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Welche Wege gibt es, mit demenziell erkrankten Menschen in Kontakt zu kommen? Wie lassen sich Brücken bauen, wenn Kommunikation nicht mehr selbstverständlich gelingt? Hier setzt der Assoziative Dialog P.E. an. Er unterstützt Menschen dabei, sich in der Begegnung sprachlich zu verbinden. Petra Endres zeigt in vielen Praxisbeispielen, wie Pflege- und Betreuungskräfte ihre Kommunikationsfähigkeit mit dieser Methode erweitern. Nutzen auch Sie die Fähigkeit der Menschen zur Assoziation, denn Sie unterstützen Menschen mit Demenz darin, Worte für ihr Erleben zu finden, entschärfen kritische Situationen und erhöhen das eigene Wohlbefinden im Arbeitsalltag.
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Seitenzahl: 221
Veröffentlichungsjahr: 2018
Petra Endres
Nach Worten fischen
Demenz – Kommunikation – Assoziativer Dialog P. E.
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© VINCENTZ NETWORK, Hannover 2018
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E-Book-Herstellung und Auslieferung: readbox publishing, Dortmund, www.readbox.net
Bilder Titelseite und auf S. 103: Antonie Dambier
Icons auf S. 18 f., Adobe Stock, Topuria Design
Icons auf S. 122, 123, Adobe Stock, Fiedels
Bild auf S. 122, Wikimedia Commons, MH-Kinaesthetics (Maietta-Hatch-Kinaesthetics; http://kinaesthe-tics.com)
ISBN 978-3-86630-576-2
Petra Endres
Nach Worten fischen
Demenz – Kommunikation – Assoziativer Dialog P.E.
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Buch-Code: AH1060
Inhalt
Einleitung
1 Der Weg zum Sprachmodell
2 Das Sprachmodell - 3 DKom®
2.1 Die 3 Dimensionen der Kommunikation
2.2 Die Bedeutung von Bewertung
3 Nach Worten fischen - Fallbeispiele
4 Einführung in den Assoziativen Dialog
4.1 Schnittstelle Sprache
4.2 Schnittstelle Assoziationsfähigkeit
4.3 Schnittstelle: Erleben
4.4 Schnittstelle: Stärken/ Ressourcen
5 Anfänge und Grundlagen des Assoziativen Dialogs
6 Basiselemente des Assoziativen Dialogs
6.1 Beobachtung und Bewertung
6.2 Assoziationsfähigkeit
6.3 Das Wort - Sprachbilder kreieren
7 Zugangsmöglichkeiten
7.1 Wahrnehmung und Sprache
7.2 Sprachbilder
7.3 Die Haltung in der Begegnung
8 Den eigenen Einstieg wählen
Autorin
2Das Sprachmodell – 3 DKom®
Wenn wir mit Menschen, die unsere Sprache sprechen, in Kontakt gehen, was nutzen wir dann?
Unsere Sprache ist das Mittel der Wahl, um in Kontakt zu gehen, Informationen weiterzugeben usw. Wir sprechen miteinander – ein Leben lang, der eine mehr, der andere weniger. Wenn wir mit Menschen in Kontakt treten wollen, die eine andere Sprache sprechen, was geschieht dann?
Wir sind erst unsicher, suchen neue Wege, uns verständlich zu machen, wir beobachten, wir lächeln und versuchen, Handzeichen zu geben und Vieles mehr. Je nachdem, wie wohlgesonnen mir der andere erscheint, desto leichter fällt es mir, mich auf ihn und andere Ausdrucksmöglichkeiten einzulassen, desto „verrücktere“ Möglichkeiten etwas verknüpfend zu erklären, fallen mir ein. Ist mir das Gegenüber wohlgesonnen, macht es uns auch Spaß.
