My Cabin under the Flight Sky - Hunter & Raphael - Maya Pinsel - E-Book

My Cabin under the Flight Sky - Hunter & Raphael E-Book

Maya Pinsel

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Beschreibung

Weil ihre Liebe kein Fake ist …
Hunter
Wenn ich vor der Kamera trainiere und Menschen dabei helfe, an sich selbst zu glauben, bin ich in meinem Element. In diesen Momenten bin ich nicht mehr der übergewichtige Junge ohne Eltern, der in Pflegefamilien gebrochen wurde. Dann bin ich Hunter Fox. Der Star am deutschen Fitnesshimmel.
Doch als mein bester Freund Nikolai mich um Hilfe bei einem riskanten Plan bittet, gerate ich in einen inneren Konflikt. Er holt mich von München nach Bergbach, und was er von mir verlangt, geht weit über einen freundschaftlichen Gefallen hinaus: Ich soll den Juniorchef der mächtigen Bauunternehmerfamilie um den Finger wickeln, damit er seine Hände vom Bergbacher Wald lässt.
Ich kann vieles vor der Kamera faken. Aber nicht mein Herz. Und das schlägt bei Raphaels Anblick gefährlich schnell.
Raphael
Wird mein Vater mich endlich ernst nehmen, wenn ich es schaffe, sein Prestigeprojekt im bayerischen Wald umzusetzen? Ich gebe alles für unser Familienunternehmen, aber ich habe nicht damit gerechnet, dass er mich in dieses verschlafene Nest schickt, um dort die Einheimischen zu überzeugen.
Mein einziger Lichtblick: mein unerwarteter Nachbar, der niemand geringeres als Fitness-Influencer Hunter Fox ist. Er ist nicht nur der heißeste Mann, den ich je gesehen habe, sondern auch der Einzige, der mich völlig aus der Bahn wirft.
Es sind seine waldgrünen Augen, in denen ich mich verliere. Doch wie soll ich meinen Job erledigen, wenn alles in mir nur noch eines will – ihn?

"My Cabin under the Flight Sky" ist eine humorvolle & prickelnde MM RomCom. In jedem Band der Cabin Love Reihe findet ein anderes Paar sein Glück. Alle Bände der Cabin Love Reihe sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander gelesen werden.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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MY CABIN UNDER THE FLIGHT SKY

HUNTER & RAPHAEL

CABIN-LOVE-REIHE

BUCH NEUN

ELA BLOOM

MAYA PINSEL

INHALT

Impressum

Widmung

Content Notes

Playlist

Vorwort

1. Job-Liebe

2. Wald-Dilemma

3. Eier-Annäherung

4. Bäckerei-Chaos

5. Vogel-Verkehr

6. Chat-Gedanken

7. Kuss-Gefühl

8. Hütten-Wärme

9. Date-Spielen

10. Cabin-Knistern

11. Bergbach-Kuss

12. Live-Beherrschung

13. Vernunft-Zwiespalt

14. Drei-Kampf

15. Sicherheits-Sucht

16. Familien-Rausch

17. Real-Leben

18. Bau-Werk

Epilog

Weiterlesen

Hunters Paleo-Sandwich

Danksagung

Über Ela Bloom

Über Maya Pinsel

Newsletter

Verlag:

Zeilenfluss

Werinherstr. 3

81541 München

Deutschland

_____________________________

Texte: Ela Bloom & Maya Pinsel

Korrektorat: Dr. Andreas Fischer

Satz: Zeilenfluss Verlag

Illustration: Alin Kaya

_____________________________

Alle Rechte vorbehalten.

Jede Verwertung oder Vervielfältigung dieses Buches – auch auszugsweise – sowie die Übersetzung dieses Werkes ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags gestattet. Handlungen und Personen im Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. _____________________________

ISBN: 978-3-96714-678-3

Für alle, die an

Liebe auf den ersten Blick glauben.

CONTENT NOTES

Falls dich gewisse Szenarien triggern, lies dir bitte die in diesem Buch thematisierten Content Notes (alphabetische Reihenfolge) durch.

