Mut ist ein Wildpferd, das du reiten kannst - Renate Woi - E-Book

Mut ist ein Wildpferd, das du reiten kannst E-Book

Renate Woi

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Beschreibung

Hand aufs Herz – wer möchte nicht gern mutig sein? Mut ist ein Lebenselixier, er schenkt uns in schwierigen Lebenslagen die Kraft durchzuhalten und unseren eigenen Weg zu gehen. Aber wie schaffen wir es, unser mutiges Ich zu stärken und jeden Tag zu leben? Durch intensive Feldforschung konnte Renate Woi fünf Schritte des mutigen Handelns entdecken. Dadurch wird Mut trainierbar, für jeden von uns. »Mut ist wie der Ferrari unter den Softskills«, sagt die Autorin. Sie erklärt das komplexe Phänomen Mut anschaulich mit vielen Fallbeispielen und lädt mit Übungen ein, die Komfortzone zu verlassen und die Mutkompetenz in den verschiedensten Lebensbereichen Schritt für Schritt zu erhöhen. Dieses Handbuch richtet sich an alle, die ihr Handlungspotenzial voll ausschöpfen und ihr Leben erfüllend gestalten wollen. Denn: »Ohne Mutkompetenz ist es unmöglich, seine wahre Bestimmung zu leben«, sagt Renate Woi.

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Seitenzahl: 206

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Renate Woi

Mut ist ein Wildpferd, das du reiten kannst

In fünf Schritten zum mutigen Handeln

ENNSTHALER VERLAG STEYR

Erklärung

Die in diesem Buch angeführten Vorstellungen, Vorschläge und Therapiemethoden sind nicht als Ersatz für eine professionelle medizinische oder therapeutische Behandlung gedacht. Jede Anwendung der in diesem Buch angeführten Ratschläge geschieht nach alleinigem Gutdünken des Lesers. Autoren, Verlag, Berater, Vertreiber, Händler und alle anderen Personen, die mit diesem Buch in Zusammenhang stehen, können weder Haftung noch Verantwortung für eventuelle Folgen übernehmen, die direkt oder indirekt aus den in diesem Buch gegebenen Informationen resultieren oder resultieren sollten.

Hinweis

Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird auf eine geschlechtsspezifische Differenzierung verzichtet und das generische Maskulinum verwendet. Entsprechende Begriffe und Formulierungen gelten für Männer und Frauen in gleicher Weise.

Jedes Kapitel dieses Buchs enthält unter dem Motto »Try this« eine Übung. Wenn Sie an einer psychischen Erkrankung leiden, fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Therapeuten, ob die Übungen für Sie passend sind.

www.ennsthaler.at

ISBN 978-3-7095-0113-9

Renate Woi · Mut ist ein Wildpferd, das du reiten kannst

Alle Rechte vorbehalten

Copyright © 2020 by Ennsthaler Verlag, Steyr

Ennsthaler Gesellschaft m.b.H. & Co KG, 4400 Steyr, Austria

Umschlaggestaltung: Atteneder Grafik Design, Steyr

Illustrationen: Renate Woi

Icons: © venimo/iStockphoto.com, © Ganna Zubkova/123rf.com

Illustration Pferd: © P_E_A_R_L /shutterstock.com

Inhalt

Vorwort

1. Mut ist ein Wesen mit vielen Gesichtern

Mut ist echt

Die Dynamik des Muts

Übung: Im Spiegelkabinett

Real-Life-Mutgeschichte: Liebe wird aus Mut gemacht

2. Mut ist ein Travel-to-your-Life-Ticket

Die wahre Geschichte von Jia Jiang und der Zurückweisung

Kein erfülltes Leben ohne Mut

Kann ich ein mutiger Mensch sein?

Übung: Die Grabesrede

Real-Life-Mutgeschichte: Thomas Zelenka – Eine Geschichte von Faszination, Leidenschaft & Verantwortung

3. Mut ist ein Wildpferd, das du reiten kannst

Mutig in fünf Schritten

Der Unterschied zwischen Handeln und mutigem Handeln

Übung: Den Fünfschritt verinnerlichen

Real-Life-Mutgeschichte: Nach dem Tiefpunkt

4. Mut ist ein hungriger Geselle

Der Weg des Albert Schweitzer

Der Unterschied zwischen Null und Eins

Übung: Die 7-Tage-Mut-Challenge

Real-Life-Mutgeschichte: Armin Wahl – Out of Schwaben

5. Mut ist ein Schweizer Messer de luxe

Fallbeispiel 1: Irgendetwas stimmt nicht mehr …

Fallbeispiel 2: Wohin soll die Reise gehen?

