21,99 €
»Dieses Buch ist eine Revolution! Es geht weit über die Überzeugungen hinaus, die jahrzehntelang die moderne pharmazeutische Medizin angetrieben haben und liefert alle wissenschaftlichen Erkenntnisse, die beweisen, dass es auch einen anderen Weg gibt.« Dr. med Christiane Northrup Die moderne Medizin und unsere Gesundheit befinden sich an einem kritischen Scheideweg: Trotz unseres hohen medizinischen Standards werden wir immer kränker. Chronische Krankheiten, Stoffwechselstörungen, Krebs und vorzeitige Zellalterung haben nie gekannte Ausmaße erreicht. Aber warum ist das so? Anstatt auf unseren Körper zu hören, verlassen wir uns zu sehr auf Medikamente oder geben unseren Genen die Schuld. Dabei halten wir selbst das Steuer Richtung Gesundheit in der Hand. Das Schlüsselwort lautet »Regeneration«. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse beweisen, dass unser Körper jederzeit seine Selbstheilungskräfte aktivieren und fehlerhafte Zellen reparieren sowie krankes Gewebe regenerieren kann, wenn wir ihn nur mit dem passenden Werkzeug ausstatten. Sayer Ji zeigt, wie Sie mit der richtigen Ernährung, dem Wissen der »Neuen Biologie«, bewährten Techniken und Methoden zur Stressbewältigung und zur Verbesserung der Schlafqualität Ihren Körper von innen heraus stärken, den Alterungsprozess verlangsamen und chronische Krankheiten rückgängig machen – damit Sie lange gesund und vital bleiben!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 489
Veröffentlichungsjahr: 2020
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
Wichtige Hinweise
Dieses Buch ist für Lernzwecke gedacht. Es stellt keinen Ersatz für eine individuelle medizinische Beratung dar und sollte auch nicht als solcher benutzt werden. Wenn Sie medizinischen Rat einholen wollen, konsultieren Sie bitte einen qualifizierten Arzt. Der Verlag und der Autor haften für keine nachteiligen Auswirkungen, die in einem direkten oder indirekten Zusammenhang mit den Informationen stehen, die in diesem Buch enthalten sind.
Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.
3. Auflage 2022
© 2021 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Türkenstraße 89
80799 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
Die amerikanische Originalausgabe erschien 2020 bei Hay House Inc. USA unter dem Titel Regenerate. Unlocking Your Body’s Radical Resilience Through the New Biology. © 2020 by Sayer Ji. All rights reserved.
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Übersetzung: Marion Zerbst
Redaktion: Michaela Mallwitz
Umschlaggestaltung: Sonja Vallant, unter Verwendung des Originals von Jason Gabbert
Umschlagabbildung: Shutterstock/Viktar Malyshchyts
Layout, Satz und E-Book: Daniel Förster, Belgern
ISBN Print 978-3-7423-0793-4
ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-0408-4
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-0409-1
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
www.rivaverlag.de
Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de
Dieses Buch widme ich meiner geliebten Frau und Partnerin Kelly Brogan, die wie eine Naturgewalt in mein Leben getreten ist und es völlig auf den Kopf gestellt hat. Der alchemistische Schmelztiegel unserer großen Liebe hat mir den Mut gegeben, mich meinen tiefsitzenden Ängsten, meiner Biografie und meinen nur in meinem Kopf vorhandenen Grenzen zu stellen und darüber hinauszuwachsen. So konnte ich mir ein unendliches Potenzial körperlicher und spiritueller Regeneration erschließen, von dem ich heute weiß, dass es als Geburtsrecht in uns allen steckt.
Einführung
Teil 1Ihr Körper und das Wunder der Regeneration
Kapitel 1Die Revolution der Neuen Biologie
Kapitel 2Nahrungsmittel als Information
Kapitel 3Die neue Biophysik der Energiesynthese
Teil 2Ein neuer Blick auf chronische Erkrankungen, Prävention und Heilung
Kapitel 4Blick über den Tellerrand der Genmutation
Kapitel 5Lifestyle-Medizin für ein gesundes Gehirn
Kapitel 6Ihr Herz besser verstehen
Kapitel 7Stoffwechselerkrankungen rückgängig machen
Kapitel 8Eine neue Sichtweise auf den Alterungsprozess
Teil 3Ihr Regenerationsprogramm
Phase 1Induktion
Phase 2Neustart
Phase 3Nahrungsergänzung
Phase 4Geist und Körper heilen
Schlusswort
Dank
Über den Autor
Regeneration bedeutet, sich zu verjüngen, zu revitalisieren und zu erneuern. Das sind vielversprechende Worte – vor allem für die vielen Menschen, die das Gefühl haben, dass irgendetwas nicht stimmt: meistens mit ihrem Körper, in zunehmendem Maß aber auch mit ihrer Seele. Wir sehnen uns nach einem Gefühl innerer Ruhe, Ganzheit und Vitalität, aber gleichzeitig empfinden wir unseren Körper auch als fehleranfälliges, angreifbares Gebilde, so wie er uns immer wieder dargestellt wird. Doch in Wirklichkeit sind wir darauf programmiert, auf natürliche Weise Kraft, Energie und Heilung aus unserem eigenen Inneren zu schöpfen, statt wie ein Uhrwerk der »unvermeidlichen« Abwärtsspirale der biologischen Zeit zu unterliegen. Unser Körper besitzt auf Zellebene die angeborene Kraft und Fähigkeit, Schäden rückgängig zu machen, sich zu regenerieren und jenes unmittelbare Gefühl des Wohlbefindens wiederzugewinnen, das uns leider verloren gegangen ist.
Das ist kein bloßes Wunschdenken. Viele neue biomedizinische Untersuchungen bestätigen, dass unser Körper eine enorme Widerstandskraft besitzt: Um unsere Gesundheit und Vitalität zurückzugewinnen, brauchen wir nur die Störquellen zu beseitigen, die ihn in seiner angeborenen, unverwüstlichen Selbstregenerationsfähigkeit beeinträchtigen. Unsere heutige physische Gestalt ist ein Ergebnis jahrtausendelanger Anpassung an sich ständig verändernde Lebensbedingungen. Selbst schwierigste biologische Bedingungen und Umweltveränderungen haben wir überlebt. Dank dieser Bewährungsproben hat unser Körper wahre Superkräfte entwickelt, zu denen nicht zuletzt auch unsere fast schon magische, unverwüstliche Widerstandsfähigkeit gehört.
Die Neue Biologie vertritt eine atemberaubende, revolutionäre Sichtweise auf den menschlichen Körper als widerstandsfähige, intelligente, nahtlos mit dem universalen Potpourri verwobene Entität. In diesem Buch lernen Sie, die Selbstheilungsmechanismen Ihres Körpers und die Regenerationsfähigkeit Ihrer Zellen zu aktivieren.
Auf molekularer Ebene durchläuft jede Zelle Ihres Körpers einen ständigen Prozess des Werdens und Vergehens, wie das Flackern einer Kerzenflamme – und dieser Prozess läuft so reibungslos ab, dass wir uns dabei auf makroskopischer Ebene als relativ gleichbleibende, unveränderliche Organismen empfinden. Und doch laufen in jeder Zelle von Sekunde zu Sekunde Billionen kleinster Veränderungen und Korrekturen ab, um beschädigtes und krankes Gewebe zu regenerieren.
Einfach ausgedrückt, besteht Regeneration darin, dass Ihr Körper Altes entsorgt, das er nicht mehr braucht, und Neues entwickelt, das er braucht.
In »Teil 1: Ihr Körper und das Wunder der Regeneration« erfahren Sie alles über die geheimen Wechselbeziehungen zwischen menschlicher und pflanzlicher Evolution, über Ihre Gene und die wichtigsten Faktoren, die Ihre gesundheitliche Regeneration fördern oder stören können. Denn auch wenn das immer wieder behauptet wird: Ihre DNA ist nicht Ihr Schicksal. Sie selbst halten das Steuer in der Hand, und Ihre Lebensentscheidungen – von der Ernährung bis hin zu Ihren Interaktionen mit der Natur – haben großen Einfluss auf Ihre Gesundheit. Sie lernen die Regenerationsfähigkeit Ihrer Zellen kennen und erfahren, wie Sie sie darauf programmieren können, Heilungsprozesse in Gang zu setzen und Ihr Leben zu verlängern. Ich werde Ihnen aber auch ein paar wissenschaftliche Grundkenntnisse vermitteln: zum Beispiel, wie Mikro-RNA – Botenstoffe aus der Nahrung, die direkt mit Ihren Zellen kommunizieren – Ihre Genexpression orchestrieren können und wie die Telomere (DNA-Stücke an den Enden der Chromosomen, die keine Erbinformation enthalten) Ihren Alterungsprozess beeinflussen.
In »Teil 2: Ein neuer Blick auf chronische Erkrankungen, Prävention und Heilung« erhalten Sie verblüffende neue Informationen über die Zusammenhänge zwischen unserer typischen westlichen Ernährung (mit vielen Getreideprodukten und chemisch und industriell verarbeiteten Grundnahrungsmitteln, einer Kost, die in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg aufkam und sich seither von den USA fast über die ganze Welt ausgebreitet hat) und dem Auftreten chronischer Krankheiten, die den Alterungsprozess beschleunigen und sich negativ auf unsere Lebensdauer und -qualität auswirken: Krebs, Alzheimer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und metabolisches Syndrom sind sogenannte »Wohlstandskrankheiten«, die die Regenerationsprozesse in Ihrem Körper sabotieren. Und da Angst ein großes Hindernis für jede Art von Heilungsprozess ist, geht es in Teil 2 dieses Buches auch um die psycho-emotionale Dimension der Zelldegeneration und um den Beitrag, den das medizinische Establishment dazu leistet.
»Teil 3: Ihr Regenerationsprogramm« zeigt Ihnen den Weg zu einem besseren Gesundheitszustand. Sie erfahren, wie Sie sich von der typischen westlichen Ernährung entwöhnen und Ihren Körper mit der Kost unserer Vorfahren heilen können. Und Sie lernen auch, wie Sie diese Ernährung mithilfe natürlicher Nahrungsergänzungsmittel optimieren können, um noch nachhaltigere Erfolge zu erzielen. Außerdem zeige ich Ihnen, wie Sie die reichlich vorhandenen Energieressourcen der Natur nutzen können, um Ihren Regenerationsprozess zu fördern und Ihren Körper von innen heraus zu stärken. Sie werden sich in das Vergnügen bewusster Bewegung stürzen und bewährte Techniken zur Stressbekämpfung und Verbesserung Ihres Schlafs kennenlernen, mit denen Sie den Alterungsprozess verlangsamen und die Grundursachen chronischer Krankheiten beseitigen können.
