Beschreibung

Der Tod ist auf Schiene: ein hochexplosiver Monarchiekrimi! Brisante Premiere im Burgtheater  Wien, 1895: Alles, was in der glanzvollen Metropole der Donaumonarchie Rang und Namen hat, putzt sich heraus, um die Amtseinführung des neuen Burgtheaterdirektors zu feiern. Sogar Kaiser Franz Joseph hat sich angekündigt. Doch die Festivitäten enden in einer Tragödie: Als Kellner getarnte Terroristen verüben einen Bombenanschlag. Ihr Vorhaben, den Monarchen zu ermorden, schlägt fehl, aber die Gefahr ist damit längst nicht gebannt.  Der Balkan ist ein Pulverfass …  Christine, ein aufgehender Stern am Schauspielhimmel Wiens, überlebt das Unglück mit knapper Not. Zusammen mit ihrem Geliebten Albrecht, einem deutschen Agenten und Cousin Kaiser Wilhelms II., ermittelt sie auf eigene Faust und kommt einem Komplott anarchistischer Geheimbünde auf die Schliche. Die Spur führt die beiden auf den Balkan, in die serbische Hauptstadt Belgrad. Bereits die Reise dorthin entpuppt sich als dramatischer Wettlauf gegen die Zeit, denn die Hintermänner des Attentats planen bereits den nächsten Streich. Können Albrecht und Christine verhindern, dass ganz Europa im Chaos versinkt?  Furiose Reise in die Zeit der Jahrhundertwende  Matthias Wittekindt und Rainer Wittkamp lassen in ihrem fulminanten Kriminalroman die prachtvolle und spannungsgeladene Welt des Fin de Siècle zwischen Berlin, Wien und Belgrad lebendig werden. Lassen Sie sich in eine Epoche zwischen Glanz und Elend, zwischen Monarchen und Anarchisten, Militärs und Geheimbünden entführen. 

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 333

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi ohne Limit+” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS

Matthias Wittekindt & Rainer Wittkamp

Mord im Balkanexpress

Kriminalroman

Inhaltsverzeichnis
Cover
Titel
PERSONENVERZEICHNIS
I
II
III
Nachbemerkung der Autoren
Matthias Wittekindt und Rainer Wittkamp
Zu den Autoren
Impressum

PERSONENVERZEICHNIS

Die wichtigsten Figuren in der Reihenfolge ihres Auftretens

Christine Mayberger, Schauspieldiva am Wiener Burgtheater

Miloš Ćosić, serbischer Anarchistenführer

Bora Andrić, serbischer Geheimdienstspitzel

Yuri Tarasov, europaweit agierender russischer Impresario

Fritz Matern, Tarasovs Sekretär

Ferdinand Hackenberg, designierter Intendant des Burgtheaters

Ica Szabó, ungarische Anarchistin

Hendrik von Liebenbach, der beste Freund von Prinz Albrecht

Albrecht Prinz von Schwarzburg-Rudolstadt, deutscher Agent

Graf von Taubenstein, Leiter des Deutschen Geheimdienstes

Freiherr von Moellendorf, von Taubensteins Stellvertreter

Kommissär Ägidius Raab, Chefermittler der Wiener Gendarmerie

Gotthilf & Ludwig Scheller, deutsche Anarchisten

Pietro Pascoli, italienischer Anarchist

Jagoš Lazar, Oberst der serbischen Geheimpolizei

Madame Louise, Principalin des Instituts Elysium

Generalmajor Chitow, hoher serbischer Offizier

Generaloberst Šarović, Leiter der serbischen Geheimpolizei

Oskar Glawatsch, Agent des k. u. k. Geheimdienstes

Leutnant Hristić, Jagoš Lazars Adjutant

Victor Komazec, Bahnhofsvorsteher von Vrbas

Edgar von Hengstbach, deutscher Botschafter in Belgrad

Botschafter Garašanin, serbischer Delegationsleiter

Fürst von Schönburg-Hartenstein, österreichischer Delegationsleiter

Elizabeta Kovačević, Jagoš Lazars Verlobte

Aleksandar Obrenović, König von Serbien

Franz Joseph I., Kaiser von Österreich und Apostolischer König von Ungarn

Elisabeth, Kaiserin von Österreich und Apostolische Königin von Ungarn

I

„Mon dieu, ich komme zu spät!“ Christine Mayberger schwingt sich auf die lederbezogene Rückbank des Fiakers.

Schlitzohrig äugt der Kutscher vom Bock aus nach hinten, hebt dann bedächtig die Peitsche.

‚Wo ist mein Spiegel …?‘

Gemächlich setzt sich das Gefährt in Bewegung, rumpelt über das buckelige Kopfsteinpflaster.

Hektisch kontrolliert die junge Frau ihr Aussehen. ‚Der Lidschatten ist zu dunkel …‘

Christine Mayberger ist eine in ganz Wien bewunderte Schönheit, und heute strahlt sie besonders. Und das trotz ihres vor Aufregung geröteten Teints. Das bordeauxfarbene Brokatkleid harmoniert perfekt mit ihren kastanienbraunen Haaren, den hellgrünen Augen. ‚Wenn nur mein Herz nicht so klopfen würde!‘

Sie stößt den Kutscher an. „He, können Sie nicht schneller fahren?“

„Galopp geht nicht, gnä’ Frau. Nicht bei der Straße.“

„Ich zahl Ihnen eine halbe Krone extra!“

„Na schön.“

Der Kutscher richtet sich auf, lässt die Peitsche knallen, der Fiaker beschleunigt, reiht sich im grellen Mittagslicht in den dichten Verkehr auf dem Kärntner Ring ein. Christine weiß, dass der Mann mit Absicht im Schneckentempo gefahren ist, um ihr ein Trinkgeld abzupressen. Das ist ihr heute egal. Hauptsache, sie kommt noch rechtzeitig, alles andere wäre eine Katastrophe! Ihre berufliche Zukunft könnte erheblichen Schaden nehmen, denn Ferdinand Hackenberg gilt als äußerst nachtragend. Christine fürchtet, dass er es ihr auf die eine oder andere Art heimzahlen wird, wenn sie ausgerechnet an diesem Tag …

‚Wenn diese dämliche Mietkutsche nur nicht so langsam wäre!‘

Der Fiaker fährt am k. k. Hof-Operntheater vorbei, am Burggarten, dann an der Hofburg. Als sie das Reichsratsgebäude passieren, kommt der Verkehr zum Erliegen.

‚Auch das noch!‘

Zwei Regimentskapellen marschieren auf dem Franzensring frontal aufeinander zu. Hunderte von Gendarmen, zu Fuß und hoch zu Ross, haben das Gebiet weiträumig abgesperrt. Überall stehen Gaffer, alle Schichten der Wiener Gesellschaft sind hier vertreten.