Fallbeispiel 3: Ich bin so faul …

Fallbeispiel 4: So geht es einfach nicht mehr weiter …

Fallbeispiel 5: Ich möchte nicht mehr süchtig sein

Übung: Die Fünfschrittanalyse einsetzen

Real-Life-Mutgeschichte: Beate Kraml – Stay Brave!

6. Mut ist ein fabelhaftes Lebenselixier

Vom Ritt in der Prärie und den Stunden am Lagerfeuer

Routinehandlung versus mutige Handlung

Manfreds Alltags-Mutexperiment

Be the Master of Your Destiny

Übung: Das Alltags-Mutexperiment

Real-Life-Mutgeschichte: Josef Zotter – The Sweet Taste of Authenticity

7. Mut ist eine unbezähmbare Kraft

Bin ich wichtig oder unwichtig?

Der Feigling in uns und sein Preis

Heldengeschichten können nur retrospektiv erzählt werden

Die Kraft des Muts

Müssen Sie ein Held werden?

Ein Beispiel aus dem Krankenhaus

Welche Geschichte soll Ihr Leben erzählen?

Übung: Den Feigling entlarven

Real-Life-Mutgeschichte: Perry Zmugg – Achtung! Perry sieht ganz harmlos aus

8. Mut ist Macht

Macht bedeutet, etwas machen zu können. Ohne Macht sind wir ohnmächtig

Ein Beispiel aus dem Krankenhaus

Wir müssen nicht warten, bis der Tod an unsere Tür klopft …

Übung: Lass dich inspirieren

Real-Life-Mutgeschichte: Hanna Frey – No Time for Labels

9. Mut ist attraktiv

Tatsachen werden aus Taten geschaffen

Leute, die etwas auf die Beine stellen, sind attraktiv

Kennen Sie Nellie Bly?

Wenn wir mutig handeln …

Übung: Der Attraktivität des Muts auf der Spur

Real-Life-Mutgeschichte: Mathias Haas – Master your Destiny!

10. Mut ist Freiheit

Ein unumstößlicher Zusammenhang

Was ist Freiheit überhaupt?

Peter Benenson sieht hin

Mutes Schwester

Übung: Ein Date mit meinem mutigen Ich

Real-Life-Mutgeschichte: Alles war perfekt. Eigentlich

Nachwort

Danksagung

Literaturhinweise

Quellennachweis

Über die Autorin

Der Fünfschritt des mutigen Handelns

Widmung

Gewidmet HerrnPrimar Dr. Johann Sailer

eine Ausnahmeerscheinung an Menschlichkeit und Güte

ein unermüdlicher Mutmacher für Menschenin tiefsten Abgründen

eine fachliche Koryphäe, die bescheiden ihrWerk vollbringt

Vorwort

Ich möchte Menschen befähigen, mutig ihre Lebenssituation zu gestalten

… dies ist mein unumstößlicher Herzenswunsch. All meine innigsten Wünsche in Bezug auf das, was ich anderen Menschen geben möchte, finden in diesem einen Satz ihren verdichteten Ausdruck. Er ist mein Kompass, mein Leitstern. Dieser Wunsch hat mein Leben verändert, noch bevor ich ihn formulieren konnte.

Die Reise zu dieser Erkenntnis war weit und wechselhaft, voller unvorhergesehener Ereignisse. Sie bestand aus unglaublich intensiven Höhen, aus langen, dunklen Tiefen, die mir wie undurchdringliche, nicht enden wollende Nebeltäler erschienen, und aus Zeiten voller Leichtigkeit und Sonnenschein. Dieser Weg enthielt berufliche, spirituelle und sehr private Erfahrungen, die mich letztendlich erkennen ließen, worin meine Aufgabe besteht.

Tauchen Sie gemeinsam mit mir tief in das faszinierende Thema Mut ein. Jedes der zehn Kapitel zeigt Ihnen einen wesentlichen Aspekt dieser immensen Kraft und enthält jeweils auch eine klar verständliche und effektive Übung. Die Übungen ermöglichen es Ihnen, Ihre persönliche Mutkompetenz zu stärken. Am Ende jedes Kapitels finden Sie eine inspirierende »Real-Life-Mutgeschichte« von unterschiedlichsten Menschen. Ich habe all diese Personen interviewt und ihre spannenden Werdegänge auch auf meinem Blog veröffentlicht. Dort finden Sie diese Storys mit vielen Fotos illustriert: www.woimachtmut.com. Video-Tutorials finden Sie auf meinem YouTube-Kanal: Woi macht Mut.

