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In einem kleinen Dorf wächst Helena in einer bäuerlichen Großfamilie auf. Schon früh ins Arbeitsleben eingespannt, kann sie sich nichts anderes vorstellen, als selbst Landwirtin zu werden. Trotz aller Widerstände erreicht sie ihr Ziel: die gleiche Ausbildung wie ein Mann zu durchlaufen. Durch ihre frühe Heirat wird sie Bäuerin auf einem großen Hof, wo das Leben für sie viele Schicksalsschläge bereit hält. Doch mit Humor und Tatkraft schafft sie immer wieder einen Neuanfang. In diesem Buch beleuchtet Roswitha Gruber nicht nur psychologisch und sozial interessante Aspekte, sie gibt uns auch Einblick in die neueste Zeitgeschichte und die rasante Entwicklung, die die Landwirtschaft genommen hat. Roswitha Gruber widmet sich der Schilderung starker Frauen mit außergewöhnlichen Lebensgeschichten. Für jeden ihrer Romane recherchiert sie dafür ausführlich und nähert sich in langen, intensiven Gesprächen dem Schicksal ihrer Protagonistinnen an. Roswitha Gruber lebt und arbeitet in Reit im Winkl.
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Veröffentlichungsjahr: 2015
LESEPROBE zuVollständige E-Book-Ausgabe der im Rosenheimer Verlagshaus erschienenen Originalausgabe 2012
© 2014 Rosenheimer Verlagshaus GmbH & Co. KG, Rosenheim
www.rosenheimer.com
Titelfoto: © Bundesarchiv, Bild 183-21049-0011
Hans-Günter Quaschinsky
Lektorat und Satz: VerlagsService Dietmar Schmitz GmbH, Heimstetten
eISBN 978-3-475-54326-5 (epub)
Roswitha GruberNach mir kräht kein SchweinEine Bäuerin erzählt
In einem kleinen Dorf wächst Helena in einer bäuerlichen Großfamilie auf. Schon früh ins Arbeitsleben eingespannt, kann sie sich nichts anderes vorstellen, als selbst Landwirtin zu werden. Trotz aller Widerstände erreicht sie ihr Ziel: sie durchläuft die gleiche Ausbildung wie ein Mann. Durch ihre frühe Heirat wird sie Bäuerin auf einem großen Hof, wo das Leben für sie viele Schicksalsschläge bereit hält. Doch mit Humor und Tatkraft schafft sie immer wieder einen Neuanfang.
In diesem Buch beleuchtet Roswitha Gruber nicht nur psychologisch und sozial interessante Aspekte, sie gibt uns auch Einblick in die neueste Zeitgeschichte und die rasante Entwicklung, die die Landwirtschaft genommen hat.
Roswitha Gruber widmet sich der Schilderung starker Frauen mit außergewöhnlichen Lebensgeschichten. Für jeden ihrer Romane recherchiert sie dafür ausführlich und nähert sich in langen, intensiven Gesprächen dem Schicksal ihrer Protagonistinnen an.
Vor einigen Jahren, als ich mit meinem Buch »Großmütter erzählen« auf Lesereise war, las ich daraus auch bei einem Landfrauenverein im Kreis Trier-Saarburg. Wie immer gab es anschließend eine lebhafte Diskus - sion. Ältere Frauen erinnerten sich mit wissendem Nicken: »Ja, so war das bei uns auch.«
Frauen, die der etwas jüngeren Generation angehörten, bestätigten: »Ja, so was Ähnliches hat mir meine Mutter auch erzählt.«
Die jüngeren Frauen, die in der Minderzahl waren, staunten und konnten sich kaum vorstellen, dass Mädchen früher einen so schweren Stand hatten. Deshalb war ich ein wenig überrascht, als am Ende der Veranstaltung eine von ihnen auf mich zukam und erklärte: »Zu dem Thema könnte ich Ihnen auch eine Geschichte erzählen.«
»Von Ihrer Großmutter?«, fragte ich mit spontanem Interesse.
»Nein, meine eigene.« Das überraschte mich noch mehr. Zweifelnd dachte ich: Eine so junge Frau – ich schätzte sie auf Anfang vierzig –, was kann die schon erlebt haben?
Als sie mir dann sogar einen Titel für ihre Lebensgeschichte anbot: »Nach mir kräht kein Schwein«, machte mich das doch neugierig.
Na ja, anhören kannst du es dir ja mal, dachte ich, ließ mir ihre Adresse geben und versprach, sie gelegentlich zu besuchen. Es vergingen etliche Jahre, bis ich dieses Versprechen endlich in die Tat umsetzte. Wie immer, wenn ich auf der Jagd nach einer Geschichte bin, baute ich mein Tonbandgerät auf, weiterhin skeptisch, ob sich das überhaupt lohne. Dann begann Helena zu berichten. Es war ein Vergnügen, ihrer lebhaften Erzählung und ihrer bilderreichen Sprache zu lauschen. Und je länger ich ihr zuhörte, desto mehr zog mich ihre Geschichte in den Bann. Ich musste meine Meinung revidieren. In ihrem jungen Leben gab es wirklich reichlich Stoff für eine spannende Geschichte.
Was mich vor allem überraschte, war die Tatsache, dass – obwohl im Jahre 1958 das Gesetz von der Gleichberechtigung proklamiert worden war – noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so eklatante Fälle von Diskriminierung der Mädchen auftraten. Aber auch in ihrer Ehe war diese junge Frau über die Maßen gefordert worden. Vielleicht wird sich die eine oder andere von Ihnen in der Geschichte der Helena wiederfinden, die meisten aber werden kopfschüttelnd feststellen: Gottlob, da habe ich mehr Glück gehabt.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen von Helenas Geschichte.
Roswitha Gruber
Sicher kann ich mein Leben nicht mit dem unserer Großmütter und Urgroßmütter vergleichen. Die hatten es ungleich schwerer, weil sie ohne fließendes Wasser auskommen und auf sämtliche Arbeitserleichterungen verzichten mussten, die uns der elektrische Strom bietet. Dennoch hatte ich schon als Kind das Gefühl – jedenfalls wenn ich mich mit meinen Geschwistern und Mitschülerinnen verglich –, dass ich es nicht unbedingt leicht hatte. Und wenn ich rückblickend meine Kindheit mit der meiner Kinder vergleiche, stelle ich fest, dass ich eine ausgesprochen schwere Kindheit und Jugend hatte. Das hat mich fürs Leben geprägt und mir die Kraft gegeben, zu tragen, was in meiner Ehe auf mich zukam.
Aber fangen wir bei meiner Geburt an. Mein Geburtsort ist Trier. Dort erblickte ich am 24. April 1960 im Marienkrankenhaus das Licht der Welt. Da ich das erste Kind eines bodenständigen Bauernpaares aus der Eifel war, glaubte die Leiterin der Säuglingsstation, eine alte Ordensschwester, meine Eltern trösten zu müssen: »Grämen Sie sich nicht zu sehr, dass es ein Mädchen geworden ist. Die Hauptsache ist doch, es ist gesund und kräftig.«
»Wieso sollten wir uns grämen?«, fragte meine Mutter befremdet. »Was Besseres konnte uns doch gar nicht passieren; jetzt haben wir zumindest schon mal das Kindermädchen.«
Diese Antwort wiederum brachte Schwester Meinrada, die sicher gut und gerne siebzig Jahre auf dem Buckel hatte, zum Staunen. Sie schluckte, ehe sie sich zu einer Antwort durchringen konnte: »Da bin ich aber froh, dass Sie das so sehen. Im Laufe meiner Jahre auf der Säuglingsstation habe ich so manche verzweifelte Szene erlebt, wenn ich einem Bauern nicht den erhofften Stammhalter in die Arme legen konnte.«
»Was heißt hier Stammhalter?«, konterte mein Vater, »Haben Sie nicht mitbekommen, dass vor einigen Jahren die Gleichberechtigung eingeführt worden ist? Seitdem gilt ein Mädchen genauso viel wie ein Junge.«
»Auf dem Papier ja, das habe ich sogar in meiner klösterlichen Abgeschiedenheit mitbekommen. Aber bis das wirklich in allen Köpfen drin ist, wird es mindestens noch eine Generation dauern.«
Wie recht sie behalten sollte, zeigte sich schon im Jahr darauf. Denn genau fünfzehn Monate nach meiner Geburt kam mein Bruder Gerald zur Welt. Da sollen meine Eltern entschieden mehr Freude gezeigt und mein Vater soll sogar einen Luftsprung ausgeführt haben.
Aber zurück zu meiner Winzigkeit. Neun Tage nach meiner Geburt holte mein Vater uns aus dem Krankenhaus ab. Er trug die Reisetasche und meine Mutter den Säugling, als sie zum Pferdemarkt gingen, um den Bus zu besteigen, der uns in die Eifel bringen sollte. In einem Dorf mit sechs-, siebenhundert Seelen, etwa fünfzehn Kilometer von Trier entfernt, hielt ich Einzug in eine bäuerliche Großfamilie. Außer meinen Eltern gab es zu der Zeit auf dem kleinen Bauernhof noch Vaters Mutter Maria und seinen Onkel Michel, einen Bruder seines verstorbenen Vaters. Auch lebte noch eine Schwester meines Vaters im Haus, die Tante Theresia, die von allen nur Resi gerufen wurde.
