Neustart nach dem Schlaganfall - Helmut Gruhn - E-Book

Neustart nach dem Schlaganfall E-Book

Helmut Gruhn

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Beschreibung

Das entscheidende erste Jahr nach dem Schlaganfall

Nach der Entlassung aus der klinischen Reha fühlen sich vom Schlaganfall Betroffene und deren Angehörige oft allein gelassen. In geschwächtem Zustand den Alltag neu organisieren, Selbstständigkeit zurückgewinnen, den Verlust von Fähigkeiten und Rückschläge verkraften: Das bringt viele an ihre Grenzen.

Der auf Schlaganfallpatienten spezialisierte Physiotherapeut Helmut Gruhn bietet Ihnen:

  • klare Orientierung
  • praxiserprobte Handlungsstrategien
  • Motivation und Aufmunterung

Niklas Schaab sorgt für die ansprechende und leicht verständliche sprachliche Umsetzung.

Die bekannte Fernseh-Moderatorin Monica Lierhaus, Betroffene und Botschafterin der Schlaganfall-Hilfe, Liz Mohn, Präsidentin der Deutschen Schlaganfall-Hilfe und Dr. Martin Falkenberg, Neurologe und Cherarzt ZAR Bielefeld, haben die Geleitworte zum Buch verfasst.

Pflichtlektüre für Schlganfallbetroffene und deren Angehörige – für einen guten Neustart nach dem Schlaganfall!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 172

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Neustart nach dem Schlaganfall

Was im ersten Jahr wichtig ist. Ein Leitfaden für Betroffene und Angehörige

Helmut Gruhn, Niklas Schaab

1. Auflage 2023

Geleitworte

Ich traf Helmut Gruhn zum ersten Mal in Gütersloh, als er den Motivationspreis der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe verliehen bekam. Sofort war ich schwer beeindruckt von seiner unglaublichen Kraft und Energie, die er dazu verwendet, Menschen zu helfen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie enorm wichtig und zugleich wie extrem schwierig es ist, ganz von vorn anzufangen und alles neu erlernen zu müssen … und dabei nie den Mut zu verlieren!

Dieses Buch begeistert mich, weil es genau diesen Mut vermittelt. Nach meinem Schlaganfall konnte ich gar nichts mehr: weder sitzen noch stehen oder gehen, ja nicht einmal sprechen. Die Prognosen der Ärzte waren niederschmetternd. Aber durch unermüdliches Training und harte Arbeit in der Reha wie auch zu Hause habe ich mich zurückgekämpft, sodass ich auch beruflich wieder aktiv sein kann.

Aufgrund dieser Erfahrung sage ich: Beherzigen Sie die Ratschläge und Empfehlungen in diesem Buch! Gerade die aktive Gestaltung der Zeit nach der Entlassung aus der klinischen Reha ist entscheidend!

Auch heute ist mein Alltag nicht immer leicht, aber meine Familie, meine Arbeit und meine kleine Havaneser-Hündin Pauline machen mir Freude und motivieren mich täglich neu.

Helmut Gruhn sagte mir einmal: »Das Gehirn kann alles, nur nicht aufgeben!« Er hat recht. Und was ich kann, das können Sie auch. Also: Legen Sie los, schöpfen Sie Mut, nutzen Sie dieses Buch und geben Sie niemals auf!

Monica Lierhaus

Betroffene, Fernseh-Moderatorin, Botschafterin der Schlaganfall-Hilfe

Ich konnte dieses Buch kaum aus der Hand legen! Trotz langjähriger Erfahrung hat es mich wieder neu inspiriert und begeistert! Es macht mir Mut, auch mal »querzudenken« und Gewohntes zu hinterfragen. Ich gewinne beim Lesen einen Schub Hoffnung für meine Patienten.

Es geht im Buch um die Zeit nach der klinischen Rehabilitation, wenn der Patient in den Alltag zurückkehrt. Die Herausforderung besteht darin, diesen neuen Lebensabschnitt eigenständig proaktiv zu gestalten. Oft fehlt es dabei an Hilfe, Information und Unterstützung.

