Verlag: Zsolnay, Paul Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2012

Wallanders erster Fall und andere Erzählungen E-Book

Henning Mankell

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E-Book-Beschreibung Wallanders erster Fall und andere Erzählungen - Henning Mankell

Kurt Wallander ist Anfang zwanzig, Polizeianwärter in Malmö und bis über beide Ohren in Mona verliebt. Als er seinen Wohnungsnachbarn erschossen in der Küche findet, den Revolver noch in der Hand, glaubt er nicht an Selbstmord, umso mehr, als die Wohnung des Toten in Flammen aufgeht und man wenig später auf eine weitere Leiche stößt. Am Ende dieser Ermittlung hat Wallander eine Menge Fehler gemacht und leichtsinnig sein Leben riskiert, doch sein außerordentliches kriminalistisches Talent gilt als erwiesen. Von Wallanders erstem Fall bis zu einem ausgewachsenen Kriminalroman, "Die Pyramide", reicht das Spektrum der vorliegenden Erzählungen, die alle vor 1990, dem Beginn der eigentlichen Wallander-Serie, spielen.

Meinungen über das E-Book Wallanders erster Fall und andere Erzählungen - Henning Mankell

E-Book-Leseprobe Wallanders erster Fall und andere Erzählungen - Henning Mankell

Zsolnay eBook

Henning Mankell

Wallanders erster Fall

und andere Erzählungen

Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt

Paul Zsolnay Verlag

Die Originalausgabe erschien erstmal 1999 unter dem Titel Pyramiden im Ordfront Verlag, Stockholm. Das Vorwort von Henning Mankell wurde für die deutsche Ausgabe geschrieben.ISBN 978-3-552-05612-1© Henning Mankell 1999Alle Rechte der deutschsprachigen Ausgabe© Paul Zsolnay Verlag Wien 2002/2012 Unser gesamtes lieferbares Programm und viele andere Informationen finden Sie unterwww.hanser-literaturverlage.de.Erfahren Sie mehr über uns und unsere Autoren aufwww.facebook.com/ZsolnayDeuticke

Für Rolf Lassgård

in warmer Zuneigung, Dankbarkeit

und nicht geringer Bewunderung.

Er hat mir vieles über Wallander erzählt,

wovon ich selbst nichts wußte.

Vorwort

Erst nachdem ich den achten und letzten Teil der Serie über Kurt Wallander geschrieben hatte, wurde mir klar, welchen Untertitel ich die ganze Zeit gesucht, aber nicht gefunden hatte. Als alles, oder zumindest das meiste, geschrieben war, erkannte ich, daß der Untertitel »Romane über die europäische Unruhe« lauten müßte.

Ich hätte diesen Untertitel früher finden müssen. Denn die Romane hatten stets nur ein einziges Thema variiert: Was geschieht in den 90er Jahren mit dem europäischen Rechtsstaat? Wie kann die Demokratie überleben, wenn das Fundament des Rechtsstaats nicht mehr intakt ist? Hat die europäische Demokratie einen Preis, der eines Tages als zu hoch angesehen wird und nicht länger wert, daß man ihn bezahlt? Durch all die komplizierten Intrigen, durch das Gewimmel von Personen zog sich die ganze Zeit dieser Faden, diese für mich und offenbar für sehr viele Menschen so entscheidende Frage. Natürlich hat die Demokratie keinen Preis. Wenn wir einen Preis festlegen, der nicht überstiegen werden darf, haben wir die Demontage der Demokratie eingeleitet. Sie kann nur weiterleben, wenn sie als unschätzbar betrachtet wird.

Um ebendiese Fragen, um die Demokratie und den Rechtsstaat ging es auch in den allermeisten Briefen, die ich erhalten habe. Zahlreiche Leser aus vielen verschiedenen Ländern haben mir kluge Gedanken dazu mitgeteilt. Und ich denke schon, darin bestätigt worden zu sein, daß Wallander auf seine Weise als Sprachrohr für das Gefühl wachsender Unsicherheit und Wut und die in der Regel vernünftigen Ansichten vieler Menschen über das Verhältnis von Rechtsstaat und Demokratie gedient hat. Von vielen Orten auf der Welt, hauptsächlich in Europa, von denen ich noch nie gehört hatte und die ich auf keiner Karte finden konnte, haben mich dicke Briefe oder wortkarge Ansichtskarten erreicht. Anrufe haben mich zu ungewöhnlichen Uhrzeiten geweckt; erregt, aber fast immer freundlich haben Stimmen per e-Mail zu mir gesprochen.