„Kein Durchkommen, gnä’ Frau.“

Christine beugt sich aus dem Fiaker, sieht zuckende Standartenspitzen, hochglanzpolierte Säbel, goldene Uniformknöpfe, die die Mittagssonne hundertfach reflektieren. Im ersten Moment scheint es, als zögen die Regimenter gegeneinander in die Schlacht. Die Akkuratesse, mit der die Kapellen den Hoch- und Deutschmeister-Marsch spielen, lässt bei Christine keinen Zweifel aufkommen. Jedem Schritt, jedem Ton liegt eingedrillte militärische Präzision zugrunde. ‚Das ist ein Exerzieren, kein Musizieren!‘

Als die ersten beiden Reihen nur noch eine Manneslänge voneinander entfernt sind, bleiben die Kapellen abrupt stehen. Stille.

Christine nutzt ihre Chance: „Fahren Sie durch den Rathauspark. Los, beeilen Sie sich!“

Der Kutscher tut, wie ihm geheißen, stößt mit dem Fiaker durch eine Lücke. Da geht ein Raunen durch die Zuschauer, Christine erschrickt. Vor dem Gespann taucht eine Mutter auf mit einem Baby auf dem Arm. Im letzten Moment kann der Fiaker eine Kollision vermeiden.

Jetzt stechen die Kapellmeister mit ihren Taktstäben in die Luft, Posaunen setzen ein, einige der männlichen Zuschauer werfen begeistert ihre Hüte in die Luft, junge Frauen erröten, zwei Kleinkinder plumpsen auf ihren Hosenboden, fangen an zu weinen.

Der Fiaker durchquert den Park, findet erneut eine Lücke, hält schließlich vor dem südlichen Seitenflügel des Burgtheaters.

„Das haben Sie gut gemacht“, lobt Christine den Kutscher, gibt ihm eine Handvoll Münzen, springt leichtfüßig aufs Pflaster.

Während sie auf das Portal des Südflügels zueilt, rattert es in ihrem Kopf: ‚Wer wird alles da sein, mit wem soll ich sprechen, wem besser aus dem Weg gehen?‘

Überall vor dem imposanten Gebäude stehen Theaterenthusiasten, die ihre Aufregung nur schlecht verbergen können. Heute ist ein großer Tag für die Stadt. Das Burgtheater erhält einen neuen Intendanten, gleich wird er feierlich in sein Amt eingeführt.

Ferdinand Hackenberg ist in Wien kein Unbekannter. Zwar verfügt er über keinerlei Erfahrung in der Leitung eines Theaters, aber als langjähriger Herausgeber des Österreichischen Journals für Literatur und schöne Künste hat er das Burgtheater ungeheuer bekannt gemacht, bis weit über die Grenzen des Reiches hinaus. Dafür erhält er nun die verdiente Belohnung – die Intendanz der bedeutendsten Bühne des deutschsprachigen Raumes.

Noch immer rattert es in Christines Kopf: ‚Als Erstes muss ich Hackenberg gratulieren.‘

Dass er nicht unbedingt die beste Wahl ist, was den Posten des Intendanten angeht, weiß jeder im Ensemble. Christine denkt kurz an den Mann, den sie bei solchen Anlässen so gern an ihrer Seite sieht. Aber das geht nicht, denn Albrecht ist in Berlin, hat vermutlich Wichtigeres im Kopf als eine Gala im Burgtheater.

Zwei livrierte Diener öffnen Christine die Türen. Ein paar Schritte, schon ist sie auf der Kaiserstiege, die zum ersten Rang hinaufführt. Im Gegensatz zur Hitze draußen ist es hier angenehm kühl.

Auf den Stufen drängen sich elegant gekleidete Damen und Herren. Aufgeregt plaudernd.

‚Oh Gott, Greta Stockmoser …‘

Mit ihr hat Christine bis vor vier Jahren in Linz Theater gespielt. Wenn Greta sie jetzt aufhält, wird die ehemalige Kollegin ihr eine geschlagene halbe Stunde lang von den Querelen am dortigen Haus erzählen … ‚Und wie deprimierend die Stimmung im Linzer Ensemble ist. Das kann ich jetzt nicht gebrauchen.‘

Christine ist voller Energie, will schnell nach oben, nicht zu spät kommen, schließlich wird der Kaiser jeden Moment eintreffen.

Sie ist schon fast an der Stockmoser vorbei, als …

„Christine!“

‚Einfach weiter, als hättest du nichts gehört …‘

„Christine! Ich bin es!“

‚Es geht nicht. Ich kann nicht so tun, als wäre Greta nicht da, die Leute drehen sich schon um.‘

„Es tut mir leid, Greta, aber ich werde ganz dringend im Foyer gebraucht, ich …“

„Nur kurz.“

„Bitte. Du weißt doch, wie das ist bei so einem Empfang. Außerdem erwarten wir jeden Moment die Ankunft von …“

„Es geht ganz schnell … Du kennst doch unseren neuen Verwaltungsdirektor in Linz. Dr. Reichenberg.“

„Ja?“

„Gemocht hat ihn ja niemand, aber …“

„Du wolltest es kurz machen.“

„Seine Frau und sein Sohn. Beide tot. Erschossen. Von einem Verrückten. Am helllichten Tag. Der Anschlag galt natürlich ihm. Wahrscheinlich weil Dr. Reichenberg früher in der Wehrbeschaffungsbehörde …“

„Später Greta. Du erzählst mir das ein anderes Mal, ja?“

Christine wartet einen möglichen Einwand gar nicht erst ab, sondern eilt weiter die Treppe hinauf. Doch so schnell, wie sie will, geht es nicht, immer wieder kommt der Fluss auf der langen Kaiserstiege ins Stocken. Verfolgt von bewundernden Blicken kämpft Christine sich Meter um Meter die Treppe hoch. Endlos kommt sie ihr vor, doch … ‚Hoch, immer höher, war das nicht all die Jahre mein Traum?‘

Nur die besten Schauspieler werden an das Burgtheater engagiert. Wer hier spielen darf, hat es in den Olymp geschafft. Die weiblichen und männlichen Stars des Ensembles werden nicht nur glühend verehrt, fast noch mehr interessiert sich der Wiener für die pikanten Skandale der Burgschauspielerdiven.

‚Ob Eleonora Duse auch da ist? Was sie wohl treibt, wenn sie angeblich mal wieder krank ist?‘

Selbst das kleinste Gerücht wird eifrig von allen Seiten beleuchtet.

Als Christine Mayberger endlich im Foyer ankommt, bleibt sie wie angewurzelt stehen. Sie war schon auf vielen Empfängen, doch so etwas hat sie noch nicht gesehen. Alles funkelt und glitzert.

‚Gott, was für ein Einfall …!‘ In der Mitte des Foyers hat man eine Pyramide aus hunderten von Champagnergläsern erbaut, die direkt unter einem großen Kronleuchter steht, als wolle sie ihm entgegenwachsen. Daneben eine kleine Naturlandschaft mit einem Wasserfall. Aus dem schöpft gerade ein hoher Militär Champagner für die Damen, die kichernd und staunend hinter ihm stehen.

Christine überlässt sich der Stimmung. Gretas Geschichte aus der Provinz ist vergessen, selbst die Gedanken an ihre große Konkurrentin Eleonora Duse haben sich in Luft aufgelöst.

Der Raum ist von Stimmen erfüllt, sie hört Deutsch in verschiedenen Dialekten, aber auch Französisch, Russisch und sogar Englisch.

