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Wer schraubt, der kann auch Instagram
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Seitenzahl: 205
Veröffentlichungsjahr: 2023
Dieses Buch widmeich meinem Dad,Bruno Stadler.
Impressum
Titelgestaltung: Luis dos Santos
Innengestaltung: Markus Janda, Tebitron GmbH, Gerlingen
Lektorat: Georg Otto
Titelfoto: Markus Stolowski
Bildnachweis: Klaus Stadler
Copyright © Motorbuch Verlag, Stuttgart; Veröffentlicht und vertrieben von Paul Pietsch Verlage GmbH & Co. KG, Hauptstätter Straße 149, 70178 Stuttgart, Deutschland
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ISBN 978-3-613-31226-5 (EPUB)
01. Prägung durch den Vater
02. Die frühen Jahre
03. Echte Autos, echte Arbeit
04. Film-Erfahrung
05. Ami-Liebe
06. Hummer-Time
07. Leidenschaft auf zwei Rädern
08. Reales Pony und virtuelle Fans
09. Der Schritt in die Öffentlichkeit
10. Shelby EU und die schlechten Erfahrungen
11. Ein eigener Messestand
12. Erfolge, Rückschläge und ein Neuanfang
13. EMS 2019
14. Corona verlangt nach neuen Plänen
15. Unverhofft kommt oft
16. Von Höhen und Tiefen
17. Endlich wieder Messe!
18. Reichweite für den guten Zweck
19. Karriere-Zwischenstand
20. Mustang gesucht, Pony gefunden
21. Fernseh-Format für Mustang-Klaus?
22. Stern TV und Camping-Glück
23. Bock auf Boot
24. Carrera-Bahnen überall
25. Nachwort
Mein Leben begann ganz unspektakulär im Jahr 1967 im Herzen des Ruhrpotts, in Essen. 1967 ist dabei nicht nur mein Geburtsjahr, sondern, ganz nebenbei bemerkt, auch der beste Mustang-Jahrgang überhaupt. Wenn das mal kein Zufall ist! Vielleicht verlief deswegen mein weiteres Leben auch nicht so unspektakulär, wahrscheinlich lag es aber an meinem Vater. Mein Dad Bruno war total vernarrt in Autos und das schon von klein auf. Er wollte nie ein Auto fahren wie jeder andere! Es sollte sich von anderen abheben und, wie er selbst, etwas besonders sein. Und das war mein Dad, jemand Besonderes.
Mit dem 1302-Käfer meines Dads fängt meine automobile Erinnerung an.
Mein Vater erzählte mir immer Geschichten aus seiner Jugend, die er in München verbrachte. Ja, er war ein echter Bayer und hatte als Jugendlicher schon immer das schnellste Moped. Ihr könnt Euch also denken, wo ich meine PS-Gene herhabe. All seine Erlebnisse aus der Jugend haben mich fasziniert. Er war keiner dieser üblichen Väter, hatte ständig den Schalk im Nacken und verlor nie das Kind in sich. Ich könnte Bände schreiben über unsere gemeinsamen Erlebnisse. Seine Autos hegte und pflegte er extrem. Und natürlich wurde ich mit einbezogen.
Unser »heißer Herbie« hatte Weber-Doppelvergaser unter der Haube.
So auch jeden Samstag, da war früher nämlich Autowaschtag. In Essen, im Pott, ich glaube in ganz Deutschland. Und natürlich waren mein Dad und ich auch mit am Start. Wir hatten einen Autowaschplatz nur wenige Meter von zuhause entfernt, da tobten wir uns aus. Ich habe mich immer auf das Wochenende gefreut und war auch voller Hingabe mit dabei. Wie sagt man doch so schön? »Umgang formt den Menschen«. Scheint ja was Wahres dran zu sein, zumindest in meinem Fall. Und hat mir auch nicht geschadet! Meine Mutter hielt uns zwei immer für völlig verrückt und verstand uns nie. Aber sie ließ uns machen. Ich glaube, das ist so ein »Männerding« gewesen, das ich absolut gefeiert und gelebt habe.
Der Granada folgte auf den Käfer, weil wir Platz für die Familie brauchten.