Falls Sie zu jenen Menschen zählen, die gerne hinter die Kulissen blicken und es lieben, die Hintergründe und Entstehungsgeschichte eines Buches zu erfahren, werden Sie in den nächsten Absätzen fündig. Für alle anderen gilt: Auf zu Kapitel eins – die Reise kann losgehen!

Wie alles begann

Ich bin seit vielen Jahren als Ergotherapeutin tätig. Wenn Sie sich nun fragen, was bitteschön eine Ergotherapeutin tut, dann sind Sie in bester Gesellschaft – die meisten Menschen stellen mir diese Frage. In aller Kürze darf ich Ihnen meinen Beruf wie folgt erklären: Ergotherapeuten unterstützen Menschen dabei (im Krankheitsfall, bei Behinderung oder nach Unfällen), wieder handeln zu können. Wir gehen davon aus, dass Tätigsein ein menschliches Grundbedürfnis ist und dass es zum Gesundungsprozess sowie zu einem erfüllten Leben dazugehört, jene Handlungen ausführen zu können, die uns wichtig sind.

In meinem Beruf durfte ich viele, viele Menschen kennenlernen. Die meisten von ihnen hatten mit einer schweren Erkrankung oder Behinderung zu kämpfen. Manche Menschen habe ich in den letzten Monaten, Wochen oder Tagen ihres Lebens kennengelernt. Manche Personen wussten, dass sie sterben würden, und wir sahen uns bis zu ihrem Versterben. Für wieder andere war bis zum Ende unserer therapeutischen Beziehung nicht klar, wohin ihre Reise führen würde. Heilung war nicht ausgeschlossen, aber auch bei Weitem nicht sicher. Manche Patienten hatten auch »nur« ein vorübergehendes gesundheitliches Problem, das wir gemeinsam vollständig lösen konnten.

Bei meinen Patienten handelt es sich keinesfalls nur um ältere oder sehr alte Menschen. Auch junge Menschen erkranken schwer. Das Leben hält viele Situationen bereit, wie etwa die folgende: Einer jungen Mutter wird klar, dass sie wie angestrebt noch vor Weihnachten aus dem Krankenhaus entlassen werden kann – jedoch nicht wie erhofft gesund, sondern unheilbar krank, um in wenigen Wochen zu sterben. Sie begreift, dass sie dieses Jahr das letzte Mal mit ihrem achtjährigen Sohn die Adventzeit und Weihnachten feiern wird. Es gibt Menschen, die solch einer Situation mit Mut begegnen und es schaffen, diese Zeit voller extremer körperlicher und psychischer Belastungen in eine würdige, besondere und zutiefst menschliche Zeit zu verwandeln. Ich hatte die große Ehre, solche Menschen kennenlernen und begleiten zu dürfen.

Nach einigen Jahren, in denen ich in verschiedenen medizinischen Fachbereichen als Ergotherapeutin tätig gewesen war, stellte ich mir folgende Frage:

Was mag ich an meiner Arbeit eigentlich so sehr? Welche Momente mit meinen Patienten haben mich am stärksten gefesselt und mein Herz am weitesten geöffnet, mich am tiefsten berührt? Ich liebte meinen Beruf, aber mir war noch nicht ganz klar, warum. Was genau war es, was mich an meiner Arbeit mit den Menschen so faszinierte? Und warum war es nicht in jeder Therapieeinheit gleich stark ausgeprägt? Woran lag es, dass ich nach manchen Einheiten das Gefühl hatte, Bäume ausreißen zu können und soeben etwas wirklich Bedeutungsvolles erlebt zu haben? Was war in solch einer Therapieeinheit geschehen?