‚Ach, der natürlich, nebst Gattin …‘

Die Diplomaten der verschiedenen Botschaften haben es sich nicht nehmen lassen, heute dabei zu sein. Überall stehen Offiziere, Gesandte und Theaterliebhaber in kleinen und großen Gruppen, debattieren das bevorstehende Ereignis. Die fiebrige Erwartung, die alle ergriffen hat, überträgt sich auf Christine. Sie spürt nicht wenige Blicke auf sich, hat das Gefühl zu schweben.

Von Intendant Hackenberg spricht kaum jemand. Nein, man wartet auf die Ankunft seiner Majestät – Kaiser Franz Joseph I.

***

Miloš Ćosić, ein hagerer Endzwanziger, dessen schüttere Haare am Kopf kleben, schaut vorsichtig durch den Schlitz eines Vorhangs ins Foyer. Er trägt einen Frack, hat sich ein Monokel ins rechte Auge geklemmt und hält einen schwarzglänzenden Zylinder in der Hand.

Hinter ihm in der Abstellkammer steht sein Kampfgefährte Bora Andrić. Der schmächtige Mann trägt die Livree eines Kellners. Nervös schaut der Mittvierziger zu, wie Ćosić zwei Kübel mit Champagner nimmt, sie auf einen Servierwagen stellt, der mit einer weißen Decke verhüllt ist.

„Jetzt gilt es! Bist du bereit?“, fragt Ćosić.

Andrić nickt.

„Du musst ihn ganz nah an die Kaiserloge schieben. Am besten direkt vor die Tür.“

„Hast du mir schon hundert Mal gesagt.“

„Dann sag ich es dir jetzt noch einmal. Es darf nichts schiefgehen.“

„Weiß ich.“

„Und denk immer dran: Die Bombe explodiert in exakt zwanzig Minuten. Es könnte sein, dass du aufgehalten wirst. Dann stell dich dumm.“

Unsicher schaut Andrić zu Ćosić hoch, der ihn um einen halben Meter überragt.

„Und die funktioniert einwandfrei?“

„Natürlich, es ist nicht das erste Mal, dass ich so etwas mache. Du brauchst höchstens zehn Minuten bis zur Kaiserloge. Hast also Zeit genug, dich in Sicherheit zu bringen.“

Ćosić dreht Andrić den Rücken zu, geht in die Hocke und hebt die Stoffdecke des Servierwagens an. Behutsam justiert er den Zeitzünder der Bombe. Doch statt auf zwanzig stellt Ćosić den Zeiger auf zwölf Minuten. Dann erhebt er sich, umarmt seinen Kampfgefährten, lässt heimlich etwas in dessen Tasche gleiten.

„Du schaffst das. Und jetzt los. Ich warte draußen vor dem Nordflügel.“

Andrić nickt. Unsicher. Dann atmet er einmal tief durch, packt den Servierwagen und schiebt ihn durch den Vorhang aus der Abstellkammer.

***

Christine ist unterdessen froh, dass sie das bordeauxfarbene Brokatkleid gewählt hat und nicht weiß trägt, wie die vielen Elevinnen, die jugendlich und auffällig geschminkt im Raum herumlaufen, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Diva hat sich einen ersten Überblick verschafft und erfasst, wer alles da ist und wer mit wem spricht. Schließlich ist sie lange genug am Haus, um zu wissen, dass es bei dieser Feierlichkeit um weit mehr geht als die Inthronisation des neuen Intendanten.

Das Ganze gleicht eher einem Staatsakt, und wie bei einem solchen bringen sich Menschen in Position, wählen ihre Gesprächspartner eher strategisch als nach Lust und Laune.

Wie meistens am Theater ist Gesprächsstoff reichlich vorhanden. Und an diesem Tag geht es ja nicht nur um den neuen Intendanten … Man erwartet den wichtigsten Regisseur des politischen Parketts. Aber noch ist der Monarch nicht da.

Christine will natürlich schnellstens Ferdinand Hackenberg gratulieren, den sie gerade entdeckt hat – er steht zusammen mit einigen Mäzenen und Militärs auf der anderen Seite des Foyers. Doch schon auf halbem Weg wird sie von einem korpulenten Mann aufgehalten, an dessen Statur sie unmöglich vorbeikommt.

„Mademoiselle Mayberger, wir müssen dringend reden.“

Der russische Impresario Yuri Tarasov breitet seine Arme aus, setzt dabei eine Miene auf, als wolle er eine geliebte Tochter begrüßen, die lange auf Reisen war.

Schräg hinter ihm, wie ein schmaler Schatten, steht Tarasovs Sekretär – Fritz Matern. Er mustert Christine kurz, auf sehr indifferente Art. Wie immer hat sie das Gefühl, dass Matern sie nicht mag. Daher ist sie ihm bislang so weit wie möglich aus dem Weg gegangen.

‚Was für ein undurchsichtiger Mensch …‘

Heute wirkt Matern noch angespannter als sonst. Er blickt in die Runde, als müsse er alle im Auge behalten, als sei Yuri Tarasov hier die wichtigste Figur, nicht Kaiser Franz Joseph.

‚Seinen Chef abzuschirmen, gehört natürlich zu Materns Aufgaben‘, überlegt Christine. ‚Ständig versuchen irgendwelche Jungschauspieler, sich bei ihm einzuschmeicheln.‘

Yuri Tarasov ist noch immer außer sich vor Freude über die Begegnung mit Christine. „Wie schön, wie elegant Sie wieder aussehen. Und so à jour“, erklärt er mit einer Lautstärke, dass nicht wenige sich nach ihnen umdrehen. „Wo haben Sie dieses Kleid gekauft? Ach, was rede ich für einen Unsinn! Sie haben es natürlich nicht gekauft, Sie haben es anfertigen lassen.“

„Wie galant Sie wieder sind, Monsieur Tarasov, haben Sie vielleicht ein Anliegen?“

„Aber nein! Nein, ich sage nur, was ich empfinde. Sie kennen mich doch.“

Christine hält ihm die Hand hin, Tarasov beugt sich hinab, deutet einen Handkuss an. Dann richtet er sich zu voller Größe auf und fixiert sie.

„Ein Anliegen habe ich nicht, aber ganz großartige Neuigkeiten!“

Christine blickt am Impresario vorbei zu Intendant Hackenberg. Der ist immer noch mit zwei Militärs und drei Bankiers im Gespräch. Sicher geht es um Geld, und so etwas langweilt Christine. Außerdem ist es sowieso besser, wenn Hackenberg auf sie zukommt, was er zweifellos tun wird, sobald er sie erblickt hat. ‚Ich bin schließlich keine Elevin.‘

Also wendet sie sich nun doch Tarasov zu, der sie noch immer auf eine Weise ansieht, als zöge er in Erwägung, ihr einen Heiratsantrag zu machen.

„Ist Kaiser Franz Joseph schon da? Sitzt er bereits in seiner Loge?“

„Er wird etwas später kommen“, erwidert Tarasov mit einer ernsten, weltmännischen Miene. Dabei interessiert ihn der Kaiser im Moment nicht im Geringsten. Dann platzt es aus ihm heraus: „Eleonora Duse ist krank. Außerdem ist sie kapriziös und leider nicht mehr die Jüngste.“

„Sie ist die bedeutendste Schauspielerin, die wir haben“, entgegnet Christine empört.

