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»Er hat mir mein Herz gebrochen. Es genommen und dann fallen gelassen, als wäre es nichts wert. Als wäre es nicht alles, das ich ihm geben konnte, geben wollte und gegeben habe.«
Ein Leben wie es im Bilderbuch steht? Nicht für Hazel Clarke. Seit sie denken kann, muss sie Verantwortung tragen. Für sich, für ihre Mom, für die Zukunft.
Als alles über ihr einstürzt, bietet Cole Bail ihr einen Ausweg. Der Mann, der ihr vor Jahren das Herz brach.
Dennoch will sie einen Neustart in Phoenix. Und obwohl Hazel nach vorne blicken will, kann sie sich nicht von ihrem alten Leben lösen.
Verrat und Verzweiflung werfen sie immer wieder zurück, bis sie schließlich auf sich allein gestellt ist.
Hat sie sich wirklich so sehr in Cole getäuscht?
Neuauflage der Enough-Reihe, die 2019 unter gleichnamigem Titel erschienen ist.
In sich abgeschlossen,
kein Cliffhanger
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Inhalt
Impressum
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Epilog
Danksagung
© 2023 Rinoa Verlag
c/o Emilia Cole
Pater-Delp-Straße 20, 47608 Geldern
ISBN 978-3-910653-15-3
© Covergestaltung: Coverstube
Korrektur: Lektorat Zeilenschmuck
rinoaverlag.de
leonieelena.de
Alle Personen und Handlungen in diesem Roman sind frei erfunden. Jedwede Ähnlichkeit zu lebenden Personen ist rein zufällig.
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
3 Jahre zuvor …
Ich stieß stöhnend die angehaltene Luft aus. Es war eine ganz dumme Idee gewesen, Trixie bei dieser Sache zuzustimmen. Bei meinem lauten Seufzer drehte die sich nämlich sofort wieder in meine Richtung und verdrehte empört die Augen.
»Ich weiß, was du denkst. Aber glaub mir, damit verdienst du richtig gut. Viel mehr als an einem Abend im Club, vertrau mir.« Trixie legte den Arm um meine Schulter und zog mich enger an sich. Ich nickte, sie hatte recht. Und ich brauchte das Geld.
»Meine Damen und Herren, begrüßen Sie mit mir nun im Ring die unfassbar heißen Mädchen von Sammy’s Excotics!«, brüllte der Moderator über die Lautsprecher.
Das Publikum in der Arena jubelte, die Männer grölten. Trixie sah mir noch einmal fest in die Augen, bevor wir beide tief durchatmeten und mit einem Lächeln auf den Lippen den Ring betraten. Trixie hatte uns beide sofort eingetragen, als Samantha mit der Liste für diesen Auftritt durch die Umkleiden gelaufen war. Natürlich ohne mich zu fragen. Ich war an dem Abend eigentlich gar nicht im Club eingeteilt. Sie meinte, es mache bestimmt Spaß und ohne mich wollte sie es nicht tun. Also bewarben wir uns und der Veranstalter hatte sich schnell für uns entschieden.
Wir sollten als so eine Art Halbzeit-Attraktion auftreten und blankziehen. Keine Ahnung, ob es sich hier wirklich um die Halbzeit handelte, mit Boxen kannte ich mich absolut nicht aus.
Unsere Musik setzte ein und wir fingen an uns zu bewegen, liefen von einer Ecke in die nächste und ließen langsam die Hüllen fallen. Samantha achtete immer darauf, dass wir nicht zu viel zeigten. Sie stand am Rand des Boxrings und beobachtete uns mit scharfen Augen. Das lag zum einem daran, dass ich noch nicht volljährig war.
Wir räkelten uns an den Seilen und aneinander, ehe die neun Minuten endlich vorbei waren und Trixie und ich den Ring wieder lächelnd und winkend verließen. Die Menge – oder eher die Männer – grölten weiter.
Augenblicklich kam Sam auf uns zu und lächelte zufrieden. »Sehr gut, Mädels«, stieß sie aus, rieb uns über die Oberarme und hielt uns jeder einen dünnen Bademantel hin, mit dem ich mich direkt wieder verhüllte.
Lächelnd nickten wir und gingen wieder zu unserer Umkleide, wo sich auch die der Kämpfer befanden.
Als ich im Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm, blieb ich stehen. Trixie und Sam bekamen davon offensichtlich nichts mit, sie liefen weiter in Richtung Umkleide. Aber ich war einfach zu neugierig, um weiter zu gehen.
»Es tut mir wirklich leid, aber ich bin nicht interessiert«, hörte ich. Ich lehnte mich um eine Ecke und sah einen wirklich hübschen jungen Mann, der vor einer kleineren Frau stand. Die Frau ließ ihre Finger an seinem Hals entlanggleiten und verschränkte sie in seinem Nacken. »Aber warum denn nicht? Ich würde dich die ganze Nacht beschäftigen, klingt das nicht toll?«, fragte sie, während sie seinen Arm umklammerte und ihre Brüste an ihn drückte.
»Äh … nein, danke, lass mal«, antwortete er und versuchte, sich aus ihrem Griff zu lösen.
Ich wusste nicht, was mich als nächstes ritt, aber ich trat um die Ecke rum und kam ein paar Schritte auf die beiden zu.
»Baby?«, rief ich und erregte damit die Aufmerksamkeit der beiden. Verwirrt blickte die Frau auf und auch der junge Mann sah perplex drein.
»Könntest du dich bitte von meinem Freund fernhalten?«, sagte ich zu ihr. Ich griff nach ihren Fingern und löste sie aus seinem Nacken.
»Dein Freund?« Sie sah verdutzt zwischen uns hin und her. Nickend lehnte ich den Kopf auf die Seite und schaute dem Mann in die wirklich schönen braunen Augen. Die hatten beinahe etwas von Karamell.
»Ja, mein Freund, würdest du uns also entschuldigen?«, sagte ich und schaute dem Mann danach fest in die Augen, damit er mein Rettungsversuch auch ja nicht vergeigte.
Nickend ließ er sich von mir mitziehen.
Schnell übernahm aber er die Führung und zog mich in die nächste Umkleide. Ich konnte noch einen kurzen Blick auf die Beschriftung an der Tür werfen und erkannte einen Namen: JAIL.
»Danke!«, stieß er aus, kaum hatte er die Tür geschlossen und meine Hand losgelassen.
Ich zuckte mit den Schultern. »Gern«, erwiderte ich, bevor ich mich abwandte, weil ich zurück zu Trixie wollte.
»Wie heißt du?«
Erstaunt blickte ich auf und hielt inne. Ich hätte nicht gedacht, dass ihn das wirklich interessierte. Die Männer im Club interessierten sich zumindest nie dafür.
»Hazel«, sagte ich leise und schaute überall hin, nur nicht in sein Gesicht.
»Hazel«, wiederholte er, ehe er einen weiteren Schritt auf mich zukam und mir seine Hand entgegenstreckte. »Ich bin Cole.«
»Hazel, Baby, schnell rein mit dir«, rief mir Jack, unser Türsteher, von weitem zu. Ich umfasste meine Jacke und zog sie enger, heute Nacht war es verdammt kalt. Ich ging schneller auf ihn zu und schob mich an der Schlange vor dem Club vorbei.
»Danke Jack«, sagte ich und hauchte ihm einen schnellen Kuss auf die Wange. Nickend öffnete er mir die Tür und ließ mich ins Warme. Ich eilte an der Theke entlang, um in die hinteren Räume der Bar zu gelangen.