Da der Michel von klein auf bucklig war, hatte er weder die Statur noch die Kraft, richtig in der Landwirtschaft mitzuarbeiten. Stattdessen muss er sehr geschickte Hände gehabt haben. Deshalb hatte man ihn für einige Zeit nach Trier zu einem Uhrmacher in die Lehre geschickt. Ich erinnere mich noch, dass er davon lebte, dass er zu Hause die Uhren reparierte, die ihm die Bauern von nah und fern brachten. Überall in seinem Zimmer, das er Werkstatt nannte, standen und lagen große und kleine Uhren herum. Auch erinnere ich mich, dass er im Jahre 1966 starb, einige Wochen bevor ich in die Schule kam.
Wie bereits erwähnt, wurde ein gutes Jahr nach mir mein Bruder Gerald geboren, und zweieinhalb Jahre nach ihm kam meine Schwester Marita an. Das Haus wurde also voll und voller. Immerhin gab es 1964 in dieser Hinsicht ein wenig Erleichterung. Denn bei meiner Tante Resi, die immer ein schwächliches Kind gewesen war, wurde eine Lungenkrankheit festgestellt, die einen längeren Sanatoriumsaufenthalt nötig machte. Sie kam in die Pfalz, nach Annweiler am Trifels.
Bevor Tante Resi nach Annweiler kam, hatte sie bei uns, da sie für die meisten Arbeiten nicht stark genug war, die Rolle des Kindermädchens übernommen. Nachdem sie aber aus dem Haus war, musste ich diesen Part übernehmen, wie meine Mutter das gleich nach meiner Geburt prophezeit hatte. Obwohl ich selbst erst vier war, musste ich auf meine kleineren Geschwister, mittlerweile drei und ein Jahr alt, aufpassen und wurde immer zur Verantwortung gezogen, wenn sie etwas angestellt hatten.
Mein jüngster Bruder ist zu Hause auf die Welt gekommen, warum, weiß ich nicht. Wir Kinder wussten gar nicht, dass die Mutter ein Baby erwartete. Damals wurde über so etwas noch nicht gesprochen, zumindest nicht in unserem Haus. Dabei hätte man mit mir, einer Siebenjährigen, getrost darüber reden können, ich hätte das alles verstanden. Da ich also keine Ahnung hatte, wachte ich eines Nachts sehr überrascht auf, als ich Babygeschrei vernahm. Verwundert fragte ich mich: Wo kommt denn das Kind her? Dieser Sache musste ich nachgehen. Im Dunkeln stand ich auf, tastete mich bis zur Tür vor und trat auf den erleuchteten Hausflur. Dort lief ich meinem Vater in die Arme. Verwundert fragte er: »Nanu, Lena, was tappst du denn mitten in der Nacht im Haus herum? Ich denke, du schläfst längst.«
»Ich habe auch geschlafen. Aber dann bin ich von Babygeschrei wach geworden.«
»Soso«, lächelte er verschmitzt. »Na, dann komm mal mit.«
Er führte mich in das Elternschlafzimmer, wo die Mutter mit geschlossenen Augen in ihrem Bett lag. Das nächste, das mir ins Auge fiel, war ein wunderschöner großer Korbwagen, der neben dem Bett stand, mit einem blauen Batisthimmel darüber. In dem Korb deutete der Vater auf ein winziges Etwas, das zwischen den Kissen schlief, und erklärte: »Du hast einen kleinen Bruder bekommen.«
In dem Moment öffnete die Mutter matt die Augen und lächelte mir zu mit den Worten: »Das ist Horst.«
Als ich wieder wohlig eingekuschelt in meinem Bett lag, konnte ich lange nicht einschlafen. Zu viel Fragen geisterten mir durch den Kopf: Wo kommen die kleinen Kinder her? Und wie kommt so ein winziges Würmchen dazu, ausgerechnet mitten in der Nacht bei uns einzutreffen? Und wo kommt so plötzlich – und genau zur rechten Zeit – dieser wundervolle Babykorb her?
Ohne dass ich Antworten auf meine Fragen gefunden hätte, fielen mir dann doch die Augen zu, und am nächsten Morgen dachte ich, ich hätte das alles bloß geträumt. Als ich aber blinzelnd in den Tag schaute, stand Oma Martha, die Mutter meiner Mutter, an meinem Bett. »Wo kommst du denn so plötzlich her?«, fragte ich verwundert. »Ja, weißt du, deine Mama ist krank, und heute Nacht hat sie ein Baby gekriegt. Deshalb muss ich mich jetzt um alles kümmern.«
Das leuchtete mir ein. Aber dass das Baby ausgerechnet zu einer Zeit kommen musste, da die Mama krank war! Es war ein Glück für die ganze Familie, dass wir jetzt Oma Martha hatten, sonst wäre bei uns alles drunter und drüber gegangen. Bei uns lebte zwar ständig Oma Maria im Haus, aber sie war kränklich und wäre der Aufgabe, die Mutter zu vertreten, nicht gewachsen gewesen. Oma Martha war viel tatkräftiger als Oma Maria. Immerhin war sie dreizehn Jahre jünger und hatte ihren Mann nicht durch Kriegsfolgen verloren.
Nachdem Martha meinem Vater fleißig im Stall geholfen hatte, sorgte sie dafür, dass ich ordentlich frühstückte. Sie packte mir mein Pausenbrot ein und schickte mich rechtzeitig aus dem Haus, so dass ich pünktlich zur Schule kam. Dort verkündete ich voller Stolz: »Wir haben heute Nacht ein Brüderchen gekriegt.«
Auf die Fragen, die nach dieser Eröffnung auf mich einstürmten – nach Gewicht, Größe, Haar- und Augenfarbe –, konnte ich keine Antwort geben. »Horst heißt er!« Das war das Einzige, was ich dazu sagen konnte. Ehrlich gesagt hatte ich auch niemanden danach gefragt, weil diese Details für mich unwichtig waren. Auf dem Heimweg machte ich mir aber doch Gedanken darüber, woher die kleinen Kinder kommen. Deshalb bestürmte ich meine Mutter gleich nach meiner Heimkehr mit entsprechenden Fragen.
»Das erfährst du noch früh genug«, war ihre enttäuschende Antwort. Die Oma wagte ich aber auch nicht zu fragen, um nicht noch einmal so abgespeist zu werden. Ich erfuhr es dann wirklich noch früh genug, nämlich in der Schule. Im Jahr darauf hatten wir nämlich bereits Sexualkundeunterricht.
Nachdem Oma Martha zwei Wochen bei uns verbracht hatte, reiste sie wieder ab. Die Mutter hatte sich, Gottlob, wieder so weit erholt, dass sie ihre Arbeiten selbst verrichten konnte. Ich mit meinen sieben Jahren musste ihr allerdings mehr und mehr zur Hand gehen. Vor allem war es meine Aufgabe, mich nun zusätzlich mit dem kleinen Bruder zu befassen, wenn er nicht gerade schlief. Das war alles so alltäglich und selbstverständlich, dass ich mich an Einzelheiten nicht mehr erinnere.
Ein Erlebnis ist mir jedoch noch lebhaft in Erinnerung. Horst war bestimmt noch kein Jahr alt, saß aber bereits im Sportwägelchen, einem jener hochrädrigen Modelle, wie sie damals modern waren. Wie jeden Nachmittag, wenn es nicht gerade regnete, war es meine Aufgabe, ihn auszufahren. Wir wohnten halb am Hang in einer Seitenstraße, die ein starkes Gefälle aufwies. Weil es mir zu langweilig wurde, den Kinderwagen immer nur vor mir herzuschieben, statt mit meinen Freundinnen zum Spielen zu gehen, erfand ich ein kleines Spiel. Ich ließ den Griff des Wagens kurz los, so dass er von allein ins Rollen kam. Dann griff ich blitzschnell wieder zu. Das machte richtig Spaß, und so wurde ich immer wagemutiger und wartete immer ein bisschen länger, bis ich wieder zugriff.
Da passierte es. Auf einmal war der Wagen schneller als ich. Er sauste und sauste und ich rannte hinterher. Aber ich erwischte ihn nicht mehr.
Mein kleiner Bruder, der jedes Mal gejauchzt hatte, wenn ich den Wagen wieder zu fassen bekam, merkte wohl auch, dass etwas aus dem Ruder gelaufen war, denn er fing plötzlich an zu weinen. Und mir schoss eine Schreckensvision durch den Kopf: Was, wenn der Wagen bis auf die Hauptstraße rollt und gerade ein Auto daherkommt?
Mein Bruder muss einen guten Schutzengel gehabt haben. Denn mit einem Mal ruckte und hüpfte der Wagen, lag – pardauz – auf der Seite, und Klein Horst kollerte heraus. Im ersten Augenblick war er vor Schreck still und ich starr. Ich aber rannte, was meine kleinen Beine hergaben, zur Unfallstelle. Sobald Horst mich erblickte, fing er an zu brüllen. Und wie! Aus Leibeskräften, so dass ich schon befürchtete, er müsse sich ernsthaft verletzt haben. Vor lauter Angst, er würde die ganze Nachbarschaft herbeischreien, vor allem meine Mutter, richtete ich ganz schnell den Sportwagen wieder auf. Dann nahm ich das Kerlchen in die Arme und drückte und herzte es, um es zu beruhigen. Behutsam setzte ich Horst wieder in sein Gefährt und untersuchte ihn von Kopf bis Fuß. Gott sei Dank! Ihm war nichts passiert, nicht einmal eine Schramme hatte er abbekommen. Erleichtert, dass niemand etwas von dem Vorfall mitbekommen hatte, machte ich mich auf den Heimweg. Zu früh gefreut! Meine Mutter empfing mich an der Haustür und hielt mir eine Standpauke. Zusätzlich versetzte sie mir zwei schallende Ohrfeigen.
