Beschreibung

Ystad, Schweden, 2002: Wallander fühlt sich ausgebrannt. Dass seine Tochter und Kollegin Linda noch bei ihm wohnt, macht seine Laune nicht besser. Von einem Haus im Grünen erhofft er sich Erholung, dann aber findet er dort eine skelettierte Hand, und den Kommissar erwartet ein neuer Fall. Die Frauenleiche, die zu der Hand gehört, wurde schon vor rund sechzig Jahren vergraben. Diese packende neue Wallander-Geschichte ist ein Leckerbissen für Krimi-Leser.

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Seitenzahl: 164

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Henning Mankell

Mord im Herbst

(Leseprobe)

Ein Fall für Kurt Wallander

Mit einem Nachwort des Autors

Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt

Paul Zsolnay Verlag

Das schwedische Original Händelse om hösten erschien zuerst in niederländischer Übersetzung 2004 bei De Geus in Breda. Die schwedische Erstausgabe erschien 2013 unter dem Titel Handen bei Leopard Förlag in Stockholm.

ISBN 978-3-552-05664-0

© Henning Mankell 2004

Published by agreement with Leopard Förlag, Stockholm, and Leonhardt & Høier Literary Agency A/S, Copenhagen.

Alle Rechte der deutschsprachigen Ausgabe:

© Paul Zsolnay Verlag Wien 2013

Umschlaggestaltung und Motiv: David Hauptmann, Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich

Satz: Eva Kaltenbrunner-Dorfinger, Wien

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Datenkonvertierung E-Book:

Kreutzfeldt digital, Hamburg

Inhalt

Mord im Herbst

Anhang

Nachwort

Die Wallander-Romane

MORD IM HERBST

3.

Wallander ging zurück zur Mariagatan. Er fühlte sich gelöst und zugleich nachdenklich. Als er ins Auto stieg, begann es heftig zu regnen. Er verließ Ystad auf dem Österleden und überlegte, wie viele Jahre es her war, seit er diesen Weg genommen hatte, um seinen Vater zu besuchen.

Es dauerte eine Weile, bis ihm das Jahr einfiel. Es war lange her. Seit ihrer letzten gemeinsamen Reise nach Rom waren schon einige Jahre vergangen.

Er dachte daran, wie er seinem Vater gefolgt war, der sich davongeschlichen hatte, um allein einen Spaziergang in Rom zu machen. Wallander schämte sich noch immer, dem Vater nachspioniert zu haben, um zu sehen, wohin er wollte. Dass sein Vater alt und nicht mehr ganz klar im Kopf gewesen war, konnte nicht als Entschuldigung für die Überwachung herhalten. Warum hatte er ihn nicht in Ruhe gelassen, als er sich in Rom in seinen Erinnerungen bewegte? Warum war er ihm gefolgt? Es war zu einfach, zu sagen, dass er sich Sorgen gemacht hätte, es könnte dem Vater etwas zustoßen.

Wallander erinnerte sich gut an das Gefühl von damals. Er hatte sich keine besonderen Sorgen gemacht. Er war ganz einfach neugierig gewesen.

Es war, als ob die Zeit schrumpfte. Es hätte gestern gewesen sein können, dass er auf dieser Straße fuhr, um seinen Vater zu besuchen, mit ihm Karten zu spielen, einen Schnaps zu trinken und dann einen Streit über etwas vollkommen Bedeutungsloses anzufangen.

Der Alte fehlt mir, dachte Wallander. Schließlich war er der einzige Vater, den ich habe. Oft war er ziemlich ätzend und konnte mich zur Weißglut bringen. Aber er fehlt mir. Daran führt kein Weg vorbei.

Er nahm die vertraute Abfahrt und erkannte das Dach des Hauses, das seinem Vater gehört hatte, bog aber nicht auf den Zufahrtsweg ein, sondern fuhr in die entgegengesetzte Richtung weiter.

Nach zweihundert Metern hielt er an und stieg aus. Der Regen hatte nachgelassen.

Karl Erikssons Haus lag in einem verwahrlosten Garten. Es war ein alter Schonenhof mit ehemals zwei Flügeln. Jetzt war der eine verschwunden, vielleicht war er abgebrannt, vielleicht abgerissen. Das Haus mit dem Garten lag einsam, wie hingeworfen, auf dem Acker. Weit entfernt hörte Wallander einen Traktor. Der Boden war gepflügt und wartete auf die Winterdecke.

