Mutter. Liebe? - Ida Brandner - E-Book

Mutter. Liebe? E-Book

Ida Brandner

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Beschreibung

Mutterliebe - ist sie selbstverständlich? Was ist, wenn der Anfang sich schwierig gestaltet? Wie fühlt sich eine Mutter, deren Liebe nicht in Strömen fließt? Auf jeden Fall ist sie nicht allein! In diesem Buch erfahren Sie verschiedene Gründe, die Mutter- bzw. Vaterliebe hemmen oder blockieren können. Unbewusste Erwartungen an uns selbst und unser Kind beeinflussen unsere Gefühle zusätzlich. Der gesellschaftliche Anspruch kommt erschwerend hinzu und lässt die jungen Eltern oft mit ihren Sorgen allein. Was können wir tun, um unserer Liebe auf die Sprünge zu helfen? Im Text finden Sie viele Methoden, Übungen und Fragen, mit deren Hilfe Sie Ihre Liebe stärken können. Zugleich erfahren Sie viel über sich und Ihr Kind. Eine neue Chance für das Miteinander! Sprung für Sprung, Seite für Seite nähern Sie sich Ihrer gewünschten Liebe zum Kind an. informativ - innovativ - inspirierend

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Seitenzahl: 95

Veröffentlichungsjahr: 2023

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INHALT

Einleitung

Mutterliebe - was ist das eigentlich?

Wo ist der Fluss?

Körperliche Gründe

Psychische Gründe

Familiäre Gründe

Gesellschaftliche Gründe

Weiterführende Gedanken

Der Wunschfilm

Mein Wunschfilm

Der Wunschfilm anderer

Lieber Realfilme?

Power on!

Alles Gefühl, oder was?

Energiequellen

Energieräuber

Energie sparen

Stärken stärken

Supermama und Superpapa

Vorbild - verzweifelt gesucht!

Lasst uns (wieder) fühlen!

Grundgefühl - bei Fuß!

Gefühlstraining

Und sonst?

Hallo…?

Wer bist du?

Oh, oh!

Stopp!

Wie geht es dir?

Sorry, baby!

Stärkung gefällig?

Wo bin ich?

Wo stehe ich aktuell?

Alles Sch…!

Relax!

Let´s celebrate!

Literaturverzeichnis

Danksagung

EINLEITUNG

Mutterliebe? Ist doch selbstverständlich!

Warum sollte sie nicht selbstverständlich sein?

In unserer Gesellschaft gilt Muttersein als das höchste Glück. Ebenso selbstverständlich wird angenommen, dass jede Mutter ihr Kind bedingungslos liebt.

Warum eigentlich nur die Mütter?

Wenn wir anfangen, das Muttersein zu hinterfragen, stellen wir fest, dass manche Annahmen nicht auf alle Mütter zutreffen.

Mutter geworden zu sein und dies zu bedauern, ist bei uns ein Tabubruch. Die Studie „regretting motherhood“ (deutsch: Bedauern der Mutterschaft) der Israelin Orna Donath aus dem Jahr 2015 enttabuisiert die Annahme, dass eine Mutter immer glücklich ist, ein Kind zu haben. Wenn die befragten Mütter die Zeit zurückdrehen könnten, würden sie sich mit dem heutigen Wissen gegen ein Kind entscheiden. Sie fühlen sich in der Mutterrolle gefangen, geben jedoch an, ihr Kind zu lieben. Eine Freundin flüsterte mir, als ihr Sohn ein halbes Jahr alt war und wir in einem Café saßen, vorwurfsvoll zu: „Warum hast du mir das nicht gesagt? Wenn ich vorher gewusst hätte, was Muttersein heißt, hätte ich kein Kind bekommen und schon gar nicht hätte ich die Strapazen einer künstlichen Befruchtung auf mich genommen.“ Und mit Blick auf ihren Sohn meinte sie noch: „Aber süß ist er ja schon.“

Mit diesem Buch nehme ich die Kritik meiner Freundin an und schreibe auf, was ich weiß, gelesen und als Mutter selbst erfahren habe.

