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Lebensfroh, humorvoll und voller Pläne ist Kirsten Stahlschmidt, als sie im Alter von 37 Jahren die Diagnose bekommt. Eine bipolare Störung reisst sie mitten aus allen Träumen und Plänen, die sie einmal hatte. Von nun an sollte also diese immer noch weit unterschätzte und heim- tückische Erkrankung ihr Leben beeinflussen, steuern und manchmal sogar unmöglich machen. Sie entschliesst sich, den Kampf aufzu- nehmen und wieder in ihr Leben zurückzufinden. Kirsten Stahlschmidt ist ein Kind des Ruhrpotts und genau so schreibt sie auch, direkt und frei Schnauze. Sie schildert ihr Leben mit einer Krankheit, die leider immer noch von Teilen der Gesellschaft nicht anerkannt wird. Humorvoll und in ihrer ganz eigenen Sprache beschreibt sie ihren ganz eigenen Weg durch die Dunkelheit der eigenen Psyche und die Kunst, unter diesen Voraussetzungen ein geregeltes Leben zu führen.
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Seitenzahl: 74
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Vorwort
Manie und Depression
Der Wahnsinn beginnt!
Will ich das wirklich? (Manie? Was ist das?)
Gelähmt / Ausgebremst!
Durchhalten bis zur Tagesklinik
Die Tagesklinik
Ich will wieder arbeiten!
Ich kann das nicht mehr!
Winter
Reaktionen
Psychoedukation-was ist eine bipolare Störung
Wo soll ich anfangen? Oder wo hat es angefangen? Das habe ich mich auch oft gefragt. Aber irgendwo ist ja immer ein Anfang. Vielleicht finde ich ihn während ich schreibe. Wir werden es am Ende sehen.
Ich stelle mich erstmal vor, damit ihr wisst mit wem ihr es hier überhaupt zutun habt.
Ich bin Kiki und habe es bis jetzt schon geschafft 41 Jahre alt bzw. jung zu werden. Ob ich mich wie 41 fühle? Ich glaube nein, ich bin irgendwie immer noch ein Kind. Jetzt frage ich mich allerdings, wie soll man sich eigentlich mit 41 fühlen? Ich weiß es nicht, ich bin vorher noch nie 41 gewesen.
Ich bin seit fast (wenn ich hiermit fertig bin, bestimmt schon länger) 13 Jahren verheiratet. Meinen Mann stelle ich später vor, jetzt bin erstmal ich dran.
Ich überspringe mal den ganzen Teil mit Schule, Ausbildung, ist ja immer das gleiche und an dieser Stelle auch uninteressant, kann ich eventuell später mal drauf kommen.
Ich lebe in Deutschland, mitten im Ruhrgebiet, der Ruhrpott! Werdet ihr bestimmt zwischendurch merken, ich bin hier geboren, aufgewachsen und werde bestimmt hier auch sterben, was hoffentlich noch lange dauert.
Ich habe viele Freunde und eine tolle Familie. Auch von ihnen berichte ich später.
Eigentlich bin ich immer gut gelaunt, meine Mutter sagt immer, ich war ein fröhliches Kind und das Kind steckt heute noch in mir. Natürlich habe ich auch mal schlechte Laune, aber das hat eigentlich immer einen Grund und wenn es nur Kopfschmerzen oder sonst was ist.
Ich rede gerne, ich rede viel, womit ich mein Umfeld oft nerve, aber das stört mich nicht. Sie kennen mich ja nicht anders. Wenn ich mal ruhig bin, werde ich direkt gefragt, was los ist.
Ich bin nicht schüchtern, gehe auf Menschen zu und habe eigentlich ein großes Selbstbewusstsein. Manche fragen sich, wo ich das her habe, ich weiß es nicht es ist einfach da. Ich denke es hat dazu beigetragen, dass ich den Stift in die Hand genommen habe und angefangen habe zu scheiben.