Eines der ersten Autos meines Dads, an das ich mich erinnern kann, war ein VW Käfer 1302 LS in Himmelblau. Natürlich ahnte ich schnell, dass das kein Käfer von der Stange war, sondern einer, der für damalige Verhältnisse schon mächtig Dampf hatte. Besonders an der Ampel merkte ich, wie gut doch der Käfer von Dad voran ging. Da zog er nämlich ganz gerne mal andere Käfer oder auch BMW ab. Auch auf der Autobahn lief der Kugelporsche sehr gut. Damals war ich wohl noch zu klein, um zu verstehen, was genau mein Vater am Triebwerk seines Käfers geändert hatte. Doch irgendwie sah es hinten im Motorraum anders aus als bei anderen Käfern. Rechts und links waren zwei dicke Teile, die Weber-Doppelvergaser, die waren so nicht bei den anderen verbaut. Und Dad stelle immer wieder mit dem Schraubenzieher die beiden Doppelvergaser ein, was mich völlig beeindruckte. Er lauschte immer ganz konzentriert, wenn er drehte, und sagte dann zu mir: »Hörst Du Junior, wie schön der Boxer-Motor jetzt schnurrt?« Dazu kam dann noch der Benzingeruch, mal mehr mal weniger. Das war schon cool, dass der eigene Vater schrauben konnte und hat mich völlig in den Bann gezogen. Die vier Endrohre der brummten richtig fett hinten raus. Ich fand diesen ganz besonderen Sound völlig cool. Wenn ich dann im Motorraum manchmal den Gaszug manuell betätigen durfte und die Vergaser losbrüllten, war ich stolz wie Oscar.
Ich sehe den Käfer noch ganz deutlich vor mir, die Felgen im Fuchs-Design vom VW-Porsche 914. Das hatte kaum ein anderer Käfer-Fahrer damals auf seinem Volkswagen. Heute würde man sagen, der Wagen sah schon im Stand böse aus. Und nicht zu vergessen, Anfang der 70er hatte der Käfer keine Kopfstützen oder Schalensitze, das war noch alles sehr spartanisch damals. Aber auch das war bei Dad anders, in seinem Käfer waren Sitze mit Kopfstützen und ein wenig Seitenhalt verbaut. Die waren echt bequem und sahen richtig cool aus. Das Einzige, was der 1302 nicht konnte, war sprechen wie »Dudu« von Jimmy Bondie. Diese tollen Filme hab‘ ich immer mit meinem Paps geschaut und wir liebten sie. Und ja, wir haben auch mit seinem Käfer gesprochen, nur kam halt nie eine Antwort. Das haben früher wahrscheinlich viele Käfer-Besitzer gemacht, denn Herbie und Dudu waren Kult.
Überhaupt erinnere ich mich an vieles, was mit dem Käfer zu tun hat. Ich weiß noch genau wie wir damals mit dem Wagen von Essen nach Italien in den Urlaub gefahren sind. Mein Dad klappte die Lehne der Rückbank um und baute meiner Schwester und mir im hinteren Kofferraum unter der Heckscheibe eine kuschelige Ecke. Das war wie ein Nest und saubequem. Außerdem machte es die lange Fahrt für uns Kinder zu einem richtigen Abenteuer. Aber davon ab: Ich bin schon immer gerne Auto gefahren, also natürlich mitgefahren damals. Keine Strecke war mir zu lang. Mit Sicherheit wurde schon zu der Zeit der Grundstein für meine Liebe zum Automobil gelegt, denn diese Erinnerungen sitzen so tief und klar in meinem Kopf wie kaum etwas anderes aus meiner Kindheit.
Klar, dass ich auch mal das ein oder andere Schräubchen drehen durfte und somit den Bezug zum »Schrauben« bekam. Wir werkelten gemeinsam an seinem »heißen Herbie« herum und mehr als einmal habe ich mir die Kleider mit Öl versaut. Mein Dad war nicht nur mein Vater, sondern mein bester Freund, mit dem ich bis zum Schluss die wildesten Dinge erlebt habe. Ich bin mir sicher, dass nicht jeder Dad so verrückt ist wie meiner es war. Das fehlt mir heute sehr.
