Mudras – Heilung in den Händen - Volker Christmann - E-Book

Mudras – Heilung in den Händen E-Book

Volker Christmann

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Beschreibung

Auf bisher einzigartige Weise präsentiert Volker Christmann das tausende Jahre alte Wissen um das sogenannte Finger-Yoga, die Mudras. Der Autor ist bei seinen ausgedehnten Aufenthalten in Indien mithilfe von spirituellen Meistern tief in die Bedeutung und Praxis der Heilkraft eingetaucht, die in den Händen liegt. Er bietet ein umfangreiches Repertoire an Handhaltungen, die Erleichterung und Linderung bei zahlreichen Krankheitssymptomen von Schnupfen bis Herzrasen oder Entspannung und Ruhe bei Nervosität bringen – völlig nebenwirkungsfrei. Neben ästhetischen und detaillierten Illustrationen jeder Mudra finden Sie unter anderem Meditationen, Informationen zu den Chakras und Elementen sowie ein ausführliches Register mit Fingerhaltungen zur Sofort- und Langzeithilfe bei körperlichen und psychischen Beschwerden.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 205

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Volker Christmann

MUDRAS

Heilung in den Händen

Alle Rechte vorbehalten. Vollständige oder auszugsweise Reproduktion, gleich welcher Form (Fotokopie, Mikrofilm, elektronische Datenverarbeitung oder andere Verfahren), Vervielfältigung und Weitergabe von Vervielfältigungen nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Der Verlag behält sich die Verwertung der urheberrechtlich geschützten Inhalte dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Minings nach § 44 b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen.

© 2024 der deutschsprachigen Ausgabe by Irisiana Verlag, einem Unternehmen der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München

Projektleitung und Lektorat: Inga Heckmann

Herstellung: Timo Wenda

Satz und E-Book-Konvertierung: GGP Media GmbH, Pößneck

Covergestaltung: Serifa Design Studio unter Verwendung eines Motivs von © Deepak Kumar Joshi und © shutterstock 1371344678 / FauziMn

ISBN 978-3-641-32456-8V001

Für Sybille, Dennis, Sebastian und Chloe (unsere kleine Mudra-Prinzessin) und – natürlich – alle Leserinnen und Leser

Asato ma sat gamaya tamaso ma jyotir gamaya mrtyor mamritam gamaya om shanti, shanti, shantih

Vom Nichtseienden führe mich zum Sein; Aus der Dunkelheit führe mich zum Licht; Vom Tod führe mich zur Unsterblichkeit.OM Friede, Friede, Friede.

Brihadaranyaka Upanishad

Einleitung

Einführung: Mudras – Energien und Elemente in Ihrer Hand

Das Geheimnis der Mudras

Mudras und die Welt der fünf Elemente

Die fünf Elemente: Panch Mahabhuta

Mudras und die Welt der fünf Winde

Die Energie allen Lebens: Prana

Mudras und die Welt der Chakras

Die sieben Hauptchakras

Mudras und die Welt von Körper, Geist und Seele

Die Heilwirkung der Mudras

Anhang

Mudras und ihre Wirkungsbereiche (nach Kapiteln geordnet)

Register hilfreicher Mudras (nach Beschwerden und Wirkungsbereichen geordnet)

Mudras von A bis Z (alphabetisch geordnet)

Glossar

Dank

Fußnoten

Einleitung

Es war in den Achtzigern, als ich in Indien tiefer in die faszinierende Welt dieser zunächst oft recht seltsamen Handhaltungen, der sogenannten Mudras, eintauchen durfte. Diese Entdeckung bereichert mein Leben bis heute – und sie veränderte es in gewissem Maße auch … Aber lassen Sie mich von vorne beginnen:

Wenn Sie heute etwas über Rishikesh hören oder lesen, der indischen »Hauptstadt des Yoga«, entstehen in Ihrem Kopf vielleicht Bilder von Yogaschulen, Hunderten von Leuten aus dem Westen, Trubel und Kommerz. Aber früher war das alles ganz anders: Ich wohnte damals oft im nahe gelegenen Dorf in dem ansonsten für Westler verbotenen Swarg Ashram, einem der ältesten Ashrams in Rishikesh. In jedem der kleinen Lädchen gab es das, von dem die Kaufleute wohl glaubten, dass es der Mann aus dem Westen besonders dringend benötigte: Mineralwasser und Toilettenpapier.

