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Mit der richtigen Nachhaltigkeitsstrategie auf Erfolgskurs
Es gibt viele Gründe für Unternehmen, Nachhaltigkeit strategisch zu implementieren. Nicht nur Kunden, Mitarbeiter und Partner legen zunehmend Wert auf nachhaltiges Wirtschaften. Auch viele gesetzliche Vorgaben verlangen von Unternehmen ein nachhaltiges Handeln ? etwa die EU-Taxonomie-Verordnung, das Lieferkettensorgfaltsgesetz oder die Corporate Sustainability Reporting Directive. Und schlie?lich blicken auch Geldgeber im Rahmen ihrer Risikoanalyse sehr genau auf die Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmen. Wie Ihr Unternehmen Schritt für Schritt auf allen Ebenen nachhaltiger wird und Sie die gesetzlichen Anforderungen einhalten, erfahren Sie in diesem Buch.
Sie erfahren
Wie Sie die Sustainable Development Goals strategisch setzen
Wie Sie eine gesetzeskonforme Nachhaltigkeitsberichterstattung installieren
Wie Sie ein nachhaltiges Beschaffungswesen etablieren
Wie Sie ein Green Office einrichten
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Veröffentlichungsjahr: 2024
Nachhaltige Unternehmensstrategien für Dummies
Für Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden gelten neuerdings und in naher Zukunft strengere Anforderungen, unter anderem zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen unter die unterschiedlichen rechtlichen Pflichten fällt und überlegen Sie, welche Konsequenzen das für die Nachhaltigkeitsaktivitäten Ihres Unternehmens hat.
Sorgen Sie für CommitmentNachhaltigkeit ist Teil der Unternehmensstrategie und wirkt sich unter anderem auf den Jahresabschluss und die Risikobewertung eines Unternehmens aus. Entsprechend muss die Geschäftsführung vollumfänglich hinter dem Thema stehen und die Weichen für Strategie und Umsetzung stellen.
Stellen Sie die WeichenÜberlegen Sie, wie und mit wem Sie das Thema Nachhaltigkeit angehen wollen. Haben Sie Ressourcen und Know-how innerhalb des Unternehmens? Falls nicht, erkundigen Sie sich nach Beratungsunternehmen, die Ihnen das notwendige Know-how vermitteln und Starthilfe geben. Stellen Sie ein Team zusammen, das den kompletten Strategieprozess begleitet.
Wählen Sie Ihren WegÜberlegen Sie, was Ihr Ausgangspunkt für eine Nachhaltigkeitsstrategie ist: die SDGs? Oder zäumen Sie das Pferd von hinten auf und steigen mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung ein? Das geht auch. Sie haben dann einen vorgegebenen Rahmen, innerhalb dessen Sie agieren. Sie können auch eine Effizienzberatung als Ausgangspunkt nehmen – Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Aber einen Fahrplan sollten Sie haben, andernfalls verzetteln Sie sich.
Setzen Sie sich konkrete ZieleIhr Strategieprozess sollte konkrete Ziele als Ergebnis nach sich ziehen. Fokussieren Sie sich auf die wichtigen Themen. Auch Ihr Unternehmen kann nicht alle Probleme lösen. Es kann aber vermutlich einige wenige Herausforderungen erfolgreich meistern.
Erarbeiten Sie MaßnahmenDefinieren Sie Methoden und Schritte, um die analysierten Ziele zu erreichen.
Verschriftlichen SieErarbeiten Sie eine formale Nachhaltigkeitsstrategie, die allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung steht. Sie soll als Grundlage für das nachhaltige Handeln in Ihrem Unternehmen dienen.
Dokumentieren SieVergessen Sie nicht, den Weg von Beginn an zu dokumentieren: Wie kommen Sie zu den Nachhaltigkeitszielen, warum haben Sie sich für spezielle entschieden und wie kam das Maßnahmenpaket zustande?
Berichten SieErstellen Sie einen Nachhaltigkeitsbericht, um Ihre Fortschritte zu dokumentieren. Sie können sich dabei an einem der Berichtsstandards, etwa dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex oder der Global Reporting Initiative orientieren.
Überprüfen SieÜberprüfen Sie regelmäßig, ob die Strategie noch trägt, ob die Methoden zum Erfolg führen und ob die gesetzten Ziele noch ambitioniert genug sind, erreicht wurden oder neu formuliert werden müssen.
Nachhaltige Unternehmensstrategien für Dummies
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2024 Wiley-VCH GmbH, Boschstraße 12, 69469 Weinheim, Germany
Wiley, the Wiley logo, Für Dummies, the Dummies Man logo, and related trademarks and trade dress are trademarks or registered trademarks of John Wiley & Sons, Inc. and/or its affiliates, in the United States and other countries. Used by permission.
Wiley, die Bezeichnung »Für Dummies«, das Dummies-Mann-Logo und darauf bezogene Gestaltungen sind Marken oder eingetragene Marken von John Wiley & Sons, Inc., USA, Deutschland und in anderen Ländern.