AlkoholkonsumArbeit, Selbstständigkeit, KündigungBody IssuesConsent/EinvernehmlichkeitEssen/ErnährungGewalt an Kindern – psychisch und physisch (angesprochen)Glaube & ReligionHomophobieLeben in der Öffentlichkeit/CelebritysSchimpfwörter/vulgäre AusdrucksweiseSchwierige Kindheit bzw. FamilienkonstellationSelbstzweifelSex (explizit, outdoor)Social MediaUmweltschutz/Zerstörung des WaldesVaterkonfliktVerhütungVersagensängsteVögelZukunftsängste

Dir fehlt etwas in der Liste? Wenn wir etwas übersehen haben, dann teile es uns gern mit: [email protected]

PLAYLIST

Black and Yellow (feat. Juicy J, Snoop Dogg & T-Pain) – Wiz Khalifa, Juicy J, Snoop Dogg, T-Pain

The Wisp Sings – Winter Aid

All I Want – Kodaline

Not Your Fault – Awolnation

Electric Love – BØRNS

The Night We Met – Lord Huron

Mind Over Matter – Young the Giant

Never Say Never – The Fray

Out of My League – Fitz and The Tantrums

Fix You – Coldplay

Direkt auf Spotify hören!

VORWORT

Willkommen zurück in Bergbach!

Oder begrüßen wir dich zum ersten Mal in unserem fiktiven Dorf, in dem sich Männer ineinander verlieben?

Wenn du die vorigen Bände schon gelesen hast, dann weißt du, dass wir riesigen Spaß daran haben, Dinge zu verbinden – aber keine Sorge, du kannst dieses Buch auch ganz ohne Vorwissen genießen. Unsere Reihe besteht aus in sich abgeschlossenen Bänden, und du kannst sie einzeln lesen. Gelegentlich greifen die Geschichten ineinander und ergeben am Ende ein großes Ganzes.

In My Cabin under the Flight Sky erwarten dich sowohl bereits bekannte als auch neue Protagonisten und Charaktere, Humor, Spice und leidenschaftliche Gefühle.

Mach es dir gern gemütlich, stell dir deinen Lieblingssnack und eine Tasse Tee bereit und tauche in eine neue, cozy Cabin-Love-Geschichte ein. Sie wird, wie Band 1 bis 8, auf ihre ganz eigene Art und Weise dein Herz erobern.

Falls du zwischendurch lachst oder den Atem anhältst, wissen wir, was du gerade fühlst. Wir sind die ganze Zeit mit dabei.

Viel Spaß beim Lesen!

Ela & Maya

1

JOB-LIEBE

Hunter

»Nikki, was verschafft mir die Ehre? Hast du wieder ein Ding gedreht und brauchst Hilfe?«

Er stöhnt frustriert und hustet zu meiner Belustigung. Hab ich wohl recht mit meiner Vermutung.

»Das ist ja eine Begrüßung«, murmelt er in den Hörer, und ich lache als Antwort.

»Entschuldige. Was kann ich für dich tun, alter Freund?«, frage ich ehrlich ohne Ironie in der Stimme, auch wenn es mich trifft, dass er ein Jahr lang nicht angerufen hat. Das ist eine verdammt lange Zeit, aber so ist er nun einmal.

»Hm, also. Bevor ich dir antworte, muss ich noch etwas klarstellen. Ich habe mein Leben jetzt in den Griff bekommen, und bevor du etwas sagst: Habe ich wirklich. Es war ein turbulentes Jahr, und es tut mir leid, dass ich mich nicht gemeldet habe.«

Wenn er wüsste, dass ich es nicht anders kenne … Ich bin der, der privat vergessen wird, aber darüber rede ich mit niemandem. Menschen schauen auf meinem Kanal vorbei, schenken mir Likes, fragen in Nachrichten nach Tipps, machen mir Komplimente, wie heiß mein Body ist, aber niemand ruft mich an und fragt, wie es mir geht.

»Hanni?« Was will er jetzt von mir? »Johannes Fuchs? Bist du noch dran?«

»Nikki, Johannes oder Hanni bin ich schon lange nicht mehr. Hör auf, mich immer wieder so zu nennen. Seit ich neben euch ausgezogen bin, heiße ich Hunter Fox. Wir haben das geklärt.« Meine Stimme ist viel zu kühl. Doch er muss verstehen, dass ich nicht mehr das Waisenkind bin, das neben ihm wohnt. Nicht mehr der kleine, dicke Junge, der ihn um seine liebevollen Eltern beneidet, während ich von diesem Arschloch-Pflegevater eine Backpfeife nach der anderen kassiert habe. Kurz flammt Hoffnungslosigkeit in meinem Herzen auf, bis ich mich besinne und ihn am anderen Ende der Leitung schnaufen höre. Ohne Nikolai, Ivorian und ihre Eltern hätte ich die Zeit nicht überstanden. Sie waren mein Leuchtturm an dunklen Tagen.

»Es tut mir leid. Du bist doch aber mein Hanni. Das warst du immer und wirst es auch immer sein«, flüstert Nikolai mit trauriger Stimme.

