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Mitgefühl(t): Der Moment der alles veränderte. Die Autorin Sabine Heisch beschreibt in ihren Buch sehr berührend, wie durch die Behinderung ihrer Tochter das bisherige Leben auf den Kopf gestellt wurde. Dadurch macht sie selbst wichtige Erfahrungen, die ihr helfen, in eine größere Tiefe und in mehr Mitgefühl zu gelangen. Mit Gottvertrauen und Mut geht sie ihren Weg durch den Dschungel gesundheitlicher Behandlungsmethoden, Behörden, Reisen und alternativen Heilverfahren, die sie auch beschreibt. Dieser Erfahrungsbericht einer Mutter möchte Eltern und Bezugspersonen dazu aufrufen: lieber auf neuen Wegen zu stolpern, als auf alten Pfaden zu erstarren. Verständnis, Toleranz und Mitgefühl helfen dabei um Menschen mit Behinderung und deren Angehörige besser zu verstehen und anzunehmen. Wir sind alle miteinander verbunden und können von einander lernen.
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Seitenzahl: 252
Veröffentlichungsjahr: 2014
Mitgefühl(t)
Der Moment der alles veränderte
Sabine Heisch
© 2014 Sabine Heisch
Umschlaggestaltung, Illustration: Sabine Heisch
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN:
978-3-8495-9444-2
(Paperback)
978-3-8495-9445-9
(Hardcover)
978-3-8495-9446-6 (e-Book)
Printed in Germany
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Inhalt
Mitgefühl(t)
Der Moment der alles veränderte
Vorwort
Klang des Herzens
Leben und Sterben
Ein „Haus“ wird erst ein Zuhause, wenn eine Wiege darin steht
Der Moment der alles verändert
Untersuchungsmarathon
Dunkle Wolken
Neue Wege und Therapien
Sag „ja“!
Das bisschen Haushalt
Schwere Prognosen
Medikamentenentzug
Welch ein HORRORTRIP!
Pilgerreise
„Zufällig“ – besondere Schule
Bleib bei mir
Schule – schön
Musik im Ohr
Hamburg adieu
Ausgegrenzt in der Mutter- Kindkur
Zeit der Entscheidungen
Mehr als 1000 Worte
Reifeschritte
Rechts - Empfinden
Schwimmen – wäre schön!
Kunstschätze der Natur
Innerer Frieden
Im Mittelpunkt
Engel der Meere
Rent a dog
Wohin geht der Weg?
Neue Wege
Job-Hindernisse
Erste Liebe
Was für ein Krampf
Eins, zwei – Wiegeschritt
(Be)- Gutachten
Durchatmen in der Sonne
Bienenlauf
Meine „kleine Große“
Schnelle Schritte
Hörtraining
Gewalt
Bewusstseinsfindung
Sonne und Mee(h)r
Resümee
Schulmedizin
Anmerkungen
Anmerkungen des Vaters
Anmerkung der Schwester
Anmerkung einer Freundin
Sophias Sprachrohr
Nachwort
Mitgefühl(t)
Der Moment der alles veränderte
Der Erfahrungsbericht einer Mutter.
- Entscheidend für dein Glück ist nicht, was dir passiert, sondern wie du damit umgehst.
Eine wichtige Eigenschaft, die wir im Leben lernen können, ist Mitgefühl. Das bedeutet auch sein Herz zu öffnen für alle Lebewesen, Mensch, Tier und Natur. Diese Eigenschaft steckt uns bereits in den Genen. Wir sind mit allen verbunden. Es gibt viele verschiedene Namen für Mitgefühl. Doch wenn wir mitfühlend sind, empfinden wir oft: Güte, Wohlwollen, Interesse und Anteilnahme. Durch Empathie kann Entschlossenheit und viel Kraft entstehen, mit denen wir andere unterstützen können. Mitgefühl heißt, die Fähigkeit zu besitzen, sich in andere Menschen einzufühlen, ohne in das Leid des anderen hineingezogen zu werden. Dabei kann sich unser Herz ausdehnen und unser Bewusstsein sich weiter klären und wacher werden.
Vorwort
Ich würde mich freuen, wenn ich mit diesem Buch eine „Botschaft“ übermitteln kann. Die Botschaft „anders sein“ besser zu verstehen. Die Angst vor gesellschaftlicher Abgrenzung zu erkennen. Dabei auch Mut zu machen, andere unbekannte Wege zu gehen. Ich möchte Hoffnung schenken, denn ich bin in der Gewissheit, wir sind nie alleine, Gott hält seine schützende Hand über uns. Wir können alle lernen, in uns selbst hineinzufühlen und auf die innere Stimme und das Herz zu hören.
