Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Sie nennen sich "progressiv", kämpfen angeblich für Gerechtigkeit, Klima oder Vielfalt - doch was sie wirklich wollen, ist Macht. Aktivisten und ihnen nahestehende NGOs haben längst Schlüsselpositionen in Politik, Medien, Bildung, Kirchen und Justiz erobert. Sie bestimmen, was gesagt werden darf. Sie unterdrücken abweichende Meinungen. Sie hebeln demokratische Prozesse aus - im Namen einer höheren Moral. Dieses Buch zeigt, wie eine neue, gut vernetzte Elite unsere Gesellschaft Stück für Stück umbaut: durch staatlich geförderte NGOs, ideologische Sprachregelungen, verdeckte Einflussnahme und gezielte Zensur. Es enthüllt, wie Debatten manipuliert, Institutionen unterwandert und Andersdenkende systematisch delegitimiert werden. Wer dieses Buch liest, erkennt: Wir erleben keine spontane gesellschaftliche Entwicklung - sondern einen orchestrierten Umbau, gesteuert von Akteuren, die weder gewählt noch kontrolliert sind. Ein aufrüttelnder Bericht über die schleichende Umkehr von Demokratie und Freiheit - faktenreich, schonungslos, mit vielen Beispielen. Für alle, die wissen wollen, was wirklich hinter dem neuen Moralismus steckt - und warum es höchste Zeit ist, Widerstand zu leisten. Von der Autorin des Bestsellers "Ich bin nicht woke".
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 170
Veröffentlichungsjahr: 2025
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Widmung
Für die Menschen, die jeden Morgen aufstehen, zur Arbeit gehen und Verantwortung übernehmen – für sich, für ihre Familien, für unser Gemeinwesen.
Für jene, die keine Zeit haben, sich selbst als „Aktivisten“ zu inszenieren, weil sie damit beschäftigt sind, dieses Land am Laufen zu halten.
Für alle, die ihre Energie nicht in symbolische Proteste stecken, sondern in ehrliche Arbeit, tägliche Pflichten und konkrete Lösungen – oft ohne Applaus, aber von unschätzbarem Wert.
Dieses Buch ist ihnen gewidmet.
Vorwort
Was ist ein Aktivist?
Vom Graswurzelprotest zur Bühne der Welt
Selbsterzählung und Realität
Wer ist überhaupt ein Aktivist?
Begriffsverschiebung
Mutig, unabhängig, selbstlos? Mitnichten!
Die neue Moralelite
Moral ersetzt Legitimation
Die neue Klasse der Unantastbaren
Die Sprachherrschaft
Die Empörungsindustrie
Der Preis des Moralismus
Mächtige Klasse statt Stimme der Schwachen
Der lange Marsch durch die Institutionen
Rudi Dutschke – der erste Aktivist
Strategie des institutionellen Durchdringens
Schleichende Transformation des Bildungswesens
Ideologischer Umbau des öffentlichen Dienstes
Erosion der Medienvielfalt
Verdrängung der pluralistischen Demokratie
Stabilität des Systems trotz politischer Wechsel
Gewalt im Namen der Moral
Kampf gegen den „Faschismus“ als Allzweckwaffe
Strategie der Einschüchterung – Gewalt im Alltag
Die Rolle der politischen Duldung
Ziel: Staatsdelegitimation
Verknüpfung mit anderen Aktivismusfeldern
Gefahr für die offene Gesellschaft
Widerstand der Konservativen
Rückeroberung der öffentlichen Debatte
Verteidigung traditioneller Begriffe und Institutionen
Mobilisierung auf kommunaler und lokaler Ebene
Institutionelle Schwäche und strategische Defizite
Spaltung innerhalb des konservativen Lagers
Erste Erfolge und die Öffnung neuer Debattenräume
Die Rolle der Medien
Die Bühne gehört den Lautesten
Narrative statt Nachrichten
Die mediale Immunität
Die Ökonomie der Empörung
Die Symbiose
Hashtag-Aktionismus
Die Geldquellen – Wer bezahlt die Aktivisten?
