesen war eine Gelegenheit, mit ihr, mit mir und der Geschichte des Lesens im Einklang zu sein.

Katzenliebhaber

Wie eine Katz ist so ein Zitat

Es kreuzt meinen Weg und nistet sich ein

Schon vor dem Zusammentreffen hat es Bezug zu meinem Alltag

Wartet nur auf eine günstige Gelegenheit um da zu sein

um nah zu sein

in schwierigen Zeiten

in dem alte Weisheiten und Schnurren Trost bereiten

Das Schicksal meinte es gut mit mir

Schenkte mir nicht nur mit der Geburt ein Katzentier

sondern auch eine Oma die gerne zitierte und eigensinnig war

Dabei handelte es sich mehr um Sprichwörter und

weniger um Petrarca:

„Die Menschheit ist grob in 2 Gruppen einzuteilen

in Katzenliebhaber und die vom Schicksal

Benachteiligten“.

Verpassen

Kein Morgengedicht

Bei Ablenkung auch keins in Sicht

Sie wurden mir nach deinem Tod geschenkt

Gedichte als Ersatz

Ein unsichtbarer Schatz

uneingeschränkt

im Einklang

mit geglückten Vergangenheitszeiten

All die Glücksmomente im Zusammenhang

die neben Kummer und Sorgen uns begleiten

ein Leben lang

Zu den jetzigen Gedichten gelangen

all die, die Lebensbejahung und Hoffnung verbreiten

Angst vertreiben

Bunte Glücks-Gedanken einfangen

Mit Lamentationen und Klagen ließen sich Bände füllen

Nur wenige wagen

meist nur im Stillen

zu sagen:

So wie es ist liebe ich mein Leben

in Dankbarkeit

bereit

Glücksstreben weiterzugeben:

„Wir bekommen das Leben leer geschenkt

Für die Sache mit dem Glück müssen wir uns schon

selber etwas einfallen lassen!“1

Einfälle helfen immer, Glück nicht zu verpassen.

1 Richard Ford

Um-Gang

Aufzuhalten sind sie nicht – die sorgenvollen Gedanken

Ich verbiete euch, mir die Lust zu nehmen – zu lachen

Verbote helfen kaum wenn Stimmungslagen schwanken

Mit einem Gefühlszustand will ich mich befassen

Im Hinblick auf die Erkenntnis:

„Man muss sich nicht alles von sich gefallen lassen“

Ein perfektes Ich-Verständnis

Danke Victor Frankl, ich sehe dem Tag gelassen entgegen

und meide den Um-Gang auf sorgenvollen Wegen.

Schau dir an was du tust

Nicht immer wissen wir genau was wir wollen

das heißt wir wissen es vielleicht

aber wir fragen uns: sollen

wir es wagen – es wird nicht leicht

Dann suchen wir Bestätigung bei denen die mutiger sind

Lassen uns von ihrem Lebenslauf verführen

Stellen fest, so waren wir schon als Kind:

Eigenwillig mit der Lust zu improvisieren

und von der Erkenntnis Anderer zu profitieren

„...schau dir an was du tust und du weißt was du willst...“ 2

2 Ulla Hahn

Helfer

„Gestern wäre ich mir lieber aus dem Weg gegangen“ meinte Herta Müller

Treffender sind einige Selbst-Begegnungen nicht auszudrücken Heute kann ich mich wieder leiden

Keine Abhängigkeiten

und in vielen Augenblicken

schließe ich Freundschaft mit mir, meiner

Stimmungsschwankung

Dann ist sie kein Seitensprung

Eher ein Lebensbegleiter

bekannt aus Zeiten des Umbruchs am Ende der Kindheit

Schon damals halfen Gedichte auf der Stimmungsleiter den Halt nicht zu verlieren

Sie sindmeine Helfer geblieben, zu ihnen flüchte ich mich – wie zu den Tieren.

Ein sicherer Ort

An einem sicheren Ort lebe ich

mitten im Pinienwald

Meine Tiere lassen mich niemals im Stich

Ich fürchte Niemanden und Nichts – außer Gewalt

So leben zu dürfen ist Schicksals-Gunst

Sollte ich sie nicht erwähnen – mit keinem Wort?