»Ja, okay! Verdammt noch mal. Aber sag das nicht in der Öffentlichkeit, hörst du? Du bist manchmal so verpeilt, dass es dir rausrutschen könnte. Ich kenne dich mein halbes Leben, Nikolai von Arnsberg!« Jetzt muss ich grinsen. »Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen?«

»Zwei Jahre. Und genau deshalb rufe ich an. Ich habe ein Haus für dich gemietet. Kannst du für ein paar Wochen mein Nachbar sein? Äh … verdammt! Okay, ich sag es einfach: Und dann mit mir drehen und mein … mein … Trauzeuge sein.«

»Dein fucking was?« Ich lache auf, pruste durch den Hörer und fühle mich ganz schwindelig. »Eins nach dem anderen. Ich drehe keine Pornos mit dir, vergiss es. Wir sind wie Brüder. Trauzeuge geht aber klar, obwohl ich nicht verstehe, dass dein Zukünftiger dir solche Dinge gestattet. Trotzdem danke, dass du an mich gedacht hast. Nikki, wen heiratest du?«

»Sag mal, wieso sollte ich Pornos drehen? Das ist das Erste, was dir einfällt, wenn du an Dreharbeiten denkst?«

»Nicht?«

»Natürlich nicht. Und zu deiner Frage: Ich heirate einen Polizisten.«

Scheiße! Ich breche weg! So laut habe ich Wochen nicht mehr gelacht.

»Ja, lach ruhig, ich verdiene es. Es ist übrigens Adrian. Er ist Polizist geworden.«

Sofort werde ich still. Seine große Liebe, ich fasse es nicht. Der Lachanfall wandelt sich in einen Kloß in meinem Hals. Adrian! Unglaublich, dass er ihn sich geschnappt hat. Oder andersherum. Wer weiß denn schon, wer in dieser Beziehung dem anderen Handschellen anlegt?

»Das freut mich ehrlich für dich«, flüstere ich und bin wieder ganz ruhig.

»Ich musste klarkommen, deshalb habe ich mich nicht gemeldet. Und Ivi musste auch klarkommen.«

»Er dreht ja jetzt Gay-Romance-Filme. Ich habe ihn geschaut und fand Ivi in der Rolle super.«

»Genau. Und ich bin jetzt Influencer wie du.«

Was? Es wird immer wilder, und meine Gefühle wechseln zwischen Berg- und Talfahrt.

»Keine Pornos. Du willst mit mir Sport machen, über gesunde Ernährung reden und alles abdrehen?«, frage ich viel zu laut und lache schon wieder.

»Ja! Ich erkläre es dir in Ruhe, wenn du zu mir kommst. Du hast eine Hütte für dich allein, ganz viel Wald, wie du es liebst, Hühner und frische Eier. Eine waschechte Öko-Location sozusagen. Und du kannst den Frühling in der Natur verbringen und deine Seele entgiften. Detox, Hanni. Was hältst du davon? Gleichzeitig sehen wir uns wieder, und ich kann mit einem der wichtigsten Menschen an meiner Seite heiraten. Mit dem Mann, der mein Leben lang an meiner war, bis ich Arschloch abgetaucht bin.«

Mein Herz klopft. Nikolai und Ivorian waren mein einziger Halt und immer die Option auf Sicherheit und ein warmes Essen. Egal was passiert ist, sie haben mich rausgeholt. »Ist Ivi auch Trauzeuge? Wir drei, wie in alten Zeiten?«

»Ja!«

»Wann muss ich wo genau sein, und wie lange werde ich dort bleiben?«

»O Gott, danke, Hanni. Puh, also, äh …«

»Bitte sag nicht ›morgen‹.«

Stille! »Morgen!«

»Du wirst dich nie ändern, du Hallodri.«

Nikolai lacht. »Ich schicke dir die Adresse. Bleib bitte vier Wochen bei mir.«

»Vier?«, brülle ich und schlucke.

»Vertrau mir. Du wirst die beste Zeit deines Lebens haben.«

»Das werden wir noch sehen. Bis morgen. Ich hoffe, ich bereue es nicht.«

Raphael

»FÜRSTlich bauen – königlich wohnen, Raphael Fürst«, melde ich mich auf die unbekannte Nummer. So unbekannt erscheint sie nicht, doch ich habe sie nicht abgespeichert. Und im Auto auf dem Weg von München nach Bergbach auch keinen Nerv, mich mit Ziffern auseinanderzusetzen. Vor allem, wenn gerade mein Lieblingslied spielt. In Dauerschleife. So werde ich wach, wenn Energydrinks nicht kicken.

