Mordshunger - Jean Feyder - E-Book

Mordshunger E-Book

Jean Feyder

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Beschreibung

Das Geschäft mit dem Hunger Können wir trotz Wirtschafts- und Finanzkrise vergessen, dass jeden Tag 25.000 Menschen, darunter 18.000 Kinder, an Hunger und Unterernährung sterben? Was sind die Ursachen der sich weiter ausbreitenden Welternährungskrise und wer sind die Profiteure? Die Politik versagt, aber es gibt Lösungen. Die Welternährungskrise breitet sich aus. Das 1996 erklärte Ziel, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, ist in weite Ferne gerückt. Jean Feyder enthüllt die tieferen Ursachen dieses Hungerskandals und ein System, das in der Hauptsache den Finanz- und Wirtschaftsinteressen des Nordens zuspielt, nicht den Menschen im Süden. Er fordert einen radikalen Umbau des gesamten Ernährungssystems, denn sonst können die neun Milliarden Menschen von morgen nicht ernährt werden, ohne dass es zum ökologischen und sozialen Kollaps kommt. Gefordert sind wir alle - die westliche Welt wie die aufsteigenden Länder, die Zivilgesellschaft wie die Konzerne. Ein Globalisierungsbuch, das diesen Namen wirklich verdient!

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Seitenzahl: 399

Veröffentlichungsjahr: 2014

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JEAN FEYDER

MORDS HUNGER

Wer profitiert vom Elend der armen Länder?

Aus dem Französischen von Michael Bayer und Enrico Heinemann

eBook Edition

Mehr über unsere Autoren und Bücher:

www.westendverlag.de

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

ISBN 978-3-86489-567-8

© Westend Verlag GmbH, Frankfurt/Main 2014

Satz: Publikations Atelier, Dreieich

Druck und Bindung: CPI – Clausen & Bosse, Leck

Printed in Germany

Inhalt

Einleitung

Die Gründe der Ernährungskrise

1Der Hunger, die Mangelernährung und die Bauern

2Die Nahrungskrise

3Die Landwirtschaft, ein vernachlässigter Sektor

4Falsche Strategien

5Der Fall Ghana

6Haiti und die anderen

7Die industrielle Landwirtschaft ist nicht nachhaltig

8Die transnationalen Unternehmen

9Die Spekulation mit Agrarrohstoffen

10Die Agrotreibstoffe

11Land Grabbing – der neue Kolonialismus

12Die Biotechnologien

Was tun?

13Die Lebensmittelhilfe

14Der Zugang zu Boden

15Die Landwirtschaft wieder für die Lebensmittelproduktion ankurbeln

16Eine nachhaltige Landwirtschaft

17Eine angemessene Regulierung der Agrarmärkte

18Die Handelspolitik überprüfen

Die wichtigsten Akteure

19Die Europäische Union

20Die Vereinigten Staaten von Amerika

21China

22Indien

23Brasilien

24Die entscheidende Rolle der Zivilgesellschaft und der Bauernverbände

Schlussfolgerungen

Dank

Glossar

Abkürzungen

Anmerkungen

Literatur

Für meine Frau Juana und meine Töchter Nadine und Sophie

Einleitung

Jeden Tag sterben 25 000 Menschen, in der Mehrheit Kinder, an Hunger und Unterernährung. Dazu kommt, dass von den sieben Milliarden Menschen, die auf unserem Planeten leben, über eine Milliarde nicht genügend zu essen haben. Zwei Milliarden leiden an Nährstoffdefiziten. Gleichzeitig sind 1,4 Milliarden Erwachsene übergewichtig, 500 Millionen von ihnen sogar fettleibig.1 Es ist also offensichtlich, dass unser Welternährungssystem in eine Schieflage geraten ist: auf der einen Seite Mangelernährung und Hunger, auf der anderen Fehlernährung und Fettleibigkeit. All dies bedeutet eine permanente und schwerwiegende Verletzung der Grundrechte auf ein menschenwürdiges Dasein und angemessene Ernährung.