Doch natürlich ist es auch um andere Fragen als die nach der Demokratie gegangen. Ich habe Briefe von Lesern erhalten, die Fehler entdeckt hatten. In den meisten Fällen hatten die Leser auch recht, und ich habe die Fehler in späteren Auflagen korrigiert. Dies hat auch dazu geführt, daß ich dann und wann bewußt Inkonsequenzen eingeschmuggelt habe, um die Aufmerksamkeit meiner Leser auf die Probe zu stellen. Auch diese versteckten Fehler sind entdeckt worden. Allerdings noch nicht alle...

Die meisten Briefschreiber haben jedoch die Frage gestellt: Was war mit Wallander, bevor die Romanserie beginnt? Also, um Datum und Uhrzeit genau zu bestimmen, vor dem frühen Morgen des 8.Januar 1990.Was war, bevor Wallander an jenem winterlichen Morgen erwacht und der Fall Mörder ohne Gesicht beginnt? Wer war dieser Wallander? In den einzelnen Bänden der Serie finden sich immer wieder Andeutungen. Doch Genaues erfährt man nicht. Wallander kehrt in Gedanken ständig zu dem Tag zurück, an dem er als junger Polizist von einem Messerstecher überfallen wurde, ein Erlebnis, das sein ganzes Leben geprägt hat.

Die vielen brieflichen Anfragen hatten zur Folge, daß ich selbst anfing, darüber nachzudenken. Als Wallander das erstemal auf meinen Buchseiten auftritt, ist er im dreiundvierzigsten Lebensjahr. Aber da ist er schon seit langem Polizist, er ist verheiratet gewesen und geschieden, er hat eine Tochter, und einmal ist er von Malmö nach Ystad gezogen, fünfzig Kilometer weiter östlich. Leser haben sich gefragt: Was war zuvor? Und ich habe mich das gefragt. In den zehn Jahren, die seitdem vergangen sind, habe ich manchmal beim Aufräumen in Schubladen, in verstaubten Papierbergen oder zwischen den Nullen und den Einsen der Disketten nach frühen Spuren von Wallander gesucht.

Vor einigen Jahren, gerade als ich das fünfte Buch, Die falsche Fährte, abgeschlossen hatte, merkte ich, daß ich im Kopf anfing, Erzählungen zu schreiben, die vor dem Beginn der Romanserie spielten. Wieder dieses magische Datum, der 8.Januar 1990.Nach dem Abschluß der acht Romane habe ich diese Erzählungen gesammelt. Aber ich ließ diese Texte nicht deshalb erscheinen, weil ich meine Schubladen aufgeräumt hatte. Ich gab diesen Band heraus, weil er ein Ausrufezeichen darstellt nach dem Punkt, den ich mit Die Brandmauer gesetzt hatte. Es kann zuweilen von Vorteil sein, rückwärts zu gehen wie der Krebs. Zurück zum Ausgangspunkt. Dies ist mit anderen Worten kein Epilog, sondern ein Prolog. Obwohl er zuletzt geschrieben ist.

Wallander ist für viele ein lebendiger Mensch geworden. Er ist aus den Buchseiten herausgetreten und zu einem Mitmenschen geworden. Auch wenn alle im Innersten natürlich wissen, daß er nur in der Vorstellung existiert. Aber er hat trotzdem eine Vergangenheit. Er war einmal jung. In diesen Erzählungen versuche ich, einige der frühesten Teile seines Lebens, so wie ich sie mir vorstelle, in das Bild einzufügen.

Kein Bild wird jemals vollständig. Aber diese Geschichten gehören zur Serie über Wallander. Ich mache den Sack zu. Die letzten Zeilen in diesem Buch sind der Beginn eines neuen Falls: Mörder ohne Gesicht.