Es würde mich sehr freuen, wenn dieses Buch anderen Menschen eine Hilfe sein könnte: Verständnis und Toleranz zu wecken für Menschen mit Beeinträchtigung und deren Eltern. Schön wäre es, wenn andere betroffene Eltern dadurch erkennen: Ich bin nicht allein mit diesen Problemen, anderen geht es ähnlich. Ich werde die alternativen Wege, die wir gegangen sind, erläutern und beschreiben, damit man eine Perspektive zur Schulmedizin erkennt. Ich beschreibe unseren Weg durch den Dschungel der Behandlungsmöglichkeiten, Behörden und andere Institutionen; vielleicht fühlen „Sie“ sich bei einer von mir beschriebenen Therapie angesprochen?
Eventuell kann ich durch dieses Buch etwas der Welt zurückgeben, ich habe so viel bekommen und durfte lernen. Ich beschreibe unseren Weg, doch jeder Mensch muss natürlich seinen eigenen finden. Entscheidend ist, man bricht auf und macht sich auf den Weg. Dazu möchte ich aufrufen! Bleibt nicht stehen, sondern geht weiter. Es lohnt sich immer, neue Erfahrungen zu machen. Daran können wir wachsen und reifen, jeder in seinem eigenen Tempo und so weit, wie er sich traut. Lieber auf neuen Wegen stolpern als auf alten Pfaden verharren. Ich hoffe sehr, dass die Schulmedizin und die alternativen Heilverfahren bald immer mehr Hand in Hand zum höchsten Wohle des Patienten eingesetzt werden und sich ergänzen. Leben ist Entwicklung und Veränderung.
Dieses Buch widme ich meiner lieben Tochter Sophia, die meine große Lehrmeisterin in diesem Leben ist. Hab Dank für die vielen Erkenntnisse, die ich durch dich erfahren durfte. Außerdem widme ich es allen Eltern von beeinträchtigten Kindern und Menschen, die “anders sein“ annehmen möchten. Einige Namen sind in diesem Buch auf Wunsch geändert wurden.
Ich sitze gerade mit meiner Tochter Sophia in der Küche und wir bereiten das Mittagessen vor. Während ich Nudeln und Soße koche, hilft sie mir den Salat vorzubereiten. Da hören wir im Radio den superschönen Song von Nena “ Wunder geschehen“. Wir singen beide lautstark mit und Sophia steht auf und beginnt zu tanzen. Ich sehe ihr voller Liebe und Freude zu und muss zurückdenken an die letzten 22 Jahre.
Klang des Herzens
Meine Geschichte beginne ich im Alter von 24 Jahren, ich bin glücklich verheiratet und ein sehr sensibler und feinfühliger Mensch. Ich habe ein „dünnes“ Fell und schon bei so manch einem Liebesfilm kommen mir schnell die Tränen.
Mein Mann Roland und ich gehen beide unserer Arbeit nach und genießen unsere gemeinsame Freizeit. Nun kommt immer häufiger in mir der Wunsch auf, eine Familie gründen zu wollen.
Ich habe ein gutes Körperempfinden und kann auf seine Signale vertrauen. Mein Körper macht mich darauf aufmerksam, wenn ich nicht in meiner Mitte bin und es übertreibe, was schon mal vorkommt.
Heute Nacht spüre ich aber ein ganz neues Gefühl in meinen Bauch. Was ist das? Nun lausche ich tiefer in mich hinein – Stille- da ist es wieder. Ein leises sanftes Klopfen, ruhig und gleichmäßig, außerdem bin ich erfüllt von einer wohligen Wärme in meinem Bauchraum.
Was kann das nur sein? Ich spüre, ich möchte diesem Gefühl auf den Grund gehen.
Schlägt da ein Herz?
Kann das möglich sein? Stimmt meine Wahrnehmung oder ist es nur Wunschdenken?
Mein Herz ist nun ganz aufgeregt und versucht sich zu verbinden mit dem Herzgefühl in meinen Bauch - was für eine große Freude!
Ich habe Kontakt mit einem lichtvollen Wesen in mir. Ich frage in meinen Bauchraum: “Hallo! Bist du das Herz meines Babys?“
Dabei fühle ich ein klares „JA“ in mir.
Ich bin schwanger und ich weiß auch, dass mein Baby ein Mädchen wird. Ich genieße dieses Gefühl und bin so dankbar. Ich schlafe wieder ein mit dem Klang unserer Herzen, dabei freue ich mich auf unsere gemeinsame Zeit als Familie.
„Danke, lieber Gott, für dieses Geschenk der Liebe“.
Noch überwältigt vom Geschehen der letzten Nacht mache ich am nächsten Morgen gleich einen Termin beim Frauenarzt. Ich kann schon ein paar Stunden später dort erscheinen und ganz aufgewühlt betrete ich die Praxis. Vorne an der Anmeldung stehen gerade der Arzt und seine Helferin. Sie fragen mich, wie sie mir helfen können.