Doch dann bleibt sie geheim, die Lebens-Kunst:

„Das Abseits ist der einzige sichere Ort“. 3

3 Peter Brückner

Die reine Freude

Sich selbst ein Glückserlebnis zu bereiten

setzt neben Egoismus das Bedürfnis voraus

lange Zeit mit sich selbst alleine zu bleiben

Eigenwillige kennen sich damit aus

Zur Selbstbeglückung gehört Phantasie

die zahllosen Selbstdarstellungen beweisen es

So eine Biographie

ist wie ein Märchen – das Ende lässt alles offen

auf viele nichterzählte Geschichten hoffen

denn „wenn sie nicht gestorben sind...“ erzählen sie noch heute

Schreiben ist nicht nur „ein Glückserlebnis mit Papier und Stift“

wie Martin Walser sagt – es ist, wie im Augenblick, die reine Freude.

Grandios

„Freunde erfordern Einsatz!“ las ich gerade

So habe ich das niemals empfunden

Meine Freunde sind ein Geschenk, Glück, Gnade

In all den Stunden des Zusammenseins ist es ein Geschenk – das Miteinander

Vielleicht ist das Geheimnis einer Freundschaft die Freude aneinander

Sie mit Einsatz zu verbinden ist eher kurios

Freundschaft bedeutet Vertrauen – bedingungslos – dann ist sie grandios.

Wann gibt es ihn

unseren Charakter?

Er wurde uns nicht in die Wiege gelegt

Doch irgendwann hat er

uns zu dem Menschen gemacht, der wir sind

oder umgekehrt

„Der Charakter des Menschen ist sein Schicksal“

sagst Heraklit

Sind wir allein verantwortlich oder gibt es eine

Höhere Macht, die uns Charakterstärke lehrt?

Mit sich im Reinen

Ein ehemals kluger und erfolgreicher Mann ist dement

Wenn meine Freundin Gerlinde ihn besucht, ein gutes Essen kocht, mit ihm singt

und tanzt – an alte Liedertexte erinnert er sich –

Beim Tanzen ist er fröhlich

wird fast wieder eloquent

ringt

nicht mehr nach Worten und scheint

mit sich und der Welt im Reinen zu sein

wenn er meint:

„So viel wie ich vergessen habe, kann ich mir gar nicht merken“.

Lernen

Ein Tag des Augenblicks ist heute

Manche Tage sind Glückstage

Schon die Augen aufzuschlagen macht Freude

Heute existiert es nicht – das Wort Klage

Ein Traum hat diese Tages-Einstellung ausgelöst

Ein Wunschtraum, ob er in Erfüllung geht, steht in den Sternen

Doch eines steht fest:

In Träumen 1ässt sich Freuen lernen.

„Jeder Augenblick ist ewig

wenn du ihn zu nehmen weißt“

Ist ein Vers der unaufhörlich

Leben, Welt und Dasein preist.4

4 Konstantin Wecker

Unterbewusstsein

Eine Perlenschnur aus Reimen

wie ein Rosenkranz

wie Lichtkugeln die sich ganz

selbstverständlich zusammenfinden

und ähnlich wie im Traum

Dahinfließendes miteinander verbinden

Einfluß habe ich kaum

Wie bei G.‘s Bildern lassen die Farben Landschaften entstehen

die nur im Auge des Betrachters sichtbar sind

sich wandeln, die Lust wecken, immer wieder

hinzusehen

Jedes Kind

liebt dieses Wiederholungsspiel

ohne Ziel

erst im Laufe der Zeit leuchtet uns ein:

„Die Quelle der Kunst ist das Unterbewusstsein“.5

5 Jackson Pollock

Erkenntnis

Von lautem Schnurren geweckt zu werden

Was für ein Tagesanfang!

Keine Morgen-Melancholie, keine Beschwerden

So fangen Glückstage an

Neben Kater Rojo sorgt P.H. für „Leben lernen“, denn niemals ist es zu spät

für seine Erkenntnis: „Jede Imagination ist eine unsichtbare Realität“.6

6 Peter Härtling

Freundinnen

Es waren einmal zwei Freundinnen

die wollten auf einer Insel in einem großen Haus

zusammenleben

im Laufe der Zeit

war es dann soweit

und sie beschlossen einzusehen: auch in einer kleinen Gompa im Hunsrück können Bilder- und Gedichts-Ideen entstehen.

Gut-Sein

Menschen die meinen zu gut für diese Welt zu sein

fühlen sich oft allein

Sich mit den Nicht-so-Guten abzugeben

würde das Allein-Sein zwar beheben

Aber sich und ihr Zu-gut-Sein infrage stellen

was in den meisten Fällen

mit schmerzlichen Eingeständnissen verbunden ist –

wenn auch weniger allein

Denn schon Tolstoi meint „gut sein bedeutet nur den

Wunsch zu haben, häufiger gut zu sein.“

Ein schönes Leben