»Schatz, kannst du mir deine Schuhe ausleihen? Meine sind total durchgelaufen«, richtete sich Wendy an mich, als ich die Umkleiden für die Mädchen betrat.
»Klar, nimm dir einfach ein Paar aus meinem Schrank.« Ich streifte die alte und zu kleine Jacke ab.
Wendy dankte mir und griff sich ein paar schwarze Stilettos aus meinem Spind.
Samantha betrat den Raum mit ihrem Klemmbrett und dem obligatorischen Stift in ihrer Hand. »So, Mädchen, ihr habt noch fünf Minuten. Zuerst geht Kiki auf die Bühne, Hazel du bist als Zweite dran. Das weiße Kostümchen heute, ja?«
»Ja!«, antwortete ich. Ich zog mir schnell die Jeans und das Shirt vom Körper.
Samantha war die Koordinatorin für die abendlichen Auftritte, außerdem war sie diejenige, die die Mädels einstellte oder feuerte, weshalb man sich immer gut mit ihr stellen sollte. Ihr gehörte die Stripteasebar Sammy’s Excotics, die etwas abgelegen vom Strip in Las Vegas lag. In der arbeitete ich seit nun drei Jahren und konnte mich damit gerade so über Wasser halten. Der Club warf gutes Geld ab, somit konnte ich die Miete für mich und meine Mom zahlen und uns ein paar Lebensmittel in den Kühlschrank stellen.
»Na dann, Ladys, bis später.« Kiki stolzierte in ihrem orangenen Katzen-Kostüm in Richtung Bühne. Jeder Auftritt ging knapp sieben Minuten und ich war nach Kiki an der Reihe, somit musste ich mich beeilen.
Mein Kostüm heute Abend war ein Engel. Sam meinte, die Männer würden darauf abfahren, wenn jemand, der so unschuldig aussah wie ich. Unschuldig war ich aber schon lange nicht mehr.
Die hatte ich nämlich an niemand anderen als Cole Bail verloren, dem kleinen Bruder von Jason Bail, dem Profiboxer. Das lag drei Jahre zurück, damals waren wir siebzehn gewesen. Cole hatte jedoch nicht gewusst, dass es mein erstes Mal gewesen war. Wahrscheinlich hätte er dann nicht in einer Umkleide der Arena mit mir geschlafen.
Dennoch fand Samantha, ich würde Unschuld verkörpern. Sie meinte, es würde an den braunen Augen liegen. Aber durch meine roten Locken, die mir über den Rücken fielen, fühlte ich mich ganz und gar nicht unschuldig. Ich beließ es aber einfach dabei, wenn sie mich als Engel sehen wollte, würde ich ihr das auch liefern. Ich würde alles machen, um diesen Job nicht zu verlieren.
Ich schminkte ich zügig nach, zog die hohen Stiefel an und lief zum Rand der Bühne.
Kiki vollführte gerade noch eine Drehung und landete im Spagat auf dem Boden. Die Männer flippten aus und riefen anzügliche Sachen. Scheine flogen auf die Bühne und Kiki sammelte sie keck lächelnd ein. Mit einer letzten Verbeugung, bei der sie ihre Brüste extra etwas nach vorn schob, verließ sie die Bühne und kam auf mich zu.
»Viel Spaß, Süße«, sagte sie und küsste mich auf die Wange.
Die Mädels waren wie meine Familie. Wir hielten zusammen, teilten alles und redeten über vieles – jedoch sprachen wir nicht über den Grund, warum wir das hier machten.
Nie.
Wir alle hatten kein leichtes Leben. Aber wir hatten einander und passten aufeinander auf.
»Und nun, meinen Herren, begrüßt mit mir die süße Hazel auf der Bühne«, kündigte Samantha mich an und richtete ihre Hand in meine Richtung.
Okay, tief durchatmen, Hazel, und los geht’s. Meine Mundwinkel wanderten wie jedes Mal reflexartig nach oben. Mit einem Lächeln im Gesicht machte ich mich auf den Weg in die Mitte der Bühne. Die Männer jubelten und grölten. Dann setzte meine Musik ein.
»Du warst spitze!«, stieß Wendy aus, als ich die Bühne verließ.
»Danke«, erwiderte ich und drückte ihr kurz den Oberarm.
Ich zog die Scheine aus meinem Kostüm und meinem BH und zählte sie schnell nach. Zweihundert Mäuse. Yeah. Davon würde die Hälfte an Sam gehen, blieben einhundert Dollar für mich. Ich arbeitete an sechs Abenden in der Woche. Die profitabelsten waren Freitag und Samstag, da bekam man pro Auftritt auch mal drei- bis vierhundert Dollar.
Ich hatte heute Abend noch einen weiteren Auftritt, aber bis dahin hatte ich noch Zeit, somit konnte ich mich in die Küche schleichen und vielleicht ein paar Pommes naschen.
Ich streifte die Flügel ab und hing sie an die Kleiderstange, an der die meisten Kostüme hingen. Um Geld zu sparen wurden die Kostüme einfach in einer Größe gekauft und man musste hineinpassen. Kein einziges wurde extra für die Tänzerinnen angepasst.
Ich zog den dünnen Bademantel aus meinem Schrank und zog ihn über, ehe ich mich auf den Weg aus den Umkleiden und in die Küche machte.
Ich trat gerade hinter der Theke vor, als mich ein Kerl von der Seite ansprach. »Hey, Süße, du warst unglaublich. Bietest du auch private Shows an?« Ich blickte den älteren Mann vor mir an und schüttelte den Kopf. Die meisten Kolleginnen gaben auch Lapdances, aber Sex war bei uns verboten. Wir waren immerhin kein Bordell, sondern eine Stripteasebar.
»Sicher? Ich verspreche, ich zahle gut.« Er umfasste mein Handgelenk und beugte sich in meine Richtung. Ich zog mich etwas zurück und versuchte zu lächeln, ich wollte ihn bloß nicht verärgern.
»Tut mir leid, aber ich tanze nur.« Lächelnd wandte ich mich von ihm ab, um zur Küche zu gehen. Ich hatte großen Hunger.
Auf einmal schlang sich ein Arm um meine Mitte und presste mich fest an seine Brust. Der Kerl schob die Hüfte vor, um mich am Po zu berühren. Ich erschauderte und mich überkam Übelkeit. Das war der Nachteil an dem Job: zu viele aufdringliche Kunden.
»Lassen Sie mich bitte los«, sagte ich möglichst gelassen.
Seine Hand legte sich flach auf meinen Bauch und wollte im nächsten Moment die Schleife meines Bademantels lösen.
»Hey, die Mädchen werden nicht angefasst!« Erleichtert atmete ich aus, als ich Billys Stimme hinter mir vernahm. Billy war ebenfalls einer der Securitys und passte auf, dass alles glattlief. Neben den beiden gab es auch noch Tom und Andrew, die sich auch irgendwo aufhielten.
»Nicht anfassen!«, sagte Billy erneut und zog ihn von mir.
»Sie hat mich heiß gemacht. Dafür kann ich doch nichts.« Abwehrend hob er die Hände und machte einen Schritt nach hinten.
Billy schüttelte den Kopf. »Setzen Sie sich auf Ihren Platz, sollte das noch mal vorkommen, fliegen Sie hier raus, verstanden?«, sagte er mit fester Stimme und schaute ihn ernst an. Der Mann nickte schnell und wandte sich ab, um zu verschwinden.
»Alles klar, Baby?«, richtete sich Billy an mich. Billy war schon in seinen Vierzigern und hatte leichte Krähenfüße an den Augen. Er war wie der Vater für mich, den ich nie gehabt hatte. Zumindest passte er auf mich auf.