Das vorliegende Werk wurde sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernehmen Autoren und Verlag für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie eventuelle Druckfehler keine Haftung.
Print ISBN: 978-3-527-72152-8ePub ISBN: 978-3-527-84564-4
Coverfoto: © robert - stock.adobe.comKorrektur: Johanna Rupp, Walldorf
Meike Lerner ist Nachhaltigkeitsrefentin und auf Nachhaltigkeitsberatung, Wissenstransfer und Nachhaltigkeitskommunikation spezialisiert. Sie absolvierte den Masterstudiengang »Sustainable Change« am Umwelt-Campus Birkenfeld und schloss mit Auszeichnung ab. Ihre Masterarbeit zur Auswirkung der EU-Taxonomie auf kleine und mittlere Unternehmen wurde mit dem Bürkle-Preis ausgezeichnet und veröffentlicht. Inhaltliche Schwerpunkte setzt sie auf die Umsetzung gesetzlicher und freiwilliger Berichtsstandards sowie den Themenkomplex Sustainable Finance.
Cover
Titelblatt
Impressum
Über die Autorin
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Über dieses Buch
Konventionen in diesem Buch
Was Sie nicht lesen müssen
Törichte Annahmen über die Leserinnen und Leser
Wie dieses Buch aufgebaut ist
Symbole, die in diesem Buch verwendet werden
Wie es weitergeht
Teil I: Gute Gründe für mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen
Kapitel 1: Jetzt wird´s nachhaltig: Werden Sie Teil des Wandels
Eine richtig gute Gelegenheit: Greifen Sie zu
Schritt für Schritt zu Ihrem nachhaltigen Unternehmen
Kapitel 2: Erfolgreich ist, wer nachhaltig ist
Gründe für mehr Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen
Eine kleine Geschichte des nachhaltigen Wandels
Wissen, was Nachhaltigkeit ist
Die Säulen des Erfolgs: Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit
Teil II: Alles, was Recht ist: Gesetzliche Nachhaltigkeitspflichten
Kapitel 3: Die EU-Taxonomie
Leitplanken der EU zur unternehmerischen Nachhaltigkeit
Die EU-Taxonomie-Verordnung
Kapitel 4: Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)
Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS)
Kapitel 5: Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und die Corporate Sustainbility Due Diligence Directive (CSDDD)
Das LkSG und was es für Unternehmen bedeutet
Lieferkette auf europäisch: Die CSDDD
Kapitel 6: Noch mehr europäische Vorgaben
Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft der EU
Nachhaltige Produktpolitik
Die Stärkung der Verbraucher beim grünen Wandel
Belegen von Umweltaussagen
Das Recht auf Reparieren
Teil III: Einfach nachhaltig werden
Kapitel 7: Aller Anfang ist leicht: Gehen Sie den ersten Schritt
Nachhaltigkeit auf die Agenda setzen
Verbindliches Commitment statt Lippenbekenntnisse
Nachhaltigkeit ist förderfähig
Man lernt nie aus: Nachhaltige Fort- und Weiterbildungen
Kapitel 8: Setzen Sie sich Ziele: Der Anfang einer guten Nachhaltigkeitsstrategie
Die Agenda 2030 und die Ziele für nachhaltige Entwicklung
Die 17 Ziele strategisch nutzen
Kapitel 9: Das hat Potenzial: Die Nachhaltigkeitsklassiker in Unternehmen
Sustainability by Design und die Lebenszyklusbetrachtung
Praktische Partnerschaften
Nachhaltig arbeiten: Organisationsinterne Maßnahmen
Kapitel 10: Bilanz ziehen: Standards in der (freiwilligen) Nachhaltigkeitsberichterstattung
Entstehung und Hintergründe
Global Reporting Initiative
Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK)
EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) & Co.