Mir war klar, dass es nicht am medizinischen Fachbereich festzumachen war. Dazu muss man wissen, dass Ergotherapeuten in sehr unterschiedlichen Settings arbeiten. So sehen die Therapieinhalte bei einem psychiatrischen Patienten, der zum Beispiel an einer Angststörung leidet, völlig anders aus als bei einem orthopädischen Patienten, der eine Beugesehnenverletzung des Zeigefingers erlitten hat. Es war durchaus so, dass ich auch starke Erlebnisse mit Patienten aus den verschiedensten medizinischen Bereichen haben konnte. Der Mensch musste nicht in einer Extremsituation oder todkrank sein. Woran lag es also – diese Faszination? Diese Frage ließ mich nicht los. Leider kam ich auf keinen grünen Zweig. Ich konnte sie nicht lösen. Zu diesem Zeitpunkt erhielt ich Hilfe durch das Leben selbst. Eine Freundin war gerade dabei, mit einem neuen Konzept ihre Tätigkeit als PR- und Marketingstrategin zu erweitern. Sie wollte Firmengründer dazu anregen, kurz und knapp zu formulieren, WARUM sie die Tätigkeit, mit der sie in Kürze eine Firma gründen würden, ausüben wollten.

Meine Freundin war der festen Überzeugung, dass das klare WARUM den Ausschlag dafür gibt, ob jemand in einer Tätigkeit wirklich erfolgreich sein würde oder nicht. Mehr noch – sie hielt es für unumgänglich, dass man als Unternehmer seinen potenziellen Kunden dieses WARUM klar und einfach erklären könne. Nur so würde man die richtigen Kunden anziehen und die Kunden die richtige Firma für sich finden. Im Warum stecken nämlich die innere Antriebskraft, die Motivation, also das Herz der ganzen Sache.

Nun brauchte meine Freundin jemanden, mit dem sie ihren neu konzipierten Workshop testen konnte. Ein paar Tage nach unserem Telefonat bestieg ich einen Bus, um zu ihr zu reisen. Mit ihr konnte ich endlich meine brennende Frage klären: Warum tue ich, was ich tue? Was ist mein tiefster Antrieb dabei? Hatte ich zuvor noch das Gefühl, wie in einem Dschungel vor lauter Bäumen den Wald nicht zu sehen, begann nun eine wunderbare Reise. Meine Freundin führte mich wie eine erfahrene Wanderin durch meine große, weite, reich bewachsene Landschaft an beruflichen, aber auch privaten Erfahrungen. Mir wurde immer bewusster, dass ich es unglaublich faszinierend und berührend fand, wenn Menschen ihren Mut (wieder)fanden. Und genau dazu hatte ich den verschiedensten Menschen, ohne es bewusst zu wissen, immer wieder verholfen! Am Ende unseres Workshops war mir plötzlich völlig klar, was ich wollte:

Ich möchte Menschen befähigen, mutig ihre Lebenssituation zu gestalten

… und zwar ganz egal wie diese Lebenssituation im Moment gerade aussehen mag. Das war es also!

Als Therapeutin hatte ich meine faszinierendsten Therapieeinheiten immer dann, wenn ich mit Menschen diesen Mut herausarbeitete, und die Menschen begannen das zu tun, was in ihrer Situation für sie das Allerbeste war! Was auch immer das sein mochte. Mut schenkte ihnen etwas fast Magisches: Sie waren wieder obenauf. Egal wie schrecklich die Situation vielleicht ausgesehen haben mochte: Die Person war wieder Herr der Lage. Sie konnte wieder handeln, war nicht länger ausgeliefert.

Meine Freundin und ich hatten das Gefühl, soeben etwas wirklich Wichtiges herausgefunden zu haben. Zurück zu Hause druckte ich meinen neuen Leitsatz groß aus und hängte ihn in meinem Schlafzimmer auf. Jeden Abend vor dem Einschlafen starrte ich den Satz an und musste über ihn nachdenken. Die Wochen vergingen und ich entwickelte einen wahren Heißhunger auf neues Wissen. Ich konnte mir selbst nicht so genau erklären, woher es kam, dass ich plötzlich ein enormes Bedürfnis nach Ratgebern für Persönlichkeitsentwicklung und Unternehmertum hatte. Ich verschlang diese Bücher regelrecht, und wenn ich keine Zeit zu lesen hatte, hörte ich mir die Themen neben der Hausarbeit als Hörbücher an. Ich lernte viel dazu, ich arbeitete weiter als Ergotherapeutin, und dieser Satz war immer da:

Ich möchte Menschen befähigen, mutig ihre Lebenssituation zu gestalten.

Aber wie passte das alles zusammen? Hatte ich denn nicht schon meinen Traumberuf gefunden? Ich ermutigte doch als Ergotherapeutin an jedem Arbeitstag kranke Menschen. Und warum hatte ich dann, obwohl mir mein Beruf viel Freude bereitete, gleichzeitig das Gefühl, dass etwas fehlte? Woher kam dieses Bedürfnis nach neuem, ganz anderem Wissen?