»Herr Fürst, können wir unseren Sechzehn-Uhr-Termin bitte verschieben?«, fragt Franz Müller, und ich verdrehe die Augen. Permanent kommt irgendein Notfall im Kaff dazwischen, sodass er mich wegen des Großprojektes erneut vertröstet. Mein Vater hat bereits prophezeit, dass Bergbachs Bürgermeister mit einem anderen Bauunternehmen verhandelt. Ich brauche den Zuschlag, ich muss dieses Projekt leiten!

Denn ich höre meinen Vater schon knurren: ›Ich hab es dir doch gesagt. Du musst härter werden, Raphael! Die Konkurrenz schläft nicht. Und wenn dir der nötige Biss fehlt, wirst du die Firma nicht übernehmen können.‹

Jetzt will mich Franz Müller erneut versetzen. Mir bleibt aber nichts anderes übrig, als ihm zuzustimmen. Sonst hält er mich für unflexibel und erteilt den Auftrag wirklich einem anderen Unternehmen. Finanziell wäre es kein Verlust, allerdings einer für das Prestige. Vater würde alles für einen guten Ruf und sein Ansehen tun. Alles. Wie mich ins Bergkaff schicken, um mir dort einen Namen zu machen. Beim kleinsten Bauprojekt meines Lebens. Nicht einmal während meiner Ausbildung hat er mich mit dem Ausbau von Privathäusern betraut.

Alles für das Ansehen!

»Wann wäre es Ihnen denn recht, Herr Müller?« Die gespielte Freundlichkeit in meiner Stimme kaufe ich mir selbst nicht ab.

»Um zehn?«

»Heute?«

»Ja.«

Mein Blick zuckt zur Uhr neben dem Tacho. Dreißig Minuten? Ist das sein Ernst? Um diese Zeit wollte ich die Fenster bei Adrian vermessen.

»Okay«, sage ich dennoch, trete das Gaspedal durch und hoffe, dass kein Kleinwagen auf die Idee kommt, zwischen den LKWs herauszureißen. Mit zweihundert Stundenkilometern küsse ich lieber keine Heckklappen oder die Rückseite eines Wohnmobils.

»Bis gleich«, verabschiedet sich Franz Müller, und ich erwidere die Floskel.

»Hey, Siri, rufe Adrian Melcher an«, bitte ich die Sprachsteuerung. Sie bestätigt und wählt. Keine Antwort. Ich wiederhole meine Bitte, lasse länger läuten, er hebt wieder nicht ab. Beim dritten Mal bin ich dermaßen genervt, dass ich beschließe, es darauf ankommen zu lassen. Die Anzahlung ist geleistet, der halbe Anbau steht, er kann den Auftrag nicht mehr stornieren.

»Melcher.«

Komm schon, du Bulle! Ich weiß, dass du weißt, wer dich da anruft. Tu nicht so, als wärst du schwer beschäftigt, wenn du um zehn Uhr vormittags private Termine wahrnehmen kannst.

»Adrian, ich habe einen Termin dazwischenbekommen.« Aus der Ferne sehe ich einen LKW blinken und trete auf die Bremse. »Und bin heute erst später bei euch.« Ich nehme nicht wahr, was ich von mir gebe. Meine Augen konzentrieren sich auf die größer werdende Sonne auf der Plane. Sie grinst mich an, als wäre ihr alles egal. Ihr schon, meiner Stingray nicht. »Die Vermessung der Fenster müssen wir auf den Nachmittag oder morgen verschieben. Wann passt es dir?«

»Wir waren für morgen verabredet«, höre ich Adrians Stimme wie von weit her.

Waren wir? Wieso habe ich mich überhaupt nach Bergbach aufgemacht? Weil ich in der vergangenen Woche jeden Tag dorthin gefahren bin. Und jetzt erinnere ich mich auch daran, dass Adrian gebeten hat, heute keine Termine zu vereinbaren. Irgendetwas Privates. Wie es in Bergbach Usus zu sein scheint. Wieso engagieren sie überhaupt externe Firmen – irgendwer wird schon irgendetwas in dem Ort bauen können.

»Dann haben wir heute gar nicht telefoniert«, knurre ich und klinge dabei wie mein Vater. Das erschreckt mich etwas. »Bis morgen!«

Hunter

Worauf habe ich mich nur wieder eingelassen? Auf die von Arnsbergs. Das bedeutet immer Ärger. Und da steht einer der beiden schon am Ortsschild wie ein Touristenführer. Ich trete auf die Bremse und lenke meinen Camaro an den Straßenrand.