Als der Knirps etwa anderthalb Jahre alt war, trippelte er unter meiner Aufsicht bei uns im Hof herum. Da kam plötzlich ein heftiger Windstoß, warf ihn um und blies ihn über den Hof. Das sah so drollig aus, dass ich erst mal lachte, statt den Versuch zu machen, ihn einzufangen. Er schrie so mörderisch, dass alle aus dem Haus gerannt kamen einschließlich meiner Cousine Helga, die gerade zu Besuch weilte. Obwohl erst sechzehn Jahre alt, war sie die einzige, die beherzt genug war, den Kleinen einzufangen. Ich aber wurde anschließend ausgeschimpft und geohrfeigt, weil Horst diese Segeltour gemacht hatte.
Wie gesagt, was meine Geschwister auch immer anstellten oder was mit ihnen geschah, ich wurde, obwohl nur unwesentlich älter, für alles zur Verantwortung gezogen. Und selbst etwas anstellen durfte ich erst recht nicht! Marita, meine Schwester, dagegen durfte sich alles herausnehmen. Sie war Papas erklärter Liebling. Einmal allerdings habe ich mitbekommen, dass sie vom Vater ordentlich Schläge bekam – mit Recht, denke ich. Denn beinahe hätte sie das Haus abgefackelt. Das muss im Herbst 1971 gewesen sein, Marita war noch keine sieben Jahre alt. Das kam so: Da Kirmessonntag war, hatten wir das Haus voll Besuch. Sowohl die Verwandten meiner Mutter als auch die meines Vaters waren da. Nach dem Kaffee saßen die Erwachsenen gemütlich im Wohnzimmer, so dass niemand ein Auge auf uns Kinder hatte. Wir besaßen einen Wirtschaftsraum, in dem sich ein Berg Bügelwäsche befand. Dorthin hatte sich Marita zurückgezogen. Ihr war nämlich – niemand weiß, wie – eine Schachtel Streichhölzer in die Hände gefallen, und die wollte sie in aller Ruhe ausprobieren. Damals waren gerade Textilien aus Perlon groß in Mode. Bei dem Versuch, eines der Hölzchen anzuzünden, muss ihr ein Zündkopf weggeflogen sein, direkt in die Tasche von Mutters Perlonschürze, die an der Tür hing. Diese brannte im Nu lichterloh. Das hätte niemand so bald mitbekommen, wäre meine Schwester nicht in Panik schreiend aus dem Raum gelaufen. Der Vater erreichte als Erster den Tatort. Beherzt riss er die brennende Schürze herunter und trat die Flammen aus. Daher waren nur die Tür und die Wand darüber ein bisschen versengt. Aber anschließend hat er seinem kleinen Liebling ordentlich den Hintern versohlt.
Zu meiner Erleichterung hat man mich für diesen Fall nicht verantwortlich gemacht.
Wenn ich so zurückdenke, hat meine Mutter ganz schön viel von mir verlangt, und sie war auch oft ungerecht zu mir. Heute, da ich ihr Verhalten aus objektiver Warte betrachte, stelle ich fest, dass sie es auch nicht leicht gehabt hat. Wahrscheinlich musste sie nur den Druck weitergeben, der auf ihr lastete. 1959 hatte sie in einen Bauernhof eingeheiratet und befand sich von Anfang an in einer schlechten Position. Schon die gebräuchliche Bezeichnung für eine Person ihres Standes ließ Geringschätzung erkennen. Eine eingeheiratete Frau nannte man »Schnur«, und es kursierte die Redensart: »Eine Schnur ist eine Schnur und kein Band.« Damit war alles gesagt. Es bedeutete, jeder im Haus hatte Rechte, sie aber nur Pflichten. Sie hatte von der Frühe bis in die Nacht zu arbeiten und für Nachwuchs auf dem Hof zu sorgen, vor allem für einen Stammhalter. Für alles andere im Haus waren die anderen, die Alteingesessenen, zuständig.
Es war für sie bestimmt nicht einfach, als junge Ehefrau in einem Haus zu leben, in dem jeder etwas zu sagen hatte, die Schwiegermutter, der Onkel, die Schwägerin, der Ehemann, nur sie nicht. Erschwerend kam hinzu, dass ihre Schwiegermutter, meine Oma Maria, sehr dominant war, hatte sie sich doch nie in der Position der »Schnur« befunden. Sie war die angestammte Bäuerin, und mein Opa Theodor war es gewesen, der eingeheiratet hatte. Sie hatte fünf Kinder zur Welt gebracht, wovon mein Vater, 1935 geboren, das jüngste war. Da vier Jahre später der Zweite Weltkrieg ausbrach und ihr Ehemann sehr bald einrücken musste, blieb ihr nichts anderes übrig, als den Hof allein zu bewirtschaften, um für sich und die Ihren das Brot zu schaffen. Auch musste sie ihre Kinder praktisch allein aufziehen und dafür sorgen, dass sie beruflich vorankamen.
Als der Krieg endlich vorbei war, musste sie das Heft notgedrungen weiter in der Hand halten, denn ihr Mann wurde erst 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Er war gesundheitlich so angeschlagen, dass er zu keiner Arbeit mehr taugte. Also trug seine Frau weiterhin die Verantwortung und erst recht, als er ein halbes Jahr später an den Kriegsfolgen starb.
Ihre älteste Tochter, meine Tante Maria, Jahrgang 1922, hatte sich mittlerweile in Trier verheiratet. Sohn Theo, 1925 geboren, hatte nicht das geringste Interesse an der Landwirtschaft und verbrachte seine Zeit lieber in der Werkstatt seines Onkels Michel, dem er begeistert zuschaute, wenn er Uhren reparierte. Onkel Michel war es dann auch, der sich bei Theos Mutter dafür stark machte, dass der Junge in Trier eine Uhrmacherlehre machen durfte. Der zweite Sohn, Klaus, 1929 geboren, zeigte ebenso wenig Interesse an der Landwirtschaft. Seiner Neigung entsprechend durfte er den neuaufgekommenen Beruf eines Kraftfahrzeugmechanikers erlernen und bekam eine gutbezahlte Stellung bei den Fordwerken in Köln. Tante Resi, der kränkliche Nachkömmling, war 1932 geboren und lebte zur Zeit meiner Geburt noch bei uns.
Mein Vater aber, der Jüngste in der Geschwisterreihe, zeigte zur Freude seiner Eltern schon frühzeitig große Begeisterung für alles, was mit Feld- und Viehwirtschaft zu tun hatte. Schon als kleiner Knirps lief er seinem Vater überallhin nach, aufs Feld, in den Stall, in die Scheune und versuchte mit seinen kleinen Händchen zu helfen. Seit Jahrhunderten war es üblich, dass der Hoferbe von klein auf von seinem Vater angelernt wurde. Alles, was er für seinen Beruf wissen und können musste, schaute er sich bei diesem ab. Mein Vater aber hatte das Pech, dass sein eigener Vater in diesen entscheidenden Jahren nicht vor Ort war. Er war gerade mal viereinhalb Jahre alt, als sein Vater zum Kriegsdienst eingezogen wurde, und er war bereits vierzehn, als dieser endlich aus Russland zurückkehrte. Aber er kam als gebrochener Mann zurück, schwer verletzt an Leib und Seele und starb bereits ein halbes Jahr später.
Was mein Vater als zukünftiger Bauer wissen und können musste, haben ihm seine Mutter beigebracht und sein buckliger Onkel Michel, der Uhrmacher. Ob seines Gebrechens konnte dieser zwar selbst keine schweren Arbeiten in der Landwirtschaft verrichten, er hatte aber einen wachen Geist und eine gute Beobachtungsgabe, und so kannte er sich bestens aus. Da er zudem über ein gewisses pädagogisches Geschick verfügte, war er durchaus in der Lage, seinem Neffen das notwendige Wissen zu vermitteln.
Kurz nachdem mein Vater volljährig geworden war, was damals erst mit 21 Jahren der Fall war, überschrieb ihm seine Mutter den Hof. Einerseits konnte sie sich dadurch endlich der Verantwortung entledigen, andererseits gab sie dem Jungbauern damit freie Hand, auf dem Hof nach Gutdünken zu schalten und zu walten, sowie die Möglichkeit, bald eine Familie zu gründen. Damit wollte er sich auch nicht zu lange Zeit lassen. Eifrig schaute er sich unter den Schönen des Landes um. Die beste Gelegenheit dazu boten die Kirmestänze in den verschiedenen Dörfern. So kam er auch nach Hohensonne. Dort lernte er Klara, die älteste Tochter des Kleinlandwirts Josef Backes, kennen. Josefs große Liebe hatte von klein auf der Landwirtschaft gegolten. Aber als zweitgeborener Sohn eines Bauern aus Welschbillig hatte er keine Chance, das elterliche Anwesen zu übernehmen, da sein älterer Bruder den Vorrang hatte. Damit sich der Josef sein Brot später selbst würde verdienen können und nicht als Knecht auf dem Hof des Bruders bleiben musste, steckte man ihn nach der Schule zu einem Schreiner in die Lehre. Er lernte sein Handwerk auch treu und brav und legte eine gute Gesellenprüfung ab. Aber sein Herz hing nach wie vor an der Landwirtschaft. Deshalb hielt er schon beizeiten nach einer Bauerntochter Ausschau, die ihm eine Einheirat bieten konnte. Aber wie es der Teufel wollte, er lernte nur Mädchen kennen, die ältere Brüder hatten. Eines Tages nun traf ihn die Liebe in der Kirche von Welschbillig wie ein Blitz, und zwar in Gestalt der Haushälterin des Pfarrers. Schnell brachte er in Erfahrung, dass sie von einem Bauernhof in der Nähe stammte. Aber allein der Umstand, dass sie sich ihr Brot im Pfarrhaus verdiente, deutete darauf hin, dass sie daheim keinen Hof erben würde, und tatsächlich stellte sich heraus, dass sie einige Brüder hatte. So bestand für Josef nicht die geringste Chance, einzuheiraten, selbst wenn der eine oder andere Bruder einen anderen Beruf ergriffen hätte. Aber bei diesem Mädchen war ihm das egal. Sie war ihm wichtiger als ein Hof.
