Msafiri - Abenteuer einer zweijährigen Weltreise - Jack Boltz - E-Book
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Msafiri - Abenteuer einer zweijährigen Weltreise E-Book

Jack Boltz

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Beschreibung

Msafiri ist so verrückt wie das Leben selbst. Es ist Lebensgeschichte, Satire und Erfahrungsschatz zugleich. Dreißig Jahre sollte es dauern, bis dieses Buch fertiggestellt werden konnte. Die Hochschaubahn des Lebens wird darin himmelhochjauchzend und abgrundtief dargestellt. In Msafiri entdeckst Du aber auch Parallelen zu Deinem eigenen Leben, die Dir helfen werden, Deine Lebensgeister wieder neu zu entfachen. Dabei begreifst Du, dass Dich das Leben etwas lehren will. Lass Dich in eine Welt entführen, die rund um den Globus führt und die die Dich letztlich wieder heimbringt. Jedes Kapitel ist eine abgeschlossene Episode dieser abenteuerlichen, spannenden und faszinierenden Reise. Die Erzählungen darin verändern den Blickwinkel und regen zum Nachdenken an.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2023

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MSAFIRIAbenteuer einer zweijährigen Weltreise

 

Jack Boltz

 

 

 

 

 

 

 

Reinhard Wind, Wienerstraße 22/4, 8230 Hartberg, Ö[email protected], www.jackboltz.com

 

2023-2024 Reinhard Wind

Veröffentlicht unter Reinhard Wind

Impressum https://jackboltz.com/impressum

Alle Urheberrechte liegen beim Autor.

 

ISBN 978-3-9519782-5-3

Erstauflage, Juli 2023

Überarbeitete Version, April 2024

 

Umschlaggestaltung: Christine Wieczorek

Titelfoto: Reinhard Wind

 

Um eine bessere Lesbarkeit zu ermöglichen, wird in diesem Buch meist die männliche Anrede verwendet.

Selbstverständlich darf und soll sich jede Person respektiert und angesprochen fühlen.

 

Der Autor gibt keinerlei Versprechungen oder Garantien hinsichtlich der Wahrheit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der in diesem Buch enthalten Darstellungen oder Verweisungen. Alle Ideen, Schlussfolgerungen und Annahmen sind ausschließlich die persönliche Meinung des Autors und müssen deshalb nicht der Richtigkeit entsprechen.

 

Alle Rechte vorbehalten.

 

Alle Rechte, insbesondere die des Nachdrucks, der Weitergabe in jeglicher Form und der Übersetzung in andere Sprachen, sind dem Autor vorbehalten. Ohne schriftliche Genehmigung ist es nicht erlaubt, das Buch oder Teile daraus auf fotomechanischem Weg zu vervielfältigen oder unter Verwendung elektronischer oder mechanischer Systeme zu speichern, systematisch auszuwerten oder zu verbreiten. Ebenso ist die Erfassung und Nutzung auf Netzwerken, inklusive des Internets, oder die Verbreitung des Werkes auf Portalen wie Google Books oder anderen nicht gestattet. Bitte das zu respektieren. Danke.

 

Worte sind die SklavenDeiner Gedanken,die Dich verraten und Dichausliefern. Sie lassen es zu,dass man Dich richtet und urteilt.

Hier in Msafiri lasse ich allmeine Sklaven frei!

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Teil I Wilde Jahre

Kapitel 1 Der Querdenker

Kapitel 2 Friede, Freude, Eierkuchen

Kapitel 3 Das Upgrade

Kapitel 4 New York Hardcore

Teil II Zwei Jahre Weltreise

Kapitel 5 Das sprießende Samenkorn

Kapitel 6 Dem Tode so nah

Kapitel 7 Kaschmir Brutale

Kapitel 8 Freiheitsk(r)ampf

Kapitel 9 Mystik in Klein-Tibet

Kapitel 10 Die Droge Himalaya

Kapitel 11 Reis als Heilpflanze

Kapitel 12 Singsang und Sake

Kapitel 13 Adrenalinjunkies und Grenzgänger

Kapitel 14 Herzschmerz und Auweh

Kapitel 15 Brandraub im Dschungel

Kapitel 16 Als Gast der Natur

Kapitel 17 Guerillas im Nebel

Kapitel 18 Der Barbier des Schreckens

Kapitel 19 Die Helden des Alltags

Kapitel 20 Spinner und andere Gehirnakrobaten

Kapitel 21 Loslassen, leben und alt werden

Kapitel 22 Völlig durchgeknallt auf Safari

Kapitel 23 Der Gorilla in mir

Kapitel 24 Msafiri – Der Reisende

Nachwort

Sehnsucht Leben

Bonusmaterial

 

Danksagung

M

safiri ist ein Buch, das Jahrzehnte lang reifen musste. Erst nach unendlich vielen Umgestaltungen und Verbesserungen konnte ich es letztendlich fertigstellen. Es wurde zu einer Ansammlung an authentischen Erzählungen, die von unzählig vielen Menschen motiviert und mitgestaltet wurden. Deswegen ist es absolut unmöglich, all die Beteiligten, direkt oder indirekt Genannten, Erwähnten und Beschriebenen hier aufzuzählen und ihnen einzeln zu danken. Alle in diesem Buch genannten Personen werden somit zu Charakterdarstellern und zu Protagonisten und sind der Keim und Ansporn meiner Geschichten und Erzählungen. Ihnen gelte mein aufrichtiger Dank.

Trotz all der Menschen, die meinen Lebensweg kreuzten und die mithalfen, Msafiri entstehen zu lassen, möchte ich einige wenige hervorheben. Das sind jene, die mich persönlich gut kennen und die meinen Werdegang über viele Jahre hinweg mitverfolgt haben oder sogar ein Teil davon wurden. Deshalb widme ich dieses Buch in allererster Linie meinen Söhnen Felix, Tobias und Philipp, mit denen ich eine großartige Zeit erleben durfte. Alle drei sind herausragend positive und charismatische junge Männer geworden, auf die ich unendlich stolz bin. Leider kann ich ihnen all das hier Geschriebene nicht persönlich mitteilen, denn familiäre Barrieren und ein Leben auf unterschiedlichen Kontinenten schieben einen Riegel davor. Momentan sehe ich keine andere Möglichkeit, ihnen meine Sicht der Dinge in der sich wandelnden Welt weiterzugeben, als durch das hier Geschriebene. Heute kann ich ehrlich gesagt nicht mehr wirklich beurteilen, ob ich ihnen ein guter Vater gewesen bin oder nicht. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle bei ihnen entschuldigen. Sicherlich hatte ich viel zu wenig Zeit für sie und brachte nur selten ein offenes Ohr für ihre Anliegen auf. Sehr wahrscheinlich ist auch, dass ich die Fragen, die sie stillschweigend an mich richteten, nicht einmal wahrgenommen habe. Als Erwachsener fällt es manchmal sehr schwer, bedeutende Fragen zu erkennen, die wir von unseren Kindern gestellt bekommen. Nur wenn man Toleranz, Flexibilität und gegenseitiges Verständnis aufbringen kann, kommt ein reger Gedankenaustausch zustande. Mir scheint so, als hätte ich diese brückenbildenden Eigenschaften damals nicht immer aufbringen können. Wahrscheinlich verbockte ich noch vieles andere mehr, das ich selbst nicht einmal wahrgenommen habe. Deswegen möchte ich mich für mein Versäumen aus tiefstem Herzen entschuldigen. Möge das hier Geschriebene mehr Klarheit über mich in ihr Leben bringen, so sie das überhaupt interessiert.

Selbstverständlich steht auch meine geliebte Mutter ganz oben auf der Liste jener Menschen, denen ich von ganzem Herzen danken möchte. Sie ist für viele Leute, so auch für mich, ein Vorbild an Beständigkeit und positivem Erscheinungsbild. Ihr ganzes Leben lang hat sie sich nie geschont und war sich auch nie zu schade, hart zu arbeiten. Als junger Mann war ich bei Gott nicht immer ihrer Meinung, aber erst als die Jahrzehnte ins Land gingen, verstand ich allmählich, was sie mir damals sagen und mitteilen wollte. Dafür bin ich ihr heute unendlich dankbar. Meine Weltreise war auch ihre Weltreise, und ein Teil von ihr ist wohl mit mir auf diese Reise gegangen. Das macht mich stolz und glücklich. Auch möchte ich mich ganz herzlich bei meinen Geschwistern Sandra und Jürgen bedanken. Trotz aller Herausforderungen, die mein turbulentes Leben mit sich brachte, standen sie immer zu mir. Nun zählen wir gemeinsam die Jahre des Älterwerdens und haben die Möglichkeit, uns fast jedes Wochenende zu sehen und bei ein paar Gläsern Wein ausgiebig zu lachen. Das allein sehe ich schon als einen Riesenerfolg auf persönlicher Ebene. Dazu gehören natürlich auch Saeed, der meine Schwester zu seiner Frau machte und der nun mit seiner ganzen Familie ebenso zu unserer Familie gehört. Nicht vergessen darf ich meine liebe Nichte Victoria, die unsere Familientreffen immer wieder mit ihrer Anwesenheit erhellt und auffrischt.