Wallander öffnete das knirschende Tor und betrat den Hofplatz. Der Kiesweg war wohl seit Jahren nicht mehr geharkt worden. Eine Krähenschar protestierte in einer hohen Kastanie direkt vor dem Haus. Vielleicht war es ein von alters her gehegter und gepflegter Baum. Wallander hielt inne und lauschte. Er musste die Geräusche mögen, die ein Haus umgaben, um überlegen zu können, ob er darin leben wollte. Wenn das Geräusch des Windes oder die Stille ihm nicht richtig vorkam, konnte er ebenso gut gleich wieder kehrtmachen und wegfahren. Aber was er hörte, machte ihn ruhig. Es war die Stille des Herbstes, des schonischen Herbstes in Erwartung des Winters.

Wallander ging um das Haus herum. Auf der Rückseite standen ein paar Apfelbäume, Johannisbeersträucher und einige verfallene Steinmöbel. Er streifte durchs Herbstlaub, stolperte über etwas auf dem Boden, vielleicht waren es die Reste einer alten Harke, und kehrte dann zurück zur Vorderseite des Hauses. Er tippte, welcher Schlüssel der richtige sein mochte, steckte ihn ins Schlüsselloch und drehte um.

Drinnen roch es dumpf und muffig. Ein herber Altmännergeruch. Er ging durch die Zimmer. Die Möbel waren altmodisch, an den Wänden hingen Bilder mit Sprichwörtern. Ein alter Fernsehapparat stand in dem Zimmer, das wohl das Schlafzimmer des alten Mannes gewesen war. Wallander ging in die Küche. Der Kühlschrank war abgeschaltet. In der Spüle lag eine halb verweste Maus. Er stieg die Treppe ins Obergeschoss hinauf, das lediglich ein Dachboden ohne Einrichtung war. Ihm war klar, dass das Haus viel Arbeit verlangen würde. Und es würde nicht billig werden, selbst wenn er vieles selbst machen konnte.

Er ging wieder nach unten, setzte sich vorsichtig auf ein altes Sofa und wählte die Nummer des Polizeipräsidiums. Es dauerte eine ganze Weile, bis Martinsson sich meldete.

»Wo bist du?«, fragte Martinsson.

»Früher fragte man, wie es den Leuten geht«, antwortete Wallander. »Heute fragt man, wo sie sich aufhalten. Unsere Begrüßungsformeln haben wirklich eine Revolution durchgemacht.«

»Rufst du an, um mir das zu sagen?«

»Ich sitze in dem Haus.«

»Was findest du?«

»Ich weiß nicht. Das Haus kommt mir fremd vor.«

»Es ist ja das erste Mal, dass du da bist. Natürlich ist es fremd.«

»Ich möchte gern wissen, welchen Preis ihr euch vorgestellt habt. Ich will nicht anfangen, mir Gedanken zu machen, bevor ich es weiß. Dir ist wohl klar, dass hier eine Menge zu tun ist.«

»Ich bin da gewesen. Ich weiß.«

Wallander wartete. Er hörte Martinsson atmen.

»Es ist gar nicht einfach, mit guten Freunden Geschäfte zu machen«, sagte Martinsson schließlich. »Das wird mir jetzt klar.«

»Betrachte mich als Feind«, entgegnete Wallander heiter. »Aber ruhig als armen Feind.«

Martinsson lachte.

»Wir hatten an einen Spottpreis gedacht. 500.000. Nicht mehr und nicht weniger.«

Wallander hatte sich schon ausgerechnet, dass er höchstens 550.000 bezahlen konnte.

»Das ist zu teuer«, sagte er.

»Du spinnst wohl. Ein Haus in Österlen.«

»Es ist eine Bruchbude.«

»Wenn man ein paar Hunderttausend investiert, ist es ein ganzes Stück mehr wert als eine Million.«

»Ich kann 475.000 bezahlen.«

»Nein.«

»Dann vergessen wir die Sache.«

Wallander beendete schnell das Gespräch. Dann blieb er mit dem Telefon in der Hand stehen und wartete. Er zählte die Sekunden. Es vergingen vierundzwanzig, bis Martinsson wieder anrief.