Nikolai grinst über das ganze Gesicht und reißt die Tür auf. »Bruder!«

»Spar es dir, Nikki. Bei deinem echten Bruder meldest du dich sicher öfter als einmal im Jahr.«

»Auch noch nicht lange wieder. Wir hatten keinen Kontakt. Und jetzt beruhig dich. Wo ist deine Balance hin, die du in deinen Videos immer rüberbringst? Du schwörst doch auf deine innere Mitte«, neckt er mich.

»Du kleine Ratte! Steig ein und lass dich drücken.«

Nikolai rauscht auf mich zu und umschließt mich mit seinen Armen. Die Berührung ist vertraut und doch etwas, das ich lange nicht mehr gespürt habe. Eine Umarmung eines Menschen, der Gefühle für mich hat, wenn auch nur freundschaftliche mit einem Hauch Kindheit und Zusammengehörigkeit.

»Ich habe verdrängt, wie sehr du mir gefehlt hast«, nuschelt er.

Erst jetzt habe ich Zeit, ihn anzusehen. »Was ist das für ein Lappen auf deinem Kopf, und warum steht da ›Nikki‹ drauf?«

»Hab gerade gedreht. Das ist mein Drehoutfit. Die Menschen lieben das, echt.«

»Die lieben dein Stirnband? Ernsthaft?«, frage ich und lache los. »Also, du siehst echt süß damit aus, aber auch ein bisschen wie ein Hipster, der sich die Achtziger noch mal dick und saftig in die Hoden quetscht. Haste auch so eine formschöne Radlerhose?«

Nikolai lacht. So laut, dass ich mich tief in mir erinnere, wie witzig es immer zwischen uns war. »Scheiße! Ich habe dich echt vermisst. Schön, dass du bei mir zu Hause bist.«

»Ein fester Wohnsitz?«, frage ich und schaue ihn an. Nikkis Augen leuchten wie früher, wie vor den Drogen und Eskapaden. Er sieht verdammt frisch aus.

»Ja, ich bin jetzt so was wie ein Haushalts-, Deko- und Putzexperte.«

Ich schlucke, verarbeite, was er mir da für einen Bären aufbindet, und sage erst mal lieber nichts.

»Hier! Schau!« Sein Handy landet vor meinem Gesicht, und ich sehe ihm direkt auf TikTok zu, wie er mit diesem Kopflappen aufräumt und dekoriert.

»Wow, Nikki«, hauche ich und weiß nicht, ob ich lachen oder stolz auf ihn sein soll.

Was ist mit diesem Kerl passiert?

Wie wild tippt er auf meiner Navigation herum. »Das ist deine Adresse für die nächsten Wochen. Hab’s dir gleich eingespeichert.«

»Danke. Und wann verrätst du mir, was ich hier soll, außer dein Trauzeuge sein?«

»Hass mich nicht, okay?«

»Was hast du angestellt, Nikolai von Arnsberg?«, knurre ich.

»Ich liebe es hier. Unseren Wald und die kleinen Hütten. Wir haben jetzt sogar ein soziales Ferien-Wohn-Projekt für Kinder- und Jugendgruppen oder Menschen, die es schwer haben. Ach, du weißt schon.« Verhalten schaut er nach unten, er will meinen Trigger nicht offen ansprechen.

»Nikki, was willst du mir sagen?«

»Hier in diesem Wald gibt es so viel Liebe, und sie wollen alles zubetonieren. Eine Firma aus München. Das kann ich nicht zulassen. Ich dachte, wir versuchen, uns aktiv dafür einzusetzen, den Wald zu retten. Nun ja, bei meinem Plan habe ich ewig lang recherchiert. Der verantwortliche Bauunternehmer-Junior ist schwul. Und sieht verdammt gut aus.«

Zurückspulen. Er wirft mir zusammenhangslose Wortfetzen hin, die in meinem Kopf keinen Sinn ergeben.

»Was zur Hölle? Was willst du mir sagen?«, frage ich ihn mit scharfem Ton.

»Du musst ihn um den Finger wickeln, damit er den Wald nicht zerstört. Du bist der heißeste Mann, den ich kenne. Also neben meinem Adrian, natürlich. Klug, lebenserfahren und, nun ja, abgehärtet. Und ich vertraue dir.«

»Ich soll den Bauunternehmer ficken, damit dein Wald nicht abgeholzt wird? Deshalb wohne ich vier Wochen bei dir? Das ist dein durchdachter Plan? Ernsthaft, Nikki?«

»Das klingt jetzt etwas zu hart.«

»Nein! Auf gar keinen Fall.«

»Pass auf, wir reden später darüber. Fahren wir erst mal zum Haus. Du brauchst sicher eine Pause. Ich bin sehr gespannt, wie dir der Bergbacher Wald gefällt.«

Der hat doch den Knall nicht mehr gehört! Wütend starte ich den Wagen und lasse mich vom Navi in meinen Untergang leiten.