Eines Tages hatten mich die allgegenwärtigen Affen auf einem meiner morgendlichen Spaziergänge geradewegs zu jenem Mann getrieben, dessen Freundschaft mein Leben bereichern würde: Lal Bahadur Basnet. Er stellte sich im Laufe der Zeit als recht kritischer Geist heraus – ehemaliger Sprecher des Parlaments von Sikkim, Journalist, Schriftsteller, Fußballspieler im All-India-Cup, Freiheitskämpfer (als solcher inhaftiert) und Yogalehrer.

Ich war am unzugänglicheren rechten Gangesufer stromaufwärts unterwegs, der Quelle entgegen, da hatten sie mich nahe der Brücke erspäht: rötliche Hulmans, indische Languren aus der Familie der Schlankaffen, die aus dem nahen Dschungel kamen. Diesen bevölkerte damals noch so ziemlich alles, was Rudyard Kipling in seinem Dschungelbuch beschrieb. Es gab Schlangen, Panther, wilde Elefanten und Tiger. Sie waren die einzigen Bewohner des grünen Dickichts seit der großen Flut von 1924, wo die hier lebenden Einsiedler beinahe ausnahmslos Opfer der Ganga (Sanskrit für »Ganges«) und Rishikesh eine Beute der Tiger geworden war. Natürlich gab es ein paar Ashrams, die auch Touristen aufnahmen, aber seit den Zeiten der Beatles, Donovans und Mia Farrows, die Meditation mit Sex and Drugs and Rock ’n’ Roll zu einem unentwirrbaren Knäuel verknotet hatten, war es nun wieder ruhig geworden. Die Zahl der Westler war mehr als überschaubar und häufig waren außer mir keine weiteren »Whities« vorhanden.

Jedenfalls hatten die frechen Hulmans meinen Rucksack als lohnenswerte Beute erspäht und gingen mit gebleckten Zähnen schreiend zum Angriff über. Ich floh über die Brücke in das nächstbeste Haus: einen der vielen Tempel am Ufer. Ohne zu fragen, brachte mich einer der jungen Priesterschüler auf das hier übliche Flachdach des Tempels, wo mich ein weißhaariger älterer Herr begrüßte. Er hatte einen kleinen Raum hier oben unter der weit ausladenden Krone eines Mangobaumes. »Yogacharya!«, wies der junge Brahmane auf den Älteren. »Yogalehrer!« Wie selbstverständlich hatte er angenommen, dass ein Mann aus dem Westen an diesem entlegenen Ort nichts anderes wollen konnte, als den Yogalehrer zu sehen. Und so begann eine wunderbare Freundschaft, die erst mit dem allzu frühen Tod Lal Bahadur Basnets endete.

Eines Tages ging ich mit Lalji ins nahe Hardwar, wo dieser etwas in einem der Ashrams zu erledigen hatte. Die Nachsilbe »-ji« ist die respektvolle Form der Anrede, zu der ich schon bald übergegangen war. Und dort sah ich ihn: einen der vielen Sadhus, der heiligen Männer, rot gewandet, strähniges Haar, Asche an Armen und Stirn, die Hand zu seltsamer Geste geformt. »Was bedeutet dies?«, fragte ich Lalji später. »Er betreibt Finger-Yoga, er formt mit seinen Händen Mudras. Sehr wirkungsvoll!« Ich kannte zwar schon einige wenige Mudras, also Handhaltungen, aus meinen Übungen – vor allem natürlich die Gesten, die ich in der Meditation verwendete, wie Dhyana Mudra und Jnana Mudra (siehe Seite 84 und 43), aber ich hatte mich nie wirklich mit dieser »Wissenschaft« beschäftigt. Doch nun begann ich, mich tiefer in sie zu versenken – und die Mudras wurden schließlich tägliche Begleiter in allen Lebenslagen, von den Yogaübungen und Meditationen früh am Morgen bis in den abendlichen Schlaf.

Allgegenwärtige Mudras

Mudras sind in Indien allgegenwärtig und finden vor allem als Therapeutikum Anwendung, sind aber auch im klassischen indischen Tanz (zum Beispiel Bharatanatyam) zu finden, der einen zutiefst religiösen Ursprung hat. Oder sie dienen als Kommunikationsmittel der unterschiedlichen Swamis und Sadhus, jener Heiligen und Bettelmönche, wenn sie sich für eine mehr oder weniger lange Zeit ins Schweigen (Mauna) zurückziehen.