»Ja, danke, Billy.« Ich lächelte ihn an.
»Kein Problem, Hazel, wo wolltest du denn hin?«
»Zur Küche«, murmelte ich. Eigentlich durften wir uns nicht einfach am Essen bedienen, aber hin und wieder machte mir unser Koch Owen doch eine kleine Portion.
»Hat deine Momma wieder nichts gemacht?«, fragte Billy nach. Er wusste, wie es bei mir zu Hause war, oft genug hatte er mich nach Hause bringen müssen, wenn abends die Busse nicht mehr fuhren.
Auf seine Frage schüttelte ich den Kopf. »Na, dann komm, ich begleite dich. Nicht dass du noch mal aufgehalten wirst.« Er zwinkerte, bevor er seine Hand auf meinen Rücken legte und mich in Richtung der Küche bugsierte.
»Owen!«, rief ich, als ich die Küche betrat.
»Hazel, Schatz!«, stieß er aus. Er legte mir eine Hand um die Hüften und zog mich näher an sich. »Hab mir doch schon gedacht, dass du kommst. Hier, ich habe dir Pommes mit der Spezialsauce gemacht, die du doch so magst.« Lächelnd schob er mich an die Seite, wo bereits ein kleiner Teller mit Essen stand.
»Danke«, sagte ich grinsend und schob mir die erste Pommes in den Mund. Ich stöhnte genüsslich und nickte Owen zu. »Sehr lecker.«
»Beeil dich aber, nicht dass Samantha das mitbekommt.«
»Hazel, du bist als nächstes dran. Weißt du, welches Kostüm?« Sam kam auf mich zu, gerade als ich meinen Bademantel wieder in den Spind hängte.
Nickend richtete ich mich an sie. »Das hellblaue«, sagte ich und hielt es wie zum Beweis in der rechten Hand.
»Sehr gut«, sagte sie und wandte sich wieder ab, um zu Lucy zu laufen. Sie würde nach mir dran sein.
Ich zog mich schnell um und suchte nach dem Haarreif, der auch zu dem Kostüm gehörte und irgendwo hier rumliegen müsste.
»Hazel, hier!«, rief Leila und warf ihn mir rüber. Sie hatte das Kostüm letzte Woche angehabt. Ich bedankte mich und lief wieder in Richtung der Bühne.
Ich seufzte.
Dann das Ganze noch mal von vorn.
»Holt dich deine Momma ab?«, fragte Andrew, als Leila und ich aus dem Club kamen. Andrew hatte mit Jack erst vor knapp einer Stunde die Position gewechselt, jetzt war er für den Einlass zuständig. Allerdings zeigten die Uhren bereits vier Uhr morgens, somit würden wir jetzt auch schließen.
Ich schüttelte den Kopf. »Meine Mom sitzt wahrscheinlich gerade zugedröhnt zu Hause auf der Couch und macht mit irgendeinen ihrer ständig wechselnden Lover rum.« Zudem besaßen wir kein Auto, das konnten wir uns gar nicht leisten.
Andrew sah mich einen Moment verwundert an, dann lächelte er schief.
»Tschau, Süße, treffen wir uns morgen zum Brunch?«, rief Leila noch, als sie gerade die hintere Tür des Taxis öffnete.
»Klar, um eins?«
Zur Antwort nickte sie, dann verschwand sie im Taxi.
Andrew zog mich an der Schulter zurück, als ich gerade gehen wollte. »Du läufst doch nicht mitten in der Nacht allein über den Strip.« Ungläubig blickte er mich an. »Ich ruf dir ein Taxi, warte kurz.« Er zog sein Handy aus der Brusttasche.
Ich wollte protestieren, ich konnte mir wirklich nicht noch ein Taxi leisten. Ich hatte heute Abend einhundertfünfundsiebzig Dollar verdient und da würde ich mir sicherlich nicht für dreißig ein Taxi nehmen. Aber Andrew hielt sich das Handy bereits ans Ohr.
Ich rief bei einem hiesigen Taxiunternehmen an und bestellte mir einen Wagen zu Sammy’s Excotics. Währenddessen sorgte unser neuer Türsteher dafür, dass ich nicht von betrunkenen Männern angegraben wurde. Ich reichte Andrew sein Handy. Er stellte sich breitbeinig vor die Eingangstür und verschränkte die Arme vor der Brust.
Andrew war seit einem Jahr als Security angestellt und etwas jünger als die anderen drei. Ich schätzte ihn auf Ende zwanzig. »Hast du dir ein Taxi gerufen?«, fragte er mit tiefer Stimme und behielt weiter die Menge um uns herum im Blick.
Trotz der Uhrzeit war der Strip brechend voll, wie man von der Seitenstraße aus gut ausmachen konnte. Der Club lag nicht direkt am Strip, aber hierher verirrten sich genügend Gäste sowie Schaulustige.
Als der gelbe Wagen am Straßenrand hielt, prüfte Andrew noch mal die Umgebung, ehe er seine Hand auf meinen Rücken legte und mich Richtung Auto schob. Er öffnete die hintere Tür und steckte seinen Kopf durch das Beifahrerfenster. »Fahren Sie sie bitte nach Hause«, sagte er zum Fahrer und warf ihm dreißig Dollar auf den Sitz.
»Danke!«, stieß ich aus. Andrew zwinkerte mir zu, ehe er sich vom Wagen entfernte. Schnell nannte ich dem Taxifahrer meine Adresse.
In unserer Wohnung war es still, fast schon zu still. Normalerweise hörte ich bereits vor der Wohnungstür die Stimmen von Mom und ihren Freunden. Ich schloss die Tür auf und ging ins Wohnzimmer, das man direkt erreichte. Die kleine Küchenzeile erstreckte sich zu meiner Rechten und ein Klapptisch mit zwei Stühlen stand dazwischen.
Darauf verteilten sich Bierdosen, eine Schnapsflasche und überfüllte Aschenbecher.
Ich seufzte.
Vermutlich blieb Mom über Nacht weg. Wenigstens konnte ich so durchschlafen, ohne von dem Krach geweckt zu werden, den sie verursachte.
Ich streifte die alte Jacke ab und hängte sie an den Haken direkt neben der Tür. Ich stieg aus den Turnschuhen und stellte sie darunter auf den provisorischen Schuhständer, bestehend aus zwei alten Holzkisten.
Nach einer Dusche, um mir den Schweiß von der Haut zu waschen, machte ich mich auf den Weg zu meinem Zimmer, das direkt auf der linken Seite der Wohnung lag. Mom hatte kein eigenes Zimmer. Sie schlief entweder außer Haus oder auf der durchgesessenen Couch. Ich hatte ihr damals klargemacht, dass ich das Anrecht auf das Zimmer hatte, immerhin zahlte ich die Miete.
Mom hatte sich ziemlich schnell geschlagen gegeben, sie sah wahrscheinlich den Vorteil darin, dass das Wohnzimmer fast doppelt so groß war. Wobei das bei neun Quadratmetern auch nicht besonders schwer war.
Ich schaltete die Nachttischlampe ein, zog mir das zu große Oberteil zum Schlafen über und wollte mich gerade in mein Bett kuscheln, als mein Handy in meiner Handtasche vibrierte.
Schnell zog ich es hervor und ließ mich mit dem Bauch auf das Bett fallen.
Hey, ich bin nächste Woche in Vegas. Sehen wir uns?
Cole.