So heiratete er kurzerhand dem Pfarrer die Haushälterin weg. Und da sich beide im Laufe der Jahre ein paar Mark gespart hatten und er einen sicheren Beruf ausübte, gingen sie das Wagnis ein, in Hohensonne ein Haus zu bauen. Jeder von den beiden hatte einen Acker als Erbteil mit in die Ehe gebracht, und trotz des Hausbaus blieben beide Gründe erhalten. Wenn sie ihren Sonntagsspaziergang machten, mal an seinem Acker vorbei, mal an dem ihren, wurde ihm immer ganz wehmütig ums Herz und es kribbelte ihn in den Fingern. Am liebsten hätte er sich auf den Acker gestürzt und ihn bearbeitet.
Da wurde ihm eines Tages ein Angebot gemacht, über das es sich lohnte, mit seiner geliebten Martha ernsthaft zu diskutieren. Sein ältester Bruder, der Erbe des väterlichen Anwesens, hatte sich eine Ehefrau ins Haus geholt, die mit seinen ledigen Geschwistern nicht zurechtkam – oder besser gesagt: Sie kamen mit ihr nicht zurecht. Deshalb fragten sie bei ihrem Bruder Josef an, ob sie bei ihm Unterschlupf finden könnten. Zum Ausgleich dafür boten sie an, ihm ihre als Erbteil zugedachten Felder zu überlassen. Das war ein Angebot, das Josefs Augen leuchten ließ, und seine Frau unterstützte ihn darin. So kam es, dass Josefs Schwestern Helene und Margarethe einzogen, dazu sein Bruder Bernhard, der durch einen Arbeitsunfall einen halben Arm verloren hatte. Wenig später kam noch jemand dazu, nämlich Eugen, der »Beisatz«. Mit diesem Begriff bezeichnete man Kinder, die nicht die eigenen waren, die man aber mit den eigenen aufzog. Eugen war das uneheliche Kind einer Schwester von Josefs Mutter. Sie hatte den Kleinen kurz nach seiner Geburt abgegeben und sich nie wieder um ihn gekümmert. Wenigstens aber hatte er ein Stück Land von ihr geerbt, das er nun ebenfalls seinem Cousin Josef überließ. Da dieser nun unversehens zu vier ansehnlichen Äckern gekommen war, machte er sich sofort daran, seinem Haus einen Stall und eine Scheune anzufügen. Eugen half dabei fleißig mit und Bruder Bernhard ebenfalls, trotz seines verkrüppelten Armes.
Sobald der Stall fertig war, stellte Josef zwei Kühe hinein, ein Schwein und ein paar Hühner. Später gelang es ihm sogar, noch einige Felder dazuzukaufen, so dass er eine ganz nette Nebenerwerbslandwirtschaft sein Eigen nannte. Da er weiterhin sein Geld als Schreiner verdiente, wurde die Landwirtschaft natürlich zum Teil von seiner Frau, seinen Verwandten und seinen Kindern betrieben. Aus diesen Verhältnissen heraus heiratete mein Vater also meine Mutter. Weil sie von klein auf das Zupacken gewöhnt war, war sie die richtige Frau für seinen Hof.
Meine Großmutter Maria, die bis zum Einzug der Schwiegertochter den Betrieb geführt hatte, zog sich mehr und mehr zurück und überließ der »Schnur« ihre Aufgaben. Da dann in schneller Folge die Kinder kamen, ist es nur zu verständlich, dass meine Mutter mich frühzeitig in ihre Aufgaben einband.
Meinem Vater, der mit Begeisterung das Anwesen übernommen hatte und mit Leib und Seele Bauer war, wurde es bald zu eng auf seinem Hof. Liebend gern hätte er seinen Landbesitz vergrößert und mehr Tiere angeschafft. Dazu hätte er aber erst einmal einen größeren Stall und eine größere Scheune benötigt. Leider aber lag sein Gehöft so eingekeilt zwischen anderen Häusern, dass an einen Anbau nicht zu denken war. Da kam ihm ein »Grüner Plan« genanntes Förderprogramm der Bundesregierung für die Landwirtschaft gerade recht, das in den Fünfzigerjahren anlief.
Waren bisher die Höfe durch stetige Realteilung von Generation zu Generation kleiner geworden, so galt es nun, sie wieder zu vergrößern. Man musste also den Bauern finanzielle Anreize bieten, damit sie Grund zukaufen konnten. Diese Maßnahme allein genügte jedoch nicht. Denn bei der Realteilung hatte man nicht nur den Besitz in entsprechend viele Teile zerlegt, sondern jeden Acker und jede Wiese der Länge nach geteilt, so dass schließlich nur schmale Streifen blieben, die zudem über die ganze Gemarkung verstreut lagen.
Ein solches Anwesen hatte im Krieg und auch noch einige Jahre danach durchaus seine Familie ernährt, zumal man keine großen Ansprüche ans Leben stellte. An dem einsetzenden Wirtschaftswunder wollten aber auch die Bauern teilhaben. Deshalb suchte sich so mancher von ihnen einen Nebenerwerb oder gab den Hof auf, um sein Geld in einem Handwerk oder in einer Fabrik zu verdienen.
Dieser Trend wurde von der Regierung mit Sorge beobachtet. Wie sollte eine schrumpfende Landwirtschaft die wachsende Bevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln versorgen?
Man musste also nicht nur finanzielle Anreize bieten, damit die überlebenden Betriebe in dem Maße expandieren konnten, in dem die kleinen Höfe aufgegeben wurden. Es galt auch, für eine sinnvolle Flächenverteilung zu sorgen, die den Einsatz moderner landwirtschaftlicher Maschinen möglich machte. Diesem Zweck diente die Flurbereinigung, die dafür sorgte, dass verstreute kleine Parzellen zu größeren Einheiten zusammengefasst wurden. Gleichzeitig mit dieser Umverteilung der landwirtschaftlichen Flächen wurde auch die Möglichkeit eröffnet, auszusiedeln. Denn vielen Bauern erging es wie uns: Ihre Hofflächen und die Wirtschaftsgebäude waren für einen sinnvollen Maschineneinsatz viel zu klein.
Mein Vater war sogleich Feuer und Flamme für diese neuen Ideen. Endlich würde er seine Vorstellungen verwirklichen und expandieren können. Das Schönste daran war, dass es nicht nur zinsgünstige Darlehen gab, wenn man seinen Traum verwirklichen wollte, sondern auch noch staatliche Zuschüsse.
Von der Planung bis zur Realisierung war es noch ein langer Weg, aber mein Vater verfolgte ihn hartnäckig. Nachdem ihm das entsprechende Land zugewiesen worden war, baute er inmitten seiner Felder, drei Kilometer vom Dorf entfernt, ein neues Wohnhaus, dazu Stallungen, Scheune und Gerätehalle.
Im Sommer 1969 konnten wir endlich von unserem alten Bauernhaus Abschied nehmen. Zunächst tat ich das mit lachenden Augen. Alles, was neu war, übte einen ungeheuren Reiz auf mich aus. Allein der Umzug war aufregend. Tagelang vorher wurde schon alles in Kisten und Kästen verstaut. Am Tage des Umzugs wurde unsere ganze bewegliche Habe auf einen Leiterwagen geladen, der Traktor davor gespannt, und ab ging die Post. Mit uns zogen zehn oder zwölf Kühe um, zwei Sauen, zwei Hunde und drei Katzen.
Außer Vater, Mutter und den vier Kindern war auch Oma Maria dabei. Es war selbstverständlich, dass sie mit uns zog. Denn im Übergabevertrag war festgeschrieben, dass ihr Sohn Paul bis an ihr Lebensende für sie zu sorgen hatte. Das alte Haus wurde an einen Städter verkauft, weil wir das Geld zum Bau des Aussiedlerhofes brauchten. Es war unser Vorteil, dass es damals unter der Stadtbevölkerung als schick galt, in einem Bauernhaus auf dem Land zu leben.
Meine Tante Resi weilte zu dieser Zeit noch in Annweiler, sonst wäre sie ebenfalls mit in das neue Haus gezogen. Da sie unversorgt war, hatte die Großmutter darauf bestanden, dass ihr im Elternhaus ein Wohnrecht auf Lebenszeit eingeräumt wurde, und das bestand auf dem Aussiedlerhof weiter. Dabei war ihre Lungenkrankheit längst auskuriert. Weil es ihr aber in Annweiler so gut gefiel und weil ihr die Luft so gut bekam, arbeitete sie inzwischen in der Küche der Kurklinik.