Die Zahl der Mudras und sogenannten Hastas (therapeutische Handhaltungen) ist wahrhaft Legion, und so habe ich mich in diesem Ratgeber vor allem auf eine Auswahl beschränkt, die mir besonders hilfreich erscheint.

Im Anhang finden Sie noch einmal eine alphabetische Übersicht aller Mudras inklusive ihrer Anwendungen und Wirkungen (ab Seite 206), sowie umgekehrt auch eine weitere Auflistung aller Wirkungsbereiche und auch Beschwerden, die mit den Mudras assoziiert sind. So können Sie nach dem Lesen dieses Buches die Mudras, die Sie jeweils brauchen, bequem nachschlagen. Ebenso finden Sie dort ein Glossar, in dem alle Sanskrit-Ausdrücke und Wörter, die in diesem Text bei der ersten Erwähnung kursiv gedruckt sind, alphabetisch geordnet und noch einmal kurz erklärt. Da es im Sanskrit keine Großschreibung gibt, werden diese Begriffe im Verlauf dieses Buches auch in der Kleinschreibung abgebildet, außer es handelt sich um Begriffe, die längst in der deutschen Sprache angekommen sind, wie Yoga, Chakra – oder eben Mudra, und jene, die in diesem Buch häufig benutzt werden und die Sie bereits kennengelernt haben, wie alle Mudra-Bezeichnungen oder beispielsweise Hasta.

Die Zeichnungen in diesem Buch stammen zum größten Teil von meinem Freund Deepak Kumar Joshi, Yogalehrer, begnadeter Thangka-Maler und Fernsehschaffender. Thangkas sind kunstvolle buddhistische Meditationsbilder. Die Zeichnungen, die er nicht mehr vollenden konnte – er verließ seinen Körper im Herbst des Jahres 2019 –, stammen von Jayaram Giri, Thangka-Maler auch er und ein Freund seit vielen, vielen Jahren.

Wenn Sie dieses Buch nun vor sich haben, lesen Sie es nicht nur, legen Sie es nicht unter das Kopfkissen, all dies nützt nichts! Denn wie schon einst Erich Kästner wusste: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Wählen Sie also aus den in diesem Buch dargestellten Mudras diejenigen aus, die Sie persönlich ansprechen, die Sie – vielleicht – aufgrund Ihrer ganz eigenen persönlichen körperlichen und geistigen Situation benötigen. Die hier dargestellten Mudras stellen ein Angebot wie auf einer Speisekarte dar: Wie Sie in einem Restaurant nicht alle Speisen bestellen, benötigen Sie natürlich auch nicht alle hier dargestellten Mudras. Oft werden es nur zwei oder drei dieser wunderbaren Gesten sein, die etwas in Ihnen zum Schwingen bringen, aber es lohnt sich, gerade diese – eventuell mehrmals – täglich zu praktizieren.

Einführung: Mudras – Energien und Elemente in Ihrer Hand

Das Geheimnis der Mudras

Immer wieder fragte ich Lalji, meinen väterlichen Freund, nach diesen geheimnisvollen Gesten, wenn wir Yoga übten auf der Dachterrasse des Lakshman Mandir hoch oben über der Ganga. Wir plauderten über Gott und die Welt und Yoga, immer wieder Yoga. Doch obwohl Lalji viele der Rituale der traditionellen Hindus belächelte – er arbeitete gerade an einem Manuskript »What’s wrong with us Hindus?« (Was stimmt nicht mit uns Hindus?) –, schien er doch von der Wirksamkeit der Mudras überzeugt zu sein. »Viele sind natürlich nur symbolhafte Gesten. Wie könnte dies auch anders sein, stammen sie doch meist aus längst vergangener Zeit. Aber einige von ihnen zeigen tatsächlich Wirkung, auch auf körperlicher Ebene.« Versonnen sah er über den Fluss. »Sind dir noch nie die Großmütter aufgefallen, wenn sie ihren Enkeln die Finger massieren? Die Großmütter wissen viel mehr über die Kinder als deren eigene Mütter! Nässt ein Kind das Bett, massieren sie dessen kleine Finger, denn der kleine Finger regiert das Element Wasser im Körper. Und so regiert jeder Finger eines der Elemente, aus denen unser Körper besteht. Und glaub mir, sie würden dies nicht tun, wenn es nicht wirken würde! Seit Tausenden von Jahren!« Und so begann meine Erkundung dieser sagenumwobenen Fingerhaltungen.