Auch möchte ich mich bei all meinen Freunden in meinem Heimatort recht herzlich bedanken, die immer für mich da waren, obwohl ich doch sehr unkonventionelle Wege gegangen bin. Schon immer griff ich nach den Sternen und wollte die Welt umarmen und verlor dabei allzu oft die Realität aus den Augen. Doch sie waren immer für mich da, und das zählt. Vielen herzlichen Dank an euch alle. Auch habe ich ein paar sehr gute und nahestehende Freunde in verschiedenen Teilen von Österreich, Deutschland und in ganz Europa, deren Namen ich hier nicht nennen möchte. Ihnen gelte mein herzlicher Dank für die Unterstützung, den Support und die Freundschaft über all die vielen Jahre hinweg. Ganz wichtig und wegweisend in meinem Leben waren aber auch meine Freundinnen, Lebenspartnerinnen und Ehefrauen. Ich glaube, sagen zu dürfen, dass ich es immer ehrlich und aufrichtig meinte. Einige werden jetzt vielleicht schmunzeln und andere werden wohl den Kopf schütteln. Das macht aber nichts, denn das Leben war, wie es war, und nicht anders. Es ist sicherlich ungewöhnlich, sich bei vergangenen Liebschaften zu bedanken, aber wenn man dieses Buch liest, dann wird einem sehr rasch klar, dass der Lebenspartner einen immens großen Anteil daran hat, wie man die Welt sieht, sie erlebt, wie man sich in ihr bewegt und entwickelt. Deshalb die pfleglichen Worte an die Damenwelt, die mich betörte.

Manche Autoren bedanken sich bei Lehrern, Professoren, Mentoren oder anderen Menschen, die sie lehrten. Ich habe dieses Bedürfnis nicht wirklich, denn mein wahrer Lehrer war das Leben selbst. Dennoch, wenn ich die lange Liste meiner ehemaligen Professoren und Lehrer durchlaufe, sticht einer ganz besonders hervor, nämlich Herr Professor Dipl. Ing. Gerhard Hartmann. Er lehrte mich an der BULME Nachrichtentechnik und Hochfrequenztechnik. Die partielle Differentialgleichung von Helmholtz und die Kirchhoffschen Gesetze klingen noch heute in mir nach, obwohl ich sie seit Jahrzehnten nicht mehr angewandt habe. Leider ist Herr Professor Hartmann bereits verstorben, aber aus irgendeinem Grund hat er andere Werte in mir hinterlassen als bloß Gleichungen, Gesetze und technisches Wissen. Deswegen fühle ich mich ihm nach wie vor sehr nahe, und das fühlt sich wirklich gut an.

Noch besser bedanke ich mich beim Leben selbst für den spannenden und verrückten Verlauf, gespickt mit all den Überraschungen, Kehrtwendungen und Sackgassen, die ich irgendwie meistern musste. Selbst Kränkungen, Demütigungen, Niederlagen, Schwächen, Ängste, Paniken, Selbstzweifel und all die persönlichen Fehlleistungen bekommen von mir ein Dankeschön. Sie lehrten mich wichtige Lektionen im Leben, ohne die ich nicht hätte weiterkommen können. Erst durch sie wurde ich zu jenem Menschen, der ich heute bin. Sie erst brachten all die Voraussetzungen mit sich, die absolut notwendig waren, damit ich mich bewähren musste und bestehen konnte. Im Nachhinein gesehen, würde ich sie sogar zu meinen besten Lehrmeistern zählen. Nicht, dass ich sie wieder herbeisehnen wollte, aber dennoch verdienen sie meinen Dank. Nichts im Leben passiert aus reinem Zufall, denn alles macht Sinn und hat Zweck. Leider können wir Menschen das bei scheinbar zufällig auftretenden Ereignissen im seltensten Fall verstehen oder herleiten. Wohl aber können wir ein Feingefühl entwickeln, um zu erahnen, was einem eine bestimmte Lektion im Leben vermitteln will. Eine weite Sicht der Dinge ist dafür jedoch Voraussetzung.

Ganz sicher möchte ich mich aber beim Leser selbst bedanken. Mein Ansinnen ist es, Ihnen in Msafiri ein positives Lebensgefühl zu vermitteln. Es soll Sie dabei bestärken, Ihr Leben von einem anderen Blickwinkel her zu sehen. Dabei sollten Sie zum Nachdenken angeregt werden und neue Chancen erkennen. Wenn nur eine einzige Geschichte im Buch Sie in einer wichtigen Lebensphase unterstützt, indem Sie andere Maßstäbe ansetzen können, dann hätte Msafiri seinen Zweck bei weitem erreicht. Vielleicht vermag das Geschriebene sogar einen Schmerz zu lindern, den Sie schon seit langer Zeit in sich tragen. Was auch immer Sie für Vorteile aus den Erzählungen ziehen – Msafiri wird für Sie in jedem Fall zu einem Gewinn werden, indem es Sie unterhält.

Danke, dass Sie da sind.

Wähle Deine Gedanken weise,die Dich in Ketten legenund die Dich versklaven,denn sie können zerstörenoder auch erschaffen.

Vorwort

W

enn man all die Gedanken, die man des Tages über hegt, als Wohnhaus sehen würde, dann könnte man einzelnen Räumen im Haus bestimmte Gruppen an Gedanken zuordnen.

Da wäre einmal die große, komfortable Küche, die ganz klar für all jene Gedanken reserviert ist, die sich ums Essen und ums Trinken drehen. Das große Wohnzimmer, inklusive der Veranda, stünde für die vielen liebgewonnenen Hobbys, Freizeitgestaltungen und Lieblingsbeschäftigungen, über die wir während des Tages nachdenken und worüber wir schwärmen. Erotische Träume, sexuelle Begierden und auch die Liebe selbst fänden wir passenderweise natürlich im Schlafzimmer. Das Klo reservierten wir treffenderweise für den launischen Nachbarn und auch für andere unangenehme Zeitgenossen, die einem mächtig auf die Nerven gehen. All die Familienangelegenheiten schieben wir in eines der freien Zimmer, das weder groß noch klein ist und das für die einen wichtig ist und für die anderen wiederum nicht. Den Beruf und den Broterwerb stecken wir klarerweise in den Keller, denn da gehört er auch hin. Man tut das, was man tun muss, aber das hat schon lange nichts mehr mit Freude oder Begeisterung zu tun.

Doch da ist noch ein kleiner Behälter, vielleicht so groß wie eine Schuhschachtel, der sich irgendwo im Haus versteckt hält. Manche Menschen bewahren ihn fest verschlossen, in einem der Schränke im Wohnzimmer auf; andere wiederum verstecken ihn sogar unter dem Bett im Schlafzimmer. Ganz sicher findet man ihn aber nicht im Keller oder schon gar nicht irgendwo vergraben im Garten. Dieser kleine Behälter, der da so gut versteckt irgendwo im Haus, beinahe schon vergessen, sein Dasein fristet, ist für das Seelenwohl des Menschen unabdinglich. Er hilft ihm, über Dinge hinwegzusehen, zu verzeihen und dem Alltag mit Güte und Gelassenheit zu begegnen. Er ändert den Blickwinkel des rastlosen Erdenbürgers und hilft ihm sogar, Träume, Sehnsüchte und Wünsche wiederzuentdecken. Aber der kleine Behälter, der so groß ist wie eine Schuhschachtel, eröffnet auch ferne Horizonte, in denen das Leben noch ein aufregendes, leidenschaftliches und einzigartiges Ereignis ist. Doch dieser Behälter ist nicht einfach bloß ein Behälter, sondern er ist vielmehr eine Schatztruhe, die den Menschen wieder einrenkt, ihn aufatmen lässt und beruhigt. Es ist das Reisefieber und die damit verbundene Abenteuerlust, die man in dieser Schatztruhe findet. Sie, diese Abenteuerlust, verleiht einem die Kraft, das Leben als freudvoll und lebenswert zu empfinden. Sie heilt!

Zu lange haben wir diese Schatztruhe bereits nicht mehr hervorgekramt, geöffnet und mit all den wunderschönen Gedanken gespielt, die darin zu finden sind. Der Alltag hat es mit sich gebracht, dass sich all die Zimmer unseres Hauses immer mehr mit Dingen füllten, die wir im Grunde genommen gar nicht bräuchten. Da war dann kaum mehr Platz für das Reisefieber und die Abenteuerlust, die einem früher einmal so viel bedeuteten. Wäre es nicht endlich wieder an der Zeit, dieses Reisefieber und die Abenteuerlust mit neuer Kraft und Energien zu befeuern und ihre wilde ungestüme Lebhaftigkeit wieder zum Entflammen zu bringen? Wären wir nicht alle viel besser damit bedient, unseren Blickwinkel von der Welt wieder neu zu justieren, um mit dem Grauschleier abgedroschener und langweiliger Gedanken aufzuräumen? Sollten wir dem Haus nicht neue Zimmer hinzufügen, die vielleicht sogar viel schöner und prächtiger wären als das Wohnzimmer selbst? Mit etwas Begeisterung und Tatendrang könnten wir aus dem biederen Wohnhaus sogar einen Palast werden lassen, der alles Bisherige in den Schatten stellen würde!