Helmut Gruhn bietet all dies. Dank seiner enormen Erfahrung setzt er mit seiner Expertise genau an den richtigen Stellen an. Gerade im ersten Jahr nach dem Schlaganfall kann das Gehirn sich enorm verändern und verbessern. Ich kann nur bestätigen, was hier empfohlen wird: Hochfrequent, repetitiv, individuell angepasst und alltagsfokussiert trainieren erzielt die besten Ergebnisse. Mir persönlich gefällt dabei sehr, dass auch das Umfeld mit eingebunden wird.

Der wichtigste Faktor ist für mich jedoch das empathische und begeisterte Engagement von Helmut Gruhn selbst, weit über einen »Dienst nach Vorschrift« hinaus. Die gewählten Fallbeispiele sprechen für sich.

Dieses Buch ist ein Füllhorn an Tipps, Informationen, Aufklärung und kreativen Ideen! Nicht nur Patienten und Angehörige, sondern auch Therapeuten und Ärzte werden von diesem Buch profitieren.

Dr. med. Martin Falkenberg

Neurologe, Chefarzt ZAR Bielefeld

Als ich vor 30 Jahren die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe gründete, war der Schlaganfall noch ein Stiefkind der Medizin. Betroffene sprachen nicht über ihre Erkrankung und zogen sich zurück. Es gab kaum wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Doch die Rehabilitation hat große Fortschritte gemacht, Therapien wurden immer wirksamer. Mehr und mehr haben wir Betroffene einbezogen und ihnen Verantwortung übergeben. Statt passiver Behandlung motivierten wir sie zu aktivem Tun, denn ohne eigene Mitarbeit sind viele Ziele nicht erreichbar.

Doch Motivation kann man nicht verordnen, man muss sie wecken und stetig fördern. In der vielleicht schwersten Krise ihres Lebens müssen die Menschen wieder lernen, positiv zu denken. Dabei brauchen sie dringend Unterstützung. Sie benötigen Fachleute, die sie mit hoher therapeutischer Kompetenz in diesem Rehabilitationsprozess anleiten und sie dabei mit viel Einfühlungsvermögen an die Hand nehmen. Fachleute, die helfen, den Fokus nicht auf Schwächen, sondern auf Potenziale zu lenken, damit Betroffene neue Ziele formulieren und zuversichtlich in die Zukunft blicken können.

Ein solcher Fachmann ist Helmut Gruhn, den wir 2022 mit unserem Motivationspreis ausgezeichnet haben, weil er schon so vielen Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten zurück ins Leben geholfen hat. Dieses Buch fasst seine Erfahrungen und Empfehlungen zusammen. Möge es viele Menschen durch das erste Jahr nach ihrem Schlaganfall begleiten!

Liz Mohn

Präsidentin Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

Liebe Leserin, lieber Leser,

er kommt wie ein Blitz aus heiterem Himmel, wann er will, wo er will, wie ein Phantom. Er fragt nicht nach Alter, Geschlecht, Beruf oder Charakter und nimmt keine Rücksicht auf gesellschaftlichen oder finanziellen Status. Jeder Schlaganfall ist ein drastischer Einschnitt, der das bisherige Leben grundlegend verändert. Schon »kleine« Schlaganfälle sorgen für Schock, Panik und Entsetzen.

Jährlich erleiden 270 000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall – also durchschnittlich ein Schlaganfall alle 2 Minuten! Die meisten von ihnen überleben dank der umfassenden Möglichkeiten heutiger Medizin. Die Behandlung in der Klinik und die anschließende Reha im klinischen Umfeld werden normalerweise bis ins Detail durchgeplant: Es herrscht Vollkasko-Mentalität! Umso erstaunlicher muss es deshalb anmuten, dass es größtenteils dem Zufall überlassen wird, wie es danach weitergeht.

Bei einem Schlaganfall gehen Fähigkeiten verloren. Wer jedoch übt, fördert und fordert, der kann einige Überraschungen erleben, wie viel das Gehirn neu erlernen und wiederherstellen kann. Genau das will der »Neustart nach dem Schlaganfall« erreichen: Wo immer es möglich ist, sollen Fähigkeiten erneuert, erhalten und gestärkt werden. Dieser Weg ist nach der klinischen Reha nicht zu Ende, sondern er bestimmt den Rest des Lebens nach dem Schlaganfall.