Schon als ich seinen Namen auf dem Bildschirm las, konnte ich einfach nichts gegen dieses dämliche Gefühl in meinem Magen tun. Die Schmetterlinge flatterten wie wild drauf los.
Hey, ja, gern.
Eine ganz simple Antwort. Ich wollte bloß nicht den Anschein erwecken, dass mir unsere Treffen mehr bedeuteten, als sie schlussendlich waren. Denn sie blieben nun mal einfach nur Sex. Aber das war für mich auch eine willkommene Ablenkung.
Ich checkte die Termine in meinem Handykalender. In der nächsten Woche fand ein finaler Boxkampf in Vegas statt, wahrscheinlich würde Cole wieder mit seinem Bruder und dem Manager anreisen.
Vorfreude breitete sich in mir aus. Es war beinahe vier Wochen her, seit ich ihn das letzte Mal gesehen hatte.
Er fehlte mir.
So beschissen das auch klang.
Cole war eine Nummer zu groß für mich, er spielte einfach in einer anderen Liga und das war sowohl mir als auch ihm bewusst. Aber an meiner Schwärmerei änderte das trotzdem nichts. Ich durfte ihn nur nicht zu sehr einengen, dann könnten wir auch einfach so weiter machen.
Eine weitere Nachricht ging ein.
Sehr schön! Ich sag dir Bescheid, in welchem Hotel wir einchecken.
Ich schickte ihm einen einfachen Smiley zurück und legte mein Handy beiseite. Ich brauchte dringend Schlaf, wenn ich mich morgen zum Brunch mit Leila treffen wollte. Zwar hatte ich für den Brunch zugesagt, würde mich aber wahrscheinlich mit einem Kaffee begnügen. Ich musste sparen und auf mein Geld aufpassen.
So gerade hatte ich die Highschool abgeschlossen und wollte zumindest an einer Weiterbildung teilnehmen, damit ich vielleicht irgendwann Chancen auf einen echten Job hatte. Strippen konnte ich nicht mein Leben lang, daher musste ein Plan B her und der hieß Altenpflege. Nicht gerade mein Favorit, aber bei dem Job musste ich immerhin keinen wirklichen Abschluss vorweisen. Aber ich musste verschiedenen Seminaren teilnehmen und die kosteten verdammt viel Geld. Zum Glück hatte ich noch ein paar Jahre, in denen ich sparen konnte.
Stöhnend griff ich nach meinem Handy, um den klingelnden Wecker auszustellen. Ich strich einige Strähnen von meiner Stirn und versuchte die Uhrzeit zu erkennen. Mist. Schon zwölf Uhr, das Treffen stand gleich an.
Ich raffte mich auf und strampelte die Decke von meinem Körper. Dann zog ich einfach irgendein Sommerkleid aus meinem Schrank, momentan war es echt heiß in Vegas, das musste reichen. Ich schlug die Decke auf meinem Bett ordentlich zurück. Als ich leise meine Tür öffnete, hielt ich kurz inne. Ich musste nur einen Schritt aus meinem Zimmer machen und konnte auf die Couch schauen. Der Fernseher lief und Stimmen waren zu hören. Ich konnte nicht ganz verstehen, worüber sie redeten.
Dann mal ab in die Hölle. Hinter mir zog ich die Tür zu und schloss sie im gleichen Zug ab. Das hatte ich mir mittlerweile angewöhnt, da sich einmal einer von Moms Freunden in meiner Unterwäscheschublade verirrt hatte.
»Guten Morgen«, murmelte ich leise, während ich durch den schmalen Flur in Richtung Küche ging.
»Guten Morgen? Hast du mal auf die Uhr geschaut, es ist bereits Mittag«, spuckte Mom mir entgegen und betrachtete mich abschätzend. Ich erhaschte einen Blick auf den eckigen Couchtisch vor ihr. Neben dem vollen Aschenbecher und den leeren Alkoholflaschen lag außerdem eine kleine Tüte mit Pepp darauf.
Ich wandte den Blick ab.
Mom wurde sauer, wenn ich sie zu lange ansah.
In der Küche griff ich ein Glas aus einem der oberen Schränke.
»Antwortest du mir auch mal?«, blaffte sie.
Ich hielt das Glas unter den Wasserhahn und füllte es halb auf. Zögerlich ging ich zurück zur Tür. »Mom, ich war doch gestern Abend noch im Club arbeiten«, sagte ich leise und trank einen Schluck.
Neben Mom auf der Couch saßen noch eine weitere Frau und zwei Männer, die ich natürlich nicht kannte. Einer der Männer hob seinen Blick und ich konnte spüren, wie sein widerlich gieriger Blick meinen Körper entlangwanderte.
Ekel floss durch meine Adern.
Im Club angestarrt zu werden war etwas ganz anderes als hier. Hier gab es keinen Billy, der auf mich achtgab.
»Zeig uns doch mal, wie genau du das Geld verdienst.« Der eine grinste dreckig und stand auf. In seinem Mundwinkel hing eine halb aufgerauchte Kippe.
Automatisch trat ich einen Schritt zurück.
»Sei doch nicht so schüchtern, Süße«, raunte er.
Auf einmal legte er seine Hand an meine Wange und fuhr mit dem Daumen darüber. Der beißende Geruch von billigem Alkohol und abgestandenen Zigaretten schlug mir entgegen.
Ich machte mich von ihm los, eilte an ihm vorbei in den kleinen Flur, schnappte Schuhe und Tasche und knallte die Wohnungstür hinter mir zu. Schwer atmend starrte ich dagegen. Dann würde ich eben zu früh am Café ankommen und dort warten. Alles war mir lieber, als in diesem Drecksloch zu bleiben.
»Süße?« Leila schnipste vor meinem Gesicht herum und zog somit meine Aufmerksamkeit wieder auf sich.
Ich blinzelte. »Sorry«, murmelte ich und sah ihr wieder in die Augen.
Leila war eine der wenigen, die den Job tatsächlich nur machte, um sich etwas dazu zu verdienen, obwohl sie es gar nicht nötig hatte. Und es machte ihr Spaß. Sie war auch verdammt gut darin. Mit ihren fast schwarzen Haaren und dem dunklen Teint ließ sie einige Männerherzen höherschlagen.
»Was ist denn los? Du bist so abwesend und hast deinen Kaffee kaum angerührt.« Sie legte ihre Hand über meine und schaute auf die Tasse.
Ich umfasste sie mit beiden Händen und nahm einen Schluck. Leila wusste nicht, was wirklich bei mir zu Hause los war.
Niemand wusste es.
Ich versuchte mein Leben, soweit es ging, privat zu halten. Nur Billy wusste, wie es mit Mom war, das lag aber auch nur daran, dass er einmal drauf bestanden hatte, mich nach Hause zu bringen. Mom hatte sich gerade eine Line gezogen und war völlig ausgerastet, als Billy mit mir in der Tür stand.
Dem Rest der Mädchen und Securitys tischte ich einfach die Lüge auf, dass Mom oft weg war und ich mich um den Haushalt kümmern musste – was ja immerhin nicht völlig gelogen war. Es war halt nur nicht die ganze Wahrheit.
»Alles gut, ich war nur in Gedanken.« Ich lächelte beruhigend.
Die Situation von zu Hause spielte sich allerdings noch immer in meinem Kopf ab.
»Wie geht es Ruby?«, fragte ich daher, um das Thema von mir wegzulenken. Ruby war Leilas kleine Schwester, um die sie sich wie eine Mutter kümmerte. Mehr wusste ich nicht.