Die Heilung in der Hand

Mudras und Hastas spielen eine wichtige Rolle in der traditionellen indischen Kultur und Gesellschaft, die in vielem noch wesentlich enger am »Kern und Wesen der Dinge« ist als unsere sogenannte aufgeklärte westliche Gesellschaft. Nach den Lehren der Yoga Tattva Mudra Vijnana, der Wissenschaft von den (Heil-)Gesten, resultieren alle Erkrankungen und Störungen von Körper und Geist aus Ungleichgewichten der fünf Elemente (siehe: »Mudras und die Welt der fünf Elemente«, ab Seite 24) und/oder einer Störung im natürlichen Fluss der Lebensenergie Prana. In diesem Zusammenhang werden Mudras und Hastas gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben. So werden die Handhaltungen als »geschlossene Stromkreise« in den feinstofflichen Kanälen (Nadis) des physischen und feinstofflichen Körpers betrachtet. Sie lenken den Energiefluss über die Nadis zum Gehirn und helfen so Körper und Geist, ganzheitlich miteinander zu kommunizieren: Bestimmte Bereiche der Hand sind mit bestimmten Teilen des Körpers und der Psyche verbunden und interagieren.

Die Systematik der Mudras

Der Begriff »Mudra« bedeutet im Sanskrit so viel wie »Geste«, »Siegel« oder »Zeichen«. Es gibt Mudras, die nur mit einer Hand ausgeführt werden (sogenannte asamyukta hastas), und Mudras, zu deren Ausübung beide Hände gemeinsam erforderlich sind (sogenannte samyukta hastas). Die Fingerhaltungen, mit denen wir uns im weiteren Verlauf beschäftigen, haben Einfluss auf Gesundheit, Körperenergien und Stimmungen. Ängste bewirken ein Zusammenziehen der Chakras (Energiezentren im Körper, siehe ab Seite 67), die Energien können nicht mehr ungehindert fließen. Durch diese Chakra-Blockaden verstärken sich die Ängste, diese führen zu einem weiteren Zusammenziehen der Chakras und so weiter und so fort.

Mudras sind aber auch etwas, das uns wortwörtlich guttut: muda bedeutet »Freude«, ra bedeutet »geben«. Auch im Hatha Yoga gibt es – vor allem auch im Zusammenhang mit Pranayama, den Atemübungen – eine Vielzahl von Mudras. Diese Mudras des Hatha Yoga galten in alter Zeit als Übungen für Fortgeschrittene, die nur nach langer Yogapraxis vom Guru, dem spirituellen Lehrer, an den chela, den Schüler, vermittelt wurden.

Es gibt fünf Gruppen von Mudras:

Im Geist/Kopf ausgeführte Mudras:

manas

.

Mit dem Köper ausgeführte Mudras:

kayas

.

Mudras, die körperliche Verschlüsse bewirken:

bandhas

(siehe Seite

124

).

Mudras, die im Beckenraum durchgeführt werden:

adharas

.

Mudras, die mit den Händen ausgeführt werden:

hastas

.

Mit Mudras erzielen wir große Wirkung, mit Hastas erreichen wir diese Wirkung mit recht geringem Aufwand. Es gibt symbolhafte Mudras, wie sie vor allem im tibetischen Buddhismus vorkommen, beispielsweise in ikonografischen Darstellungen der Götter und Helden. Und es gibt, wie bereits erwähnt, therapeutische Handhaltungen, die heilen. Oftmals jedoch sind sie beides: religiös und heilend. Kein striktes Entweder-oder, sondern ein harmonisches Sowohl-als-auch.

Die in diesem Buch dargestellten Mudras beziehungsweise Hastas helfen, Verspannungen zu lösen und das Wohlbefinden zu verbessern. Diese psychoneuronalen Gesten lenken den Energiefluss im Körper und beseitigen Störungen, die gesundheitliche Beschwerden verursachen. Durch Akupressur werden bestimmte Zentren und Energieleitbahnen aktiviert und von Blockaden befreit. Bewusste Atmung und leichte Yogaübungen (Asanas) unterstützen oftmals die Wirkung dieser Gesten und umgekehrt: Mudras stellen eine wunderbare Ergänzung zu Ihren sonstigen (Yoga-)Übungen und Meditationen dar.