Ob Sie nun Ihre Lebensqualität verbessern, eine chronische Erkrankung rückgängig machen oder die uralten, im Lauf der Evolution entstandenen Selbstheilungsmechanismen Ihres Körpers reaktivieren möchten: Wenn Sie sich dabei an die Prinzipien der Neuen Biologie halten, werden Ihr Körper, Ihr Geist und Ihre Seele sich verändern. Dann wird es Ihnen auch leichter fallen, sich von Grund auf gesund und vital zu fühlen – und darauf haben Sie meiner Meinung nach ein natürliches Anrecht.
Heute staune ich oft über die hohe Intelligenz und enorme Resilienz des menschlichen Körpers. Doch es hat lange gedauert, bis ich diese Vitalität am eigenen Leib erfahren durfte. Ich kam als kränkliches Kind zur Welt. Auf meinem Weg zur Genesung war ich ständig von Medikamenten abhängig und hatte kaum noch Hoffnung; oft zweifelte ich daran, dass ich es überhaupt bis zum Erwachsenenalter schaffen würde. Doch heute bin ich in vielerlei Hinsicht stärker als je zuvor. Ich habe mich von einem übergewichtigen, körperlich inaktiven Asthmatiker mit kaputter Hüfte zu einem Marathonläufer entwickelt, der schon seit Jahrzehnten keine Medikamente mehr einnimmt.
Mein Kampf gegen das Kranksein begann bereits im Alter von sechs Monaten in unserer Arztpraxis, wo eigentlich meine große Schwester untersucht werden sollte, während meine Mutter mich auf dem Arm hielt. Die Krankenschwester sah meine blasse Hautfarbe und hörte mein flaches, keuchendes Atmen; und statt meine Schwester ins Sprechzimmer zu holen, entriss sie mich den Armen meiner Mutter, und ich musste verschiedene Tests und Untersuchungen über mich ergehen lassen. An diesem Tag wurde bei mir ein schweres Asthma diagnostiziert. Von da an bestand der größte Teil meiner Kindheit aus einer endlosen Achterbahnfahrt aus Arztterminen und Krankenhausaufenthalten. Fast immer hatte ich mit mehreren Gesundheitsproblemen gleichzeitig zu kämpfen – von ständigen Erkältungen über chronische Allergien bis hin zu schweren »Asthmaanfällen«, derentwegen ich manchmal zweimal pro Woche im Krankenhaus landete.
Ich bekam alle damals üblichen Impfungen (die ersten fielen zeitlich genau mit dem Ausbruch meines Asthmas zusammen); außerdem verschrieb der Arzt mir starke Medikamente wie Antibiotika und Kortisonsprays, die mich während meiner ganzen Kindheit begleiteten. Wenn es sehr schlimm wurde, brachten meine Eltern mich in die nächste Notaufnahme, um mir eine Adrenalinspritze geben zu lassen – einen beklemmenden Adrenalinschub, der bei einem akuten Asthmaanfall die Bronchien erweitern sollte. Bei all diesen Spritzen, Impfungen und Immuntherapie-Injektionen gegen meine Allergien kam ich mir manchmal vor wie ein menschliches Nadelkissen. Doch obwohl der Apothekenschrank in unserem Badezimmer vor Medikamenten überquoll, nahm ich keines dieser Mittel lange ein, weil die Ursachen meiner Beschwerden (nach denen damals niemand zu suchen schien) sich dadurch nicht beheben ließen.
Als ich sechs Jahre alt war, wurden mir die Rachenmandeln herausoperiert – ein Immunorgan, dessen Entfernung seither mit einer ganzen Reihe oberer Atemwegserkrankungen und einem erhöhten Risiko für Infektions-/Parasitenerkrankungen im späteren Leben in Verbindung gebracht worden ist.1 Im Alter von 12 und 13 Jahren unterzog ich mich zwei großen Operationen wegen einer relativ seltenen Knochen- und Hüftgelenkserkrankung, der sogenannten juvenilen Hüftkopflösung – einer Krankheit, von der man heute weiß, dass sie öfters bei Asthmatikern auftritt, bei denen inhalative Kortikosteroide als unerwünschte Nebenwirkung die normale Knochen- und Knorpelentwicklung stören. Aufgrund meiner körperlichen Einschränkungen (bis heute ist mein rechter Oberschenkelknochen einen guten Zentimeter kürzer als der linke) und eines allgemeinen Mangels an Vitalität konnte ich oft nicht mit anderen Kindern spielen oder am Sportunterricht teilnehmen. Ich war übergewichtig, schlecht in Form und todunglücklich. Ich kam mir vor wie ein Ausgestoßener, gefangen in der Ruine meines Körpers. Manchmal litt ich unter solcher Atemnot, dass ich kaum noch die Treppe hinaufkam.
Als ich 17 Jahre alt war, versicherte mein Arzt mir und meinen Eltern, dass meine Atmung sich verbessern würde, wenn ich mich an den Nasennebenhöhlen operieren ließ. Doch nach diesem Eingriff litt ich unter immer schlimmeren Obstruktionen der Nasenwege und chronischen Nebenhöhleninfektionen, die mir das Atmen noch mehr erschwerten.
Diese ständigen Arzttermine und medizinischen Behandlungen haben mich schon in früher Kindheit stark traumatisiert und dazu geführt, dass ich mich innerlich von meinem Körper abspaltete, in dem so viel physischer und emotionaler Schmerz gespeichert war. Die moderne Medizin hat mir nicht nur kaum geholfen, sondern schien mich manchmal sogar richtiggehend zu quälen. Rückblickend ist mir klar, dass mein wachsendes Gefühl der Ohnmacht durch ein medizinisches System, in dessen Weltbild chronische Erkrankungen wie Asthma außerhalb der Kontrolle des Patienten liegen, noch verschlimmert wurde. Man sagte, Asthma liege »in der Familie« – als sei das einfach nur eine Frage schlechter Gene.
Als Kind und Jugendlicher wurde ich von mindestens einem Dutzend Ärzten untersucht und behandelt; doch kein einziger nahm meine Umweltbedingungen, meine Ernährung, meine Giftstoffbelastung oder die Zusammenhänge zwischen Körper, Geist und Emotionen als mögliche Auslöser meiner Beschwerden genauer unter die Lupe. Erst in meinem ersten Studienjahr am College, als sich mir eine ganz neue Welt alternativer medizinischer Vorstellungen und Behandlungsmethoden eröffnete, zog ich die Möglichkeit in Betracht, dass mein Asthma vielleicht durch Ernährungs-, Verhaltens- und emotionale Faktoren verursacht worden war.
Als ich erfuhr, dass Kuhmilch – keineswegs das kalziumreiche Gesundheitselixier, als das sie immer angepriesen wird – eine »schleimbildende Wirkung« hat, entschloss ich mich zu einem Selbstversuch und strich Milch und Käse von meinem Speisezettel. Das Ergebnis war und ist für mich auch heute noch ein Wunder: Innerhalb von ein paar Tagen ging mein lebenslanges Asthma vollständig zurück. Nachdem ich 17 Jahre lang ständig Asthmamedikamente eingenommen hatte, konnte ich von nun an für immer darauf verzichten. Die Asthmasymptome kehrten nur dann wieder, wenn ich versehentlich auch nur eine winzig kleine Menge Milchprodukte zu mir genommen hatte (einzige Ausnahme: geklärte Butter oder Ghee – ein Milchprodukt, dem das Kasein entzogen wird, sodass es keine antigene Wirkung mehr hat).
Nachdem mein ganzes bisheriges Leben von Krankheiten und gesundheitlichen Beschwerden bestimmt und eingeschränkt gewesen war, fühlte ich mich nun wie befreit, empfand aber gleichzeitig auch, dass man mir Unrecht getan hatte. Noch aufregender als das Gefühl, wieder atmen zu können, war die Erkenntnis, dass mein Körper von seiner Biologie her nicht dazu bestimmt ist, schwach oder eine »Fehlkonstruktion« zu sein. Von da an begann ich, jene medizinischen Institutionen infrage zu stellen, die alle Menschen (so wie ich es früher auch getan hatte) für die oberste Autorität in Sachen Gesundheit hielten.
Später erfuhr ich, dass Kuhmilch weiße, klebrige Eiweiße (beispielsweise A1-β-Kasein) und starke Mikro-RNA-Moleküle enthält, die sich auf unsere Gene auswirken. Diese Moleküle sind in kleine Partikel namens Exosomen verpackt und eigentlich für Kälber bestimmt. Die biologischen Signalwege,2 die die Kuhmilch in meinem Körper aktivierte, hatten sich in Form von Asthmasymptomen geäußert. Mit diesen Beschwerden hatte mein Körper mir zeigen wollen, dass ein grundlegendes Missverhältnis zwischen seinen Bedürfnissen und den Unzulänglichkeiten der üblichen westlichen Kost bestand, von der ich mich damals ernährte. Die Symptome waren also nicht mein Feind, sondern vielmehr Vorboten der Lösung gewesen.
Später erfuhr ich, dass auch die Verdauungsbeschwerden, die mich früher geplagt hatten (beispielsweise Verstopfung und Säurereflux), nicht auf schlechte Gene oder Pech zurückzuführen waren, sondern darauf, dass glutenhaltiges Getreide wie Weizen mit unserem Körper biologisch inkompatibel ist. Von da an faszinierten mich die Zusammenhänge zwischen Krankheiten, unserer Ernährung und dem bislang unausgeschöpften Selbstheilungspotenzial unseres Körpers so sehr, dass ich mir dieses Thema schließlich zur Lebensaufgabe machte. Inzwischen habe ich eine Datenbank aus über 10 000 wissenschaftlich erforschten Gesundheitsthemen aufgebaut, auf die man über die ebenfalls von mir entwickelte Webseite GreenMedInfo.com zugreifen kann. Ich habe GreenMedInfo.com begründet, um sowohl Zynikern als auch Gläubigen die veröffentlichten, empirisch gesicherten Beweise dafür zu liefern, was schon unzählige Menschen am eigenen Leib erfahren haben: die transformative Kraft der Selbstheilung durch Ernährung, Natur und ganzheitliche Medizin. Damit möchte ich der Öffentlichkeit Zugang zu einem ganzen Arsenal ungenutzter Behandlungsmöglichkeiten bieten, mit denen uralte Medizinsysteme schon seit Langem arbeiten. Ich möchte, dass Sie fundierte Entscheidungen darüber treffen können, ob Sie sich einer bestimmten schulmedizinischen Behandlung unterziehen sollen oder nicht. Vor allem aber sollen Sie Ihr Leben und Ihr gesundheitliches Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen.