UN Global Compact
Kapitel 11: Erst Gutes tun, dann darüber reden: Nachhaltigkeitskommunikation
Nur grün angestrichen: Greenwashing
Die Green Claims Directive
Wie soll ich´s sagen …
Schaffen Sie Relevanz
Teil IV: Der Top-Ten-Teil
Kapitel 12: Die zehn wichtigsten Gründe für nachhaltige Unternehmensstrategien
Rechtliche Anforderungen
Das Konsumentenverhalten
Attraktivität als Arbeitgeber
Teil der Lieferkette
Bessere Finanzierungskonditionen
Zukunftsfähigkeit
Wohlstand
Wettbewerbsfähigkeit
Perspektiven schaffen
Vorbild sein
Kapitel 13: Die zehn wichtigsten Maßnahmen für ein nachhaltigeres Büro
Versorgung am Arbeitsplatz
Nachhaltige Beschaffung
Begrünung
Green IT
Energieversorgung
Gleichberechtigung
Transparenz
Mitarbeitermotivation
Mobilität
Mitarbeiterbindung
Kapitel 14: Die zehn wichtigsten Webadressen zum Nachschlagen
Scientists for Future
Europäische Richtlinien und Verordnungen
Sustainable Development Goals
17 Ziele zum Download
Internationale Reportingstandards
Deutscher Nachhaltigkeitskodex
Umweltbundesamt
Kreislaufwirtschaft
Fördermöglichkeiten
Nachhaltiges Büro
Kapitel 15: Die zehn besten Adressen für Ihre Karriere in der Nachhaltigkeit
Nachhaltige Jobs
Jobverde
Greenjobs
Goodjobs
Oekojobs
Jobbörsen spezieller Organisationen
Haufe Akademie
Industrie- und Handelskammern
TÜV
Nachhaltigkeit studieren
Kapitel 16: Die (fast) zehn wichtigsten EU-Gesetze für mehr Nachhaltigkeit in Unternehmen
European Green Deal
EU-Taxonomie Verordnung
Die Corporate Sustainability Reporting Directve (CSRD)
Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG)
Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD)
Green Claims Directive
Teil V: Anhang
Glossar
Abbildungsverzeichnis
Stichwortverzeichnis
End User License Agreement
Kapitel 3
Tabelle 3.1: Übersicht über die Geltungsbereiche der EU-Taxonomie
Kapitel 4
Tabelle 4.1: Neuerungen der CSRD im Vergleich zur Vorgänger-Richtlinie NFRD
Kapitel 5
Tabelle 5.1: Positionen in der Diskussion zur CSDDD
Kapitel 2
Abbildung 2.1: Die drei Säulen der Nachhaltigkeit. Bröckelt eine, wird´s wackelig...
Abbildung 2.2: Matrix zum Gleichgewicht Ökologie, Soziales, Ökonomie
Kapitel 3
Abbildung 3.1: Die Sustainable Finance Strategie verfolgt das Ziel, Investitionen...
Abbildung 3.2: Die sechs Umweltziele, auf die die nachhaltigen Wirtschaftstätigke...
Abbildung 3.3: Prüfschema zur Bestimmung der Taxonomiekonformität einer Wirtschaf...
Kapitel 4
Abbildung 4.1: Die ESRS sehen zehn Themenfelder aus den ESG-Berei...
Kapitel 5
Abbildung 5.1: Die CSDDD und ihre voraussichtliche Umsetzung in n...
Kapitel 8
Abbildung 8.2: Die 5 Is im Überblick
Kapitel 10
Abbildung 10.1: Beispiel für eine einfache Matrixdarstellung der...
Abbildung 10.4: Zu diesen zehn Prinzipien bekennen sich Unterneh...
Cover
Titelblatt
Impressum
Über die Autorin
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
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Glossar
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Schön, dass Sie Ihr Unternehmen auf einen nachhaltigen Kurs bringen möchten. Sie folgen damit keinem Trend. Vielmehr legen Sie den Grundstein dafür, dass Ihr Unternehmen auch noch in einigen Jahren wirtschaftlich erfolgreich sein wird. Denn Nachhaltigkeit ist kein Modethema, das wieder vergeht. Nachhaltigkeit ist wie Digitalisierung: Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung und wer sich jetzt nicht auf den Weg macht, der verpasst den Anschluss. In den kommenden Jahren werden die rechtlichen und wirtschaftlichen Anforderungen an die nachhaltige Unternehmensführung weiter steigen, weshalb nachhaltige Unternehmensstrategien immer auch eine sehr dynamische Komponente besitzen sollten. Nach der Lektüre dieses Buchs haben Sie also wissenstechnisch noch nicht für den Rest Ihres Lebens ausgesorgt. Sie haben aber eine sehr solide Grundlage für den Einstieg in die Strategieentwicklung geschaffen und einen ausführlichen Überblick über den aktuellen Wissensstand erhalten.
»Nachhaltige Unternehmensstrategien für Dummies« soll Ihnen auf dem Weg zur Entwicklung Ihrer individuellen Nachhaltigkeitsstrategie als Nachschlagewerk dienen. Sie finden hier nützliche Tipps zu allen Stationen der unternehmerischen Nachhaltigkeit bis hin zur Nachhaltigkeitskommunikation. Außerdem erfahren Sie mehr über rechtliche Rahmenbedingungen und welche Anforderungen Unternehmen erfüllen müssen. Das vorliegende Buch gibt Ihnen also einen Überblick darüber, was bei der Strategieentwicklung potenziell wichtig ist – welche Themen speziell für Ihr Unternehmen lesenswert sind, entscheiden allein Sie selbst.
Sie müssen dieses Buch also nicht diszipliniert von vorne bis hinten »durchkauen«. Ich würde mich freuen, wenn Sie dem Buch immer wieder kurze Stippvisiten abstatten. Sei es, um interessiert, aber wahllos zu stöbern. Sei es, um konkrete Definitionen oder Inhalte nachzuschlagen (hierfür dient der Index am Ende des Buchs). Vielleicht wird dieses Buch sogar so etwas wie Ihr Begleiter auf dem Weg zum nachhaltigen Unternehmen.
