Mom & Om - Mama meditiert - Mascha Blankschyn - E-Book

Mom & Om - Mama meditiert E-Book

Mascha Blankschyn

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Beschreibung

Warum du als Mutter auch an dich denken darfst (und musst!)

Das Leben mit Kindern kann sich schnell anfühlen wie eine endlose To-Do-Liste, bei der wir ständig hinterherhinken. Es ist verständlich, dass wir in diesem Trubel etwas ganz Wesentliches leicht aus den Augen verlieren: uns selbst. Um den herausfordernden Alltag zu bewältigen, ist es unerlässlich auf unser Wohlbefinden zu achten - unser Handy laden wir doch auch täglich wieder neu auf. Zeit für dich nehmen, dir selbst mitfühlend begegnen und selbstbestimmt für dich und deine Bedürfnisse einstehen: Das sind die Hauptzutaten der Selbstliebe. So lädst du nicht nur deinen eigenen Akku auf, sondern baust dir nachhaltige innere Ressourcen auf, die dich ein Leben lang begleiten. Und das Schönste: Du lebst deinen Kindern etwas vor, von dem sie später selbst profitieren werden: den wunderbaren Wert der Selbstliebe.

Achtsamkeits- und Meditationscoach Mascha Blankschyn lädt dich in diesem Buch mit vielen Übungen und Reflexionen ein:

•Bei dir selbst anzukommen und innere Ruhe zu finden

•Feste Denkmuster und gesellschaftliche Erwartungen zu hinterfragen

•Nein zu sagen und Grenzen zu setzen

•Selbstfürsorge in deinen individuellen Alltag einzubinden

•Liebevolle Bindung aufzubauen und Selbstliebe mit deinen Kindern zu leben

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 206

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Eine gute Freundin

Wie dir dieses Buch am meisten dient

Weggefährt*innen

Für den Kopf

1. Was ist Selbstliebe?

Selbstfürsorge

Selbstannahme

Selbstmitgefühl

Selbstwert

Selbstliebe ist individuell

Selbstliebe leben mit Kindern

2. Mir selbst begegnen

Wölfe füttern

Falsch abgebogen

Zwischen Modebegriff und Philosophie

Mein Weg zur Achtsamkeit

Mein Verständnis von Achtsamkeit

Meditation

Die Natur der Gedanken

3. Mutter und Sein

Die Frauen und die Männer

Das Leben der anderen

Die gute Mutter

Die gute Tochter/das gute Kind

Ich sein

4. Gefangen im »Momsterrad«

Was ist Stress?

Stressoren + Stressreaktion

(Über-)leben im Patriarchat

Unbezahlte Arbeit

Unsichtbare Arbeit

Unantastbare Arbeit

Für das Herz

1. Im Körper ankommen

Das Leben ist keine To-do-Liste

UNTERWEGS im Autopilot

Da für mich: Bodyscan

So kann’s gelingen

Da für dich: Reise durch deinen Körper

2. Einfach nur atmen

Journaling

Atmen ist Magie

To do? To be!

Da für mich: Meinen Atem kennenlernen

So kann’s gelingen

Da für dich: Kuscheltier-Atmung

3. Dein*e weise*r Freund*in

Die innere Kritikerin

Ein*e weise*r Freund*in

Da für mich: Ich bin nicht allein

So kann’s gelingen

Da für dich: Mein*e Zauberfreund*in

4. Gefühle annehmen

Das innere Wetter

Da für mich: Gefühle wirklich fühlen

So kann’s gelingen

Da für dich: Gefühlsmonster malen

5. Grenzen setzen, Brücken bauen

Jein-Dilemma

»Ab heute wird alles anders«

Grenzen setzen, Halt geben

Da für mich: Grenzen setzen, Halt finden

So kann’s gelingen

Da für dich: Superheld*innen-Übung

6. In Liebe leben

Wert-volles Leben

Da für mich: Was wünsche ich mir?