Die Gänsehaut der Begeisterung läuft einem über den Rücken, wenn man an all die spannenden Emotionen und Gefühle denkt, die das Öffnen dieser Schatztruhe mit sich bringen würde. Wir wären nicht mehr dieselben wie davor. Ja, wir könnten durch diese Schatztruhe, wenn wir ihren Inhalt pflegten, hegten und auch erweiterten, sogar zu einem besseren Menschen reifen. Nicht sofort, aber mit der Zeit würde sich unser Horizont beträchtlich erweitern und wir würden darin neuen Lebensmut und Antrieb finden. Wäre das nicht herrlich? Wäre das nicht einen Versuch wert? Dieser unermessliche Reichtum, den wir in dieser Schatztruhe aufbewahren könnten, würde sogar Geldsorgen, Zukunftsängste und all den Gram, den wir in uns tragen, wegspülen. Doch die Realität kennt kein Erbarmen, weil das unermüdliche Gedankenkino uns Menschen bereits fest im Griff hält. All die Schönheiten um uns herum können wir wegen dem, was wir Alltag nennen, kaum mehr wahrnehmen und erkennen. Zu sehr sind wir damit beschäftigt, Dingen nachzulaufen, die es nicht wert sind, auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden. Das Reisefieber und die Abenteuerlust ändern aber alles. Sie treiben es aufs Äußerste, denn sie erwecken und schütteln einen mit Begeisterung und Leidenschaft. Es ist ein Enthusiasmus, der uns guttut und bei dem wir durch die Gitterstäbe des Alltages die helle Sonne am Firmament erkennen, die uns endlich wieder die Gänsehaut über den Rücken jagt. Reisefieber und Abenteuerlust sind etwas Großartiges, wenn man sie pflegt, sie nährt und den Versuch startet, seinen Wünschen und Sehnsüchten eine neue Chance zu geben.

Msafiri soll das Reisefieber und auch die Abenteuerlust wieder neu entfachen, die in jedem von uns schlummern, wenn auch verkümmert und kaum mehr erkennbar. Wobei das Reisefieber wahrscheinlich eine harmlosere Form der Abenteuerlust ist. Wenn man jedoch einmal von der Abenteuerlust befallen ist, dann lässt sie sich kaum mehr abschütteln, denn sie vereinnahmt den Menschen nachhaltig. Eine Schatztruhe, die neben dem Reisefieber auch noch die Abenteuerlust beinhaltet, ist immer riesengroß und kann sogar den Großteil des Wohnzimmers einnehmen. Reisefieber kann verkümmern, aber Abenteuerlust tut das nie. Sie ist wie ein Stachel, der einen am Niedersetzen hindert. Manchmal entwickelt sie sich sogar zu einer echten Plage, speziell für liebgewonnene Mitmenschen. Abenteuerlust kann man nicht heilen, sie muss ausgelebt werden, denn sie füllt das Leben des Befallenen aus. Sie sucht nach Bestätigung und nach steter Neudefinition. Abenteuerlust fordert von einem, sich immer wieder an Grenzen heranzuwagen, in körperlicher wie auch in geistiger Hinsicht. Abenteuerlust ist zugleich auch ein Virus, der tödlich sein kann, wenn man mit den eigenen Grenzen nicht umzugehen weiß und Risiken unterschätzt. Das Abenteuer liegt immer im Balanceakt, den man vollbringt, wenn man sich seinen Grenzen nähert. Nach Abenteuern kann man süchtig werden. Die Sucht liegt dann in der Klarheit des grenzwertigen Augenblicks, der das Leben simpel und einfach werden lässt. Man will dieses Gefühl des Einsseins mit dem Moment immer wieder neu erleben, denn es ist ein Moment, der einen so viel lehrt. Dabei lernt man in erster Linie, wer man wirklich ist, wofür man steht und was einem das Leben wirklich bedeutet.

Msafiri erzählt von diesen Momenten, die das Leben so unvergesslich, einzigartig und atemberaubend werden lassen. Aber es erzählt auch von den Herausforderungen, die man bestehen muss, um dort hinzukommen, wo das Abenteuer erst zu einer tiefgreifenden Sensation wird. Das ganz große Abenteuer, das man irgendwann einmal Leben nennt, ist ein permanentes Ausloten der eigenen Grenzen. Man hat dann bereits viele Horizonte erschlossen und musste noch mehr Tiefschläge einstecken. Das Abenteuer beginnt erst jenseits der Fülle an Bespaßungen, die man Urlaub nennt oder sich dort gönnt. Abenteuer sind immer unbequem, fordernd und riskant, aber fesselnd zugleich. Sie erlauben keinen Fehltritt und auch keine Rücksicht auf sich selbst. Abenteuer ereignen sich im Kopf und nirgendwo sonst. Die Welt ringsum ist dann bloß ein umtriebiger Spielplatz und eine Kulisse, um den Gedanken und Eindrücken mehr Raum, Tiefe und Intensivität zu verleihen.

Das Reisefieber und die Abenteuerlust haben mich auf einen langen Weg geschickt, der auch heute noch nicht zu Ende ist. Um genau zu sein, habe ich viel mehr das Gefühl, gegangen worden zu sein. Es fühlt sich geradewegs so an, als müsste ich gewisse Wege im Leben gehen, um Lektionen zu lernen, die mir irgendwann einmal zum Vorteil gereichen sollen. Natürlich frage ich mich immer wieder, warum alles so sein musste, wie es kam, und so sein wird, wie es kommen soll, aber ich konnte darauf noch keine zufriedenstellende Antwort finden. Mehr noch fühlt es sich so an, als käme dieser Antrieb, bestimmte Wege gehen zu müssen, irgendwie von außen. Aber erklären kann ich das wiederum nicht. Alles im Leben hat einen Sinn und erfüllt einen Zweck. So sehe ich das heute. Einen Weg einzuschlagen ist einfach, aber ihn bis zum Ende zu gehen ist fast unmöglich, denn man weiß nicht, wie das Ende wirklich aussieht oder was es bedeuten könnte. Der Tod ist aber ganz sicher nicht das Ende des Weges, dessen bin ich mir sicher. Entlang des Weges verlieren sich die Grenzen und die Richtung ändert sich, denn Entbehrungen stellen einen vor große Herausforderungen und trüben den Blick auf das vermeintliche Ziel. Das muss man dann aber immer wieder aufs Neue entdecken. Meine Weltreise, die mehr als zwei Jahre dauern sollte, war so ein Weg. Sie formte mich zu einem völlig neuen Menschen, obwohl ich das äußerlich kaum erkennen ließ. Nun, mehr als dreißig Jahre später, lüfte ich den Schleier meiner inneren Welt und gebe Einblicke in bestimmte Episoden meiner Reise.

Letztendlich sollte Msafiri im Schnelldurchlauf fertiggestellt werden, aber es gab dann doch sehr viel wirres Gedankengut, das kultiviert und in lesbare Form gebracht werden musste. Msafiri als auch Urugendo und Viviparie, meine weiteren Bücher, erzählen von den Erlebnissen und Abenteuern, die mich die Welt mit völlig neuen Augen sehen ließen. Als unverbesserlicher Idealist und Träumer wollte ich mehr wissen von dem, was man nonchalant Leben nennt. Ich wollte Länder bereisen, Menschen kennenlernen, und ich wollte besonders auch hinter die Person blicken, die ich im Spiegel sah. Die Mysterien des Daseins beschäftigten mich seit jeher und ich hatte Fragen, sehr viele Fragen. Daheim in gewohnter und vertrauter Umgebung, umringt von Menschen, die mir Halt geben und die ich schätze, fand ich die Antworten nicht, nach denen ich so fieberhaft suchte. Deshalb zog es mich in die Ferne, die mich mit unbändiger Kraft anzog. Ich beschloss, auf eine Weltreise zu gehen. Zuerst waren fünfzehn Monate Reisezeit geplant, aber es sollte dann doch viel länger dauern. Auf dieser Reise lernte ich, mit den Eindrücken der sich wandelnden Welt umzugehen und ihre Eigenheiten zu respektieren, zu schätzen und letztendlich zu lieben. Unvorhersehbare Schwierigkeiten, niederschmetternde Erlebnisse und unverhoffte Wandlungen zerrten an meiner Weltanschauung. Ich lernte, Tiefschläge wegzustecken oder aufzuarbeiten. Es war oft schwierig, mir in fordernden Situationen selbst treu zu bleiben und immer wieder den Antrieb zu finden, mich erneut aufzurichten. Ein Übermaß an Erlebnissen, Eindrücken und Abenteuern hing wie ein Damoklesschwert über mir, das mich zu erdolchen drohte. Aber ich hielt stand, denn ich wollte in den vermeintlichen Tiefschlägen und Niederlagen wertvolle Lektionen aufspürte, die meinen Charakter stärken sollten. Deswegen sah ich mich in jeder noch so misslichen Lage als Schüler und als Lernender, der nach der Lektion Ausschau hält. Ich wollte die Weltreise unbedingt als Gewinn verbuchen können, um erhobenen Hauptes dem Leben die Stirn bieten zu können. Aber einfach, bei Gott, war das nicht!

Das hier Geschriebene soll unterhalten, erstaunen, begeistern und motivieren. Aber es soll auch zum Nachdenken und zur Reflexion anregen. Jedes Kapitel stellt eine in sich abgeschlossene Handlung dar, die in zehn bis zwanzig Minuten durchgelesen werden kann. Ich denke, das ist ein fairer Versuch, das Interesse des Lesers zu wecken, um ihn in ferne Welten zu entführen und sein Reisefieber wieder neu zu entfachen. Das hier Geschriebene erhebt weder Anspruch auf Richtigkeit noch auf Vollständigkeit. All das Dargestellte stellt lediglich meine persönliche Meinung dar. Deshalb bitte ich um Nachsicht, wenn das Erdachte manchmal vielleicht zu extreme Züge annimmt. In diesem Buch stelle ich das Museum meiner Vergangenheit in die Auslage und erzähle von meinen Jahren als Teenager, als Student und als junger, aufstrebender Mann. Die beschriebenen Erlebnisse und Abenteuer während meiner Weltreise, die mich vom 19. April 1992 bis 21. April 1994 durch 49 Länder führten, sind so wahrheitsgetreu wie nur möglich dargestellt. Zudem spare ich nicht mit Selbstkritik, denn mir liegt viel mehr an der Wahrheit, so es eine solche überhaupt gibt, als an Rücksicht vor mir selbst.