Ich liebe Schokolade, das Meer, mit meinem Mann einen guten Film oder eine Serie gucken und ich liebe gute MUSIK! Richtige Musik, nicht diese künstliche Musik von heute. Ryan Bingham zum Beispiel, ein US-amerikanischer Country-Singer-Songwriter. Ich mag zwar keine Countrymusik, aber er hat eine tolle Stimme da bekommt man direkt gute Laune. Also, wie schon gesagt, richtige Musik.
Und ich habe eine BIPOLARE STÖRUNG!
Und darum möchte ich euch ein bisschen was aus meinem Leben erzählen. Aus meinem Leben oder aus meiner Krankheit?
Was ist eine Manie? Es ist schwer das zu erklären, ich liste hier einfach mal ein paar Symptome auf. Man muss nicht alle Symptome haben, vielleicht hat der eine oder andere auch noch andere Symptome, bei jedem ist es anders. Dann fang ich mal an aufzuzählen:
Ein auffallendes Gefühl von Wohlbefinden
Körperliche und seelische Leistungsfähigkeit
Gehobene Stimmung
Ein erhöhtes Selbstwertgefühl
Größenideen, Größenwahn
Schnelleres Denken, mehr Ideen und Pläne, Ideenflucht und Gedankenrasen
Geistiger Antrieb, vermehrte körperliche Aktivität
Heiterkeit, witzige Einfälle, vermehrtes Lachen
Gesteigerte Gesprächigkeit und Geselligkeit, erhöhte Redegeschwindigkeit / starker Rededrang, keine Schüchternheit
Verlust sozialer Hemmungen
Körperliche Symptome
Vermindertes Schlafbedürfnis
Gesteigerte Libido/starker Sexualtrieb/gesteigerte Sexualaktivität
Appetitminderung
Wahrnehmungsstörungen (z.B. Farbensind besonders leuchtend)
Vermehrter Konsum von illegalen Drogen / Alkohol / Kaffee / Tabak
Verstärkte Motivation am Arbeitsplatz
Verstärkte soziale Aktivitäten
Vermehrte Geldausgabe, ungezügeltes Einkaufen
Vermehrte Ablenkbarkeit, man beschäftigt sich mitangenehmen Aktivitäten, vernachlässigt dadurch seine Pflichten
Riskantes Geschäftsverhalten, unüberlegte Investitionen, Aufnahme von Krediten
Unvorsichtiges und riskantes Autofahren, keine Konzentration auf den Verkehr
Starke Ablenkbarkeit
Ungeduld
Erregbarkeit
Unruhe
Gereiztheit
Aggressivität
Verlust der Urteilsfähigkeit
Übersteigertes Selbstwertgefühl, maßloser Optimismus
Die Hypomanie ist ähnlich wie die Manie nur in abgeschwächter Form.
Depression, was ist das eigentlich genau? Die meisten Menschen, die noch keinen Kontakt zu Depressionen hatten, egal ob selbst oder im Umfeld, wissen nicht viel darüber. Sie denken, dass Leute mit einer Depression nur traurig und evtl. noch müde sind. Das ist es aber nicht, eine Depression ist viel mehr. Ich gebe hier mal nur ein paar Beispiele, die in einer Depression auftreten können:
Antriebslosigkeit
Grübelzwang
Gedrückte Stimmung (traurig und man weiß nicht warum)
Zukunftsängste
Isolierung / soziale Kontakte meiden
Nicht so gesprächig
Selbstkritisch
Schuldgefühle
Schlafstörung / erhöhte Müdigkeit oder vermehrter Schlaf
Libidoverlust
Appetitstörung / vermehrter Appetit oder Appetitlosigkeit
Pessimistisch
Gewichtszunahme oder Gewichtsabnahme
Gleichgültigkeitsgefühl
Überempfindlichkeit gegenüber Zurückweisungen
Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
Verminderte Leistungsfähigkeit
Vergesslichkeit
Interessenverlust und Freudlosigkeit
Affektive Reagibilität (Auslenkbarkeit) – Wutanfälle
Vermehrter Alkoholgenuss
Körperliche Beschwerden
Vernachlässigung der Körperhygiene
Geschwächtes Immunsystem
Verstopfung
Bleierne Schwere in Armen und Beinen
Kreislaufprobleme
Suizidgedanken und Handlung
Dies sind nur ein Teil an Symptomen, die man in einer Depression haben kann. Viele vernachlässigen ihre Pflichten, wie z.B. Miete, Strom… zu zahlen und geraten dadurch oft in die Obdachlosigkeit.