„Natürlich ist sie das, aber … Lassen Sie uns doch bitte rausgehen, hier versteht man ja sein eigenes Wort nicht.“

„Rausgehen? Wo jeden Moment der Kaiser eintrifft?“

Tarasovs Sekretär weist mit der Hand Richtung Ausgang, berührt Christine sogar leicht am Arm. „Draußen ist es ruhiger“, erklärt er in einem Ton wie beim Militär.

Das gefällt Tarasov gar nicht: „Lass das Fritz. Siehst du nicht, dass Mademoiselle Mayberger nichts zu trinken hat?“

Matern deutet eine kleine, aber scharfe Verbeugung an und entfernt sich.

Tarasov geht über das Benehmen des Sekretärs hinweg und kommt wieder auf sein eigentliches Anliegen zurück: „Es ist wichtig, Mademoiselle Mayberger, dass Sie genau verstehen. Kommen Sie, lassen Sie uns wenigstens nach da hinten gehen, hier stehen wir ja mitten im Gedränge.“

„Nein.“

„Bitte. Ich muss in Ruhe mit Ihnen reden.“

‚Was ist das nur für eine Art, mich Minuten vor der Ankunft des Kaisers wegzulotsen?‘

Tarasov gibt auf: „Also gut, Mademoiselle Mayberger, ich will es kurzmachen.“

„Das wäre schön.“

„In neun Tagen werde ich in Belgrad eine Galaveranstaltung ausrichten. Anlass dieser Festivität ist der Staatsbesuch unseres geliebten Kaisers Franz Joseph im Königreich Serbien. Ein Ereignis, das sicher große Wellen schlagen wird. Ja, und der serbische König hat sich nun einen Ausschnitt aus der Salome gewünscht. Und da, Mademoiselle Mayberger …“

„… da dachten Sie an mich.“

„Genau.“

„Weil Eleonora Duse krank ist.“

„Aber nein! Aber ganz und gar nicht!“

„Wo bleibt Ihr Sekretär? Er wollte mir doch etwas zu trinken bringen.“

Tarasov blickt sich um. „Ich weiß nicht … wahrscheinlich ist es sehr voll am Champagnerbrunnen. Eine fabelhafte Idee, oder?“

„Sie möchten also wissen, was ich von Ihrem Vorschlag halte?“

„Unbedingt.“

„Ich bin keine Ersatzschauspielerin, ich springe für niemanden ein. Nicht einmal für Eleonora!“

„Sie missverstehen …“

„Ich verstehe sehr gut. Und ich sage nein, Monsieur Tarasov. Jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich möchte Intendant Hackenberg endlich zu seiner Ernennung gratulieren.“

„Aber unsere Salome …!“

„Ich bin hier am Hause engagiert und exportiere Rollen, die ich an der Burg probe, nicht ins Ausland. Schon gar nicht, bevor wir in Wien Premiere hatten.“

„Aber selbst Eleonora Duse …“

„Wenn sie sich bereit erklärt, so etwas zu tun, und mit Ihnen auf Tournee gehen will, so wundert mich das zwar, aber gut, es ist ihre Sache. Ich jedenfalls stehe für solche Eskapaden nicht zur Verfügung.“

Nach dieser verbalen Ohrfeige lässt Christine den Impresario stehen und kämpft sich zu Intendant Hackenberg durch. Auf dem Weg stößt sie mit einem Servierwagen zusammen, den ein unsicher wirkender Kellner durch das Foyer schiebt.

Ein Stapel Servietten fällt zu Boden.

Der Kellner wirkt beinahe verzweifelt ob dieses kleinen Unfalls, es sieht aus, als wolle er fliehen.

Christine weiß, wie man mit Leuten vom Personal umgeht, und der Mann tut ihr auch leid. Also beugt sie sich hinab, obwohl das eigentlich gegen die Regeln verstößt, und hebt die Servietten auf. Als sie wieder hochkommt, bemerkt sie, dass viele der Anwesenden sie ansehen. Überaus wohlwollende Blicke. Man goutiert, dass die große Christine Mayberger sich um einen unwichtigen Kellner kümmert.

Letztes Jahr hat sie in einem der neu aufkommenden naturalistischen Stücke die Rolle einer einfachen Frau gespielt, einer Weberin, die sich für ihre Familie aufopfert. So ist sie vielen noch gut in Erinnerung.

Diese Rolle spontan aufnehmend, beginnt Christine die Servietten auf dem Servierwagen wieder zusammenzufalten. Sie tut das mit den gleichen Bewegungen wie auf der Bühne. Nach jeder zweiten Serviette wischt sie sich mit ihrem rechten Unterarm über die Stirn. Es dauert nur ein paar Augenblicke, dann geht ein Raunen durch das Foyer.

„Exorbitant … Die Mayberger weiß eben, wie eine Dame von Welt sich benimmt … Sie ist nicht so steif wie Eleonora Duse“, hört sie einige Frauen sagen. Die Herren klatschen.

Nur der Kellner macht weiterhin einen äußerst nervösen Eindruck.

Kaum, dass Christine ihren kleinen Auftritt beendet hat, schiebt er den Wagen weiter, so schnell er kann. Kein Wort des Dankes, nicht einmal ein Blick. Aber so etwas hat Christine schon öfter erlebt. Die einfachen Menschen sind häufig überfordert, wenn sich ihnen plötzlich eine Berühmtheit zuwendet.

Nun, ihr Auftritt hat immerhin bewirkt, dass der zukünftige Intendant auf sie aufmerksam geworden ist. Ferdinand Hackenberg kommt mit großen Schritten auf sie zu.

„Mademoiselle Mayberger!“

„Herr Intendant …“ Christine deutet einen höfischen Knicks an. „Endlich sind Sie an dem Ort, von wo aus Sie Ihre reiche Erfahrung, Ihr ganzes Wissen uns Schauspielern zufließen lassen können! Welch ein Glück.“

„Sie machen mich ganz verlegen“, antwortet Hackenberg, wobei sich sein Gesicht vor Stolz und Freude rötet. Offenbar hat Christine genau die richtigen Worte gewählt.

Wieder hat sie das Gefühl, sie würde schweben. Nicht wegen Hackenberg, den hat sie schon öfter um den Finger gewickelt. Nein, es ist viel einfacher. Christine genießt ihr Talent, sich selbst bei einem fast schon höfischen Ereignis vollkommen ungezwungen zu benehmen. Noch vor zehn Jahren hätte man das einer Schauspielerin, und sei sie noch so bekannt, nicht durchgehen lassen. Aber die Zeiten sind dabei, sich zu ändern, selbst am Burgtheater.