Aktivismus kostet – und bringt Geld
Die großen Geldgeber
Der Staat als Sponsor
Das Geschäft mit der Moral
Crowdfunding als Fassade
Der Staat als Förderer und Opfer
Fördermillionen für den Protest gegen das System
Der Marsch durch die Institutionen 2.0
Die Duldung des Rechtsbruchs
Aktivisten als Berater – aber ohne Verantwortung
Der Staat im Würgegriff moralischer Erpressung
Deckmantel „Demokratieförderung“
Immer mehr Fördergeld für Aktivisten
Deutungshoheiten gegen die Demokratie
Personelle Überschneidungen
Der Staat finanziert den Protest gegen sich selbst
„Demokratieförderung“ als Tarnbegriff
Aktivisten unter dem Regenbogen
Die Umdeutung der Begriffe
Die Politisierung des Alltags
Die Unantastbarkeit der Selbstauslegung
Die Verdrängung biologischer Kategorien
Die Immunisierung gegen Kritik
Reproduktion von Macht unter neuem Vorzeichen
Die schleichende Auflösung neutraler Räume
Radikaler Feminismus
Körperliche Inszenierung als politische Waffe
Sprache als Instrument des Machtkampfs
Verschiebung des Feindbilds
Eskalation im öffentlichen Raum
Institutionelle Verankerung und politischer Einfluss
Aktivismus für Migration und Islam
Schaffung neuer Schutzbegriffe
Aktivierung des humanitären Imperativs
Immunisierung gegen Kritik
Verharmlosung islamistischer Strukturen
Strukturelle Verankerung in Politik und Bildung
Die langfristigen Folgen
Palästina: Kampffeld der Aktivisten
Die Internationalisierung des Anti-Israel-Aktivismus
Ideologische Verknüpfung mit linken Bewegungen
Ausweitung auf Bildungs- und Kulturbereiche
Auswirkungen auf die jüdische Gemeinschaft
Die Schwäche der politischen Gegenwehr
Antikapitalistische Systemgegner
Die Radikalität der Systemfrage
Strategie der Blockade und Störung
Ablehnung von Eigentum und Marktwirtschaft
Globale Vernetzung der Bewegungen
Akzeptanz von Eskalation und Rechtsbrüchen
Mediale Anschlussfähigkeit und ihre Grenzen
Kampf um Wohnraum
Ideologische Kernthese der Enteignungsbewegung
Mobilisierungsstrategie und politischer Erfolg
Unterstützung durch linke Netzwerke und NGOs
Taktik der öffentlichen Eskalation
Schwächen und Widersprüche der Bewegung
Blick nach Schweden und Wien
Realitätsverweigerung: „Politische Details“
Was früher extrem war, gilt heute als normal
Meldestellen: Macht der Denunziation
Entstehung einer neuen Überwachungsstruktur
Die Rolle der Aktivisten bei Aufbau und Steuerung
Verschiebung von Recht auf Moral
Förderung durch den Staat
Wirkung: Meinungsfreiheit und Diskussionsklima
Berlin – Hauptstadt der Aktivisten
Perfekte Infrastruktur für Dauerprotest
Extreme Dichte an NGOs und Netzwerken
Berlin als Experimentierfeld der Straßenblockaden
Die Rolle der Berliner Verwaltung und Politik
Eskalationen an der Tagesordnung
Blaupause für andere Städte
Hacktivisten – Widerstand im Netz
Ursprünge im Hacker-Milieu
Methodische Unsichtbarkeit
Die politische Agenda der Netzfreiheit
Konfrontation mit dem Staat
Kommerzielle Vereinnahmung der Debatte
Fragmentierung des digitalen Widerstands
Die Kirche als Aktivist
Schulterschluss mit dem linken Aktivismus
Vom Glaubensbekenntnis zum Gesellschaftsumbau
Kirchliche Unterstützung für Migrations-Aktivisten
Gender und Queer erobern die Kirchen
Allianz mit der Klimabewegung
Hoher Preis: Vertrauensverlust und Austrittswellen
Die Kirche als politische Institution
Aktivistische Richter – Wenn Justiz zur Politik wird
Zwischen Recht und Meinung
Juristische Agenda statt Gesetzesbindung
Der Fall Bundesverfassungsgericht
Netzwerke, Ideologien, Karrieren
Gefährdung der Justizlegitimation
Der Rechtsstaat braucht unabhängige Richter
Aktivismus als Geschäftsmodell
Die Professionalisierung der Protestkultur
Moral als Marke
Der Reiz der Reichweite
Steuerprivilegien und Intransparenz
Aktivismus als Karrieresprungbrett
Wenn Aktivismus radikal wird
Ziviler Ungehorsam – ein Mythos mit Doppelmoral
Von der Moral zur Einschüchterung
Asymmetrische Kommunikation
Radikale Mittel, diffuse Ziele
Importierter Aktivismus
Siegeszug amerikanischer Identitätsdebatten
Black Lives Matter und die globale Protestschablone
Fridays for Future und die globale Klima-Agenda
Die Rolle internationaler NGOs
Risiken eines unkritischen Meinungsimports
Globaler Aktivismus und asymmetrische Debatten
Aktivismus in internationalen Organisationen
Die Bühne der Einflusslosen?