Erst Ende der Siebzigerjahre nahm sie Abschied von dort und trat in Trier eine Stelle in der Küche des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder an. So konnte sie sich ihre Rente selbst verdienen und musste von ihrem Wohnrecht in meinem Elternhaus nie Gebrauch machen. Ihren Ruhestand verbringt sie schon seit Jahren in Trier im Haus meiner Cousine Julia, in dem auch Julias Mutter, meine Tante Maria, lebt.
Für meine Oma gestaltete sich der Umzug vom alten Bauernhaus in den Aussiedlerhof problematischer, als wir uns vorgestellt hatten. Im alten Haus hatte sie ein winziges Schlafzimmer im ersten Stock bewohnt, in dem sie sich nachts geborgen gefühlt hatte. Der neue Hof aber war komplett ebenerdig gebaut, und die Oma bekam ein geräumiges, sonniges Zimmer. Meine Eltern waren davon überzeugt, dass das eine wesentliche Verbesserung für sie sei, zumal sie mit ihren 69 Jahren nicht mehr die Jüngste war. Oma war mit diesem Zimmer aber ganz und gar nicht zufrieden. Offensichtlich litt sie unter der Phobie, im Erdgeschoss würden dauernd Diebe einsteigen. Jeden Morgen jammerte sie, sie habe aus lauter Angst vor Einbrechern die ganze Nacht kein Auge zugetan. Beim Frühstück mussten wir uns immer ihr Gezeter anhören. Da führte mein Vater eines Morgens ein Grundsatzgespräch mit ihr.
»Aber Oma«, versuchte er sie zu beschwichtigen. »Wo sollte denn hier draußen ein Einbrecher herkommen? Die treiben ihr Unwesen doch lieber in dichter besiedelten Gegenden, wo sie leichter untertauchen können. Und selbst wenn sich einmal einer bis zu uns verirren sollte, so würde er nicht einsteigen. Ein halbwegs intelligenter Einbrecher weiß, dass bei einem Bauern, der gerade einen neuen Hof hingestellt hat, nichts zu holen ist.«
»Ja, Paul, du sagst, ein halbwegs intelligenter. Aber was ist, wenn ein dummer Einbrecher kommt?«
Lachend antwortete ihr Sohn: »Für den Fall haben wir unsere beiden Hunde. Die werden schon so laut bellen, dass wir alle davon wach werden und dass der Dieb sofort die Flucht ergreift.«
»Und wenn er nicht flüchtet?«, kam Omas nächster Einwand.
»Dann werden ihn die Hunde bei der Hose packen und so lange festhalten, bis die Polizei kommt.«
Diese Aussage beruhigte die Großmutter tatsächlich einigermaßen, so dass sie nachts schlafen konnte. Schon im alten Haus hatte sie nicht mehr viel gearbeitet, im neuen aber schaffte sie noch weniger. Sie steckte die Wäsche in die Waschmaschine, sie hängte sie auf und bügelte gelegentlich. Im Übrigen kommandierte sie uns nur herum, und meine Mutter und ich erledigten die Arbeiten.
Auch mein Vater war sehr fleißig. Glücklich über seinen neuen, geräumigen Hof und die moderne Stallanlage – er hatte als Erstes eine Melkmaschine angeschafft, wenn auch noch in einzelne Kannen gemolken wurde – hatte er sich wohl bei der Arbeit übernommen. Denn eines Tages kam er ganz plötzlich ins Krankenhaus: Leistenbruch. Daher musste – wie immer, wenn bei uns im wahrsten Sinne des Wortes Not am Mann war – Mutters Onkel Bernhard, der Einarmige, der ihr Pate und gleichzeitig wichtigster Ratgeber war, bei uns aushelfen, dazu meine Oma Martha. Die half ihrer Tochter auch im Haushalt, wenn die andere Oma kränkelte oder gar Pflege brauchte. Oma Maria litt nämlich unter Problemen mit den Nieren und mit dem Herzen und war auch sonst nicht mehr gesund. Zeitweilig musste sie sogar nach Trier ins Krankenhaus. Wenn sie dann so weit gebessert war, dass sie entlassen werden konnte, blieb sie immer noch einige Tage bei ihrer Tochter Maria. Deren einzige Tochter, meine Cousine Julia, neun Jahre älter als ich, besaß bereits einen PKW- Führerschein. Sie war es, die uns die Oma immer wieder zurückbrachte.
Irgendwann ging es der Oma dann so schlecht, dass sie keine Treppen mehr steigen konnte. Von da an wusste sie es zu schätzen, dass bei uns alles ebenerdig war. Nachdem sie drei Jahre auf dem Aussiedlerhof gelebt hatte, starb sie im Alter von 72 Jahren an ihrem dritten Herzinfarkt.
Wie bereits erwähnt, war ich voller Begeisterung in den Aussiedlerhof umgezogen. Diese legte sich aber sehr schnell, als ich die Nachteile zu spüren bekam. Mein Schulweg, für den ich zuvor keine fünf Minuten gebraucht hatte, war nun über drei Kilometer lang und dauerte fast eine dreiviertel Stunde. Mit meinem Bruder Gerald musste ich bei Wind und Wetter über eine ziemlich stark befahrene Straße gehen. Das Schlimmste aber war, dass ich völlig den Kontakt zu meinen Freundinnen verlor. Der Weg ins Dorf war zu weit, als dass ich am Nachmittag mal schnell hätte hinüberlaufen können. Und zu uns heraus kam erst recht niemand. Selbst wenn eine von ihnen mich hätte besuchen wollen, hätten deren Eltern nicht erlaubt, dass sie einen so weiten und gefährlichen Weg allein zurücklegte.
Nach einem Jahr besserte sich unsere Lage insofern, als ein Schulbus eingeführt wurde. Er holte uns morgens ab und brachte uns nach Schulschluss wieder heim. Aber bald stand schon wieder eine Änderung bevor. Durch die Schulreform Ende der Sechzigerjahre wurde die gute alte Volksschule in Grund- und Hauptschule aufgeteilt. Häufig beließ man nun nur noch die Grundschulen in den Dörfern und legte die Hauptschulen an zentralen Standorten zusammen. Für uns bedeutete das, dass wir nach Trier fahren mussten.
Wenn ich müde und abgekämpft von dort nach Hause kam, blieb mir kaum Zeit, hastig mein Mittagessen zu verschlingen, denn dann ging es sofort aufs Feld, entweder zum Rübenhacken, zur Heumahd oder zur Kartoffelernte.
Anfang der Siebzigerjahre war mein Vater schon so fortschrittlich, dass er einen Ladewagen fürs Heu hatte, d.h., das Heu wurde selbsttätig aufgeladen, aber es wurde noch nicht zusammengepresst. Vierkantballen, wie man sie später hatte, oder gar Rundballen, wie man sie heute kennt, gab es noch nicht. Bei unserem Wagen lag das Heu nur locker auf. So wurde es in die Tenne gefahren und automatisch abgeladen. Wir Kinder, also Gerald und ich, mussten es dann zu einer großen Röhre schaffen, durch die es auf den Heuboden geblasen wurde. Als ich etwas älter war, musste ich oben auf dem Heuboden stehen und das ankommende Heu verteilen. Denn das Gerät blies das Heu nur zu einem großen Haufen zusammen. Dabei hat es so gestaubt, dass man fast nichts mehr gesehen und kaum noch Luft gekriegt hat. Hinzu kamen Temperaturen von dreißig Grad und mehr, so dass man fürchterlich geschwitzt hat und der Staub am ganzen Körper kleben geblieben ist.
Diese Arbeit mussten eigenartigerweise nur mein Bruder Gerald und ich verrichten. Als die beiden anderen in das Alter kamen, in dem wir beide schon längst hatten zupacken müssen, wurden sie geschont. Sie blieben die »Kleinen« und brauchten nicht zu arbeiten.
Wann immer meine Mutter gesundheitlich angeschlagen war, was häufig vorkam, musste ich morgens vor der Schule auch noch die Kühe melken, 20 bis 25 an der Zahl. Das Melken erledigte zwar die Melkmaschine, aber mir blieb die Aufgabe, die schweren Kannen, deren jede etwa 25 Kilo wog, in die Kühlkammer zu schleppen. Zu dieser Zeit besuchte ich bereits die Hauptschule in Trier, und mein Bus fuhr schon kurz nach sieben los. Deshalb musste ich um 5.15 Uhr aufstehen, damit mir nach dem Melken noch Zeit zum Duschen blieb. Und frühstücken musste ich schließlich auch noch.
Meine Mutter hat es sich dann bequem gemacht. Als sie wieder gesund war und sah, dass es bei mir so gut lief, hat sie gar nicht mehr den Versuch unternommen, in den Stall zu gehen, höchstens in Ausnahmefällen. Selbst das abendliche Melken hat sie mir überlassen. Aber unser Gerald, ein ganz lieber Kerl, hat mir am Abend freiwillig geholfen. Im Winter hat der Vater auch im Stall mitgearbeitet, aber die Hauptlast lag von meinem zwölften Lebensjahr an in meinen Händen. Schon vom neunten Lebensjahr an hatte ich die Kälber füttern und mich um die Schweine kümmern müssen.