„Kaiser Franz Joseph wird doch noch kommen, nicht wahr?“, fragt sie Hackenberg, um ein Thema anzusprechen, zu dem er sicher etwas zu sagen hat. „Ich meine, immerhin hat ein Leitungswechsel an diesem Theater ja eine ungeheure Bedeutung.“

Sie hat Hackenberg genau da gepackt, wo man ihn packen muss. Er beginnt über sich selbst zu sprechen, und Christine muss nur vor ihm stehen und so tun, als würde sie ihm gebannt zuhören.

Jetzt, wo ihre Gedanken frei sind, tut ihr Greta Stockmoser leid: ‚Immer hat sie so düstere Gedanken, immer erzählt sie von dunklen und bedrohlichen Dingen. Warum nur?‘

***

Mit wehenden Frackstößen eilt Miloš Ćosić die Erzherzogstiege zum nördlichen Ausgang hinab. Gerade ist etwas Peinliches und äußerst Gefährliches passiert. Ein älterer Herr hat ihn mit jemandem verwechselt und einige Minuten aufgehalten. Wie viele Minuten? Ćosić weiß es nicht. Er hat gespürt, wie er zu schwitzen anfing, und immer wieder gesagt: „Sie verwechseln mich … Sie verwechseln mich …“ Es war schrecklich.

Und die Treppe nimmt kein Ende.

Ćosić eilt, so schnell es die Beine schaffen, überlegt, ob er seine Uhr ziehen soll, um zu sehen … Aber was würde das nützen? Endlich am Fuß der Treppe. Nur noch ein paar Schritte. Er hat Schwierigkeiten, die schwere Tür zu öffnen.

Gott sei Dank. Er ist draußen.

Vor dem Café Landtmann wartet seine Geliebte und Mitstreiterin Ica Szabó. Ćosić will zu ihr laufen, besinnt sich eines Besseren und mäßigt seinen Schritt. ‚Nicht unnötig auffallen …‘ Dann muss er grinsen. Das blaue Abendkleid passt überhaupt nicht zu der bodenständigen Ungarin. Mit ihrer feuerroten Mähne sollte Ica besser Grün tragen. Sie schaut Ćosić fragend an.

„Du lächelst? Warum?“

„Weil alles so perfekt klappt, mein Vögelchen.“

„Gut. Wann denkst du …?“

Erst jetzt schaut Ćosić auf seine Taschenuhr. „Noch vier Minuten. Und dann … Krawumm!“

Er lacht und Ica stimmt mit ein. Sie hakt sich bei ihrem Freund unter.

Kurz darauf werden die beiden von einem Gendarmen an der Sperre zum Franzensring durchgelassen. Von den Militärkapellen weht ein neuer Marsch herüber.

***

„Es wird noch etwas dauern, bis der Kaiser kommt, oder?“, fragt Christine und fächelt sich Luft zu.

Hackenberg macht sich keine großen Gedanken über die Verspätung des Monarchen: „Sie kennen ihn doch, Mademoiselle Mayberger. Unser Kaiser muss auch an so einem Abend seinen Pflichten nachkommen. Die Staatsgeschäfte hören ja nicht auf, nur weil man in der Burg feiert.“

Der neue Intendant ist ohnehin kein Mensch, den man so schnell aus der Ruhe bringt. Sein Leitspruch lautet: Nur nicht den Kopf verlieren! Also wechselt er das Thema, spricht über das, was ihn wirklich interessiert.

„Die Salome. Wie laufen die Proben?“

„Ganz wunderbar, Herr Intendant. Man hat mir gestern meine Kostüme gezeigt, und ich muss sagen, die Burg scheut keine Kosten.“

„Darüber sprach ich gerade mit Direktor Schwarzenberg. Sein Bankhaus wird uns auch weiterhin großzügig unterstützen. Wenn Sie nach den Ansprachen kurz Zeit hätten …? Er würde sich freuen, Sie kennenzulernen. Er erwähnte eben, dass er wohl mal mit Ihrem Vater zu tun hatte.“

Christine weiß, wer Schwarzenberg ist. Er hat beim Bankrott des väterlichen Unternehmens eine Rolle gespielt, jedenfalls fiel sein Name öfter im Haus. Damals war sie erst fünfzehn und musste einen großen Kampf gegen ihre Mutter führen. Für die war Schauspielerei das Gleiche wie Prostitution. Und jetzt soll sie mit Direktor Schwarzenberg Champagner trinken …?

„Wenn es unserem Theater nützt, werde ich mich bei Gelegenheit gerne zu ihm gesellen, das Fest wird ja sicher noch ein paar Stunden dauern.“

„Ich glaube, Direktor Schwarzenberg beabsichtigt, Sie zum Souper einzuladen.“

„Das geht nicht.“

„Pardon?“

„Nicht außerhalb der Burg, nicht außerhalb dieses Hauses.“

Christine hat das sehr schnell gesagt, hätte vielleicht nicht einen so entrüsteten Tonfall anschlagen dürfen. Andererseits … ‚Was bildet Hackenberg sich ein? Ich bin doch keine Prostituierte!‘ Davon abgesehen ist sein Ansinnen fast schon ein Affront gegen das Deutsche Reich. ‚Bleib ruhig, Christine, lenk besser ein.‘

Sie wirft Hackenberg einen spöttischen Blick zu. „Ihnen dürfte doch bekannt sein, dass ich mit Albrecht Prinz von Schwarzburg-Rudolstadt liiert bin. Mich mit Direktor Schwarzenberg zu verkuppeln … Ich kann manchmal nicht nachvollziehen, was da in Ihrem Kopf vorgeht.“

„Ich sprach von einem Gläschen Champagner, glauben Sie mir.“

„Kann ich mir da sicher sein?“

„Mais bien sûr! Es tut mir leid, Mademoiselle Mayberger, wenn Sie mich falsch verstanden haben. Ich werde sofort mit Direktor Schwarzenberg sprechen und ihm erklären, dass Sie Kopfschmerzen haben.“

„Starke Kopfschmerzen.“

„Natürlich.“

„Danke, Herr Intendant.“

Christine weiß, wie sie mit Männern wie Hackenberg umzugehen hat. Und vielleicht hat er ja wirklich nur an ein harmloses Glas Champagner gedacht. Die Überlegung verflüchtigt sich im Bruchteil einer Sekunde, als sich ein junger Offizier zu ihnen gesellt.

„Wie schön dich zu sehen, Christine.“

„Hendrik …! Welch Überraschung.“

„Ist Albrecht auch hier?“

„Nein, er hat in Berlin zu tun. Ich sprach gerade mit Intendant Hackenberg über ihn.“

„Das taten wir …“, der Intendant räuspert sich verlegen.

Christine bemerkt, dass man bereits zu ihr und dem schneidigen Offizier hinüber sieht. Also hält sie Hendrik etwas formal die Hand hin. Er lächelt, hat verstanden. Kurz und zackig deutet er einen Handkuss an.

Hendrik von Liebenbach hat Christine durch Albrecht kennengelernt. Er ist sein bester und ältester Freund. ‚Dabei sind sie so verschieden. Hendrik hat etwas Musisches und Zartes, während Albrecht eher sportlich veranlagt ist …‘ Vielleicht war die enge Freundschaft zwischen ihm und Hendrik sogar mit ein Grund dafür, dass sie sich in Abrecht verliebt hat. Denn ein Mann, der jemanden wie Hendrik seinen besten Freund nennt, muss noch andere Seiten haben als die, die sie bis jetzt an Albrecht kennt.