Ich bin erst zum zweiten Mal in dieser Arztpraxis und erzähle ihnen ganz euphorisch: „Heute Nacht hat das Herz meiner Tochter angefangen zu schlagen und nun möchte ich wissen, ob alles in Ordnung ist.“
Der Arzt und seine Helferin schauen mich völlig verwundert an. Der Arzt meint daraufhin: „Junge Frau, ich bin jetzt 20 Jahre Frauenarzt, aber so eine Aussage habe ich noch nie gehört.“
Jetzt bin ich verwundert. Meine Wahrnehmungen entsprechen nicht der Norm, also mal wieder bin ich“ anders“. Dieses Gefühl ist mir vertraut, oftmals spüre ich eine andere Verbundenheit mit dem Leben als andere Menschen.
Die Arzthelferin reißt mich aus meinen Gedanken und reicht mir einen Becher, dabei zeigt sie zum WC und meint: „ Bald werden wir wissen, ob Sie mit Ihrer Ahnung richtig liegen.“
Etwas beschämt warte ich dann darauf, ins Untersuchungszimmer gerufen zu werden. Der gute Herr Doktor holt mich persönlich ab und sagt: „So, so! Sie haben also das Herz Ihres Kindes schlagen gehört.
Na, dann erst mal herzlichen Glückwunsch, ich kann Ihnen auch Ihre Schwangerschaft bestätigen.“
Bei seiner Untersuchung stellt er fest: 8.Schwangerschaftswoche, das Herz des Babys schlägt gleichmäßig. Dann lächelt er mich an und meint: „Ob es aber ein Mädchen wird, kann ich Ihnen natürlich noch nicht bestätigen.“
Ich verlasse sehr emotional die Praxis und muss weinen vor Freude und Anspannung und weil ich weiß, jetzt wird sich in meinen Leben alles ändern mit unserer Tochter.
Als mein Ehemann Roland abends nach Hause kommt, sieht er sofort in meinem Gesicht, dass etwas Besonderes geschehen ist. Als ich ihm von unserem Baby berichte, freut er sich auch sehr über die Schwangerschaft, doch ich sehe ihm auch seine Unsicherheit an. Wie „anders“ wird es in unserem Leben als Familie sein?
Die Bekanntgabe der Schwangerschaft wird auch von Familie und Freunden freudig entgegengenommen und alle sind gespannt auf den neuen Erdenbürger.
Dabei verläuft die gesamte Schwangerschaft fantastisch, ich fühle mich sehr wohl und bin richtig gerne schwanger.
Es ist ein großartiges Gefühl, welches ich in meinem Bauchraum spüre. Es wächst ein neues Leben, ein kleines Menschenkind, in mir heran.
Roland begleitet mich bei den Ultraschalluntersuchungen und wir staunen über das Wunder des Lebens.
Im 6. Monat meint mein Arbeitskollege: „Bekommst Du wirklich ein Kind oder ist da nur ein Brötchen mehr in deinen Bauch?“
Ich bin sehr froh darüber, noch nicht so viel zugenommen zu haben .Ich mache noch regelmäßig Joga und fahre viel Fahrrad. Mein Baby wächst und gedeiht und es beginnt die Schwangerschaftsgymnastik, hier lerne ich einige nette Mütter aus meiner Umgebung kennen.
Bei einer Kontrolluntersuchung im 7. Monat kann der Arzt erkennen, dass unser Kind nicht in Geburtsposition mit dem Kopf nach unten liegt, sondern quer.
Eine Mutter aus der Schwangerschaftsgymnastik erzählt mir von ihrem Frauenarzt, der auch mit Naturheilverfahren arbeitet. Ich mache dort einen Untersuchungstermin und berichte auch von der Querlage meines Babys.
Mein neuer Frauenarzt arbeitet viel mit Naturheilverfahren und rät mir deshalb zum Mokzen an den Füßen (Mokzen aus der traditionellen chinesischen Medizin: getrocknetes Beifußkraut wird in gerolltem Papier als Stange angezündet. Das glimmende Ende wird an die Akupunkturpunkte der Gebärmutter herangeführt, durch die Wärme an den Meridianen (Energieleitbahnen) wird der Energiefluss des Körpers angeregt.
In meinem Fall sollte das Baby stimuliert werden sich in Geburtsposition zu drehen, doch es hat bedauerlicherweise nicht funktioniert. Unser Kind hat seinen eigenen Kopf. Deshalb organisiert der Frauenarzt einen geplanten Kaiserschnitt.
Leben und Sterben
Leider geht es zu diesem Zeitpunkt meiner Schwiegermutter gesundheitlich immer schlechter. Sie kommt ins Krankenhaus und es werden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. Wir besuchen sie so oft wie möglich und haben den Verdacht, dass etwas Schwerwiegendes vorliegt.
Deshalb wollen mein Schwiegervater, mein Mann und ich vom behandelnden Arzt die Diagnose erfahren .Leider hat der Arzt wenig Zeit und meint zu uns, wir sollten am nächsten Morgen anrufen. Dann können wir einen Termin absprechen, bei dem er uns den genauen Befund erläutern wird .Wir haben alle drei kein gutes Gefühl dabei.