Bei der Geburt wird nicht nur ein Kind, sondern auch eine Mutter geboren. Diesen Satz hört man in letzter Zeit häufiger. Das bedeutet, Muttersein auf Knopfdruck ist ein Mythos. Auch die Mutter braucht Zeit, um in die neue Situation hineinzuwachsen und die Bedürfnisse ihres Kindes zu verstehen. Diese Übergangsphase wird in Anlehnung an die Pubertät seit ein paar Jahren „Muttertät“ genannt. Im Gegensatz zur Pubertät, während der die Jugendlichen Freiheiten gewinnen und unabhängig werden, gibt die Mutter nun ihre Unabhängigkeit für ihr Kind auf. Nachvollziehbarerweise tut sie das manchmal nicht sogern und auch nicht zwingend aus Liebe.

Ich möchte die Annahme der „selbstverständlichen Mutterliebe“ in Frage stellen, womit ich übrigens nicht allein bin. Die international anerkannte amerikanische Therapeutin Susan Forward gab einem ihrer Bücher sogar den Titel „Wenn Mütter nicht lieben“ und schreibt darin:

„Wir meinen vielleicht, wir lebten in Zeiten psychologischen Bewusstseins, doch unsere mythische Vorstellung vom Muttersein haben wir noch nicht abgeschüttelt: Das Märchen, eine Mutter sei per Definition zu Liebe, beschützendem Verhalten und Freundlichkeit fähig. […]

In den meisten Gesellschaften werden Mütter verherrlicht, als wären sie durch ihre Gebärfähigkeit automatisch auch fürsorglich. Das stimmt einfach nicht.“ (Forward, 2015, S.23)

Aufgrund dieser Vorstellung wird nicht genau hingesehen, wie eine Mutter ihr Kind behandelt. Weiter schreibt sie:

„Der Muttermythos ist eine wunderbare Tarnung für nicht liebende Mütter, die viel zu oft ungestört agieren, während ihre Ehemänner, Angehörigen und die Gesellschaft jegliche Kritik zurückweisen.“ (ebd.)

An dieser Stelle möchte ich einen Perspektivwechsel machen:

Wie geht es den nicht liebenden Müttern?

Vielleicht würden diese Mütter gern „gestört“ werden? Möglicherweise würden sie sich gern anders verhalten und wissen nicht, wie?

Wie geht es einer Mutter, die sich eingesteht, ihr Kind nicht so zu lieben, wie sie es sich wünscht? Was macht sie mit diesem Gefühl? ohin geht sie damit?

Aus meiner Sicht sollte eine Mutter in einer aufgeklärten Gesellschaft sagen können, dass sie Hilfe braucht und weswegen sie unglücklich ist, sich unter Druck gesetzt fühlt oder sich selbst unter Druck setzt. Es sollte möglich sein, Verständnis und Hilfe zu bekommen. Darüber hinaus sollte uns bewusst sein, wie wichtig auch die Liebe des Vaters ist, nicht nur in diesen Konstellationen.

Dieses Buch ist für alle Menschen gedacht, die zum einen verstehen möchten, warum die Mutterliebe (k)ein Automatismus ist und zum anderen, wie sie ihre Liebe zum Kind stärken können.

Es ist egal, ob Sie (noch) kein Kind haben, sich aber schon für dieses Thema interessieren. Oder ob Sie ein Mann sind, der seine Vaterliebe steigern möchte. Vielleicht sind Sie schwanger und fragen sich, ob Sie Mutterliebe spüren werden? Oder Sie möchten Ihrem Patenkind mehr Wärme geben? Möglicherweise sind Ihre Kinder schon groß und Sie möchten ihnen oder Ihren Enkeln nun gern mehr Liebe schenken? Vielleicht sind Sie einfach neugierig? Oder Sie möchten eine andere Liebe intensivieren?

Vielleicht gehören Sie sogar zu den Glücklichen, die mit Ihrer Liebe zufrieden sind und nichts ändern wollen? Dann freut mich das sehr für Sie.