Meiner subjektiven Meinung nach sind alle Inhalte lesenswert! Allerdings sind nicht alle Themen für alle Unternehmen gleich relevant. Kleinere Unternehmen beispielsweise sind weniger von rechtlichen Pflichten betroffen als große Unternehmen, entsprechend können diese Inhalte gegebenenfalls hintanstehen. Darüber hinaus finden Sie über das Buch verteilt Textkästen, in denen ich Hintergrund- oder Zusatzinformationen zusammengetragen habe. Falls Sie lesefaul sind, können Sie auch die getrost überspringen.
Ich gehe davon aus, dass Sie nicht zu den Menschen zählen, die den Klimawandel verharmlosen oder ihn gar leugnen. Der Konsens über den menschengemachten Klimawandel und die damit verbundenen sozialen Ungerechtigkeiten und globalen Gefahren ist der kleinste gemeinsame Nenner dieses Buchs.
Ich gehe eher davon aus, dass Sie am Thema Nachhaltigkeit allgemein sehr interessiert sind. Und dass Sie die Notwendigkeit einer Transformation der Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit erkennen.
Vermutlich sind Sie in Sachen Nachhaltigkeit sogar so stark interessiert, dass Sie sich des Themas beruflich widmen möchten – oder dies bereits tun. In diesem Fall bietet dieses Buch den perfekten Ausgangspunkt für eine erste Orientierung innerhalb des Nachhaltigkeitskosmos mit seinen eigenen Begrifflichkeiten und Anforderungen.
Dieses Buch ist in drei Teile aufgeteilt:
Zu Beginn erfahren Sie, warum Nachhaltigkeit für Unternehmen so wichtig ist beziehungsweise warum mangelnde Nachhaltigkeit ein echtes wirtschaftliches Risiko darstellt. Sie werden mit grundlegenden Nachhaltigkeitskonzepten sowie der Entstehung des modernen Nachhaltigkeitsbegriffs vertraut gemacht.
In Teil II wird es praktisch: Sie lernen die wichtigsten gesetzlichen Regelungen kennen und erfahren, welche Förder- und Weiterbildungsmöglichkeiten es gibt. Anschließend tauchen Sie tief in die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele ein, die Ihnen dabei helfen eine Strategie und Maßnahmen zu entwickeln. Abschließend erfahren Sie mehr über die wichtigsten Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung und die Nachhaltigkeitskommunikation.
Am Ende habe ich einige Top-Ten-Listen für Sie zusammengestellt.
Die »….für Dummies«-Bücher enthalten alle bestimmte Symbole, mit denen besonders lesenswerte und informative Textstellen hervorgehoben werden. Diese Symbole erleichtern Ihnen beim Durchblättern die Orientierung. In diesem Buch habe ich folgende Symbole verwendet:
Über das Buch verteilt habe ich einige Anekdötchen für Sie zusammengetragen. Sie finden sie unter diesem Symbol.
Die »…für Dummies«-Bücher bestechen durch ihren Praxisbezug – und der setzt das Vermitteln von Beispielen voraus. Wo immer ein konkretes Beispiel angeführt wird, habe ich es mit diesem Symbol versehen.
Hier wird es nerdig: Das Technikersymbol liefert zusätzliches Wissen, das für das Verständnis nicht zwingend notwendig ist.
Hier und da gibt es einige Tipps, die ich Ihnen mit auf den Weg geben möchte. Sie sind mit diesem Symbol markiert.
Hier müssen Sie selbst ran. Die Übungen dienen dazu, das Gelesene auf das eigene Unternehmen zu übertragen.
Achtung: Einige Male kam ich nicht umhin, Sie zur Vorsicht zu mahnen. Wenn Sie das Ausrufezeichen sehen, passen Sie also besonders gut auf.
Hier finden Sie Definitionen oder Begriffserklärungen.
Dieses Symbol weist auf Dinge hin, die Sie sich merken sollten.
Volle Pulle natürlich. Wir haben nicht mehr so viel Zeit für den nachhaltigen Wandel.
Teil I
IN DIESEM TEIL …
In diesem Teil erfahren Sie, warum Nachhaltigkeit für Unternehmen zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit wird. Sie erhalten einen Überblick darüber, was Nachhaltigkeit überhaupt ist, warum sie uns auch beruflich beschäftigen sollte und welche gesetzlichen Vorschriften Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit in die Pflicht nehmen.