Das Ziel dieses Buches lautet: einfach und für alle verständlich zusammenfassen, was für ein möglichst selbstbestimmtes, zufriedenes und glückliches Leben nach dem Schlaganfall nötig ist … für Betroffene, Angehörige, Freunde und das ganze Umfeld!

Für Ihren persönlichen Weg wünsche ich Ihnen Kraft, Mut, Humor, Freude und jede Menge Optimismus!

Ihr Helmut Gruhn

Inhaltsverzeichnis

Titelei

Geleitworte

Liebe Leserin, lieber Leser,

Schlaganfall – eine Einführung

Eine grausame Erkrankung

Wenn der Körper einen im Stich lässt

Prominente Beispiele

Mit 66 Jahren fängt das Leben an?

Es gibt kein Zurück

Kein Ende, sondern ein Anfang

Der Aufbau dieses Buches

Erster Schritt: Bestandsaufnahme

Empfehlungen in zeitlicher Abfolge

Die Empfehlungen im Überblick

Ausführliche Infos, Beispiele, Hintergründe

Angehörige nicht vergessen!

Hilfreiche Methoden bei Schlaganfall

Informationen, Adressen und Checklisten

Neue Bedingungen annehmen

Lächelnd vorwärts gehen

Empfehlungen, keine Befehle

Bestandsaufnahme und Blick in die Zukunft

Stand der Dinge: Fakten schaffen

Fähigkeiten im Erfolgstagebuch notieren

Checklisten für die Bestandsaufnahme

Eigene Wege gehen

Bestandsaufnahme spielerisch angehen

Ziele: konkret, erreichbar, motivierend

Vom Ziel zum Plan zur Umsetzung

Das oberste Ziel: Lebensglück!

Aktive Lebensgestaltung vorbereiten

Vorbereitungen während der klinischen Reha

Wichtiger Baustein: der Entlassungsbericht

Persönliches Umfeld stärken

Hilfe suchen und annehmen

Unterstützung frühzeitig planen

Befreit in die Zukunft gehen

10 Fragen an Mitarbeiter in der Reha

Infos für Angehörige und Freunde

1. Monat: Daheimsein neu entdecken

Die Eingewöhnungsphase

Der erste Monat nach der klinischen Reha

Daheim in der Fremde

In der Ruhe liegt die Kraft?

Leben von Tag zu Tag

Bausteine für den erfolgreichen Neustart

Wichtig: der erste Termin beim Hausarzt

Der Therapie-Plan für die nächsten Monate

Der 5-Phasen-Therapieplan

Keine Heilung »auf einen Schlag«

Medikamente und Hilfsmittel: kein Ersatz für Therapie

Kosten werden im ersten Jahr fast vollständig übernommen

Neurologisch orientierte Therapeuten finden

Ihr persönliches Team

Vereinte Kräfte wirken besser

Das Therapie-Tagebuch – auch ein Tipp für den Therapeuten

Beziehungen werden auf die Probe gestellt

2.–3. Monat: Potenzial maximal entfalten

Die intensive Therapie-Phase

Belastung: Ja! Überlastung: Nein!

Ziele schenken Energie

Körperlich anstrengende Tätigkeiten

Hilfe ablehnen – Hilfe annehmen

Ergänzung zur Therapie: daheim trainieren

Das eigene Team aufbauen

Verantwortung für sich selbst übernehmen

Es geht nicht ums Gewinnen!

Tipps für Angehörige

4.–7. Monat: Fähigkeiten erhalten und ausbauen

Stabilisierung und Eigenverantwortung

Erneuter Termin beim Hausarzt

Von der Therapie zum aktiven Alltag

Die richtige Einstellung

Gute Gewohnheiten

Neue Wege beschreiten

Spiegelneuronen aktivieren

Zusammen ist man weniger allein

Tipps für Angehörige

Ab dem 8. Monat: Selbstbestimmt leben

Erfolge und neue Herausforderungen

Ihr medizinischer Berater

Sport und Hobbys

Bei aller Motivation: nicht übertreiben!

Haushalten mit den eigenen Kräften

Arbeiten mit dem, was noch da ist

Weitere Therapie?