Die Revolution der Neuen Biologie vollzieht sich schnell, aber so unauffällig, dass die meisten Vertreter der konventionellen Medizin und Pharmazie sie gar nicht wahrnehmen. Tatsächlich spiegelt sie sich aber seit über zwei Jahrzehnten in den Annalen der angesehensten medizinischen Fachzeitschriften wider. Man braucht keinen Universitätsabschluss, um diese Erkenntnisse zu verstehen oder anzuwenden. Dieses Buch enthält die Quintessenz des Wissens, das ich darüber gesammelt habe, wie man die natürlichen Selbstheilungskräfte seines Körpers aktiviert – genau jene Fähigkeiten, die Hippokrates mit den Worten beschrieben hat: »Die Naturkräfte in uns sind die wahren Heiler unserer Krankheiten.«
Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich andere Menschen, die unter chronischen Krankheiten oder Beschwerden leiden, dazu anregen möchte, darüber nachzudenken, ob ihr Körper (der in Wirklichkeit alles andere als eine »Fehlkonstruktion« ist) ihnen damit nicht vielleicht eine Botschaft senden möchte: Er warnt Sie, wenn irgendetwas, das Sie essen oder trinken, atmen oder denken, für Sie toxisch oder mit Ihrem Wohlergehen biologisch nicht vereinbar ist. Durch Beschwerden signalisiert der Körper uns, dass er in Not oder aus dem Gleichgewicht geraten ist und dringend Hilfe braucht. Wenn wir wirklich von unseren Krankheiten geheilt werden möchten, müssen wir uns um diese Symptome kümmern wie um ein weinendes Baby, statt sie einfach nur zum Schweigen zu bringen.
Wenn Sie anfangen, Ihre Symptome aus einer anderen Perspektive zu betrachten, werden Ihnen dadurch zwei Wahrheiten klar werden. Erstens: Sie haben ein Recht auf Gesundheit – und nicht auf Krankheit und Schwäche. Zweitens ist Ihre Krankheit für Sie eine Chance, ganz neue Erkenntnisse zu gewinnen und Ihr Leben von Grund auf zu verändern. Egal, an welchem Punkt Ihres Lebenswegs Sie gerade sind – Sie können Tag für Tag Entscheidungen treffen, die dazu beitragen, Ihren Körper regenerationsfähiger und widerstandsfähiger zu machen. Ich will Ihnen zeigen, wie das geht.
1 Baier, Scott R. et al.: MicroRNAs Are Absorbed in Biologically Meaningful Amounts from Nutritionally Relevant Doses of Cow Milk and Affect Gene Expression in Peripheral Blood Mononuclear Cells, HEK-293 Kidney Cell Cultures, and Mouse Livers. The Journal of Nutrition144, Nr. 10 (Oktober 2014): S. 1495–1500, doi.org/10.3945/jn.114.196436
2 Byars S., S. Stearns, J. Boomsma: Association of Long-Term Risk of Respiratory, Allergic, and Infectious Diseases With Removal of Adenoids and Tonsils in Childhood. JAMA Otolaryngolgy Head Neck Surgery144, 7 (2018): S. 594–603, doi.org/10.1001/jamaoto.2018.0614
Die Wahrheit über Ihre Gene, Nahrung als Information und die alchemistische Physiologie Ihres Körpers
DNA, Mikro-RNA und Genexpression
Den meisten modernen Menschen geht es gesundheitlich nicht besonders gut. Vielleicht wurden auch bei Ihnen schon eine oder mehrere chronische Krankheiten diagnostiziert (wobei Diabetes, Bluthochdruck, Arthritis und Säurereflux am häufigsten vorkommen), oder Sie leiden an anderen weitverbreiteten Erkrankungen wie Depressionen und Angstzuständen, ohne mit Ihrem Arzt darüber zu sprechen.
Die von der amerikanischen Seuchenschutzbehörde Centers for Disease Control (CDC) herausgegebenen Statistiken stufen chronische Erkrankungen heute als Hauptursache für Tod und Behinderung in den USA ein. Laut CDC sind sieben von zehn Todesfällen auf eine chronische Krankheit zurückzuführen, und erstaunliche 75 Prozent unserer jährlichen Gesundheitsausgaben sind für den Umgang mit dieser immer mehr um sich greifenden Epidemie bestimmt.1 Sicherlich möchten Sie nicht Ihr Leben lang rezeptpflichtige Pillen einnehmen, um die Symptome solcher Erkrankungen zu lindern. Und hoffentlich glauben Sie auch nicht, dass Ihr Körper von Natur aus defekt und dazu bestimmt ist, früher oder später unheilbar krank zu werden. Ich möchte Ihnen zeigen, dass es einen anderen Weg gibt; und die neue Wissenschaft untermauert dieses Versprechen mit intelligenten, eleganten, raffiniert ausgeklügelten Forschungsprojekten.
Warum sehe ich das Potenzial Ihres Körpers so optimistisch? Überlegen Sie doch einmal, wie weit Ihr Körper es im Lauf der Jahrtausende gebracht hat! Ihre Zellen verdanken ihre Existenz einer unglaublich widerstandsfähigen Keimbahn, die sich seit Beginn der biologischen Zeit auf dieser Erde (vielleicht sogar noch viel länger) in allen Lebewesen repliziert hat. Diese Keimzellen – Sperma beim Mann und Eizellen bei der Frau – repräsentieren eine quasi unsterbliche, ununterbrochene biologische Linie einer fast unendlichen Anzahl von Zellteilungen, die uns mit unserem letzten universellen gemeinsamen Vorfahren (LUCA) verbindet, der vor schätzungsweise 3,5 bis 3,8 Milliarden Jahren in der Nähe der hydrothermalen Quellen auf dem Ur-Meeresboden entstanden ist.
Im Gegensatz zu den aus ihnen entstehenden somatischen Zellen oder Körperzellen sind diese Keimbahnzellen insofern »unsterblich«, als ihre biologischen Informationen schon seit Milliarden Jahren ununterbrochen von Generation zu Generation weitergegeben werden – und das wird auch in Zukunft so sein. Die Stammzellen, die aus der Verschmelzung dieser Keimbahnzellen hervorgehen, spielen für die Erneuerung und Regeneration beschädigter Zellen jetzt in diesem Augenblick eine wichtige Rolle. Keine medikamentöse Therapie reicht an die Selbstheilungskräfte dieser Stammzellen heran, die in sämtlichen Geweben Ihres Körpers enthalten sind.
Die wichtigste Botschaft daraus (auf die wir später noch näher eingehen werden) lautet, dass Ihr Körper einen Samen der Unsterblichkeit enthält – und das ist nicht einfach nur eine Metapher, sondern wörtlich gemeint. Dieser Same manifestiert sich in der unerschöpflichen Regenerationsfähigkeit Ihrer vielen Stammzellen und kann auf nahezu unbegrenzte Energie aus einer Quelle zugreifen, die über den bloßen Kaloriengehalt Ihrer Nahrung hinausgeht. Das ist die Kernbotschaft der Neuen Biologie – einer wissenschaftlichen Revolution, die unser Verständnis des menschlichen Körpers von Grund auf verändert. Aus Sicht dieser Neuen Biologie muss eine Diagnose kein lebenslanges Urteil sein. Medikamente sind nicht die einzige sinnvolle Therapieoption. Die hochintelligenten heilenden Fähigkeiten der richtigen Nahrungsmittel und die Fähigkeit Ihres Körpers, auf ein inneres Reservoir an Regenerationsenergie zurückzugreifen, sind sehr viel stärker als jedes Rezept, das Ihr Arzt Ihnen ausstellt. Das möchte die milliardenschwere, profitorientierte medizinisch-pharmazeutische Industrie natürlich vor Ihnen verbergen. Denn diese Industrie verfolgt in erster Linie das Ziel, durch Verkauf von Arzneimitteln eine kontinuierliche Einnahmequelle zu erzeugen, und ist somit eher an lebenslangen Konsumenten interessiert als daran, wirklich etwas für das Wohlbefinden der Menschen zu tun.
Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Unser medikamentenlastiges Gesundheitssystem ist weitgehend ersetzbar, und zwar durch völlig kostenlose, biokompatible (aus den gleichen natürlichen Substanzen wie Ihr Körper bestehende), allgemein zugängliche pflanzliche Heilmittel und durch Veränderungen unserer Ernährung und unseres Lebensstils. Diese ermutigende Botschaft – dass Ihr Körper sich von den am meisten gefürchteten Krankheiten unserer heutigen Zeit selbst heilen und regenerieren kann – wird inzwischen nicht mehr nur von Pflanzenheilkundlern und Energiemedizinern propagiert, sondern wurde auch von medizinischen Experten akzeptiert.
Als ich am College studierte und zum ersten Mal in meinem Leben keinen Inhalator mehr brauchte, nachdem ich Kuhmilchprodukte und Weizen aus meiner Ernährung gestrichen hatte, wollte ich natürlich unbedingt mehr über dieses interessante Phänomen erfahren. Wie konnte eine so minimale Ernährungsumstellung eine lebenslange, manchmal sogar lebensbedrohliche Erkrankung zum Verschwinden bringen? Ich beschloss, mich intensiv mit Naturwissenschaften und Medizin zu beschäftigen, stellte aber fest, dass ein oberflächliches Studium der Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit meine Heilung nicht erklären konnte. Schließlich wurde dem Essen nirgends eine über Kalorienanzahl und Nährstoffgehalt hinausgehende Bedeutung beigemessen. Durch ständiges Hinterfragen solch fest verwurzelter Annahmen bin ich schließlich zum Studium der Philosophie gelangt – einer Disziplin, die alle Bereiche menschlichen Wissens und menschlicher Erfahrung systematisch zerpflückt und hinterfragt. Mit Unterstützung hervorragender Professoren – vor allem meines Mentors, des großen amerikanischen Philosophen Dr. Bruce Wilshire – und dank unseres gemeinsamen Interesses an einem speziellen Zweig der empirisch begründeten Philosophie (der Phänomenologie) wandte ich mich der wissenschaftlichen und medizinischen Literatur zu; und da fiel mir eine ganz neue Betrachtungsweise des Themas Körper und Heilung auf. Sie war vielleicht nicht hundertprozentig durch alte wissenschaftliche Methoden validiert, aber überzeugend genug, um eine weitere Beschäftigung damit zu rechtfertigen. So gelangte ich zu den Informationen und Konzepten, die mich zu meiner Arbeit an diesem Buch inspiriert haben.