Der Vater hatte in seinem neuen Betrieb nicht nur den Rinderbestand erhöht, sondern auch den Bestand an Schweinen. Sein Motto war: Es ist krisensicherer, wenn man mehrere Standbeine hat. Von zwei Zuchtsauen hatte er auf zehn aufgestockt, womit mein Arbeitspensum erheblich gewachsen war. Ich musste den Schweinen ja nicht nur Futter geben, ihre Koben ausmisten und einstreuen, ich musste mich vor allem auch um sie kümmern, wenn sie ferkelten. Dann musste ich beobachten, ob die Sau ihre Ferkel auch annahm. Es gab nämlich Säue, die hinderten ihren Nachwuchs am Saugen oder sie bissen ihn sogar tot. Auch war es wichtig, sofort nachzuzählen, wie viel Junge eine Sau hatte. Wenn es zehn bis zwölf waren, gab es in der Regel kein Problem. War aber mal ein dreizehntes dabei, musste ich die Kleinen beim Saugen immer wieder umsetzen, damit jedes zum Zuge kam, denn eine Sau hat nur zwölf Zitzen. Wenn das mit dem Umsetzen nicht so klappte und ich merkte, dass eines zu wenig Milch bekam, weil es von seinen Geschwistern weggedrängt wurde, fütterte ich es auch schon mal mit der Flasche.
Hühner hatten wir eigenartigerweise nie, weder auf dem alten noch auf dem neuen Hof. Was wir an Eiern brauchten, kauften wir bei anderen Bauern.
Es gab noch eine weitere Aufgabe, die ich frühzeitig wahrnehmen und schon bald ganz allein übernehmen musste. Damit sie einen kleinen Nebenverdienst hatten, hatten meine Eltern bereits, als sie noch auf dem Hof im Dorf wohnten, für die Aachen-Münchener-Versicherung eine Agentur übernommen. Selbst zu Beginn der Siebzigerjahre war es noch nicht üblich, dass die Bauern die monatlichen Beiträge überwiesen. Diese wurden von meinem Vater immer in bar kassiert. Als ich dreizehn war, nahm er mich zum ersten Mal mit auf diese Tour. Das empfand ich als Auszeichnung. Außerdem war es für mich äußerst interessant, in alle möglichen Häuser zu kommen. In diesem Alter war ich auch schon empfänglich für Komplimente, die man meinem Vater bzw. mir machte, wenn er mich stolz als seine Tochter vorstellte. »Was? So eine hübsche Tochter hast du?« oder »Donnerwetter, deine kleine Tochter hat sich ja zur schönen Helena entwickelt.«
Es dauerte einige Monate, bis ich endlich merkte, dass mich mein Vater nicht ohne Hintergedanken auf seine Kassiertour mitnahm. Zum einen sollte ich von ihm lernen, wie und wo man die Beiträge notierte und die Quittungen ausstellte, zum zweiten sollte ich wissen, in welche Häuser ich in Zukunft zu gehen hatte, und zum dritten sollten die Leute mich kennenlernen, damit sie wussten, dass ich zum Kassieren berechtigt war.
Als wir zum zweiten Mal unsere Runde drehten, ließ er mich schon den Schreibkram machen, worauf ich sehr stolz war. Im dritten Monat teilten wir uns die Aufgabe. Er übernahm die eine Hälfte der Höfe, mir überließ er die andere. »So sind wir viel schneller fertig«, war seine Erklärung. Auch das erfüllte mich mit Stolz. Es war schön, dass er so viel Vertrauen zu mir hatte. Wieder einen Monat später hatte er plötzlich keine Zeit, um die fälligen Beiträge einzutreiben, und bat mich, das diesmal ganz allein zu machen. Zu dieser Zeit war ich immer noch stolz und roch den Braten nicht.
Erst als ich in den folgenden Monaten immer allein losgeschickt wurde, merkte ich, wie der Hase lief. Da war es bereits zu spät, um mich dagegen aufzulehnen. Wenn ich es mir genau überlege – ich hätte von Anfang an keine Chance gehabt, mich dagegen zu stellen. Als ich endlich dahinterkam, wie geschickt mein Vater mich in diese Aufgabe hineinmanövriert hatte, bewunderte ich ihn sogar. Diese Methode war mir auf jeden Fall lieber, als wenn es einfach geheißen hätte: »Ab sofort übernimmst du das.«
Das Unangenehme an dieser Aufgabe war, dass sie mich viel Zeit kostete und dass ich alle Wege zu Fuß machen musste. Zwar gab es auf unserem Hof ein Fahrrad, aber zum Beiträgekassieren durfte ich es nicht benutzen. Meine Schwester dagegen durfte schon mit dem Rad zu ihren Freundinnen ins Dorf fahren.
Mit der Zeit aber wusste ich diesem Posten auch angenehme Seiten abzugewinnen. Ich teilte mir meinen Rundgang so ein, dass ich am Schluss bei meiner Patentante Helene, der Schwester meiner Mutter, aufkreuzte. Auch sie war bei der Aachen-Münchener versichert, und auch bei ihr musste ich den Beitrag kassieren.
Anschließend brachte mich ihr Mann, mein Onkel Klaus, immer mit dem Auto nach Hause, so dass ich pünktlich zum Melken daheim war.
Dieser Job blieb mir so lange erhalten, bis auch der letzte Bauer auf die Idee gekommen war, seinen Beitrag per Bank direkt an die Versicherung zu überweisen.
Mein letztes Hauptschuljahr habe ich in besonders guter Erinnerung. Da hatten wir einmal in der Woche Kochunterricht. Und das, was ich in der Schule gelernt hatte, durfte ich zu Hause ausprobieren. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht, obwohl es eine große Umstellung für mich bedeutete. In der Schule hatten wir nämlich Elektroherde, bei denen es lange dauerte, bis etwas anfing zu kochen. Dafür heizten sie nach dem Abschalten lange nach. Daheim hatten wir einen Gasherd, wo alles schnell zum Kochen kam, so dass mir auch mal etwas überkochte oder anbrannte. Wenn ich den Herd in Panik ausschaltete, hörte es sofort auf zu kochen. Aber nach einiger Zeit hatte ich auch das im Griff.
Da sich durch die Schulreform Ende der Sechzigerjahre auch die Schulbesuchspflicht von acht auf neun Jahre verlängert hatte, war ich schon fünfzehn, als ich entlassen wurde. Im letzten Schuljahr stellte sich die Frage nach einer Berufsausbildung. Denn auch das hatte sich mittlerweile geändert. Hatte es bei Mädchen wenige Jahre vorher noch geheißen: »Was brauchst du einen Beruf? Du heiratest ja doch«, war man inzwischen der Meinung: »Auch ein Mädchen muss einen Beruf erlernen, man weiß ja nicht, was kommt.«
Meine Eltern hatten mir bereits verschiedene Vorschläge gemacht. Aber nichts davon hatte mich spontan angesprochen. »Am liebsten möchte ich Landwirtin werden«, erklärte ich meinem Vater schließlich.
»Das kannst du dir gleich aus dem Kopf schlagen!«, war seine spontane Reaktion. »Den Hof wird der Gerald übernehmen. Und sollte der partout nicht wollen, haben wir immer noch den Horst.« Das zeigte mir, dass er es mit der Gleichberechtigung doch noch nicht so ernst nahm.
»Es gibt doch genug Bauernsöhne, die eine Frau brauchen«, war mein nächstes Argument.
»Das stimmt«, gab mein Vater mir recht. »Falls du also darauf aus bist, dir einen solchen zu angeln, wäre es vernünftig, Hauswirtschaft zu lernen.«
Nein, dachte ich, Hauswirtschaft ist nicht mein Ding. Das sagte ich aber nicht. Es war ja noch fast ein ganzes Jahr hin bis zu meiner Schulentlassung.
Einige Wochen nachdem ich dieses Gespräch mit meinem Vater geführt hatte, erschienen zwei Mitarbeiter des Arbeitsamts zur Berufsberatung in unserer Klasse, eine Dame und ein Herr. Der Mann begab sich mit den Jungen in einen anderen Raum, während die Frau mit uns Mädchen in unserem Klassenzimmer blieb. Sie begann mit einem allgemeinen Blabla über die Notwendigkeit und den Reiz, einen Beruf auszuüben, und stellte uns eine ganze Palette von Frauenberufen vor. Da - nach ging es in die Einzelberatung. Als ich an die Reihe kam, fragte sie mich, ob ich mir schon Gedanken gemacht habe und was mir vorschwebe.
»Ich möchte Landwirtschaft lernen«, platzte ich heraus.