Raphael

»Wir können jederzeit starten.« Der Bürgermeister grinst mich an, als wäre die Vertragsabwicklung bereits vorbei. »Das Angebot Ihres Vaters war entsprechend gut, dass wir uns für Sie entschieden haben. Die Fürsten!«

Darf ich einmal etwas allein erreichen?

Hätte ich den Preis gedrückt, wäre Vater auf die Barrikaden gestiegen. Aber er darf das natürlich. Hinter meinem Rücken. Ich könnte im Strahl kotzen!

»Na, dann müssen wir nur noch den alten Campingplatz freibekommen, und Sie planen die Spatenstich-Feier«, schließe ich die völlig unnötige Besprechung und erhebe mich, um Franz Müllers Hand zu schütteln.

Dafür habe ich das Gaspedal durchgetreten, beinahe eine Sonne geküsst und mich vor einem Kunden zum Affen gemacht, indem ich einen Termin verschoben habe, der ohnehin erst morgen stattfinden sollte. Wäre ich bei Adrian aufgekreuzt, hätte ich eine Ausrede gefunden. So bin ich bloß wieder Vaters Püppchen, das ohne seine Fäden im Hintergrund nichts auf die Reihe bekommt.

»Dazu bedarf es Genehmigungen«, meint der Bürgermeister, als ich bereits an der Tür bin.

»Dann besorgen Sie den Bescheid, Herr Bürgermeister!«, fahre ich ihn an, obwohl sich mein Frust gegen meinen Vater richtet. Diesem ähnle ich in meiner Tonlage und Ausdrucksweise immer mehr. Was mich weiter ärgert. »Sie wollen das Beste für Ihre Gemeinde, dann kümmern Sie sich darum.«

Im Gegensatz zu Senior-Fürst, der das Beste für sich will und darum mich ausspielt. Jedes Mal. Aber irgendwann wird er verstehen, wie gut meine Arbeit ist. Ich wische mir die Haare aus dem Gesicht und will durchatmen, als mir meine Kunden gegenüberstehen. Scheiße! Die heiraten heute, und ich habe es nicht nur vergessen, sondern sie vorhin sogar dabei gestört. Ihre Begleitung nehme ich kaum wahr, nur der ältere Kerl fällt mir auf – Polizist, er hat mich einmal angehalten, um ›das Fahrzeug zu kontrollieren‹. Am liebsten wäre er wahrscheinlich in meiner Corvette einmal nach Kiel und zurück gerast. Der Rotschopf sticht mir ins Auge. Seine Haare haben beinahe dieselbe Farbe wie die Lackierung meines Wagens: ein sattes, dunkles Rot. Heiß!

»Adrian, Nikolai, wie schön, euch zu sehen!«, bringe ich hervor und verlasse das Gemeindeamt.

Etwas prasselt in mein Gesicht, ich kneife die Augen zusammen. Im nächsten Moment fühle ich etwas Hartes an der Lippe. Klein und länglich. Sind das Würmer? Voller Ekel spucke ich, erkenne, dass es Reis ist, und starre plötzlich fünfzig Personen entgegen, die vor dem Gebäude Spalier stehen. Nicht für mich, das geht aus ihren Gesichtern hervor.

Eine Frau entschuldigt sich, bietet mir ein Glas Champagner an, doch ich eile zu meinem Auto. Weg hier!

Ich trete heftiger auf das Gaspedal als bei meiner Anreise, verlasse den Dorfplatz und flüchte nach München, nur um morgen erneut herzufahren, um bei den Bräutigamen die Fenster zu vermessen. Am besten suche ich mir hier gleich eine Bleibe, ich werde Bergbach ohnehin nicht mehr los, bis das Bauprojekt am See abgeschlossen ist.

Hunter

»Wer war der Blonde?«, flüstere ich Nikolai ins Ohr.

»Er.«

Nicht sein Ernst! »Er, er?«

Nikolai antwortet nicht laut, aber er nickt. Es ist seine Hochzeit, und er sollte sich nur darauf konzentrieren.

Das war also der Mann, für den ich meine Shorts hinunterziehen soll. Im übertragenen Sinn. Blonde Haare, stilsichere Frisur, braune Augen, eine gepflegte Erscheinung und ein Körper, der klar zeigt, dass er bewegt wird. Nikolai will mir jedenfalls keinen Ekeltypen aufbinden. Der Baufuzzi ist verdammt hübsch.