„Sag, Hendrik, wenn du hier bist, kann unser Kaiser ja nicht mehr weit sein.“

„Darüber darf ich dir leider nichts sagen.“

Christine entdeckt den Kellner, dem sie vorhin geholfen hat. Er kämpft sich noch immer durch die Menschenmassen. ‚Warum guckt er so verschreckt? Wo will er …?‘

Ihre Reaktion ist schneller als jede weitere Überlegung.

Sie packt Hendrik und reißt ihn mit sich zu Boden. Keine Sekunde zu früh.

Die Luft scheint sich einen Moment lang einzutrüben, den Bruchteil einer Sekunde später füllt die Druckwelle das gesamte Foyer. Menschen, Glas, Gegenstände werden durch den Raum geschleudert, aus harmlosen Messern, Gabeln und Champagnergläsern werden gefährliche Schrapnelle. Fenster fliegen aus den Rahmen. Wartende vor dem Burgtheater, die hoffen, einen Blick auf ihren geliebten Kaiser werfen zu können, sehen sich einem Regen aus scharfkantigen Glassplittern ausgesetzt, der sich über sie ergießt. Es ist, als hätte jemand eine große Schale Zucker ausgeschüttet.

Selbst hier draußen ist die Druckwelle deutlich zu spüren. Vor dem Südportal bäumen sich die Pferde von zwei Droschken auf und gehen durch. Ein vollbesetzter Fiaker kollidiert mit einem von Kaltblütern gezogenen Brauereigespann.

Doch Lärm und Chaos währen nicht lange. Auf einmal tritt eine vollkommene Stille ein, in die sich erst allmählich das Schreien und Stöhnen der Verwundeten mischt.

Als sich die ersten Überlebenden aufrichten, fällt ihr Blick auf Intendant Hackenberg. Sein Kopf fehlt. Er wurde so sauber vom Rumpf abgetrennt, als habe ein Scharfrichter mit fachlicher Kenntnis das Beil geschwungen. Der Anblick ist grotesk, man könnte meinen, das Ganze sei ein Bühnenarrangement aus einem Shakespearedrama.

Hackenbergs voluminöser Leib nimmt so viel Raum ein, dass man den zarten Körper, der unter ihm liegt, zunächst gar nicht bemerkt. Erst als der Leichnam des Intendanten zur Seite gerollt wird, entdeckt man, dass unter ihm der blutdurchtränkte Leib einer Frau liegt. …

Es vergehen lange Sekunden, ehe eine der Elevinnen aufschreit: „Mein Gott, das ist die Mayberger. Das Kleid, die Haare … Gütiger! So zu enden. So entwürdigt, so … unter ihm.“

Immer mehr Verletzte beginnen sich zu regen. In der Luft steht ein Nebel aus Staub und pulverisiertem Mörtel. Alles ist mit einer feinen, grauen Schicht bedeckt, in der sich die Körper der Schwerverletzten winden. Das Foyer, eben noch ein Ort äußerster Pracht, ist ein einziges Trümmerfeld.

***

Miloš Ćosić und seine Gefährtin Ica gehen die Rotenturmstraße entlang. Ćosić ist in beinahe heiterer Art aufgeregt. Sehr viel geht da hin und her in seinem Kopf.

Vor kaum einer viertel Stunde war die Explosion in der ganzen Wiener Altstadt zu hören gewesen, und die Szenerie gerade auf dem Stephansplatz kam ihm fast gespenstig vor. Die Menschen standen in Gruppen zusammen, wirkten wie eingefroren. Nur hier und da zeigte jemand in irgendeine Richtung, einige wendeten ihre Köpfe. Mal hier hin, mal dort hin. Offenbar herrschte keine Einigkeit darüber, aus welcher Richtung das dumpfe, laute, man könnte fast sagen kriegerische Geräusch gekommen war. Miloš Ćosić musste sich beherrschen. Am liebsten hätte er in Richtung des Burgtheaters gezeigt und es allen gesagt: ‚Da! Es kommt von der Burg! Da ist gerade eine Bombe explodiert!‘

Schon kommt ihm ein neuer Gedanke. Sind er und Ica auf dem Stephansplatz zu auffällig gewesen? Die einzigen, die sich zielstrebig, geradezu schnell bewegten. Hätten die anderen gewusst, woher die Explosion gekommen war, man wäre möglicherweise auf sie aufmerksam geworden, hätte ihr schnelles Gehen als Flucht gedeutet.

So gesehen ist es gut, dass sich Ica inzwischen bei ihm eingehakt hat. Miloš spürt einen starken Druck, der etwas von einem festen Klammergriff hat. Hat sie ihn eben nicht regelrecht über den Stephansplatz gezogen? Wie mochten sie auf die anderen gewirkt haben? Vielleicht hat der eine oder andere gedacht, er sei betrunken und würde nun von seiner Frau nach Hause bugsiert. Eine unmögliche Situation. Schließlich ist er der Anführer der Gruppe, derjenige, der Ereignisse voraussieht und mit Umsicht plant.

Ćosić kommt nicht dazu, weiter darüber nachzudenken, denn Ica zieht ihn, kaum dass sie am Erzbischöflichen Palais vorbei sind, in eine Tordurchfahrt.

„Was …?“, fragt er, in Gedanken noch ganz woanders.

„Beruhig dich, Miloš.“

„Wie?“

„Du bewegst dich, als wärst du nicht von dieser Welt.“

„Unsinn! Und völlig unwichtig. Wir müssen weiter. Die anderen warten auf Nachricht.“

„Genau deshalb will ich mit dir sprechen.“

„Worüber?“

„Ist Andrić sicher tot?“

„Würde mich wundern, wenn er das überlebt hätte.“

„Und wie willst du das unseren Genossen verkaufen?“

„Na, so wie immer. Geradeheraus. Direkte Aktion. Andrić war ein Verräter und wurde bestraft.“

„Und das findest du sicher besonders schlau, ja?“

„Wovon redest du?“ Ćosić ist noch nicht ganz bei der Sache, man sieht es an seinem Blick, den Bewegungen der Augen.