Kapitel 1
IN DIESEM KAPITEL
Warum ein nachhaltiger Wandel notwendig istWie Ihr Unternehmen vom nachhaltigen Wandel profitiertWie der Weg zur Nachhaltigkeitsstrategie aussiehtTheoretisch verfolgen wir alle – in Deutschland, in Europa und nahezu auf der ganzen Welt – ein gemeinsames Ziel: Wir wollen die unvermeidliche Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad drosseln. Dazu haben sich die Länder der Vereinten Nationen im Rahmen des Pariser Klimaabkommens verpflichtet. Darüber hinaus hat sich die Weltgemeinschaft zu weiteren Zielen bekannt, die zum Beispiel den Hunger auf der Welt und die Ungleichheiten zwischen den Wohlstandsstaaten und den ärmeren Ländern bekämpfen sollen.
Praktisch bedeutet das, dass wir auch alle mit anpacken müssen, um diese Ziele wenigstens annähernd zu erreichen. Sie, ich, die Bundesrepublik Deutschland, die 17 Bundesländer, die Städte und Kommunen – wirklich alle Personen und Institutionen tragen ihren Teil zum Gelingen bei. Natürlich auch die Unternehmen. Ihnen kommt sogar eine ganz besondere Rolle zu.
Voraussetzung für die Erreichung der gesteckten Ziele ist ein Wandel der gesamten Wirtschaft. Wenn wir die Art und Weise, wie wir produzieren und konsumieren nicht grundlegend ändern, ist ein Scheitern vorprogrammiert. Der globale Einfluss der Wirtschaft ist so massiv, dass Unternehmen die Schlüsselrolle bei der sogenannten Transformation spielen.
Darum ist der Druck auf Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit auch nicht gerade gering: Unternehmen gelten als Hoffnungsträger für eine lebenswerte Zukunft auf unserem Planeten.
In jedem Wandel steckt aber auch eine Chance. Und anstatt sich trotzig gegen die Nachhaltigkeitsansprüche aufzulehnen, können Unternehmen diese Chance auch einfach beim Schopfe packen und sich neu ausrichten. Das wollen Sie oder Ihr Unternehmen nicht? Tja, Pech gehabt. Mittlerweile gibt es nicht nur ein gewandeltes Konsuminteresse, sondern auch etliche rechtliche Regularien, die Sie auf den Pfad der Nachhaltigkeit drängen werden. Insbesondere, was die Rechenschaftspflicht über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten betrifft, kommt auf Unternehmen ab 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einiges zu.
Da Sie gerade dieses Buch lesen, wissen Sie das alles bestimmt bereits. Und egal, ob Sie enthusiastisch ans Werk gehen und es gar nicht erwarten können, nachhaltige Strategien zu implementieren, oder ob ich Ihren Enthusiasmus erst noch wecken muss: Am Ende wird Ihr Unternehmen von einer unternehmerischen Nachhaltigkeitsstrategie profitieren. Versprochen.
Bis es so weit ist, liegt aber noch ein kleines Stück Arbeit vor Ihnen.
Steigen wir also direkt ein und klappern die Stationen ab, die zur Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie für Ihr Unternehmen nötig sind.
Machen Sie sich schlau
Was ist Nachhaltigkeit eigentlich, woher kommt der Begriff und was bedeutet Nachhaltigkeit für Unternehmen? Antworten darauf finden Sie in Kapitel 2.
Informieren Sie sich über rechtliche Rahmenbedingungen
Für Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden gelten neuerdings und in naher Zukunft strengere Anforderungen, unter anderem zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen unter die unterschiedlichen rechtlichen Pflichten fällt und überlegen Sie, welche Konsequenzen das für die Nachhaltigkeitsaktivitäten Ihres Unternehmens hat. Welche Pflichten das konkret sind, erfahren Sie in Kapitel 3.
Sorgen Sie für Commitment und stellen Sie die Weichen
Nachhaltigkeit ist Teil der Unternehmensstrategie und wirkt sich unter anderem auf den Jahresabschluss und die Risikobewertung eines Unternehmens aus. Entsprechend muss die Geschäftsführung vollumfänglich hinter dem Thema stehen und die Grundlage für Strategie und Umsetzung schaffen. Dafür müssen Sie sorgen.
Überlegen Sie außerdem, wie und mit wem Sie das Thema Nachhaltigkeit angehen wollen. Haben Sie Ressourcen und Know-how innerhalb des Unternehmens? Falls nicht, erkundigen Sie sich nach Beratungsunternehmen, die Ihnen das notwendige Know-how vermitteln und Starthilfe geben. Stellen Sie ein Team zusammen, das den kompletten Strategieprozess begleitet. In Kapitel 4 erhalten Sie die Informationen, die Sie für eine gute Vorbereitung benötigen.
Wählen Sie Ihren Weg
Überlegen Sie, was Ihr Ausgangspunkt für eine Nachhaltigkeitsstrategie ist: die SDGs (Sustainable Development Goals)? Oder zäumen Sie das Pferd von hinten auf und steigen mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung ein? Das geht auch. Sie haben dann einen vorgegebenen Rahmen, innerhalb dessen Sie agieren. Sie können auch eine Effizienzberatung als Ausgangspunkt nehmen – Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Aber einen Fahrplan sollten Sie haben, andernfalls verzetteln Sie sich. Wie Sie diesen aufstellen, lesen Sie in Kapitel 5.