»Hunter?«, murmelt Adrian.

Konzentration auf das Wesentliche. »Ja.«

Immer noch fliegen mir die Reiskörner ins Gesicht, die Menge hört gar nicht mehr auf zu werfen, während das frisch vermählte Paar nicht aufhört zu lächeln. Wir befinden uns anscheinend in einer Endlosschleife aus Glückseligkeit. Wie es aussieht, schmeißen sie weißen Reis. Der ist ohnehin besser für den Müll geeignet als den Magen. Solchen Mist würde ich niemals essen.

Versunken beobachte ich Nikolai, wie er sich von seinem Adrian an der Hand durch die Dorfis leiten lässt. Die zwei sind ein tolles Paar, auch wenn mir das Händchenhalten und die Küsse zwischendurch fremd sind, weil ich sie heute zum ersten Mal zusammen sehe. So muss es wohl sein, wenn man geliebt wird. Ich habe keine Ahnung davon. Von Sex ja, von Liebe nicht.

Überzogen freundlich lächle ich der Runde entgegen und hoffe, dass kein Arsen-Reiskorn in meinem Mund landet oder meinen Augen.

»Wir gehen jetzt zu Fabian«, erklärt Nikolai.

»Wer ist jetzt schon wieder Fabian? Soll ich mich auch vor dem prostituieren?«, flüstere ich ihm zu.

»Hanni, hör jetzt auf. So ist es doch gar nicht. Es ist für einen guten Zweck, und du liebst die Umwelt.«

Aber nicht so sehr, dass ich dafür meinen Körper verkaufen würde.

»Irgendwann musst du noch mein Geschenk auspacken«, lenke ich ihn ab.

»Bei Fabian im Restaurant.«

Bergbach ist so winzig, dass wir fünf Minuten später am Tisch sitzen und schon die Bestellung aufgegeben haben. Ich reiche Nikolai das eingewickelte Präsent und Adrian die Karte mit dem Geld.

»Danke, Hunter«, antwortet er. »Es ist schön, dass wir uns endlich kennenlernen.«

»Das finde ich auch. Und du, Nikolai, mach’s mal auf. Ich will dein Gesicht sehen.«

Nikolai reißt das Papier entzwei, starrt auf das Bild, und ein Lächeln umspielt seine Mundwinkel.

»Hanni«, flüstert er und fällt mir um den Hals.

Adrian murmelt: »Hör auf, ihn ›Honey‹ zu nennen. Das ist verstörend.«

»Hanni, nicht Honey. Er heißt doch Johannes.«

»Hunter«, knurre ich, und Adrian nickt. Er versteht sofort, dass ich das hier gerade gar nicht will.

»Ein wunderschönes Bild. Woher hast du es?«, fragt Nikki mit Tränen in den Augen.

»Es hängt in meinem Wohnzimmer. Vielleicht findet es jetzt auch in deinem einen Platz an der Wand.«

Ich greife das zweite Geschenk und reiche es Ivorian, der ganz neidisch auf das gerahmte Foto schaut. »Hier, Zwilling!«

Er lächelt und reißt es ebenfalls auf.

Beide schauen das Foto an, auf dem wir drei Arm in Arm auf einer Bank sitzen. Zehn Jahre alt und so viel Grütze im Kopf, dass ich mit einem Lächeln daran zurückdenke.

»Sekunde!« Adrian springt auf und stellt sich vor den Tisch. »Nimm mal, Hunter.«

Alle wissen sofort, was er vorhat, und wir positionieren uns, damit er das Bild nachstellen kann. »Lächeln, München-Boys.«

Es ist ein befreiendes Gefühl, wieder mit den beiden zusammen zu sein. Auch wenn ich nur ein kleiner Teil ihres Lebens bin, sind sie für mich alles, was in meinem ansatzweise echt war.

Raphael

Der Korken knallt aus der Flasche in Papas Hand, Mama streicht mir stolz über den Arm, und ich lächle verkniffen.

»Auf den größten Auftrag, den uns Raphael jemals eingefahren hat«, meint Papa.

Hallo, ich bin anwesend. Sprich zu mir und nicht über mich! Außerdem habe ich nichts dafür getan.