Doch wie sprechen wir eigentlich miteinander? Was hat Einfluss auf das Gespräch? Das Sprachmodell 3DKom® mit den 3 Dimensionen der Kommunikation bietet das Fundament, wodurch es uns leichter fällt, die Veränderung bei Menschen mit Demenz einzuordnen und entsprechend ihrer Fähigkeiten auf sie einzugehen. Demenziell veränderte Menschen verlernen nicht alles, manches kehrt zum Ursprung der Gaben, die jeder Mensch mit auf die Welt bringt, zurück, manches verlagert sich und manches hat keine Bedeutung mehr.
2.1Die 3 Dimensionen der Kommunikation
Die 3 Dimensionen sind: der Mensch – die 3 Ebenen der Kommunikation – die Zeit. Alle drei haben immer Einfluss auf die Art und Weise, wie die Kommunikation zwischen uns Menschen läuft!
Dimension 1: Der Mensch
Jeder Mensch ist von individuellen Erfahrungen, der eigenen Biografie und seiner Kultur geprägt worden. Diese Prägung ermöglicht die eigene Art der Wahrnehmung und die daraus folgende Bewertung.
Sie kennen das zum Beispiel bei Namen. Sie hören einen Namen und verknüpfen ihn gleich mit gemachten Erfahrungen bei einer Person, die den gleichen Namen trägt. Die Verknüpfung bewirkt also etwas. Hinzu kommt, dass wir je nachdem, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken, bestimmte Dinge mehr oder weniger wahrnehmen. Zum Beispiel: Wollen wir ein neues Auto kaufen und haben uns entschlossen, dieses oder jenes zu nehmen, befinden sich plötzlich, wie von Zauberhand geführt, lauter solche Wagen im Verkehr. Unsere Wahrnehmung und unsere Biografie prägen und formen uns und haben Einfluss, wie wir reagieren und uns im Gespräch verhalten.
Jeder Mensch hat seine eigene Art etwas wahrzunehmen, auszudrücken, zu formulieren und zu bewerten – er kreiert so seine individuelle Wirklichkeit!
Das Grundbedürfnis eines jeden Menschen ist es, in seiner Gesamtheit und im Gespräch in der eigenen Besonderheit akzeptiert und anerkannt zu werden.
Dimension 2: 3 Ebenen der Kommunikation
Dimension 2: Die 3 Ebenen der KommunikationSachebene – Beziehungsebene – Emotionsebene
Sachebene
Darunter versteht man den Inhalt des Gesprächs. „Ich möchte von dann bis dann Urlaub.“ „Ich möchte, dass du deine Tasse in die Spülmaschine räumst.“ „Ich gehe einkaufen und besorge Milch und Brot.“ „Was hast du gegessen?“
Beziehungsebene
Die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern prägt den Dialog.
Wenn ich meinen Chef um Urlaub bitte, formuliere ich es anders, als wenn ich meinem Partner sage, dass ich Urlaub brauche. Im Falle des Partners wird wahrscheinlich dem eigenen Erleben mehr Ausdruck gegeben. Ich bin urlaubsreif, weil … Wie Sie mit Ihrem Chef sprechen, hängt von der Beziehung, die Sie zu ihm haben, ab.
Emotionsebene
Die Gefühle, die Gesprächspartner zu einem Thema haben, prägen die Wortwahl und die Gesprächsweise.
Wenn ich glücklich bin, weil etwas gut gelaufen ist, und ich stoße meinen Fuß an, werde ich anders reagieren, als wenn ich davor etwas erlebt habe, was mich frustriert hat, und ich schon eh negativ oder gar schlecht gelaunt bin. Ich werde auf das gleiche Ereignis anders reagieren!
Unsere Gefühle sind etwas Wichtiges, sie steuern und füttern unser Erleben, unser Denken und Handeln.
Sicher gibt es Menschen, die pragmatischer sind, andere emotionaler, dennoch fühlen wir alle. Unser individuelles Fühlen hat Einfluss auf die Begegnung, die Wortwahl, unser Denken, unsere Bewertung usw.
Alle drei Ebenen haben Einfluss auf die Art und Weise, wie die Kommunikation zwischen den Menschen verläuft.