Eines Tages, ganz plötzlich und unerwartet, während ich im Badezimmer stand und wie in all den vergangenen Wochen einem Hörbuch über Persönlichkeitsentwicklung lauschte, wusste ich:

»Es ist der Mut! Mut an sich ist das Thema meines Lebens! Immer und immer wieder ist es in meinem Leben darum gegangen, mutig zu sein. Immer und immer wieder habe ich beruflich, aber auch privat und selbst Fremden dabei geholfen, mutig zu sein. Mut ist eine magische, treibende Kraft. Wer mutig handeln kann, der kann sein Leben wie mit einem Zauberstab verwandeln. Ich möchte Mutforscherin und Muttrainerin werden.«

Und im selben Moment wurde mir klar, dass ich ein Buch über Mut schreiben musste. Dieses Buch halten Sie nun in Ihren Händen.

Ich wünsche zutiefst, dass es Ihnen hilft, diese magische Macht, die bereits heute in Ihnen steckt, besser kennenzulernen und zu verstärken. Denn Mut kann die Türen zu einem ganz neuen, erfüllenden Leben weit aufstoßen.

Herzlichst

1. KapitelMut ist ein Wesen mit vielen Gesichtern

Angst haben wir alle. Der Unterschied liegt in der Frage wovor.

Frank Thiess, deutscher Schriftsteller, 1890–1977

Waren Sie schon einmal von der Tat eines mutigen Menschen fasziniert? Hannibal, der mit einem riesigen Heer und Elefanten die Alpen überquerte, Martin Luther, ein einfacher Mönch, der die Auswüchse des Papsttums kritisierte. Oder Nelson Mandela, der dem Apartheidregime trotzte und letztendlich vom Staatsfeind Nr. 1 zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas wurde. Was empfinden Sie, wenn Sie in der Zeitung von einem Teenager lesen, der ohne viel Federlesens ein Kleinkind rettete, das auf die U-Bahn-Gleise gestürzt war? Dieser Vorfall ereignete sich im Februar 2018 in Mailand. Der junge Mann sprang einfach hinterher und holte das Kleinkind rasch auf den Bahnsteig zurück. In einem späteren Interview meinte er: »Na ja, die nächste Bahn lief erst in 90 Sekunden ein. Da war Zeit genug.«

Was Mut ist, daran scheiden sich die Geister. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, woran das liegt? Ein wesentlicher Grund liegt darin: Können wir das Risiko, dem sich eine Person bei einer Handlung aussetzt, erkennen, erleben wir die Person und ihre Handlung als mutig. Können wir kein Risiko und keine Gefahr erkennen, empfinden wir weder die Tat noch die Person als mutig.

Die Mut-Beispiele oben sind einleuchtend, weil sie alle eine Bedrohung des Lebens einschließen. Und Lebensgefahr ist etwas, das jeder Mensch nachempfinden kann. Schließlich hat jeder Einzelne von uns ein Leben, das er gerne behalten möchte, und zwar möglichst unversehrt. Hannibal musste auf seinen Kriegszügen unzähligen lebensgefährlichen Situationen standhalten, Luther riskierte, durch die Inquisition zu Tode gefoltert zu werden, und auch Mandela hätte als unbequemer Regimegegner ermordet werden können. Der junge, beherzte Italiener wiederum hätte selbst unter die Räder geraten können.

Wir haben somit bereits einen wesentlichen Aspekt des Muts herausgearbeitet: Wer mutig ist, trotzt einer Gefahr. Er geht ein Risiko ein.

In der Psychologie gibt es Unterscheidungen in verschiedene Arten des Muts, wie zum Beispiel Zivilcourage und persönlicher Mut. Unter persönlichem Mut werden jene Bereiche des mutigen Handelns verstanden, die ein subjektives Risiko enthalten, das nicht von allen Menschen geteilt wird. Ein einfaches Beispiel dafür ist, vor einer großen Gruppe zu sprechen. Viele Menschen finden das mutig, weil sie selbst Angst davor haben. Die Risiken, die der Redner dabei eingeht, sind Gesichtsverlust und Scham zu erleben. Schließlich könnte er mitten im Vortrag den Faden verlieren, rot werden oder stotternd von der Bühne stolpern. Ein geübter Redner hingegen, der gewohnt ist, vor großem Publikum zu sprechen, wird sich selbst kaum als mutig empfinden, wenn er seinen 100. Vortrag hält. Wir können die oben stehende Definition somit verfeinern:

Mut bedeutet die Fähigkeit, ein objektives oder subjektives Risiko einzugehen.