So kann’s gelingen

Da für dich: Dankbarkeits-Baum

May you live at ease

Anhang

Literaturempfehlungen

Weitere Links und Infos

Impressum

Eine gute Freundin

Berlin, ein kaltes Märzwochenende. Ich befinde mich in einem gemütlichen Raum, umgeben von acht bemerkenswerten Frauen, alle um die 30. Wir sitzen auf Yogamatten im Kreis auf dem Boden, in der Mitte steht ein frischer Blumenstrauß, es liegt ein bisschen Aufregung und ganz viel Neugier in der Luft. Wir werden gleich zusammen in ein Seminar starten, in dem es um die K-Frage geht, die sich jede von uns stellt: Will ich Kinder? Auf den Gesichtern aller Teilnehmenden ist eine Mischung aus Vorfreude, Ängsten und Zweifeln zu erkennen. Ich hatte mich vor diesem Seminar schon viel mit der Frage beschäftigt, für mich als Kind mit drei Geschwistern gehörte eine Familie eigentlich immer schon dazu. Aber das Leben verlief anders als gedacht, und in den letzten Jahren habe ich mich immer wieder gefragt, ob es eigentlich ich bin, die einen Kinderwunsch hat, oder ob sich das die Gesellschaft nicht noch viel dringender wünscht. Woher kam dieser Wunsch? Wer bin ich, wenn ich keine Kinder bekomme? Und wer bin ich mit? Ich hatte ein bisschen Angst, mich näher mit diesen Fragen zu beschäftigen, hatte Angst, nicht der Norm zu entsprechen und etwas rauszufinden, mit dem ich nicht gut klarkommen würde. Dennoch, in diesem Seminar wollte ich versuchen, erste Antworten finden. Ich wollte mit der K-Frage in einem Raum sein, wollte sie von verschiedenen Perspektiven beleuchten und hören, wie es anderen Frauen in ähnlichen Situationen damit geht.

Die Seminarleiterinnen begrüßen uns an diesem Morgen ganz herzlich und steigen direkt ein mit der Frage, warum wir hier sind, wer wir sind und warum wir uns die Kinderfrage stellen. Wir teilen unsere Geschichten miteinander, es sind viele interessante und beeindruckende Lebensentwürfe dabei, schnell entsteht eine emotionale und berührende Atmosphäre. Ich fühle mich wohl und verbunden. Theresa zum Beispiel äußert ihre Sorgen über den Klimawandel und seine Auswirkungen auf die zukünftigen Generationen. Wie kann sie mit den jetzigen Zukunftsaussichten noch guten Gewissens Kinder in die Welt setzen? Werden sie überhaupt noch eine (gute) Zukunft haben? Außerdem macht sie sich Sorgen um ihre Partnerschaft. Ihre Beziehung läuft gut, und die Vorstellung, dass ein Kind sie auf die Probe stellen könnte, verunsichert sie. Eine andere Teilnehmerin, Maike, sagt: »Eigentlich weiß ich, dass ich Mutter werden will, aber ich habe auch richtig Angst davor. Was ist, wenn ich mein eigenes Leben verliere? Kann ich dann immer noch zum Sport gehen, mich mit meinen Freund*innen treffen und einfach ich selbst sein?« Schließlich sind es dann doch meistens die Frauen, die am Ende die Hauptverantwortung für die Care-Arbeit übernehmen. Das beobachten wir alle auch bei unseren Bekannten, Freundinnen, Schwestern, Cousinen und anderen Familienangehörigen, die schon Kinder haben. Wir tauschen uns an diesem Märzwochenende lange und intensiv aus, teilen unsere Ängste, Sorgen und Zweifel. Wir diskutieren, wie unser Leben ohne Kinder aussehen würde und wie mit. Wer werden wir sein, wenn wir Kinder haben? Wird das Glück überwiegen? Wie kann ich eine gute Mutter sein und mir doch selbst treu bleiben? Und wie um alles in der Welt sollen wir das komplexe und schwierige Leben bewältigen, das auch ohne Kinder immer wieder so verdammt herausfordernd ist?