Gleich nach der Rückkehr von meiner Weltreise wollte ich dieses Buch sofort fertigstellen. Ich hatte bereits eine große Menge an Reiseberichten angesammelt, aber ich fühlte instinktiv, dass ich noch nicht so weit war. Mir fehlte irgendetwas, um auch die richtigen Worte zu finden, die meinen Berichten das richtige Momentum verleihen sollten. Weitere Versuche, meine Texte in Buchform fertigzustellen, startete ich im Juni 2004, dann wieder im Frühjahr 2006 und auch im Herbst 2010. Immer war mein Kopf mit Tausenden von Dingen beschäftigt, weshalb ich den Antrieb zur Fertigstellung des Buches nie finden konnte. Zudem waren meine positive Einstellung und mein Enthusiasmus nicht immer vorhanden, speziell dann, wenn ich von einer unglücklichen Lebenslage in die andere schlitterte. Der lange und mühsame Weg der Selbstfindung war dann auch der Grund dafür, dass die Fertigstellung dieses Buches so lange warten musste.

Erst im Frühjahr 2022, dreißig Jahre nach dem Beginn meiner Weltreise, war es dann so weit und ich brachte Msafiri in die Endgerade. Heute bin ich unendlich dankbar, diesen wichtigen Schritt endlich getan zu haben. Msafiri fertigzustellen ist für mich wie eine Erlösung, denn nun kann ich die Segel endlich in eine neue Richtung setzen. Danke an mich selbst.

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil IWilde Jahre

Ich entschuldige mich nicht für die Wildheit in mir,denn sie ist mein Antriebund meine Identität.

Lasst euch von niemanden eure Begeisterung stehlen, denn sonst erkalteteure Welt.

 

Kapitel 1Der Querdenker

I

n der Schule war ich nie ein Wunderknabe, denn die Leistungen, die ich erbrachte, waren bestenfalls durchschnittlich. Meine Eltern mussten sich immer wieder dieselben Entschuldigungen anhören, weshalb ich diese oder jene ungenügende Note mit nach Hause brachte. Die Schule empfand ich deswegen immer als sehr mühsam und lähmend. Aber irgendwie kämpfte ich mich dann doch widerwillig und trotzig durch den Schulalltag.

Damals verbrachte ich den Großteil meiner kläglichen Freizeit mit meinem Lieblingshobby, dem Modellfliegen. Das war für mich wie eine Insel fern von irgendwelchen Zwängen. Während meiner Studienzeit erhielt ich den Segelflugschein und flog an verschiedenen Flugplätzen eine altgediente Schleicher Ka8b. Viele Jahre später, dann aber bereits in Tirol lebend, bestand ich auch noch einen Gleitschirmkurs. In großer Höhe zog ich im Inntal, dem Zillertal und am Achensee meine Kreise, doch im Grunde genommen war ich für diese fliegerische Kühnheit viel zu ängstlich. Deswegen verkaufte ich bereits nach zwei Saisonen meine gesamte Gleitschirmausrüstung. Außerdem besaß ich während meiner Jugend immer wieder ein Motorrad und sah mir die Welt in Schräglage an. Aus großer Höhe, oder auch in Schräglage, sieht die Welt entweder sehr klein oder auch komplett schief aus. Vielleicht hat genau das zu meiner eigenwilligen und auch etwas schrägen Sichtweise von der Welt beigetragen. Unentwegt trug ich irgendwelche Fragen nach dem Sinn und Zweck des Lebens in mir herum und suchte nach Antworten. Ich fand aber keine. Nicht einmal Friedrich Nietzsche, Siegmund Freud oder Carl Gustav Jung, die mich damals so begeisterten, konnten mir befriedigende Antworten liefern. Schon damals sah ich in der Seele des Menschen ein besonders spannendes und ergiebiges Wissensgebiet, dem ich nachstöberte, bis es weh tat. Aber dieser Rotzlöffel, meine Seele, ließ sich einfach nicht blicken. Und das brachte mich wiederum in ein intellektuelles Dilemma, das mich um meinen Schlaf brachte.

Damals, in meiner Jugend, bekam ich zum Mittagessen sehr oft eine Buchstabensuppe aufgetischt, die mich total verwirrte. Immer wenn ich in den Suppenteller starrte, versuchte ich. in den darin herumschwimmenden Buchstaben einen Sinn zu erkennen. Oder sogar ein Zeichen, das mir von einer höheren Macht gegeben wurde. Das muss doch alles irgendwie zusammenpassen, marterte ich mein Denkwerk ab. Ich sage euch im Vertrauen: So eine Buchstabensuppe kann sehr gefährlich sein! Sie kann für einen jungen, aufstrebenden Querdenker sogar zu einer echten Geißel werden. Eigentlich dürfte sie nur beim Waffenhändler unter großen Vorsichtsmaßnahmen ausgegeben werden. Bitte, liebe Eltern, verschließt das Sackerl mit den Buchstabennudeln sorgsam im Tresor, damit sich eure Kinder nicht daran vergreifen können. Dosiert die Menge an ausgegebenen Buchstabennudeln peinlich genau. Passt dabei unbedingt auf, dass immer gleich viele A–Z ausgegeben werden. Sollten missverständlicher Weise zu viele Buchstaben eines Typs ausgegeben werden, dann ruft bitte sofort den Arzt an. Man merkt den Jugendlichen bereits frühzeitig an, wenn sie wegen der Buchstabensuppe in den Wahn getrieben werden. Sie glotzen dann minutenlang in den heiß dampfenden Suppenteller und versuchen, darin die Welt zu enträtseln. Aber das geht nie gut aus, sage ich euch. Ich wurde schon halb verrückt, als ich das Wort „ZARATHUSTRA“ zusammensetzen wollte. Das darauffolgende Wort „KNFOPLRZTMOBRWRTF“ trieb mich dann tatsächlich an den Rand der Klapsmühle. Zum Glück gab es die Buchstabensuppe damals nicht auch noch mit arabischen oder chinesischen Schriftzeichen, denn dann wäre ich wohl total plemplem geworden.

Ganz sicher, so glaube ich zumindest, hat aber Elon Musk zu tief in die Buchstabensuppe geäugelt, als er seinem Sohn den Namen X AE A-XII gab. Nein, das ist kein Scherz, denn das ist tatsächlich der Vorname seines am 4. Mai 2020 zur Welt gekommenen Sohnes. Komischer Name, aber vielleicht wird er daheim sowieso Hansi, Peppi, Waldi oder sonst wie genannt. Ja, „sonst wie“ wäre vielleicht ein besserer Name als X AE A-XII. Aber vielleicht ist die Mutter von X AE A-XII tatsächlich dieser R2D2 von Star Wars, obwohl er etwas anderes behauptet. Doch Sex mit einem Roboter – geht das überhaupt? Musk muss ja total von der Rolle sein, und so einen Typen lässt man Raketen ins All schießen? Was der noch alles anrichten könnte! Da sieht man wieder einmal, was so eine Buchstabensuppe alles anrichten kann.

Irgendwer hat mir einmal geflüstert, dass die Buchstabensuppe sogar in Geistesheilanstalten eingesetzt werden soll. Dort laufen angeblich Ärzte mit Augenklappen herum, um wegen der wirren Anordnung der Buchstaben nicht in den Wahn getrieben zu werden. Den Patienten legt man dann angeblich, so habe ich das von vertraulicher Quelle erfahren, die Buchstaben der Buchstabensuppe rücklings und verkehrt herum auf, um sie wieder zurück ins Leben zu führen. Das sollte man bei Musk wahrscheinlich auch machen. Aber andererseits: Vielleicht gibt es für die Buchstabensuppe eine Art Betriebsanleitung, was ich aber bezweifle. Zudem ist es möglicherweise gar nicht so weit hergeholt, dass man annehmen kann, dass ganze Völker, wie die Inkas, Azteken und andere Großkulturen, wegen der Entdeckung und Anwendung der Buchstabensuppe ausgestorben sind. Was wird wohl als Nächstes kommen, das uns völlig um den Verstand bringen wird? Donald Trump und Vladimir Putin? Okay, die schaffen das auch. Ja, das sind sie, die tiefgreifenden Erkenntnisse, mit denen ich gedenke, die Welt zu retten.