Menschenrechte als strategisches Einfallstor
Die Macht der Formulierungen
EU: Lobbyismus im Kleid der Zivilgesellschaft
Der Verlust demokratischer Rückbindung
Einfluss auf das internationale Recht
Der Weg über internationale Gerichte
NGOs als Schattenakteure des Völkerrechts
Umgehung demokratischer Prozesse
Aktivismus und Demokratie
Wer spricht für wen?
Die Aktivisten als politische Macht ohne Mandat
Die Krise der Debatte
Die Unterwanderung demokratischer Institutionen
Demokratische Erosion durch moralische Hypermacht
Demokratie braucht Kritik – und Regeln
Die unsichtbare Grenze: Keine Kritik
Die neue Unantastbarkeit
Der Preis der moralischen Aufladung
Die Ausschaltung der kritischen Öffentlichkeit
Das lange Schweigen
Spirale des Schweigens
Gruppenzwang und soziale Konditionierung
Rückzug ins Private
Schweigespirale auf institutioneller Ebene
Schleichende Normalisierung der Selbstzensur
Strategien des Widerstands
Zurückeroberung des öffentlichen Raums
Bruch mit der Defensive
Aufbau eigener Institutionen
Gezielte Öffnung der politischen Flanke
Einschüchterung durch Hausdurchsuchungen
Wiederaufbau einer demokratischen Streitkultur
Keine Angst vor Konfrontation
Widerstand zur Verteidigung der Demokratie
Nachwort
Über die Autorin
Bücher im DCP Verlag
Literaturempfehlungen
Quellenverzeichnis
Warum dieses Buch nötig ist
Wir leben in einer Zeit der ständigen Empörung. Jeden Tag überschlagen sich die Schlagzeilen: Klimakatastrophe, Rassismus, Ungleichheit, Ungerechtigkeit. Und an vorderster Front stehen sie – die Aktivisten.
Sie kämpfen, warnen, fordern, blockieren. Sie kleben sich auf Straßen, stören Konferenzen, boykottieren Unternehmen, besetzen Denkrichtungen. Sie verstehen sich als moralische Avantgarde einer neuen Weltordnung. Und sie bekommen dabei mehr Aufmerksamkeit, Einfluss und Ressourcen als je zuvor.
Lange galt der Aktivist als Held. Als Stimme der Vernunft gegen die Trägheit des Systems. Als Mahner. Als Stachel im Fleisch der Macht. Doch diese romantische Vorstellung hält einer kritischen Betrachtung nicht mehr stand. Denn der Akti-vismus hat sich verändert – und mit ihm seine Rolle in unserer Gesellschaft. Aus spontanen Protesten wurden professionelle Kampagnen. Aus Überzeugungstätern wurden mediale Akteure. Aus Widerstand wurde Macht.
Dieses Buch will zeigen, was hinter dem Aktivismus unserer Zeit steckt: Welche Interessen ihn finanzieren. Welche Narrati-ve er prägt. Welche Strukturen er nutzt. Und welche Gefahren von ihm ausgehen – für Meinungsfreiheit, demokratische Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Es geht nicht darum, Protest zu delegitimieren. Protest gehört zur Demokratie. Aber Macht braucht Kontrolle. Und wer gesellschaftlichen Einfluss ausübt, darf nicht unantastbar sein – auch nicht im Namen des Guten. Gerade weil viele Aktivisten für noble Ziele eintreten, müssen wir genau hinschauen: Wo endet Engagement – und wo beginnt Selbstermächtigung? Wo dient der Aktivismus der Gesellschaft – und wo sich selbst?