»Aha, ihr habt also einen eigenen Betrieb?«
»Ja, schon, aber den soll mein Bruder übernehmen.«
»Dann ist es doch nicht sehr sinnvoll, wenn du Landwirtschaft lernst«, gab sie zu bedenken. »Du willst doch sicher nicht als Magd bei deinem Bruder bleiben?«
»Bestimmt nicht! Aber ich könnte doch irgendwo einheiraten.«
Sie lachte. Ernst werdend fuhr sie fort: »Das wäre in der Tat eine Möglichkeit. Heiratswillige Jungbauern gibt es genug, und die Mädchen, die in eine Landwirtschaft einheiraten wollen, werden immer weniger. Aber wenn du diesen Weg anstrebst, wäre es das Vernünftigste, du machst eine hauswirtschaftliche Ausbildung.«
»Das meint mein Vater auch. Aber das liegt mir nicht. Ich möchte mit Feldern und Tieren zu tun haben.«
»Als Frau eines Bauern wird es gar nicht ausbleiben, dass du da mithelfen musst.«
»Das schon, aber das genügt mir nicht. Da ich seit früher Kindheit in der Landwirtschaft mitarbeiten musste, möchte ich auch die Theorie dazu lernen.«
»Eine solche Ausbildung ist gar nicht so einfach, wie du dir das vorstellst«, versuchte sie mich abzuschrecken. »Da sitzt du nicht nur im Klassenzimmer über Büchern und Heften, da geht es auch hinaus in die Betriebe. Dort wirst du nicht nur mit Tieren und der Feldarbeit konfrontiert, da musst du dich auch mit Düngemitteln und Futtermitteln herumschlagen und mit technischem Kram wie Feilen, Schleifen, Bohren und Sägen. Da nimmt niemand Rücksicht darauf, dass du ein Mädchen bist.«
»Das schreckt mich nicht ab. Im Gegenteil, ich möchte mir genau die Kenntnisse und Fertigkeiten aneignen wie ein Mann.«
»Wahrscheinlich hast du nicht die Kraft dazu. Du wirst weder schwere Säcke noch Metallteile heben können.«
»Im Ernstfall hätte ich ja einen Ehemann, der mir dabei helfen könnte.«
Die Beamtin lachte erneut: »Im Idealfall wäre das so. Ich sehe jedoch andere Probleme auf dich zukommen. Meiner Meinung nach kann das nicht gut gehen, wenn beide Ehepartner ausgebildete Landwirte sind. Im Betrieb kann nur einer das Sagen haben. Und das war bisher der Mann, selbst wenn er eingeheiratet hatte. Er wird sich von seiner Frau das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen.«
»Das braucht er auch gar nicht. Wenn beide die gleiche Ausbildung durchlaufen haben, können sie doch als gleichberechtigte Partner Hand in Hand arbeiten und dadurch viel erfolgreicher sein.«
»Kindchen, Kindchen«, lächelte die Berufsberatungstante herablassend. »Das wäre zu schön, um wahr zu sein. Sicher, theoretisch existiert die Gleichberechtigung seit fast 17 Jahren, aber in der Praxis sieht das ganz anders aus. Glaube mir, es wäre vertane Zeit, wenn du diese berufliche Ausbildung wählst. Du würdest später überall anecken und todunglücklich sein. Du musst dich ja jetzt nicht gleich entscheiden. Weil viele junge Menschen unsicher sind, hat man vernünftigerweise die Berufspraktika eingeführt. Sie können eine wertvolle Entscheidungshilfe sein. Mein Rat: Wähle dir einen Praktikumsplatz im sozialen Bereich, vielleicht in einem Krankenhaus oder in einem Kindergarten. Möglicherweise gefällt dir die Arbeit dort so gut, dass du anschließend eine entsprechende Ausbildung machen willst.«
Dieser Rat war gar nicht so schlecht. Sicher war es vernünftig, seine Nase erst mal in einen anderen Betrieb zu stecken, um zu sehen, wie es dort läuft. Denn außer Land- und Hauswirtschaft kannte ich ja nichts.
»Also Kindergarten interessiert mich überhaupt nicht«, verkündete ich im Brustton der Überzeugung. Mit Schrecken gedachte ich der Zeit, in der ich meine Geschwister immer hinter mir hatte herschleifen müssen. »Dann schon eher Krankenpflege.«
Also machte ich ein zweiwöchiges Praktikum im Elisabeth-Krankenhaus zu Trier. Doch schon während dieser kurzen Zeit merkte ich: Krankenpflege ist nicht mein Ding.
Auch ein Büroleben sagte mir nicht zu oder der Beruf der Verkäuferin. Das waren weitere Vorschläge meiner Eltern, nachdem ich mich vehement gegen Krankenpflege entschieden hatte.
»Nein«, sagte ich, »das ist alles nichts für mich, ich bleibe bei der Landwirtschaft.«
Natürlich hatte ich mir ausgemalt, dass ich die praktische Ausbildung in einem Fremdbetrieb machen würde oder zumindest ein oder zwei Jahre davon. Doch das lehnte mein Vater kategorisch ab, da gab es keine Diskussion. »Wenn du dir diesen Beruf schon in den Kopf gesetzt hast, dann machst du die Ausbildung selbstverständlich auf unserem Hof. Er wird nach den neuesten Erkenntnissen geführt und ist mit modernsten Maschinen ausgestattet. Da lernst du alles, was erforderlich ist. Ich halte nämlich nichts davon, dass du in der Weltgeschichte herumfliegst.«
Was sollte ich machen? Ich musste mich fügen. Es wurde also ein richtiger Ausbildungsvertrag aufgesetzt, den mein Vater zweimal unterschrieb, einmal als mein Lehrherr und einmal als mein gesetzlicher Vertreter.
Die theoretische Ausbildung sollte in der landwirtschaftlichen Berufsschule Trier erfolgen, die sich an - fangs in der Paulinstraße befand, unweit des Krankenhauses, in dem ich fünfzehn Jahre zuvor das Licht der Welt erblickt hatte. Der Unterricht sollte drei Blöcke von jeweils sechs Wochen im Jahr umfassen, nur der letzte Block im dritten Lehrjahr war auf drei Monate angesetzt.
Am ersten Schultag war ich natürlich sehr aufgeregt. Ich hatte ja keine Ahnung, was auf mich zukommen würde. Mit anderen Schülern, die sich anscheinend ebenso unsicher fühlten wie ich, landete ich schließlich im richtigen Klassenzimmer. Einige kannten sich wohl schon und setzten sich spontan nebeneinander. Die Übrigen sahen zu, dass sie auch ganz schnell einen Platz fanden. Nun wurde es mir doch etwas mulmig zumute. Ich war in eine reine Jungenklasse geraten. Zwanzig Mitschüler zählte ich, und ich war das einzige Mädchen. Die jungen Herren sagten zwar nichts zu mir, aber an ihren Blicken merkte ich, dass sie glaubten, ich hätte mich verirrt. Die beiden einzigen Plätze, die noch frei waren, befanden sich in der ersten Bank, direkt vorm Lehrerpult.
Gerade als ich mich auf einem der beiden Stühle niedergelassen hatte, schlurfte auch schon der Lehrer herein, und wir erhoben uns von unseren Sitzen. Er war ein richtiger Tattergreis mit grauem, schütterem Haar und einer dicken Warze am rechten Nasenflügel. Er begrüßte uns freundlich und bedeutete uns, wieder Platz zu nehmen. Er selbst ließ sich auf seinen Stuhl fallen und begann mit monotoner Stimme seinen Text herunterzuleiern. Verwundert nahm ich zur Kenntnis, dass er keine Notiz von mir nahm. Überhaupt schien er gar nicht zu bemerken, dass Schüler vor ihm saßen. Für ihn waren wir augenscheinlich nur eine graue Masse, vor der er seine Zeit abzusitzen hatte.
Nach zwei Stunden kam das erlösende Klingelzeichen: große Pause. Die Jungen stürmten hinaus und stellten sich auf dem Hof zu kleinen Gruppen zusammen. Was sollte ich als einziges Mädchen tun? Ja, das hatte ich bei meiner Berufswahl nicht bedacht, dass ich hier so isoliert sein würde.
Auf einmal füllte sich der Schulhof mit Leben. Wie eine Gänseschar quollen lauter Mädchen aus der Schultür heraus, lauter Mädchen mit weißen Schürzen, unschwer als Schülerinnen der Hauswirtschaftsabteilung zu erkennen. Gleich gesellte ich mich zu ihnen. Neugieriges Fragen auf beiden Seiten. Aber damit hatte es sich auch schon. Mit mir, dem »Fremdkörper«, schienen sie nichts weiter zu tun haben zu wollen. Für mich war es wie eine Erlösung, als die Schulglocke endlich das Ende der Pause ankündigte.
Kaum aber saß ich wieder in meiner »Armensünderbank«, wurde die Klassenzimmertür erneut aufgerissen. Herein stürmte eine weibliche Person. Heute würde ich sagen, sie war höchstens Anfang vierzig, aber damals kam sie mir uralt vor, weil sie völlig unmodern gekleidet war. Sie trug einen engen, grauen Rock, der ihr aber viel zu weit war und bis über die Waden hinunterreichte, dazu eine cremefarbene Bluse mit einer unordentlich gebundenen Schleife am Hals. Die muss eine Anleihe im Kleiderschrank ihrer Großmutter gemacht haben, dachte ich. Sie hatte zwar einen Kurzhaarschnitt, aber auch der wirkte altbacken. Mit einem Blick zum Lehrerpult rief sie: »Entschuldigen Sie bitte, Herr Kollege, hier liegt ein Irrtum vor.«
Dann steuerte sie geradewegs auf mich zu, fasste mich am Handgelenk und zerrte mich aus der Klasse. »Du hast dich sicher verlaufen«, belehrte sie mich auf dem Gang. »Du gehörst in meine Klasse. Du lernst doch Hauswirtschaft.«
»Nein«, protestierte ich. »Ich habe mich nicht verlaufen. Ich mache Landwirtschaft.«
»Das ist doch Unsinn! Du bist ein Mädchen. Du kannst doch keine Landwirtschaft machen.«
»Warum soll ich das nicht können? Wenn es mir doch Spaß macht.«
»Weil das kein Beruf für Mädchen ist«, versuchte sie es nun in Güte. »Guck mal, für Frauen sind andere Aufgaben vorgesehen. Landwirtschaft ist doch viel zu schwer für dich.«
»Wieso? Seit meinem neunten Lebensjahr arbeite ich auf unserem Hof. Warum soll das auf einmal für mich zu schwer sein?«
»Ja, du meinst vielleicht, wenn du den Hühnern ein paar Körner hinstreust, dann wäre das schon landwirtschaftliche Arbeit. Du würdest dich wundern, wenn du wüsstest, was da alles auf dich zukommt!«
»Erstens haben wir gar keine Hühner und zweitens würde ich mich nicht wundern, denn ich weiß genau, was auf mich zukommt.«
Es gingen noch ein paar Sätze hin und her, dann fasste sie mich mütterlich bei der Hand und zog mich mit sanfter Gewalt in ihre Klasse. Da saß ich nun zwischen all den anderen Mädchen und ließ den Stoff, den sie vortrug, an mir vorbeirauschen. Im Stillen dachte ich: Morgen werde ich dir beweisen, dass ich in der landwirtschaftlichen Klasse am richtigen Ort bin.