Leilas Augen leuchteten auf. »Ruby geht es gut. Sie ist jetzt in der siebten Klasse, so langsam fängt also die Pubertät an, das ist nicht so lustig. Aber ich schaff das schon.«
»Wenn ich dir irgendwie helfen kann, lass es mich wissen.« Ich lächelte sie an. Leila nickte und biss von der Waffel ab, bei deren Anblick mein Magen sofort knurrte. Ich hatte heute noch nichts gegessen, aber ich würde mir später einfach noch ein Brötchen holen, zu Hause hatten wir noch Erdnussbutter.
»Na klar, mach ich. Danke. Aber ansonsten macht sie sich gut. Letzens hatte sie Fragen zu ihren Matheaufgaben und ich konnte ihr tatsächlich helfen«, erzählte sie stolz weiter.
»Na, immerhin. Ich hätte es sicherlich nicht gekonnt.« Grinsend zog ich die Schultern hoch.
»Wie läuft es eigentlich mit Cole?«, fragte sie mich, während sie wieder ein Stück ihrer Waffel aufspießte. Ich versuchte mein Grinsen aufrecht zu erhalten und so locker wie nur möglich zu reagieren. Leila und Trixie waren die Einzigen, denen ich von Cole erzählt hatte.
»Gut, ich sehe ihn nächste Woche wieder, da ist er wegen der Meisterschaft in Vegas.«
Spitzbübisch zog Leila die Augenbrauen hoch.
»Also gibt es dann wieder etwas Action?« Sie grinste.
Ich sank in meinen Stuhl. »Ja, wahrscheinlich schon.«
Leila seufzte. »Du hast wirklich Glück. Cole ist verdammt süß.«
Ich nickte, das war er wirklich. Leila hatte ihn zwar noch nie persönlich getroffen, aber es gab Unmengen Bilder im Internet. Sobald man seinen Bruder googelte, tauchten auch sofort Bilder mit und von ihm auf.
Unwillkürlich seufzte ich auf, das mit uns war wirklich ein Dilemma …
Ich versuchte, das Cole-Thema so weit wie möglich wegzuschieben, stattdessen sprachen Leila und ich einfach weiter über ihr Lieblingsthema: ihre Tochter. Die Minuten gingen so schnell vorbei, dass wir erst am späten Nachmittag aus dem Café heraustraten.
»Das war wirklich ein schöner Mittag, sollten wir unbedingt wiederholen.« Leila drücke meinen Oberarm, als wir uns vor dem Café verabschiedeten.
»Ja, unbedingt.« Ich schloss sie kurz in die Arme.
»Sehen wir uns heute Abend im Club?«
Leila schüttelte den Kopf. »Nein, ich passe heute Abend auf Ruby auf. Aber morgen bin ich wieder da.«
Ich winkte ein letztes Mal, als sie die Straße entlanglief und um die nächste Ecke verschwand. Mein Lächeln erlosch und ich machte mich mit schnellen Schritten auf, um im nächsten Store noch eine Kleinigkeit zu essen zu besorgen. Ich entschied mich für ein abgepacktes belegtes Sandwich. Eine Hälfte konnte ich gleich essen und die andere kurz bevor ich zur Arbeit gehen würde. Dann musste ich mich nicht wieder in die Küche schleichen und Owen bezirzen, damit er mir ein paar Pommes abgab.
So geräuschlos wie nur möglich drehte ich den Schlüssel im Loch um und stieß die Tür auf. Bereits davor hatte ich Moms Besuch gehört. Leise stahl ich mich in die Wohnung und streifte die Schuhe ab. Sie bemerkten mich auch nicht, als ich in die Küche ging, um mir eine kleine Flasche Wasser zu holen.
»Was machst du denn da?«, sagte Mom gereizt.
Angespannt drehte ich mich um. »Ich … nichts.«
Augenverdrehend stand sie von der Couch auf und kam auf mich zu. Mom und ich waren in etwa gleichgroß, vielleicht überragte ich sie um wenige Zentimeter. Allerdings war ihre Haut vom Alkohol fahl, die Haare schütter und sie war spindeldürr.
Wie mein Dad aussah, wusste ich auch gar nicht. Mom erinnerte sich nicht daran, wer sie geschwängert hatte, und darüber reden wollte sie nie.
Das letzte Mal war sie vollkommen ausgeflippt, hatte mich beschimpft und eine leere Zigarettenverpackung nach mir geworfen.
»Was hast du da?« Sie riss mir das Sandwich aus der Hand und öffnete die Packung, um eine Hälfte herauszuholen.
»Wie lieb, dass du an deine Mom gedacht hast.«
»Mom … das …«
Ihr stechender Blick aus den geröteten Augen brachte mich zum Schweigen. Zusätzlich kniff sie mir in die Wange, gab mir die Verpackung wieder und ging mit dem Sandwich zur Couch.
Ich blieb wie angewurzelt stehen und hielt die Luft an. Es dauerte einen Moment, ehe ich mich mit schnellen Schritten aufmachte und in mein Zimmer verschwand. Hinter mir schloss ich die Tür ab. Ich musste mich für die Arbeit umziehen und würde nicht riskieren, dass einer ihrer Freunde hier reinplatzte. Ich setzte mich im Schneidersitz auf mein Bett und holte das Sandwich hervor. Dann musste ich vielleicht später doch noch mal bei Owen nachfragen oder ich würde mir einfach noch ein paar Löffel Erdnussbutter gönnen.
Nach dem letzten Bissen legte ich mich auf das Bett. Ich hatte noch etwa zwei Stunden, ehe meine Schicht startete. Zu Fuß brauchte ich ungefähr vierzig Minuten.
Somit schlug ich das Buch auf, das ich seit gefühlt vier Monaten las. Grundlagen der Altenpflege. Nicht besonders interessant, aber ich musste mich vorbereiten und ein bisschen Vorwissen war definitiv von Vorteil. Ich durfte es mir einfach nicht erlauben, bei einem der Seminare nicht zu bestehen.
Nachdem ich meine Tasche mit allem nötigen Kram gepackt hatte, blieb ich vor der Tür stehen und atmete durch, ehe ich sie aufschloss und zurück in die Höhle der Löwen ging.
Mit dem Blick auf den Boden durchquerte ich das Wohnzimmer und eilte in den Flur.
»Hey, bring mir nachher noch ein Sixpack von der Tanke mit, klar?«, rief Mom, als ich gerade meine Schuhe anzog.
Ich legte die Stirn in Falten. »Mom, ich habe kein Geld für-«
»So habe ich dich nicht erzogen, widersprich mir nicht!«, Sie kam auf mich zu und wedelte mit der Hand vor meinem Gesicht.
Ich zog den Kopf ein und nickte. Das Letzte, was ich brauchte, war ein roter Abdruck auf meiner Wange. Der würde bei den Kunden wahrscheinlich nicht so gut ankommen.
Mom strich sich das wirre Haar aus dem Gesicht und nickte ebenfalls »Sehr schön!«, sagte sie und drehte sich wieder von mir weg. Ich stieß die angehaltene Luft aus.
»Wieso bleibst du nicht einfach hier, Baby?«, rief mir ein Mann zu, der etwa in Moms Alter war. Ich kannte ihn natürlich nicht.
Er grinste mich an. »Egal, wie viel die dir da zahlen, ich zahl mehr. Versprochen.« Sein Grinsen wurde breiter. Ohne ihm eine Antwort zu geben, wirbelte ich herum und lief aus der Wohnung.
»Hazel, springst du heute für Lucy ein, sie hat sich krankgemeldet«, rief mir Sam über den Krach in den Umkleiden zu.