Wie lange wir den VW Käfer hatten, weiß ich gar nicht mehr genau, aber ich erinnere mich, dass er für uns zu klein wurde. Ein größeres Auto musste her. Ich war damals sehr traurig als mein Dad den Käfer verkaufte − übrigens auf dem berühmt-berüchtigten Automarkt im Autokino in Essen. Der fand jeden Sonntag statt und nur Privatleute durften dort ihre Fahrzeuge verkaufen.
Was denkt Ihr, kam nun als Familienkutsche ins Haus? Dad kaufte sich einen dunkelgoldmetallicfarbenen Ford Granada 2.0 L mit schwarzem Vinyldach. Ich glaube ausschlaggebend für diesen Kaufentscheid war das Platzangebot, dass die riesige Limousine uns als Familie geboten hatte. Allerdings merkte ich, dass mein Vater nie so richtig glücklich mit dem Granada war. Er pflegte das Auto zwar, ließ aber alles im Originalzustand. Seine Beziehung zu dem Wagen war definitiv anders als zum Käfer. Das lag mit Sicherheit auch daran, dass Ford einfach nicht die Marke meines Dads war. Der Käfer, beziehungsweise VW, prägten ihn doch sehr.
An die 200 PS hatte der frisierte Jetta 16V meines Dads.
Zender-Bodykit und OZ-Felgen machten den Jetta ganz besonders.
Abgelöst wurde der Granada von einem Jetta, dem »Rucksack-Golf«. Der Jetta bekam hierzulande nie die Aufmerksamkeit, die er verdient hätte, denn mit dem großen Kofferraum war er eigentlich perfekt für die Familie. In den USA lief der Jetta viel besser als hier bei uns, wo der VW Golf immer die Nummer 1 war. Der bot meinem Vater aber nicht genügend Platz, weswegen er zum Jetta griff. Mal was anderes eben.
Brandneu bestellte mein Dad seinen Jetta GT 16V in silbermetallic beim VW-Händler – mit allem Zip und Zapp. Ein irres Teil mit megacoolen OZ-Felgen und komplettem Zender-Umbausatz, wie es in den späten 80ern angesagt war. Da blieb von der Spießigkeit, die man dem Jetta nachsagte, nichts übrig. Natürlich kam noch ein Fächerkrümmer mit Sportauspuff unter den Jetta. Die kleine Limousine war damals extrem selten und erst recht als 16V. An die 200 PS leistete der frisierte Vierventiler, das war damals richtig viel! Da konnte man einem Porschefahrer schon mal die Rücklichter zeigen. Nicht umsonst nannten wir unseren Jetta auch »Silberpfeil«.
Dad war ein sehr sicherer Autofahrer und hatte einiges auf Lager, was er mir ab und zu auf abgesperrten Plätzen zeigte. Er fuhr für sein Leben gerne Auto und genoss jeden gefahrenen Kilometer. Ich erinnere mich noch, dass wir für einen Geburtstag meiner Tante für einen Tag nach München gefahren sind. Am frühen Morgen in Essen los und spät abends wieder zurück nachhause. Das waren mal eben über 1200 Kilometer in weniger als 24 Stunden! Völlig verrückt, haben viele gesagt, doch wir hatten extrem viel Spaß dabei.
Ein guter Freund meines Dads war Hans-Jürgen Sandtler von »Rallye und Rennsport Teile Sandtler« in Bochum. Hier verbrachten wir viel Zeit auf der Suche nach neuen Teilen für seine Autos. Wir haben eigentlich auch immer was zum Kaufen gefunden und natürlich ergab sich stets ein kleiner Plausch mit Hans-Jürgen Sandtler. Das war schon kultig. Genauso wie die Sandtler-Zubehörkataloge, auf die ich mich immer riesig gefreut habe. Das war eine richtige Lektüre für uns zwei. Heute geht man einfach online und sucht sich seine Teile heraus. Da fehlen einfach der Charme und der persönliche Kontakt.