»Sagen wir 490.000.«

»Dann geben wir uns telefonisch die Hand darauf«, antwortete Wallander. »Richtiger gesagt, ich nehme es per Handschlag für vierundzwanzig Stunden. Ich muss mit Linda reden.«

»Tu das. Bis heute Abend.«

»Warum denn diese Hast? Ich brauche vierundzwanzig Stunden.«

»Die bekommst du. Aber nicht mehr.«

Sie beendeten das Gespräch. Wallander verspürte einen Anflug von Freude. War er jetzt kurz davor, den langjährigen Traum von einem Haus auf dem Lande zu verwirklichen? Nicht weit entfernt vom Haus seines Vaters, in dem er so viel Zeit verbracht hatte?

Er lief die Treppe hinauf und ging noch einmal durchs Haus. In Gedanken begann er, Wände einzureißen, neue elektrische Leitungen zu legen, zu tapezieren und zu möblieren. Er hatte Lust, Linda anzurufen, beherrschte sich jedoch.

Es war zu früh, um zu berichten. Er war noch nicht ganz überzeugt. Erneut ging er durchs Erdgeschoss, blieb hier und da stehen und lauschte, betrat das nächste Zimmer. An den Wänden hingen verblasste Fotografien der Menschen, die einmal hier gelebt hatten. Zwischen zwei Fenstern im größten Zimmer hing eine kolorierte Luftaufnahme des Hofes.

Er dachte, dass die ehemaligen Bewohner noch in den Wänden atmeten. Aber es gibt keine Gespenster, sagte er sich. Es gibt keine, weil ich nicht an Gespenster glaube.

Er trat auf den Hof hinaus. Der Regen hatte aufgehört. Die Wolken verzogen sich. Er betätigte ein paar Mal den Schwengel einer Pumpe, die mitten auf dem Hof stand. Es knirschte und rasselte, aber das Wasser, das kam, war zunächst braun, doch dann vollkommen klar. Er nahm einen Schluck davon und sah in Gedanken schon einen Hund, der aus einer Schale neben ihm Wasser trank.

Er machte noch eine Runde ums Haus und kehrte dann zu seinem Wagen zurück.

Erst als er die Tür schon geöffnet hatte, hielt er inne. Ihm war ein Gedanke gekommen. Zunächst konnte er ihn nicht klar umreißen und runzelte die Stirn. Etwas hatte in ihm klick gemacht. Er hatte etwas gesehen. Etwas, was nicht in Ordnung war.

Er wandte sich noch einmal zum Haus um. Etwas hatte sich in seiner Erinnerung festgesetzt.

Dann kam er darauf. Er war auf der Rückseite des Hauses über etwas gestolpert, das auf dem Boden gelegen hatte. Eine alte Harke oder vielleicht eine Baumwurzel. Es hatte ihn innehalten lassen.

Er hatte etwas gesehen. Ohne zu sehen.

4.

Wallander kehrte zur Rückseite des Hauses zurück. Zuerst war er unsicher, wo er gestolpert war. Er verstand auch nicht, warum es ihm plötzlich wichtig war, zu untersuchen, worüber er gestolpert war.

Er suchte den Boden ab. Bald hatte er gefunden, was er suchte. Lange starrte er auf das Ding, das aus der Erde ragte. Erst stand er reglos, dann umkreiste er den Gegenstand, der vor ihm lag. Schließlich ging er in die Hocke. Seine Knie knackten. Es bestand kein Zweifel daran, was dort, halb begraben, vor ihm lag. Es waren nicht die Reste einer alten Harke. Es war auch keine Baumwurzel.

Es war eine skelettierte Hand. Die Knochen waren braun, aber er war sicher. Aus der braunen Erde ragten die Reste einer menschlichen Hand.

Wallander richtete sich auf. Die Alarmglocke, die anschlug, als er gerade in seinen Wagen steigen wollte, hatte ihn nicht genarrt.

Er blickte sich um. Es waren keine anderen Knochenreste zu sehen. Nur die aus der Erde ragende Hand. Er beugte sich nieder und stocherte vorsichtig im Boden. Lag darunter ein ganzes Skelett, oder war es nur diese Hand? Er vermochte es nicht zu sagen.

Die Wolken waren abgezogen. Die Oktobersonne wärmte zaghaft. In der hohen Kastanie zeterten die Krähen wie bei seiner Ankunft. Die ganze Situation kam Wallander unwirklich vor. Er war an einem Sonntag hier herausgefahren, um ein Haus zu besichtigen, das er vielleicht kaufen würde. Zufällig stolpert er im Garten über die Hand eines Toten.