Am nächsten Vormittag, es sind noch 14 Tage vor dem errechneten Kaiserschnitt-Geburtstermin, rufe ich in der Klinik an. Mein Schwiegervater fühlt sich dazu nicht in der Lage. Ich bitte den behandelnden Arzt um einen Gesprächstermin, dabei erwähne ich auch, dass ich hochschwanger bin. Der Arzt steht aber wieder unter Zeitdruck und meint, er könne mir die Diagnose auch gleich am Telefon mitteilen.
Nochmals sage ich ihm, dass ich dieses Gespräch lieber zusammen mit meinem Mann und Schwiegervater führen möchte. Doch darauf geht er nicht ein und führt das Gespräch fort.
Er sagt:“ Sie möchten doch gerne wissen, was mit Ihrer Schwiegermutter ist. Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass wir bei ihr Blasenkrebs im Endstadion diagnostiziert haben. Die Metastasen sind schon in Leber, Darm und Lunge zu finden. Die Lebenserwartung für Ihre Schwiegermutter beträgt höchstens noch sechs Monate.“
Ich habe das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ich stehe wie unter Schock, fange an zu zittern, und mir ist ganz schwindelig. Deprimiert frage ich nach Therapiemöglichkeiten und wie wir ihr jetzt am besten helfen können? Auch hier hat der Herr Doktor ganz schnell seine Antwort parat. „Nein, Sie können nichts mehr tun, es ist einfach zu spät festgestellt worden. Wären Sie drei Monate früher hier gewesen, dann hätten wir es noch mit Chemotherapie versuchen können .Jetzt geht es leider nur noch bergab, wir können nur noch die Schmerzen behandeln. Entschuldigen Sie bitte, aber ich muss nun weiter arbeiten, ich glaube, es ist soweit auch alles besprochen.“
Ich lege zitternd den Telefonhörer auf und habe das Gefühl, gleich in Ohnmacht zu fallen; was für eine Tragödie. Nun muss ich meinem Mann diese Hiobsbotschaft überbringen; wie soll ich die Zeit bis heute Abend nur überstehen? Alles in mir ist total angespannt; ich muss so intensiv weinen, dass ich nicht mehr weiß, wohin mit mir. Mein Bauch ist ganz hart und mein Baby extrem aufgewühlt. Meine Kleine wird nicht mehr viel von ihrer Oma erleben.
Mein Frauenarzt hat mir bestätigt, dass unser Baby ein Mädchen wird. Unsere Tochter ist sonst meist ruhig und entspannt, manchmal trinkt sie zu schnell vom Fruchtwasser und verschluckt sich daran. Dann hat sie im Bauch einen Schluckauf. Doch diese nun spürbare Unruhe habe ich noch nie bei ihr erlebt. Sie fühlt meine Verzweiflung und Angst und es ist keiner da, der uns beruhigen kann.
Lieber Herr Doktor, war das wirklich notwendig? Ich habe Schmerzen, mein Baby dreht sich im Bauch. Als Roland am Abend nach Hause kommt, brauche ich gar nichts zu sagen, bei meinem Anblick kommen ihm auch gleich die Tränen. Wir versuchen nun gemeinsam diese negative Botschaft zu verdauen.
Am nächsten Tag gehe ich zu meinem Frauenarzt und möchte wissen, ob sich meine Tochter durch diesen Schock in Geburtsposition gedreht hat. Bei der Untersuchung freut sich mein Arzt und kann mir bestätigen, dass mein Kind jetzt mit dem Kopf nach unten liegt und dadurch eine normale Geburt möglich ist. Er sagt: „So hat diese traurige Nachricht doch noch etwas Gutes.“
Wir richten das Kinderzimmer für unser Baby liebevoll ein. Mein Koffer fürs Krankenhaus ist gepackt und ich hoffe, dass es bald losgeht.
Ich habe immer mal wieder Wehen, aber sie kommen noch nicht regelmäßig. Deshalb weist mich mein Gynäkologe, nachdem ich 14 Tage über den errechneten Geburtstermin bin, ins Krankenhaus ein.
Am Samstagabend vor dem Klinikaufenthalt gehe ich mit Roland das letzte Mal alleine essen. Wir wissen, bald sind wir eine kleine Familie.
Nachdem wir mit der Diagnose meiner Schwiegermutter leben müssen, ist dieses heranwachsende Leben auch ein Hoffnungsschimmer und wir freuen uns darauf.
Als wir am Sonntagmorgen im Krankenhaus erscheinen, will der Gynäkologe meine Wehen puschen. „Eine Tablette am Muttermund dopt so manches Kind“, meint er lachend. Dafür wird eine Wehen auslösende Tablette am Muttermund platziert.
Okay, denke ich, ein bisschen mehr Power können wir gut gebrauchen. Bald werde ich meinen kleinen Schatz in den Armen halten; ich bin sehr glücklich, dass es nun richtig losgeht.
Die Tablette am Muttermund beginnt gleich zu wirken, ich laufe mit Roland durch die Krankenhausgänge und eine Wehe nach der anderen überrollt mich.
