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Als treuer Fan von Schalke 04 glaubst du, deinen Lieblingsverein bestens zu kennen. Doch weißt du auch, warum der »Schalker Kreisel« der 1930er-Jahre eine Urform des modernen Ballbesitzfußballs darstellt? Was das Geheimnis der hervorragenden Schalker Nachwuchsarbeit ist? Und welcher Publikumsliebling von S04 auf den liebevollen Spitznamen »Uschi« hört? Im Leben lernt man niemals aus, genauso wie als Fußballfan. Dieses Buch erzählt die Meilensteine in der Geschichte von Schalke 04. Es berichtet von großen Triumphen und schmerzhaften Niederlagen. Es beschreibt die schönsten Tore und bietet eine abwechslungsreiche Mischung aus Fakten und kuriosen Anekdoten rund um die Königsblauen, die uns allen Grund geben, den S04 wirklich zu lieben.
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Seitenzahl: 126
Veröffentlichungsjahr: 2018
Raphael Wiesweg | Tim-Bastian Schäfer
WARUM WIR SCHALKE 04 LIEBEN
Raphael WieswegTim-Bastian Schäfer
WARUM WIRSCHALKE 04 LIEBEN
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen:
Originalausgabe
1. Auflage 2018
© 2018 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Nymphenburger Straße 86
D-80636 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
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Redaktion: Daniel Michel/fussball.news
Umschlaggestaltung und Layout: Manuela Amode, München
Umschlagabbildung: Shutterstock/Tond Van Graphcraft
Illustrationen im Innenteil: Shutterstock/C.Berlin; Shutterstock/
AlinaAlina; Shutterstock/Tond Van Graphcraft
Satz: Digital Design, Eka Rost
Druck: GGP Media GmbH, Pößneck
eBook: ePubMATIC.com
ISBN Print 978-3-7423-0576-3
ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-0131-1
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-0130-4
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
www.rivaverlag.de
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Meilensteine
Zitate
Legendäre Triumphe
Herz-Schmerz-Niederlagen
Spitznamen
Transfergeschichten
Derby-Time
Magische Tore
Laptop-Trainer und Taktik-Füchse
Fußballfamilie Schalke 04
Aus der Nordkurve
Skandale und Peinliches
Soziales Engagement
Show und Business
Zahlen und Rekorde
Liebe Fans und Freundevon Schalke 04,
mit sieben deutschen Meistertiteln, fünf Siegen im DFB-Pokal und dem Gewinn des UEFA-Cups 1997 zählt der FC Gelsenkirchen-Schalke 1904 e.V. zu den erfolgreichsten deutschen Fußballmannschaften. Und auch wenn der letzte gewonnene Meistertitel schon fast 60 Jahre zurückliegt, verfügt Schalke mit über die größte Fan-Gemeinde in Deutschland. Zahlreiche großartige Spieler wie Ernst Kuzorra, »Stan« Libuda und Raúl haben Schalke 04 geprägt. Auf der anderen Seite galt es aber auch einige Rückschläge für den Klub zu verkraften.
Für uns, die Autoren Raphael Wiesweg und Tim-Bastian Schäfer, ist das Anlass genug, euch ein Buch zu Schalke 04 anzubieten, das euch beim Lesen Freude bereitet. Wir haben versucht, legendäre Spiele, große Persönlichkeiten, kuriose Geschichten und nüchterne Fakten erfolgreich zu mixen. Wir geben damit Einblicke in die Historie des S04, haben aber nicht den Anspruch, ein vollständiges Lexikon zu liefern.
Da wir schon einige Jahre journalistisch tätig sind, aber erstmals ein Buch veröffentlichen, bedanken wir uns bei riva für das Vertrauen und freuen uns besonders über euer Feedback. Gern könnt ihr uns per Mail eure Eindrücke zum Buch schildern: [email protected]
Euer Raphael Wiesweg und Tim-Bastian Schäfer(im Januar 2018)
Zu den Autoren: Raphael Wiesweg, Jahrgang 1987, arbeitet seit sechs Jahren als freier Journalist. Zu seinen beruflichen Stationen zählen der Stadtspiegel Gelsenkirchen sowie Online-Portale wie fussball.news und meinsportradio.de. Darüber hinaus begleitet er Schalke 04 als Social Media Producer für die Buzz04-App, die täglich News über Schalke 04 veröffentlicht. Raphael Wiesweg ist auf Twitter unter seinem Namen zu finden.