Die Wirkung der Fingerhaltungen

Die Gesten können zur Gesundheitsvorsorge dienen und haben keinerlei Nebenwirkungen, sie stellen eine erste Hilfe bei akuten Erkrankungen oder Unterstützung bei chronischen Leiden dar. Sie können auch als Do-it-yourself-Methode zur Entwicklung latent vorhandener psychoenergetischer Potenziale verwendet werden. MritsamjivaniMudra (siehe Seite 137) zum Beispiel wird traditionell bei Herzinfarkt eingesetzt und liebevoll »die lebensrettende Mudra« genannt. Apana Mudra (siehe Seite 59) hilft Frauen bei der Geburt, aber auch bei der Behandlung chronischer Verstopfung.

Basierend auf dem Wissen der Yoga Tattva Mudra Vijnana, der Wissenschaft von den (Heil-)Gesten, gibt es drei grundlegende Wirkungen der Mudra-Praxis:

Tonisierend:

Hierzu berührt die Spitze des Daumens die Wurzel eines beliebigen Fingers. Hierdurch wird das mit diesem Finger verbundene Element verstärkt, tonisiert. Wenn Sie zum Beispiel mit dem Daumen die Wurzel des kleinen Fingers sanft, aber deutlich wahrnehmbar drücken, verstärken Sie das mit dem kleinen Finger assoziierte Element Wasser und damit alles Flüssige im Körper wie Blut, Lymphe, Schweiß, Urin.

Beruhigend, sedierend:

Presst man den zur Daumenwurzel hin gebeugten Finger am Fingerrücken (Nagel oder Knöchel) sanft, wird das mit dem entsprechenden Finger verbundene Element abgeschwächt. Wenn Sie also den Mittelfinger mit dem Daumen bedecken wie bei

Akasha

/

Shunyata

-

Mudra

(siehe Seite

40

), wird das Raum-/Äther-Element sediert und damit alle Hohlräume im Körper, wie Adern, Röhrenknochen, Nadis etc. Ein gebeugter, mit dem Daumen gepresster Zeigefinger verringert ein Zuviel an Winden

(vayus)

, Gasen im Körper und Flatulenzen.

Harmonisierend, stabilisierend, ausgleichend:

Verbinden Sie die Spitze des Daumens mit der Spitze eines beliebigen anderen Fingers mit sanftem Druck, wird das diesem Finger zugehörige Element stabilisiert und mit den anderen Elementen harmonisiert, ins Gleichgewicht gebracht. Berühren sich zum Beispiel die Fingerspitzen von Daumen (

agni

/Feuer) und Zeigefinger (

vayu

/Wind) wie bei

Jnana Mudra

(siehe Seite

43

), werden Feuer und Wind stabilisiert und miteinander und mit allen anderen Elementen zum Ausgleich gebracht. Dies ist eine der Mudras für die Meditation, die Geste des Bewusstseins, der Weisheit und des Wissens.

Arten der Handhaltungen

Bei der Ausführung dieser Handhaltungen gibt es, wie auf Seite 16 bereits erwähnt, grundsätzlich zwei Arten: Hastas, die mit beiden Händen gemeinsam ausgeführt werden, die Samyukta Hastas, und Gesten, die mit einer Hand (eventuell natürlich auch parallel mit beiden Händen) praktiziert werden, die Asamyukta Hastas.

Viele der dargestellten Hastas/Mudras werden auch im Zusammenhang mit Yogaübungen (Asanas und Pranayamas) ausgeführt. Ich selbst verwende Jnana Mudra zum Beispiel sehr gerne im Zusammenhang mit vielen Übungen im Stehen (wie Tadasana, die Bergstellung, siehe Seite 93), und bei Atemübungen (Pranayamas). Ich gehe auch oft mit dieser Handhaltung spazieren oder verwende Brahma Mudra und Bhairava Mudra (siehe Seite 155 und 86), um nur einige Beispiele zu nennen.

Elemente und Energien in den Fingern der Hand

Das Erste, was ich zum Gebrauch der Mudras lernte, war, wie sich die fünf Elemente, aus denen sich nach indischer Lehre alles Sein zusammensetzt, im Körper und in den Fingern manifestieren: Wasser (jala), Erde (prithvi), Raum/Äther (akasha), Wind (vayu/vata) und Feuer (agni). Mithilfe der Finger lassen sich diese Grundelemente beeinflussen, sozusagen »regieren«. Darüber hinaus repräsentieren und beeinflussen die einzelnen Finger auch einzelne Organe und Funktionen im Körper. Im folgenden Kasten (siehe unten) finden Sie eine Übersicht.