Am anderen Tag, noch vor acht Uhr, legte ich ihr meinen Ausbildungsvertrag vor. Jetzt sah sie schwarz auf weiß, dass ich bei den angehenden Landwirten in der richtigen Klasse war. Sie schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen und murmelte: »Ich verstehe die Welt nicht mehr!« Dann ließ sie mich kopfschüttelnd ziehen. Triumphierend kehrte ich in meine rechtmäßige Klasse zurück.
Man hätte annehmen können, dass ich als einziges Mädchen in der Klasse »die Henne im Korb« gewesen wäre. Aber weit gefehlt. Meine Mitschüler, die aus verschiedenen Eifeldörfern und aus dem Hunsrück kamen, alle fünfzehn oder sechzehn Jahre alt, waren noch richtige »Bübchen« und interessierten sich nicht für Mädchen. Auf dem Schulhof hatten sie nichts anderes im Kopf, als sich zu balgen oder mit leeren Cola-Dosen Fußball zu spielen. Wollte ich irgendwie mit ihnen zu einer Gemeinschaft finden, blieb mir nichts anderes übrig, als mich kumpelhaft zu geben. Doch dazu war während des Blockunterrichts so gut wie keine Gelegenheit. In den Pausen waren die Jungs so in ihre albernen Spiele vertieft, dass ich keine Möglichkeit sah, mich anzubiedern. Im Unterricht dagegen schaute man aufmerksam nach vorne, weil man – im Gegensatz zur Hauptschule – möglichst viel lernen wollte. Aber schon bald merkte jeder von uns, dass unser alter Lehrer von der Landwirtschaft weniger Ahnung hatte als irgendeiner von uns. Mit der Zeit erfuhr ich, dass die einen hier waren, weil sie den väterlichen Hof übernehmen wollten, oder dass sie als Betriebshelfer arbeiten wollten.
Nach einem Jahr wurde unser Tattergreis zum Glück von einem jungen, kompetenten Lehrer abgelöst, sonst hätte ich schwarz gesehen für unsere Prüfung. Ihm gelang es in kurzer Zeit, uns das beizubringen, was der erste versäumt hatte.
Bei den Hauswirtschaftsmädchen versuchte ich es nie wieder, mich anzubiedern – nach der schlechten Erfahrung, die ich an meinem ersten Schultag gemacht hatte. Eines Tages, als ich wieder einmal als »Mauerblümchen« in der Ecke stand und darauf wartete, dass die Pause zu Ende gehe, sprach mich doch tatsächlich einer meiner Mitschüler an: »Warum stehst du immer so allein herum?«
»Gute Frage, du siehst doch, dass unsere Mitschüler Wichtigeres zu tun haben.«
»Ja, weil sie rechte Kindsköpfe sind. An Mädchen haben sie anscheinend noch kein Interesse.«
Von diesem Tag an stand ich in den Pausen nicht mehr allein herum. Kaum ging es auf den Hof, war Peter Clemens an meiner Seite. Er sei bereits siebzehn, erzählte er mir – er war wohl schon etwas reifer als die anderen –, und stamme von einem Bauernhof bei Hermeskeil, den er einmal übernehmen sollte. Nicht uninteressant, dachte ich. So kam ich an meinen ersten Freund. Dass nichts Ernsthaftes daraus wurde, lag daran, dass wir keinerlei Möglichkeit hatten, uns außerhalb der Schulzeit zu treffen. Gleich nach Unterrichtsschluss hasteten wir alle zum Pferdemarkt, von wo aus die Busse in alle Himmelsrichtungen fuhren. Nachdem wir uns drei Wochen kannten, war der Blockunterricht vorbei, und man sah sich für viele Wochen nicht mehr. Dass er mich zwischendurch einmal besucht hätte, scheiterte an der großen Entfernung und daran, dass er mit siebzehn noch keinen Führerschein besaß. Verständlicherweise fieberte ich dem nächsten Blockunterricht entgegen, und auch Peter schien sehr erfreut, mich wiederzusehen.
Im Rahmen der landwirtschaftlichen Ausbildung musste man in jedem Schuljahr vier Wochen lang an einer überbetrieblichen Ausbildungsmaßnahme teilnehmen. Darauf freuten Peter und ich uns sehr, weil wir endlich Gelegenheit haben würden, länger beisammen zu sein.
Für diese Ausbildung gab es in Rheinland-Pfalz an verschiedenen Orten die sogenannten Deula-Schulen. Eine davon befand sich in Alzey, eine in Bad Kreuznach, eine in Neumühle bei Münchwald und eine in Emmelshausen. Während es in der einen Schule um Ackerbau ging und in der anderen um Tierzucht, wurden in der dritten Kenntnisse über Maschinenbau und Fertigkeiten zur Reparatur von Landmaschinen vermittelt.
So musste ich z.B. einen verstellbaren Winkel selbst feilen. Mit einem Trennschneider, einer sogenannten Flex, musste ich ein Metallstück abschneiden. Dann musste ich es zurechtfeilen, bohren und ein Gewinde schneiden. Die technische Ausbildung ist enorm wichtig, damit sich der Landwirt bei kleinen Reparaturen selbst helfen kann. Man kann ja nicht für jede Kleinigkeit einen Handwerker rufen und darf oft auch keine Zeit verlieren. Wenn bei optimalem Erntewetter der Heuwender oder der Mähdrescher für Stunden oder gar Tage ausfällt, ist das für den Betrieb eine Katastrophe.
Deshalb ist es wichtig, dass sich der Landwirt zu helfen weiß. Meist sind es ja nur ein paar Handgriffe, die das Gerät wieder flottmachen. Für größere Schäden muss man selbstverständlich einen Fachmann kommen lassen. Aber während der Ausbildung lernt man auch, einen Schaden richtig einzuschätzen.
Ein Mädchen ist bei dieser Ausbildung noch mehr gefordert als ein Junge. Erstens haben viele Jungens von vorneherein mehr Interesse an technischen Dingen, und zweitens wird ein Mädchen sowohl vom Ausbilder als auch von den Mitschülern wesentlich kritischer beobachtet. Da muss man sich ganz schön ins Zeug legen, damit das entstandene Werk bestehen kann.
Dafür haben wir Frauen auf anderen Gebieten Vorteile, z.B. wenn es um emotionale Dinge geht. So hatte ich ein unheimlich gutes Gespür, wenn es um Tiere ging. Mit einem Blick konnte ich erfassen, ob eine Kuh, ein Kälbchen oder ein Schwein krank war. Auf diesem Gebiet taten sich die Herren der Schöpfung wesentlich schwerer, und ich weiß nicht, ob sich so etwas überhaupt so einfach erlernen lässt wie Schleifen oder Feilen oder Bohren.
Abgesehen davon, dass diese Schulen ausgezeichnet waren und wichtige Dinge fürs Leben vermittelten, hatten sie den Vorteil, dass man für vier Wochen von zu Hause wegkam. Darüber hinaus entwickelte sich in dieser Zeit auch endlich so etwas wie Kameradschaft innerhalb der Klassengemeinschaft und es ergaben sich Kontakte zu anderen jungen Menschen aus verschiedenen Regionen. Einige davon hielten jahrelang.
Meine erste Ausbildung dieser Art fing schon sehr kommod an. Locker und gutgelaunt bestiegen alle Schüler meiner Klasse in Trier den Bus wie zu einem Ausflug. Plaudernd und singend fuhren wir durch den Hunsrück und landeten in Alzey. Bei unserer Ankunft auf dem Hof der dortigen Deula-Schule herrschte ein Gewimmel wie in einem Ameisenhaufen: lauter unternehmungslustige angehende Landwirte, ausgespuckt von einer Anzahl von Bussen, die aus den verschiedensten Himmelsrichtungen gekommen waren.
Zu meiner Freude entdeckte ich bald zwei weitere Mädchen, die mit ebenso erstaunten Augen wie ich schüchtern zwischen den vielen Jungen standen. Dann tauchte der Direktor auf. Mit seiner kräftigen Stimme brachte er bald Ordnung in das Chaos. Die männlichen Schüler mussten sich zwei und zwei zu einer langen Schlange aufstellen und wurden in das der Schule angeschlossene Internat geführt.
Was aber sollte mit drei versprengten Mädchen geschehen? Wie verloren standen wir in dem Haufen. Es ging ja nicht an, dass wir ebenfalls im Internat Wohnung nahmen. Die Gefahr für »Anstand und Sitte« wäre zu groß gewesen. Wir konnten aber unbesorgt sein, wie sich bald herausstellte. Im Vorfeld hatte man bereits für eine optimale Lösung gesorgt.