Häufig liest man, die Liebe kommt schon irgendwann. Ich hatte nicht den Eindruck, dass Zeit als wesentlicher Faktor helfen würde. Eventuell war ich zu ungeduldig? Jedenfalls fragte ich mich öfter, wie lange ich noch warten sollte. Falls es Ihnen ähnlich geht und Sie schnellstmöglich etwas ändern möchten, lesen Sie gern weiter.

Erwarten Sie bitte keine spektakulären Methoden, meine Übungen sind kleine Schritte oder Sprünge, die den Alltag bei regelmäßiger Anwendung spürbar verändern können.

Meine Ziele als Mutter waren einerseits die Intensität meiner Mutterliebe zu steigern und andererseits dauerhaft intensive Gefühle meinen Kindern gegenüber zu entwickeln. Es reichte mir nicht, nur in einzelnen Momenten meine Liebe zu spüren.

Schon als Kind fragte ich mich, ob ich meinen zukünftigen Kindern gegenüber liebe- und verständnisvoll sein würde. Ob die Mutterliebe automatisch kommt, wie uns in unserer Gesellschaft vermittelt wird? Wirklich bei jeder Mutter, auch bei mir? Ich hatte Zweifel. Als ich schließlich Mutter wurde, wartete ich vergeblich auf das starke, überrollende Gefühl, von dem ich gelesen hatte. Lag es am Kaiserschnitt, oder doch an mir? Nachdem ich mich von der Geburt erholt hatte und einige Zeit verstrichen war, wollte ich das nicht länger hinnehmen und probierte verschiedene Ideen aus, um mehr Mutterliebe zu spüren. Ich hinterfragte mich, mein Denken, Fühlen und Handeln. Alles, was mir auf diesem Weg sinnvoll oder hilfreich erschien, testete ich. Ich experimentierte mit mir selbst und spürte bald, welche Fragen und Methoden mich weiterbrachten und welche nicht. Irgendwann war ich tatsächlich zufrieden mit der Intensität meiner Mutterliebe! Genauso sollte sie in meinen Augen sein!

Eine sehr liebe Freundin, die gern Mutter werden wollte, bat mich eines Tages, all meine Fragen und Übungen aufzuschreiben. „Für den Fall, dass ich auch nicht zufrieden mit meiner Mutterliebe sein werde.“

Dank meiner Weiterbildung zur systemischen Therapeutin ergab sich schnell eine klare Reihenfolge meiner Fragen und Übungen.

Und der Gedanke festigte sich, dass es vielleicht mehr Mütter geben könnte, denen es ähnlich geht wie mir anfangs. Also suchte ich Informationen zum Thema und fand überraschend wenig. Meist gibt es nur Hinweise und Aussagen, dass die Mutterliebe nicht selbstverständlich ist.

In diesem Buch finden Sie sowohl die Fragen und Übungen, die mich mit meiner Mutterliebe weitergebracht haben, als auch die bisherigen Erkenntnisse der Literatur, welche Gründe es für mangelnde Mutterliebe gibt.

Auch wenn unsere Gesellschaft die bedingungslose Liebe zum Kind klar bei der Mutter verortet, möchte ich auch gern die Väter einladen und ermutigen, ihre Liebe zum Kind zu stärken. Im Folgenden spreche ich zwar aus meiner Sicht als Mutter, meine Übungen sind jedoch genauso auf Väter und ihre Vaterliebe übertragbar. Ich bin der Überzeugung, dass sowohl die Mutter- als auch die Vaterliebe für die gesunde Entwicklung eines Kindes wichtig sind. Je mehr liebevolle Bezugspersonen ein Kind darüber hinaus um sich hat, desto besser.

Fühlen Sie sich frei und eingeladen, meine Übungen auszuprobieren! Trauen Sie sich! Schreiben oder malen Sie auch gern Ihre spontanen Antworten auf meine Fragen, entweder direkt in dieses Buch (spätestens am Ende eines jeden Kapitels gibt es neben dem Schwan ein bisschen Platz) oder in ein Extraheft. Notieren Sie sich auch gern am Kapitelende, was Sie wichtig finden oder was Sie beschäftigt. Ich wünsche Ihnen viele intensive und liebevolle Gefühle Ihrem Kind gegenüber und generell!