Tim-Bastian Schäfer, Jahrgang 1991, arbeitet als freier Journalist für Rundfunkanstalten wie Antenne Niedersachsen. Schalke 04 von Kindheit an verbunden, begleitet er den Verein als Autor für die Buzz04-App, für hassanscorner.tv und für seinen eigenen Blog Abseitsfalle 1904. Auf Twitter ist er unter dem Namen @Pilzeintopf zu finden.
Der FC Schalke 04 zählt zu den größten und erfolgreichsten Traditionsvereinen im deutschen Fußball. Die Meilensteine zeigen einige wesentliche Entwicklungsschritte in der 114-jährigen Geschichte des Klubs auf.
Westfalia Schalke und der Turnverein 1877 als Vorläuferklubs von Schalke 04
Der 4. Mai 1904 gilt als Gründungsdatum des FC Schalke 04. Es brauchte aber nach der Gründung noch zwanzig Jahre, bis der heutige Klubname erstmals Erwähnung fand. Die Gründungsphase lässt sich in fünf Schritten darstellen.
Schritt 1: Der SV Westfalia Schalke wurde mündlichen Überlieferungen nach am 4. Mai 1904 gegründet. Schlosserlehrling Wilhelm Gies führte die junge Schalker Gruppe an, die sich aus Bergleuten und Handwerkslehrlingen zusammensetzte und zunächst in gelb-roten Trikots spielte. Die Mitglieder waren zum Großteil unter 15 Jahre alt. Das wäre heute, auch wenn der Vergleich hinkt, die C-Jugend eines Vereins. Die Eltern der Gründungsmitglieder waren zumeist Mitte des 19. Jahrhundert aus Ostpreußen zum Arbeiten ins Ruhrgebiet gezogen. Denn das Dorf Schalke, das 1861 noch rund 400 Einwohner besaß, entwickelte sich durch die Entdeckung des »schwarzen Goldes« Kohle zu einer Industrie-Hochburg im Deutschen Reich. Menschen aus aller Herren Länder zog es in den Ruhrpott. 1903 zählte Schalke bereits fast 30 000 Einwohner und wurde in den Stadtkreis Gelsenkirchen (140 000 Einwohner) eingemeindet.
Schritt 2: Zunächst aber besaß Westfalia Schalke zwei große Probleme: Der Arbeiterklub kämpfte auf Verbandsebene um seine Akzeptanz, zudem fehlte eine geeignete Spielstätte. Eine nachhaltige Lösung folgte erst acht Jahre später: die Fusion mit einem anderen Verein. Besser gesagt: Westfalia Schalke ging am 17. März 1912 im Schalker Turnverein 1877 auf. Der Turnverein unter Führung von Fritz Unkel besaß noch keine Fußballabteilung, hatte aber an der Grenzstraße einen Fußballplatz gepachtet und wurde auf Verbandsebene sofort als Mannschaft für den Pflichtspiel-Betrieb akzeptiert. Doch bald schon brach der Erste Weltkrieg aus (1914–1918), weshalb die mühsame Aufbauarbeit der Fußballer vorerst gestoppt wurde.
Schritt 3: Zu Beginn des Krieges lag der Fußballbetrieb brach und zahlreiche Klubmitglieder mussten an die Front. Erst im Laufe des Jahres 1915 ging es mit dem Fußball im Ruhrgebiet wieder von vorne los. Eine Gruppe um den Bankkaufmann Robert Schuermann gründete erneut einen Klub namens Westfalia Schalke. Die Westfalia-Akteure machten den Platz an der Grenzstraße bespielbar, doch es folgte ein rechtlicher Kniff, der die Westfalia-Mitglieder quasi erneut zur Fusion drängte.