Aus denselben Gründen – Teile und Kontakte – gingen wir zusammen zu vielen Auto-Ausstellungen. Vor unserer Haustür gab es die »Essen Motor Show«, die damals noch »Jochen Rind Show« hieß. Für uns war es was ganz Besonderes diese Auto-Messe zu besuchen, denn hier standen Träume auf vier Rädern zum Anfassen herum. Hier holten wir uns immer neue Ideen und Anregungen für Dads Autos. Wenn mir damals einer gesagt hätte, dass ich da selbst mal einen Stand haben würde – ich hätte ihn für verrückt erklärt. Ich habe immer die Aussteller bewundert und gedacht das die etwas ganz Besonderes sein müssen. Eine eigene Welt, ganz weit weg von unserer. Auf jeden Fall haben diese Besuche bei mir Eindruck hinterlassen.
Es war schon eine sehr schöne Zeit, die ich wohl nie vergessen werde. Und ich bin verdammt stolz darauf, dass ich dieses Leben so leben darf. Nicht einen Tag meiner Kindheit würde ich missen oder ändern wollen.
Schon als kleiner Junge konnte ich nicht genug Spielzeugautos besitzen. Dafür, dass ich immer bestens ausgestattet war, sorgte mein Vater. Der hatte, glaube ich, denselben Spaß damit wie ich. So oft war ich mit ihm in Spielzeugläden, und jedes Mal hatte ich beim Verlassen des Geschäfts etwas Neues in meinen Händen. Heute weiß ich das ganz anders zu schätzen.
Ja, mein Dad hat mir schon verdammt viele Träume verwirklicht. Ich erinnere mich noch genau an ein ganz spezielles Geschenk von ihm. Ich bekam mit sechs Jahren ein Puky Gokart mit Pedalen. Die Marke an sich war ja schon was Besonderes, aber er setzte noch einen drauf und baute das Gokart für mich um.
Mein ferngesteuerter BMW M1 im Maßstab 1:10 hatte leuchtende Scheinwerfer!
Liebevoll brachte er kleine Blinker, Licht und eine Hupe an, alles batteriebetrieben. Und damit ich auch ja nichts davon mitbekomme, baute er das Gokart heimlich in unserem Keller um. Ich sag Euch, so ein Teil in den 70ern sein Eigen zu nennen war schon was richtig Cooles. Ich war der Held vom Erdbeerfeld mit diesem speziellen Puky Gokart. Das war damals Hightech pur und kein Kind in unserem Ort hatte so was. Ein Gokart mit Blinkern und Licht - ich war gerüstet für alle Fälle. Ihr könnt Euch vorstellen, wie ich dieses Gokart pflegte.
Generell war Putzen irgendwie schon immer mein Ding. Das machte sich schon bei meinen Spielzeugautos bemerkbar, die hauptsächlich von Matchbox stammten. Die kleinen Superfast-Modelle gab es damals in Pappschachteln verpackt zu kaufen. Die habe ich aufgehoben und als Garagen benutzt. Das jeweilige Modell war immer ganz groß auf dem Karton drauf und ich wusste immer sofort, wo und welches Auto sich darin befand. Wenn ich einige der Autos mit nach draußen zum Spielen genommen habe, mussten sie abends immer wieder schön sauber gemacht werden. War das schon ein Tick? Vielleicht habe ich nur meinen Vater und seinen ordentlichen Umgang mit Fahrzeugen nachgeahmt.
Richtig heiß war ich auch auf RC-Modelle, von denen ich immer die besten und schnellsten besaß. Mit denen machte ich meine ersten Tuning-Schritte. Die ferngesteuerten Autos verbesserte ich, machte sie schneller und verlieh ihnen mehr Grip. Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen BMW M1 mit elektrischen Scheinwerfern von GAMA. Maßstab 1:10! Das war ein über 40 Zentimeter langes Modell und kostete damals ein halbes Vermögen. Aber mein Dad erfüllte mir auch diesen Wunsch und schenkte mir das Modell zu Weihnachten.