Die Wehen kommen jetzt regelmäßig alle 5 Minuten, doch dann lassen sie leider wieder nach. Der Doc meint: „Das passiert öfter mal, dann hänge ich Sie mal an den Wehentropf“. Einige Stunden später, es ist ca. zwanzig Uhr, platzt meine Fruchtblase. Meine Hebamme meint: “Es wird wohl noch ein Sonntagskind werden.“
Im Kreissaal nebenan höre ich einige Frauen schreien, ich wimmere aber nur und fange stark an zu zittern. Meine Nerven sind völlig überfordert, es ist ein ganz merkwürdiges Gefühl, wenn man seinen Körper nicht mehr unter Kontrolle hat. Die Hebamme sagt: “Lassen Sie Ihren Arm ruhig liegen“, aber er zappelt von alleine hin und her.
Es beginnt ein anderer Arzt seinen Dienst; er wirkt sehr mitfühlend und schlägt mir vor, jetzt eine PDA (Päredualanesthesie – Betäubung des Unterleibes) zu legen, damit ich weniger Schmerzen habe und mich mal ein wenig erholen könne, um Kraft zu schöpfen für die Geburt. Inzwischen sind schon über 20 Stunden vergangen. Er ist sehr nett und baut mich und Roland auf. Kurzfristig fühle ich mich entlastet und kann sogar etwas einnicken. Die Wehen kommen aber leider immer noch nicht in so kurzen Abschnitten wie notwendig.
Nach weiteren sechs Stunden kommt der Oberarzt herein .Er schaut streng und fragt die Hebamme: „ Wie lange geht das hier schon so?“.
Die Hebamme schaut auf ihre Unterlagen und antwortet: „ungefähr 30 Stunden“.
„Na, dann muss hier ja mal etwas geschehen“. Er untersucht mich und stellt fest, dass der Muttermund erst fünf Zentimeter geöffnet ist. Rabiat reißt er den Muttermund auf und versucht das Kind mit den Händen herauszuholen. Trotz seines dominanten Verhaltens gelingt es ihm nicht, jetzt will er es mit der Saugglocke versuchen.
Die PDA wird abgestellt und die Wehen treffen mich wieder mit voller Kraft. Der Ober- Gynäkologe erklärt mir, dass ich mich nun mal ein bisschen anstrengen solle, damit das Kind endlich zur Welt kommen kann.
Ich versuche mit meiner allerletzten Kraft alles zu geben, was mir noch möglich ist, und weiß doch genau, es wird nicht genügen.
Dabei fühle ich mich wie eine Versagerin, weil ich mein Kind nicht auf normalen Weg gebären kann. Die Hebamme versucht mich zu motivieren: „Gleich haben Sie es geschafft, noch einmal kräftig pressen!“. Doch beim dritten Saugglockenversuch fallen die Herztöne meines Babys ab.
„So ein Mist“, meint der Herr Oberarzt, „so können wir nicht weiter machen, sonst verlieren wir das Ungeborene. Wir müssen jetzt einen Notkaiserschnitt durchführen - alle schnell in den OP“!
Die Hebamme ruft bei der Anästhesie an, es muss jetzt wirklich alles sehr schnell gehen.
Ich werde zügig durch die Krankenhausgänge geschoben und fühle auf einmal einen ganz großen Frieden in mir. Lieber Gott, DEIN WILLE GESCHEHE.
Der Anästhesist setzt mir eine Maske für die Vollnarkose auf und kurz darauf verlasse ich meinen Körper. Dabei sehe ich mich auf dem OP- Tisch liegen. Die Ärzte stehen um mich herum und beginnen mit dem Kaiserschnitt.
Es ist ein ganz besonderes Gefühl, ich bin völlig ruhig. Ich weiß, da unten liegt mein Körper, aber ich bin hier oben - außerhalb meines Körpers und kann alles beobachten.
Als Kind habe ich schon öfter meinen Körper verlassen und sogenannte Astralreisen unternommen, deshalb ist mir das Gefühl, außerhalb meines Körpers zu sein, nicht fremd. Doch hier passiert etwas ganz Besonderes, ich weiß, ich befinde mich an der Schwelle zwischen Leben und Tod.
Ich schaue nach oben und sehe dieses helle große Licht, warm, friedvoll, geborgen fühle ich mich eingehüllt darin und spüre die Präsenz der Engel um mich.
Ich höre, wie eine Stimme ganz ruhig zu mir spricht. Sie sagt: „Du hast jetzt die freie Wahl, Du darfst ins Licht gehen oder Du kannst hier auf Erden bleiben. Wenn Du bleibst, sollst du wissen, dass es mit deiner Tochter noch schwere Zeiten geben wird. Bitte entscheide dich, ob Du zurück in deinen Körper willst oder ins Licht gehen möchtest. Es ist beides jetzt für Dich möglich“.