Ich habe dieses Buch geschrieben, weil mir in der öffentlichen Debatte etwas fehlt: Distanz. Nüchterne Analyse. Kritische Nachfragen. All das, was wir bei anderen Machtakteuren – bei Politik, Wirtschaft oder Medien – zu Recht einfordern. Bei Aktivisten aber wird oft weggesehen. Man fürchtet den moralischen Bannstrahl, das Etikett der Hartherzigkeit, die digitale Hetzjagd. Doch genau das zeigt, wie notwendig eine schonungslose Analyse ist.
Dieses Buch ist kein Pamphlet. Es ist eine Einladung zur Aufklärung. Zur Debatte. Zur Rückeroberung der politischen Mitte – gegen moralische Erpressung von allen Seiten.
Denn in einer freien Gesellschaft darf es keine Unantastbaren geben.
Der Begriff „Aktivist“ genießt hohes Ansehen. Er klingt nach Mut, Idealismus und gesellschaftlichem Fortschritt. Wer sich „aktivistisch“ engagiert, gilt als moralisch integer, als jemand, der Missstände nicht einfach hinnimmt, sondern handelt. Doch so einfach ist es nicht mehr. In den vergangenen Jahren hat sich das Bild des Aktivisten grundlegend gewandelt – von der ehrenamtlichen Einzelperson zum professionell agierenden Machtakteur mit politischem, wirtschaftlichem und medialem Einfluss.1
Vom Graswurzelprotest zur Bühne der Welt
Ursprünglich bezeichnete der Begriff Aktivist jemanden, der sich aus persönlicher Überzeugung für ein politisches, soziales oder ökologisches Ziel einsetzt – meist jenseits der etablierten Parteien und Institutionen. Protestierende Bauern, Umweltkämpfer, Frauenrechtlerinnen – sie alle wurden und werden als Aktivisten bezeichnet. Es ging um Engagement von unten, oft risikobehaftet, fast immer unbezahlt.
Heute ist Aktivismus jedoch häufig nicht mehr spontan, sondern strategisch – nicht mehr lokal, sondern global vernetzt. Die Protestformen haben sich professionalisiert: Hashtag-Kampagnen, medienwirksame Stunts, juristische Begleitmaßnahmen und politische Lobbyarbeit gehören längst zum Repertoire. Es entstehen hybride Rollen: Der Aktivist ist zugleich Influencer, Berater, Unternehmer und Lobbyist – mit eigener Marke, finanzieller Unterstützung und direktem Zugang zu Talkshows, Ministerien und Stiftungen. Seit Jahren gibt es „Talkshow-Trainings für Aktivisten“. 2 Und oftmals spielt er auch eine tragende Rolle in einer NGO, wie im Laufe dieses Buch noch klar werden wird.
Selbsterzählung und Realität
In der Selbstwahrnehmung vieler Aktivisten steht das „Höhere Ziel“ im Vordergrund. Sie kämpfen – so der eigene Anspruch – nicht für sich selbst, sondern für die Allgemeinheit, für Minderheiten, für das Klima, für Gerechtigkeit. Moralische Integrität wird zur zentralen Währung. Doch diese moralische Aufladung birgt auch Risiken: Wer sich im Besitz der Wahrheit glaubt, nimmt selten Widerspruch hin. Kritik wird schnell als Angriff auf die „gute Sache“ interpretiert. Zweifel gelten als Verrat.
Gleichzeitig ist Aktivismus in vielen Fällen nicht mehr unabhängig. Immer häufiger zeigt sich eine Vermischung mit persönlichen Karrierezielen. Wer auffällt, kann mit Medienpräsenz, Buchverträgen, Vorträgen oder Stiftungsförderung rechnen. Aktivismus wird zur Einkommensquelle, zum Lebensstil, zur Marke. Und wer sich als Aktivist in einer NGO engagiert, darf sogar auf staatliches Geld hoffen, das ihn finanziert. Denn die mit Steuergeldern unterstützten NGOs sind längst keine Ausnahme mehr, sondern zur Regel geworden.
Wer ist überhaupt ein Aktivist?
Diese Frage ist heute schwerer zu beantworten denn je. Ist der Journalist, der mit seinem Kommentar Agenda setzt, ein Aktivist? Ist die Influencerin, die auf TikTok gegen Kapitalismus wettert, eine Aktivistin? Ist der NGO-Mitarbeiter, der auf UN-Konferenzen spricht, ein Aktivist oder ein Lobbyist?