Geleitet wird das Seminar zur Kinderfrage von der Autorin und Aktivistin Sarah Diehl, die selbst keine Kinder hat, und der Psychologin und Mutter Anna Schmutte. Sarah gibt immer wieder wertvolle kultur- und sozialwissenschaftliche Impulse zum Thema Kinderkriegen und Frausein. Anna leitet uns in verschiedenen Schreib- und Körperübungen an. Wir beleuchten das Thema von vielen Seiten, die beiden erschaffen einen Raum, in dem wirklich alles an Gefühlen, Meinungen, Zweifeln und Sorgen sein darf. Sie unterstützen uns dabei, für uns selbst eine Orientierung und Klarheit zu schaffen und sind dabei ganz ergebnisoffen. Ich komme für mich zum Schluss: Ja, ich will Kinder. Aber unsere patriarchale Gesellschaft will es wirklich krass auch und legt dabei wahnsinnige Vorstellungen und Erwartungen an den Tag. Einfach wird das nicht, das weiß ich auch nur allzu gut von den Müttern in den Kursen, die ich hauptberuflich leite. Zum Abschluss signiert mir Sarah ihr lesenswertes Buch »Die Uhr, die nicht tickt« mit einer persönlichen Widmung: »Möge dir dieses Buch eine gute Freundin sein.« Ich muss schmunzeln. Diesen Satz kenne ich nur allzu gut, denn er ist in den letzten zehn Jahren zu meinem inneren Mantra geworden, wenn ich mal nicht weiterwusste oder ziemlich hart mit mir selbst ins Gericht gegangen bin: Mascha, würdest du so mit einer guten Freundin sprechen? Bist du dir selbst gerade eine gute Freundin? Für mich ist er zur täglichen Praxis der Selbstliebe geworden. Mit dem Buch unterm Arm fahre ich zufrieden nach Hause.

In den darauffolgenden Wochen spreche ich mit meinen Freundinnen, die schon Mütter geworden sind, über das Seminar und auch das Kinderthema und stelle fest: Viele der Fragen, Sorgen und Herausforderungen, die Frauen vor der Geburt beschäftigt haben, bleiben auch, wenn die Kinder dann da sind. Es ist schwer, Zeit für sich zu finden. Man macht sich ständig Sorgen und hat ein schlechtes Gewissen. Und natürlich kommen auch noch ganz neue, ungeahnte Herausforderungen hinzu, auf die man sich in der Theorie nur schwer vorbereiten kann. Zumal man im Vorhinein ja auch nie wissen kann, wie das Kind sein wird und was es für individuelle Bedürfnisse hat.

Auch die Mütter, mit denen ich als MBSR-Lehrerin – die Abkürzung steht für Mindfulness-Based Stress Reduction, also achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung, ein evidenzbasiertes, achtwöchiges Gruppenprogramm – und Achtsamkeitscoachin täglich intensiv zusammenarbeite, sind meist zutiefst dankbar, sich für ein Leben mit Kindern entschieden zu haben und können sich eins ohne gar nicht mehr vorstellen. Kinder bringen Freude und bereichern ihr Leben, lassen sie es noch einmal mit ganz neuen Augen sehen. Zwar senken Kinder statistisch gesehen das Lebensglück, erhöhen aber gleichzeitig den -sinn.

Und doch sind sie nicht ohne Grund bei mir im Kurs: Sie sind von Erschöpfung gezeichnet und finden keine Zeit mehr für sich, übernehmen den Großteil der Care-Arbeit und scheinen sich selbst aus den Augen zu verlieren, um voll und ganz für ihre Kinder da sein zu können. Teilweise kämpfen sie um die Stabilität ihrer Partnerschaft und fühlen sich von den vielfältigen Aufgaben, die täglich auf ihren Schultern lasten, überwältigt. Sie erzählen von einem Gefühl des Versinkens, des Unsichtbarwerdens, der bodenlosen Erschöpfung. Sie haben nicht genug Energie, um gleichzeitig ihre Rolle als Mutter, Partnerin und Angestellte zu erfüllen. Frauen, die Mütter werden, merken zudem verstärkt, wie strukturelle Ungerechtigkeiten ihnen das Leben erschweren.