Wenn wir die vier Mut-Beispiele genau betrachten, wird noch etwas klar: Diese Menschen gingen Risiken ein für etwas, woran sie glaubten, für etwas, was ihnen wichtig war. Hannibal fühlte sich laut Geschichtsforschung seinem verstorbenen Vater verpflichtet, Luther der Wahrheit und dem Gottesglauben, Mandela einem ganzen Volk und der jugendliche Lebensretter einem Menschenleben.

Wahrer Mut ist mehr als einfaches Draufgängertum. Wahrer Mut ist dort vorhanden, wo jemand ein Risiko eingeht, um etwas zu tun, was für ihn bedeutungsvoll ist. Deshalb scheiden sich die Geister bei sogenannten Adrenalinjunkies ebenso wie bei Terroristen. Die einen finden diese Personen mutig – die anderen nur schrecklich. Wer nachempfinden kann, dass ein Extremsportler im freien Fall so etwas wie Spiritualität erlebt, eine tiefe Einheit mit der Welt, wird die Handlung anders beurteilen als jemand, der davon ausgeht, dass diese Person einfach den nächsten Kick braucht.

Wer wie der Terrorist davon überzeugt ist, dass es nur eine absolut wahre Religion gibt und die gesamte Menschheit in Glückseligkeit leben wird, wenn alle Glaubensfeinde eliminiert sind, wird den Terroristen als mutigen Kämpfer für eine gute Sache ansehen. Jemand, der an die Religionsfreiheit und die Menschenrechte glaubt, würde zeit seines Lebens wohl nie zu dieser Ansicht gelangen. Mut umfasst somit auch den Aspekt der Werte und Überzeugungen.

Was also ist Mut?

Der Duden definiert »Mut« wie folgt:

A: Fähigkeit, in einer gefährlichen, riskanten Situation seine Angst zu überwinden; Furchtlosigkeit angesichts einer Situation, in der man Angst haben könnte.

B: (grundsätzliche) Bereitschaft, angesichts zu erwartender Nachteile etwas zu tun, was man für richtig hält.

Ich möchte weiters einige Wörter, die als Synonyme für Mut gelten, anführen. Nicht jedes spiegelt den vollen Umfang dessen wider, was Mut umfasst, aber die Auflistung ist bereichernd, denn sie erhellt viele unterschiedliche Facetten von Mut.

Mut ist nicht eindimensional, er hat Tiefe und beschreibt ein breites Spektrum an Fähigkeiten, ganz so, wie auch ein meisterhaftes Bild eine vollendete Komposition aus Formen und Farben ist.

Entdecken Sie hier nun einige Formen und Farbtöne von Mut:

Beherztheit, Bravour, Draufgängertum, Entschlossenheit, Forschheit, Furchtlosigkeit, Heldentum, Kühnheit, Risikobereitschaft, Rückgrat, Tapferkeit, Unerschrockenheit, Verwegenheit, Wagemut, Waghalsigkeit, Zivilcourage, Heroismus, Courage, Schneid, (veraltend) Bravheit, Herzhaftigkeit.

Die frühere althochdeutsche Form »muot« bedeutete noch »Geist, Seele«.

Zeigt dies nicht auf, was auch heute viele Menschen empfinden? Mut ist etwas, was im tiefsten Inneren eines Menschen verfestigt ist. Wir empfinden wahren Mut nicht als oberflächlichen Aufputz, sondern als stark verankerten Teil einer echten Persönlichkeit.

Wenn wir mutig sind, wissen wir vorab nicht, ob wir unser Ziel erreichen werden. Wir haben keine Garantie darauf, es zu schaffen. Eine Gelinggarantie, wie wir sie etwa von Backmischungen kennen, wird vom Leben nicht mitgeliefert. Was wir aber zutiefst wissen, wenn wir etwas mutig anpacken, ist, dass es richtig und wichtig ist zu handeln. Selbst wenn wir in manchen Fällen zu Beginn nicht einmal erahnen, was wir alles tun werden müssen, um ans Ziel zu kommen. Wir wissen einfach unumstößlich: Wir müssen alles versuchen, um zu erreichen, was uns unser Bauchgefühl, unsere Werte oder Visionen als richtige Antwort auf eine Situation erscheinen lassen.