„Ich werde es dir erklären“, sagt Ica, hält ihn dabei noch immer mit festem Griff am Arm. „Wenn du den anderen sagst, dass Andrić ein Verräter war, kriegen sie Angst, dass wir auffliegen. Sie kriegen auch Angst vor dir, denken: Gestern Abend haben wir noch zusammen getrunken und heute tötet er einen von uns.“

„Aber irgendwas muss ich ihnen sagen, die Genossen werden fragen, wo Andrić bleibt.“

„Du sagst, er sei im Foyer aufgehalten worden und hätte sich geopfert, um die Bombe doch noch, wie abgemacht, vor der Kaiserloge zu platzieren. Wir treffen uns nicht sofort mit ihnen, sollen sie ruhig glauben, wir wären auch tot. Dann erklären wir ihnen, dass es uns fast erwischt hätte.“

„Die Genossen belügen?“

„Nicht belügen. Wir nehmen ihnen die Angst. Wir machen einen Helden aus Andrić. Das ist viel besser als die Geschichte von einem Verräter.“

„Vielleicht singen wir für ihn.“

„Was ich gesagt habe, war nicht witzig gemeint.“

„Du hast wirklich überhaupt keinen Humor, Ica. Genießt du denn nie etwas? Woran denkst du in so einem großen Moment wie diesem?“

„Wie wir so schnell wie möglich aus Wien wegkommen.“

„Hast du etwa Angst vor den hiesigen Gendarmeriebütteln?“

„Vor denen weniger.“

„Sondern?“

„Der stärkste Verbündete von Österreich-Ungarn ist Deutschland …“

„Ach komm, Ica, Berlin ist weit weg. Und ich glaube kaum, dass die irgendwelche Kriminalen nach Wien schicken.“

„Solche nicht. Aber manche unserer Genossen munkeln, dass sie in Berlin eine spezielle Abteilung eingerichtet haben. Eine Art Geheimdienst. Leute, die sich mit Anschlägen wie unserem befassen.“

„Geschwätz, Ica. Und selbst wenn: Da sitzen ein paar Kommissköppe beisammen, palavern, trinken teuren Schnaps und sondieren lang und weitschweifig die Lage. Bis die sich zu irgendeiner Aktion durchgerungen haben, sind wir längst weg.“

Ica lässt Miloš Ćosićs Arm los und richtet ihm ein wenig die Kleidung. Er merkt, dass sie nervös ist. Sicher wegen dieser angeblichen Geheimabteilung in Berlin. Auch er hat schon Genossen darüber reden hören. In seinen Augen wird der Feind ständig überschätzt. Außerdem lieben es manche Dynamitarden, viel zu reden, wenn der Tag lang ist. Hitzköpfe eben.

***

Seit Berlin Reichshauptstadt ist, hat es sich in nur wenigen Jahrzehnten einschneidend verändert. Die Stadt ist enorm gewachsen, über eine Million Menschen sind in die ehemals beschauliche Garnisonstadt gezogen, um in den neuentstehenden Fabriken zu arbeiten. Überall wird gebaut, Mietskasernen für die Neuankömmlinge schießen in die Höhe, es entstehen repräsentative Regierungsbauten.

Deutschland ist zur Weltmacht geworden, Berlin zur Weltstadt. Was sich im Stadtbild deutlich niederschlägt. Die beschauliche Altstadt ist einem hochmodernen Zentrum gewichen, Ministerien und Verwaltungsgebäude siedeln sich unweit des neuen Reichstags an.

Vis-à-vis der Moltkebrücke, nur wenige Schritte vom Deutschen Parlament entfernt, liegt das wuchtige Gebäude, in dem der Große Generalstab seinen Sitz hat. Etwas versteckt, im obersten Stock des Seitenflügels, befindet sich eine Abteilung, von deren Existenz die meisten Untertanen von Kaiser Wilhelm II. noch nie gehört haben. Die Abteilung III b, der militärische Nachrichtendienst der preußischen Armee.

Albrecht Prinz von Schwarzburg-Rudolstadt sitzt in einem Fauteuil und betrachtet nachdenklich die Havanna und die Asche, die bereits eine Länge von zweieinhalb Zentimetern hat. Bislang ist sein Tag äußerst angenehm verlaufen. Am Morgen ritt er mit seinem Großneffen Kronprinz Wilhelm im Tiergarten aus, genoss danach im Hotel Kaiserhof ein exklusives Menü und ließ sich am Nachmittag bei Albert Hoffa nach der neuesten schwedischen Massagetechnik durchwalken. Obwohl Albrecht die dreißig gerade erreicht hat und neben dem Reitsport auch Boxen, Rudern und Tennis betreibt, hat ihm der Orthopäde die Wichtigkeit einer geschmeidigen Muskulatur für seinen Bewegungsapparat eindringlich nahegebracht.

Im Vergleich zu Albrecht, der rank und schlank ist, was durch einen maßgeschneiderten weißen Anzug noch unterstrichen wird, sind die beiden Herren ihm gegenüber in weniger guter Verfassung. Aufgrund ihrer Bürotätigkeit und mangelnder Bewegung haben Generaloberst Graf von Taubenstein und sein Stellvertreter Generalmajor Freiherr von Moellendorf bereits etlichen Speck angesetzt, sodass sie in ihren Uniformen schwitzen.

Albrecht ist das Aussehen der beiden Geheimdienstoffiziere allerdings ziemlich egal. Er stört sich vielmehr an der ungeheuren Leichtfertigkeit, mit der sie die derzeitige Situation auf dem europäischen Kontinent einschätzen.

Etliche Konkurrenzkämpfe zwischen den Großmächten haben in den letzten Jahren das Misstrauen immer größer werden lassen. Der russische Zar versucht, auf Kosten des mürben Osmanischen Reiches seinen Einfluss zu vergrößern. Gleichzeitig kollidiert sein Gebietsanspruch auf dem Balkan mit den Interessen der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, die dort mit der zunehmenden Rebellion vernachlässigter Volksgruppen zu kämpfen hat. Das Deutsche Reich verhält sich dabei oft ungeschickt, vergrößert die missliche Lage häufig durch Fehlentscheidungen.

Das Schlimmste ist in Albrechts Augen jedoch die erstaunliche Unfähigkeit, mit der die Großmächte durch ihre katastrophale Verständigung eine friedlichere Lage verhindern. Ohne sich der Gefährlichkeit ihres Tuns bewusst zu sein, wird jeder vernünftige Interessenausgleich von vornherein abgewehrt. Die beteiligten Akteure erinnern Albrecht an einen prahlerischen Akrobaten, der mit somnambuler Sicherheit tagein, tagaus auf einem Seil über dem Abgrund balanciert, bis er plötzlich aus heiterem Himmel die Balance verliert und abstürzt. Etwas Ähnliches befürchtet er auch für Europa, wenn er die Zeitgenossen hört, die zunehmend auf das reinigende Gewitter eines Krieges hoffen. Eines Krieges, der angeblich alle Probleme beseitigen wird.

Auch von Taubenstein und von Moellendorf vertreten insgeheim diese These. Sie lieben es zu zündeln, Konflikte noch anzuheizen. Außerdem stehen ihnen die Interessen der deutschen Rüstungsindustrie erheblich näher als das Wohl der einfachen Bürger. Das macht Albrecht die beiden Militärs besonders widerwärtig.

„Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser, wie unser Kaiser zu sagen pflegt“, erklärt von Moellendorf, wobei seine rechte Hand nach einem Cognacschwenker greift.

„In dem Punkt denkt mein kaiserlicher Cousin ausgesprochen merkantilistisch“, erwidert Albrecht. „Wer das neue Deutschland will, der muss auch die Flotte wollen. Sonst könne das Reich nicht erfolgreich am weltweiten Handel teilnehmen, hat er mir noch vor drei Tagen gepredigt.“

„Deswegen haben wir ja auch die Gründung des Deutschen Flottenvereins angestoßen“, erklärt sich nun Graf von Taubenstein.