Wie ihre seht, ist ein depressiver Mensch nicht „nur traurig“ Er kämpft jeden Tag mit so vielen Symptomen. Ein innerlicher Kampf, den keiner sieht. Sätze wie „stell dich nicht so an“, machen die Situation meistens noch schlimmer. Jemand der depressiv ist, muss nicht wie ein rohes Ei behandelt werden, es braucht Unterstützung von Familie, Freunden und auch den Ärzten und Therapeuten um da wieder raus zu kommen. Sie werden die Hilfe nicht annehmen wollen, darum sollte der Helfende besonders energisch sein. Gebt nicht auf, dem Kranken zu helfen er schafft es alleine nicht. Er wird euch später dankbar sein.
Eine Depression kann jeden treffen, auch wenn man denkt, der / die hat doch alles, ein tolles Leben. Eine Depression sucht sich nicht den Menschennach sozialen oder finanziellen Dingen aus, sie kommt einfach. Sie kann auch dich treffen. Ich habe immer gedacht, mir kann sowas nicht passieren, bis ich es selbst erleben musste.
Ich war Mitte 30, verheiratet, und hatte einen tollen Job. Ich habe in einem Anwaltsbüro gearbeitet und war dort Büroleiterin. Meinen Chef kannte ich schon seit Kindheitstagen, wir haben uns gut verstanden. Auch wenn ich diesen Beruf nicht gelernt habe, fand er, das ich die richtig für diesen Job war. Er hat mir alles, was ich wissen musste beigebracht. Ich war zwar oft unsicher, aber ich konnte Ihn oder meine Kollegin immer fragen. Meine Kollegin war super! (Ich bin heute noch mit ihr in Kontakt und wir treffen uns regelmäßig) Sie hatte den Beruf gelernt. Also teilten wir die Arbeit danach auf, wer was besser konnte. Ich konnte besser im direkten Kontakt mit den Mandanten umgehen, also übernahm ich das Telefon und die Tür. Ich hatte Geduld und ich denke ich war auch meistens freundlich. Ich kannte die meisten Mandanten und d er größte Teil mochte mich. Ich übernahm die Buchhaltung und die Büroorganisation. Meine Kollegin konnte schneller tippen, also übernahm sie die Diktate. Den Rest teilten wir untereinander auf.
Ich war überglücklich, im Job und im Privatleben. Ich habe viel gearbeitet, oft auch samstags und manchmal auch sonntags. Es hat mir nichts ausgemacht, ich liebte diesen Job. Aber meinen Mann auch, Zugegeben, ich habe ihn oft vernachlässigt, aber er hatte immer Verständnis. Mein Leben war toll.
Doch dann, ich kann gar nicht mehr sagen, warum oder wann genau, fühlte ich mich nicht mehr wohl. Im Job war irgendetwas anders. Ich ging morgens mit Bauchschmerzen zur Arbeit. Zuhause fühlte ich mich nicht mehr richtig zuhause. Ich stritt oft mit meinem Mann, wegen Kleinigkeiten. Alles ging mir zu langsam, keiner machte es mir recht. Ich sah die Fehler nur bei anderen. Ich wollte alles selbst erledigen. Ich wurde wütend, wenn nicht alles so lief wie ich es mir vorgestellt oder vorgenommen hatte. Ich hatte das Gefühl die Kontrolle über mein Leben zu verlieren.