Sofort nickte ich. Normalerweise bekamen wir maximal zwei Auftritte pro Abend. Eigentlich hätte ich heute nur einen gehabt. Zwei Auftritte bedeutete auch mehr Kohle, da würde ich nie und nimmer Nein sagen. Auf der anderen Seite hatte ich mich eigentlich schon über eine kurze Nacht gefreut, aber ohne Fleiß kein Preis. Zähne zusammenbeißen war angesagt.
Ich zog mir das erste Kostüm für diesen Abend an und ging hinter Wendy zur Bühne. Heute war Freitag, somit war wie immer wahnsinnig viel los. Jack und Andrew standen gemeinsam am Eingang, da sich schon viel zu viele Menschen draußen tummelten. Tom und Billy kontrollierten die Ränge drinnen.
»Hey, Sugar, los geht’s.« Wendy stieß mich von der Seite an. Sam stand winkend mit den Mikrofonen auf der Bühne und schaute mich an. Augenblicklich setzte ich mein schönstes Lächeln auf, während ich auf die Bühne ging.
Die Zuschauer jubelten.
Hazel hatte mir als Antwort nur noch einen Smiley geschickt. Seufzend legte ich das Handy beiseite und drehte mich in meinem Bett auf die andere Seite.
Alles an Hazel ihr ließ mein Herz höherschlagen - und dann auch noch diese verdammten Haare.
Aber das mit uns konnte nicht klappen.
Hazel hatte Probleme, ihre Mutter war von verschiedenen Substanzen abhängig und das erinnerte mich einfach zu sehr an meine Kindheit. Dad war tage- und nächtelang verschwunden gewesen und war dann zugedröhnt wieder nach Hause gekommen.
Das wollte und konnte ich kein weiteres Mal durchleben, auch wenn mir diese roten Locken nicht aus dem Kopf gingen.
Es klopfte an meiner Wohnheimtür. Keine Sekunde später steckte Leith den Kopf in mein Zimmer. Ich legte den Arm über die Augen. Beinahe den ganzen Tag hatte ich im Bett verbracht, nachdem ich in den letzten Tagen durchgehend für die Wirtschafts-Prüfung geackert hatte.
»Hey, Mann, Ethan hat gefragt, ob wir mit den Jungs was trinken wollen.« Er grinste, was ich an einem Blick an meinem Arm vorbei registrierte.
Ich nahm mein Handy erneut auf, aber Hazel hatte mir nach gestern Nacht nicht mehr geschrieben.
Also nickte ich Leith zu, es würde mir guttun, rauszukommen und mich abzulenken. Ablenkung von Hazel.
»Okay, gut, wir treffen uns um acht in der Bar«, sagte Leith.
»Alles klar!«, rief ich ihm hinterher, aber er knallte die Tür schon zu.
Ethan begrüßte mich, als ich die kleine Bar in der Nähe vom Campus betrat. Es spielte Chartmusik. Ethan drückte mir ein Glas Bier in die Hand und bugsierte mich zu der Nische, in der auch Leith und zwei weitere unserer Freunde saßen. Kade und Benny studierten ebenfalls an der Uni in Phoenix. Ich schlug bei ihnen zur Begrüßung ein und ließ mich auf den freien Platz neben Leith fallen.
»Heute sind jede Menge Studentinnen da«, sagte Ethan und ließ seinen Blick über die Menge gleiten.
»Sieht so aus, als wären viele von der Uni in Prescott rübergekommen.« Kade schaute ebenfalls zu der Gruppe Mädchen, die sich vor der Theke tummelten und einen Shot nach dem nächsten bestellten. Bei dem Wort Prescott überkam mich immer noch ein widerlicher Schauer. Die Freundin meines Bruders wurde vor nicht allzu langer Zeit nach Prescott verschleppt.
»Ich denke, ich versuch mein Glück mal.« Ethan richtete sich auf und strich sein Hemd glatt. Leith klopfte ihm ermutigend auf die Schulter und gab ihm einen Stoß in Richtung der Frauen. Schmunzelnd betrachtete ich, wie er sich neben der Blondine an der Theke abstützte und sich zwei Schnäpse bestellte, ehe er einen davon in ihre Richtung schob. Ethan und sein hübsches Gesicht hatten manchmal ein viel zu leichtes Spiel.
»Wie läuft’s auf der neuen Position?«, fragte ich an Kade gewandt. Kade spielte in der Football-Mannschaft unserer Uni auf der Position des Wild Receiver, nachdem sich aber Josh Martin den Meniskus gerissen hatte, wurde er auf die Position des Tight End verlegt. Er war der Einzige, der nur ansatzweise die richtige Statur dafür hatte.
Kade zuckte mit den Schultern. »Der Coach sagte, ich mach mich gut. Allerdings vermisse ich das viele Laufen als Wild Receiver.«
Kade sah in sein Glas, ehe er einen großen Schluck nahm. Ich nickte, mit Football kannte ich mich nur so einigermaßen aus, es war in unserer Familie einfach nie das größte Thema geworden. Bei uns war eben das Boxen vorrangiger. Aber Kade spielte schon seit er ein Kind war Football. Sein Dad hatte mal in der NFL gespielt, bevor er sich eine Verletzung zugezogen hatte.
Mein Handy vibrierte und ich zog es hervor. Eine Nachricht von Logan.
Hey, hast du dich schon um die Übernachtungen gekümmert?
Seufzend legte ich das Handy auf den Tisch. Während Logan mit Jason trainierte, war ich für das Organisatorische zuständig, deshalb studierte ich auch Event Management. Allerdings hatte ich mich noch nicht um unsere Unterkunft in Vegas gekümmert. Wir würden aber auch erst nächste Woche hinreisen. Dann würde ich auch endlich Hazel wiedersehen.
Ich antwortete Logan, dass ich mich darum kümmern würde, und wandte mich wieder den Jungs zu.
»Hat sich Kenna noch mal bei dir gemeldet?« Leith lehnte sich etwas zu mir herüber und verschränkte die Arme vor der Brust.
Ich seufzte. »Ich habe ihr von Anfang an klargemacht, dass ich nichts Feste suche, sondern mich auf die Uni und Jasons Kämpfe konzentrieren muss«
Leith schmunzelte. »Und wie ist das für dich ausgegangen?«
Mein Seufzen war dieses Mal um einiges tiefer. »Nicht besonders gut.« Kenna hing seitdem wie eine Klette an mir.
»Und was jetzt?«
»Ich reagiere nur noch selten auf ihre Nachrichten. Irgendwann versteht sie schon, dass sie nicht so klammern soll«, erklärte ich.
Leith drehte sich grinsend um und zog die Augenbrauen hoch. »Ja, sicher.« Er schlug mit der flachen Hand auf den Tisch, bevor er aufstand und ebenfalls zu der Gruppe Mädchen ging.
»Nun, da waren es nur noch drei«, sagte Benny mit einem Seufzer und stellte sein leeres Glas ab. »Dann hol ich mal Nachschub.« Er schlenderte zur Theke.
»Glückspilz.« Kade nickte in Richtung Tanzfläche, als ich ihn irritiert musterte. Ich folgte seinem Blick und entdeckte Kade, der mit einer der Frauen tanzte.
Sofort dachte ich an Hazel.