Manifestation der fünf Elemente in den Fingern

Daumen: symbolisiert Vitalität, Willenskraft und Lebensfreude; steht für Magen, Lunge und Immunsystem

Zeigefinger: Selbstwertgefühl, daraus resultierend Zuversicht und Mut; beeinflusst Atmung, Bauspeicheldrüse und Dickdarm

Mittelfinger: vermittelt innere Ruhe, Geduld und Harmonie; beeinflusst Kreislauf, Blase und Galle

Ringfinger: aktiviert Sinnlichkeit, Lust und Liebesfähigkeit; regiert Leber, Nieren und Körpertemperatur

Kleiner Finger: bestimmt Geist, Sprache und logisches Denken; beeinflusst Herz, Dünndarm und lymphatisches System

Energiekreisläufe im Körper

Die Fingerspitzen haben – nach der Zunge – die höchste Nervendichte im menschlichen Körper, also Leitbahnen, die Reize über die Nerven zu den Organen und Geweben des Organismus transportieren. An der Spitze eines jeden Fingers befinden sich in der Regel rund 4000 Nervenfasern, die mit den inneren Organen und dem zentralen Nervensystem verbunden sind und die durch die Hastas stimuliert werden können.

Nach der indischen Lehre haben alle Nerven ihren Ursprung im »Gehirn«. Zu den Anführungsstrichen – und ich verwende in diesem Text wirklich viele – eine kurze Erläuterung: Wir dürfen nicht vergessen, dass die Begrifflichkeiten zwischen Ost und West nicht immer exakt übertragbar sind. Prabhuji Surya Prakash, ein großer Heiliger, der bis zu seinem Tod im Juli 2023 in einer Höhle am Ufer der Ganga lebte, sagte mir einst vor vielen, vielen Jahren, während Schwärme von riesigen Fledermäusen und Flughunden über den Fluss flatterten, schmetterlingshaft in sinkender Nacht: »Warum sagst du ›Ost‹ und ›West‹?« Wir sprachen gerade über einen meiner Lieblingsschriftsteller, Rudyard Kipling, und sein berühmtes Gedicht »The Ballad of East and West«. Prabhuji fuhr fort: »Ist diese Erde nicht rund, ein Globus, der sich zudem ständig bewegt? Wie können wir da von ›Ost‹ und ›West‹ reden? Diese Bezeichnungen haben ihre Berechtigung in der relativen Welt, im Absoluten bedeuten sie – nichts …«, und so setze ich eben so manches in Anführungszeichen.

Alle Nerven also haben ihren wahren Ursprung im Gehirn, ziehen sich durch den gesamten Körper und enden in den Fingerspitzen und Zehen. So erklären sich so manche der »östlichen« Handlungen: die tiefe Verneigung vor einer geachteten, verehrten Person etwa, das Berühren ihrer Füße mit den Fingern. Die Füße der verehrten Person werden zum Sender von Energie, unsere Fingerspitzen zu deren Empfänger – der Energiekreis schließt sich.

Die Hand als Abbild des Körpers

Auch die Hand-Mudras, die Hastas, beruhen auf diesem Prinzip des Energiekreislaufs. Natürlich gibt es eine große Anzahl solcher Handhaltungen. Einige behaupten gar, es gäbe – ähnlich wie bei den Yogaübungen, den sogenannten Asanas – so viele wie Lebewesen. Auf einige besonders wichtige und hilfreiche Handhaltungen möchte ich hier eingehen. Diese Finger- oder Handhaltungen können im Zusammenhang mit bestimmten Übungen, mit Körperstellungen (Asanas), Atemübungen (Pranayamas), Körperverschlüssen (Bandhas, siehe Seite 124) oder Meditationen durchgeführt werden. Im Indien der Yogis stellen sie, wie eingangs erwähnt, oftmals einen Code dar, den der Adept benutzt, wenn er sich zum Beispiel in einer längeren Phase des Schweigens (maun) befindet. Auch in der indischen Heilkunst spielen diese Fingerhaltungen eine Rolle, stehen doch Hände und auch die Füße nach indischer Lehre in enger Beziehung zu den Hauptorganen des Körpers. Ein indisches Sprichwort lautet: »Berühren sich die Hände, so berühren sich auch die Herzen.« Ja, die menschliche Hand bildet in der Tat den gesamten Körper ab. Auch in der traditionellen chinesischen Medizin im Bereich der Akupunktur geht man davon aus und erzielt erstaunliche Heilerfolge.