Setzen Sie sich konkrete Ziele
Ebenfalls in Kapitel 5 werden Sie erfahren, dass Ihr Strategieprozess konkrete Ziele als Ergebnis nach sich ziehen sollte. Fokussieren Sie sich auf die wichtigen Themen. Auch Ihr Unternehmen kann nicht alle Probleme lösen. Es kann aber vermutlich einige wenige Herausforderungen erfolgreich meistern.
Erarbeiten Sie Maßnahmen
Definieren Sie Methoden und Schritte, um die analysierten Ziele zu erreichen. In Kapitel 6 gebe ich Ihnen einige Ideen mit auf den Weg. Sicherlich werden Sie einige davon schon kennen oder sogar umsetzen, manches wird Sie hoffentlich auf neue Gedanken bringen.
Verschriftlichen Sie
Erarbeiten Sie eine formale Nachhaltigkeitsstrategie, die allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung steht. Sie soll als Grundlage für das nachhaltige Handeln in Ihrem Unternehmen dienen.
Dokumentieren Sie
Vergessen Sie nicht, den Weg von Beginn an zu dokumentieren: Wie kommen Sie zu den Nachhaltigkeitszielen, warum haben Sie sich für spezielle entschieden und wie kam das Maßnahmenpaket zustande? Warum das so wichtig ist, erläutere ich an mehreren Stellen im Buch. Vor allem aber spielt der Dokumentationsprozess im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung, auf die ich in Kapitel 7 eingehe, eine wichtige Rolle.
Berichten Sie
Erstellen Sie einen Nachhaltigkeitsbericht, um Ihre Fortschritte zu dokumentieren. Sie können sich dabei an einem der Berichtsstandards, etwa dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex oder der Global Reporting Initiative orientieren. Mehr dazu erfahren Sie ebenfalls in Kapitel 7. Darüber hinaus können und sollten Sie Nachhaltigkeitsthemen aber auch in der Unternehmenskommunikation und/oder im Marketing nutzen. Welche Regeln es dabei zu beachten gibt und was eine gute Nachhaltigkeitsstory ausmacht, erfahren Sie in Kapitel 8.
Überprüfen Sie
Überprüfen Sie regelmäßig, ob die Strategie noch trägt, ob die Methoden zum Erfolg führen und ob die gesetzten Ziele noch ambitioniert genug sind, erreicht wurden oder neu formuliert werden müssen. Und überprüfen Sie auch regelmäßig, ob Ihr Wissen noch auf dem neuesten Stand ist. Blättern Sie gern immer mal wieder durch das Buch oder konsultieren Sie die über das Buch verteilten Informationskanäle, um sich über neue Entwicklungen zu informieren.
Bereit für den Einstieg in das Thema Nachhaltigkeit? Dann geht's jetzt los.
Kapitel 2
IN DIESEM KAPITEL
Nachhaltigkeit als Basis für den Erfolg allen WirtschaftensWarum eine nicht nachhaltige Wirtschaft auf Marktversagen beruhtWarum der Fachkräftemangel auch ein Sinnmangel istWas das moderne Konzept der Nachhaltigkeit beinhaltetUnternehmerische Nachhaltigkeit kostet nur Geld und steht den wirtschaftlichen Interessen eines Unternehmens entgegen? Von wegen. Der bewusste Umgang mit den Ressourcen Mensch und Natur spielt eine Schlüsselrolle für künftige Geschäftsmodelle und den Unternehmenserfolg.
Unternehmen, die Nachhaltigkeit nicht als strategisches Ziel verankern und überzeugend in die eigenen Geschäftsprozesse und das unternehmerische Handeln einbauen, werden ins Hintertreffen geraten. Warum?
Weil die Kundschaft wegbleibt.
Weil keine neuen Mitarbeitenden mehr gewonnen werden können.
Weil die Ressourcen, auf denen das Geschäftsmodell beruht, zur Neige gehen.
Fangen wir mit der Kundschaft an. Zahlreiche Daten belegen, dass Nachhaltigkeit als Kaufkriterium immer wichtiger wird. Auch, wenn es inflationsbedingt eine Delle gab, ist der grundsätzliche Trend ungebrochen. Aus einer Befragung von Simon-Kucher & Partners geht zum Beispiel hervor, dass 58 Prozent der Erwachsenen Nachhaltigkeit als wichtiges oder sogar sehr wichtiges Kaufkriterium erachten.
Das Beratungsunternehmen McKinsey stellte im Rahmen einer Befragung in Deutschland, Österreich und der Schweiz darüber hinaus fest, dass:
78 Prozent der Befragten beim Einkauf auf faire und nachhaltige Produkte achten. Also zum Beispiel auf plastikfreie Verpackungen, einen geringen CO
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-Fußabdruck, gute Arbeitsbedingungen oder das Wohl der Tiere.
gut 50 Prozent der Menschen in Deutschland mit ihrer Konsumentscheidung bewusst einen gesellschaftlichen Beitrag leisten wollen.