Dimension 3: Die Zeit
Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft
Achten Sie mal darauf, worauf Sie sich beziehen, wenn Sie sich unterhalten. Häufig gibt es einen zeitlichen Bezug: Was habe ich erlebt? Was plane ich? Woher komme ich? Wohin will ich? Wenn wir uns unterhalten, beziehen wir uns fast ausschließlich auf etwas, was war oder was kommt. Wir sprechen nicht auf den Moment bezogen. Das würde die Kommunikation gänzlich verändern, denn ich würde Sie fragen, wie Sie sich jetzt gerade fühlen, wenn Sie diese Zeilen lesen.
Womöglich lachen Sie und denken: Das geht Sie nichts an! – Und dann sind wir da, wo wir in der Kommunikation die Distanz steuern!
Denn nutzen wir nur den Moment und fassen diesen in Worte, sind wir als Personen unmittelbar beteiligt. Das schafft Nähe und ist ungewohnt! Deshalb ist es viel einfacher, Inhalte, die zeitlich auf die Zukunft oder Vergangenheit bezogen sind, zu verwenden.
So sind die Einflüsse auf die Kommunikation komplett
3 Dimensionen der Kommunikation: Mensch – Ebene – Zeit
2.2Die Bedeutung von Bewertung
All das, was wir im Gespräch mit anderen hören, wird aus der eigenen Wahrnehmung heraus bewertet. Richtig oder falsch – durch diese Bewertung entsteht unser individueller Blick auf die Welt.
Merke
Die eigene Bewertung ist die Basis der eigenen Wirklichkeit!
Die drei Dimensionen und die eigene Bewertung beeinflussen unser Miteinanderreden, einfach so, ohne dass wir uns je Gedanken dazu machen, zumindest nicht im Alltag. Es funktioniert einfach! Mal besser mal schlechter.
Was geschieht – betrachtet vor dem Hintergrund des Modells – wenn ein Mensch an Demenz erkrankt? Was verändert sich?
Dimension 1 Der Mensch
Jeder Mensch ist von individuellen Erfahrungen, der eigenen Biografie und seiner Kultur geprägt worden. Diese Prägung ermöglicht die eigene Art der Wahrnehmung und der daraus folgenden Bewertung. Jeder Mensch hat seine eigene Art, etwas wahrzunehmen, auszudrücken, zu formulieren und zu bewerten – er kreiert seine individuelle Wirklichkeit!
Das Grundbedürfnis des Menschen ist es, in seiner Gesamtheit und im Gespräch in der eigenen Besonderheit akzeptiert und anerkannt zu werden!
Beispiel
Ein an Demenz erkrankter Vater: „Du kommst mich nie besuchen!“
Sohn: „Ich bin vorgestern da gewesen und habe vor, übermorgen auch zu kommen.“
Der Vater kann sich nicht erinnern und beharrt auf seiner Wirklichkeit.
Der Sohn rechtfertigt sich, denn schließlich kommt er, so oft er kann, und erhält dennoch diese Vorwürfe.
In solchen Situationen entstehen Konflikte, Verletzungen, Kränkungen und Ohnmacht auf beiden Seiten.
Hier greift die innere Haltung, in der der Sohn seinem Vater gegenübertreten kann:
Der Sohn kann seine Aufmerksamkeit auf den Moment richten, so wie er ihn erlebt. Vielleicht ist der Vater weinerlich, vielleicht ist er aggressiv, vielleicht traurig oder etwas ganz anderes.
Im Assoziativen Dialog wird das, was am Gegenüber wahrgenommen wird, direkt aufgegriffen und angesprochen. Der Moment bietet die Grundlage für den Dialog. Eine Antwort des Sohnes könnte dann sein:
„Oh, ich glaube, du bist ganz schön wütend auf mich, weil du dich alleine fühlst …“
„Deine leise Stimme verrät mir, dass du traurig bist …“
Dimension 2
Was geschieht auf den 3 Ebenen?