Der praktische Typ war ich nie, wie man wohl erkennen kann. Wahrscheinlich war ich tollpatschig und vielleicht sogar faul. Manchmal mehr tollpatschig als faul, und ein anderes Mal mehr faul als tollpatschig. Aber das war wirklich nichts, worauf ich hätte stolz sein können. Mein Bildungsweg war dann auch so eine Sache, von dem ich heute nicht mehr genau weiß, wie sich das alles zutragen konnte. Die Fliegerei war sicherlich ein wichtiger Faktor in der Entscheidung meiner schulischen Laufbahn. Aber andererseits hatte ich auch großen Erfolg beim Elektro-Kontakt-Spiel, das zu jener Zeit der große Renner war. Dabei legte man auf einem Spielbrett eine Karte auf, die Fragen zu einem bestimmten Wissensgebiet beinhaltete. Mit zwei elektrischen Kontakten konnte man bei der richtigen Beantwortung einer Frage das Aufleuchten einer Glühbirne auslösen. Natürlich gab es verschiedene Karten zu unterschiedlichen Wissensgebieten. Wenn man das Spiel oft genug spielte, wusste man recht rasch, welche Kontaktkombinationen das Aufleuchten der Glühlampe bewirkten. Dann brauchte man über die Frage nicht einmal mehr nachzudenken und alle glaubten, man sei die klügste Person im Raum. Schon bald wusste ich, wie ich es anstellen musste, um ständig zu gewinnen, denn ein Daniel Düsentrieb war ich damals ganz sicher nicht. Sollte das Elektro-Kontakt-Spiel tatsächlich für meinen technischen Bildungsweg verantwortlich gewesen sein, dann war meine schulische Laufbahn wohl ein großes Missverständnis. Zudem bewegte der große Chemiebaukasten, den ich irgendwann zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte, absolut nichts in mir. Das Chemie-Zeugs konnte mir ohnehin gestohlen bleiben. Ungeduldig und gnadenlos goss ich irgendwelche bunten Flüssigkeiten in ein Reagenzglas, verrührte die Brühe, aber nichts passierte, außer dass es erbärmlich nach faulen Eiern stank. Nach zwei oder drei Wochen Herumstehen in der Küche schüttete ich das dunkelbraune, übelriechende Gemisch dann ins Klo.

Unter all diesen fragwürdigen Voraussetzungen und in einem, meines Dafürhaltens, labilen Geisteszustand, steckten mich meine Eltern in die Höhere Technische Bundeslehranstalt in Graz-Gösting, auch BULME genannt. Dort belegte ich die Fachrichtung Nachrichtentechnik und Hochfrequenztechnik und erfuhr über die bereichernden, jedoch trickreichen Eigenschaften von Strom. Dazu gesellte sich ein Leben im Internat, in dem ich am Montag zeitig in der Früh mit dem Autobus angereist kam und Samstagnachmittag komplett ausgepumpt wieder nach Hause fuhr. Mehr als vierzig Wochenstunden in der Schule, plus zusätzliche Studierstunden, strapazierten mein sensibles Gemüt und meinen grenzenlos überbeanspruchten Denkapparat. Das alles fand ich außerordentlich ermüdend, quälend und meiner freiheitsliebenden Seele nicht wirklich dienlich. In endlos anmutenden fünf Jahren absolvierte ich die BULME und bekam nach ein paar Praxisjahren den Titel Ingenieur verliehen. Insgesamt verbrachte ich ganze elf Jahre in verschiedenen Internaten und Studentenheimen, in denen mein junger Geist von Lehrern, Professoren und anderen Knallköpfen geknechtet und zwangsformatiert werden sollte. So durchlebte ich etwas widerwillig und trotzig, aber dennoch einwilligend und zustimmend, meine Jugendjahre und pubertierte schön langsam vor mich hin.

Die Jahre flossen dahin, ohne wesentliche Spuren in mir zu hinterlassen. Es waren gute und es waren freudvolle Zeiten. Aber es gab natürlich auch Ereignisse, da watschte mich das Leben ordentlich ab. Immer wieder verlor ich den Boden unter den Füßen, denn zu oft eiferte ich Idealen und Werten nach, denen ich nicht gewachsen war. Kaum glaubte ich eine Hürde überwunden zu haben, da schwang schon der nächste Schlag und das Leben traf mich mit voller Wucht. Ein Schlag, der mich zunächst nur aushebelte, bei dem ich wankte und wackelte, aber der mich letztendlich zu Boden brachte. Einmal war es eine nicht erwiderte Liebe und später war es dann auch der Broterwerb oder ein unvorhersehbares Ereignis, das mir arg zu schaffen machte. Immer fühlte ich mich wie in einem Boxring angezählt und musste all meine Kraft aufwenden, um mich wieder aufzurappeln. Vielleicht war ich damals auch viel zu sensibel oder einfach nur zu schwach und unreif.

Man darf sich niemals geschlagen geben und man muss immer nach den positiven Aspekten einer erhaltenen Lektion Ausschau halten, redete ich mir damals ein. Man lernt niemals aus und es schmerzt immer wieder, wenn einem das Leben ordentlich zusetzt. Aber man lernt die Schläge, die einen zu Boden bringen, besser zu parieren und rascher seine Schlüsse daraus zu ziehen. Man erholt sich immer schneller und erkennt die zu lernende Lektion. So etwas ist dann eine große Genugtuung, wenn auch eine schmerzvolle. Der Mensch wird zur Summe seiner Verfehlungen, wohl aber in einem stimmigen Potpourri, konnte ich an mir selbst feststellen. Das könnte man auch als Dilemma werten, aber das ist es wiederum nicht, denn es ist ein Weiterkommen.

Niederlagen und Fehltritte sind für die Entwicklung und Reifung des Menschen unerlässlich und somit unabdinglich. Deswegen dachte ich mir, dass ich die Anzahl meiner Fehltritte künstlich erhöhen sollte, um rascher an mein Ziel zu gelangen. Groteskerweise sieht es tatsächlich so aus, als hätte ich das für den Rest meines Lebens auch hinbekommen, denn ich kann die Fehlschritte, die ich machte, und die Niederlagen, die ich einstecken musste, schon lange nicht mehr zählen.

 

Kapitel 2Friede, Freude, Eierkuchen

F

rieden war in meinen Jugendjahren ein spannendes, heiß diskutiertes und völlig überstrapaziertes Thema. In den Siebzigern beschäftigte das Thema Frieden so ziemlich jeden, und wie so viele andere auch, hatte ich meinen eigenen Plan für den Weltfrieden. Mir war so, als wüsste ich sehr genau, wie man diese so heruntergekommene Welt wieder in geordnete Bahnen führen könnte. Ich war nur einer von all den Weltverbesserern, die supergescheit daherredeten und keinen Tau vom Tuten und Blasen hatten. Aber ändern konnte ich nichts. Oder kennt irgendjemand den einfühlsamen und cleveren Weltverbesserer, der die Welt zu nachhaltigem Frieden führte? Jener, der eine Art Marshall-Plan für den Weltfrieden ersann und diesen auch methodisch und effizient umsetzte? Okay, noch kennt ihn niemand, diesen Sonnenaufgang für den Weltfrieden, denn ich arbeite noch daran.

Mit großem Unbehagen erinnere ich mich an dieses übergroße Schwarzweißbild, das in meinem Zimmer an der Wand klebte. Darauf war ein Soldat abgebildet, der in Vietnam niedergeschossen wurde und der im Angesicht des Todes seine Hände in die Höhe warf, während sein Gewehr durch die Luft wirbelte. Darunter stand in Großbuchstaben das Wort „WHY?“ geschrieben. Dieses Bild nagte hartnäckig an meiner Psyche, denn ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es Menschen geben könnte, die anderen den Tod wünschten. In was für einer abgefackten Gesellschaft leben wir eigentlich, fragte ich mich immer wieder. Möglicherweise war ich deshalb so etwas wie ein Pazifist. Aber andererseits gab es diese Antikriegsfilme wie Platoon, Apokalypse Now und andere mehr, die meinen Gefallen fanden. Wobei diese Hollywood-Blockbuster alles andere als Antikriegsfilme waren, denn sie verherrlichten den Krieg. Sie machten den Krieg sogar supercool und lässig und dazu noch kultisch. Wer kam überhaupt auf diese dumme Idee, solche Filme als Antikriegsfilme zu bezeichnen? Wahrscheinlich ging es den Filmproduzenten nur darum, Menschen dafür zu begeistern, sich als Soldat rekrutieren zu lassen. Die amerikanische Kriegsmaschinerie gehörte damals mit gewaltbereiten Person versorgt, die gewillt waren, im vietnamesischen Dschungel als Kanonenfutter herzuhalten. Aber natürlich ging es auch um Geld, denn mit Antikriegsfilmen war damals viel Geld zu verdienen. Also war ich dann doch kein Pazifist? Doch, ja. Ich war eindeutig Kriegsgegner.