In den seither vergangenen Jahrzehnten war ich stets besonders skeptisch gegenüber dem Aufstieg und der zunehmenden ideologischen Vorherrschaft des »Szientismus« – der Überzeugung, dass alles Wissen nach den schon seit Langem vertretenen Annahmen und Methoden der Physik und Biologie beurteilt werden sollte und dass alles, was sich anhand dieser Prämissen nicht beweisen lässt, entweder nicht relevant ist oder nicht existiert.
Um das Gespenst des Szientismus, das während der wissenschaftlichen Revolution des 17. Jahrhunderts auftauchte, richtig zu verstehen, müssen wir uns klarmachen, dass diese Bewegung Ratio, Logik und Vernunft auf Kosten anderer menschlicher Fähigkeiten wie Kreativität, Vorstellungskraft, Intuition und unmittelbarer Erfahrung in den Himmel gehoben hat. Die damit einhergehende Vorstellung, dass nur die Wissenschaft Zugang zur ultimativen, objektiven Wahrheit hat, ignoriert die stillschweigenden Verzerrungen, Interessenkonflikte, konkurrierenden Agenden und kulturellen Ideologien, die die Ergebnisse medizinischer Untersuchungen, ja sogar die Entwicklung der wissenschaftlichen Sprache selbst beeinflusst haben.
Der Szientismus führt zu einer Grundhaltung, die ich als »medizinischen Monotheismus« bezeichne: dem Glauben, dass es nur einen wahren und richtigen Weg gibt, Medizin zu interpretieren und zu praktizieren, während alternative oder konkurrierende Methoden als Ketzerei und Quacksalberei abgetan werden, auch wenn sie nachweislich sicherer, wirksamer und leichter zugänglich sind. Dieses Gruppendenken hat sich im biomedizinischen Establishment fest verankert und dazu geführt, dass es für jeden Experten einem beruflichen Selbstmord gleichkommt, Untersuchungen oder Forschungsergebnisse ins Feld zu führen, die der gängigen medizinischen Meinung widersprechen oder diese widerlegen, oder statt der vom Establishment vorgeschriebenen Therapiestandards womöglich gar alternative Behandlungsmethoden wie Homöopathie oder eine Ernährungsumstellung anzuwenden. Das medizinische Establishment scheut keine Mühe, um zu beweisen, dass Naturheilkunde bestenfalls unwirksam und schlimmstenfalls gefährlich ist. In unserer heutigen Zeit wurden Ärzte dazu indoktriniert und ausgebildet, für jede Erkrankung irgendein passendes Medikament zu finden und Symptome mit der Holzhammermethode zu bekämpfen. Das macht es ihnen oft unmöglich, Muster zu erkennen, die nicht bereits von ihren Kollegen »abgesegnet« worden sind. Diese häufig als »Konsensmedizin« oder »evidenzbasierte Medizin« bezeichnete Vorgehensweise beruht auf den oft willkürlichen, bestimmten Agenden dienenden Vereinbarungen einer Gruppe höchst einflussreicher Personen, die »das schon immer so gemacht haben«, statt sich auf die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zu stützen.
Diese Verteufelung von allem, was nicht in das Schema »Für jede Krankheit gibt es eine Pille« passt, reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als die Naturheilkunde in Ungnade fiel. Damals waren Chiropraktiker und Ärzte, die natürliche Heilmethoden praktizierten (beispielsweise Hydrotherapeuten, Naturheilkundler und Homöopathen) höher angesehen als andere medizinische Berufe; doch infolge des im Jahr 1910 veröffentlichten Flexner-Reports wurden sie zu einem Relikt. Diese vom Fachbeirat der American Medical Association (AMA) in Auftrag gegebene Studie zur Begutachtung des medizinischen Ausbildungssystems der USA verteufelte solche Heiler als Quacksalber und Scharlatane. Um sich in der medizinischen Welt der damaligen USA eine Monopolstellung zu sichern, leitete die AMA eine systematische Verleumdungskampagne in die Wege, um medizinische Ausbildungsstätten zu delegitimieren, die in ihren Lehrplänen keine medikamentösen Behandlungen befürworteten, und sprach nur den medizinischen Schulen, die dies taten, eine Existenzberechtigung und juristische Glaubwürdigkeit zu.
Diese Vereinheitlichung der medizinischen Ausbildung und Approbation fiel zeitlich mit der Finanzierung der ersten medizinischen Fakultäten durch den Ölmagnaten John D. Rockefeller und dem Aufstieg der erdölbasierten Arzneimittel zusammen, an denen Rockefeller ein finanzielles Interesse hatte und die zum Fundament der Schulmedizin wurden (einer Form von Medizin, die sich auf die Unterdrückung von Krankheitssymptomen durch Medikamente und chirurgische Eingriffe konzentriert, ohne sich um deren Ursachen zu kümmern). So stiegen die Ärzte, die früher auf der sozialen Leiter ziemlich weit unten gestanden hatten, in ihre heutige Position als Hüter privilegierten Wissens auf.
Rein theoretisch beruht die Vorgehensweise des medizinischen Establishments auf »evidenzbasierter Medizin«: Schlussfolgerungen und Therapiealgorithmen, zu denen man aufgrund logisch konzipierter und stringent durchgeführter wissenschaftlicher Untersuchungen gelangt ist. Doch in Wirklichkeit steckt die wissenschaftliche Literatur, wie Richard Horton, Chefredakteur der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet, festgestellt hat, voller Kontroversen: »Die Argumente, die gegen die Wissenschaft sprechen, liegen klar auf der Hand: Ein Großteil – vielleicht die Hälfte – der wissenschaftlichen Literatur könnte schlicht und einfach falsch sein.«2 Der frühere Chefredakteur der renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medicine kam zu einem ähnlichen Fazit: »Es ist einfach nicht mehr möglich, einem Großteil der publizierten klinischen Untersuchungen Glauben zu schenken oder sich auf das Urteil anerkannter Ärzte und maßgeblicher medizinischer Richtlinien zu verlassen. Ich bin alles andere als glücklich über diese Schlussfolgerung, zu der ich in meinen zwei Jahrzehnten als Herausgeber dieser Zeitschrift langsam und widerstrebend gelangt bin.«3
Die Finanzierung durch die Industrie stellt ein großes Hindernis für objektive Forschungsergebnisse dar: Analysen zufolge berichten industriegesponserte Studien signifikant häufiger positive Ergebnisse als Studien, die von der Regierung, gemeinnützigen oder nicht-staatlichen Organisationen finanziert worden sind.4 Dafür gibt es sogar einen Fachbegriff: »Publikationsbias« oder »Publikationsverzerrung« bedeutet, dass Studien, die keine oder für ein Medikament ungünstige Ergebnisse erbracht haben, in wissenschaftlichen Veröffentlichungen eher totgeschwiegen werden.5 Auch bewusste Manipulation und statistische Tricks, mit deren Hilfe Studienergebnisse aufgrund kommerzieller Interessen verfälscht werden, sind keine Seltenheit.6 Hinzu kommt das Problem der Bestechung von Zeitschriftenredakteuren durch die Industrie. Eine retrospektive Beobachtungsstudie hat ergeben, dass 50,6 Prozent aller Zeitschriftenredakteure Zahlungen von der Industrie annehmen, wobei diese Bestechungsgelder im Durchschnitt 28 136 Dollar, manchmal sogar fast eine halbe Million Dollar betragen. Das bedeutet, dass die Redakteure der einflussreichsten Zeitschriften der Welt, die den wissenschaftlichen Dialog bestimmen, eindeutig käuflich sind.7 Außerdem hat eine im Jahr 2007 im New England Journal of Medicine veröffentlichte nationale Umfrage ergeben, dass 94 Prozent der Ärzte Beziehungen zur Pharmaindustrie hatten, in deren Rahmen diese Ärzte kostenlos bewirtet wurden und Kostenerstattungen für medizinische Fortbildung oder Fachtagungen, Beratungstätigkeit, Vorträge und die Aufnahme von Patienten in klinische Studien erhielten.8
Auch der Einfluss der Pharmavertreter, die die ärztliche Verschreibungspraxis nachweislich stark bestimmen, darf nicht unterschätzt werden. Wenn viele Ärzte und Wissenschaftler gekauft werden, wenn Manipulation und Verfälschung von Forschungsergebnissen an der Tagesordnung sind und vielversprechende Arzneimittelkandidaten in Publikationen von Studien begünstigt werden,9 beginnt das Gebäude der evidenzbasierten Medizin zu bröckeln. Wenn Richter und Geschworene gekauft sind, kann man den etablierten Therapiestandards nicht mehr trauen.
Angesichts dieser Taktiken braucht man schon einen sehr kritischen Blick, um sich durch die Katakomben der wissenschaftlichen Datenbanken hindurchzumanövrieren, Studienmethoden zu analysieren, die Qualität von Studien zu beurteilen, Interessenkonflikte richtig einzuschätzen und die sprichwörtliche Spreu vom Weizen zu trennen. Meine Mutter, die als Bibliothekarin tätig war, und mein Vater, ein Biologieprofessor, haben mich schon frühzeitig mit Informationsquellen wie MEDLINE (der staatlichen Datenbank mit über 30 Millionen biomedizinischen Literaturangaben) vertraut gemacht. Diese Datenbank bot mir einen ersten Einblick in qualitativ hochwertige, von Fachleuten begutachtete wissenschaftliche Artikel zu meinen persönlichen Gesundheitsproblemen. Vielleicht dank dieser Einflüsse aus meiner Kindheit entwickelte ich ein fast schon unheimliches Talent dafür, in dem riesigen Meer medizinischer Fachpublikationen jene Perlen zu entdecken, die nicht von der Industrie finanziert worden waren und vielversprechende Informationen enthielten, von denen die Schuldmedizin nichts wusste oder die sie sogar bewusst unterdrückte.
Letztendlich habe ich mir diese kritische Untersuchung und Hinterfragung der medizinischen Literatur zur Lebensaufgabe gemacht: Ich investierte Tausende von Stunden, um mir das für meine Arbeit als Anwalt und Aktivist für die Gesundheit der Menschen nötige Wissen anzueignen, und sichtete Hunderttausende von Studien, um Informationen zu finden, zu indexieren und weiterzugeben und mich und andere Menschen auf diese Weise zu mündigen Patienten zu machen. Mein Ziel war es stets, die Wissenschaft der Naturheilkunde zu entdecken, zu erforschen und anderen Menschen nahezubringen. Dazu gehört auch, die als Iatrogenese bezeichneten ungewollten unerwünschten Nebenwirkungen schulmedizinischer Medikamente und Verfahren zu beleuchten und gleichzeitig evidenzbasierte natürliche Alternativen aufzuzeigen, die mit der menschlichen Physiologie in harmonischem Einklang stehen.