Die 3 Ebenen der Kommunikation Sachebene – Beziehungsebene – Emotionsebene
Sachebene: Kann ein demenziell veränderter Mensch sich im Gespräch auf die Sachebene beziehen? Nein! Die Sachebene entschwindet in ihrer Bedeutung mit dem Voranschreiten der Erkrankung. Sie fällt aus unserem Regelwerk heraus.
Beispiel: Ein demenzkranker Vater spricht zu seinem Sohn:
„Du kommst mich nie besuchen! Nie ist jemand da!“
Tatsächlich jedoch war der Sohn am Vortag bei seinem Vater, und hatte ihn besucht. Der Vater erinnert sich nicht mehr daran. Die Sachebene findet keinen Anker im sich verändernden Menschen, denn er kann sich nicht gezielt erinnern. Die Sachebene verliert somit mehr und mehr ihren Sinn, denn sie hat für den Sprechenden keine Bedeutung, keine Relevanz.
Beziehungsebene: Für Menschen mit einer Demenz gibt es dieses unterscheidende Merkmal von Chef und Partner und die daran gebundenen Regeln der Kommunikation immer weniger. Die Unterscheidung, wem Gegenüber man sich wie verhält, löst sich mehr und mehr auf. Er/sie reagiert authentisch auf das, was im Moment der Begegnung wahrgenommen wird.
Viele Menschen sagen, Demenzkranke können keine Beziehung halten, sie vergessen die Angehörigen, erkennen diese nicht wieder, sprechen Menschen mit anderen Namen an usw. Das stimmt, dass wir gemeinsam auf etwas Erlebtes zurückgreifen, diese Fähigkeit entfällt oder tritt nur eruptiv zutage. Es gibt keine Verlässlichkeit darüber, dass ich als die, die ich bin, erkannt werde.
Der Mensch erinnert jedoch nicht nur mit dem Verstand, er erinnert auch mit seinem emotionalen Gedächtnis. Es fragte mich mal ein Heimleiter: „Ja, wenn Sie jetzt kommen und mit Herrn X. arbeiten, dann weiß der doch gar nicht, wer Sie sind, der kann sich doch an Sie gar nicht erinnern!“ „Ja und nein! Es entwickelt sich eine Art nonverbales Erkennen. Ich sehe, er schaut mich fragend an, ich stelle mich vor und sage, was wir machen, er lächelt. Ich komme und er lächelt, ich sehe, dass er mich nicht einordnen kann, nach irgendetwas sucht, ich gehe hin, stelle mich vor und sage, was wir machen. Beziehung baut sich auf. Sie entwickelt sich in dem Moment und wenn ein gutes Gefühl bleibt, dann kann dies helfen zu erkennen im Sinne von dem Herzen folgend. Viele Fachkräfte haben zu manch einem Bewohnern eine spezielle Beziehung und es gibt eine Form des Erkennens, individuell und an die Emotion gebunden.
Emotionsebene: Die Gefühle, die Gesprächspartner zu einem Thema haben, prägen die Wortwahl und die Gesprächsweise.
Unsere Gefühle sind etwas Wichtiges, sie steuern und füttern unser Erleben, unser Denken und Handeln.
Sicher gibt es Menschen, die pragmatischer sind, andere emotionaler, dennoch fühlen wir alle! Unser individuelles Fühlen hat Einfluss auf die Begegnung, die Wortwahl, unser Denken, Bewerten usw. Dieses bleibt und Folgendes verändert sich: Menschen mit einer Demenz vergessen die üblichen gesellschaftlichen Regeln. Sie vergessen auch, die eigenen Gefühle zu kontrollieren. Sie leben ihre Emotionen im jeweiligen Moment. Emotion ist das, was der Mensch im Moment fühlt und wahrnehmen kann, es ist dadurch die Richtschnur für sein Verhalten und für seine Kommunikation. Menschen mit einer demenziellen Veränderung reagieren ganz aus dem Moment, ihrer Empfindung und ihrer Wahrhaftigkeit heraus. Sie sagen, im wahrsten Sinne, das, was sie in dem Moment wahrnehmen, fühlen und denken. Menschen mit Demenz sind authentisch in ihrer Wahrnehmung und handeln diesbezüglich adäquat.