Dabei hatten die Staats- und Regierungschefs der Welt im Jahr 2000 dem Hunger eigentlich den Krieg erklärt, als sie sich bei einem UN-Gipfel in New York dazu verpflichteten, den Anteil der Hungernden und Unterernährten an der Weltbevölkerung bis 2015 um die Hälfte zu reduzieren. Heute muss jedoch festgestellt werden, dass die Zahl der an Hunger leidenden Menschen kaum verringert wurde.

Werden nicht genügend Lebensmittel produziert? Eindeutig nein, die heutige Getreideproduktion reicht aus, um 12 – 14 Milliarden Menschen zu ernähren, also weit mehr als die heute lebenden sieben Milliarden Menschen. Fakt ist, dass nur etwas mehr als 40 Prozent des Ertrags für menschliche Ernährung verwendet werden. Gut ein Drittel wird an Vieh verfüttert, der Rest wird verheizt oder zu Treibstoff und Industrieprodukten verarbeitet.2 Hunger und Unterernährung sind also kein Problem mangelnder Produktion, sondern vielmehr eine Frage der Armut, der Gerechtigkeit und der Verteilung.

Wie ist es sonst zu erklären, dass die Hälfte der Hungernden und Mangelernährten Kleinbauern sind, 20 Prozent landlose Bauern und zehn Prozent viehhaltende Nomaden oder einfache Fischer? Die restlichen 20 Prozent leben in den Elendsvierteln der Städte. Die Tatsache, dass die Mehrzahl der Hungernden und Mangelernährten auf dem Land lebt, ist ein Paradox und vielen nicht bekannt. Ebenfalls wenig bekannt ist, dass die Anzahl der Bauern und Bäuerinnen insgesamt um die 45 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. In China sind es fast 50, in Indien 60 und in Subsahara-Afrika sogar zwischen 60 und 80 Prozent der Bewohner.

Dabei bebauen Abermillionen kleinbäuerlicher Familien, die das Gros der hungernden Massen bilden, durchschnittlich gerade ein bis zwei Hektar oder noch weniger Boden – oft mit einer Hacke und einer Machete als einzige Werkzeuge. Dagegen verfügt ein Bauer in Westeuropa im Durchschnitt über 40 Hektar Land, die er mit immer leistungsstärkeren Traktoren und Maschinen und gewaltigen Mengen an Pflanzenschutzmitteln und Düngern bewirtschaftet.

Ohne die Auswirkungen staatlicher Misswirtschaft und Korruption zu verkennen, möchte ich in diesem Buch jedoch auch auf tieferliegende, strukturelle Ursachen für Hunger und Mangelernährung der Landbevölkerung eingehen. Viele Bedürftige sind Opfer einer Marginalisierung und Ausgrenzung von Seiten der politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Eliten, die in den Städten wohnen.

Darüber hinaus sind in den 1980er-Jahren über hundert, vor allem afrikanische und lateinamerikanische Länder in die Schuldenfalle geraten und mussten bei der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) Kredite aufnehmen. Diese wurden ihnen nur unter der Bedingung gewährt, Strukturanpassungsprogramme im Sinne des Washingtoner Consensus durchzuführen. Nach dessen Credo sollte sich der Staat aus wirtschaftlichen Aktivitäten sowie der Förderung der Landwirtschaft, des Gesundheitswesens und der Bildung möglichst weit zurückziehen. Die Ära des »freien« Marktes, der Privatisierung, Deregulierung und Liberalisierung war somit gekommen. Die Entwicklungsländer wurden aufgerufen, sich an den angeblichen Vorteilen im internationalen Wettbewerb zu orientieren und erneut die Exportwirtschaft anzukurbeln, um mit den Erlösen ihre Auslandsschulden bedienen zu können. Umgekehrt sollten die Verbraucher durch eine Öffnung der Märkte Zugang zu billigen Importgütern bekommen. Im Zuge der auferlegten Liberalisierungsprogramme wurde in diesen Ländern fast drei Jahrzehnte lang die Produktion von Nahrungsmitteln sträflich vernachlässigt. Zeitgleich sank der Anteil der öffentlichen Entwicklungshilfe für die auf dem Land lebende Bevölkerung. Die 2008 ausgebrochene Ernährungskrise, die eine Vielzahl von Ländern auf der ganzen Welt betraf, machte schließlich deutlich, dass das Hungerproblem noch lange nicht gelöst war, und stellte das von Weltbank und IWF propagierte Entwicklungsmodell radikal in Frage.