Doch benötigen diese Mudras (Hastas) – wie so vieles – Übung und Zeit, damit sie wirken können und sich geschmeidig anfühlen. Denn die Verbindung von Körper und Geist, die über eine Vielzahl an Nervenzellen hergestellt wird, wird nur durch Wiederholung und Übung vertieft. Erst mit der Zeit können die wunderbaren »kleinen Helfer« ihre ganze Wirkung entfalten und werden wir ihrer gewahr.

Wie man Hastas am besten ausführt

Umgebung und Körperhaltung

Wenn nichts anderes angegeben ist, legen Sie die Hände am besten entspannt auf die Oberschenkel oder Knie, die Handflächen sanft nach oben geöffnet.

Hastas, Finger-Mudras, können grundsätzlich immer und überall und in jeder Körperhaltung praktiziert werden, solange Sie entspannt und symmetrisch ausgerichtet sind. Am besten jedoch praktizieren Sie die von Ihnen benötigten und gewählten Mudras in einem ruhigen Raum, wo Sie für einige Zeit einigermaßen ungestört sind, in einer Ihnen angenehmen Meditationshaltung oder aufrecht auf einem Stuhl sitzend. Aber Sie können Mudras auch während eines entspannten Spazierganges üben, das ist durchaus üblich. Schließen Sie – wenn möglich – die Augen und entspannen Sie sich. Richten Sie Ihre Achtsamkeit uneingeschränkt auf die Mudra, und folgen Sie deren Auswirkungen im Geist.

Dauer

Sie können die einzelnen Mudras (Hastas) nach eigenem Ermessen einsetzen; bewährt hat sich eine Dauer von 15 bis 45 Minuten pro Tag, eventuell auf verschiedene Sequenzen wie dreimal 15 Minuten aufgeteilt, aber auch schon fünf Minuten reichen so manches Mal aus, um eine entsprechende Wirkung zu erzielen. Probieren Sie es einfach aus! Meist werden Sie schon nach recht kurzer Zeit die feinen Effekte der entsprechenden Handhaltung spüren. Verwenden Sie nicht zu viele Mudras in einem Zyklus, da sich die Wirkungen sonst eventuell gegenseitig aufheben.

Druck

Führen Sie die Handhaltungen mit sanftem, nicht zu starkem Druck aus. Sanft, aber intensiv, wie es auch für die Ausführungen der meisten Yogaübungen gilt. »Das reine Handauflegen hat meines Wissens nach nur einmal in der Geschichte wirklich funktioniert«, meinte Lal Bahadur Basnet einmal lächelnd, als ich ihn nach der benötigten Druckintensität fragte. Er bezog sich damit natürlich auf Jesus. »Wir anderen müssen uns schon etwas mehr Mühe geben.« Praktizieren Sie diese Handhaltungen also stets mit einem sanften, dennoch aber intensiven Druck. Sanft, aber fest, wie es Patanjali, dieser Ahnherr allen Yogas für die Körperhaltungen (Asanas) postulierte: sthira sukham asanam – die Sitzhaltung sollte fest und angenehm sein.

Einige der Handhaltungen werden zwar bei der Ausübung verschiedener Asanas oder Pranayamas angewendet, Sie können diese aber selbstverständlich auch außerhalb Ihrer täglichen Yogapraxis beliebig lang ausführen, in der Regel bis zu einer Stunde je Handhaltung. Zwischen den einzelnen Hastas sollte eine Pause von mehreren Stunden liegen, um deren Wirkung vollständig zu entfalten.

In den folgenden Kapiteln bemühe ich mich, darzulegen,

wie diese Mudras die fünf Elemente hinduistischer Philosophie

(samkhya)

repräsentieren,

wie jeder Finger eines dieser Elemente beeinflusst und »regiert«,

wie diese Handhaltungen die fünf Winde, die Energieströme im Körper, dirigieren und lenken,

wie wir mithilfe dieser Handhaltungen die scheinbar geheimnisvolle und in Wirklichkeit doch so überaus reale Welt der Chakras positiv steuern können.