Und selbst wenn sie es schaffen, sich etwas Gutes zu tun, wie zum Beispiel in die Natur oder mit der besten Freundin essen oder tanzen zu gehen, ist das meist nur eine kurzfristige Erholung und Entlastung – obwohl es genau so auf allen Kanälen, in der Werbung, auf Social Media proklamiert wird: Ich muss mir einfach mal etwas Zeit für mich nehmen, dann ist der Rest nur noch halb so wild. Doch kann ein bisschen meditieren, Yoga oder ein warmer Tee die Lösung sein? Eher nicht. Nur punktuelle Entlastung bei permanenter Überforderung führt langfristig zu weiteren, tiefergehenden Problemen wie Burn-out oder Depressionen.

Es ist dringend notwendig, Veränderungen auf struktureller Ebene herbeizuführen, um die Belastung von Frauen zu mindern. Der Beginn liegt in der angemessenen Arbeitsteilung im Haushalt, gefolgt von fairer Bezahlung, kinderfreundlichen Arbeitsumfeldern sowie dem Ende von Diskriminierung und Sexualisierung. Wir müssen ganz neue Arbeits- und Care-Modelle erschaffen, Frauen empowern, Netzwerke bilden, solidarisch(er) handeln und viel mehr Role Models sichtbar machen. Letztendlich summieren sich all diese Faktoren zu dem unausweichlichen Bedürfnis, den anhaltenden patriarchalen Status quo zu überwinden. Wir brauchen ein langfristiges und nachhaltiges neues Denken. Denn Frauen müssen durchgehend funktionieren und erlauben sich deshalb oft selber nicht, schwach zu sein oder »einfach mal loszulassen« – damit der gewohnte Familienalltag weiterlaufen kann. Das Leben mit Kindern wird uns schon im Wartezimmer der Gynäkolog*in mit durchweg fröhlichen Familienbildern als das pure Glück verkauft, worüber wir uns bitte nicht zu beschweren haben. Dadurch empfinden viele Frauen einen unheimlichen Druck, einem bestimmten Bild der guten Mutter und gleichzeitigen »Karrierefrau« gerecht zu werden, das ihnen kaum erlaubt, sich selbstbestimmt an erste Stelle zu setzen, sondern stets das Wohl der Kinder und das Familienglück zu priorisieren. Alteingefahrene Strukturen versperren die Vereinbarkeit von Familie und Job zunehmend.

Durch meine Arbeit und die vielen Gespräche mit Müttern habe ich jedoch festgestellt, dass es neben all den sich nur langsam wandelnden äußeren Faktoren Maßnahmen gibt, die Mütter selbst sofort ergreifen können, um den Herausforderungen dieser komplexen Welt zu begegnen. Dafür bedarf es einerseits des Erkennens der gesellschaftlichen internalisierten Erwartungen und Vorgaben, um zu merken: Ich trage keinerlei »Schuld«. Auch liegt es nicht an meinem eigenen Unvermögen, wenn ich das alles nicht schaffe, sondern oft sind es auch einfach die Umstände. Diese Erkenntnis kann eine erste kleine Entlastung schaffen, da wir aufhören können, uns selbst zu verurteilen und gegen uns selbst zu kämpfen. Zusätzlich dazu hilft die Erforschung meiner Innenwelt: Wie komme ich mit der Situation zurecht, wie denke und fühle ich, wem versuche ich es eigentlich recht zu machen, stehe ich für meine Bedürfnisse ein, und wie kann ich in einer guten Beziehung mit mir selbst leben? Wenn wir uns auf diese innere Reise begeben wollen, kommen wir an der Selbstliebe nicht vorbei. Selbstliebe zu leben bedeutet, meine eigenen inneren Ressourcen aufzuspüren, zu stärken und mein Leben nach meinen individuellen Bedürfnissen auszurichten, so gut es mir in meiner momentanen Situation möglich ist. Es bedeutet, gut zu mir zu sein und mich selbst so gut es geht zu unterstützen, gerade weil es nicht immer einfach ist.