Ich schaue ins Licht und ein überwältigendes Glücksgefühl durchflutet mich, grenzenlose Liebe und ein Friede größer als jede Vernunft erfahre ich. Ich habe in meinen Leben schon viele „Licht-Erfahrungen“ gemacht, zum Beispiel beim Meditieren, aber dieses „Licht Gottes“ ist so großartig, es übertrifft alles vorher Erlebte.
Ich habe also die freie Wahl, mich zu entscheiden, und eine große Sehnsucht nach diesem Frieden erfüllt mich. Doch dann blicke ich auf Roland, er geht auf dem dunklen Flur im Krankenhaus auf und ab. Er überlegt sich, ob die Entscheidung sich gelohnt hat, ein Kind zu bekommen. Jetzt spürt er, es ist möglich, auch uns beide zu verlieren. So bangt er um Frau und Kind, seine Mutter muss er nun bald loslassen.
Uns auch noch? Ich spüre mich zu ihm hingezogen, das kann ich ihm nicht auch noch antun. Ich fühle die Liebe, die ich für ihn empfinde. Dann erkenne ich, dass ich ihm Treue versprochen habe. Ich trage auch eine Verantwortung für ihn, so wie es bei der Eheschließung heißt: „in guten wie in schlechten Tagen“. Ich will nicht vor der Verantwortung davon laufen.
Dann höre ich die Mediziner sagen: „Es kann sein, dass wir sie verlieren, der Puls wird immer schwächer.“
Nun nehme ich die lichtvolle Stimme wieder wahr, sie fragt mich voller Liebe: „Wie hast du Dich entschieden“? Ich sage: „Ich gehe zurück in meinen Körper und werde die an mich gestellten Aufgaben annehmen“.
Die himmlische Stimme sagt noch: “Das ist sehr schön, vergiss bitte nie, wir sind immer an deiner Seite, egal was auch geschehen mag .Wir lieben Dich und unterstützen Dich, halte den Kontakt weiterhin mit uns aufrecht“.
Durch dieses Nahtoderlebnis weiß ich jetzt, dass ich niemals Angst vor dem Sterben haben werde.
Dann bin ich wieder in meinen Körper.
Nach der Vollnarkose wache ich auf und friere sehr stark. Mir ist so kalt, dass mir die Zähne klappern.
Meine erste Frage an die diensthabende Schwester lautet: “Wie geht es meiner Tochter, ist sie gesund“? Die Krankenschwester meint daraufhin, alles sieht auf den ersten Blick ganz gut aus, sie wäre nur übertragen und hätte eine Haubitze (Verformung des Schädels durch die Saugglockenversuche).
Ich bitte die Schwester mir meine Kleine zu bringen, da ich ja nach dem Kaiserschnitt nicht aufstehen darf.
„Es war heute Nacht sehr viel los“, erklärt sie mir dann noch.
Eine gefühlte Ewigkeit dauert es noch, bis ich endlich meine Süße gebracht bekomme.
Mein Baby sieht so mitgenommen aus, sie weint und wirkt völlig hilflos.
Ja, wir leben, aber dieser Anfang hier war wirklich schwierig.
Die Krankenschwester legt mir dann meine Tochter auf den Bauch und ich spreche beruhigend mit ihr, durchs Streicheln ihres kleinen Körpers entspannt sie sich langsam.
Es tut mir so unendlich leid, dass ich nicht gleich nach der schweren Geburt für sie da sein konnte. Diese ganzen Stunden waren sicher hart und sehr anstrengend für sie. Ich spüre Schuldgefühle in mir.
Später kommt die Schwester wieder und nimmt sie mit. Ich darf sie wegen der Vollnarkose noch nicht stillen, sie bekommt erst einmal heute eine Zuckerlösung.
Unruhig liege ich im Bett und spüre, meine Kleine braucht mich jetzt so sehr, ich möchte sie beschützen und für sie da sein, aber ich kann nichts weiter machen als liebevolle Gedanken zu senden.
Am nächsten Morgen kommt dann noch ein böses Erwachen dazu. Meine Brüste sind mutiert. Ich habe von Haus aus einem recht großen Busen, aber dieser hier macht Dolly Buster Konkurrenz.
Die Schwester meint, ich müsste aufstehen, sonst bestehe die Gefahr der Thrombose. Im Spiegel sehe ich mein Gesicht und meinen Busen, ich erkenne mich kaum wieder.
Roland kommt uns besuchen, er ist sehr glücklich, dass alles doch noch gut gegangen ist. Er findet meinen Busen super.
Unsere Kleine, wir haben sie Sophia genannt, wird mir jetzt zum Stillen gebracht. Meine Milch schießt nur so heraus, aber zum Glück gibt es Stilleinlagen, die das unkontrollierte Auslaufen der Milch aufsaugen. Bestimmt hätte ich mindestens noch ein weiteres Baby satt bekommen. Ihr Geburtsgewicht lag bei 3300g und sie ist 54cm groß.
Sophia ist sehr unkonzentriert, bei jedem Geräusch lässt sie die Brustwarze los und schaut sich um. Für mich ist es sehr schwierig, die Milchmassen zu stoppen, wahrscheinlich habe ich die Stilleinlagenindustrie angekurbelt.