Große Schritte dank Intensivtherapie

Fokussieren, tanzen, tolerieren

Konzentrieren auf das, was man ändern kann

Seien Sie der Chef in Ihrem Leben

Denken Sie an Ihre Angehörigen

Neue Erlebnisse würzen das Leben

Das Wichtigste zum Schluss

Empfehlungen für Angehörige

Auch Angehörige brauchen Hilfe

Veränderte Persönlichkeit?

Klarkommen mit dem »neuen« Partner

Beste Devise: »Wir schaffen das!«

Ehrlichkeit ist Trumpf

Team aufstellen und Aufgaben verteilen

Sehr wichtig: Pausen

Ratschläge von Angehörigen für Angehörige

Empfehlungen von Laura S., der Ehefrau eines Schlaganfall-Betroffenen

Krankenkasse – dein Freund und Helfer?

Das Wichtigste: Zusammenhalten!

Therapeutische Werkzeuge

Therapie ist SMART

Therapie ist Teamarbeit

Ziele der Therapie

Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie

Logopädie

Ergotherapie

Physiotherapie

Weitere Therapie-Ansätze

Affolter-Modell

Feldenkrais-Methode

Das Taub’sche Training

Logotherapie

Umgang mit Verzweiflung und Depressionen

Die Sinnlehre von Viktor E. Frankl

Holen Sie sich Hilfe

Über mich

Vom Schüler zum Lehrer

Mein therapeutischer Ansatz

Fachliche und menschliche Kompetenz

Mit ganzem Herzen dabei

Back to Life

Anhang

Der 5-Phasen-Therapieplan

Listen für die Bestandsaufnahme

Die FAM-Bewertungsskala

Praktisch orientierte Checkliste

Autorenvorstellung

Sachverzeichnis

Impressum

Schlaganfall – eine Einführung

Was sind die Folgen eines Schlaganfalls? Die verschiedenen Auswirkungen werden in diesem Kapitel beschrieben und Sie erhalten eine Übersicht über die Struktur des Buches.

Über mehr als 30 Jahre hinweg habe ich Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten physiotherapeutisch betreut und begleitet. Dabei durfte ich viele wunderbare und einzigartige Menschen kennenlernen. Ich musste aber auch erleben, dass nach dem Schlaganfall oft vieles schiefläuft – und konnte sehen, dass viele Probleme sich leicht vermeiden lassen, wenn man ein paar einfache Richtlinien beachtet und versucht, Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Dazu will dieses Buch eine Anregung sein.

Eine grausame Erkrankung

Kein Schlaganfall gleicht dem anderen. Was in welchem Umfang gestört oder geschädigt ist, unterscheidet sich von Fall zu Fall. Typisch sind sensomotorische Lähmungserscheinungen an Rumpf, Armen und Beinen. Das bedeutet: Berührungen werden anders oder gar nicht mehr gefühlt, bestimmte Bewegungen sind nur noch eingeschränkt, mit großer Anstrengung oder gar nicht mehr möglich. Schon bei diesen Störungen gibt es unterschiedlichste Ausprägungen, die jeweils individuelle Strategien bei der Therapie und der Anpassung der Lebensgestaltung erfordern.

Zu den weiteren möglichen Folgen gehören allgemeine Gleichgewichts-, Koordinations- und Sehstörungen. In seltenen Fällen gibt es auch kuriose Auswirkungen: Manche Betroffene verwechseln Hemd und Hose oder versuchen, sich mit Gabeln die Haare zu kämmen. Klingt lustig, sorgt in der Realität aber für Chaos, Entsetzen und massive Verwirrung. Mit das Schlimmste, was ein Schlaganfall bewirken kann, ist ein starker Dauerschmerz auf der betroffenen Seite, der bei Ablenkung oder Schlaf verschwinden kann, aber jederzeit zurückzukehren droht.

Wenn der Körper einen im Stich lässt

Der Schlaganfall nimmt Betroffenen nicht nur Bewegungsmöglichkeiten, er wirkt sich auch auf Sprache, Mimik und Gestik aus und kann ihnen im wahrsten Sinne des Wortes das Lachen stehlen. Er beschädigt oder zerstört damit Grundpfeiler sozialer Interaktion. Berufstätige Betroffene müssen feststellen, dass der erlernte Beruf nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr ausgeübt werden kann. Geliebte Aktivitäten und Hobbys wie Autofahren, Radfahren, Skilaufen, Golf-, Fußball- und Tennisspielen, Urlaubsreisen und vieles andere werden vielleicht nie mehr möglich sein.