Irgendwann während meines Studiums an der Wirtschaftsuniversität in Wien ging ich dann auch zum Bundesheer. Trotz innerem Widerstand begriff ich, dass es in meinem Heimatland eine Wehrpflicht gab, der ich mich zu stellen hatte. Pflichtbewusst verbrachte ich dort acht Monate damit, zuerst die Grundausbildung zu absolvieren, um danach als Wirtschaftsgehilfe irgendwelche Essenskisten zu den halberfrorenen Kämpfern im Feld zu karren, die tief im Schnee steckten und imaginäre Ziele anvisierten. Wenigstens konnte ich den leidenden Kameraden einen üppigen Schöpfer Gulasch aus der Gulaschkanone in ihr blechernes Essgeschirr patzen. Dazu gab es abgelaufenes Dosenbrot und übersüßten Tee. Es ist wohl die landläufige Meinung, dass der Grundwehrdienst nichts bringt oder nichts bewirken soll. Das kann schon stimmen, aber ich sehe das ein wenig differenzierter. Tagtäglich hatte ich beim Bundesheer die unmöglichsten und sinnlosesten Dinge zu verrichten. Ich fragte mich immer wieder: Warum? Wofür? Wieso? Während der Grundausbildung marschierte ich täglich über den Exerzierplatz, hockte in irgendwelchen Erdlöchern herum oder hatschte mir mit der „Wolke“ am Rücken die Füße in den Bauch. Bei Regen oder auch im Schnee verteidigte ich das vermeintlich bedrohte Vaterland, und am Abend trank ich mich im Soldatenheim ins Delirium. Aber ich war nur einer von vielen, und wir taten alle dasselbe. Dieses System, das wir Grundausbildung nennen, war für mich der stumpfsinnigste Unsinn, der mir je untergekommen war. Wer kann denn so etwas heutzutage überhaupt noch als sinnvoll erachten? Wehrpflicht sollte nicht am Schlachtfeld ausgeübt werden, sondern sollte bereits viel früher, im Denken des Wehrpflichtigen verankert werden. Was nutzt es schon, mit völlig veraltetem Kriegsgerät am Schlachtfeld zu hocken, wenn der Kampf sowieso ganz woanders ausgetragen wird? Aber vielleicht war meine Einstellung viel zu radikal oder auch zu angepisst, denn ich hatte derart stupide Dinge zu verrichten, dass ich mir wie der größte Vollidiot auf Gottes Erdboden vorkam. Ich versuchte, das alles irgendwie zu kapieren und einzuordnen, kam aber zum Schluss, dass ich mein Gehirn am besten ausknipsen musste, um mir im Soldatenheim den großen Reset zu geben. Durch die Flutung des Hirnes mit Alkohol waren die wenigen noch intakten Gehirnzellen zunächst hellauf begeistert und völlig aus dem Häuschen, bevor sie verfielen und abstarben. Zurück blieb ein leblos anmutender Patzen Gewebe im oberen Teil des Schädels, das nun kaum mehr eine faire Chance hatte, einen eigenen Intellekt zu entwickeln. Aber ich gab mich nicht geschlagen und befeuerte mein erschlaffendes neurales Netzwerk zu irrwitzigen neuen Ideen und Erleuchtungen. Es musste doch möglich sein, dieses wabbelige Teil zwischen den Ohren, das sich bis zur Schädeldecke hin auskleidet, zu neuen Energien anzuregen, um gewinnbringende Erkenntnisse herauszuquetschen. Während meines Grundwehrdienstes hatte ich auf dieses kranke und so entartete System eine immens große Wut im Bauch. Fragen nach dem Sinn und all die Peinlichkeiten, die ich als Wehrmann über mich ergehen lassen musste, strapazierten meine Auffassung von Ehrbarkeit und Gerechtigkeit. Schlecht gelaunt und voller Missmut versuchte ich immer wieder, dem Ganzen etwas abzugewinnen, aber meine endzeitlichen Gedanken schufen nur unrealisierbare und abstruse Ideen und Lösungsansätze. Immer wieder versuchte ich, das Erdachte irgendwie einzuordnen, und speiste meine Einfälle in die Endlosschleife meiner tristen Gedanken. Ich plagte mich ab, bis ich vor Erschöpfung nicht mehr weiterwusste. Es war ein unbeschreibliches Martyrium, aber andererseits war es auch eine Art Heldentat, die ich da vollbrachte. Eine Heldentat, die ihresgleichen suchte, aber die nur in mir selbst ihren Bewunderer fand.

Ich fühlte Hass und Zorn, wenn ich an all die verschwendeten Ressourcen und entwürdigenden Tätigkeiten dachte. Doch weder Hass noch Zorn sind ehrbar oder zielführend, sondern offenbaren bloß mein persönliches Versagen. Vielleicht verstand ich nur die gesamte Tragweite unseres Wehrsystems nicht, oder ich war tatsächlich zu dumm und zu intolerant. Als nichts mehr da war, womit ich meinen Gram hätte nähren können, war plötzlich alles still und friedlich in mir. Es gab keine Armseligkeit mehr, die mich aufzehrte, und es gab auch keinen weiteren Grund, über irgendetwas nachzugrübeln. Auch die Trübsal und sogar der Frust waren auf einen Schlag völlig verschwunden. Dadurch hatte ich gar keine andere Wahl mehr, als die Welt mit völlig anderen Augen zu sehen. Wie ein Gegeißelter und halb zu Tode Geprügelter erhob ich mich von meinem geduckten Gang und stellte positive Veränderungen in mir fest. Sie kamen mir wie eine Art Salbung vor. Alles Leid und alles Wehgefühl waren auf einmal verflogen und ich fühlte mich von allem befreit. Das war dann so etwas wie eine Menschwerdung oder sogar wie ein Herabschweben. Der unbeschreiblich langwierige und quälende Weg vom dahinkriechenden Amphibium zum gebückt gehenden Homo sapiens, der es in der Evolution irgendwann einmal zuwege brachte, aufrecht zu gehen, muss ein ähnliches Erfolgserlebnis nach sich gezogen haben.

Als ich plötzlich erkannte, dass ich auf dieser Welt nicht allein war, änderte sich meine Sichtweise. Ich sah das Leben auf einmal mit völlig anderen Augen. Menschen redeten mit mir und ich redete mit ihnen. Wir sprachen miteinander. Und das fühlte sich richtig und gut an. Alles kam mir auf einmal sinnvoll und angemessen vor. Ich verspürte dieses mächtige Gefühl, das man nur dann bekommt, wenn man in einem erbitterten Kampf über sich selbst triumphiert. Man ist dann unermesslich stolz auf sich und auf den Sieg, den man davonträgt. Plötzlich ist alles viel einfacher, verständlicher und nichts kann einen mehr erschüttern. Eine neue Sicht der Dinge gewinnt an Raum und an Intensität. Sie bahnt sich ihren Weg zielsicher heraus aus dem Dunklen und wird beständiger und kraftvoller. Nichts kann sie mehr aufhalten. Sogar die Latrinen in der Kaserne putzte ich dann aufopfernd und pfleglich. Erniedrigungen und Demütigungen überstand ich mit Gelassenheit, mit Würde und sogar mit Güte. Ich verzieh. Den eigenen Stolz und das eigene Ego musste ich überwinden, indem ich einen Horizont überschritten hatte, von dem ich niemals gedacht hätte, ihn jemals überschreiten zu können. Nun konnte mich nichts mehr erschüttern und ich wusste, dass ich immer obenauf sein würde. Und genau das erkannte ich damals für mich als den Sinn des Wehrdienstes, so obskur das auch klingen mag.

Nach dem Grundwehrdienst übte ich den Beruf als Produkt-Manager für Prozessmessgeräte aus. Ich bediente mich allerlei technischer Errungenschaften, aber als Techniker sah ich mich nie. Mir lag vielmehr am Menschen selbst, der die Quelle meiner uneingeschränkten Aufmerksamkeit werden sollte. Ihm wollte ich mein Leben widmen, was auch immer das bedeuten sollte. Meiner beruflichen Tätigkeit ging ich neben dem Studium nach. Dadurch konnte ich mich finanziell über Wasser halten, und das war wichtig. Ich war weder Student noch Angestellter und fühlte mich dadurch irgendwie zwischen zwei Welten. Meine Arbeit verrichtete ich so recht und schlecht, ohne besondere berufliche Erfolge vorweisen zu können. Ich verspürte auch keinen Drang, irgendwie durch Leistung hervorstechen zu wollen. Mir fehlte es an Entschlossenheit, an Tatendrang und auch an Zweck. Tagein, tagaus erledigte ich meine Aufgaben, konnte aber nichts Entscheidendes bewegen. Mein roter Volkswagen Käfer brachte mich von A nach B und eine Substandardwohnung in Wien bot mir während der Woche ein moderates Zuhause. Das war damals mein Leben. Es war weder spannend noch besonders, sondern simpel und schal. Mein Dasein schien wieder einmal an Glanz verloren zu haben und irgendwann ging mir dieser gleichgültige Mief irrsinnig auf den Wecker. Ich fand, dass ich von dieser Welt noch nichts gesehen hätte, und wurde das lähmende Gefühl nicht los, etwas zu versäumen. Ich musste schleunigst raus. Raus aus meiner Lebenssituation, raus aus Österreich und am liebsten auch raus aus meiner eigenen Haut.

Abgesehen von den Sommerurlauben in Kroatien, Italien und in Deutschland brachte mich meine erste große Reise nach Alaska. Sie erst weckte meinen Appetit nach der großen weiten Welt. Von Alaska wieder daheim angekommen, konnte ich den Virus, ferne Länder bereisen zu wollen, nicht mehr abschütteln. Mein Beruf bereitete mir noch weniger Freude als je zuvor und ich verspürte das unbändige Gefühl, die Welt erkunden zu wollen. Zunächst loderte dieses Feuer nur gemächlich in mir und ich konnte es immer wieder unter Kontrolle bringen. Aber diese Sehnsucht nach Neuem brach immer wieder in mir aus, bis sich meine Abenteuerlust zu einem Flächenbrand entfachte, der nicht mehr gelöscht werden konnte. Meine Seele dürstete es nach Freiheit und ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Mein Verstand drehte sich im Kreis, denn ich war überwältigt, wehrlos und machtlos zugleich von dem, was ich glaubte, in der Ferne vorfinden zu können. Das rettende Sicherheitsnetz des österreichischen Sozialstaates hinter mir lassend, wollte ich neue Horizonte erschließen. Das Tor in die große weite Welt stand nun ganz weit offen und ich brauchte nur noch hindurchzugehen. Ich wusste, dass ich vor vielen Herausforderungen stehen würde, und das machte mir Angst, aber andererseits war ich bereits voller Vorfreude. Eine Entscheidung musste getroffen werden, die letztendlich rein gar nichts Rationales an sich hatte, denn meine Ratio sagte mir, ich sollte daheimbleiben. Ohne eine Antwort parat zu haben und ohne allzu viel zu hinterfragen, aber mit großem Selbstvertrauen, fasste ich den Entschluss, auf Weltreise zu gehen. Ich wusste, dass ich diesen Weg nehmen musste, koste es, was es wolle, denn ich musste mich selbst wiederfinden, und daheim war das nicht möglich. Nun konnte mich nichts, aber auch gar nichts mehr von meinem Entschluss abbringen. Ich ging durch ein Wechselbad an Gefühlen, und trotz aller Ängste und Begleiterscheinungen kündigte ich meinen sicheren Arbeitsplatz und verkaufte alles, was nicht niet- und nagelfest war. Meine Entscheidung, die Welt zu bereisen, war bereits gefallen und somit in Stein gemeißelt – endgültig und unabwendbar.