„Ich dachte, das wäre von Krupp ausgegangen …“

„Sagen wir mal, dass er uns die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt hat“, lächelt von Moellendorf süffisant, schwenkt sein Glas, riecht und befindet den Cognac für exzellent. Allemal wert, mehr als einen Schluck zu riskieren.

„Ich bin mir nicht sicher, ob unseren englischen relatives Wilhelms Flottenpläne gefallen werden“, kontert Albrecht. „Meine Großtante Victoria könnte das als Bedrohung auffassen.“

„Britannien wird sich damit abfinden müssen, dass Deutschlands Wirtschaftskraft weiter steigt“, sagt Generaloberst von Taubenstein. „Das ist doch der Grund, warum sich England über den Ausbau unserer Flotte mokiert …“

Von Moellendorf nimmt einen weiteren Schluck, holt dann tief Luft und donnert, als stünde er vor hundert Männern: „Weil wir sie in den meisten wirtschaftlichen Bereichen längst abgehängt haben!“

„Trotzdem sollte das Reich nicht riskieren, Britannien zu brüskieren“, erklärt Albrecht knapp und fragt sich, wann die Zigarrenasche wohl abfällt. Meistens kann er den Zeitpunkt genau vorhersagen. „Das Vereinigte Königreich könnte sonst zu Maßnahmen greifen, die die Stabilität unseres Landes gefährden, zum Beispiel das Bündnis zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn gezielt sabotieren.“

„Da wären sie nicht die Einzigen. In dem Punkt machen uns momentan die Serben mehr zu schaffen, Albrecht.“

„Inwiefern?“

„Die Schwarze Hand. Sagt dir das was?“

„Dieser serbische Geheimbund?“

Von Taubenstein und von Moellendorf nicken.

Albrecht streicht sich über seinen blonden Schnurrbart. „Gibt es den wirklich? Ich habe das immer für eine Zeitungsente gehalten.“

„Bedauerlicherweise ist die Schwarze Hand sehr real. Und eine echte Gefahr für das Deutsche Reich. Eine exorbitante Gefahr, wenn ich so sagen darf!“, erklärt von Moellendorf, blickt dabei Richtung Cognacflasche.

„Ihr Ziel ist ein großserbisches Reich“, fügt von Taubenstein hinzu. „Sie wollen ihr Land mit Bosnien und Herzegowina vereinigen. Um das zu erreichen, schrecken sie auch vor umstürzlerischen Mitteln nicht zurück.“

„Unsere serbische Quelle hat uns wissen lassen, dass die Schwarze Hand eine Verschwörung vorbereitet, die das Deutsche Kaiserreich, Österreich-Ungarn und das Königreich Serbien auseinanderbringen soll.“

„Fahre bitte für einige Tage nach Belgrad und überprüfe, ob an der Angelegenheit etwas dran ist.“

Der Prinz zögert mit der Antwort, gibt vor, darüber nachzudenken. Aber selbstverständlich wird er ablehnen und den beiden Geheimdienstoffizieren nicht dabei helfen, einen Krieg heraufzubeschwören. Albrecht streicht seine blonden Haare zurück und … ‚Jetzt!‘ … sieht, wie die Zigarrenasche abfällt.

„Das wird nicht gehen. Ab nächste Woche bin ich für zwei Monate in Nizza. Anschließend muss ich nach London. Queen Victoria feiert ihr einundsechzigstes Thronjubiläum.“

Die Leiter des Geheimdienstes tauschen einen frustrierten Blick aus und nehmen nun beide einen Schluck von dem schweren Cognac, den ihnen ihr eigensinniger Besucher mitgebracht hat. Sie wissen, dass Druck bei Albrecht nichts bewirkt. Ganz im Gegenteil. Obwohl er ihr mit Abstand bester Geheimagent ist und sie ihn nur zu gern für eine Leitungsfunktion gewinnen möchten, können sie schon froh sein, wenn er hin und wieder einen Auftrag für sie übernimmt.

Als Cousin von Kaiser Wilhelm II. hat Albrecht nicht nur vielfältige gesellschaftliche Verpflichtungen, sondern bezieht als dritter Sohn des Hauses von Schwarzburg-Rudolstadt auch eine großzügige Apanage, die ihm ein sorgenfreies Leben ohne Arbeit ermöglicht. Und Albrecht scheint fest entschlossen, dieses Leben vor allem dem Müßiggang zu widmen.

„Wir bräuchten wirklich deine Hilfe, Albrecht. Im Moment sind alle anderen Agenten im Einsatz.“

„Was ist denn mit eurem ständigen Mann vor Ort? Wieso kümmert er sich nicht darum?

„Der Agent wurde vor vier Tagen in Belgrad erschossen. Wir wissen nicht, von wem. Aber alles deutet auf die Schwarze Hand.“

„Deswegen möchten wir auch an deinen Korpsgeist appellieren. Als Oberstleutnant der Reserve darfst du deine Kameraden nicht hängen lassen.“

Ehe Albrecht antworten kann, klopft es an der Tür.

„Herein“, donnert von Taubenstein.

Ein Adjutant betritt das Büro: „Generaloberst, es ist gerade eine wichtige Depesche aus Wien gekommen.“ Er übergibt von Taubenstein ein Fernschreiben, salutiert schneidig und verlässt den Raum.

Der Leiter des Geheimdienstes überfliegt das Schriftstück. „Unglaublich! Auch das noch … Jetzt geht es gegen unsere österreichischen Verbündeten. In Wien hat es ein Attentat gegeben. Offenbar galt es Kaiser Franz Joseph.“

„Wo genau hat es stattgefunden?“, fragt Albrecht.

„Im Burgtheater. Hier steht, der neue Intendant Hackenberg sowie mehrere Ensemblemitglieder und Gäste sind ums Leben gekommen.“

Abrupt steht Albrecht auf, nickt den Geheimdienstoffizieren knapp zu und verlässt ohne weitere Erklärung das Büro.

Draußen ist Kaiserwetter, aber Albrecht nimmt es nicht wahr. Er bemerkt nicht, wie Kinder von der Moltkebrücke zum Baden in die Spree springen, übersieht das dünne Mädchen, das ihm einen Korb mit Boutonnièren zum Kauf hinhält, registriert nicht einmal die Arbeiter, die ein ausgestopftes Kamel in das neu entstandene Kolonialmuseum hineintragen. Albrecht steht unter Schock. Ein Name geht ihm immer wieder durch den Kopf: ‚Christine …‘

Er mag nicht daran denken, was sein wird, wenn seine Geliebte unter den Anschlagsopfern ist.

‚Nach Wien … Sofort nach Wien.‘

Albrecht springt auf die Fahrbahn, hält eine Pferdedroschke an.

„Schnell! Zum Anhalter Bahnhof!“

***

Wien ist bekannt für seine prachtvollen Gebäude, und das Café Central in der Herrengasse lässt den Besucher unwillkürlich an ein Palais im Stile des venezianischen Trecento denken. In einer Ecke der prachtvollen Säulenhalle sitzen Miloš Ćosić und seine Gefährtin Ica Szabó an einem kleinen Tisch, nachdem sie stundenlang durch die Stadt gelaufen sind.