60 Prozent der 15- bis 23-Jährigen – also vermutlich auch Ihre (künftige) Zielgruppe – bereit sind, mehr Geld für nachweislich nachhaltige Produkte auszugeben.
80 Prozent der jungen Menschen bereit sind, bei Fleisch und Fisch mehr für nachhaltige Qualität zu bezahlen.
Kurzum: Mit Nachhaltigkeit lässt sich immer mehr Geld verdienen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Wer unternehmerisch nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.
Wenn Sie das nächste Mal im Straßencafé sitzen, achten Sie bewusst darauf, wie viele Menschen Schuhe oder Taschen von nachhaltig produzierenden Labels tragen. Wurde ökologische Kleidung vor 15 Jahren noch belächelt und von modisch eher unbedarften Menschen getragen, gehören fair produzierte Sneaker heute fest ins Fashion-Repertoire einer hippen, kaufkraftstarken Klientel. Nicht mehr lange und es gilt: Biobaumwolle statt Balenciaga! Sie kennen keine nachhaltigen Modeunternehmen? Bestimmt, Sie sind sich derer vermutlich nur nicht bewusst.
Übrigens: Nicht nur Privatpersonen verlangen als Kunde oder Kundin ein nachhaltiges Verhalten und eine nachhaltige Unternehmensführung. Das ECC Köln, Creditforum, fragte 2022 Unternehmen im B2B-Bereich nach ihren Nachhaltigkeitstreibern. Das Ergebnis:
Für die meisten B2B-Unternehmen (knapp 50 Prozent) waren die Kunden und Kundinnen der größte Treiber.
43 Prozent gaben an, den Impuls von Mitarbeitenden erhalten zu haben.
Welcher Treiber hat Sie dazu bewogen, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen und dieses Buch zu kaufen?
Falls das Kundenverhalten keine Motivation für Sie darstellt – vielleicht arbeiten Sie in einem Unternehmen mit Monopolstellung und die Präferenz der Kundschaft ist Ihnen egal –, dann wird Sie vielleicht interessieren, dass auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das Thema Nachhaltigkeit ganz oben auf die Agenda setzen.
Denn egal, wie einzigartig das Produkt oder der Service Ihres Unternehmens ist – irgendwer muss den Laden am Laufen halten, muss mit neuen Ideen das Geschäftsfeld ausbauen, intelligente Strategien und aufmerksamkeitsstarke Kampagnen entwickeln, auf die Einhaltung rechtlicher Regularien aufpassen oder Sorge tragen, dass Produkte und Dienstleistungen bei der Kundschaft ankommen. Kurz: Ihr Unternehmen braucht gute Leute. Vielleicht sogar die besten. Schließlich können Sie ja nicht alles alleine machen. Leider liegt genau darin eine echte Herausforderung für Unternehmen.
Laut einer Befragung der Deutschen Industrie und Handelskammer aus dem Jahr 2023 zählt der Fachkräftemangel nach der Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise zu den größten Geschäftsrisiken. In Zahlen liest sich diese Entwicklung so:
Rund 60 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass ihnen fehlendes Personal Sorgen bereite.
Im Bereich Verkehr und Logistik fehlten allein im April 2023 über 60.000 Fachkräfte, wie die Bundesagentur für Arbeit ermittelte.
In der Unternehmensführung und -organisation gab es im gleichen Zeitraum 43.000 offene Stellen.
In den sozialen Berufen inklusive Erziehung fehlte es im April 2023 an 37.000 Fachkräften.
Wie ist die Situation in Ihrem Unternehmen? Sind alle relevanten Positionen bestmöglich besetzt? Gibt es Engpässe und wenn ja, wo? Gibt es Evaluationen darüber, warum Stellen über längere Zeit unbesetzt bleiben? Und was können Sie tun, um Ihr Unternehmen für den Arbeitsmarkt attraktiv zu machen?
Zumindest auf die letzte Frage können Zahlen wie diese aus einer Stepstone-Studie Antworten liefern:
80 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber würden Jobs in Unternehmen vorziehen, in denen Nachhaltigkeit großgeschrieben wird.
Drei von vier Personen finden es wichtig, dass der potenzielle Arbeitgeber dem Thema Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert beimisst.
Zwei Drittel der Befragten lehnen es kategorisch ab, in einem Unternehmen zu arbeiten, das umweltschädigende Produkte herstellt.
Bei Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen oder solchen, die besonders nachhaltig handeln, würden potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sogar auf Gehalt verzichten. Das geben mehr als drei von vier befragten Personen an.
Bei den sogenannten Young Professionals, also den Expertinnen und Experten von morgen, sind die Zahlen noch eindeutiger, wie der Universe Student Survey im Rahmen einer Umfrage an 200 deutschen Hochschulen herausfand: Mehr als 25 Prozent der jungen Menschen gaben an, dass Nachhaltigkeit neben einem verantwortungsvollen Job und guten Aufstiegschancen das wichtigste Kriterium für die Wahl des künftigen Brötchengebers ist.