Die Grenzen verschwimmen. Was früher klar war – Aktivisten waren nicht Teil des Systems – ist heute brüchig geworden. Viele Aktivisten sind heute eng mit Institutionen verbunden, erhalten staatliche Fördermittel, nehmen Einfluss auf Bildungseinrichtungen oder sind selbst Teil des politischen Betriebs. Aktivismus wird damit Teil der Macht.
Begriffsverschiebung
In der politischen Theorie galt der Aktivist lange als Störfaktor im positiven Sinn – als Korrektiv zu trägen Institutionen. Doch je stärker sich Aktivisten mit Medien, Parteien, Stiftungen und NGOs verbinden, desto weniger wirken sie außerhalb des Systems. Sie werden selbst zu Systemakteuren – mit teils erheblichem Einfluss, aber ohne demokratische Legitimation, ohne Rechenschaftspflicht und ohne Transparenz.
Diese Entwicklung verlangt nach einer neuen Begriffsbestimmung. Wer Einfluss nimmt auf öffentliche Debatten, politische Entscheidungen und gesellschaftliche Normen, sollte sich der Verantwortung bewusst sein, die damit einhergeht. Und die Öffentlichkeit sollte sich fragen dürfen: Wer spricht da eigentlich – und in wessen Interesse?
Mutig, unabhängig, selbstlos? Mitnichten!
Der klassische Aktivist, wie er in der kollektiven Vorstellung existiert – mutig, unabhängig, selbstlos –, existiert heute nur noch in Teilen. Aktivismus hat sich gewandelt: vom basisdemo-kratischen Protest zur strategischen Einflussnahme. Diese Veränderung ist weder per se gut noch schlecht – aber sie verdient kritische Aufmerksamkeit. Denn wer Macht beansprucht, muss sich auch Kritik gefallen lassen.
Die neue Moralelite
Sie treten mit dem Anspruch auf, die Welt zu retten – doch was sie tatsächlich retten, ist oft nur ihr eigenes Selbstbild. Aktivisten der Gegenwart präsentieren sich als moralische Instanz, die über Gut und Böse entscheidet. Ihre Währung ist nicht Argumentation, sondern Haltung. Ihre Macht speist sich nicht aus Mandaten, sondern aus moralischem Druck. Willkommen in der Ära der neuen Moralelite.3
Moral ersetzt Legitimation
In einer Demokratie zählt, wer gewählt wird – und wer Gesetze befolgt. Doch Aktivisten brauchen keine Mehrheit und kein Mandat. Sie benötigen lediglich ein Thema, das emotiona-lisiert. Mit der richtigen Sprache, einem viralen Video oder einer provokanten Aktion können sie in kürzester Zeit eine öffentliche Deutungshoheit gewinnen. Dabei ist nicht entscheidend, ob sie Recht haben – sondern ob sie moralisch überlegen wir-ken.4
Die Moral wird zur Eintrittskarte in Talkshows, Gremien und Redaktionen. Wer sich selbst als Teil „der Guten“ inszeniert, darf alles sagen – und vor allem: andere verurteilen. Dabei geht es längst nicht mehr um Debatten, sondern um Gesinnung. Nicht Argumente zählen, sondern Schlagworte: Klima! Gerechtigkeit! Vielfalt! Wer widerspricht, steht schnell auf der falschen Seite der Geschichte.
Die neue Klasse der Unantastbaren
Diese neue Klasse ist nicht demokratisch legitimiert, nicht gewählt, nicht rechenschaftspflichtig – und doch überaus einflussreich. Aktivisten besetzen Beiräte, Lehrstühle, Kulturjurys, Preisverleihungen. Sie erhalten Fördermittel, mediale Plattformen, Zugang zu Entscheidungsträgern. Dabei berufen sie sich auf die „Zivilgesellschaft“ – ein diffuser Begriff, hinter dem sich oft kleine Milieus mit großer Lautstärke verstecken.5
Widerspruch ist gefährlich. Wer es wagt, Aktivisten zu kritisieren, riskiert den digitalen Pranger: Shitstorm, Boykottaufruf, Rufmord. In der Logik der neuen Moralelite gibt es nur zwei Lager – die Aufgeklärten und die Rückständigen. Zwischenstufen, Zweifel, Differenzierung? Unerwünscht. Wer nicht mitmacht, ist gegen sie – und damit gegen das Gute.