MUTTERLIEBE – WAS IST DAS EIGENTLICH?

Der Klassiker für ein Beispiel grenzenloser Mutterliebe ist die Geschichte König Salomons aus dem Alten Testament in der Bibel. Kennen Sie sie?

Zwei Frauen streiten sich um ein Baby. König Salomon soll entscheiden, welche der beiden Frauen die echte Mutter ist, und stellt ihre Liebe auf die Probe:

Er verlangt nach einem Schwert und verkündet, er wolle das Kind halbieren, damit jede Frau eine Hälfte bekomme. Eine der beiden Frauen beschließt unverzüglich: Lieber verzichte sie auf das Kind, als dass dieses getötet würde.

Für König Salomon symbolisiert dieses Verhalten echte Mutterliebe. Er erkennt diese Frau als die echte Mutter an.

Diese Geschichte faszinierte mich schon als Kind, allem voran die Klarheit der Mutter. Lieber würde sie ein Leben lang auf ihr Kind verzichten, als es tot zu sehen. Ich fragte mich: Fühlt so eine Mutter? Verzichtet sie sogar auf das eigene Kind? Überlässt sie es einer anderen Frau, damit es leben kann? Obwohl sie selbst nichts von ihm hat? Gibt man als Mutter alles für das Überleben des eigenen Kindes? Bedeutet Mutterliebe grenzenloser Verzicht und Anspruchslosigkeit? Das schien mir fast unmenschlich! Ich begann, Mütter zu beobachten: Würden sich diese ebenso verhalten? Ich hatte Zweifel. Meine Faszination für das Thema Liebe und im Speziellen Mutterliebe war geweckt.

Wie entsteht dieses tiefe Gefühl, das die Bereitschaft hervorbringt, auf das eigene Kind zu verzichten? Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Hormone in der Schwangerschaft und bei der Geburt eine große Rolle spielen. Die großen Mengen des Hormons Östrogen, das die Produktion des Glückshormons Serotonin anregt und das Hormon Endorphin, das während der Geburt eine schmerzlindernde Wirkung hat, beeinflussen unser Erleben. Nach der Geburt bleibt der Endorphinspiegel weiterhin hoch, so dass die Mutter einen Glücksrausch erlebt. Auch das als Bindungshormon bekannte Oxytocin wird während der Geburt ausgeschüttet. Darüber hinaus wird es beim Stillen des Säuglings, aber auch generell durch Hautkontakt beim Streicheln oder Kuscheln verstärkt produziert.

„Bereits in den ersten Monaten der Schwangerschaft konnten israelische Forscher nach einer 2007 veröffentlichten Studie Oxytocin in stärkerer Dosierung nachweisen, als dies bei nicht schwangeren Frauen der Fall war.

Und sie fanden heraus: Je höher der Oxytocin-Spiegel der Mutter während der Schwangerschaft war, desto intensiver beschäftigten sich die Frauen anschließend mit dem Kind und desto stärker waren sie ihm zugewandt.“ (Lüdeke, C., 2021)

Das deckt sich mit neuen Ergebnissen aus der Hirnforschung.

Die Autorinnen Rösler und Höllrigl Tschaikner schreiben in ihrem Buch „Mythos Mutterinstinkt“ (2023), dass die Hormonflut in Schwangerschaft und Geburt längerfristige Veränderungen in unserem Gehirn in Gang setzt. Je stärker sich das Gehirn bereits in der Schwangerschaft verändere, desto leichter falle es der Mutter, eine Mutter-Kind-Bindung aufzubauen.

„Dass eine Person aufgrund von Schwangerschaft und Geburt „programmiert“ ist, plötzlich besonders aufmerksam zu sein und leichter Bindung aufbauen kann, ergibt evolutionsbiologisch natürlich Sinn. Die Sensibilisierung bedeutet aber nicht, eine besondere Kompetenz qua Geburt (der eigenen oder des Kindes) erlangt zu haben oder instinktiv zu wissen, was zu tun ist. Und schon gleich gar nicht auf Knopfdruck zu lieben.“ (Rösler/ Höllrigl Tschaikner, 2023, S. 73)