Und das ist noch nicht alles! Freunde und Bekannte werden weniger, eventuelle finanzielle Sorgen größer. Die Partnerschaft, die Beziehung zu den Kindern und anderen Angehörigen werden einer harten Belastungsprobe ausgesetzt. All das zusammen führt zu Hilflosigkeit, Scham, Abhängigkeit, Betroffenheit, Unselbstständigkeit und einem Gefühl von Nutzlosigkeit.

Prominente Beispiele

Es gibt viele prominente Opfer eines Schlaganfalls: Blacky Fuchsberger, Tina Turner, Gaby Köster, Sharon Stone, Wolfgang Niedecken … und sogar den scheinbar unsterblichen Johannes Heesters musste erst der Schlag treffen, damit er mit 108 Jahren sterben konnte.

Einen besonders extremen Fall stellt Horst Lichter dar: Er heiratete im Alter von 19 Jahren, kaufte ein Haus und geriet dadurch in finanzielle Schwierigkeiten. Deshalb sah er sich gezwungen, neben seinen Schichten im Bergbau zusätzlich an fünf Tagen in der Woche auf einem Schrottplatz zu arbeiten. Mit 26 Jahren erlitt er seinen ersten Schlaganfall. Mit 28 folgte der zweite, der durch einen zusätzlichen Herzinfarkt verschlimmert wurde. Während seines Aufenthaltes in der Reha-Klinik beschloss er, sein Leben grundlegend zu ändern … und so startete seine Karriere als Fernsehkoch, Buchautor, Entertainer und Moderator.

Mit 66 Jahren fängt das Leben an?

Horst Lichter ist allerdings eine Ausnahme. Vier von fünf Schlaganfällen treffen Menschen, die älter als 65 Jahre sind. Oft wurde der größte Teil des bisherigen Lebens gearbeitet. Mit dem gesparten Geld sollte das Leben genossen werden: Restaurants, Theater, Kino, Fußballplatz, Wanderungen, Fahrradtouren, Fernreisen, Kreuzfahrt. Damit ist es auf einen Schlag vorbei.

Es gibt kein Zurück

Oft besteht das verständliche Bedürfnis aller Beteiligten, nach der Entlassung aus der klinischen Reha in den vor dem Schlaganfall bestehenden Alltag zurückzukehren. Doch dies ist leider nicht möglich! Praktisch jeder Schlaganfall hat massive Auswirkungen auf das, was Betroffene zu leisten vermögen. Das alte »Normal« funktioniert nicht mehr. Durch die umfassende Veränderung entsteht bei Angehörigen oft sogar der Eindruck, dass Betroffene plötzlich einen völlig anderen Charakter haben. Partner, Kinder und Freunde reagieren irritiert, fühlen sich überfordert, werden ungeduldig. Es kommt zu Unstimmigkeiten, Hilflosigkeit, Depressionen und zerstörten Beziehungen.

Kein Ende, sondern ein Anfang

Vieles lässt sich vermeiden, indem sich alle Beteiligten auf einen Neustart einstellen und akzeptieren, dass trotz derselben Darsteller ein neuer Film, ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Das darf man auch als spannend und inspirierend, als lustvollen Anfang empfinden, der Möglichkeiten bietet, altes Verhalten und bekannte Vorlieben zu verändern oder abzulegen und mit Kraft, Mut und Neugier zu entdecken, was die neuen Umstände zu bieten haben.

Der Aufbau dieses Buches

Für die Anpassung an neue Umstände ist es hilfreich, wenn Betroffene diese Umstände zunächst realistisch einschätzen und sich auf diese Weise Einschränkungen möglichst nüchtern und sachlich vor Augen führen.

Erster Schritt: Bestandsaufnahme

Im Kapitel ▶ »Bestandsaufnahme und Blick in die Zukunft« geht es deshalb darum, Ihren eigenen Zustand sowie vorhandene Fähigkeiten und Defizite festzuhalten. Eine erste Bestandsaufnahme sollten Sie ganz am Anfang durchführen. Darauf aufbauend können Sie Ihre Zukunft planen, realistische Ziele formulieren und konkrete Pläne zum Erreichen dieser Ziele schmieden. Sie sollten in regelmäßigen Abständen diese Bestandsaufnahme wiederholen und Ihre Ziele und Pläne aktualisieren.