Die Sprachherrschaft
Die Macht der Aktivisten manifestiert sich vor allem in der Sprache. Sie definieren Begriffe um, verbieten andere, und schaffen mit scheinbar harmlosen Formulierungen neue Denkverbote. Aus „Asylbewerber“ wird „Schutzsuchender“ 6 , aus „Mann und Frau“ wird „gebärende Person“ und „nicht-gebärende Person“7, aus „Kritik“ wird „Hass“8. Wer die falschen Wörter benutzt, wird nicht widerlegt – sondern gelöscht – oder sogar staatlich verfolgt, wie die immerwährenden polizeilichen Hausdurchsuchungen bei Personen, denen „Hass und Hetze“ – also Kritik – vorgeworfen wird, gezeigt haben.9
Diese semantische Umerziehung, notfalls mit Unterstützung von Staatsanwaltschaft und Polizei, ist keine Nebensache. Sie ist Kern der Strategie. Wer die Sprache kontrolliert, beherrscht den Diskurs. Wer den Diskurs beherrscht, kontrolliert die Realität. Und wer die Realität unter seinen Fittichen hat, braucht keine Mehrheiten mehr.
Die Empörungsindustrie
Hinter vielen Kampagnen steht nicht der spontane Volkszorn – sondern ein perfekt orchestriertes System aus Empörung, Mobilisierung und Skandalisierung.
Satt nachhaltiger Aufklärung setzen diese Aktivisten auf kurzfristige Erregung, denn sie wissen: Je lauter der Skandal, desto geringer die Nachfrage nach Fakten. Die Empörung wird zur Währung, die Analyse zum Kollateralschaden. Wer differenziert, verliert – das ist das ungeschriebene Gesetz der neuen Protestkultur.
Die „Letzte Generation“ liefert dafür ein Paradebeispiel. 10 Es geht diesen Aktivisten längst nicht mehr darum, das Klima zu retten – es geht darum, die Schlagzeilen zu dominieren. Die selbstklebenden Straßenspektakel dienen nicht dem Umweltschutz, sondern dem kalkulierten Stören. Es ist dieselbe Logik, die auch die sozialen Netzwerke regiert: Polarisierung schlägt Argumentation, Erregung ersetzt Substanz. Mit jedem festgeklebten Protestierenden wird die Aufmerksamkeitsschraube weitergedreht. Es geht um den Moment, um den viralen Effekt, nicht um die Lösung.
Der mediale Kampf um Reichweite hat dabei längst eine neue Eskalationsstufe erreicht. Seit sich die Bewegung Ende 2024 aufspaltete, ist die Strategie noch radikaler. Die Fraktion der sogenannten „Neuen Generation“ zieht mit Farbangriffen gegen Unternehmen wie Müllermilch und Tesla durch die Städte. Parallel sorgt das „Widerstands-Kollektiv“ mit gezielten Sabotageakten, etwa durch Anschläge auf Tesla-Fahrzeuge in Berlin, für Störungen im Alltag.
Das jüngste Eskalationslevel 2025: das Abfackeln von Autos. Auch dieses Mittel wird inzwischen gezielt eingesetzt, um maximale Aufmerksamkeit zu erzeugen. Fahrzeuge brennen nicht aus blindem Vandalismus, sondern als kalkulierte Protestbot-schaft. Die Täter wissen: Ein brennendes Auto liefert stärkere Bilder als ein stiller Appell. Es provoziert, schockiert, geht viral – und zwingt Politik, Medien und Öffentlichkeit zur sofortigen Reaktion. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen zivilem Ungehorsam und strafbarer Sabotage bewusst. Das Spektakel steht über der Sache. Die zerstörerische Symbolik ersetzt zunehmend den inhaltlichen Diskurs. Wer Autos anzündet, will keine Debatte, sondern ein Medienecho. Die Empörung wird zu einem Brandbeschleuniger.11
Der Schaden, selbst wenn er beträchtlich ist, gilt dabei als zweitrangig – entscheidend ist das Bild, das Video, der Tweet. Die Proteste sind minutiös geplant, die Skandalisierung ist das Ziel.
Die Aufmerksamkeitsspirale funktioniert perfekt: Die Empörung schiebt sich in den Vordergrund, während die inhaltliche Auseinandersetzung im Nebel der Aufregung verschwindet. Die Bürger debattieren nicht über Klimapolitik, sondern über Kle-beaktionen, Farbattacken und Verkehrschaos. Genau das ist die Taktik. Wer provoziert, regiert den Diskurs. Wer aufklärt, geht unter.