Zwischen 1980 und 2004 sank der Anteil der öffentlichen Entwicklungshilfe für die Landwirtschaft von 18 auf vier Prozent, obschon drei Viertel der Ärmsten – der Hungernden und Mangelernährten – gerade im ländlichen Raum leben. Trotz vieler seither gemachten Erklärungen und Versprechen, gehen heute noch immer gerade knappe fünf Prozent der Entwicklungshilfe an die Landwirtschaft. Durch die Maßnahmen zur Strukturanpassung verloren die Bauern nicht nur die Unterstützung ihrer Regierungen, sondern litten zudem unter den verheerenden Folgen der neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Importe zu Dumpingpreisen brachten den Verbrauchern in den Städten zwar eine Zeit lang Vorteile, doch sie benachteiligten die nationalen Erzeuger, deren Produkte immer weniger Käufer fanden. Die rapide steigenden Einfuhren von Hühnerfleisch, Reis, Tomatenkonzentrat und Milchpulver drängten die lokale Produktion ins Abseits und zerstörten die Existenzen von Millionen Bauernfamilien.

Trotz dieser katastrophalen Bilanz wird die neoliberale Politik von Weltbank, IWF und Welthandelsorganisation (WTO) durch bilaterale und regionale Handelsabkommen weiter ausgebaut. Ebenso destruktiv wirkt sich die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union auf die Entwicklungsländer und insbesondere auf die kleinbäuerliche Landwirtschaft aus. Denn auch nach der Reform von 2013 bleibt die GAP weiter stark exportorientiert. Die Nahrungsmittelexporte nach Westafrika etwa wurden durch aggressives Preisdumping seitens der EU innerhalb der letzten 10 Jahre verdoppelt. Seither werden dort Lebensmittel zu Preisen verkauft, die unterhalb der Produktionskosten liegen, was den lokalen Kleinbauern jegliche wirtschaftliche Grundlage entzieht.

Gleichzeitig schützt die EU ihren Binnenmarkt durch hohe Importzölle auf Getreide-, Fleisch- und Milchprodukte. Südlichen Entwicklungsländern werden ähnliche Schutzmaßnahmen untersagt und sie wurden bereits genötigt, die Importzölle auf die genannten Produkte drastisch zu senken. Die Aushandlung von Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (Economic Partnership Agreements – EPAs) droht, die afrikanischen Länder dazu zu verleiten, ihre bereits in zu hohem Maße liberalisierten Märkte noch weiter zu öffnen und somit jede wirkliche Entwicklungsperspektive zu zerstören.

Die EU ist also unmittelbar dafür verantwortlich, wenn jedes Jahr um die 50 Millionen Menschen in die Städte abwandern, um vor der Hoffnungslosigkeit auf dem Land zu fliehen. An der Grenze zu Europa riskieren immer mehr von ihnen ihr Leben, um nach Lampedusa zu gelangen.

