Mr. Kaugummi - Bianca Pferrer - E-Book

Mr. Kaugummi E-Book

Bianca Pferrer

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Beschreibung

Denke immer an die Konsequenzen, hat meine Mom zu mir gesagt. Bisher kam ich auch gut damit klar. Bis ich ihn traf, "Mr. Kaugummi" und lernte dass auch Konsequenzen Konsequenzen haben können. Ich, Hannah Smith, Sozialarbeiterin, verliebt ihn Lucas, meinen ersten richtigen Fall. Doch die Konsequenzen kosten ihn nicht nur seine Freiheit, sondern verändern auch mein Leben.

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Seitenzahl: 166

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Träume als würdest du ewig Leben. Lebe als würdest du Morgen sterben...

---- James Dean ----

Hallo liebe Leseratte...

Mein Name ist Bianca Pferrer und ich bin zarte 37 Jahre jung.

Ich bin gebürtige Badnerin. Geboren 1980 in Karlsruhe, aufgewachsen in Karlsruhe, wohnhaft in Karlsruhe.

Mit 12 Jahren lernte ich meine große Liebe Markus kennen. Mit 18 Jahren lernten wir uns Lieben, und im Jahr 2000 kam unser Sohn Justin zur Welt.

Mr. Kaugummi ist mein Drittes Werk.

Weitere Bücher von mir, findet ihr unter dem Titel:

Hallo Alex...!!

Kalea und Keahi Wiedergeboren im Zeitalter des Mondzirkel

Kapitel Auswahl

Kapitel 1 Mr. Kaugummi

Kapitel 2 Mein erster Fall

Kapitel 3 AZ. 47111506 L. Summers, ein schwieriger Fall

Kapitel 4 Das erste Wort

Kapitel 5 Codewort Tennisspielen

Kapitel 6 Auch Konsequenzen haben Konsequenzen

Kapitel 7 Wenn die Vergangenheit dich einholt

Kapitel 8 Unschuldig bis die Schuld bewiesen ist

Kapitel 9 Die Blondine

Kapitel 10 Die Verhandlung

Kapitel 1Mr. Kaugummi

Herzlichen Glückwunsch und Willkommen in unserer Firma

Ich starre das Schreiben an. Kann es nicht glauben, ich wurde eingestellt.

Ihre Bewerbung hat uns aus zahlreichen Bewerbern am meisten überzeugt.

Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt in meinem Leben.

Melden sie sich Montag, 8 Uhr, auf Stockwerk 5 bei Ms. Classen.

Jetzt bin ich eine vollwertige Sozialarbeiterin, denke ich, Hannah Smith, 22 Jahre, frisch vom College, auf dem ich Sozialpädagogik studierte.

Aufgeregt hüpfe ich durch das Wohnzimmer.

„Was ist denn mit dir los?“

fragt Mia, meine Mitbewohnerin, und hüpft mit mir mit.

Ich halte ihr das Schreiben unter die Nase und sie fängt an zu kreischen.

„Lass uns Feiern gehen!“ beschließt sie als sie sich wieder beruhigt.

Mia nutzte jede Gelegenheit zum Party machen,

Abschluss College- wir feiern..

Mietvertrag abgeschlossen- wir feiern..

Umzug erfolgreich- wir feiern..

sie ist wieder Single- wir feiern..

Da ist es keine Überraschung für mich dass sie Lust auf Feiern hat.

Das ganze Wochenende war ich so aufgeregt das ich kaum etwas gegessen hatte.

Montag morgen stehe ich schon um 6 Uhr auf. Mehrmals wechsele ich mein Outfit, entscheide mich schließlich für ein schwarzes Kostüm mit Rock, weiser Bluse und Riemchenpumps. Ich stecke mir meine Haare hoch und lege dezenten Lippenstift auf.

Oh Gott ich sehe aus wie meine Mom, denke ich als ich mich im Spiegel betrachte.

Nach einem schnellen Blick auf die Uhr, bemerke ich aber dass es bereits zu Spät ist zum umziehen.

Mensch Hannah, musst du immer so herum trödeln?

Ich schenke mir meinen Kaffee in einen To Go Becher, beiße von meinem Donut ab und haste zum Auto.

Tief Durchatmen,

spreche ich mir selbst Mut zu als ich vor dem Fahrstuhl stehe und hinein gehe.

Gerade als sich die Tür schließen wollte, steckt jemand seine Hand durch die Öffnung und verhindert dass sie zu ging.