Mit diesem Buch möchte ich daher alle Mütter ermutigen, sich selbst anzunehmen und zu lieben, ihre Bedürfnisse kennenzulernen, sie ernst zu nehmen und für sie einzustehen. Mutig, selbstbestimmt, verletzlich und sanft. Um den Mut dafür aufzubringen, benötigen wir eine Verbündete, eine Trösterin, eine Kämpferin an unserer Seite. Und diese Person können wir in uns selber finden. Wir können uns selbst eine gute Freundin sein.

Wie dir dieses Buch am meisten dient

Der Hauptfokus dieses Buches liegt darauf, die Beziehung zu dir selbst zu stärken. Dabei ist das Ziel nicht, dich unsterblich in dich selbst zu verlieben. Ich möchte gemeinsam mit dir erforschen, was es für dich bedeutet, dich selbst zu lieben, sodass du am Ende des Buches weißt, was du brauchst, wie du dir selbst auch in stürmischen Zeiten Gutes tun kannst und wie das konkret im Alltag aussehen kann. Und dabei geht es vorrangig nicht um Aktivitäten, sondern eher darum, wie du dich selbst behandelst, wie du mit dir selbst sprichst und umgehst, quasi wie du mit dir selbst eine gute Beziehung führst. Wenn du möchtest, kannst du dein Kind in diese Entdeckungsreise mit einbeziehen und mit ihm ins Gespräch zu den wichtigen Themen des Lebens kommen. Warum die Reise aber bei und mit dir selbst anfängt und du dich – endlich – an erste Stelle setzen darfst (und musst!), davon wirst du auf den nächsten Seiten lesen. Und ich werde auch nicht müde werden, dich immer wieder daran zu erinnern.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert: einen Theorie- und einen Praxisteil. Der erste Teil ist für den Kopf – er soll dich darin unterstützen, Hintergründe zu verstehen, deine Rolle als Frau und Mutter zu reflektieren, zu erkennen, warum vieles so ist, wie es ist, und warum wir denken, dass wir selbst »Schuld haben« oder »schwach« sind, obwohl Situationen oft auf festgefahrene und unbewusste Denkstrukturen zurückzuführen sind oder auch evolutionsbiologisch zu einem früheren Zeitpunkt in deinem Leben ganz viel Sinn gemacht haben, das gleiche Verhalten heute aber eher hinderlich ist. Hinzu kommen gesellschaftsstrukturelle, systematische oder politische Entwicklungen, die Müttern das Leben erschweren. Da wir teilweise so sehr daran gewöhnt sind und so vieles Kräftezehrendes als »normal« empfinden, hinterfragen wir vieles gar nicht mehr.

Wir schauen uns den Begriff der Selbstliebe im Detail an und versuchen, ihn etwas einzugrenzen und für den jetzigen Moment zu bestimmen, denn wahrscheinlich haben wir alle eine andere Vorstellung davon, wie Selbstliebe gelernt und gelebt werden kann – was auch völlig in Ordnung ist. Es geht darum, dass du für dich eine Definition, ein Gefühl oder eine eigene Idee davon bekommst. Da uns Meditation auf dem gesamten Weg begleiten und uns dabei helfen wird, uns selbst näherzukommen, gibt es in diesem Teil eine theoretische Einführung in die Technik der Achtsamkeitsmeditation, und wir schauen auch auf die Schwierigkeiten und Hindernisse, die uns dabei ganz natürlicherweise begegnen.

Im zweiten Teil des Buchs tauchen wir in die Praxis ein, und ich gebe dir konkrete Übungen an die Hand, die du sofort umsetzen und in deinen Alltag integrieren kannst. Dieser Teil ist fürs Herz: Du sollst nicht nur wissen, dass du geliebt wirst, sondern es auch fühlen! Dabei gibt es sechs Abschnitte, die du in sechs Wochen oder sechs Etappen deiner Wahl bearbeiten kannst, ganz wie du möchtest. Bevor du startest, empfehle ich dir jedoch, einen festen Zeitraum festzulegen, damit du dir deine eigene Verbindlichkeit schaffst. Vielleicht möchtest du das Thema ja auch mit einer Freundin zusammen bearbeiten, und ihr tauscht euch über die Übungen und eure Erfahrungen damit aus. Erfahrungsgemäß ist Unterstützung auf dem Weg eine der treibenden Kräfte, wirklich dranzubleiben.