Schritt 4: Am 25. Juli 1919 kam es, wie sieben Jahre zuvor, zur Zusammenlegung von Westfalia Schalke und dem Schalker Turnverein 1877. Der fusionierte Klub nannte sich nun Turn- und Sportverein (TuS) Schalke 1877. Der Hintergrund der Fusion: Fritz Unkel als Vertreter des TV 1877 legte einen gültigen Pachtvertrag für den Sportplatz an der Grenzstraße vor und stellte den Westfalia-Funktionären ein Ultimatum: Fusion – oder neue Sportstätte suchen. Da die Westfalia-Gruppe keine Alternative fand, willigten die Mitglieder im Juli 1919 in die Fusion ein. Drei Jahre später verkraftete der in blau-weißen Trikots spielende TuS zudem eine interne Rebellion. Einige Mitglieder traten aus dem Verein aus und gründeten 1922 zum dritten Mal einen Klub namens Westfalia Schalke, der bis heute existiert.
Schritt 5: Der TuS wiederum konnte insgesamt nur fünf Jahre in seiner Form bestehen. Dann folgte eine erneute Umstrukturierung. Auslöser war ein Machtkampf zwischen dem Zentralverband der Deutschen Turnerschaft und anderen Sportverbänden. Letztendlich verlangte der Turnverband von seinen Mitgliedern, nur noch einem Dachverband anzugehören. Für Fußballabteilungen von Turnvereinen bedeutete die »reinliche Scheidung«, sich entweder für eine Mitgliedschaft bei der Turnerschaft oder beim DFB zu entscheiden. Die Fußballer des TuS Schalke 1877 votierten für die Zugehörigkeit zum DFB. In der Folge riefen sie am 5. Januar 1924 den FC Schalke 04 ins Leben. Das »04« galt dabei der ursprünglichen Vereinsgründung von Westfalia Schalke im Mai 1904. Der TuS Schalke 1877 firmierte wieder unter TV Schalke 1877 – und schloss sich im Jahr 1939 wieder dem FC Schalke an. Ein weiterer Zusatz zu Schalke 04 folgte noch im Jahr 1928: Da die Stadt sich aktiv am Bau der Glückauf-Kampfbahn beteiligte, nannte sich der Klub fort an FC Gelsenkirchen-Schalke 04.
Mythos Königsblau:Schalke 04 trotzt den Widerständen
Auch wenn Historiker wie Stefan Goch im neuen Jahrtausend zu dem Schluss kommen, dass die Gründungsväter von Schalke 04 eher dem Kleinbürgertum als der Arbeiterschaft zuzurechnen waren, galt der Klub zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Arbeiterverein, zumal es eine enge Verzahnung zwischen dem Verein, den Bergarbeitern und der großen Zeche Consolidation gab. Der Fußball im Deutschen Reich wurde dagegen von Menschen aus dem Bürgertum bestimmt und vorangetrieben. Ein Arbeiterklub wie Schalke 04 hatte deshalb zunächst einen schweren Stand. Bis in die 1930er-Jahre hinein wurde Schalke 04 wohl drei Mal benachteiligt:
Benachteiligung 1: Der von bürgerlichen Kräften geprägte rheinisch-westfälische Spielverband (RWSV) verweigerte Westfalia Schalke die Mitgliedschaft. Die Schalker konnten als »wilder Klub« nicht am Liga-Spielbetrieb teilnehmen, das 1896 entstandene und bürgerlich geprägte Spiel und Sport Schalke (SuS 96) war dagegen beim Verband ein gern gesehenes Mitglied. Erst durch den Zusammenschluss mit dem Turnverein von 1877 konnten die Arbeiterkinder von Westfalia Schalke 1912 erstmals am Liga-Spielbetrieb teilnehmen.