Erschrocken schaue ich ihn an als er den Fahrstuhl betritt.

„Guten Morgen,“ begrüße ich ihn.

Er mustert mich nur und drückt die Taste 5.

Wortlos fahren wir in die fünfte Etage. Die kurze Fahrt kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Der Typ, der nicht mal guten Morgen sagen konnte, lehnt sich gegen die Wand, hat seine Hände in den Hosentaschen, starrt auf den Boden und kaut Kaugummi.

Ich atme schwer und schaue dabei in seine Richtung.

Er blickt auf und formt mit seinem Kaugummi eine Blase.

Die Blase platzt, die Fahrstuhltür öffnet sich, er zwinkert mir zu und verlässt als erstes den Aufzug. Ich muss meine Augen verdrehen als ich ihm folge.

Direkt vor dem Fahrstuhl befindet sich eine riesige Glasfront, dessen Tür sich am hinteren Ende befindet. Er scheint ebenfalls hier einen Termin zu haben, denn er öffnet die große Tür, beinahe wäre sie mir ins Gesicht geknallt, da er ohne Rücksicht einfach losgelassen hatte. Wieder höre ich das platzen der Kaugummiblase. Ohne die Dame an der Anmeldung zu beachten setzt er sich auf einen der Stühle an der Wand.

Ich schüttele meinen Kopf und trete an den Tresen.

„Hallo, mein Name ist Hannah Smith, ich habe um 8 Uhr einen Termin bei Ms. Classen,“ melde ich mich an.

Die Dame nickt, „bitte setzten sie sich noch einen Moment,“ und zeigt Richtung Wartebereich, wo auch Mr. Kaugummi sitzt.

Ich setze mich drei Stühle weiter, kann aber trotzdem das Schmatzen seines Kaugummi´s hören.

Etwa Fünf Minuten, aber gefühlte dreißig Minuten später, kommt eine blonde Frau, mittleren Alters aus einem der Büro´s.

„Hallo Lucas, du kannst rein,“ wendet sie sich Mr. Kaugummi zu.

Er läuft an mir vorbei und wieder platzt eine Kaugummiblase genau auf meiner Höhe. Diesmal grinst er mich dabei an.

„Hallo, Ms. Smith, ich bin sofort für sie da!“ Ich lächle, nicke und schüttel ihre Hand.

Als sich die Tür wieder öffnete, tritt Mr. Kaugummi mit einer Akte in der Hand und ohne Kaugummi im Mund als erster heraus.

„Samantha, geben sie Mr. Summers einen Termin für nächste Woche!“ meint Ms. Classen die kurz nach ihm das Büro verließ.

„Also bis nächste Woche, Lucas!“ Er nickt ihr zu und trat an den Tresen.

„Bitte, Ms. Smith,“ fordert sie mich auf.

Ich folge ihr ins Büro. Auf ihrem Tisch lag noch die Akte von Mr. Kaugummi, die sie schnell verstaut und meine Bewerbungsmappe herausholt.

„Als erstes mal, Herzlich Willkommen,“ begrüßt sie mich.

„Ihr Büro befindet sich im hinteren Teil des Flures, diese Woche werden sie erst mal alle kennenlernen und nächste Woche bekommen sie dann einen eigenen Fall zugeteilt.“

Ich nicke nervös und höre aufmerksam zu.

„Gut, dann werde ich ihnen mal ihr Büro zeigen,“ lächelt Ms. Classen und steht auf. Ich folge ihr den Flur entlang in einen kleinen Raum mit einem Schreibtisch in der Mitte und einem sehr kleinen Fenster am oberen Teil, dass so klein war das gerade mal mein Arm durchpasste. Etwas enttäuscht schaue ich hinein.

„Das ist natürlich nur vorübergehend,“ erklärt sie mir und gibt mir die Schlüssel in die Hand.

„Der Kaffeeraum befindet sich auf Etage 2, wenn sie etwas brauchen, Samantha hilft ihnen gerne weiter.“

„Vielen Dank,“ bedanke ich mich und setze mich an den Schreibtisch, dabei fällt mir auf, dass das Büro wirklich sehr winzig ist.

Den Rest des Tages verbringe ich mehr oder weniger im Kaffeeraum. Um 17 Uhr bemerke ich wie so langsam alle Feierabend machen, und beschließe ebenfalls zu gehen.