Ich war mit diesem RC-Fahrzeug der absolute King, die Leute auf der Straße sind stehen geblieben und haben geguckt. Mitte der 70er waren ferngesteuerte Autos noch ziemlich selten und recht teuer. Und wenn dann ein neunjähriger kleiner Köttel wie ich mit dem ferngesteuerten Modell über den Asphalt driftete, war das schon was ganz besonders. Ich bin mit dem Modell gefahren wie ein Teufel. Und glaubt mir, ich habe diese Show genossen.
Ausgeufert ist unsere Leidenschaft aber erst Anfang der 80er Jahre, als wir angefangen haben Wiking-Modelle im Maßstab 1:87 zu sammeln. Jede Wiking-Messe wurde angefahren, entsprechend rasch hat sich unser Bestand an Miniaturen vergrößert. Mitte der 90er waren es über 4000 Modelle, die wir uns zusammengekauft hatten. Das war eine prächtige Sammlung. Aber tatsächlich nur ein Bruchteil meiner Spielzeugautos.
Als ich 15 Jahre alt wurde, stand natürlich auch das Thema Mofa im Raum. Dank meines Dads habe ich auch eins bekommen. Und nicht nur irgendeines, nein, es war ein französisches Velo Solex. Das sieht aus wie ein Fahrrad und trägt den Motor direkt über dem Vorderrad. Mittels eines Umlenkhebels wird eine Laufrolle direkt auf das Vorderrad gelegt. Einfache Technik, aber irgendwie cool. Mein Dad und ich legten auch hier Hand und Wissen an. Er erklärte mir ganz genau, wie ein Vergaser funktioniert und wie man die Düsen tauscht. Am Ende des Tages lief das gute Teil fast 50 km/h. Ja, das war natürlich verboten, aber ich glaube damals war das Thema noch nicht so extrem wie heute. Außerdem musste ich doch schneller sein als meine Kumpels, das war immer die Challenge. Und der Kick war es ein Mokick mit 50 Kubik Hubraum zu überholen. Das war dann die Krönung. 1983, mit 16, machte ich meinen Führerschein Klasse 1b und wollte − wie jeder damals − natürlich auch eine 80er haben. 80er, so nannte man die Leichtkrafträder mit 80 Kubikzentimeter Hubraum, das Maximum, was man damals unter 18 und ohne Motorradführerschein fahren durfte. Preislich lagen die 80-ccm-Maschinen sehr hoch und die Versicherung war schon fast unerschwinglich. Voll im Trend waren Enduros wie die Honda MTX, doch ich wollte lieber eine Straßenmaschine. Ich bekam eine Honda MB 8 mit 80 ccm. So stand es zumindest in den Papieren. Sie war mittelblau mit dunkelblauen und weißen Zierstreifen, richtig frisch und auffallend. Gott war ich stolz! Ich bin damit jeden Tag zur Schule gefahren, zumal damals nicht viele eine 80er besaßen. Ich hütete die Honda wie meinen Augapfel und schraubte fleißig an ihr. Mit als erstes kam ein Umbausatz von Malossi dran, womit der Hubraum auf 110 ccm erhöht wurde. Damit gehörte ich zu den Schnellsten – wen wundert es! Ein Sportauspuff war ebenfalls erforderlich für den »guten Ton«, denn meine MB 8 sollte anders klingen als die anderen. Damals war die Yamaha RD 80 LC 2 der große Rivale der Honda MBX 80 und der Honda MB 8. Bei der Yamaha handelte es sich um eine wassergekühlte Version, die sehr gut lief. Da musste ich ganz schon schrauben, um die RD 80 zu toppen. Vor allem sollte meine Honda ja auch standfest und haltbar bleiben.
Mit einer 80er, wie meiner Honda MB 8, war man damals der King!
1984, mit 17, war ich mit meiner Familie in Kalifornien.
Ich weiß, jetzt denken viele sowas ist doch illegal und verboten, doch Mitte der 80er-Jahre war das noch nicht ganz so schlimm wie heute. Klar war das nicht richtig, aber ich bin doch auch nur ein Mensch! Und ich war nicht der Einzige, der seine 80er getunt hatte! Und sicher auch nicht der Letzte!