Am Abend kommt die Hebamme, die mit dem Oberarzt zusammen Dienst hatte, in mein Zimmer. Sie erkundigt sich nach meinem Befinden und ihr Interesse tut mir gut.
Sie sagt, ich wäre sehr tapfer gewesen und der Kopfumfang meiner Tochter hätte nicht durch mein Becken gepasst, ich solle mir bloß keine Vorwürfe machen, da eine normale Geburt anatomisch nicht machbar gewesen wäre.
Ich bedanke mich bei ihr und muss weinen. Als ob Sophia schon gewusst hätte, als sie quer in meinen Bauch lag, dass sie unter normalen Umständen nicht zur Welt kommen konnte.
Der Oberarzt, hat natürlich nicht mehr mit mir darüber gesprochen, er hatte wohl Wichtigeres zu tun.
In den nächsten Tagen bekomme ich viel Besuch, alle freuen sich sehr über Sophia. Meine Eltern und Freunde heißen sie herzlich willkommen.
Meine Eltern schenken mir zur Geburt eine schöne Perlenkette, sie erklären mir, das sind die Tränen der Freude.
Ich bin ziemlich erschöpft und fange sehr schnell an zu weinen: Schwangerschafts- Depression. Ich will nur noch nach Hause.
Mein Kreislauf spielt verrückt. Ich liege in einem Vier-Bettzimmer und an Ruhe ist nicht zu denken.
Die Babys sprechen sich jede Nacht ab und kommen weinend nacheinander ins Zimmer. Die Kleinen müssen die vielen neuen Eindrücke erst mal verdauen und ich auch.
Ich darf jetzt aufstehen. Die Narbe schließt sich langsam, aber beim Bücken und Lachen schmerzt sie noch. Schwer heben darf ich die nächsten 14 Tage noch nicht.
Das Stillen klappt auch schon besser, allerdings spuckt Sophia nach jeder Mahlzeit die Hälfte wieder aus, sie trinkt zu hektisch. Ich rieche also ständig nach gegorener Milch.
Nach 10 Tagen dürfen wir das Krankenhaus verlassen. Beim Abschlussgespräch fällt dem Arzt bei Sophia ein erhöhter Muskeltonus auf.
Sie ist oft angespannt und sehr ängstlich, braucht viel Nähe und Aufmerksamkeit.
Ein „Haus“ wird erst ein Zuhause, wenn eine Wiege darin steht
Zu Hause angekommen überrascht uns Roland mit einer „Herzlich Willkommen“ - Girlande vor der Tür. Wie süß von ihm, nun sind wir eine kleine Familie.
Im Haus trage ich meine Tochter in einem Tragetuch überall mit hin, so lernt sie von Anfang an die Hausarbeit kennen. Sie ist dabei so fröhlich und ein Strahlen geht von ihr aus.
Die Umgebung ist begeistert von ihr. Sobald sie mich aber nicht sieht, weint sie und verkrampft sich.
Nachts wacht sie alle drei Stunden auf und träumt oft unruhig, sie braucht ihre Zeit, um hier auf Erden anzukommen.
Sechs Wochen nach ihrer Geburt sind wir zur Hochzeit eingeladen.
Sophia ist ganz artig und wir genießen die Feier sehr.
Im Oktober planen wir Sophias Taufe, es ist ein wunderbares Fest.
Sophia trägt ein weißes Taufkleid und die Pastorin spricht in ihrer Predigt davon, was Kinderaugen alles sehen und wie viel wir von ihnen lernen können, im Moment zu bleiben. Meine Eltern und die Paten Celine und Susi haben Sophia schon in ihr Herz geschlossen. Sie ist ein richtiger Sonnenschein.
Die Pastorin gibt allen ein Papierherz, darauf können wir unsere Lebenswünsche für Sophia schreiben; danach segnet sie die Herzen. Es folgt ein leckeres Essen im Restaurant und wir spüren das unbeschreibliche Gefühl der Zusammengehörigkeit als Familie.
Nach ungefähr sechs Monaten beginne ich mit Sophia und einer befreundeten Mutter das Abenteuer Babyschwimmen. Im badewannenwarmen Wasser hoffe ich, dass sich Sophia besser entspannt.
Einmal die Woche planschen wir jetzt zusammen, es macht sehr viel Spaß. Es werden auch gymnastische Übungen mit den Babys gemacht. Hier sehe ich große Unterschiede zu meiner Kleinen. Sie ist angespannt und ängstlich, klammert sich an mir fest. Es braucht Zeit, bis Sophia sich an das Element Wasser gewöhnt, mit ihren Händchen im Wasser umherplanscht und genießen kann. Andere Babys sind ganz locker und versuchen sogar alleine zu tauchen.
Nach dem Schwimmen werden die Babys noch massiert, also das volle Wellness- Programm.