In den Kapiteln fünf und sechs zeige ich die verheerenden Folgen einer solchen Politik in Ghana, Haiti und anderswo. Beide Länder konnten sich wie viele andere zu Beginn der 1970er-Jahre mit dem Grundnahrungsmittel Reis und Geflügelfleisch praktisch selbst versorgen. Im Zuge der verordneten Strukturanpassungen und Liberalisierung der Märkte werden dort heute etwa 90 Prozent des Bedarfs für diese Produkte durch hoch subventionierte Importe abgedeckt. Als Ergebnis ruinierten sie Hunderttausende von Kleinerzeugern und trieben sie zur Verzweiflung.

Seit den 1980er-Jahren erleben wir eine neue Phase des Kapitalismus, geprägt durch die Hegemonie der Finanzmärkte und der transnationalen Konzerne. Sie haben die Kontrolle über die Produktion der wichtigsten Agrarrohstoffe und des Welthandels gewonnen und bewirken tiefgreifende strukturelle Veränderungen in der landwirtschaftlichen Produktion. Die in diesem Zuge forcierte industrielle Landwirtschaft ist nicht nachhaltig und einer der Hauptverursacher des Klimawandels. Der breite Einsatz von chemischen Düngemitteln, von Pestiziden und fossiler Brennstoffe hat gravierende Folgen für Gesundheit, Umwelt, Biodiversität, Wasserqualität, Bodenerosion und vieles mehr. Die Fleischproduktion ist zunehmend abhängig von Kraftfuttermittelimporten aus Lateinamerika, wo zu diesem Zweck weiträumig Tropenwälder und Savannen gerodet werden. Der massive Anbau von Viehfutter, vor allem von Soja, ist somit für die Freisetzung enormer Mengen von Treibhausgasen verantwortlich und findet auf Kosten der einheimischen Lebensmittelkulturen, der Biodiversität und der lokalen ländlichen Bevölkerung statt. Millionen Bauern werden Opfer dieser exportorientierten industriellen Landwirtschaft und sind gezwungen, in die Vororte der Großstädte abzuwandern.

Nutznießer dieses globalisierten Systems sind transnationale Großkonzerne. Sie profitieren vom vereinfachten Zugang zu neuen Märkten, der ihnen durch die Handelsliberalisierung und das Regelwerk der WTO garantiert wird. Gleichzeitig werden ihre Produkte patentrechtlich geschützt und so spielen diese Unternehmen auch eine entscheidende Rolle bei der Lieferung von Saatgut, Pestiziden, Dünger und Maschinen sowie beim Kauf, Transport, bei Verarbeitung und Vermarktung der Agrarprodukte und der Lebensmittel. In den letzten 20 Jahren hat die Konzentration dieser Konzerne innerhalb der Nahrungsmittelindustrie sprunghaft zugenommen. Ein Teil ihrer riesigen Gewinne geht auf die niedrigen Preise zurück, die sie den Bauern für deren Produkte bezahlen. Darüber hinaus erlaubt es ihnen ihre marktbeherrschende Stellung, die Verkaufspreise in der Vermarktungskette der Agrarprodukte entscheidend zu beeinflussen.

Die Spekulation auf Grundnahrungsmittel und der Ausbau von Agrotreibstoffen zählen zu den Hauptursachen der Welternährungskrise von 2008. Doch diese Entwicklung wurde nach der Krise nicht gestoppt, im Gegenteil, sie wird weiter vorangetrieben. Noch immer führen Spekulationen zu willkürlichen Preisschwankungen, die das Überleben Millionen armer Menschen, die oft 50 bis 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben müssen, zusätzlich erschweren. Und die zunehmende Einflussnahme der Finanzmärkte und des Agrobusiness auf die globalen Ernährungs- und Landwirtschaftssysteme und die von den Industrieländern geförderten öffentlich-privaten Partnerschaften begünstigen die industrielle Landwirtschaft und verschlimmern weiter die Lage der Kleinbauern in den Entwicklungsländern.