Meine Mutter war immer gegen ein Zweirad, sie hatte natürlich Bedenken und Angst, dass ich einen Unfall baue oder in einen verwickelt würde. Wenn ich heute so zurückblicke, kann ich sie schon verstehen, denn ich bin teilweise sehr rasant unterwegs gewesen. Obwohl ich kein Blaulicht an Bord hatte, frei nach dem Motto »Der junge Wilde«.
Neben den Zweirädern hatte ich auch ein Auge auf US-Cars geworfen. Das Ganze fing 1984 an, als ich mit meinen Eltern in Kalifornien bei Freunden Urlaub machte. Ich merkte sofort, dass da die Welt etwas anders tickt. Ganz anders. Das hatten einem ja schon die US-Serien vermittelt, die hier bei uns im Fernsehen gesendet wurden. Immer saucool, alles so easy und einen TÜV schien es auf der anderen Seite auch nicht zu geben. Ich hatte damals meinen »grauen Lappen« für die Klasse 1a, ja so hieß das früher für Leichtkrafträder bis 80 ccm. Damit darf man ja bekanntlich kein Auto fahren, doch in den USA schien das anders zu sein. Der Nachbar unserer Freunde in Long Beach war einer der Polizei-Chefs und sagte mir nach Sichtung meines Führerscheins: »Looks like a German driving licence, so yes, you can drive a car here in California.« Wie bitte? Das brauchte er mir nicht zwei Mal sagen. Ich glaube, die US-Boys waren damals einfach nicht in der Lage, bei unseren Führerscheinklassen durchzublicken. Und da man in den US mit 16 schon Auto fahren darf, ging der Sheriff wohl davon aus, dass das in Deutschland auch so sei.
Mein Dad vor dem roten Chevy K10, den ich fahren durfte.
Also sagte ich nicht nein, als Danny, der Sohn unserer Freunde in Long Beach, mich fragte, ob ich seinen fetten Chevy K10 fahren wollte. Der rote Pickup stand auf mächtigen Off-Road-Mud-Terrain-Reifen mit verchromten Felgen, Überrollbügel und war eine ganze Etage höher gelegt. Das war so ein richtiger Truck, wie man ihn aus den amerikanischen Filmen kannte. Ein echt abgefahrenes Teil. Der Vorteil damals: Die ganzen US-Cars hatten meistens Automatik-Getriebe, also nur Gas und Bremse. Das traute ich mir ohne weiteres zu. Ich schwang meinen Hintern also Colt-Seavers-like in den hohen Chevy und drehte den Zündschlüssel um. Ich sag‘ Euch, das Blubbern der 5,7-Liter-V8 Small-Block-Maschine war der Knaller. Keiner der Jungs ahnte, was in mir vorging, denn für sie war es ja normaler Alltag. Ich habe ihnen erklärt, dass wir sowas in »good ol‘ Germany« nicht so oft zu hören bekommen und der Sound unter die Haut geht. Also los! Automatik auf »Drive« und los geht‘s! Fenster runter, Arm raus und cruisen.
Wir sind damals über den Hollywood Boulevard gefahren und ich sag Euch, das war ein Feeling! Wie Beverly Hills Cop und Colt Seavers in einem. Geil. Ich lebte in dem Moment den »American Dream«. Der dicke Chevy Pickup machte mir so viel Spaß, dass ich gar nicht mehr aussteigen wollte. Meine Freunde schüttelten nur grinsend die Köpfe, denn sie schwärmten stattdessen von einem Porsche. Das wiederum konnte ich nicht verstehen. Ab da war ich vollständig infiziert von Ami-Blech und hatte einen neuen Traum.
Stellte sich noch die Frage, welches US-Car es werden sollte. Als wir damals durch Los Angeles cruisten, sah ich ein schwarzes 67er Mustang Coupé. Ich glaube keiner der anwesenden US-Buddys verstand mich, als ich das Pony betrachtete wie den heiligen Gral. Bob, unser Freund der Familie, sagte cool »Klaus, it‘s only an old Mustang, we have a lot of them here in California« und lachte dabei. Was redet er da? So eine geile Form! Einen Mustang sieht man selten in good old Germany und der Ford würde mir gut stehen. Zack, da war das Teil in meinem Kopf fest verankert. Ab da war klar, dass ich irgendwann einen Mustang haben musste.