Ich gehe zur Rückbildungsgymnastik und komme in Kontakt mit anderen Müttern und ihren Kindern. Das erste Krabbeltreffen entsteht. Dabei bemerke ich auch hier, dass Sophia in ihrer Entwicklung sehr statisch ist. Sie ist lange nicht so aktiv wie die anderen Babys.
Sie strahlt mich an, bewegt nur wenig ihre Beine aber brabbelt viel.
Die anderen Kleinen brauchen nicht so viel Ruhe und Aufmerksamkeit und sind viel agiler.
Ein geregelter Tagesablauf gibt meiner Tochter Sicherheit. Bei einer Untersuchung beim Kinderarzt wird eine leichte Entwicklungsverzögerung festgestellt.
Ich bitte um ein Rezept für Krankengymnastik. Mit acht Monaten dreht sich Sophia wie ein kleiner Rollmops durch die Wohnung. Sie sitzt und krabbelt aber noch nicht.
Ich spüre, dass ich mehr über den Sinn des Lebens erfahren möchte. Wer bin ich? Was sind meine Aufgaben in diesem meinem Leben? Es gibt so viel zwischen Himmel und Erde, das ich noch erkennen und erfahren will.
Zu diesem Zeitpunkt werde ich auf REIKI aufmerksam gemacht.
REIKI kommt aus dem Japanischen und heißt „universelle Lebensenergie“.
Doktor Usui, ein japanischer Theologe, hat dieses System entdeckt und weiterverbreitet. Die Fähigkeit, mit REIKI zu arbeiten, kann jeder erlernen und wird durch die „Einweihung - Öffnung“ durch einen REIKI-Lehrer möglich .Es ist ein Weg, um sich besser zu entspannen und bewusster zu werden.
Nachdem ich meine erste REIKI-Behandlung bekommen habe, bin ich total begeistert.
Durch das Handauflegen spüre ich ganz intensiv, dass mir die Energie richtig gut tut.
Ich fühle mich energetisch aufgeladen wie eine Batterie, die vorher auf Reserve lief.
Zum nächsten Kurs meldete ich mich deshalb gleich mit einer Freundin an.
Die Einweihung in REIKI I. war für mich eine große Bereicherung. Ich fühle mich kraftvoller und ausgeglichener.
Da ich Sophia noch stille (sechs Monate voll, im Ganzen aber neun Monate lang), fühle ich mich oft erschöpft und ausgepowert. Durch REIKI kann ich mir und vor allem ihr helfen lockerer zu werden.
In der Zwischenzeit wird Rolands Mutter nach Hause entlassen. Mein Schwiegervater kümmert sich rührend um sie. Wir besuchen sie regelmäßig und spüren, wie glücklich sie ist, wenn sie Sophia sehen kann, dann vergisst sie ihre Schmerzen für eine Weile.
Wir sind traurig, weil wir wissen, wie dicht Leben und Tod hier zusammenkommen.
Als meine Schwiegermutter dann stirbt, sind wir alle sehr traurig.
Bei ihrer Beerdigung ist mir wieder bewusst, dass ich mich fürs Leben entschieden habe. Roland zeigt seinen Schmerz nicht - er will für uns stark sein. Aber ich weiß, wie sehr es ihn trifft, seine Mutter zu verlieren.
Es ist sicher für jeden ein tiefer Loslass –Prozess, ein Elternteil zu verlieren.
Ich mache mir auch Sorgen um meinen Schwiegervater, er war 40 Jahre verheiratet und ist nun alleine.
Doch Sophia hält mich sehr auf Trab. Die verschriebene Krankengymnastik und die Übungen zu Hause sind sehr effektiv. Nach relativ kurzer Zeit kann sie sitzen und krabbeln. Danach zieht sie sich an Gegenständen hoch und macht ihre ersten Schritte an der Hand.
Mit einem Jahr scheint alles auf einem guten Weg zu sein. Sprachlich kommen auch schon viele Wörter und die Krankengymnastin meint, es komme wohl erst die Sprache, dann die Motorik. Wir feiern Sophias ersten Geburtstag im Garten bei Sonnenschein und freuen uns über ihre Fortschritte.
Der Moment der alles verändert
Im November haben wir wieder einen Termin beim Kinderarzt.
Sophia hat eine leichte Erkältung. Nach der normalen Untersuchung erklärt mir der Arzt, dass jetzt die Masern-Röteln-Mumps-Impfung ansteht. Er meint, sie sei notwendig und es gebe viele Komplikationen, wenn die Krankheit ausbrechen würde.
Alle fürsorglichen Eltern ließen ihre Kinder deshalb impfen. Ich fühle mich überrumpelt, es war gar nicht abgesprochen, heute eine Impfung zu machen. Ich reagiere sehr skeptisch darauf und sage, dass ich selber Mumps gehabt hätte und es gar nicht schlimm war und ich deshalb auf die Impfung verzichten möchte.
Alles in meinem Inneren sagt laut „Nein! Mache das nicht!“ Durch meine Erziehung habe ich gelernt, Respekt vor Akademikern zu haben.