Letztendlich will ich den Menschen helfen, das Vertrauen in die Selbstheilungskräfte ihres Körpers zurückzugewinnen, und ihnen vor Augen führen, dass die Heilmittel, die sie für die Behandlung der meisten ihrer Beschwerden brauchen, schon immer vorhanden waren – und zwar in ihrem eigenen Körper. Die meisten Menschen, mit denen ich zu tun habe, sind zumindest neugierig auf Alternativen zu den schulmedizinischen, von der Pharmaindustrie propagierten Medikamenten. Aber sie wollen weder meine Informationen noch die anderer Menschen einfach guten Glaubens akzeptieren; und das sollten sie auch nicht tun. So wie sie den Ratschlägen und Therapiealgorithmen der schulmedizinischen, medikamentenorientierten Ärzte mit zunehmender Skepsis gegenüberstehen, greifen sie auch nicht blindlings zum neuesten Nahrungsergänzungsmittel oder stürzen sich auf die neueste Modediät. Solche Menschen geben sich nicht mit sporadischen Einzelfallberichten zufrieden, sondern suchen nach seriösen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Strategien, die ihnen wirklich weiterhelfen.
Ein Großteil der heutigen medizinischen Literatur ist für Laien aufgrund ihres extrem fachlichen Medizinjargons unverständlich. Ich möchte den Lesern helfen, diese Barriere zu überwinden. Auf GreenMedInfo.com finden Sie eine Datenbank mit biomedizinischer Literatur zu über 10 000 verschiedenen Gesundheitsthemen und über 50 000 Zitate aus qualitativ hochwertigen wissenschaftlichen Fachartikeln. Diese Artikel stammen von anerkannten Experten; um sie leichter auffindbar und zugänglich zu machen, habe ich sie (unter anderem nach Erkrankungen, Arzneimittelsubstanzen und Behandlungsmaßnahmen) indexiert. Die Datenbank enthält auch ein Kompendium meiner eigenen Arbeiten, in denen ich innovative neue Forschungsergebnisse in eine allgemeinverständliche Sprache übersetze.
Es erstaunt mich immer noch, wie viele Menschen weltweit unsere Webseite seit ihren bescheidenen Anfängen im Jahr 2007 (als sie noch ein Steckenpferd war, dem ich in meiner Garage nachging) genutzt haben: Insgesamt wurde sie über 150 Millionen Mal besucht. Um diese Webseite möglichst frei von Interessenkonflikten zu halten, habe ich mich entschieden, sie werbungsfrei zu betreiben. Trotz der wachsenden Beliebtheit unabhängiger Webseiten wie dieser sind die Menschen von der Flut häufig widersprüchlicher Gesundheitsinformationen im Internet überfordert. Heutzutage brauchen wir mehr denn je vertrauenswürdige Informationsquellen, die möglichst frei von »Hintergrundrauschen« sind und aus der Masse an Komplexität und Widersprüchen einfache Erkenntnisse herausdestillieren.
Sie halten nun mein Lebenswerk und meine Vision in Händen: das Ergebnis 20-jähriger unermüdlicher Forschung und Recherche und gründlicher Selbstbeobachtung. In diesem Buch finden Sie Kernkonzepte, die ich wirklich aufregend und revolutionär finde, einschließlich der wichtigsten Erkenntnisse der Neuen Biologie und Neuen Biophysik.
Einfach ausgedrückt, offenbart uns die Neue Biologie drei grundlegende und sehr ermutigende Erkenntnisse über unsere Gesundheit:
Ihr Schicksal hängt nicht von Ihrer DNA ab. Für Ihre Lebensdauer und -qualität sind fast ausschließlich epigenetische Faktoren (Dinge, die sich der Kontrolle Ihrer Gene entziehen, wie beispielsweise Ernährung, Lebensstil, Umwelteinflüsse und innere Einstellung) ausschlaggebend.Lebensmittel sind nicht nur Bausteine und Brennstoff für Ihren Körper, sondern auch eine Art Nachrichtenübermittlungssystem, das ihm wichtige Informationen liefert. Bestimmte Nahrungsmittel und Lebensgewohnheiten können sogar enorme Energieressourcen zur Selbstregeneration in Ihren Zellen freisetzen und Ihre DNA-Expression optimieren. Damit spielen sie für Ihre Gesundheit eine wichtigere Rolle als jeder andere Faktor.Ihre Zellen scheinen zu fast schon wunderbaren Leistungen imstande zu sein. Sie haben Zugriff auf »kostenlose Energie« aus Ihrer Umwelt. Das erleichtert die energiesparende Umwandlung von Elementen und die radikale Selbstregeneration durch Rekrutierung von Stammzellen, die von einer uralten, fast unsterblichen Zelllinie abstammen. Wenn diese Zellen durch Ernährung und Lebensstil richtig gesteuert werden, können sie sowohl chronische Erkrankungen heilen als auch die Uhr Ihres biologischen Alters zurückdrehen.Zunächst einmal wollen wir eine Idee, die uns allen schon seit der Grundschule eingeimpft worden ist, genauer unter die Lupe nehmen: nämlich dass Ihre DNA Ihre ganz persönliche Blaupause für Ihren Gesundheitszustand beziehungsweise Ihre zukünftige Krankheitsgeschichte darstellt.
Seit Sie zum ersten Mal in einem Lehrbuch Abbildungen von der DNA-Doppelhelix aus zwei Strängen sahen, die sich in einer verdrehten Leiter umeinander herumwinden, haben Sie wahrscheinlich geglaubt, was man Ihnen schon in der Schule beibrachte: dass die DNA eine Blaupause ist (als wäre Ihr Körper ein Auto) und gewissermaßen Anleitungen für den Bau von Fahrgestell, Motor und Scheibenwischern enthält. In der westlichen Medizin zeigt der Finger der Kausalität und der Schuldzuweisungen auf unseren Körper: Er gilt als passiver Empfänger genetischer Anweisungen, und Krankheiten sind in erster Linie auf ungünstige Gene zurückzuführen.
Eine Frau mit Brustkrebs müsste sich also wohl oder übel mit der Erklärung abfinden, dass ihre Erkrankung durch »schlechte Gene« entstanden ist. Fernöstliche Kulturen und uralte Medizinsysteme wie der indische Ayurveda und die Traditionelle Chinesische Medizin wissen es besser: Sie haben intuitiv erkannt, wie Umweltfaktoren im Zusammenspiel mit unserer individuellen Konstitution und unseren persönlichen Entscheidungen zur Entstehung von Krankheiten führen. Aus Sicht dieser uralten Gesundheitslehren liegt der Ursprung von Krankheiten in einer Kombination aus Faktoren wie Temperament, Ernährung und Lebensgewohnheiten; sie sind ein Nebenprodukt größerer Ungleichgewichte – zum Beispiel von Schwankungen im Klima, in den Jahreszeiten und im Kosmos. Auch psychosoziale Faktoren (beispielsweise Konflikte in Familie und Gemeinschaft) spielen dabei eine Rolle. Dagegen untergräbt der Determinismus der modernen Wissenschaft mit seiner fatalistischen Vorstellung, dass die menschliche Biologie unserem genetischen Code auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist, unsere Bemühungen um Selbstheilung und Regeneration.
Als ich meiner Freundin Jennifer zum ersten Mal begegnete, war sie Ende 20, und aufgrund ihrer Mukoviszidose ging es ihr gesundheitlich immer schlechter. Da sie mit einer Mutation des CFTR-Gens (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator) zur Welt gekommen ist, geht man davon aus, dass sie an einer seltenen, verhängnisvollen erblichen Erkrankung leidet. Sie musste Antibiotika und Steroide einnehmen und litt unter Haut-, Atem- und Verdauungsproblemen und chronischem Untergewicht. Außerdem war sie nach einer Schädigung ihrer Bauchspeicheldrüse (einer Hauptkomplikation der Mukoviszidose) auch noch an Typ-1-Diabetes erkrankt.
Jennifer beschloss, ihre Ernährung radikal zu verändern und entzündungsfördernde Lebensmittel wie Weizen, Milch und Zucker von ihrem Speisezettel zu streichen. Stattdessen aß sie viel grünes Blattgemüse und gesunde Fette und nahm gezielt Nahrungsergänzungsmittel ein, darunter Breitspektrumenzyme und Probiotika, die ihren Körper von der für die Mukoviszidose symptomatischen vermehrten Schleimproduktion befreiten. Sie nahm blutzuckerstabilisierende Lebensmittel, Bewegung und Körper-Geist-Techniken in ihr Gesundheitsprogramm auf und aß funktionelle Nahrungsmittel wie Kurkuma, Soja und Cayennepfeffer. Studien an Nagetieren hatten nämlich gezeigt, dass es zu einer »wundersamen« teilweisen oder sogar vollständigen Korrektur der Fehlfaltung des CFTR-Genprodukts kommen kann, wenn man seinem Körper die in diesen Nahrungsmitteln enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe zuführt.
Und dank dieser Lebensstiländerungen trotzt Jennifer ihrem Schicksal noch heute. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen mit dieser genetischen Variation beträgt nur 37 Jahre. Heute – mit 49 Jahren – ist Jennifer immer noch am Leben, absolut einsatzfähig und gesünder als je zuvor. Und ihre Geschichte ist nur ein Beispiel von vielen.
Zehntausende von Menschen auf der ganzen Welt, bei denen chronische, fortschreitende oder unheilbare Krankheiten festgestellt worden sind, trotzen ihrer düsteren Prognose und stellen damit das Regenerationspotenzial des menschlichen Körpers unter Beweis. Und eigentlich sollte uns das auch gar nicht wundern: Wie die Neue Biologie zeigt, kann man nämlich nicht mehr so ohne Weiteres behaupten, dass unsere Gene Krankheiten verursachen – ebenso wenig wie alle Eiweiße (Proteine) im menschlichen Körper sich anhand von DNA erklären lassen. Ursprünglich ging die Prämisse der DNA als Blaupause davon aus, dass es für jedes Eiweiß ein Gen gibt; doch in den letzten Jahrzehnten haben Wissenschaftler im Rahmen des Humangenomprojekts nur 20 000 bis 25 000 proteinkodierende Gene entdeckt – angesichts der über 100 000 Proteine im menschlichen Körper eine verschwindend geringe Zahl. Die jüngsten Schätzungen haben diese Anzahl sogar auf rund 18 000 schrumpfen lassen. Angesichts dieser Erkenntnisse kann man beim besten Willen nicht mehr an dem vereinfachten Konzept festhalten, dass es eine lineare Einbahnstraße von Genen zu Erkrankungen gibt.10
An die Stelle des alten Narrativs vom Zusammenhang zwischen Gen und Krankheit ist die Epigenetik getreten: eine Denkschule, für die in erster Linie Faktoren »oberhalb« der Gene darüber entscheiden, wie unser Erbmaterial interpretiert, übersetzt und exprimiert wird. Die Epigenetik erklärt, warum eine Leberzelle sich von einer Gehirn- oder Muskelzelle unterscheidet: Alle drei Zellen teilen sich die gleichen drei Milliarden Basenpaare, aus denen unser genetischer Code besteht; doch epigenetische Mechanismen (zum Beispiel regulatorische Proteine und posttranslationale Modifikationen) haben ein großes Mitspracherecht dabei, welche Gene exprimiert und welche stillgelegt werden. Das führt zum unverwechselbaren Phänotyp oder äußeren Erscheinungsbild einer jeden Zelle.