Ihre zarte helle Haut und diese unschuldigen braunen Augen hatten mir bereits beim ersten Anblick den Atem geraubt. Als sie mich von dem Mädchen, dessen Namen ich nicht mal wusste, weggezogen hatte und mich damit vor ihrem Generve gerettet hatte, war ich ihr beinahe schon verfallen. Sie verfolgte mich in meinen Träumen. Den dünnen Bademantel, der über ihren zarten Schultern gelegen war, hatte ich ihr schnell runtergerissen. Und das wenige Stück Stoff, das sie darunter getragen hatte, war auch relativ schnell verschwunden. Nachdem wir in der Umkleide miteinander geschlafen hatten, wollte ich sie beinahe gar nicht mehr gehen lassen, so gut fühlte sie sich an.
Aber sie hatte nach Hause gewollt, weil sie am nächsten Tag zur Arbeit musste. Ich hatte drauf bestanden sie zu begleiten, da ihre Mitfahrgelegenheit anscheinend bereits aufgebrochen war. Sie hatte den Kopf geschüttelt und ihre Haare waren wild in alle Richtungen gehüpft. Aber ich hatte nicht mit mir diskutieren lassen. Das war das Mindeste gewesen, was ich tun konnte, nachdem sie wegen mir schon ihre Mitfahrgelegenheit verpasst hatte.
Ihr war es damals unangenehm gewesen, als wir an ihrem Wohnblock gehalten hatten, dass hatte ich sofort an ihrer Körperhaltung gespürt.
»Danke für die Fahrt, sie wäre nicht nötig gewesen«, murmelte sie leise, während ihre ganze Haltung versteift und angespannt wirkte.
»Ich bring dich noch hoch.« Entschlossen sah ich sie an. Mein Herz bekam einen Riss bei ihrem entsetzten Gesichtsausdruck, wodurch die Sorge in mir wuchs. Und der Wunsch sie zu beschützen. Ich schüttelte die Gefühle schnellstens wieder ab. Ich würde dafür sorgen, dass sie sicher in ihrer Wohnung ankam, und dann würde ich verschwinden.
»O-okay«, sagte sie und öffnete die Beifahrer Tür, einen Moment später stand ich schon neben ihr und wir stiegen die Treppe hinauf.
»Von hier hat man einen guten Blick über den Strip.« Lächelnd neigte ich den Kopf in ihre Richtung.
Hazel folgte meinem Blick. »Es gibt schönere«, presste sie hervor und ein gezwungenes Lächeln legte sich auf ihre Lippen. Von der starken, furchtlosen Frau, die mir vor wenigen Stunden noch den Hintern gerettet hatte, war nichts mehr zu sehen.
Wir blieben vor einer weißen Wohnungstür stehen, die Farbe pellte sich an unzähligen Stellen bereits ab.
Als sie die Wohnungstüre öffnete, drehte sie sich zu mir um und wollte sich verabschieden. Aber dann erhaschte ich einen Blick auf das Innere, überall standen leere Bierflaschen herum und mehrere Pillen und Pulvertütchen lagen auf der Zeile in der Küche verteilt.
Ich zog die Augenbrauen zusammen und trat etwas zurück. »Ich denke … ich sollte dann gehen.«
Sie hatte meinen Blick bemerkt und sah mich entschuldigend an. »Mach’s gut, Cole.«
Dann ließ sie die Tür vor meinem Gesicht zufallen.
Ich musste mich einen Moment sammeln und mehrmals blinzeln, um mich wieder aus der Vergangenheit zurückzubekommen. Das Innere der Wohnung hatte mich verdammt noch mal zu sehr an den Wohnwagen erinnert, in welchem ich groß geworden war. Keine Erinnerung, auf die ich gern zurückblickte. Dennoch wusste ich nicht, was mich dabei geritten hatte, als ich ein Stück von dem Papiermüll, welcher neben einer weiteren Wohnungstür gestanden hatte, abriss und meine Nummer drauf schrieb, ehe ich das Stückchen unter dem Türschlitz zu ihrer Wohnung durchschob.
Benny riss mich aus meinen Gedanken, als er mit mehreren Bierflaschen in der Hand an unseren Tisch kam. Er stellte sie ab und setzte sich. Dankend nickte ich ihm zu, leerte mein Glas in einem Zug und nahm mir ein neues.
So viel zum Thema Ablenkung von Hazel.
Wir sind im Caeser’s Palace.
Als ich morgens nach meinem Handy griff, sprang mir Coles Nachricht entgegen. Er war also schon hier, zwei Tage vor dem Boxfinale. Die letzte Woche war verdammt anstrengend gewesen. Lucy war noch immer krank und so übernahm ich viele ihrer Auftritte. Dadurch hatte ich allerdings keinen freien Tag in der Woche gehabt. Gestern Abend hatte ich einen Auftritt gehabt, deswegen war ich relativ früh zu Hause gewesen.
Ich schälte mich aus der Decke und nahm mir frische Sachen aus dem Schrank, die ich überzog. Ich hob mein Handy von dem dunklen Nachttisch und antwortete.
Wann soll ich vorbeikommen?
Vorfreude durchflutete meinen Körper. Ich würde ihn endlich wiedersehen. Seine braunen Augen, sein Lächeln und wie er mich ansah, hatten mir doch mehr gefehlt, als ich mir eingestehen wollte. Ich konnte leider nicht sehr lange bei ihm bleiben, es war Donnerstag und da musste ich arbeiten. Heute hatte ich sogar zwei Auftritte.
Mein Handy vibrierte erneut.
Sobald du kannst.
Im Caeser’s Palace hatte Cole bereits in der Vergangenheit ein Zimmer gebucht, somit kannte ich den Weg. Von unserer Wohnung aus waren es etwa dreißig Minuten zu Fuß.
Ich stahl mich aus meinem Zimmer und schloss hinter mir ab. Mom und ihre Freunde waren nicht da. Wäre sie da, würde sie sowieso schlafen, um diese Uhrzeit war sie nie wach. Ich ging in die Küche und zog die Milch aus dem Kühlschrank. In einem der Hängeschränke hatte ich eine Packung Müsli versteckt, die meine Mom zum Glück noch nicht entdeckt hatte. Ich machte mir schnell eine Schüssel voll und schlang es herunter, ehe ich losging.
Die Lobby war gigantisch und stammte aus einer vollkommen anderen Welt, sodass ich mich komplett fehl am Platz fühlte. Alles war akkurat und stilistisch gehalten, vermutlich konnte man von dem hellen Marmorboden essen. Ich schaute wieder auf mein Handy und zögerte, ehe ich Cole schrieb, dass ich angekommen war.
Ich wartete in der Nähe einer kleinen Sitzecke. Es dauerte knapp fünf Minuten, da öffneten sich die Türen des Aufzuges und Cole trat in den Eingangsbereich.
Mit einem ernsten Blick schaute er sich in der Lobby um, als sich unsere Blicke treffen, hellte sich seine Miene augenblicklich auf und seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Sofort wanderten meine Mundwinkel nach oben, sein Anblick war einfach viel zu schön, er passte perfekt in dieses ruhige und elegante Ambiente.
Er kam zu mir. »Hallo, Love.« Cole senkte seine Stimme und küsste mich auf die Wange. Er schlang den Arm um meine Taille und drückte mich an sich. Seufzend lehnte ich mich in seine Umarmung und atmete seinen herben und holzigen Geruch ein.
Ja, er hatte mir eindeutig gefehlt.
Entweder er oder seine Wärme.
Aber Cole war nur für wenige Tage hier, danach würde er wieder verschwinden. In sein richtiges Leben. Ich war nur die Ablenkung, ich war ein netter … Zeitvertreib. Aber nicht mehr. Das war mir schon immer klar gewesen.
»Hey, Cole.« Wir lösten uns aus der Umarmung und er legte seinen Arm um mich. Gemeinsam gingen wir zu den Aufzügen.