Wallander schüttelte zweifelnd den Kopf. Dann rief er im Polizeipräsidium an. Wieder dauerte es eine ganze Weile, bis Martinsson sich meldete.

»Weiter kann ich mit dem Preis nicht heruntergehen. Meine Frau findet, dass ich schon viel zu gutmütig gewesen bin.«

»Es geht nicht um den Preis.«

»Worum denn dann?«

»Komm her.«

»Ist was passiert?«

»Komm her. Tu es einfach. Komm.«

Martinsson begriff, dass es sich um etwas Wichtiges handelte. Er stellte keine weiteren Fragen. Wallander ging im Garten auf und ab und untersuchte den Boden, während er darauf wartete, dass der Polizeiwagen auftauchte. Es dauerte neunzehn Minuten. Martinsson war schnell gefahren. Wallander ging ihm zur Vorderseite des Hauses entgegen. Martinsson wirkte besorgt.

»Was ist denn passiert?«

»Ich bin gestolpert.«

Martinsson sah ihn verblüfft an.

»Und deshalb rufst du an und lässt mich kommen?«

»Gewissermaßen ja. Ich möchte, dass du dir ansiehst, worüber ich gestolpert bin.«

Sie gingen hinters Haus. Wallander zeigte auf die Knochen. Martinsson zuckte zusammen.

»Was ist das, verdammt noch mal?«

»Es sieht aus wie eine Hand. Ob es Teil eines ganzen Skeletts ist, kann ich natürlich nicht sagen.«

Martinsson starrte ungläubig auf die Hand.

»Ich begreife nichts.«

»Eine Hand ist eine Hand. Eine tote Hand ist die Hand eines Toten. Weil dies hier kein Friedhof ist, kann etwas nicht stimmen.«

Sie standen reglos da und betrachteten die Hand. Wallander hätte gern gewusst, was Martinsson dachte. Dann fragte er sich, was er selbst dachte.

Der Gedanke an den Kauf dieses Hauses hatte sich jedenfalls verflüchtigt.

Die Wallander-Romane

in der Reihenfolge

ihres Erscheinens in Schweden

Mörder ohne Gesicht

(Handlungszeitraum: Januar bis August 1990)

Kommissar Wallanders erster Fall. Auf einem abgelegenen Hof in der Nähe von Ystad wird ein altes Paar überfallen und auf unerklärlich grausame Weise getötet. »Ausländer! Ausländer!« waren die letzten Worte der sterbenden Frau. Als die Öffentlichkeit davon erfährt, wird Schonen von einer Welle ausländerfeindlicher Gewalt überrollt. Ein Heim für Asylbewerber geht in Flammen auf, und ein somalischer Flüchtling wird Opfer eines Mordes. Wallander selbst wird von einem anonymen Anrufer verfolgt und bedroht. Er begreift, dass die Ermittlungen ein Kampf gegen die Zeit sind. Und gegen einen erbarmungslosen Widersacher. Einen Mörder ohne Gesicht.

Hunde von Riga

(Handlungszeitraum: Februar bis Mai 1991)

An einem kalten Februartag des Jahres 1991 wird ein Rettungsboot bei Mossby Strand an die schwedische Küste getrieben. Darin liegen zwei Männer, beide tot, und wie Kurt Wallander feststellt, schon vor Tagen ermordet. Die Spuren führen ins Baltikum, und als auch der lettische Kollege, der in der Sache ermittelt, ermordet wird, muss Wallander selbst nach Riga reisen. Die Schatten der Vergangenheit liegen schwer über Lettland. Wallander verliebt sich in Baiba Liepa, die Frau des ermordeten Polizisten, der zu viel wusste über die Verbrechen in seinem Land. Sie ist die erste Frau seit Langem, für die er eine große Liebe empfindet, und sie unterstützt ihn bei seinen waghalsigen Ermittlungen, die tief hineinführen in ein perfides Komplott.