Durch Beeinflussung komplexer biochemischer Prozesse können Umweltfaktoren bestimmte Gene entweder aktivieren oder hemmen, und diese Veränderungen können bei der Zellteilung auf die Tochterzellen übertragen werden.11 Etwas so Einfaches wie eine ausreichende Zufuhr an B-Vitaminen aus der Nahrung hat direkten Einfluss darauf, ob bestimmte für Ihre Gesundheit notwendige Schlüsselgene stillgelegt werden oder nicht. Dabei handelt es sich um einen Prozess namens Methylierung: die Anbringung von »Etiketten« aus einem Kohlenstoff- und drei Wasserstoffatomen an DNA-Moleküle, durch die die Expression eines Gens »abgeschaltet« wird. Und auch viele andere Faktoren (die oft hundertprozentig unserer Kontrolle unterliegen) beeinflussen die epigenetische Expression. Ob Sie sich wenig bewegen, beten, rauchen, meditieren, Yoga praktizieren, sich pflanzlich ernähren, ein großes soziales Unterstützungsnetzwerk oder nur wenige zwischenmenschliche Kontakte haben – alle Lebensstilentscheidungen wirken sich über epigenetische Mechanismen auf Ihr Krankheitsrisiko aus. Tatsächlich waren die Schlussfolgerungen, die aus dem Humangenomprojekt gezogen wurden, der Startschuss für die »Nutrigenomik«, ein neues Forschungsgebiet, das die Wechselbeziehungen zwischen Genen und Nährstoffen auf molekularer Ebene untersucht. Bioaktive Substanzen aus der Nahrung können zum Beispiel zelluläre Signalwege modulieren und Schlüsselmoleküle wie den nukleären Faktor Kappa Beta (NFκB) regulieren, einen Transkriptionsfaktor, der gewissermaßen das Tor zur Bildung von Entzündungsbotenstoffen darstellt.12
In geringerem Ausmaß haben auch biochemische Prozesse – beispielsweise die Ausschüttung von Hormonen und anderen Zellbotenstoffen, oxidativer Stress (zu viele freie Radikale), Entzündungen, Lipidperoxidation (das »Rosten« von Fetten), Körpermorphologie (zum Beispiel die Ansammlung von Bauchfett) und die Vermehrung unserer Darmflora – Auswirkungen auf unsere genetischen Expressionsmuster. Andere epigenetische Einflüsse auf der Makroebene sind psychischer Stress, sozioökonomischer Status, geopolitische Faktoren, Bildungsniveau, berufliche Aspekte, Wohnumfeld (Stadt oder Land) und Klima. Diese Faktoren geben unserer DNA bestimmte Richtungen vor und tragen zu unserer Genexpression bei – in positivem oder negativem Sinn. In der Praxis bedeutet dies, dass kontrollierbare Faktoren wie Ernährung und Lebensweise, Exposition gegenüber Krankheitserregern, Strahlung und chemischen Schadstoffen, medizinische Interventionen, ja sogar unsere Lebenseinstellung und unsere Emotionen gemeinsam darüber entscheiden, wie epigenetische Faktoren zum Tragen kommen.13
Statt durch die Analysen einer Lähmung zu erliegen, lassen Sie sich durch diese Forschungsergebnisse lieber aus den Fängen eines angeblich genetisch vorherbestimmten Schicksals erretten! Laut einer vor Kurzem in PLOS ONE veröffentlichten Übersichtsarbeit tragen genetische Faktoren an vielen chronischen Krankheiten nicht die Schuld.14 Studien bringen Krebserkrankungen fast aller Art, neurobehaviorale und kognitive Störungen, Atemwegs- und Autoimmunerkrankungen, Fortpflanzungsstörungen und Herz-Kreislauf-Leiden mit epigenetischen Mechanismen in Verbindung.15 Das immer mehr an Bedeutung gewinnende Fachgebiet der Epigenetik liefert uns ein neues Paradigma, in dem nicht Erbanlagen, sondern Umweltfaktoren als wichtigster Einfluss auf die Genexpression in Betracht gezogen werden können.
Die Epigenetik hat eines der heiligsten Dogmen der modernen Genetik über den Haufen geworfen: die Weismann-Barriere, der zufolge Erbinformationen nur in einer Richtung – von den Genen zu den Körperzellen – wandern können: In die durch Ei- und Samenzellen an künftige Generationen weitergegebenen Erbinformationen fließen also keinerlei Erfahrungen der Eltern und auch keine Informationen aus unseren Körperzellen ein.
Tierversuche zeigen jedoch, dass elterliche Erfahrung auf epigenetischem Weg nicht nur an die Nachkommen der ersten Generation, sondern möglicherweise auch an unzählige zukünftige Generationen weitergegeben wird. In einer Studie wurden trächtige Ratten vorübergehend dem Insektizid Methoxychlor (einer östrogen wirksamen Substanz) und dem antiandrogen wirkenden Fungizid Vinclozolin ausgesetzt. Die Exposition gegenüber diesen beiden Chemikalien führte bei 90 Prozent der männlichen Ratten aller vier Folgegenerationen zu Unfruchtbarkeit und einer verminderten Produktion und Lebensfähigkeit der Spermien.16 Wissenschaftler vermuten, dass diese negativen Auswirkungen auf das Fortpflanzungssystem durch Veränderungen der DNA-Methylierungsmuster in den Keimzellen vermittelt wurden – was wiederum darauf hindeutet, dass epigenetische Veränderungen sich auf zukünftige Generationen übertragen. In einem Kommentar in der Zeitschrift Science kommen die Autoren dieser Untersuchung zu dem Schluss:
» Die Fähigkeit eines Umweltfaktors (zum Beispiel eines endokrinen Disruptors), die Keimbahn umzuprogrammieren und einen generationsübergreifenden Krankheitszustand zu fördern, ist für die Evolutionsbiologie und die Ätiologie von Krankheiten von großer Tragweite.17
Die unmittelbare Folge davon ist, dass mit Duftstoffen angereichterte Körperpflegeprodukte und kommerzielle Reinigungsmittel, die voller endokriner Disruptoren stecken, gleich in mehreren zukünftigen Generationen zu Fruchtbarkeitsproblemen führen könnten. Man kann aus diesen wissenschaftlichen Untersuchungen aber auch weitreichendere und hoffnungsvollere Schlussfolgerungen ziehen: nämlich dass Keimzellen (Ei- und Samenzellen) eine dynamische Plastizität und Anpassungsfähigkeit an Umweltsignale besitzen, die an zukünftige Generationen weitergegeben werden kann. Mit anderen Worten: Was Sie heute tun, kann sich auf Ihre Nachkommen und auf die Zukunft der Menschheit auswirken – im positiven ebenso wie im negativen Sinn.
Andere Untersuchungen deuten darauf hin, dass auch Eigenschaften des sensorischen Umfelds der Eltern vor der Empfängnis (beispielsweise Traumata oder Hungersnöte) das sensorische Nervensystem und die Neuroanatomie der nachfolgenden Generationen auf epigenetischem Weg ummodellieren können. Dies zeigt sich am deutlichsten an einer Studie, in der Forscher den kirschähnlichen Geruch einer chemischen Substanz (Acetophenon) in die Behausungen von Mäusen hineinleiteten und ihnen dabei gleichzeitig Elektroschocks verabreichten, sodass die Mäuse darauf konditioniert wurden, Angst vor diesem Geruch zu haben: Auch die Mäuse der beiden nachfolgenden Generationen schauderten deutlich stärker zusammen als die Tiere der Kontrollgruppe, wenn ihnen der Kirschgeruch in die Nase stieg, obwohl sie noch nie zuvor mit dieser Chemikalie in Berührung gekommen waren.18
Es ist erwiesen, dass Hungersnot oder Unterernährung der Mutter um den Zeitpunkt der Empfängnis herum mit vielen Gesundheitsrisiken für die Nachkommenschaft einhergehen; dazu gehören unter anderem schwere affektive Störungen wie Schizophrenie, angeborene Anomalien im Zentralnervensystem, ein geringeres intrakranielles Volumen und ein erhöhtes Risiko für Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen im späteren Leben.19 Auch bei Kindern von Holocaust-Überlebenden haben sich die generationsübergreifenden Auswirkungen von Stress und tragischen Lebensereignissen gezeigt: Sie wiesen veränderte Stresshormonprofile auf, die sie anfälliger für Ängste, Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) machten.20
Wie lange diese epigenetischen Veränderungen anhalten, weiß man noch nicht; doch Tiermodelle deuten darauf hin, dass sie länger bestehen bleiben könnten, als man bisher geglaubt hat – in einer Studie an Nematodenwürmern hielten epigenetische Erinnerungen an Umweltveränderungen über mindestens 14 Generationen an.21
Diese Untersuchungen sind insofern bahnbrechend, als sie zeigen, dass der Fluss der genetischen Information, von dem man früher annahm, er laufe streng vertikal und von der Außenwelt isoliert ab, auch horizontal und in beide Richtungen fließt. Neue Studien widerlegen die herkömmliche Sichtweise, dass genetische Veränderungen nur über einen längeren Zeitraum von Hunderttausenden oder gar Millionen von Jahren ablaufen. Außerdem zeigen diese Untersuchungen, dass genetische Informationen durch die Keimzellen einer Spezies via Exosomen inEchtzeit übertragen werden können.
Wie hängen Mikro-RNAs und Exosomen mit der Genexpression zusammen?