»Und du hattest solche Bedenken, Bergbach könnte einen anderen Bauträger wählen«, sagt Mama liebevoll. »Du verdienst das, Raphi.«

Mit dem Angebot von Papa. Ja, nein, danke. Ich habe jetzt schon keinen Bock darauf. Denn der große Batzen steht noch bevor: Solange das alte Camp dort rumgammelt, können wir nebenan kein Luxus-Wellness-Ressort hinstellen. Der Zielgruppe würde die Umgebung nicht zusagen.

Papa schenkt den Champagner aus. Die einzige Aufgabe bei Tisch, neben dem Entfernen von Korken aus teuren Flaschen, die er wirklich selbst übernimmt. Wie das Ausgießen von Whiskys und Brandys.

Bevor Mamas Glas gegen meines klirrt, stellt sie sich auf die Zehenspitzen und küsst mich auf die Wange.

»Mein großer Bub, ich bin so stolz auf dich!« Damit ist und bleibt sie die Einzige im Raum. Nicht einmal Sabine und ihr Mann Erich wirken begeistert. Aber was begeistert die beiden schon, außer ihren Jobs? Selbst ihr Baby ist daheim bei der Nanny geblieben, um heute in Ruhe als Familie zu feiern. Ohne meinen Neffen. Der interessiert Papa genauso wenig. Hauptsache, der Schwiegersohn sitzt in seiner Nähe, um über die Geschäfte zu plaudern.

Oma lächelt, doch sie lächelt immer. Weil sie ohnehin nichts von den Gesprächen bei Tisch mitbekommt. Bloß das Essen genießt sie wie die Frage nach meiner nicht existierenden Freundin.

Als das Gläserklirren endlich vorüber ist und Wilma die Suppe kredenzt hat, planen Papa und Erich die Expansion unserer Büroräume, Sabine und Mama beratschlagen darüber, ob wieder die Karibik oder diesmal lieber die Seychellen als Familienurlaub infrage kommen, und Oma lächelt unaufhörlich vor sich hin.

Ich wage einen Blick auf mein Handy. Mehrere Nachrichten sind eingegangen, doch keine klingt nach einem Date für später. Dabei will ich nur den Tag aus dem System bekommen, ich suche keine Beziehung. Auf einer Hochzeit war ich heute quasi schon, und mit Fruchtbarkeit wurde ich ebenfalls gesegnet. Reicht für einen Tag. Ich will einfach nur vögeln.

Hunter

»Schön, oder? Wir wohnen fünf Minuten entfernt. Neben dir ist eine Hütte, die aber nicht genutzt wird. Du hast deine Ruhe.«

Ich schaue mich in dem Wohnwürfel um und nicke verhalten. »Alles klar. Ab jetzt komme ich zurecht. Genieß den Abend mit deinem Ehemann. Herzlichen Glückwunsch, Nikki.«

»Danke, Hanni. Morgen reden wir über das, äh, Geschäft.«

»Ja, mein Zuhälter. Und meine Antwort wird Nein lauten.« Verschwörerisch lächle ich ihn an und atme tief durch.

»Wir schauen morgen weiter«, entgegnet er und grinst verhalten bis entschuldigend vor sich hin.

Wir werden so was von gar nicht übereinkommen, das steht fest wie mein täglicher Trainingsplan. Mit einer Umarmung verabschiede ich Nikolai und winke Adrian durch die Tür zu. Die Hütte ist neu und sicherlich nicht günstig. Verdient er so gut mit seinem Business, dass er mich hier vier Wochen lang einmieten kann? Bevor er verschwindet, frage ich lieber nach. »Wie bezahlst du das?«

»Lass das meine Sorge sein. Es ist nichts Illegales.«

Automatisch ziehen sich meine Augenbrauen in die Höhe, ich fange mich schnell und entspanne das Gesicht. So langsam scheint es ihm möglich zu sein, seine Biografie mit einem Schmunzeln anzuerkennen.

»Bis morgen, Nikki. Wann bist du hier?«

»Zwischen deinem Training und dem Mittagessen.«

Er kennt mich noch gut, was direkt mein Erinnerungsgefühl streichelt, wichtig für jemanden zu sein. »Okay. Hab einen schönen Hochzeitstag.«

Eine erneute Umarmung, dann geht er auf den Wagen zu, in dem sein Ehemann sitzt. Ich schaue beiden viel zu lange hinterher und bin wieder allein. In direkter Sichtnähe liegt eine weitere einsame Hütte. Gleich aufgebaut wie die, in der ich wohnen werde. Dieses Wald-Konzept ist aufregend und fühlt sich nach einem minimalistischen Findungstripp an. Ich werde es für meine Follower aussehen lassen, als würde ich an diesem Ort entspannen, um ein neues Lebenskonzept auszuprobieren. Hoffentlich lieben sie es.