Nach dem Schulabschluss stand natürlich die Frage im Raum, wie es weitergehen sollte. Eigentlich nicht schwer zu erraten was bei mir anstand. Ich bin kein Büro-Typ und auf Studieren hatte ich schon gar keine Lust. Für mich war klar, dass ich was mit Autos machen würde, also begann ich meine Lehre zum KFZ-Mechaniker. Und zwar in einer VW- und Audi-Vertretung in Essen, die einem guten Freund meines Dads gehörte. Damals war ich noch totaler VW-Fan, ich feierte die Wolfsburger richtig. Was konnte besser sein, als bei seiner Lieblingsmarke die Ausbildung zu machen?
Als ich dann endlich 18 Jahre wurde und meinen Führerschein hatte, musste selbstverständlich ein eigenes Auto her. Die Suche nach einem Wagen war gar nicht so einfach. Der Traum vom US-Car war zwar noch da, aber ich musste ja auch mal realistisch bleiben. Alles, was man hier in Deutschland bekam, kostete entweder ein Vermögen oder gefiel mir nicht. Deshalb machten mein Dad und ich uns jeden Sonntag auf den Weg zu Essens größtem VW-Händler um dort die vielen Neuwagen und jungen Gebrauchten unter die Lupe zu nehmen. Da sollte ja was für mich dabei sein! Die Frage war nur, welches Auto das richtige für mich wäre. Welches könnte ich gut umbauen und vor allem: welches passt ins Budget? Fragen über Fragen. Es kamen nicht viele Modelle für mich in Betracht. Golf, Polo und Scirocco waren natürlich meine Wunschkandidaten.
Wir fanden einen goldfarbenen Steilheck-Polo, der sah aus wie ein zu heiß gewaschener Passat Variant. Gold fand ich abgefahren, einfach anders als all die anderen roten, weißen oder grauen Polos. Es handelte sich genauer um einen Polo GL mit 75 PS. Der 1,3-Liter war der stärkste Motor, den man für den Kleinwagen bekam – mal abgesehen vom Sondermodell G40 mit 115 PS. Dad guckte mich an und sagte spontan: »Sollen wir den kaufen und so heiß machen, dass du damit Golf GTIs und Opel Manta GTEs verbläst?« Das klang sehr, sehr gut, aber auch nach einer mega Herausforderung. Ehrlich gesagt hatte ich keine konkrete Vorstellung, wie der Polo am Ende mal aussehen könnte. Ich wusste nur, dass Gold mal was komplett anderes ist und echt saugut werden könnte. Und das Grinsen im Gesicht meines alten Herrn sagte doch alles: Er hatte einen Plan. Kurzum, mein Paps kaufte mir den Polo und in den kommenden Tagen wurde direkt Hand angelegt.
Mein erstes Auto: Ein Steilheck-Polo mit 140 PS!
Der Volkswagen bekam einen Vierfachvergaser, ja genau, vierfach! Der Fallstromvergaser steckte auf einer Riechert-Ansaugbrücke. Damit auch alles passte, kamen noch eine scharfe Nockenwelle von Schrick und neue Kolben rein. Der Luftfilter musste extra angefertigt werden, damit er unter die Haube passte. Ein neues 5-Gang-Getriebe mit besserer Übersetzung bekam das Steilheck auch noch verpasst. Für eine perfekte Straßenlage sorgten eine Domstrebe sowie ein gelbes Koni-Fahrwerk, ein absolutes Muss in den 80gern. Während andere noch 13-Zöller fuhren, bekam mein Polo als einer der ersten 195/50-15er Reifen auf BBS-Felgen verbaut. Das war eine Herausforderung beim Polo Steilheck, gerade hinten an der Karosserie, weil da die Radhausausschnitte gerade verliefen. Aber auch das haben wir gemeistert. Im Innenraum kamen Sparco-Vollschalensitze mit 4-Punkt-Renngurten zum Einsatz, damit meine Mutter beruhigt und ich sicher war. Der Kleine lief schließlich locker über 200 km/h.