Im Gegensatz zu den Boten-RNAs, deren Aufgabe darin besteht, Anweisungen von der DNA zu den Ribosomen zu tragen, wo sie zu Proteinen transkribiert werden, schalten Mikro-RNAs die Expression vieler unserer Gene an und aus, indem sie Boten-RNAs zum Schweigen bringen.22 Mikro-RNAs werden in virusgroßen Exosomen oder spezialisierten, von Membranen umschlossenen Vesikeln in Nanogröße transportiert, die von allen Pflanzen-, Tier-, Bakterien- und Pilzzellen abgesondert werden. Sie überleben den Verdauungsprozess in intakter Form und fungieren wie eine Art Software: Sie verändern die Expression der Hardware (unserer proteinkodierenden Gene). Mikro-RNAs sind nicht nur für die Regulation der Genexpression von entscheidender Bedeutung; auch den Unterschied in der Differenziertheit zwischen höheren Lebensformen wie dem Menschen im Vergleich zu – beispielsweise – dem Regenwurm (mit dem wir ungefähr die gleiche Anzahl an proteinkodierenden Genen, etwa 20 000, gemeinsam haben) hat man der höheren Komplexität der RNAs in der sogenannten dunklen Materie des Genoms zugeschrieben. (Diese dunkle Materie macht diejenigen zirka 98,5 Prozent des menschlichen Genoms aus, die nicht für Proteine kodieren.) Die wichtigste Erkenntnis im Hinblick auf diese Biomoleküle besteht jedoch darin, dass unsere genetische und epigenetische Integrität möglicherweise vollständig von den genregulatorischen Mikro-RNAs in unserer Nahrung abhängt.
In einem bahnbrechenden Experiment hat man menschliche Melanom-Tumorzellen genetisch so verändert, dass sie Gene für ein fluoreszierendes Tracer-Enzym exprimierten, und diese Zellen in Mäuse transplantiert.23 Dabei stellten die Versuchsleiter fest, dass informationsspeichernde Moleküle, die diesen Tracer enthielten (einschließlich Exosomen), ins Blut der Tiere ausgeschüttet wurden. Außerdem zeigte sich, dass die Exosomen RNAs an Spermatozoen (reife Spermien) abgeben und dort gespeichert bleiben. Demnach kann RNA, die von Exosomen zu Spermien transportiert wird, die Genexpression so stark beeinflussen, dass beobachtbare Merkmale und das Krankheitsrisiko, aber auch Morphologie, Entwicklung und Physiologie der Nachkommen sich dadurch verändern. Diese in Exosomen enthaltene Mikro-RNA könnte der Weg sein, über den sowohl schädliche Umweltfaktoren als auch gesundheitsfördernde Einflüsse epigenetisch an zukünftige Generationen weitergegeben werden.
Die Erforschung der Mikro-RNA/Exosom-Genetik stellt die traditionellen Mendel’schen Gesetze und ihre chromosomenzentrierte Vererbungstheorie infrage, die besagt, dass genetische Vererbung ausschließlich durch sexuelle Fortpflanzung erfolgt und dass Merkmale nur durch die in Keimbahnzellen enthaltenen Chromosomen, aber niemals durch somatische (Körper-)Zellen an die Nachkommenschaft weitergegeben werden. Diese Forschungsarbeiten bestätigen nämlich, dass bestimmte Merkmale, die ein Nebenprodukt unserer Lebensweise, unserer Erfahrungen und Expositionen sind, sich von den in Chromosomen enthaltenen Genen trennen und auf Nachkommen übertragen werden können, was zu persistenten Phänotypen (beobachtbaren Merkmalen, Eigenschaften oder Krankheiten) führt, die über Generationen hinweg bestehen bleiben.24
Die wissenschaftliche Literatur weiß oder vermutet, dass die Gefahren der modernen Agrarkultur, der industriellen Revolution und unseres heutigen Lebens (Radioaktivität, Schwermetalle, Pestizide, Tabakrauch, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe aus Fahrzeugabgasen, Hormone, Infektionen und Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen) als treibende Kraft hinter epigenetischen Prozessen stehen.25 Zum Glück gibt es jedoch ein Heilmittel dafür, und zwar im Arzneibuch der Natur: Bewegung, Achtsamkeit und bioaktive Substanzen in Obst und Gemüse (zum Beispiel Sulforaphan in Kohlgemüse, Resveratrol in roten Weintrauben, Genistein in Soja, Diallylsulfid in Knoblauch, Curcumin in Kurkuma, Betain in Roter Bete und Katechine in grünem Tee) können die angeborene Resilienz Ihres Körpers stärken.
Die Luft, die wir atmen, die Nahrung, die wir zu uns nehmen, die Gedanken, die uns durch den Kopf gehen, die toxischen Substanzen, mit denen wir in Berührung kommen, und die Erfahrungen, die wir machen, können noch lange nach unserem Tod in unseren Nachkommen nachwirken. Durch diese Erkenntnis gewinnt das Sieben-Generationen-Prinzip der amerikanischen Ureinwohner, nach dem wir bei all unseren Entscheidungen das Wohlergehen der nächsten sieben Generationen berücksichtigen sollten, neue Relevanz: Wir sollten dieses Prinzip nicht nur im Umgang mit unserer Umwelt beherzigen, sondern auch bedenken, dass alle Lebensbedingungen, denen wir unseren Körper aussetzen, sich auf die Gesundheit und Lebensqualität einer ganzen Reihe nachfolgender Generationen auswirken können.
Unsere Gene haben ein Gedächtnis; und wie schon Deepak Chopra gesagt hat: Unsere Zellen belauschen ständig unsere Gedanken. Angesichts dieser bahnbrechenden Erkenntnis müssen wir all unsere Beziehungen, inneren Monologe, Narrative und Lebensgewohnheiten neu gestalten. Oder wie der britische Genetiker Marcus Pembrey es ausgedrückt hat: »Wir sind alle Hüter unseres Genoms.«26
Die Epigenetik erklärt, warum unsere vielen evolutionären Fehlanpassungen – die Tatsache, dass wir auf vielfältige Weise von der Umgebung abgewichen sind, an das unsere Physiologie sich im Laufe der Evolution angepasst hat – so problematisch sind. Mit der auch unter der Bezeichnung »Naturdefizit-Störung«27 bekannten evolutionären Fehlanpassung ist der kollektive Mangel an Einflüssen aus der Welt unserer Vorfahren in unserem modernen industrialisierten Lebensumfeld gemeint. Das Spektrum dieser Naturdefizit-Störung ist sehr breit: Es reicht von zu wenigen Möglichkeiten, uns in unsere Privatsphäre oder in die Einsamkeit zurückzuziehen, über verringerte taktile Kontakte mit der Vielfalt der natürlichen Vegetation bis hin zu verminderter Exposition gegenüber Vogelgesang, Tageslicht und Phytonziden (den allelochemischen, flüchtigen organischen Substanzen, die von Pflanzen an die Umgebung abgegeben werden und dem Wald seinen charakteristischen Duft verleihen).28 Es ist kein Zufall, dass unser beruflicher Stress, unsere sitzende Schreibtischtätigkeit, unser Schlafdefizit, unsere verarbeitete und verfälschte Nahrung, unsere Exposition gegenüber Industriechemikalien und Arzneimitteln, unser Mangel an sozialer Unterstützung und unser minimaler Kontakt mit der Natur die Hauptrisikofaktoren für die Entstehung von Krankheiten darstellen.29 Diese Faktoren des Lebensstils, die wir weitgehend selbst beeinflussen können, entscheiden darüber, ob unsere genetische Blaupause sich in Form von Gesundheit oder Krankheit exprimiert.
Wir müssen unsere Sichtweise von Genvarianten, die unter dem Oberbegriff »Mutationen« zusammengefasst werden, ändern. Bestimmte Genmutationen – sogenannte Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) – sind kein katastrophales Verhängnis, sondern Veränderungen des genetischen Codes, die bei mindestens einem Prozent der Bevölkerung auftreten und oft als Selbstschutzmaßnahme entstanden sind. Ihre ziemlich große Häufigkeit deutet darauf hin, dass es sich dabei um einen neutralen oder positiven Effekt handelt; sonst hätten sie sich nicht so lange in unserem Genpool gehalten.30 Zum Beispiel sind sich viele Wissenschaftler darüber einig, dass die Genanomalien, die zu bestimmten Störungen der roten Blutkörperchen (Hämoglobinopathien) wie beispielsweise Thalassämie und Sichelzellanämie führen, gleichzeitig auch eine Resistenz gegen Malariainfektionen bewirken können.31 Träger dieser Mutationen haben in Gebieten, in denen Malaria vorkommt, also einen Überlebensvorteil; deshalb hat sich diese genetische Signatur im menschlichen Genom gehalten.
Aus evolutionsmedizinischer Sicht könnte das CFTR-Gen bei Mukoviszidose in ähnlicher Weise vor Cholera schützen: nämlich indem es den molekularen Signalweg blockiert, den das Choleratoxin nutzt, das schwere Durchfälle verursachen kann.32 Das würde erklären, warum ein scheinbar todbringendes Gen überleben konnte und nach wie vor bei 5 Prozent aller Weißen vorkommt: Es hilft den CFTR-Trägern nämlich, bis zum Eintritt des Reproduktions-Zeitfensters zu überleben, das sie für die Weitergabe ihrer Gene brauchen.
Doch solche Genvariationen entstehen nicht in einem leeren Raum. Unsere Umwelt hat eine ganze Menge damit zu tun, wie unser genetisches Erbe sich manifestiert. So kann die pathologische Expression des CFTR-Gens etwa durch Nährstoffmangel (beispielsweise Selenmangel) im Mutterleib oder in früher Kindheit ausgelöst werden.