Ich weiß, dass es nicht leicht ist, im Trubel des Alltags Zeit für sich zu finden, aber genau darum soll es in diesem Buch gehen: dir langfristig eine Struktur aufzubauen, die dich supported und mit deinem individuellen Alltag kompatibel ist. Du darfst mit der Zeit erkennen und vor allem spüren, wie wichtig es ist, dir immer wieder Pausen zu nehmen und dir zu erlauben, für dich genau so da zu sein wie für deine Liebsten auch. Wenn wir die Wichtigkeit dieses Werts erkennen, dann gibt es darüber keine Verhandlungen mehr.

Schau bitte auf diesem Weg und sowieso immer im Leben, was gut für dich ist und was du brauchst, damit du dich wohlfühlen kannst, und was für dich realistisch und umsetzbar ist. Was du tatsächlich umsetzen kannst und möchtest, ist sehr individuell und abhängig von deiner ganz persönlichen Situation, von daher kann ich dir zwar Vorschläge machen, die du aber immer für dich prüfen und anpassen kannst. Im Anschluss an die Übungen für dich ist auch immer ein Vorschlag für eine Übung für euch als Familie angegeben. Die Übungen sind für Kinder zwischen drei und sieben Jahren gedacht. Schau mal, ob du Lust hast, sie auszuprobieren, sie an deine familiäre Situation anzupassen oder sie auch wegzulassen. Einfach das, was dir am besten entspricht und worauf du wirklich Lust hast. Denn es geht auch darum, genau das rauszufinden, (neu) zu entdecken und etablieren, was bleiben soll.

Betrachte das Buch am besten wie ein Buffet: Vor dir liegen – objektiv betrachtet – ganz viele leckere Speisen, aber nicht alle davon werden dir schmecken. Ich mache dir Angebote, von denen ich aus meiner eigenen Arbeitspraxis weiß, dass sie Frauen geholfen haben. Und die auch mit Kindern gut umsetzbar sind, mal mehr und mal weniger. Ob sie dir und deinem Kind helfen und ob du sie für dich annehmen kannst, das können weder ich noch du vorhersagen, denn wie du weißt – Geschmäcker sind verschieden. Leben sind verschieden. Und Voraussetzungen sind verschieden. Probiere aus, experimentiere herum, finde raus, was für dich und dein Kind passend und wohltuend ist. Ich wünsche dir und deinem Kind viel Spaß dabei!

Weggefährt*innen

Ich habe auf meiner eigenen Reise, wie auch bei der Begleitung von Frauen immer wieder beobachten können, dass die folgenden Eigenschaften sich auf der Reise hin zu einem selbst als hilfreich erweisen können, die paradoxerweise oft erst auf dem Weg entwickelt werden. Schau doch mal, ob du sie in dir findest, was sie dir sagen und ob sie – oder Teile davon – schon zu deinem Fühlen und Denken gehören. Vielleicht können sie auch dir eine gute Stütze sein.

Neugier: Stell dir vor, du bist auf einer Forschungsreise und untersuchst die Tiefen des Ozeans oder die Unendlichkeit des Universums. Du weißt nicht, was dich erwartet oder welche Entdeckungen du machen wirst. Wenn du Scheuklappen aufsetzt, wird sich dein Blickfeld verengen, wirst du nur in eine Richtung schauen können. Öffne deine Augen und dein Herz – werde zur Entdeckerin deines eigenen Lebens.