»Hast du gut hergefunden?«, fragte er und hielt mich fest an seiner Seite. Beinahe hätte ich laut aufgeseufzt, so gut fühlte es sich an.
Verdammt, ich musste mich zusammenreißen. Ich hatte mir doch den Vorsatz gemacht, Cole nicht zu sehr einzuengen.
»Ja, wir waren doch bereits zusammen hier«, meinte ich und wir warteten, bis der Aufzug die zwölfte Etage erreichte.
»Ich habe dich vermisst.« Cole strich mir die Locken über die Schulter, ehe er seinen Kopf etwas nach unten senkte und mir einen Kuss auf den Hals hauchte.
Normalerweise hielt sich Cole, was Süßholzraspelei anging, immer etwas zurück.
Lächelnd neigte ich den Kopf zur Seite, genoss seine Berührungen. »Ich dich auch.«
Wir stiegen aus dem Aufzug und gingen den Flur hinunter, bis wir vor seinem Zimmer standen. Cole zog die Schlüsselkarte hervor und hielt sie vor dem Sensor. Die Tür öffnete sich mit einem leisen Piepen und wir traten ein.
»Wow«, stieß ich aus und blickte mich um. Obwohl es sich um ein einfaches Doppelzimmer handelte, war es verdammt groß und verdammt schön. Das Zimmer war bestimmt doppelt so groß wie unser Wohnzimmer.
Wenn Mom wüsste, dass ich gerade hier wäre, würde sie mich wahrscheinlich anschreien und mir sagen, dass wir in solchen Kreisen nicht verkehrten und diese Art von Menschen nicht zu unserem Leben passten. Das hatte ich schon etliche Male von ihr gehört. Jedes Mal wollte ich ihr die Stirn bieten und sagen, dass diese Menschen vielleicht nicht in ihr Leben passten, aber ich wollte nicht ewig wie sie leben. Ich wollte nicht in unserem Apartment verkümmern. Irgendwann würde ich von dort wegkommen und frei sein.
Sanfte Küsse an meinem Hals und Nacken rissen mich zum Glück aus meinen Gedanken und ich wandte mich vom Fenster ab. Ich drehte mich in Coles Armen und schaute ihm in die braunen Augen, die beinahe funkelten. Er ließ den Blick zu meinem Mund wandern, keine Sekunde später drückte er seine Lippen auf meine und fuhr mit der Zunge über meine Unterlippe. Automatisch öffnete ich ihm die Lippen und er ließ seine Zunge in meinen Mund schnellen.
Stöhnend erkundeten wir einander und ich presste mich näher an ihn. Meine Hände wanderten von seinen Schultern zu seiner Brust und dann zu dem Rand seiner Jeans.
Die musste unbedingt weg.
Es war zu lange her, dass wir Sex gehabt hatten.
Dass ich generell Sex gehabt hatte.
Ich hatte in den letzten drei Jahren mit niemand anderem als Cole geschlafen. Ich konnte nicht, niemand zog mich so an wie er. Niemand erregte mich so wie er.
Keuchend löste er sich von mir und fuhr mit beiden Händen in meine Haare. Er hob sie zu einem Zopf an und zog leicht daran. So entblößte er noch mehr von meinem Hals und beugte sich brummend nach unten, um mein Schlüsselbein und meine Schulter zu küssen. Durch die Spaghettiträger lagen die bereits frei.
»Komm mit ins Bett«, hauchte er an meinem Hals und ich nickte mit geschlossenen Augen. Cole umfasste meine Hüften und hob mich hoch, ehe wir die wenigen Schritte bis zum Bett überbrückten und er mich sanft darauflegte. Sofort befand er sich wieder über mir, zog die dünnen Träger meines Kleides runter und suchte nach dem Reißverschluss, der sich an der Seite befand. Ich nestelte an seiner Jeans und schaffte es, Knopf und Reißverschluss hastig zu öffnen. Schnell streifte er sich die Hose und die Boxershorts ab und griff nach seinem Shirt, das er auf den Boden verfrachtete.
»Das muss unbedingt weg. Ich will dich nackt sehen.« Seine rauchige Stimme erregte mich nur noch mehr und ich nickte.
Das wollte ich auch.
Unbedingt.
Ich wollte keine Sekunde länger warten. Zu sehr sehnte ich mich nach dem hier, zu lange hatte ich auf ihn gewartet.
Bei meiner Reaktion legte sich ein Lächeln auf seine Lippen und er fuhr langsam an meiner Seite entlang, bevor er den Reißverschluss öffnete und mich aus meinem Kleid schälte. Keine Sekunde später fiel ich wieder auf seine Laken und er ließ seine Hand zu meinem Oberschenkel wandern. Seine Nase versteckte er in meinen Haaren und ich hörte, wie er tief einatmete.
»Ich habe dich wirklich verdammt vermisst und diese Haare erst«, murmelte er.
Er berührte mit dem Daumen meine Klitoris. Augenblicklich stemmte ich mich seiner Berührung entgegen und stöhnte.
»So ist es gut, stöhn meinen Namen, Love. Das macht mich so an«, knurrte er. Erneut ließ er einen Finger über meine sensibelste Stelle wandern. Wieder bäumte ich mich auf und seufzte.
Das hier war zu gut, um wahr zu sein.
Wahrscheinlich würde ich im Nachhinein wieder nicht wissen, wie ich meine Gefühle unter Kontrolle brachte, das Gedankenkarussell würde sich wie verrückt drehen, aber genau jetzt - in diesem Moment - fühlte es sich richtig an.
Cole öffnete meinen BH und ließ ihn neben seiner Jeans zu Boden fallen. Mein Slip folgte. Sofort umschlossen seine Lippen meinen Nippel. Seine Hand bewegte sich immer noch über meine Scham.
Wenn er so weiter machte, würde ich bereits kommen, bevor er überhaupt in mir war.
»Cole«, murmelte ich, da ich nicht mehr lange durchhielt.
Ich umschloss sein Glied und umkreiste seine Spitze mit dem Daumen, augenblicklich stieß er ein lautes Stöhnen aus und hielt still. Als sein Atem meine Brüste traf, wimmerte ich.
»Love, du bist so nass und diese Geräusche. Verdammt.« Er fuhr mit den Fingern durch meine feuchte Spalte und glitt mit zwei Fingern in mich hinein.
Mein Gott, das war das beste Gefühl auf der Welt.
»Cole«, hauchte ich, als er wieder diesen bestimmten Punkt traf.
»Ich weiß, ich weiß«, murmelte er, schnappte sich ein Kondom und streifte es sich über. Sofort war er wieder über mir und hob eins meiner Knie an.
»Du bist so bereit für mich, Love. Gott, ich werde irre.« Und mit diesen Worten versenkte er sich in mir. Ich stöhnte und zog ihn enger an mich. Zuerst bewegte er sich gar nicht, wir genossen den Moment, wieder zusammen zu sein.
Vereint zu sein.
Aber dann bewegte er sich in mir und nahm Tempo auf. Ich umschlang seine Hüften mit beiden Beinen und hielt ihn nah bei mir.
Ich stöhnte, während er immer wieder tief in mich eindrang.
»So ist gut. Komm, Hazel. Komm für mich«, raunte er und behielt sein Tempo bei. Ich gelangte immer näher an den Rand der Klippe, bereit gemeinsam mit ihm ins Nirwana abzutauchen.
Ein Aufschrei schoss durchs Zimmer.
Cole stoppte, sein Kopf schoss in Richtung der Zimmertür.