„Na? Wie war der erste Arbeitstag?“

empfängt mich Mia kaum habe ich die Tür aufgeschlossen.

„Frag nicht!“ „Oh je, so schlimm?“

Ich seufze und lasse mich auf das Sofa plumpsen.

„Los erzähl!“ fordert sie mich auf und setzt sich neben mich mit zwei Kaffeebecher in der Hand.

„Für mich nicht, Danke. Kaffee hatte ich heute genug.“

muss ich ihr gestehen.

„Na dann,“ zwinkert sie mir zu und schüttet etwas Baileys hinein,

„Irish Coffee!“

Ich muss lachen, Mia schaffte es immer mich wieder aufzuheitern.

„Jetzt erzähl!“ fordert sie mich erneut auf.

Ich erzähle ihr von Mr. Kaugummi und seiner Kaugummiblase, meinem Minibüro und meiner Zeit im Kaffeeraum, wo mich fast niemand beachtete und ich still in der Ecke saß und meinen Kaffee trank.

Mia fängt an zu lachen, „sie haben dich in die Abstellkammer gesetzt?“

„Ja!“ muss ich zugeben, und trinke enttäuscht meinen Irish Coffee auf Ex.

„Das war nur der erste Tag, Hannah, es wird bestimmt besser.“ versucht sie mich aufzuheitern.

Leider war es nicht nur der erste Tag, denn der nächste Tag ist auch nicht besser. Ich sitze seit einer Stunde auf meinem Stuhl in meiner Abstellkammer und warte und warte und warte.

„NEIN JETZT!“ höre ich jemanden rufen und strecke meinen Kopf aus dem Büro.

„OK, setzt dich ich piepe Ms. Classen an.“ beruhigt ihn Samantha. Neugierig schleiche ich mich nach vorne, kurz vor der Anmeldung höre ich es wieder, das platzen einer Kaugummiblase. Ich verdrehe meine Augen und seufze, als mir klar wird dass es sich um Mr. Kaugummi handle.

Ich betrete den Vorraum, er sitzt auf einem der Stühle, starrt auf den Boden und wibbt nervös mit seinem Bein.

„Was ist den Los?“ frage ich Samantha im Flüsterton.

„Er will zu Erika, sie hat aber heute Frei!“ flüstert sie zurück.

„Hast du ihm das gesagt?“

„Ja, aber er lässt nicht locker. Ich erreiche sie nicht.“

Er bemerkte dass wir uns über ihn unterhielten, und starrt uns an. Wieder platzt die Kaugummiblase. Ich trete auf ihn zu, „Ms. Classen hat heute Frei, und geht nicht ans Telefon, kann ich ihnen vielleicht helfen?“

Unbeeindruckt schaut er mich an und lässt provokativ eine Blase platzen.

„Wir können in mein Büro gehen und in Ruhe über ihr Problem reden.“

Ich zeige in Richtung des Flures und er steht auf. Ich werfe Samantha einen verzweifelten Blick zu, sie lächelt mich nur dankbar an.

„Setz dich bitte,“ sage ich als wir in meinem Büro ankommen.

Ich höre einen leichten leisen Lacher als er das Büro musterte und sich setzte.

„So was ist denn das Problem?“ ignoriere ich seine Reaktion.

Wieder schaut er mich unbeeindruckt an, atmet schwer, als würde er überlegen, ob er mir wirklich sagen sollte was los ist.

Immer noch kaut er Kaugummi, jedoch ohne Blase.

Ich schaue ihn fragend an, warte immer noch auf eine Antwort.

Mein Telefon klingelt, auf dem Display erkenne ich die Anmeldung.

„Ja Samantha,“ melde ich mich.

„Ich habe Erika erreicht, sie sagte er solle morgen gleich um 7 Uhr zu ihr kommen, dann kümmert sie sich um das Problem.“

„OK Danke,“ ich lege auf und schaue Mr. Kaugummi erneut fragend an, immer noch keine Reaktion seines Problems.

„Gut, Ms. Classen bittet dich gleich Morgen um 7 Uhr bei ihr zu erscheinen, dann kümmert sie sich um dein Problem.“

Er nickt und steht auf, beim hinausgehen wirft er mir noch einen lächelnden Blick zu. Ich folge ihm zum Ausgang, bleibe aber bei Samantha stehen.

„Bis Morgen Lucas,“ ruft sie ihm hinterher, ohne sich umzudrehen winkt er zurück und öffnet die Tür. Samantha seufzt, „Süß, Nicht?“ meint sie und zwinkert mir zu.