Benachteiligung 2: Nach dem Ersten Weltkrieg galt Schalke als aufstrebender Verein, doch eine einschneidende Reform des Westdeutschen Spielverbandes (WSV) sollte den Verein erneut erheblich zurückwerfen. Der WSV fühlte sich unter Zugzwang, da es auf den Fußballplätzen zu zahlreichen Gewaltausbrüchen kam, viele Ergebnisse im Nachhinein zu juristischen Auseinandersetzungen führten und nach dem verloren Ersten Weltkrieg ohnehin ein Klima der Frustration in der deutschen Gesellschaft vorherrschte, das von Unsicherheit und wirtschaftlicher Not geprägt war. Um dem vermeintlichen Werteverfall zumindest im Fußball Einhalt zu gebieten, wollte der konservativ ausgerichtete WSV mit dem »Neuen Weg« eine Art moralische Wende einleiten. So beschloss der Regionalverband 1922, die Laufzeit einer Saison von zehn auf zwanzig Monate zu erhöhen, um den Terminkalender zu entzerren. Und: Für vier Jahre konnte kein Verein mehr auf- oder absteigen. Gestandene Klubs sollten dadurch auch Zeit bekommen, ohne Abstiegsangst ihre Jugendarbeit neu aufzustellen. Auch sollte die aufkommende Professionalisierung des Fußballs zurückgedrängt werden. Spieler sollten aus Sicht des WSV nicht aus Profitgier (Handgeldzahlungen, hohe Spesen, verlockende Alltagsjobs) ihren Klub wechseln. Für die Schalker stellte besonders die Aussetzung der Aufstiegsregel einen schweren Schlag dar. Als TuS 1877 waren sie 1920 bereits in die entsprechend untergliederte zweite Liga (A-Klasse) aufgestiegen. Und im Sommer 1921 befanden sich die Schalker auf dem besten Weg in die erste Liga, sie spielten gerade in der Relegation um den Aufstieg in die Emscher Kreisliga, als die Aufstiegsrunde aufgrund der Reform des WSV abgebrochen wurde. Denn der Verband gliederte auch seine Ligen neu, die Schalker wurden für die Saison 1921/22 in der zweiten Liga namens Kreisliga Ruhr-Emscher geführt. Es wurde aber noch kurioser: Schalke beendete die Saison im April 1922 auf Rang drei. Im Oktober 1922 kam unverhofft die Chance, in einem Alles-oder-Nichts-Spiel gegen den Dortmunder SV 08 doch noch erstklassig zu werden, denn der WSV erweiterte seine Eliteklasse (Ruhrgauliga) von zehn auf 16 Teams. Die Schalker aber verloren nach Verlängerung mit 1:2 gegen Dortmund und waren bis 1926 zur Zweitklassigkeit verdammt.
Benachteiligung 3: Im Sommer 1926 war Schalke endlich erstklassig, die faktischen und gefühlten Benachteiligungen sollten aber nicht enden. Der krasseste Fall folgte im August 1930, der den Klub sportlich gesehen wohl beinahe zerstört hätte. Der WSV sperrte im Sommer 1930 nahezu die komplette Schalker Stammelf für ein Jahr – und auch zahlreiche Funktionäre wurden zur Rechenschaft gezogen. Der Grund: Der Großteil der Schalker Akteure wurde als »Berufsspieler« identifiziert, was damals laut Statuten des DFB und WSV noch verboten war. Die Schalker zahlten ihren Stars zwar keine hohen Gehälter, waren aber beispielsweise im Bereich der Spesen und anderer Vergünstigungen (Kredite, komfortable Jobs im Alltag) sehr großzügig, was die Regeln durchbrach. Zwar wendeten zahlreiche andere Vereine ein ähnliches System an, um ihre Spieler für gute Leistungen zu belohnen, doch die Königsblauen mussten wohl am härtesten büßen. Einerseits waren ihnen zu hohe Zahlungen auch formal nachzuweisen, andererseits wollte der konservative Verband am Arbeiterklub aus Gelsenkirchen ein Exempel statuieren. Hinzu kam auch eine hohe Geldstrafe für die Schalker, die fast den Ruin bedeutet hätte. Die gesperrten Superstars Ernst Kuzorra und Fritz Szepan hätten Schalke deshalb beinahe verlassen. Erst durch viel diplomatisches Geschick wendete Klubchef Fritz Unkel auf allen Ebenen die Katastrophe ab. Zwischen Frühjahr und Sommer 1931 wurden dann nahezu alle Schalker wieder begnadigt. Diese Benachteiligung hatte für Schalke jedoch auch eine gute Seite: Eine ganze Region litt mit den Schalkern, die sogar mit ihrer zweiten und dritten Garde 1930/31 erstklassig blieben. Und als es am 1. Juni 1931 zum Freundschaftsspiel gegen Fortuna Düsseldorf kam, erlebte der FC Schalke einen unglaublichen Zuspruch: 70 000 Fans im und um die Glückauf-Kampfbahn herum feierten den 1:0-Sieg ihrer Schalker.