Nach diesem Themenkreis wenden wir uns einzelnen Phänomenen, Heilmöglichkeiten und Therapien einzelner Gebrechen und Erkrankungen zu, um schließlich zum Abschluss Körper, Geist und Umwelt in einer einzigen Übung zu harmonisieren und zu »heilen«.

Mudras und die Welt der fünf Elemente

Die fünf Elemente: Panch Mahabhuta

Eine der Grundlagen der Lehre von den Mudras ist die Lehre von den fünf Elementen. Aus diesen manifestieren sich laut indischer Philosophie die einzelnen Bestandteile der Schöpfung und natürlich auch der Mensch, ein jedes auf seine ganz ureigene Art und Zusammensetzung. So gibt es auch im Hinduismus eine Vielzahl von Schöpfungsmythen, wie sie unter anderem in den ältesten indischen Schriften, den Veden und Upanishaden, dargelegt werden. Und auch hier sind die Elemente von herausragender Bedeutung, wie Sie in der folgenden Schöpfungsgeschichte erfahren werden.

Eine Schöpfungsgeschichte im Hinduismus

Zu Beginn eines jeden Schöpfungszyklus (nach westlicher Lesart: vor dem Urknall) liegt alles in prä-schöpferischer Ruhe: Vishnu, der erhaltende Aspekt Gottes, ruht in kontemplativem Schlaf auf der Weltenschlage Shesha/Ananta in den Weiten des kosmischen Ozeans der Zeit, ehe aus Vishnus Nabel (Padmanabha) eine Lotusblüte entspringt. Aus dieser Lotusblüte erwächst Brahma, der Schöpfer, der wiederum aus seinen Gedanken diese Welt erschafft. Als Erstes setzt sich der kosmische Ozean in Schwingung, es entsteht das Bewusstsein in seiner reinsten Form (Purusha), als Urschwingung (Spandana), und es entsteht die »heilige« Silbe OM (). Nun trennen sich Bewusstsein und Materie (da Purusha die Welt erleben möchte) und es entsteht Prakriti, die Urmaterie/Urnatur. Purusha (die Seele) nimmt in der Welt mit ihren unzähligen Lebewesen Gestalt an. Durch die Identifikation mit der äußeren, materiellen Welt und dem Vergessen unseres wahren Wesens entsteht all unser Leiden. Mit dem Ende der Verhaftungen mit der materiellen Welt und dem damit verbundenen »Nicht-Wissen« (Avidya) endet auch das Leiden.

Unser Bewusstsein (Purusha) und auch alle Materie (Prakriti) manifestieren sich in drei Grundeigenschaften (Gunas):

Rajas

Unruhe, Gier, Erregung, Getriebensein, Leidenschaft,

Sattva

Helligkeit, Leichtigkeit, Reinheit,

Tamas

Dunkelheit, Trägheit, Antriebslosigkeit.

Nach der Sankhya/Samkhya-Philosophie, einem der sechs orthodoxen philosophischen Systeme des Hinduismus (Darshanas), und daraus abgeleitet auch im Ayurveda, besteht die gesamte Natur und damit natürlich auch der Mensch aus fünf (großen) Elementen (Panch Mahabhuta). Diese konstituieren sich wiederum aus einer Kombination der drei Grundgleichgewichte – Pitta, Vata und Kapha (dazu später ab Seite 28):

Jala

(Wasser/nass),

Prithvi

(Erde/fest),

Akasha

(Raum/Äther/Leere),

Vayu

(Wind/Bewegung),

Agni

(Feuer/Hitze).

Die fünf Elemente in der Samkhya-Philosophie

Mithilfe der einzelnen Finger können wir nun die von ihnen »regierten« Elemente beeinflussen. Zusammengefasst lässt sich sagen: Jeder Finger steht nach den Lehren der Samkhya-Philosophie und damit des Yoga und des Ayurveda in Verbindung mit einem der fünf Elemente, beeinflusst dieses Element, »regiert« es. Die Handfläche beeinflusst den Geist.

Mudras und Doshas

Nach den Lehren des Ayurveda, der altindischen Gesundheitslehre, die sich auch hierzulande inzwischen großer Beliebtheit erfreut, besteht alle Natur aus diesen fünf Elementen. Diese wiederum manifestieren sich im Menschen in drei Konstitutionstypen, den bereits kurz erwähnten Doshas Pitta, Vata und Kapha.