Mut ist echt

Beim mutigen Handeln bleibt kein Raum für aufgesetztes, unechtes Verhalten, es gibt keine Geziertheit. Wir können uns nicht damit beschäftigen, was andere gerade von uns denken mögen oder wie wir gerade aussehen. Bevor wir mutig handeln, kämpfen wir fast immer mit solchen oder anderen Ängsten. Ängste und Befürchtungen zu überwinden, ist ein Teil des Prozesses des mutigen Handelns. Sobald wir aber loslegen, ist dafür kein Platz mehr, keine Zeit, denn die mutige Handlung erfordert all unsere Aufmerksamkeit und Kraft. Mut ist Authentizität, die Übereinstimmung von innerer Überzeugung und äußerem Tun. Das können wir spüren. Nicht zuletzt deshalb berühren uns mutige Menschen so sehr.

Mut verbindet uns mit uns selbst.

Mut ist ein Hauptwort, das zugehörige Adjektiv heißt mutig. Aber wie lautet die Handlungsform? Am ehesten kennen wir noch »mutig sein«. Wir haben bezeichnenderweise kein einzelnes Wort zur Verfügung, das die Handlung selbst beschreibt. Wer weiß, vielleicht liegt es daran, dass es sich dabei um eine vielschichtige, komplexe Angelegenheit handelt.

Ich nenne die Handlungsform für Mut bevorzugt »mutiges Handeln«. Als Ergotherapeutin bin ich vertraut damit, dass Handeln ein komplexer Prozess ist, der verschiedene Aspekte umfasst – unter anderem kognitive (geistige), emotionale und körperliche.

Handlungen geschehen zudem niemals getrennt von der Umwelt. Wir interagieren immer mit und in unserer Umwelt, wenn wir handeln. Außerdem drücken Handlungen stets einen Teil unserer Persönlichkeit aus. Selbst wenn wir unter extremsten Bedingungen zu ungewollten Handlungen gezwungen würden, würden sich in der Art, wie wir diese Handlung durchführen, unsere Persönlichkeit und unser Wertesystem ein Stück weit widerspiegeln.

Ich möchte nun mit Ihnen meine ganz persönliche und einfache Definition von mutigem Handeln teilen:

Mutiges Handeln bedeutet, dass ich etwas tun kann, was ich tun will, selbst wenn ich Angst davor habe.

Eine Person, die fähig ist, mutig zu handeln, kann also das tun, was sie tun möchte, was ihr richtig und sinnvoll erscheint, selbst wenn sie Angst vor dem Risiko hat, das die jeweilige Handlung in sich trägt.

Die Dynamik des Muts

Wie groß oder klein die Angst ist, die ich beim mutigen Handeln überwinden muss, ist unwichtig. Vielleicht ist die Angst in vielen Fällen nur ein klitzekleines Gefühl der leichten Unsicherheit. Trotzdem bin ich mutig, wenn ich es überwinde, und es bringt mir große Gewinne, diesen Schritt immer wieder zu tun. Denn was heute für mich ein leichtes Gefühl der Unsicherheit bedeutet, das war vor einem Jahr vielleicht noch eine veritable Herausforderung. Und sie wäre es auch heute noch, hätte ich mich nicht mutig entschieden, die Aufgabe anzupacken.

Der kanadische Psychologe Stanley Rachman1, ein Pionier der Mut-Forschung, führte eine umfangreiche Studie mit 105 Rekruten eines Fallschirmjägerbataillons durch. Zu Ausbildungsbeginn hatte ein Drittel der Rekruten keinerlei Sorgen bezüglich Gefahren, zwei Drittel waren während der Vorbereitungen und der ersten Sprünge ängstlich. Im Lauf ihrer Ausbildung schwand die Furcht der Ängstlichen zusehends, und am Ende der Ausbildung hatten alle Soldaten einen ähnlichen Grad an Furchtlosigkeit erreicht.

Rachman protokollierte laufend die Gefühlslage und Stimmung der Probanden und stellte Folgendes fest: Im gleichen Maß wie der Mut der Soldaten wuchs, wuchs auch ihr Selbstvertrauen. Rachman führte weitere Studien mit Veteranen aus dem Falklandkrieg und mit Bombenentschärfungskommandos aus Irland durch und erkannte, dass Selbstvertrauen das beherrschende Merkmal der Mutigen ist.