Was hier sichtbar wird, ist das skrupellose Kalkül einer Bewegung, die die Mechanik der Empörungsökonomie bis ins Detail beherrscht. Es geht nicht mehr um Lösungen, sondern nur noch um Reichweite. Die Entrüstung ist kein Mittel mehr – sie ist längst der Zweck.
Der Preis des Moralismus
Was die neue Moralelite ignoriert: Moral ersetzt keine Politik. Aktivismus ersetzt keine demokratische Debatte. Wer die eigene Haltung zur einzig gültigen Wahrheit erklärt, zerstört genau das, was er vorgibt zu verteidigen: Toleranz, Pluralismus, Freiheit.
Denn echte Demokratie braucht keine Helden mit Heiligenschein – sie braucht Bürger mit Mut zur Unbequemlichkeit, zur Auseinandersetzung, zum Zweifel. Die neue Moralelite aber duldet keinen Zweifel. Und genau darin liegt ihre größte Gefahr.
Mächtige Klasse statt Stimme der Schwachen
Die heutigen Aktivisten geben sich als Stimme der Schwachen, sind aber selbst längst Teil einer neuen und mächtigen Klasse. Ihr Kapital ist moralische Überlegenheit – ihre Methode ist Druck. Was bleibt, ist eine Gesellschaft, in der Angst vor dem falschen Wort größer ist als der Wille zur offenen Debatte. Doch ohne Debatte stirbt die Demokratie.
Wie Ideologen die Demokratie von innen aushöhlen
Der Begriff vom „langen Marsch durch die Institutionen“ stammt ursprünglich aus der Neuen Linken der 1960er Jahre.12 Er wurde als strategische Handlungsanweisung verstanden, um die Machtverhältnisse in westlichen Gesellschaften nicht durch Revolution, sondern durch schrittweise Übernahme von Schlüsselpositionen in Bildung, Verwaltung, Medien und Kultur zu verändern.
Rudi Dutschke – der erste Aktivist
Einer ihrer größten Rädelsführer war Rudi Dutschke. Er gab der damaligen Studentenbewegung ein Gesicht, galt als der deutsche Che Guevara. Er befasste sich ausführlich mit den marxistischen und sozialistischen Theorien von Lenin, Marx und Lukács und verfasste selbst linke Pamphlete. Doch es blieb nicht bei der Theorie. Dutschke hielt flammende Reden gegen das „Establishment“, also die Autoritäten in Schulen, Universitäten und Elternhaus. „Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren“ hieß die Studentenparole. Dutschke stand für Aktionen, die die Öffentlichkeit aufmerksam machten.
„Außerparlamentarische Opposition“ (APO) hieß das lose Bündnis aus Studenten, Intellektuellen und Künstlern. Die APO engagierte sich in innen- und außenpolitischen Fragen und verstand sich als Gegengewicht zu den zahlenmäßig weit überlegenen Regierungsparteien. Rudi Dutschke als der APO-Anführer sah in spektakulären Happenings die beste Möglichkeit, die politische Lage zu verändern.
Um auf sich und seine Interessen aufmerksam zu machen, musste man auffallen: Sitzblockaden, sogenannte Sit-ins, Demonstrationsmärsche und Sprechchöre schienen die geeigneten Mittel dazu zu sein. Demonstrationsparolen wie „USA raus aus Vietnam!“ oder „Ho, Ho, Ho Chi Minh!“ stehen noch heute symbolisch für die 1968er-Bewegung.13 „Ohne Provokation werden wir überhaupt nicht wahrgenommen“, hatte Dutschke schon damals erkannt.14 Man könnte ihn somit als den ersten Aktivisten Deutschlands einordnen, obgleich es diesen Begriff zu jener Zeit noch gar nicht gab.
Am Gründonnerstag 1968 wurde Rudi Dutschke auf offener Straße niedergeschossen und schwer verletzt. Er überlebte mit knapper Not, erholte sich jedoch nie mehr von den Folgen und starb elf Jahre später an einem epileptischen Anfall, der als Spätfolge des Attentats auftrat.15
Was damals zunächst als Theorie in studentischen Zirkeln entstand und dann schon einmal auf der Straße geprobt wurde, hat sich in den folgenden Jahrzehnten in vielen westlichen Demokratien faktisch verwirklicht. Der systematische Aufbau von Einfluss in staatlichen und zivilgesellschaftlichen Strukturen