„Äh, eher Eigenartig, Merkwürdig, Sonderbar!“ gebe ich zur Antwort und beobachte wie er auf den Fahrstuhl wartet.

Es ist bereits Mittag und ich verabrede mich mit Samantha zum Mittagessen.

Gerade als ich die Salatkarte studiere, höre ich eine Kaugummiblase hinter mir platzen, genervt drehe ich mich um, doch es war nur ein kleiner Junge der gelangweilt am Tisch saß. Samantha bemerkte sofort was mein erster Gedanke war.

„Hat er dir erzählt was Los war?“ fragt sie neugierig.

„Wer?“

„Na Lucas! Als er in deinem Büro war!“ „Nein, um Ehrlich zu sein, hat er kein einziges Wort mit mir gesprochen, mich nur angestarrt und Kaugummi gekaut.“

gebe ich kleinlaut zu.

„Ja er vertraut nur Erika, mich hat es schon gewundert dass er überhaupt mit dir mit gegangen ist,“ erklärt sie mir.

„Was hat er den für Probleme?“ frage ich neugierig.

„Das weiß ich nicht so genau, ist vertraulich.“

Den Rest des Tages verbringe ich neben Samantha an der Anmeldung. Im meisten muss sie irgendwelche Termine ausmachen oder absagen, Anrufe durchstellen oder Akten in die Büro´s bringen. Wenn ich nicht bald meinen eigenen Fall bekäme, verspüre ich den Drang ihren Job zu machen.

Am Abend erzähle ich Mia während wir das Abendessen zubereiten, was heute alles auf der Arbeit passiert ist.

„Kein einziges Wort?“ fragt sie beim Zwiebel schneiden.

Ich nicke und esse ein Stück Paprika.

Sie schüttelt den Kopf, „sehr eigenartig dieser, wie heißt er noch gleich?“

„Mr. Kaugummi,“ erwidere ich mit lächelnder Stimme.

Mia sieht mich scherzhaft an.

„Lucas. Glaube ich. Samantha nannte ihn Lucas,“ antworte ich ernst.

„Was weißt du über ihn?“ fragt sie weiter.

„Er spricht nicht, vertraut nur Ms. Classen, und kaut gerne Kaugummi,“ antworte ich und schütte die Nudeln in das Wasser.

„Sieht er gut aus?“ grinst sie mich an.

Ich verdrehe die Augen, „Jetzt fang du nicht auch noch an,“ gebe ich zur Antwort und koste die Soße.

„Beschreibe ihn!“ fordert Mia mich auf.

Ich sehe sie nur strafend an.

„Na Los, wie sieht er aus?“

Ich schloss die Augen um ihn mir besser vorstellen zu können.

„Etwa 1,80 groß, Blond, blaue Augen, und wenn er mal lächelt, was eher selten der Fall ist, dann hat er zwei Grübchen auf den Seiten.“

Ich öffne meine Augen und Mia grinst mich an.

„Ahmmm,“ antwortet sie kauend und zuckte mit den Augenbrauen. Ich grinse zurück und werfe ihr eine Nudel an den Kopf. Lachend tragen wir unsere Teller an den Tisch.

Am nächsten Morgen soll ich das Büro aufschließen und befinde mich schon kurz vor Sieben auf dem Weg nach Oben.

Als ich aus den Fahrstuhl steige, bemerke ich dass jemand vor der Glastür sitzt mit Kopf gegen die Front gelehnt und Blick an die Decke. Beim Näher kommen erkenne ich Lucas.

„Hallo Lucas, du bist aber Früh hier, es ist ja noch keine Sieben.“

Er zuckt nur mit den Schultern und wirft mir einen flüchtigen Blick zu. Dabei fällt mir auf dass er gar keinen Kaugummi kaut.

Ich seufze laut und schließe die Tür auf.

„Komm mit rein, Ms. Classen ist bestimmt gleich da.“

Ich betrete den Bürovorraum und er folgt mir, setzt sich aber gleich auf die Wartestühle. Punkt Sieben betritt Samantha das Büro, „Mooorgeeen,“ flötet sie als sie uns sieht.

„Wie kannst du morgens nur so gut Gelaunt sein?“

frage ich, und nippe an meinem To-Go Becher.

„Sex unter der Dusche!!“

Ich verschlucke mich an meinem Kaffee,

„bitte was?“

„Ein Quickie am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen,“ zitiert sie und fährt den PC hoch.