Die Produktion von Agrarkraftstoffen ist ebenso mit einer Reihe schwerwiegender Auswirkungen verbunden. Sie geschieht zu Lasten der Nahrungsproduktion der Landwirte im globalen Süden, verursacht Preisverzerrungen bei Lebensmitteln, Hunger, Vertreibung lokaler Gemeinschaften, Menschenrechtsverletzungen, eine negative Klimabilanz, Zerstörung der Biodiversität und weitere Umweltschäden.

Die durch die brutalen Preissteigerungen bei den Grundnahrungsmitteln ausgelöste Welternährungskrise von 2008 hat auch das sogenannte Land Grabbing, also die Aneignung von Ackerland in Entwicklungsländern, weiter verstärkt. In den vergangenen Jahren kam es zu einem regelrechten Ansturm des Finanzkapitals auf Grundnahrungsmittel und insbesondere in Afrika weiträumig zum Verkauf oder zur Verpachtung von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Seit 2007 wechselten jährlich Zehntausende Millionen Hektar Ackerland den Besitzer und gingen von der öffentlichen Hand an internationale Investoren über, die das Land fortan für eine exportorientierte landwirtschaftliche Produktion nutzen. Daran beteiligte sich auch eine Reihe von Regierungen, etwa in den Golfstaaten, die ihre eigene Ernährungssicherheit bedroht sahen.

Gleichzeitig bauen multinationale Konzerne das Geschäft mit patentiertem transgenetischen Saatgut, verbunden mit dem Verkauf von Pestiziden, immer weiter aus. Seit Jahrhunderten hatten die Bauern freien Zugang zu Saatgut. Nun laufen sie Gefahr, die Unsicherheiten der Erträge dieses Saatguts und dessen Schädlichkeit für Mensch und Umwelt zu unterschätzen und sich in neue Abhängigkeiten zu stürzen. Besonders bedenklich ist die Monopolstellung von drei Konzernen – Monsanto, Dupont Pioneer und Syngenta –, die mittlerweile mehr als die Hälfte des Saatgutgeschäftes kontrollieren. Die Lobbymacht dieser Multis beeinträchtigt auch die Unabhängigkeit von Experten und Beratungsgremien, die über die Gesundheitsschädlichkeit der Gentechnik für Konsumenten zu befinden haben.

Soweit die Übersicht über die verschiedenen Aspekte der Hungerund Ernährungsproblematik, die ich im ersten Teil dieses Buches eingehender beleuchten werde. Im zweiten Teil werde ich dann aufzeigen, welche Ansätze es gibt, um ein gerechteres Welternährungssystem zu ermöglichen. Ein System, das Landlosen aus der Armut heraushilft, Kleinbauern ein faires Einkommen sichert und ausreichend gesunde Nahrung für jeden auf den Tisch bringt. Welches landwirtschaftliche Modell kann die Nachhaltigkeit und die Produktion gesunder Nahrungsmittel gewährleisten? Müssen wir unsere Konsumgewohnheiten radikal überdenken? Und wie sind nationale und internationale Handelsspielregeln abzuändern, um eine solche Entwicklung zu begünstigen?

Im dritten Teil stelle ich verschiedene Hauptakteure vor – die Europäische Union, die USA, China, Indien und Brasilien –, um darzulegen, wie in diesen Regionen die Ernährung einer großen Bevölkerung gesichert wird, welche Art von Landwirtschaft dazu aufgebaut wurde und was die Auswirkungen für Ernährung und Landbevölkerung in den Entwicklungsländern sind. Und schließlich gehe ich der Frage nach, wie sich Zivilgesellschaften und Bauernbewegungen organisieren und welche Rolle sie bei der Neugestaltung des Welternährungssystems spielen können.

