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Nicht immer einfach ist es, das Verhältnis zwischen Männern und Frauen, aber gerade die Unterschiede bringen die Würze. Männer und Lyrik? Oh je. Männer im Schönheitssalon? Das kann heiter werden. Der moderne Mann wird gefordert. Aber auch die Frauen haben es nicht leicht. Da trifft der dringende Wunsch nach einer Wohnungsrenovierung auf männliches Beharrungsvermögen ("was Jahrzehnte gut war, kann doch jetzt nicht schlecht sein …"). Und manchmal müssen Frauen sich beschimpfen lassen, bevor beziehungsmäßig was läuft. Auf diese Begebenheiten und noch viele mehr kann sich der Leser in den humorvollen Alltagsgeschichten von Jonas Baliki freuen. Die perfekte Lektüre für zwischendurch - immer ruht der Blick des Autors auf den geschlechterspezifischen Befindlichkeiten.
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Seitenzahl: 56
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Nicht immer einfach ist es, das Verhältnis zwischen Männern und Frauen, aber gerade die Unterschiede bringen die Würze.
Männer und Lyrik? Oh je. Männer im Schönheitssalon? Das kann heiter werden. Der moderne Mann wird gefordert.
Aber auch die Frauen haben es nicht leicht. Da trifft der dringende Wunsch nach einer Wohnungsrenovierung auf männliches Beharrungsvermögen („was Jahrzehnte gut war, kann doch jetzt nicht schlecht sein … “). Und manchmal müssen Frauen sich beschimpfen lassen, bevor beziehungsmäßig was läuft.
Auf diese Begebenheiten und noch viele mehr kann sich der Leser in den humorvollen Alltagsgeschichten von Jonas Baliki freuen. Die perfekte Lektüre für zwischendurch - immer ruht der Blick des Autors auf den geschlechterspezifischen Befindlichkeiten.
Copyright © Jonas Baliki (2015)
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 978-3-7375-7625-3
Über das Buch
Impressum
Männer
Irgendwas mit Gesicht oder so
Wo wir schon mal dabei sind
Hotel Excelsior, Zimmer 215
Dietmar läuft heiß
Warum es manchmal schön ist, beschimpft zu werden
Exquisitepartner.de
Aber trotzdem
Netz
Hochzeitstag*****
Ich griff gerade nach meinem Pilsglas, als sie zur Tür hereinkam. Von der hinteren Ecke des Tresens hatte ich eine gute Sicht auf das Publikum in der Szenebar. Um diese Zeit - gegen drei Uhr nachts - war der Laden noch proppenvoll. Ich hielt inne. Ohne das Glas anzuheben, beobachtete ich sie. Ein suchender Blick, dann schlängelte sie sich vorbei an den Sitzgruppen, wo gegelte Gockel affektiert gackernde Hühner für den Rest der Nacht gewinnen wollten.
Schlank, lange braune Haare, ein wenig zerzaust, Jeans, Pullover, Turnschuhe. Auf High End Styling schien sie keinen Wert zu legen. Aber das war es nicht, was den Unterschied ausmachte. Es war ihr Blick. Dieser ‚Normalerweise bin ich nett, aber jetzt könnt ihr mich grad alle mal’ - Blick, der mich neugierig machte. Wenig später saß sie auf dem Hocker neben mir am Tresen. Der einzige Platz, der noch frei war.
„Einen Whisky, bitte“, sagte sie zum Barkeeper. „Am besten gleich einen doppelten“, schob sie nach. Kurz darauf stand ein gut gefülltes Glas an ihrem Platz. Bevor sie trank, musterte sie die Gäste am Tresen. Ihr Blick blieb an mir hängen.
„Alles klar?“, fragte ich.
„Nichts ist klar“, antwortete sie, „gar nichts ist klar.“ Sie schüttete den Whisky auf ex in sich hinein.
„Lust zu reden?“
Sie schaute mich entgeistert an. „Oh Gott. Reden? Mit Ihnen? Einem Mann? Nein, reden will ich nicht. Trinken will ich.“ Sie drehte den Kopf und betrachtete abschätzig die anderen Gäste. Wieder zu mir gewandt, sagte sie: „Das Etablissement scheint perfekt zu sein dafür.“
„Meinen Sie, volllaufen lassen hilft?“
„Für den Moment schon. Und jetzt zählt der Moment.“ Zum Barkeeper, der ihr leeres Glas abräumte, sagte sie: „Noch einen doppelten.“
„Liebeskummer?“, fragte ich.