„Musst du auch mal probieren!“

„Ich habe keinen Freund!“ gestehe ich.

„Oh ich auch nicht,“ grinst mich Samantha an,

„aber das hindert mich nicht daran Sex zu haben.“

Ich merke wie ich Rot anlaufe. Samantha lacht auf,

„Sag bloß du hattest noch nie Sex für eine Nacht?“

Ich schüttele meinen Kopf.

„Aber Jungfrau bist keine mehr?“

„Ich habe durchaus schon Sex gehabt, nur halt noch nie One Night Stands!“ protestiere ich.

„Na dann wird es allerhöchste Zeit, nicht wahr Lucas?“

Entsetzt schaue ich Richtung Wartebereich. Ich hatte völlig vergessen, dass Lucas hier ist. Er sitzt nach unten gerutscht, Stuhllehne im Nacken, Hände in den Hosentaschen, Beine weit ausgestreckt, da und grinst uns an. Er erwidert meinen Blick und zuckt mit den Augenbrauen. Nervös drehe ich mich um und laufe Richtung Flur als Ms. Classen eintrifft.

„Hallo Lucas du kannst gleich mitkommen, morgen Samantha, morgen Hannah.“

Ich drehe mich nochmal um, um sie zu begrüßen, erhasche dabei noch einen Blick auf Lucas, der mich immer noch grinsend ansieht und mir zuzwinkert bevor er Erika´s Büro betritt.

Beim durchsehen meiner Email´s bemerke ich endlich einen eigenen Fall bekommen zu haben. Ich sollte eine Familie überprüfen, die das Sorgerecht ihrer Tochter wieder haben wollte, dazu brauche ich die Akte der Mutter. Also bin ich wieder auf dem Weg zu Samantha. Schon auf dem Flur erkenne ich dass sie sich gerade unterhielt.

„Na siehst du, hat sich doch alles geklärt, Lucas!“ Ich stelle mich abseits und beobachte die beiden.

„Ja zum Glück. Und? Wer war der glückliche von heute Morgen?“ spricht er mit ihr.

Ach sieh an, Mr. Kaugummi kann also doch sprechen!! denke ich als ich die beiden belausche.

„Warum so neugierig Mr. Summers?“

Er zuckt nur mit den Schultern, „wie heißt die neue aus der Abstellkammer?“

Meint er etwa mich?

„Abstellkammer?“ stellt Samantha als Gegenfrage.

Er zeigt in meine Richtung, erschrocken springe ich hinter die große Topfpflanze.

„Ach du meinst Hannah?“

„Hannah!“ höre ich wie er meinen Namen wiederholt.

„Ja, H-a-n-n-a-h,“ betont Samantha, „warum fragst du?“

Gespannt höre ich zu. Doch er antwortet ihr nicht. Stattdessen höre ich wieder nur das platzen der Kaugummiblase.

Und da ist sie wieder, die Kaugummiblase...

denke ich und verdrehe die Augen. Vorsichtig linse ich nach vorne. Lucas war gerade am gehen.

„Samantha ich brauche die Akte 47111507,“ sage ich gelassen als hätte ich nichts mitbekommen.

„Siiiicheeer!“ flötet sie mir zu.

Natürlich wusste ich warum sie so flötet, schau aber trotzdem fragend in ihre Richtung. Lächelnd gibt sie mir die Akte.

Dankend nehme ich sie und begebe ich mich wieder in mein Minibüro. Beim aufschlagen fällt mir schon auf, dass dies nicht die richtige Akte sein kann, sie ist viel zu Dick für einen vorübergehenden Sorgerecht Fall.

Vermieter macht wieder Probleme, Arbeitgeber droht mit Kündigung.

Steht als Handgeschriebener Vermerk am Rand.

Mr. Summers neigt auch weiterhin zu Aggressionen.

Mr. Summers? Den Namen kenne ich doch?

Ich schaue auf das Aktenzeichen, 47111506 Lucas Summers.

Da hat mir Samantha wohl die falsche Akte gegeben! Ich bin schon auf dem Weg zur Tür, als die Neugierde mich doch zurück hält. Ich schlage die Akte erneut auf und fange beim ersten Eintrag an zu lesen. Er liegt fünf Jahre zurück.

Damals war er erst 16 Jahre und hatte seine Volljährigkeit beantragt um von seinem Stiefvater weg zu kommen.