Merke
Alle drei Ebenen haben Einfluss auf die Art und Weise, wie die Kommunikation zwischen den Menschen verläuft – deshalb ist es wichtig, sich bewusst zu machen, was sich hinsichtlich der drei Ebenen durch die demenzielle Erkrankung verändert.
Dimension 3: Zeit und Kommunikation.
VERGANGENHEIT – GEGENWART – ZUKUNFT
Wie verhält es sich bei Menschen mit einer Demenz, wenn wir die Zukunft mit in unsere Kommunikation nehmen. „Morgen komme ich wieder!“ Hat diese Aussage eine Wirkung?
Diese Frage aus dem Blickwinkel eines demenziell Erkrankten könnte etwa so beantwortet werden: „Nein, das Morgen ist so weit entfernt von meinem jetzigen Gefühl und ich kann mich nicht erinnern, dass ich das schon mal ausgehalten habe, dass du morgen kommst, ich fühle die Zukunft nicht!“ „Ich bin traurig, jetzt! Morgen ist weit entfernt!“
Die Aussicht auf die Zukunft ist für den Menschen mit einer Demenz kein Trost, kein Licht am Ende des Tunnels. Es ist etwas, was in ihm kein Anker findet – auch deshalb nicht, weil sie sich an keine vergleichbaren Situationen erinnern können.
Was geschieht nun mit der Vergangenheit?
Ja, es gibt Phasen, da ist die Vergangenheit zugänglich, sehr präsent. Doch können die als etwas Vergangenes einsortiert werden? Weiß ein Demenzkranker, dass die Mutter so und so war? Nein, sie IST so.
Was bedeutet dies?
Die Vergangenheit wird zur Gegenwart. Sie ist dann die Wirklichkeit im Sinne von: So ist es! Wenn wir die Sachebene erklären wollen, die zeitlichen Aspekte der „Wahrheit“ entsprechend benennen, kann dies der demenziell Erkrankte erfassen?
Beispiel
Sohn: „Morgen komme ich wieder!“ (Gesprächsinhalt auf die Zukunft bezogen) Reaktionsmöglichkeiten des Vaters:
Schauen und Kopfschütteln schweigend (resigniert) – Festhalten und nicht loslassen (verzweifelt) – weinen (Trauer) – hinterherlaufen, sich mit aus der Tür drängen wollen (Verzweiflung) – Schreien (Wut).
„Das sagst du nur!“ (Hilflosigkeit/ Ohnmacht).
Reaktionsmöglichkeiten des Sohnes:
„Aber ich komme doch immer.“ (Rechtfertigung richtig und falsch)
„Das mache ich doch immer so!“
Schweigen (vorwurfsvoll / genervt / resigniert …)
Abhängig von der jeweiligen Person wird sich eine dieser Verhaltensweisen so oder in ähnlicher Weise zeigen. Wir können den Schmerz, der entsteht, nicht abnehmen, weder dem Vater noch dem Sohn. Wir können auch nicht auf Logik und Erinnern bauen, denn der Zugang dorthin ist womöglich gerade verschlossen. Es gibt keine allgemeingültige Antwort darauf, was in diesem Moment zu tun bzw. zu sagen wäre, da jeder Mensch diesen Moment individuell erlebt.
Im Assoziativen Dialog wird aufgegriffen, was der Moment zeigt und in individuelle Worte gefasst. Eine Möglichkeit für den Sohn wäre, zu sagen: „Ich sehe, du bist traurig, ich muss jetzt gehen, aber ich verspreche dir, ich vergesse dich nicht. Ich komme wieder!“
Gesprächsinhalt auf die Vergangenheit bezogen:
„Was hast du heute Mittag gegessen?“