Die weiße Löwin

(Handlungszeitraum: April bis Juni 1992)

Am Nachmittag des 24. April 1992 wird Luise Åkerblom, eine schwedische Immobilienmaklerin, in Schonen ermordet. Kurz darauf fliegt ein einsam gelegenes Haus gewaltsam in die Luft. Und neben den Teilen einer russischen Funkanlage und dem verkohlten Kolben einer Pistole, die aus Afrika zu stammen scheint, machen die Kriminaltechniker noch einen weiteren grausigen Fund. »Was ist nur los?«, dachte Wallander. »Ein schwarzer Finger. Der Finger eines schwarzen Menschen. Abgehackt. Mitten in Schonen.« Was zunächst wie ein tragischer, aber lokal begrenzter Fall aussieht, erweist sich als politischer Mordplan von internationaler Tragweite. In Südafrika hat eine reaktionäre Burenorganisation beschlossen, Nelson Mandela durch ein Attentat aus dem Weg zu räumen. Wallander begreift, dass das Schicksal von Hunderttausenden auf dem Spiel steht.

Der Mann, der lächelte

(Handlungszeitraum: Oktober bis Dezember 1993)

Von Selbstzweifeln geplagt, ist Kommissar Wallander im Begriff, den Dienst zu quittieren, als ihn ein neuer Fall aus seiner Depression reißt. Der Anwalt Sten Torstensson bittet Wallander um Hilfe: Sein Vater ist nachts mit dem Auto tödlich verunglückt, doch er glaubt nicht an einen Unfall. Zwei Wochen später ist Sten Torstensson ebenfalls tot. Man findet ihn von drei Kugeln durchbohrt in seinem Büro. Wallander erkennt rasch, dass ihn dieser Fall in eine ganz neue Dimension des Verbrechens führt. Der Verdächtige gebietet über ein mächtiges Wirtschaftsimperium und hat sich hinter den dicken Mauern eines Schlosses verschanzt. Wie David im Kampf gegen Goliath fühlt sich Wallander, bis ihm die Tür von einem der Wächter des Magnaten wenigstens einen Spaltbreit geöffnet wird

Die falsche Fährte

(Handlungszeitraum: Juni bis September 1994)

Sommer 1994, der wärmste Sommer seit Jahren. Kurt Wallander macht Ferienpläne. Da ruft ihn ein verstörter Bauer um Hilfe, dem auf einem seiner Felder das merkwürdige Verhalten eines Mädchens aufgefallen ist. Als Wallander eintrifft, legt das Mädchen Feuer an sich und verbrennt vor seinen Augen. Kurz darauf schlägt ein Serienkiller mit einer Reihe brutaler Morde zu. Der Kommissar aus Ystad steht vor einem seiner kompliziertesten Fälle. Gesucht wird ein Serienkiller, der in der Maske des Indianers auf den Kriegspfad geht, seine Opfer mit einer Axt tötet und anschließend skalpiert. Aber nicht nur der Mörder agiert mit erschreckender Kaltblütigkeit, die Ermordeten haben selbst skrupellose und gemeine Verbrechen begangen. Eine literarische Ermittlung, die ins Herz der Gesellschaft zielt.

Die fünfte Frau

(Handlungszeitraum: September bis Dezember 1994)

Kurt Wallander ist zutiefst beunruhigt über die zunehmende Gewalt in seinem Distrikt. Denn er hat eine Reihe grausamer Morde aufzuklären, bei denen es auch dem erfahrensten Polizisten kalt den Rücken hinunterläuft. Einen alten Mann findet man in einer Pfahlgrube aufgespießt, einen anderen halb verhungert, beinahe nackt an einen Baum gebunden und erwürgt. Ein dritter wurde in einem mit Steinen beschwerten Sack in einem See ertränkt. Der eine schrieb Gedichte und war ein Vogelliebhaber, der andere besaß einen Blumenladen und hatte sich auf Orchideen spezialisiert, der dritte war Forscher an der Universität. Warum verfolgt der mutmaßliche Mörder harmlose Bürger mit so brutaler Gewalt? Wallander begreift, dass es irgendwo in der Vergangenheit eine Geschichte geben muss, die diese Männer mit ihrem Henker verbindet.

Mittsommermord

(Handlungszeitraum: Juni bis Oktober 1996)

Samstag, 22. Juni 1996. Drei junge Leute um die zwanzig feiern zusammen Mittsommer. Sie tragen Kostüme des 18. Jahrhunderts und halten den Ort ihres Treffens streng geheim. Danach hat sie niemand mehr gesehen. Bald stellt sich die schreckliche Gewissheit ein: Es ist ein Verbrechen geschehen. Etwa zur gleichen Zeit findet man Svedberg, Wallanders Kollegen, mit zerschossenem Gesicht in seiner Wohnung. Ein skrupelloser Mörder treibt sein Unwesen. Und er weiß Dinge, die er eigentlich nicht wissen kann. Wallander muss all seinen Mut aufbieten, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Führte Svedberg in Wahrheit ein Doppelleben? Warum waren die drei Jugendlichen verkleidet? Und wieso hatte es der Täter auf junge, glückliche Menschen abgesehen?