Es war ein Schritt vor die Tür und der Schritt hinaus in eine Welt, die mich nicht mit offenen Armen empfing. Aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, denn sonst wäre alles vielleicht ganz anders gekommen.

 

 

Kapitel 3Das Upgrade

I

ch war gerade einmal zwölf Jahre alt, als ich ins Bundesrealgymnasium nach Oberschützen kam. Meine Mutter, eine fleißige Gastwirtin, und mein Vater, ein beschäftigter Tiefbauingenieur, hatten kaum Zeit für uns Kinder. Deshalb wurde ich gleich nach der Volksschule in ein Internat gesteckt, das sich dort Bundeskonvikt nannte. Das Gebäude vermittelte den Charme eines Gefangenenlagers aus dem zweiten Weltkrieg, und die Professoren, die uns beaufsichtigten, empfand ich eher als Despoten und nicht als Lehrbeauftragte. Es schien ihnen nicht um Aufsicht zu gehen, sondern um Drill. Zu vierzehnt lagen wir im Schlafsaal und hatten in militärischer Sorgfalt unsere Sachen zu packen und uns in Reih und Glied neben dem Bett aufzustellen, wenn es eine Kontrolle gab. Spaß war das keiner, und meine sensible Seele fand überhaupt keinen Gefallen daran.

Es muss im Jahre 1975 gewesen sein, als wir im Fernsehraum auf hölzernen Stühlen saßen und auf den kleinen Röhrenfernseher im sonst kahlen Raum starrten. Es lief ein Spielfilm über die Mafia, und einer der Darsteller war ein sogenannter Jack. Ich schien mit diesem Jack etwas gemeinsam zu haben, denn irgendjemand im Raum entschied, dass ich ab sofort Jack genannt werden sollte. Dieser Jack im Spielfilm war so eine Art Wandschrank-Typ und gar kein Prinz Charming mit blondgelockter Mähne, der die Frauenwelt betörte. Natürlich wäre ich viel lieber so ein Prinz-Charming-Typ gewesen, aber mit meiner amorphen Gestalt, dem dichten Wuschelkopf, der meine Erhabenheit krönte, einer dicken Hornbrille auf der Nase und den vielen Kilos, die ich damals auf die Waage wuchtete, passte dieses Wandschrank-Image ohnehin besser zu mir. Alle hießen mich von nun an Jack. Ein Jahr später kam mein Bruder nach Oberschützen und auch er wurde Jack genannt. Wobei ich der große Jack genannt wurde und er der kleine Jacky war. Ich denke, das war schon okay so, denn damals war ich zumindest einen Kopf größer als er. Vier Jahre lang ging ich dort zur Schule und kam dann zur BULME. Das klingt vielleicht auch wie ein Internierungslager, aber die BULME war wirklich gut. Die Professoren waren streng, keine Frage, aber sie wollten uns Schüler tatsächlich etwas lehren und beibringen. Bei meinen Kollegen schien das wunderbar zu gelingen, aber ich war eher jener, der dauernd nur lachte. Alles amüsierte und belustigte mich. Wegen jeder Kleinigkeit fing ich an zu kichern oder sogar laut zu lachen und zu brüllen. Dabei hatte ich alle Mühe, mich unter Kontrolle bringen. Zugegeben, das klingt ein wenig grenzdebil, aber das war damals so meine Art, die Welt nicht wirklich ernst zu nehmen. Dadurch hatten die Professoren natürlich alle Mühe, in mir einen wissbegierigen Schüler zu erkennen. Interessanterweise lernte ich aber immer genau so viel, dass ich gerade noch die Abschlussprüfungen bestand. Das war auch eine Kunst an sich, bildete ich mir ein. In Ermangelung bekannter Gesichter verlor ich den Namen Jack und wurde von meinen Freunden mit meinem Vornamen angesprochen. Das war vorerst das Ende meiner Karriere als Jack.

Einige Jahrzehnte später, das war dann schon im Jahr 2010, als meine damalige Frau und ich in Dubai einen Verlag hatten, schrieb ich einige Kolumnen für eines unserer Magazine. Wir verlegten damals fünf Industriemagazine und das Kompass Magazin, das sich an die deutschsprachigen Auswanderer in der arabischen Welt richtete. Dabei unterhielt ich eine Kolumne unter dem Pseudonym Jack Boltz. Den Namen Jack übernahm ich aus meiner Jugend und suchte nach einem passenden Zusatz oder einem Familiennamen. Damit wollte ich den Vornamen Jack beleben und aus ihm einen amerikanisch klingenden Namen werden lassen. Mein Sohn Tobias hatte die glorreiche Idee zum Namen Jack Boltz, und somit wurde das Pseudonym Jack Boltz in die Welt gesetzt. Dazu ersann ich eine Identität, die bodenständig, geradlinig, ehrlich, trotzig und auch ein bisschen wütend war. Unter diesem Pseudonym schrieb ich dann einige Artikel für das Kompass Magazin. Ein Pseudonym zu benutzen war für mich ein außerordentlich spannendes Experiment. Ich fand es ungemein befreiend, nicht unter meiner eigenen Identität auftreten zu müssen, sondern unter einem Pseudonym zu schreiben. Als Jack Boltz konnte ich meinen Ideen und Spinnereien freien Lauf lassen, auch wenn die Leser genau wussten, wer hinter diesem Namen steckt. Für mich wurde das Pseudonym Jack Boltz zu einer Art Refugium, in dem ich mich austoben konnte. Vielleicht war dieser Jack Boltz für mich selbst sogar viel wichtiger als für den Leser. Im Laufe der Zeit entwickelte ich meine Doppelidentität immer weiter, und Jack Boltz wurde zu einer heroischen Idealfigur, der zu werden ich mich bemühte.

Es ist tatsächlich ein riesiger Unterschied, ob man in seiner realen Identität denkt und schreibt oder ob man dasselbe im Rahmen seines Pseudonyms macht. Selbst wenn man über banale Dinge nachdenkt und dies unter seinem Pseudonym tut, dann wird meiner Erfahrung nach das Ergebnis ein gänzlich anderes. Man sieht sich automatisch in der Idealperson, die man gerne wäre, und das Ergebnis des Erdachten wird dadurch ein anderes und qualitativ erheblich besser. So habe ich das zumindest immer empfunden. Folglich konnte ich als Jack Boltz meine Ideen und Eingebungen viel unverblümter darstellen und schrieb das, was mir wirklich auf der Leber lag. Das war für mich eine echte Erlösung oder auch wie ein Freilassen. Ich ließ die Fesseln meiner realen Identität hinter mir und fühlte mich völlig losgelassen, genau das zu sagen, was ich wirklich sagen wollte, ohne jemanden zu verärgern oder anderen auf die Füße zu treten. Daran fand ich unheimlich viel Gefallen und posaunte allerlei eigenwillige Ideen und bizarres Gedankengut hemmungslos nach außen. Meiner stümperhaften literarischen Karriere stand somit nichts mehr im Weg. Dem Träumer in mir gewährte ich nun endlich wieder jene Freiheiten, die er schon so lange vermisste. Immer wenn sich großartige Ideen in mir aufbauten, oder wenn ich große Ziele vor mir hatte, sah ich mich nicht mehr als jener, der ich wirklich war, sondern als Jack Boltz. Für mich selbst wurde ich dadurch zum Helden und zum Weltenretter, obwohl die Welt außerhalb der Grenzen meiner Haut davon kaum etwas mitbekam. Ich lebte in einer Welt, die nur mir gehörte und die unheimlich kreativ, heroisch und schaffend war. Diese Welt gab mir den Seelenfrieden, den ich dringend benötigte, um mit dem Stress und den Herausforderungen des Alltags umzugehen. Nicht immer konnte ich das auch wertschätzen, aber wenn wieder einmal die Welt um mich herum einzufallen drohte, dann wusste ich ganz genau, wo ich meinen Zufluchtsort finden konnte, um mich wieder in Balance zu bringen. Das war einerseits ungemein aufregend und andererseits heilend. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass ich in meiner realen Identität gewisse Dinge im Leben akzeptierte, wohingegen ich mich als Jack Boltz dagegen sträubte und aufbäumte. Oftmals trug ich in mir selbst einen Kampf aus und wünschte mir immer, dass Jack Boltz als Sieger hervorging. Das waren fast immer Themen wie Recht und Gerechtigkeit, Sinn und Unsinn oder auch Fragen in Bezug auf ein Leben in der Komfortzone oder als Grenzgänger. Aber auch die Ideale, denen ich nacheiferte, wurden in meiner Doppelidentität unerbittlich als Kampf ausgetragen.