Außerdem hat man festgestellt, dass etwa 20 bis 30 Prozent der Weltbevölkerung den HLA-DQ-Locus auf Chromosom 6 tragen, der uns genetisch für Zöliakie anfällig macht; doch nur ein kleiner Prozentsatz (ungefähr 1,4 Prozent aller Menschen weltweit33) weist tatsächlich die klassischen Symptome einer Zöliakie auf. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass Virusinfektionen des Darms (zum Beispiel durch Rotaviren) und die Zusammensetzung der Darmbakterien Auslöser für die Expression der Zöliakie-Gene sein können.34 Eine Konstellation veränderbarer Lebensstilfaktoren wirkt sich auf unser Mikrobiom, unser Immunsystem und somit auch auf die Fähigkeit »pathogener Faktoren« aus, diese latenten Zöliakie-Gene zu aktivieren. Zu diesen Lebensstilfaktoren gehören:
ErnährungsmusterStressniveauWohnumfeld (Stadt oder Land)Zusammenleben mit HaustierenAntibiotikatherapienBenutzung einer Spülmaschine, statt das Geschirr von Hand zu waschen, undExpositionen in frühester Kindheit (zum Beispiel Geburt im Krankenhaus oder zu Hause und Stilldauer)Das größte Missverständnis betrifft jedoch die Rolle, die die Brustkrebsanfälligkeits-Gene BRCA1 und BRCA2 für das Brustkrebsrisiko und die Prognose der Patientinnen spielen. Die Populärwissenschaft und das medizinische Establishment haben BRCA1 und BRCA2 (Gene, die die Reparatur strahleninduzierter DNA-Schäden behindern) als Vorboten einer unvermeidlichen Brustkrebserkrankung ins Visier genommen. Diese Behauptung hat manche Frauen (zum Beispiel die berühmte Schauspielerin Angelina Jolie) dazu veranlasst, sich prophylaktisch Brüste und Eierstöcke entfernen zu lassen in der Hoffnung, dadurch einem frühzeitigen genetisch bedingten Tod zu entgehen. Die Hauptrechtfertigung für die präventive Mastektomie und Entfernung von Eierstöcken und Eileitern (Salpingo-Oophorektomie) ist die Vorstellung, dass unser Risiko von unserer Vererbung abhängt – ein Gedanke, in dem sich ein eiserner Glaube an die Unvermeidbarkeit genetisch bedingter Krebserkrankungen widerspiegelt, denen wir im Grunde machtlos ausgeliefert sind. Doch in der medizinischen Fachliteratur ist die Bedeutung des BRCA-Status längst nicht so klar.
Der renommierten britischen medizinischen Fachzeitschrift The Lancet Oncology zufolge sterben Frauen mit einem dieser beiden Gene nicht häufiger an therapieresistentem Brustkrebs (beispielsweise dreifach negativem Krebs) als andere Brustkrebspatientinnen. In Wirklichkeit trifft sogar das Gegenteil zu: Sie haben höhere Überlebensraten als Frauen ohne BRCA-Mutationen, die gegen Brustkrebs behandelt wurden.35Außerdem wurden bereits Tausende von Polymorphismen im BRCA1- und BRCA2-Gen identifiziert und auf molekularer Ebene beschrieben, von denen manche sogar in umgekehrter Korrelation zum Brustkrebsrisiko stehen. Dadurch wird das Bild des statistischen Risikos und sinnvoller Therapien sehr viel komplexer, als das medizinische Establishment es zurzeit darstellt. Außerdem wird die Aussage »BRCA verursacht Brustkrebs« durch die Entdeckung von Polymorphismen wie dem BRCA1-Subtyp K1183R (der die Überlebenschancen bei Brustkrebs paradoxerweise erhöht) infrage gestellt.36 Es ist durchaus möglich, dass einige dieser BRCA-Polymorphismen Sie sogar widerstandsfähiger und gesünder machen und Ihr Mortalitätsrisiko aufgrund von Brustkrebs verringern – trotz der herkömmlichen Sichtweise, dass BRCA eine unausweichlich todbringende »Mutation« ist, die man entweder hat oder nicht hat.
Durch diese Darstellung der BRCA-Gene gegenüber krebsphobischen Patientinnen mit gehäuftem Krebsvorkommen in der Familie verstärkt sich die Angst dieser Frauen nur noch mehr; und das führt wiederum zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen, die ihr Krebsrisiko noch weiter ansteigen lassen – ein Teufelskreis.
Das Positive an diesen wissenschaftlichen Untersuchungen ist, dass Sie das Schicksal Ihres Körpers großenteils selbst in der Hand haben – unabhängig von Ihrer erblichen Veranlagung. Die Neue Biologie weist uns auf die Realität hin, dass unsere DNA nicht unsere Krankheitsrisiken beherbergt. Ganz im Gegenteil: Wir verdanken unserer DNA die individuellen Faktoren, die uns widerstandsfähig gegen Erkrankungen machen. Wenn wir Krankheit aus dieser Perspektive betrachten, können wir Trost aus der Tatsache schöpfen, dass jedes Symptom, jede genetische Variante, ja sogar jeder in unserem Körper ablaufende Krankheitsprozess einem sinnvollen Zweck dient. So sind Husten, Niesen und Schnupfen bei einem Atemwegsvirus beispielsweise der Versuch unseres Körpers, sich von toxischen Substanzen zu befreien und diese auszuscheiden. Durch das Fieber, das Ihr Körper als Reaktion auf etwas erzeugt, das wir als krank machende Infektion bezeichnen, entsteht eine Körpertemperatur, in der potenziell aggressive Mikroorganismen sich nicht allzu stark vermehren können. Fieber ist also in den meisten Fällen ein Zeichen für ein gesundes Immunsystem, stellt die Medizin dar.
Genvarianten halten sich deshalb im menschlichen Genom, weil sie sich positiv auf unsere evolutionäre Fitness auswirken. Manche Gene, die an der Entstehung von Autoimmunkrankheiten wie der Zöliakie beteiligt sind, stammen zum Beispiel von Neandertaler-Linien, die sich mit dem Homo sapiens kreuzten, als primitive Hominiden aus Subsahara-Afrika über Westasien nach Nordeuropa einwanderten.37 Als Ergebnis dieser Kreuzung wurden im Rahmen eines Prozesses namens Haplotyp-Introgression viele Neandertaler-Gene ins menschliche Erbgut aufgenommen. Genau diese von den Neandertalern ererbten genetischen Vorlieben, die das Risiko für Autoimmunerkrankungen erhöhen, fördern wahrscheinlich auch die Entstehung von Fettpolstern und andere metabolische und immunologische Anpassungen, dank denen wir in kalten Klimazonen besser überleben können. So können selbst ungünstige Genprofile eine schützende Wirkung haben, wenn man sie in einem größeren Zusammenhang betrachtet.
Für die meisten Menschen ist der Körper kaum mehr als ein Vehikel, das sich in seiner Materie von dem darin wohnenden Geist unterscheidet, sie passiv durchs Leben trägt und erst gegen Lebensende das Eingreifen eines »Mechanikers« (Arztes) erfordert, um Leid verursachende Symptome mithilfe verschiedener Diagnosen und Medikamente zu beheben oder zumindest erträglich zu machen. Dieser Reduktionismus ist ein fatalistisches Relikt der Sichtweise des französischen Philosophen und Mathematikers René Descartes aus dem 17. Jahrhundert, der Körper und Seele als voneinander getrennte Entitäten betrachtete und unsere Seele auf einen bloßen »Geist in der Maschine« reduzierte. Diese dualistische, mechanistische Sichtweise weist unseren Gefühlen und Wahrnehmungen und unserer Sehnsucht nach Sinn lediglich eine untergeordnete Bedeutung zu. Auch im Newton’schen Modell physischer Objekte sind unsere »Körpermaschinen« aufgrund ihrer Neigung zu wachsender Unordnung zwangsläufig für Verfall, Schwäche und Gebrechlichkeit prädestiniert.
Aber wir sind keine leblosen Objekte, sondern lebende Organismen. Die Neue Biologie zeigt, dass unser Körper eine wahre Fundgrube an Selbstheilungsmechanismen ist, die sich ständig regenerieren und zu Ordnungszuständen tendieren, welche sich der Abwärtsspirale der Entropie entgegenstellen.
Nehmen Sie zum Beispiel Ihren Dünndarm: Alle vier bis fünf Tage erhält er eine neue Epithelzellauskleidung. Dieser Vorgang wird von Stammzellen orchestriert, die die Fähigkeit besitzen, den gesamten Darmtrakt neu zu besiedeln.38 Ungefähr alle zwei Monate wird die ganze Epithelschicht Ihrer Haut (Epidermis) vollständig erneuert, weil die Stammzellen in der tiefsten Baselzellschicht sitzen.39 Selbst die Hoffnung auf eine Regeneration der Herzzellen ist mittlerweile zur Realität geworden, da man endogene Herzvorläuferzellen in Herz, Blut und Knochenmark entdeckt hat, die in der Lage sind, die Herzzellen (einschließlich Herzendothelzellen, Myozyten und glatten Muskelzellen) zu regenerieren.40 Außerdem konnte gezeigt werden, dass Neuronen im Gehirn sich nach Verletzungen wieder regenerieren.41
Mehr oder weniger alles, was wir sind, stammt von dem, was wir essen, einatmen, auf unsere Haut auftragen oder trinken. Aber Nahrung liefert mehr als nur Bausteine für die »Körpermaschine« und Treibstoff für deren Motoren. Die materialistische Sichtweise, dass Nahrung nichts anderes ist als Kaloriengehalt inklusive Makro- und Mikronährstoffen, ist ein weiteres biologisches Atomismus-Relikt des Cartesianisch-Newton'schen Weltbilds, das Nahrung und Leben aus einer epistemologischen analytischen Perspektive betrachtet, wobei der Schwerpunkt auf den unteilbaren Elementen und nicht auf den Beziehungen zwischen diesen Elementen liegt. Leider macht diese Sichtweise das Studium von Systemen und Dynamiken und jeglichen Fokus auf die Synergie und die Wechselwirkungen zwischen den Elementen sehr schwierig.
Die Neue Biologie hat gezeigt, dass der Wert unserer Nahrung weit über unseren rein physischen Lebensunterhalt hinausgeht. Diese Sichtweise berücksichtigt die Vernetzung und Proportionalität innerhalb unseres Körpers und der Biosphäre als Ganzem. Nahrung hat nicht nur etwas mit Kalorien zu tun; sie ist ein wichtiger Überbringer biologisch notwendiger Informationen, die über Mikro-RNAs vermittelt werden und von denen die Gesundheit und Vitalität Ihrer Zellen abhängt. Nach jahrtausendelanger Ko-Evolution mit Pflanzen, die unserer Spezies Nahrung geliefert haben, sind unsere biologischen Systeme inzwischen eng miteinander verflochten. Das ist eine Erkenntnis von ungeheurer Tragweite, denn sie zeigt, wie wichtig eine unserer Evolution entsprechende, auf vollwertigen Lebensmitteln beruhende Ernährung ist, die sich an die Kost unserer Jäger-Sammler-Vorfahren anlehnt. Das reibungslose Funktionieren sämtlicher Abläufe in unserem Körper hängt von den Mikro-RNAs ab, die in Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln, von denen sich schon unsere Vorfahren ernährt haben – beispielsweise Fleisch von grasgefütterten Tieren –, vorkommen. (Sowohl aus ethischen als auch aus physiologischen Gründen halte ich es zwar nicht für unbedingt notwendig, Fleisch zu essen. Doch qualitativ hochwertiges Fleisch