Doch auch wenn dies ein Epilog ist, der eigentlich einen Prolog darstellt, so ist es nicht nur eine Tür, die sich schließt. Hinter diesem Sack, der zugebunden wird, gibt es schon eine Fortsetzung. In seiner Jugend konfrontierte Wallander seinen Vater mit dem Entschluß, Polizist zu werden, was der Vater nie ganz akzeptiert hat. Jetzt, am Ende von Die Brandmauer, an einem Strand in der Nähe von Ystad, stellt Wallanders Tochter Linda ihn vor die gleiche Situation. Sie hat beschlossen, Polizistin zu werden. Und er reagiert positiv. Vielleicht, weil Lindas Entscheidung seinem eigenen Berufsleben eine Art von Würde verleiht. Linda besucht in den späten 90er Jahren die Polizeihochschule. Und als sie ihre Ausbildung abgeschlossen hat, kehrt sie nach Ystad zurück und wird die Kollegin ihres Vaters.

Eine Erzählung ist zu Ende gegangen. Eine andere wird bald beginnen...

Henning Mankell

Im November 2001

Wallanders erster Fall

1

Am Anfang war alles nur ein Nebel.

Ein dickflüssiges Meer, in dem alles weiß und still war. Eine Landschaft des Todes. Das war auch das erste, was Kurt Wallander dachte, als er langsam wieder zur Oberfläche aufstieg. Daß er schon tot war. Er war nur einundzwanzig Jahre alt geworden. Ein junger Polizist, kaum erwachsen. Ein fremder Mann mit einem Messer war auf ihn zugestürzt, und er hatte keine Chance gehabt, sich zur Seite zu werfen.

Dann war nur der weiße Nebel dagewesen. Und das Schweigen.

Langsam erwachte er – langsam kehrte er ins Leben zurück. In seinem Kopf wirbelten unklare Gedanken. Er versuchte sie im Flug zu fangen, wie man Schmetterlinge fängt, aber die Bilder entglitten ihm, und nur mit äußerster Mühe gelang es ihm zu rekonstruieren, was eigentlich geschehen war...

Wallander hatte frei. Es war der 3.Juni 1969, und er hatte Mona gerade zu einem der Dänemarkboote gebracht. Nicht zu einem der neuen, dieser Tragflächenboote, sondern einem von den alten, auf denen man während der Überfahrt nach Kopenhagen immer noch Zeit für eine ordentliche Mahlzeit hatte. Sie wollte eine Freundin treffen. Sie wollten vielleicht in den Tivoli gehen, aber hauptsächlich in Modegeschäfte. Wallander wäre gern mitgekommen, denn er hatte frei. Aber Mona hatte nein gesagt. Die Reise war nur für sie und ihre Freundin gedacht. Sie wollten keine Männer dabeihaben.

Jetzt sah er das Schiff durch die Hafenausfahrt verschwinden. Mona würde am Abend zurückkommen, und er hatte ihr versprochen, sie abzuholen. Wenn das gute Wetter sich hielt, würden sie einen Spaziergang machen und dann in seine Wohnung draußen in Rosengård gehen.

Wallander merkte, daß allein der Gedanke ihn erregte. Er strich sich über die Hose und ging schräg über die Straße zum Bahnhofsgebäude. Dort kaufte er ein Päckchen Zigaretten, wie üblich John Silver, und zündete sich eine an, noch bevor er den Bahnhof wieder verließ.

Wallander hatte keine Pläne für diesen Tag. Es war ein Dienstag, und er hatte frei. Er hatte viele Überstunden angesammelt, vor allem wegen der großen und ständig wiederkehrenden Demonstrationen in Lund und Malmö. In Malmö war es zu Konfrontationen gekommen. Wallander war die ganze Situation zuwider gewesen. Was er selbst über die Forderungen der Demonstranten dachte, daß die USA aus Vietnam verschwinden sollten, wußte er nicht. Am Tag zuvor hatte er versucht, mit Mona darüber zu reden, doch sie hatte nichts anderes zu sagen gewußt, als daß die Demonstranten nur auf Randale aus waren. Als Wallander nicht klein beigab und meinte, daß es kaum richtig sein konnte, wenn die größte Kriegsmacht der Welt ein armes Bauernland in Asien bombardierte, oder zurück in die Steinzeit bombte, wie ein amerikanischer hoher Militär einer Zeitung zufolge gesagt hatte, da hatte sie zurückgeschlagen und gesagt, sie habe nicht die Absicht, sich mit einem Kommunisten zu verheiraten.