Die Brandmauer

(Handlungszeitraum: Oktober bis November 1997)

Zwei junge Mädchen überfallen einen Taxifahrer, betäuben ihn und töten ihn mit einem Küchenmesser. Als die Polizei sie verhört, zeigen sie keinerlei Schuldgefühle. Ein Mann fällt vor einem Bankautomaten tot um. Seine Leiche wird aus der Pathologie gestohlen und wieder an den ursprünglichen Fundort transportiert. In ganz Schonen geht das Licht aus. In der Transformatorstation liegt eine verkohlte Leiche. »Wallander hatte noch nie etwas Vergleichbares erlebt. Ein Todesfall, der sich wiederholte. Eine Leiche, die zurückkehrte.« In Wallanders achtem Fall geht es nicht nur darum, ein Computerverbrechen aufzudecken, sondern auch die Brandmauern zu durchbrechen, die Menschen um ihr Innerstes errichten.

Wallanders erster Fall

und andere Erzählungen

(Handlungszeitraum: Sommer 1969 bis Ende 1989)

Als Wallander seinen ersten Fall löst, ist er Anfang zwanzig, ein junger Polizeianwärter und bis über beide Ohren in Mona verliebt. In einer Zeit, da die Polizei mit Schlagstöcken gegen Demonstranten vorgeht, wird seine Berufswahl nicht nur von seinem Vater kritisiert. Da findet er eines Abends seinen Wohnungsnachbarn Halén erschossen auf dem Küchenboden liegend, den Revolver noch in der Hand. Die Kriminalpolizei tippt auf Selbstmord, doch Wallander zweifelt an dieser Erklärung, umso mehr, als Haléns Wohnung in Flammen aufgeht und man wenig später auf eine weitere Leiche stößt. Von Wallanders erstem Fall, bei dem er eine Menge Fehler macht und leichtsinnig sein Leben riskiert, bis zu einem kurzen Kriminalroman, Die Pyramide, reicht das Spektrum dieser Wallander-Geschichten, die alle vor dem 8. Januar 1990, dem Beginn der eigentlichen Serie, spielen.

Vor dem Frost

(Handlungszeitraum: August bis November 2001)

Ein Kalb wird bei lebendigem Leib verbrannt, und sechs brennende Schwäne sind über dem Marebo-See gesichtet worden. Mehrere Frauen verschwinden, eine Amerikanerin wird in einer Kirche erdrosselt, und ein Lastwagen voll Dynamit lässt den Dom von Lund in Flammen aufgehen. Linda ist Polizeianwärterin in Ystad und darf Kurt Wallander bei seinen Ermittlungen zunächst nur als Tochter begleiten. Dann aber wird sie persönlich in den Fall hineingezogen: Ihre Freundin Anna ist spurlos verschwunden, kurz nach einer rätselhaften Begegnung mit ihrem Vater, der seit Jahren verschollen war. Linda macht sich auf die Suche nach der Freundin und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Und sie verliebt sich: in Stefan Lindman, der als Kriminalbeamter von Borås nach Ystad gewechselt ist. Der Konflikt mit dem Vater ist vorprogrammiert.

Der Feind im Schatten

(Handlungszeitraum: Januar bis Mai 2007)

Russische U-Boote in schwedischen Gewässern, ein Abhörgerät an einem Unterseekabel, Verdacht auf Spionage und Landesverrat: Wallanders letzter Fall ist eine politische Affäre, die mitten in den Kalten Krieg und Schwedens Nachkriegsgeschichte führt. Ein pensionierter Korvettenkapitän verschwindet beim Morgenspaziergang, und neben einem Waldpfad wird eine tote Frau gefunden. Mehr als je zuvor ist Wallander persönlich betroffen, denn im Mittelpunkt der dramatischen Handlung steht die Familie von Lindas Mann, dem Vater seiner kleinen Enkeltochter. Und zugleich taucht eine weitere persönliche Bedrohung am Horizont auf, denn mit Wallanders Gedächtnis steht es nicht mehr zum Besten.

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