„Seh ich so aus? Nur weil ich nicht so aufgebrezelt bin wie die Tussen hier?“ Wieder ließ sie ihren Blick durch die Bar schweifen. „Meinen Sie, jemand wie ich findet keinen Mann? Nee, ich hab schon einen. Und was für einen!“
„Aha.“
Der Barkeeper stellte den nächsten Whisky vor ihr ab. Danach Schweigen. Sie starrte so ungläubig auf ihr Whiskyglas wie auf eine übersinnliche Erscheinung. Plötzlich drehte sie sich zu mir und sagte: „Wo wir uns schon so nett unterhalten. Haben Sie eine Frau?“
„Ich hatte mal eine.“
„Das reicht, um mir eine Frage zu beantworten.“
„Und die wäre?“
„Nehmen wir mal an, nur mal so, Ihre Exfrau, Exgeliebte, oder was auch immer, wäre schreibaffin gewesen. Schwerpunkt Lyrik. Liebesgedichte. Und nehmen wir mal weiter an, sie wäre ein wenig unsicher gewesen, hätte sich nicht so recht getraut, ihre Gedichte zu präsentieren. Eines Abends aber, vielleicht an einem Abend wie heute, wären Sie mit Ihrer Frau ausgegangen. Ein sehr romantischer Abend. Klassisches Konzert, Candle-Light-Dinner, Verliebtheit wie am ersten Tag. Heute ist die Gelegenheit, hätte Ihre Frau gedacht, wenn nicht heute, wann dann? Im Bett hätte sie zu Ihnen gesagt: ,Warte, ich habe noch eine Überraschung für dich.’ Sie hätte das Licht gedimmt und hätte Ihnen, ein wenig verschämt zur Seite blickend, aber voller Inbrunst, eines ihrer Gedichte vorgetragen, in dem sie ihre tiefe Zuneigung zu Ihnen ausgedrückt hat.“
Meine nächtliche Bekanntschaft machte eine bedeutungsschwere Pause, beugte sich dann zu mir herüber und schaute mich eindringlich an. „Wie hätten Sie reagiert?“
„Hmm ... “ Ich überlegte kurz. „Wäre bei meiner undenkbar gewesen. Aber wenn es sich so abgespielt hätte, nur mal angenommen, ich glaube, ich hätte sie danach auf jeden Fall vernascht.“
„Eben! Und meiner ist, bevor ich überhaupt mit dem Gedicht fertig war, einfach eingeschlafen.“ Sie hob ihr Glas und prostete mir zu: „Auf ex!“
Die Feier zu meinem Vierzigsten war ein Kracher gewesen. Super Stimmung im Partykeller, die Tanzfläche bis spät in die Nacht rappelvoll.
Am nächsten Mittag quälte ich mich gegen eins aus dem Bett und schlurfte Richtung Küche. Auf der Flurkommode lag ein großformatiger Umschlag, verziert mit einer gelben Stoffschleife. Von Kerstin, einer Freundin aus Kinderzeiten. „Mensch, Stefan, das gibt´s doch nicht, dass du schon vierzig bist“, hatte sie mich am Abend zuvor begrüßt und war mir um den Hals gefallen. „Da muss auf dem Passamt was schiefgelaufen sein.“ Sie hatte mir einen fetten Schmatzer auf die Backe und das Kuvert in die Hand gedrückt. Da schon die nächsten Gratulanten gekommen waren, hatte ich mich nur kurz bedankt und den Umschlag dann zur Seite gelegt.
Neugierig löste ich am nächsten Tag die Schleife und zog einen Gutschein heraus. ,Bärbels Beautyoase’ prangte in fetten Lettern auf dem Hochglanzcover, ,Gutschein für eine Schönheitsbehandlung Ihrer Wahl’ auf der Innenseite. Holla, die Waldfee, dachte ich, soll das ein Wink mit dem Zaunpfahl sein?
Ein Blick in den Flurspiegel beruhigte mich. Wenn ich die Eskapaden der vergangenen, feuchtfröhlich durchtanzten Nacht großzügig aus meinen Gesichtsfalten herausrechnete, war ich mit dem verbleibenden Rest zufrieden. „Schade ums Geld“, murmelte ich, als ich den Gutschein später unter einem Stapel mit Prospektmaterial auf meinem Schreibtisch vergrub.
Irgendwie ließ mir die Sache aber doch keine Ruhe. Eine Woche später, an einem Sonntagnachmittag, ging ich mit dem Gutschein ins Wohnzimmer, wo es sich meine Frau auf der Couch gemütlich gemacht hatte. Sie blätterte in einer Illustrierten.
„Du, ich müsste mal mit dir reden“, sagte ich.
Sie legte die Illustrierte weg und sah zu mir hoch. „Was gibt´s denn? Du klingst so ernst.“
„Sag mal, in diesem Schönheitsladen, in den du immer gehst, gibt´s da eigentlich auch Männer?“
„Keine Ahnung. Männer interessieren mich dort nicht. Ich bin froh, wenn ich mal meine Ruhe habe. Weshalb fragst du?“
„Weil mir vorhin der Gutschein von Kerstin in die Hände gefallen ist. Du weißt schon, das Teil von ,Bärbels Beautyoase’.“
„Ich war dort noch nie, soll aber ganz gut sein. Probier´s halt mal.“
„Als Frau hast du gut reden. Für mich als Mann könnte das riskant sein.“