Wallander war verstummt. Eine Fortsetzung der Diskussion war ausgeblieben. Denn daß Mona die Frau war, die er heiraten wollte, davon war er überzeugt. Mona mit den hellbraunen Haaren, der spitzen Nase und dem schmalen Kinn war vielleicht nicht das schönste Mädchen, das er in seinem Leben getroffen hatte, aber dennoch war sie es, die er haben wollte.

Sie waren sich im vergangenen Jahr begegnet. Davor war Wallander über ein Jahr mit einem Mädchen namens Helena zusammengewesen, das bei einer Spedition in der Stadt arbeitete. Plötzlich, eines Tages, hatte sie ihm einfach eröffnet, daß es vorbei sei mit ihnen, da sie einen anderen gefunden habe. Wallander war zuerst sprachlos gewesen. Danach hatte er ein ganzes Wochenende in seiner Wohnung gesessen und geheult. Er war außer sich gewesen vor Eifersucht und war, nachdem es ihm gelungen war, seine Tränen zu trocknen, zum Hauptbahnhof hinuntergefahren und hatte in der Kneipe dort viel zuviel getrunken. Dann war er wieder nach Hause gefahren und hatte weitergeheult. Wenn er jetzt an der Bahnhofskneipe vorbeikam, schauderte es ihn. Er würde nie wieder einen Fuß da hineinsetzen.

Es waren ein paar schwere Monate gefolgt, in denen Wallander versucht hatte, Helena dazu zu bewegen, zu ihm zurückzukommen. Aber sie hatte ihn knallhart abgewiesen und war am Schluß über seine Hartnäckigkeit so verärgert gewesen, daß sie ihm gedroht hatte, ihn bei der Polizei anzuzeigen. Da hatte Wallander sich zurückgezogen. Und sonderbarerweise war es ihm nicht einmal schwergefallen. Sollte Helena ihren neuen Kerl doch in Frieden behalten. Das war an einem Freitag gewesen.

Am gleichen Abend fuhr er über den Öresund, und auf der Rückreise von Kopenhagen landete er neben einem Mädchen, das Mona hieß und strickte.

In Gedanken verloren spazierte Wallander durch die Stadt. Er fragte sich, was Mona und ihre Freundin gerade machten. Anschließend kreisten seine Gedanken um die Ereignisse der vergangenen Woche. Die Demonstrationen, die ausgeartet waren. Fragte sich, ob es seine eigenen Vorgesetzten waren, die es nicht geschafft hatten, die Situation korrekt zu beurteilen. Wallander hatte einer improvisierten Einsatztruppe angehört, die sich im Hintergrund in Reserve halten sollte. Man hatte sie erst herbeigerufen, als die Krawalle bereits in vollem Gange gewesen waren. Was wiederum nur dazu geführt hatte, daß sich die Situation noch weiter zuspitzte.

Der einzige, mit dem Wallander wirklich versucht hatte, über Politik zu diskutieren, war sein Vater. Er war sechzig Jahre alt und hatte vor kurzem beschlossen, nach Österlen zu ziehen. Sein Vater war ein launischer Mann, und Wallander wußte nie, woran er mit ihm war. Vor allem, seit er einmal so wütend geworden war, daß er fast die Verwandtschaft mit seinem Sohn aufgekündigt hätte. Das war vor ein paar Jahren gewesen, als Wallander nach Hause gekommen war und ihm mitgeteilt hatte, daß er Polizist werden wollte. Der Vater hatte in seinem Atelier gesessen, das nach Ölfarben und Kaffee roch. Er hatte Wallander einen Pinsel an den Kopf geworfen und ihn aufgefordert, zu verschwinden und nie wieder zurückzukehren. Einen Polizisten würde er in der Familie nicht dulden. Es war zu einem heftigen Streit gekommen, aber Wallander hatte sich behauptet. Er wollte Polizist werden, und auch noch so viele ihm an den Kopf geworfene Pinsel würden nichts daran ändern. Plötzlich hatte der Streit aufgehört. Sein Vater hatte sich in ein feindliches Schweigen zurückgezogen und sich wieder vor seine Staffelei gesetzt. Dann hatte er damit begonnen, mit Hilfe einer Schablone einen Auerhahn zu zeichnen. Er malte immer das gleiche Motiv: eine Waldlandschaft, die dadurch variiert wurde, daß er manchmal einen Auerhahn hineinmalte.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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