TEIL IDie Gründe der Ernährungskrise

1Der Hunger, die Mangelernährung und die Bauern

Über eine Milliarde Menschen haben nicht genug zu essen.1 Somit hungert jeder siebte Mensch und 14 Prozent der Weltbevölkerung. 2 Milliarden sind von Nährstoffdefiziten betroffen. 1,4 Milliarden Erwachsene sind übergewichtig, 500 Millionen von ihnen sind fettleibig.2 Diese Zahlen zeigen, dass wir es mit einem Welternährungssystem zu tun haben, welches den grundliegenden Ansprüchen der Menschheit keineswegs gerecht wird. Im Jahr 2000 einigten sich auf einem UN-Gipfel in New York die Staats- und Regierungschefs aus 189 Nationen auf acht Internationale Jahrtausendentwicklungsziele (Millennium Development Goals – MDGs). Ziel Nummer eins war es dabei, den Anteil der Hungernden an der Weltbevölkerung zwischen 1990 und 2015 um die Hälfte zu reduzieren. Dieses Ziel wird nicht erreicht. Laut Zahlen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (Food and Agriculture Organization – FAO) litten 1990 1 015 Millionen Menschen an Unterernährung. Insgesamt ist die Zahl der Hungernden im wesentlichen unverändert geblieben. Doch da seither die Weltbevölkerung um 2 Milliarden angestiegen ist, ist der Anteil dieser Bevölkerung, der unter Hunger leidet, etwas zurückgegangen.3

Man kann natürlich nach der Ethik einer Entwicklungsstrategie fragen, die von Anfang an die Hälfte der unter Hunger und Armut Leidenden dazu verurteilt, auch nach 2015 in diesem unwürdigen Zustand verharren zu müssen.

Jahrtausendentwicklungsziel eins:

»Wir beschließen, bis zum Jahr 2015 den Anteil der Weltbevölkerung, dessen Einkommen weniger als ein US-Dollar beträgt und der unter Hunger leidet, im Verhältnis zum Jahr 1990 um die Hälfte zu verringern.«

Bereits im Jahr 1974 wurde auf dem von der FAO ausgerichteten ersten Welternährungsgipfel das politische Ziel ausgegeben, dass »in zehn Jahren kein Mann, keine Frau und kein Kind mehr hungrig zu Bett gehen wird«.4

Im September 2015 wird am Sitz der UN in New York erneut ein Gipfel der Staats- und Regierungschefs stattfinden, um über eine neue nachhaltige Entwicklungsstrategie und die Zielsetzungen für die Zeit nach 2015 zu beraten. Am Ziel der Beseitigung des Hungers wird aller Voraussicht nach festgehalten werden. Entscheidend wird allerdings auch die Einführung einheitlicher Berechnungsmethoden und effektiver Kontrollmechanismen sein.

Wie hoch ist die Zahl der Hungernden?

Die Zahl der Hungernden, 842 Millionen, die die FAO für den Zeitraum zwischen 2011 und 2013 angibt, ist umstritten. Die FAO hat 2012 eine neue Berechnungsmethode eingeführt und die Zahl der Hungernden für 1990 nach oben und die der letzten Jahre nach unten revidiert (siehe Schaubild 1).

Der tägliche Energiebedarf eines Menschen gilt als wichtigste Grundlage zur Berechnung der Zahl der Hungernden. Die FAO legt für ihre Berechnung einen »bewegungsarmen Lebensstil« zugrunde, wie er bei Büroarbeit üblich ist. Dessen Kalorienbedarf gibt die FAO im globalen Schnitt mit 1 840 Kilokalorien pro Tag an. Experten halten aber einen »normalen Lebensstil« als sinnvollere Grundlage, hier wäre das Minimum 2 020 Kilokalorien und ließe die Zahl von 842 Millionen auf 1 297 Millionen hochschnellen.5

Diese Einschätzung wird auch von einer Gruppe von 24 amerikanischen und kanadischen Wissenschaftlern und Organisationsvertretern geteilt. Laut ihren Berechnungen für das Jahr 2012 liegt die tatsächliche Zahl der Hungernden in der Spanne zwischen 868 Millionen und 1 330 Millionen Menschen.

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