Rachmans Ergebnisse können in drei Leitsätzen beschrieben werden:

•Mut ist erlernbar

•Mut ist ansteckend

•Mut kann bis zur Furchtlosigkeit wachsen, wenn positive Erfahrungen aus früheren gemeisterten Gefahrensituationen das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wachsen lassen. Man übersteht damit neue Gefahrensituationen.

Sie können Mut also erlernen und trainieren – und Sie werden davon profitieren.

Mut ist ein Wesen mit vielen Gesichtern, und diese Gesichter sind wie Spiegel. Spiegel von uns selbst und Spiegel der Gesellschaft. Wenn wir eine Tat als mutig einstufen, können wir intuitiv das Risiko erkennen, dem sich die jeweilige Person ausgesetzt hat.

Was wir als mutig empfinden, spiegelt wider, wovor wir Respekt haben, was wir als Gefahrenpotenzial einschätzen.

Was von einer Gesellschaft als mutig bewertet wird, spiegelt also auch die Werte und Ideale einer Gesellschaft wider. Ein einfaches Beispiel dafür ist Kritik, Hinterfragen und selbstständiges Denken. In manchen Gesellschaften wird dies als mutig und intelligent angesehen, in anderen als aufsässig und unhöflich, als etwas, was es zu unterbinden gilt. Bei der erstgenannten Gesellschaft wird es sich um eine Demokratie handeln, in der die einzelnen Mitglieder einen gewissen Grad an Verantwortung übernehmen müssen, damit diese Staatsform funktioniert. In der zweitgenannten Gesellschaft um einen totalitären Staat, der davon lebt, dass sich die Bevölkerung unterordnet und die Machthaber nicht infrage stellt.

TRY THISIhre erste Übung für mehr Mut:Im Spiegelkabinett

Notieren Sie fünf Handlungen, für die Sie Mut benötigen. Dabei ist es nicht wichtig, ob eine ganz kleine, mittlere oder gar große Portion Mut erforderlich ist. Die Beispiele sollen in Bezug zu Ihrem persönlichen Leben stehen und fünf verschiedene Lebensbereiche (siehe unten) abdecken. Beschreiben Sie Dinge, die Sie gern einmal wagen würden und von denen Sie es gut fänden, sie (endlich) anzupacken. Es sollten Dinge sein, die Sie bis jetzt noch nicht »erledigt« haben.

Besonders spannend wird die Übung dadurch, dass Sie aufspüren sollen, worin Ihr persönliches Risiko bei der jeweiligen Sache liegt. Entscheiden Sie sich im Anschluss für eine der fünf Handlungen, die Sie notiert haben, und führen Sie diese durch. Am besten noch heute.

Falls Ihnen die Umsetzung heute nicht möglich sein sollte, dann beginnen Sie heute zumindest damit (zum Beispiel indem Sie sich einen klaren Plan überlegen, einen Zeitpunkt festsetzen, sich genau vorstellen, wie Sie vorgehen werden …). Es ist sehr wichtig, dass Sie gleich heute einen Beginn setzen. Verpflichten Sie sich, Ihre mutige Handlung spätestens innerhalb von sieben Tagen durchgeführt zu haben.

Ziele dieser Übung:

•Die Einträge unten in der Risiko-Spalte verraten Ihnen viel über Ihre persönlichen Werte und Glaubenssätze. Dadurch lernen Sie sich selbst besser kennen und können erste hinderliche Überzeugungen aufspüren.

•Sie kommen diffusen Ängsten auf die Spur. Es kann durchaus sein, dass sich das eine oder andere »Risiko« als so klein oder unrealistisch entpuppt, dass es Ihnen allein durch das genaue Hinsehen möglich wird, die gewünschte Handlung endlich auszuführen.

•Sie erkennen, in welchem Lebensbereich Ihnen rasch mehrere mutige Handlungen einfallen, die Ihnen guttäten, und in welchen Lebensbereichen Sie immer wieder mutig handeln (vielleicht ohne es geahnt zu haben) und deshalb keinen großen Handlungsbedarf haben.

•Sie haben ein erstes wichtiges, bewusstes Erfolgserlebnis in Hinblick auf Ihre Mutkompetenz, indem Sie eine mutige Handlung durchführen.

Lebensbereich

Handlung

Risiko

Beruf & Berufung

Familie, Freunde & Sozialkontakte

Liebe & Partnerschaft

Geld & Finanzen