Empfehlungen in zeitlicher Abfolge

Die darauffolgenden Kapitel gehen auf verschiedene Zeitabschnitte nach dem Schlaganfall ein. Sie fassen die speziellen Herausforderungen zusammen, die während der klinischen Reha und nach der Entlassung, wenn Sie wieder zu Hause sind, angegangen werden sollten. Dabei geht es vor allem um das erste Jahr nach dem Schlaganfall. Das ist der Zeitraum, in dem sich Ihr Gehirn am leichtesten an neue Anforderungen anpassen kann: Dies ist die entscheidende Phase für den Start in Ihr neues Leben!

Die Kapitel des Buches orientieren sich am ersten Jahr nach dem Schlaganfall.

Die Empfehlungen im Überblick

Wer einen Schlaganfall erleidet, hat normalerweise wenig Lust, Zeit und Geduld, lange Ausführungen zu lesen. Deshalb habe ich am Anfang jedes Kapitels meine wichtigsten Anregungen und Empfehlungen in Stichpunkten zusammengefasst. Wenn Sie die einzelnen Punkte gewissenhaft befolgen, sollten Sie für den Neustart nach dem Schlaganfall gut vorbereitet sein.

Ausführliche Infos, Beispiele, Hintergründe

Im weiteren Verlauf des jeweiligen Kapitels gehe ich ausführlicher auf die Themen ein, die in der Übersicht aufgeführt wurden. Fallbeispiele verdeutlichen, was gemeint ist und welche konkreten Erlebnisse in der therapeutischen Praxis zu meinen Empfehlungen geführt haben. Die Namen in den Beispielen habe ich natürlich geändert. Ich hoffe, dass Sie sich auf diese Weise ein eigenes Bild machen können und meine Tipps an Ihre Situation, Ihre Bedürfnisse und Ihre Wünsche anpassen können.

Angehörige nicht vergessen!

Auch Angehörige leiden unter den Folgen des Schlaganfalls. In den einzelnen Kapiteln gibt es bereits einige Tipps für sie. Im Kapitel »Empfehlungen für Angehörige« gehe ich noch einmal genauer auf das ein, was sie meiner Einschätzung nach wissen sollten. Ein ausführliches Beispiel eines besonders schweren Schlaganfalls verdeutlicht emotionale und praktische Herausforderungen.

Hilfreiche Methoden bei Schlaganfall

Im Kapitel ▶ »Therapeutische Werkzeuge« erkläre ich die Aufgaben von Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie, gehe auf Bobath und andere Formen neurologischer Krankengymnastik ein und liste Methoden auf, die Ihnen beim Gestalten des Lebens nach dem Schlaganfall helfen könnten. Wichtig ist mir auch der kurze Exkurs zum Thema Depression am Ende des Kapitels.

Informationen, Adressen und Checklisten

Im Anhang finden Sie den von mir empfohlenen ▶ 5-Phasen-Therapieplan in einer übersichtlichen Tabelle dargestellt sowie Vorschläge und Vorlagen für ▶ Checklisten, die bei der Bestandsaufnahme helfen.

Schließlich habe ich alle Adressen, Verbände, Vereine, Stiftungen und Informationen gesammelt, die für meine Begriffe in einem Buch über Schlaganfall nicht fehlen dürfen. Die ▶ Auflistung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, doch die Begriffe dienen als erste Anlaufpunkte, die Ihnen das Leben massiv erleichtern und helfen können, mit den verschiedenen Herausforderungen umzugehen.

Neue Bedingungen annehmen

Ein Schlaganfall verändert in fast allen Fällen das, was möglich ist. Fähigkeiten gehen verloren, manche davon für immer, andere können nur mit viel Zeit und Geduld wieder erworben werden. Zugleich müssen Betroffene oft erkennen, dass sie deutlich weniger Energie zur Verfügung haben als vor dem Schlaganfall.