Diese elf Monate zwischen 1930 und 1931 können als der Schlüsselmoment in der Geschichte von Schalke 04 angesehen werden. Der Arbeiterverein wurde vom Verband massiv und im Vergleich zu anderen Klub überhart angegriffen. Die verhängte Geldstrafe hätte Schalke 04 beinahe in den Ruin getrieben. Die baldigen Top-Stars wie Kuzorra standen kurz vor einem Vereinswechsel. Die erste Elf war nahezu komplett gesperrt, was eigentlich den Abstieg aus der ersten Liga zur Folge hätte haben müssen. Schalke 04 stand politisch (Bürgertum vs. Arbeiter), moralisch (Tugendhaftigkeit vs. Profitgier), sportlich (Stars sehen sich zum Wechsel gezwungen) und finanziell (hohe Geldstrafe) vor dem Bankrott. Doch den Königsblauen glückte die Wende auf allen Ebenen, weshalb die Liebe der Fans zum Klub noch größer wurde. Statt in der zweiten Liga herumzudümpeln, räumten die Schalker in der Folge einen Titel nach dem anderen ab. Und genau hierin steckt der Kern des Mythos Schalke 04: Obwohl sich offenbar die Mächtigen gegen Schalke 04 stellten und den Klub des vermeintlichen Sittenverfalls überführt hatten, hielt Schalke 04 dagegen und ging aus dieser schier unlösbaren Lage auch noch gestärkt hervor.
Die Urväter von Tiki-Taka: Der »Schalker Kreisel« dominiert den deutschen Fußball
Fast dreißig Jahre hatte Schalke 04 allen Widerständen getrotzt, Mitte der 1930er-Jahre dominierten die Königsblauen dann den deutschen Fußball über ein Jahrzehnt lang in einem Ausmaß, wie man es bis heute nicht mal vom FC Bayern kennt – auch wenn sich Fußballepochen schlecht vergleichen lassen. Die Schalker waren nahezu in jedem möglichen Endspiel – und selbst wenn ein Star verletzt oder kriegsbedingt (Soldat an der Front) ausfiel, konnte der S04 den Spieler nahezu gleichwertig aus dem Nachwuchsbereich ersetzen. Der Schalker Erfolg fußte aber nicht nur auf dem überragenden Können einiger Top-Stars, auf der gewieften Strategie eines Trainers oder auf dem Verhandlungsgeschick eines Präsidenten, es ging um eine seit Beginn der 1920er-Jahre verinnerlichte Spielphilosophie, die im deutschen Reich in dieser Form einmalig war: Bekannt geworden ist sie unter dem Begriff »Schalker Kreisel«.
Der Schalker Kreisel ist quasi eine Ur-Form des heute aus Barcelona bekanntem Tiki-Taka. Um auszuholen: Insbesondere der FC Barcelona wird seit Jahrzehnten für seinen Spielstil namens Tiki-Taka gelobt. Der Kerngedanke lautet: Je mehr Ballbesitz, desto besser für dein Team. Je mehr kurze und flache Pässe, desto besser für dein Team. Und je mehr Überzahlspiel im Mittelfeld vorherrscht, desto besser für dein Team. In der Folge wird der Gegner verwirrt und müde gespielt, Torchancen tun sich auf, und die Wahrscheinlichkeit auf den Sieg steigt. Als begünstigende Faktoren für den Erfolg des FC Barcelona sind zudem auszumachen, dass in den 1990er-Jahren Barca stark vom niederländischen Fußball und der Legende Johan Cruyff beeinflusst wurde und dass der Kern der Barca-Mannschaft schon im Nachwuchsbereich zusammenspielte.
Die Parallelen zum Schalker Kreisel sind demnach offensichtlich: In den 1920er- und 1930er-Jahren überrollten die Schalker oftmals ihre Gegner, weil sie ihnen