Damals, im Jahre 2010, stand die Medienwelt in Dubai völlig auf dem Kopf. Soziale Medien, Cloud-Technologien und die weltweit vorangetriebene Digitalisierung führten Printmedien in ein großes Dilemma. Eine Umstellung auf digital kostete viel Geld, das ich nicht hatte und auch nicht gewillt war aufzubringen, und so musste ich den Verlag schließen. Dadurch wurde das Pseudonym Jack Boltz in die Schublade verfrachtet und ich hatte wieder mit meiner realen Identität das Auslangen zu finden. Innerlich weinte ich, denn Jack Boltz wurde für mich zu einem Platzhalter in einer Welt, für die es sich zu kämpfen lohnte. Er hatte den Mut aufzubegehren und er nahm sich auch das Recht, Dinge anzusprechen und Gerechtigkeit einzufordern. Aber es gab ihn nicht mehr, diesen Jack Boltz. Wieder viele Jahre später, dann aber bereits im Frühjahr 2022, jährte sich meine Weltreise zum dreißigsten Mal. Ich hatte mir vorgenommen, das Buch nun endlich fertigzustellen. Monatelang arbeitete ich wie besessen an den Berichten und finalisierte ein Kapitel nach dem anderen. Zwischenzeitig hatte ich so viel Material beisammen, dass das Buch aus mehr als sechshundert Seiten hätte bestehen können. Doch immer wieder stieß ich an meine Grenzen, denn ich fühlte mich irgendwie gehemmt, das zu sagen, was ich wirklich sagen wollte. Vielleicht war in jener Zeit auch mein Selbstbewusstsein nicht stark genug, um Dinge anzusprechen, an denen mir wirklich etwas lag. In den letzten Jahrzehnten hatte sich die Welt grundlegend gewandelt und ich wollte diesen Wandel, oder besser gesagt, meine Sicht der Dinge zu diesem Wandel, im Buch auch abbilden. Aber ich wusste nicht, wie ich das hinbekommen sollte. Ich schrieb wie ein Besessener, verwarf aber gleich wieder alles, denn es wollte nicht so werden, wie ich es mir vorstellte. Genau am achtundachtzigsten Geburtstag meiner Mutter, das war der dreizehnte Mai 2022, hatte ich die erlösende Idee. Ich wollte mich wieder meines liebgewonnenen Pseudonyms Jack Boltz bedienen.

Wie entfesselt ging ich daran, alles Geschriebene nochmals aufzuarbeiten und dem Buch eine neue Seele zu verleihen. Dabei erkannte ich einen weiteren, sehr bedeutsamen Faktor, weshalb sich das Schreiben als Jack Boltz unheimlich kreativ gestaltete. Um das verständlich zu machen, muss ich etwas weiter ausholen: In jungen Jahren – damals war ich zwölf Jahre alt – hatte ich einen folgenschweren Unfall. Mit Hilfe eines Flaschenzuges zog ich beim Dachbodenausbau ein leeres Bierfass in die Höhe. Dabei löste sich das eiserne Umlenkrad aus der Verankerung und traf mich zwei Stockwerke tiefer genau auf den Kopf. Blut pritschelte aus der klaffenden Wunde, und die rote Grütze lief mir pulsierend übers Gesicht und über die Kleidung. Angeschlagen taumelte ich durch den engen Innenhof, bis mir jemand zu Hilfe kam. Im Krankenhaus stellte sich heraus, dass meine Schädeldecke zertrümmert war und ein Knochenteil auf das Gehirn drückte. Es bestand die Gefahr eines Blutgerinnsels im Gehirn, was eine Lähmung oder sogar meinen Tod hätte bedeuten können. Nach mehreren Operationen, zuerst in meiner Heimatstadt und danach in Graz, meinten die Ärzte, ich könnte in ein paar Jahren zum Epileptiker werden. Aber zum Glück traf diese Prophezeiung niemals ein.

Ein zweiter, ebenso dramatischer Anschlag auf mein Gehirn erfolgte vierzig Jahre später. Damals lebte ich in Dubai und erlitt einen schweren Schlaganfall. Ein Drittel meiner linken Gehirnhemisphäre wurde nicht mehr mit Blut versorgt und dadurch war ich kurzzeitig gelähmt und konnte nicht einmal mehr die Namen meiner Kinder nennen. Außer mit einem urzeitlichen Grunzen konnte ich mich meinen Mitmenschen nicht mehr mitteilen. Für mich war das schon okay, aber in den Gesichtern meiner Gegenüber konnte ich eindeutig erkennen, dass das von mir verbal Dargebotene äußerst amüsant gewesen sein musste. Das Sprachzentrum meines Gehirns funktionierte nicht mehr. Anfänglich musste ich sogar mit dem Rollstuhl durch die Gänge des Saudi-German Hospitals in Dubai geschoben werden, denn ich war halbseitig gelähmt. Laut Ärzten war es die ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung und zu viel Stress, was mir diese Notlage bescherte. Da ich aber nicht wie ein Toter auf Urlaub im Leben herumlaufen wollte, arbeitete ich wie ein Besessener an meiner Genesung. Trotz aller Anstrengungen dauerte es aber erheblich länger als gedacht, um mich vollständig von diesem Schicksalsschlag zu erholen. Dieser Schlaganfall hatte mich noch dazu eindeutig verändert. Das konnte ich aber anfangs nicht erkennen. Erst im Jahr 2022 fand ich heraus, dass mir dieses Attentat auf mein Gehirn vielleicht sogar zu einem Vorteil verholfen hatte.

In mühsamer Kleinarbeit war ich die Jahre nach dem Schlaganfall damit befasst, mein Gehirn wieder auf Vordermann zu bringen. Ich wollte um beinahe jeden Preis meine Geisteskraft wieder erlangen, denn es gab auf dieser Welt noch so vieles zu erledigen. Es konnte und durfte einfach nicht sein, dass mich meine eingeengte Geisteskraft daran hindert. Wenn man sich in einer solch prekären Lebenssituation wiederfindet, darf man das Vertrauen in sich selbst niemals verlieren. Der Mensch ist ein außerordentlich leidensfähiges Wesen, was die Geschichte schon tausendfach bewiesen hat. Aber wir dürfen uns dem Leiden nicht hingeben und schon gar nicht darin aufgehen. Wenn man schwach ist, dann neigt dazu zu Leiden, aber wenn man Stärke beweist, dann wächst man über das Leiden und über sich selbst hinaus. Man erkennt, dass Schicksalsschläge tatsächlich einen Zweck haben, denn man ist gezwungen, seine Wertvorstellungen und sein Leben zu überdenken, um neue Sichtweisen in Betracht ziehen zu können. Das erkannte ich auch, und deshalb änderte mich dieser Schlaganfall von Grund auf. Ich musste all meine Werte und meine gesamte Gedankenwelt hinterfragen, auf Sinnhaftigkeit und auf Zweckdienlichkeit hin überprüfen und mich komplett neu erfinden. Dabei hatte ich die Chance, bestimmtes Gedankengut, das mich früher einmal belastet und behindert hatte, in meinem neuen Denken gar nicht mehr mit aufzunehmen. Ich beschäftige mich zum Beispiel nicht mehr mit Dingen, die ich nicht ändern kann und die mich früher demotiviert oder sogar negativ gestimmt hätten. Meine volle Konzentration und Aufmerksamkeit galten dem Gesundwerden und der positiven Formatierung und Ausrichtung meiner Gedanken. Das war aber alles andere als einfach, denn es erfordert enorme Willenskraft und eiserne Disziplin.

Als ich im Laufe der Jahre damit Erfolg hatte, stellte ich fest, dass ich mich in verschiedenen Belangen sehr stark verändert hatte. Nicht nur, dass ich durch und durch positiv motiviert war, sondern ich reagierte wesentlich stärker oder viel sensibler auf mein Unterbewusstsein als je zuvor. Und irgendetwas in mir, das ich nicht beschreiben kann und schon gar nicht verstehe, leitet und führt mich. Deshalb fühle ich seither, dass ich in meiner Haut nicht allein bin. Irgendetwas gibt mir eine Richtung vor, die ich als gut empfinde, die mich führt und der ich folge. Zudem entwickle ich zunehmend Energien, die ich kaum verstehe, nicht deuten kann und die ich noch nie zuvor in mir verspürte. Vielleicht bilde ich mir das Ganze auch nur ein oder es ist eine Zeiterscheinung späterer Lebensjahre, aber mein Wahrnehmungsvermögen hat sich definitiv verändert. All das verstand ich aber erst dann, als ich beschlossen hatte, dieses Buch als Jack Boltz zu schreiben.

Das war natürlich eine unglaublich spannende und lebenserweiternde Erkenntnis. Sie offenbarte mir einen völlig neuen Zugang zu den unterschiedlichsten Sachverhalten und zu vermeintlich offensichtlichen Gegebenheiten. War das nun alles reiner Zufall und ich reime mir da irgendetwas zusammen, oder macht es tatsächlich Sinn, frage ich mich immer wieder. Aber an Zufälle glaube ich nicht und somit muss dieses ganze Tohuwabohu um Jack Boltz wohl etwas bedeuten. Dann war mein Schlaganfall also doch ein Glücksfall, den ich erst durch meine geänderte Blickweise als einen solchen erkennen konnte. Trotz vielem Nachdenken und Analysieren komme ich bei dieser Thematik einfach nicht weiter. Deshalb freue ich mich, Jack Boltz sein zu dürfen. Es ist unheimlich spannend und bereichernd, dass meine Physis zwei Identitäten bewirten darf, die gemeinsam außerordentlich schaffend sein können. Vielleicht würden Psychoanalytiker das anders sehen oder darstellen, aber ich lasse es einmal so, wie es ist, und erlaube es meiner Kreativität und meinem Schaffensdrang, sich auszutoben.

Herzliche Grüße als Jack Boltz!

 

Kapitel 4New York Hardcore

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