Geduld: Wenn uns ein Vorhaben gut gefällt und wir Fortschritte machen, fällt es uns leicht, am Ball zu bleiben. Wird es hingegen schwierig, ziehen wir uns schnell zurück in die Komfortzone – denn dort fühlen wir uns sicher und geborgen, egal, was die Umstände sind. Falls es mal nicht so läuft, wie du es dir wünschst, oder du das Gefühl hast, auf der Stelle zu treten: Schau, was dir in dem Moment guttut, nimm ein paar Atemzüge und gib dir die Zeit, die du brauchst. Es ist eine lebenslange Reise hin zur Selbstliebe und nichts, was einfach über Nacht geschieht. Wir gehen Schritt für Schritt voran, und die Ergebnisse der Übungen werden sich ganz allmählich in ihrem eigenen Tempo entfalten. Trust the process und scheu nicht, dir Unterstützung und Hilfe zu suchen.

Achtsamkeit: Sich selbst zuzuwenden und nach innen zu schauen bedarf Mut und Energie. Wenn du die Übungen machst, check immer erst bei dir selbst ein und frag dich, ob heute ein guter Tag ist, dich mit deinen Emotionen zu konfrontieren und dir selbst ein Stückchen näherzukommen. Selbstliebe ist etwas Schönes, Positives, Tolles, aber trägt genauso Elemente des Schmerzes in sich – der gehört zum Gesamtpaket dazu. Vielleicht fühlst du dich manchmal traurig, hilflos, erschöpft oder wütend. Was würde dir dann guttun und ist umsetzbar? Ein Gespräch, ein Boxsack, Sport?

Ehrlichkeit: Mit der Zeit wirst du dich immer besser kennen- und verstehen lernen. Aber auch mit viel Übung ist es manchmal tricky, den Unterschied zwischen Ausweichen und Ausruhen zu bemerken. Vielleicht kennst du das ja schon: Eigentlich weißt du, dass es jetzt gut wäre, eine Runde laufen zu gehen, aber dann ist der Ruf der Couch doch lauter, und du findest genügend Gründe, warum Rumliegen jetzt die bessere Wahl für dich ist. Versteh mich nicht falsch – das kann auch oft erholsam und energetisierend sein. Aber ist es auch unterstützend für das, was du eigentlich wirklich willst? Gleiches gilt aber auch für das Gegenteil: Dich zu etwas zu zwingen, obwohl der Akku komplett leer ist, bringt dich nicht zum Ziel. Schau in einem solchen Fall noch mal genauer hin: Bist du wirklich ehrlich mit dir selbst? Tut es dir nur für den Moment gut oder auch langfristig?

Mitgefühl: Was machst du, wenn es deinem Kind nicht gutgeht? Wenn du merkst, dass es Fieber bekommt, gerade innerlich mit etwas kämpft, seine Emotionen nicht einordnen kann? Wahrscheinlich tröstest du es, hältst es in den Armen und sagst ihm tröstende Worte. Kannst du das Gleiche mit dir machen, wenn es auf deinem Weg schwierig wird? Dieses Buch ist da, dir zu zeigen, wie es geht. Und vielleicht kannst du ja schon von Anfang an schauen, dass du selbst gut zu dir bist, dich tröstest, hältst.

Grenzen wahren: Wahrscheinlich bist du viel damit beschäftigt, die Bedürfnisse deiner Kinder zu befriedigen. Dabei vergisst du öfter deine eigenen oder musst sie teilweise auch vernachlässigen, um für deine Kinder da sein zu können. Wir wollen lernen, diese Grenzen wieder bewusst wahrzunehmen, um auch für uns selbst gut sorgen zu können. Grenzen wahrzunehmen beginnt auch da, wo du sagst, dass du etwas für dich machen möchtest und wie viel. Solltest du dich von einer Übung emotional überfordert fühlen, erlaube dir, diese abzubrechen und Halt auf deine Art und Weise zu finden. Du bist die beste Lehrerin für dich selbst: Wenn du spürst, dass etwas zu viel oder nicht gut für dich ist, ziehe die für dich notwendigen Konsequenzen daraus und schöpfe aus deinen vorhandenen Ressourcen.