Ich empfehle Ihnen, positiv und flexibel mit diesen Folgen umzugehen. Sowohl der Umgang mit Einschränkungen als auch die Rehabilitation klappen am besten, wenn dabei der ganze Mensch einbezogen wird: von Körper, Geist und Seele bis hin zum sozialen Umfeld. Das erfordert eine gesunde Mischung aus Disziplin und Engagement auf der einen Seite sowie von Ruhephasen und heiterer Gelassenheit auf der anderen Seite.

Lächelnd vorwärts gehen

Nicht immer lässt sich jeder Traum erfüllen. Aber ich rate dazu, die noch vorhandenen Kräfte gut zu nutzen, neugierig zu bleiben und mit Freude ins neue Leben zu starten. Nicht »aushalten« oder »durchstehen«, sondern entdecken, ausprobieren, genießen … Ohne übertriebenen Druck und ohne überzogene Erwartungen!

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Erfolge in diesem oder jenem Bereich weniger wichtig sind als die persönliche Einstellung. Ein neues Leben hat begonnen, in dem Möglichkeiten und Erfolg neuen Regeln folgen. Akzeptieren Sie die Situation, in der Sie sich befinden, und gehen Sie zufrieden oder besser mit einem Lächeln oder noch besser lachend voran!

Meine 10 Regeln für den Neustart

Akzeptieren Sie, was im Moment Stand der Dinge ist.

Konzentrieren Sie sich auf das, was noch alles möglich ist.

Setzen Sie sich Ziele und halten Sie sie schriftlich fest.

Gestalten Sie Ihre Therapie zusammen mit Angehörigen, Ärzten und Therapeuten und bringen Sie dabei Ihre eigene Perspektive und Ihre Ziele ins Spiel.

Rechnen Sie mit Rückschlägen: Sie gehören dazu.

Bringen Sie Struktur in Ihren Tagesablauf.

Fangen Sie so früh wie möglich an, Dinge selbstständig zu planen und durchzuführen.

Führen Sie ein Erfolgstagebuch.

Entdecken Sie neue Hobbys und Aktivitäten, die Ihnen Freude machen.

Haben Sie Verständnis! Für Angehörige, Freunde, Ärzte … und für sich selbst.

Empfehlungen, keine Befehle

Wie Sie die Tipps in diesem Buch umsetzen, liegt ganz bei Ihnen! Ich kann Ihnen vieles raten, was meiner Erfahrung nach funktioniert und hilft. Aber Sie sind ein Individuum, und jeder Schlaganfall hat andere Auswirkungen. Für all meine Empfehlungen gilt: Passen Sie diese an Ihre Situation, Ihre Möglichkeiten, Ihre Wünsche und Ihre persönlichen Vorlieben an, wenn Sie merken, dass Ihnen etwas sehr schwerfällt oder es nicht den gewünschten Effekt hat!

Das wichtigste Ziel ist, dass Sie (und Ihr Umfeld) zufrieden sind und positiv in die Zukunft gehen! Verlieren Sie dieses Ziel nie aus den Augen!

Starten Sie nun mit dem nächsten Kapitel, in dem es darum geht, den aktuellen Stand der Dinge festzuhalten, daran angepasst Ziele zu formulieren und anschließend zu planen, wie Sie diese Ziele erreichen können. Das empfehle ich unabhängig davon, ob Sie dieses Buch bereits während der klinischen Reha lesen (was der Idealfall wäre!) oder erst kurz oder lange nach der Entlassung aus der Klinik.

Bereit? Also dann: Legen wir los!

Bestandsaufnahme und Blick in die Zukunft

Wie ist der Status quo? Nach dem Schlaganfall machen Sie eine Bestandsaufnahme und leiten daraus Ihre Ziele und Pläne für die Zukunft ab.

Eine Bestandsaufnahme machen, sich Ziele setzen und Pläne entwickeln – das sollten Sie nach einem Schlaganfall als Erstes tun und regelmäßig wiederholen.

Legen Sie sich ein Erfolgstagebuch zu.

Machen Sie eine Bestandsaufnahme: Fähigkeiten und Defizite festhalten, nach persönlichen Prioritäten und Vorlieben ergänzen (Vorlagen finden Sie im ▶ Anhang).

Formulieren Sie Ziele: Ziele sammeln, wichtigste Ziele auswählen, bei großen oder nicht direkt erreichbaren Zielen Zwischenziele festlegen.