Das Thema Nachhaltigkeit ist gerade unter Studierenden mit Bestnoten – also denjenigen, die vom Arbeitsmarkt ohnehin mit Kusshand empfangen werden – besonders wichtig.
Und jetzt denken Sie einmal darüber nach, was Ihr Unternehmen diesen jungen Menschen im Ringen um deren Gunst bieten kann.
Ein Professor für Informatik – einer Branche, die extrem unter Fachkräftemangel leidet – erzählte einmal, dass Jobsicherheit und ein gutes Einkommen für seine Studierenden immer noch wichtig seien. Mindestens genauso wichtig sei es für sie aber, ihr Arbeitsleben mit Sinn zu füllen, etwas gestalten zu können und einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Unternehmen, denen es gelingt, eine angemessene Vergütung mit einem sozialen oder ökologischen Anspruch zu verknüpfen, haben im Buhlen um die klügsten Köpfe bessere Chancen gegen die attraktiven Arbeitsplätze bei den Tech-Giganten. Purpose und People statt nur Bits und Bytes lautet die Devise!
Alle diese Zahlen, Fakten und Prognosen sprechen eine eindeutige Sprache: die Sprache der Nachhaltigkeit.
Kommen wir jetzt zum dritten Grund dafür, warum Nachhaltigkeit überlebenswichtig für Ihr Unternehmen ist: den Ressourcen. Um Ihnen das damit verbundene Dilemma darzulegen, möchte ich mit Ihnen einen gedanklichen Ausflug auf den Hamburger Fischmarkt unternehmen.
Angenommen, Ihr Unternehmen betreibt einen erfolgreichen Stand auf dem Hamburger Fischmarkt. Welche notwendigen Ressourcen kommen Ihnen da in den Sinn? Vermutlich denken Sie direkt an den frischen Hering, die Brötchen, in die er eingelegt wird, Ihren Verkaufswagen und die nette Mitarbeiterin, die die Heringsbrötchen verkauft.
Woran Sie vermutlich eher nicht denken, ist die Luft, die Sie, die Verkäuferin und Ihre Kundschaft atmen, die Artenvielfalt, die für eine einträgliche Weizenernte und Brötchenproduktion notwendig ist, die sauberen Meere und ausreichenden Fangbestände, ohne die kein Fisch im Brötchen landen würde. Dabei sind genau diese Ressourcen die alles Entscheidenden – für Ihr Unternehmen ebenso wie für alle anderen. Versiegen sie, wird es bald darauf weder Fischmarkt noch Verkäuferin noch Fischbrötchenesser geben.
Eine intakte Umwelt bildet also die Basis und den Rahmen für alles wirtschaftliche Tun – auch für das Ihres Unternehmens. Sie liefert uns wertvolle Ressourcen, ohne die das Herstellen von Waren und das Anbieten von Dienstleistungen nicht möglich wären.
Aber jetzt kommt es: Anders als die Kosten für das Brötchen, für den Fisch und den Marktstand, spiegeln sich die Kosten für diese sogenannten Ökodienstleistungen nicht im Preis des Heringsbrötchens wider, das Ihr ausgedachtes Unternehmen an die Frau und den Mann bringt. Verrückt, oder?
Das ist sogar umso verrückter, als ein Grundprinzip des Marktes lautet, dass Güter umso teurer werden, je knapper sie sind. Müssten angesichts einer dramatischen Überfischung und Verschmutzung der Weltmeere, einer nie da gewesenen Reduktion der Arten, eigentlich einer Verknappung aller ökologischen Ressourcen, die Preise – nicht nur für die Fischbrötchen Ihres Unternehmens, sondern für einfach alles – schlicht durch die Decke gehen? Ja, müssten sie. Dass sie es nicht tun, hat mit einer zerstörerischen und ungerechten Schieflage in unserer Marktwirtschaft zu tun.
Kosten für Ökodienstleistungen und für Schäden an der Umwelt, die durch Ressourcenverbräuche entstehen, werden nicht dem Unternehmen, sondern der Allgemeinheit aufgebürdet. Weil das ungerecht klingt, spricht man im Fachjargon von einer Externalisierung dieser Kosten. Gemeint ist im Falle Ihres fiktiven Fischstands:
Die Gewinne, die sich durch den Einsatz günstiger, aber schädlicher Fangmethoden am Markt erzielen lassen, landen im Unternehmen.Die Kosten, die durch eine Überfischung, die Verschmutzung der Meere und die Dezimierung der Artenvielfalt entstehen, zum Beispiel in Form von Subventionen für die Fischerei oder als Ausgaben für Umweltschutz- oder maritime Forschungsprojekte, werden vergesellschaftet – also aus Steuergeldern bezahlt.