Es wurde ein Psychologisches Gutachten beauftragt um sich ein Bild über seinen Zustand zu verschaffen.

Psychologisches Gutachten Lucas Summers

Mr. Summers neigt zu aggressiven Handlungen, was sich als Gegenwehr der körperlichen Misshandlungen durch seinen Stiefvater zurückführen lässt.

Kleine Aussagen lassen ihn aufbrausen, nimmt alles Persönlich.

Der Verlust seiner Mutter nimmt ihn schwer mit,

Depressionen wurden Medikamentös behandelt.

Er ist sich durchaus bewusst für seinen Unterhalt alleine aufkommen zu müssen. Laut eigener Aussage würde er alles tun nur um aus der Hölle zu entkommen.

Unter den besonderen Umständen und der Gefahr des Jugendlichen vor weiterer Misshandlung, stimmen wir dem Antrag auf Volljährigkeit zu.

Mr. Summers erklärt sich auch bereit sich regelmäßig bei seiner ihm zugeteilten Sozialarbeiterin zu melden, die ihm betreuend zur Seite steht.

Ich atme schwer, schlage Seite → auf, verschiedene Arztberichte und Foto´s fallen mir ins Auge.

Patient L. Summers,

Trümmerfraktur Linkes Bein ein Röntgenbild beigelegt, es wurde geschraubt.

Mittelarmbruch, rechts

ein Foto des Gipsverbandes,

Diverse Hämatome an Oberkörper

ebenfalls mit Foto dokumentiert.

Zu der Zeit schien er nicht älter als 12 Jahre gewesen zu sein.

Tränen steigen in meine Augen. Ich höre Ms .Classen auf dem Flur, schließe meine Tür und lese weiter.

Mehrere Polizeilich angezeigte körperliche Misshandlungen im Zeitraum von 2 Jahren zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr, nach einschalten des Jugendamtes des Kreiskrankenhauses durch den Arzt Dr. Brown wurde Mr. Summers in eine Pflegestelle verwiesen, wo er seinen Kieferbruch auskurierte.

Wieder ein Foto von Lucas beigefügt, mit verdrahtetem Kiefer.

Ich schnäuze mir die Nase und wische die Tränen aus dem Gesicht.

Habe erst mal genug gesehen und bringe Samantha die Akte zurück.

„Du hast mir die Falsche Akte gegeben.“

„HmmH, hast du sie gelesen?“

antwortet sie und streckt mir eine Akte entgegen.

Traurig schaue ich sie an, „nur die ersten Seiten.“

Ich lege seine Akte auf ihren Tresen und nehme die andere in die Hand. Samantha schaut mich mitleidig an und schiebt sie wieder in meine Richtung. Mir wird klar, sie hatte mir absichtlich Lucas´ Akte gegeben.

Kapitel 2Mein erster Fall

„Partynight,“ ruft Mia in mein Zimmer. Total verschlafen schaue ich sie an.

„Was gibt es denn zu feiern?“ frage ich beiläufig und hoffe sie lässt mich noch schlafen.

„Dein einmonatiges Bestehen in der Firma!“ ruft sie aus dem Bad, „dein Umzug aus der Abstellkammer und deinen ersten großen Fall.“

Ich schaue auf die Uhr, es ist 8 Uhr morgens.

Warum ist Mia schon auf? Es ist Samstag?!

Mia lässt sich auf mein Bett Plumpsen.

„Dein erster Fall!! Ich bin so Stolz auf dich!“ „Ich habe offiziell noch keinen, Mia. Sam hat nur etwas erwähnt, was sie zufällig mitbekommen hat!“ „Zufällig? Ja! Als würde Sam etwas Zufällig hören?!“

Da muss ich ihr Recht geben, wenn jemand alles aus der Firma weiß, dann Samantha! „Ich bin gespannt was das sein wird? Sorgerecht, Drogenmissbrauch, Minderjährige auf der Suche nach dem Sinn des Lebens?“ plabbert Mia weiter, „also dem Minderjährigen kannst du sagen dass ich mit 22 Jahren noch keinen Sinn gefunden habe!“ Ich verdrehe die Augen, ach Mia..

„Warum sind wir schon wach?“ frage ich schließlich.

„Shooopping!!“ flötet sie mir ins Ohr.

„Wir suchen dir jetzt ein Sexy- Party-Outfit!“

„Ich brauche kein´s, ich habe alles!“