Ressourcen: Im Laufe deines Lebens hast du schon einiges an Ressourcen aufgebaut, die du dir jetzt noch mal bewusst machen kannst, damit du sie gut nutzen kannst, wenn es emotional herausfordernd wird. Reflektiere dazu gern über die folgenden Fragen und mach dir, wenn du möchtest, ein paar Stichpunkte dazu:

Was tut dir gut, wenn du dich unsicher fühlst?Was brauchst du, wenn du emotional aufgeladen bist?Was gibt dir Sicherheit?Mit wem kannst du sprechen, wenn dich etwas belastet?

Trauma-sensitiver Hinweis: In unserem Körper und Nervensystem sind Informationen abgespeichert, die wir teilweise jahrelang verdrängt haben, damit wir sie nicht fühlen müssen. Das ist eine ziemlich schlaue Strategie des Körpers, um uns zu schützen und unser Überleben zu sichern. Wenn wir in unseren Körper nun hineinfühlen und teilweise ganz still werden, KANN es sein, dass diese Gefühle oder Erinnerungen wieder hochkommen. Das kann sich beispielsweise dadurch bemerkbar machen, dass du eine große körperliche oder gedankliche Unruhe spürst, oder es dir unmöglich erscheint, still sitzen zu bleiben. Achte bitte gut auf dich und mach die Übungen nur, wenn sie dir guttun. Falls du dir nicht sicher bist, ob die Übungen für dich geeignet sind, sprich bitte vorher mit einem/r Therapeut*in.

Und, bevor wir ins Thema einsteigen, auch ein wichtiger sprachlicher Hinweis: Um alle Personen, die sich für das Thema Selbstliebe interessieren, gleichberechtigt anzusprechen, werden euch in diesem Buch Gender-Sternchen und manchmal doppelte Artikel begegnen. Das mag einigen vielleicht noch ungewohnt vorkommen, aber mir ist es ein großes Anliegen, mein Buch möglichst sensibel und inklusiv zu formulieren. So wie wir unsere eigene innere Vielfalt feiern wollen, können wir das auch im Außen tun. Sprache schafft Realität, das werden wir immer wieder bemerken. Je mehr wir uns dem Neuen öffnen, umso weniger Angst wird es uns machen.

Für den Kopf

Lass uns unsere gemeinsame Reise starten. Bevor wir den Deep Dive in unsere Gedanken- und Gefühlswelt machen, möchte ich gerne mit dir zuerst einmal schauen, was es auf theoretischer Ebene heißt, sich selbst zu lieben, was es dazu eigentlich braucht und was uns dabei im Weg steht. Es ist doch komisch, dass es uns allen ziemlich schwerfällt, uns selbst zu mögen – dem will ich als erstes auf den Grund gehen. Denn es kann erleichternd sein zu bemerken, dass es manchmal auch einfach die Umstände sind, die uns das Leben schwer machen. Was hält uns im Außen davon ab, dass wir Zeit für uns finden und uns liebevoll zuwenden, obwohl wir uns danach sehen? Und was gibt es für innere Blockaden, Ängste und Hindernisse?

1. Was ist Selbstliebe?

Wir sind uns alle einig, dass Liebe so ganz generell etwas Schönes ist, etwas, wonach wir streben und wovon es nie genug geben kann. Projizieren wir die Liebe jedoch auf uns selbst, sagt man uns nach, wir seien egoistisch, narzisstisch oder einfach nur naiv und schwach. Und ich muss ehrlich zugeben, wenn ich das Wort Selbstliebe höre, dann sträuben sich auch mir erst mal die Nackenhaare. Ich kann diesen Begriff eigentlich gar nicht gut leiden, er nervt mich, scheint Ansprüche zu stellen. Wir alle sollen uns selbst mehr lieben, und laut Erich Fromm sind wir erst aus der Selbstliebe heraus auch in der Lage, andere zu lieben. Heißt das jetzt, ich kann meine Kinder nicht lieben, wenn ich mich selbst nicht liebe? Meine*n Partner*in nicht lieben, weil ich mich selbst nicht mag? Wenn dem so wäre, dann wären viele von uns wahrscheinlich gar nicht erst in Beziehungen, von der Existenz von Kindern mal ganz abgesehen.