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Jeder von uns leidet unter Stress. Jeder kann an Depressionen oder Burnout erkranken. Niemand ist davor sicher. Unsere Gesellschaft hat sich in eine Richtung entwickelt, die solche Erkrankungen fördert und überhaupt erst möglich macht. Auch ich wurde ein Opfer dieser falschen Entwicklung. Mein Weg der Heilung nahm aber eine Richtung außerhalb unseres überforderten Gesundheitssystems und war, vielleicht auch gerade deshalb, erfolgreich. Ich habe mich nicht nur aus eigener Kraft selbst therapiert, sondern dabei ganzheitlich gewandelt. Meine Einstellung zum Leben wurde Stück für Stück verändert und neu geschrieben. Es war ein Weg aus dunkler Depression und Burnout zu innerer Freiheit und Wohlbefinden. Diesen Weg können auch Sie gehen, wenn Sie sich dafür öffnen wollen und können. Es sind dabei absolut keine Nebenwirkungen zu erwarten, außer neu gewonnener Lebensfreude, neuer Einsichten und einem völlig neuen Lebensgefühl. Alle hier beschriebenen Übungen und Methoden gründen sich auf bewährten Heilverfahren, teils aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), teils aus buddhistischen Behandlungsmethoden und auf modernen psychologischen Therapieformen. Wir gehen hier zusammen, vom Erkennen der Ursachen, bis hin zur Umsetzung von einfachen und sehr effektiven Übungen, Ihren persönlichen Weg zu mehr innerer Ruhe und Stärke. Doch durch diese einfachen Techniken konnte ich mir selbst und auch schon anderen Betroffenen helfen. Stress und Überforderung hat bei mir jetzt keine Chance mehr. Ich bin ein neuer Mensch geworden und kann mein Leben wieder in vollen Zügen genießen. Hier möchte ich meine Erfahrungen anbieten und an Sie weitergeben. Der Fokus dieses Buches liegt auf den praktischen Anleitungen. Es gibt keine übertriebenen theoretischen Abhandlungen, nur das, was Sie zum Grundverständnis der Übungen benötigen. Wenn sie einverstanden sind, nehme ich Sie an die Hand, und gemeinsam werden wir auch Ihr Leben vom Stress befreien und wieder lebenswert machen!
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Seitenzahl: 160
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Jeder von uns leidet unter Stress. Jeder kann an Depressionen oder Burnout erkranken. Niemand ist davor sicher. Unsere Gesellschaft hat sich in eine Richtung entwickelt, die solche Erkrankungen fördert und überhaupt erst möglich macht.
Auch ich wurde ein Opfer dieser falschen Entwicklung. Mein Weg der Heilung nahm aber eine Richtung außerhalb unseres überforderten Gesundheitssystems und war, vielleicht auch gerade deshalb, erfolgreich.
Ich habe mich nicht nur aus eigener Kraft selbst therapiert, sondern dabei ganzheitlich gewandelt. Meine Einstellung zum Leben wurde Stück für Stück verändert und neu geschrieben. Es war ein Weg aus dunkler Depression und Burnout zu innerer Freiheit und Wohlbefinden. Diesen Weg können auch Sie gehen, wenn Sie sich dafür öffnen wollen und können.
Es sind dabei absolut keine Nebenwirkungen zu erwarten, außer neu gewonnener Lebensfreude, neuer Einsichten und einem völlig neuen Lebensgefühl.
Alle hier beschriebenen Übungen und Methoden gründen sich auf bewährten Heilverfahren, teils aus der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), teils aus buddhistischen Behandlungsmethoden und teils auf modernen psychologischen Therapieformen.
Wir gehen hier zusammen, vom Erkennen der Ursachen, bis hin zur Umsetzung von einfachen und sehr effektiven Übungen, Ihren persönlichen Weg zu mehr innerer Ruhe und Stärke.
Ich möchte Ihnen hier meine Erfahrungen gern anbieten und an Sie weitergeben.
Auch Sie werden in diesem Büchlein mit Sicherheit ihre persönliche Problemlösung finden und umsetzen können.
Der Fokus dieses Buches liegt auf den praktischen Anleitungen. Es gibt keine übertriebenen theoretischen Abhandlungen, nur das, was Sie zum Grundverständnis der Übungen benötigen. Wenn sie einverstanden sind, nehme ich Sie an die Hand, und gemeinsam werden wir auch Ihr Leben vom Stress befreien und wieder lebenswert machen!
Für die Inspirationen, die unendliche Geduld und die gnadenlose Kritik möchte ich mich an dieser Stelle bei meiner Partnerin Michaela (kleinlaut) bedanken. Ohne Dich wäre dieses Büchlein nicht möglich geworden. Du hast mich in kritischen Phasen unterstützt und manchmal auch vorwärts geschoben, wenn mich der Mut verließ (oder einfach nur wieder einmal die Faulheit übermannte).
Nur durch deine Kraft, Geduld und Ausdauer habe ich eine schlimme Zeit überstanden und konnte dieses Buch schreiben, um auch Anderen in ähnlichen Situationen eine kleine Hilfestellung geben zu können.
Ein herzliches Dankeschön geht an Cornelia Sterner für ihre guten Ideen. Ohne Dich wäre dieses Buch sicherlich ein Anderes geworden. Danke dafür!
Vielen Dank auch an Attila Tóthszegi für die schönen Skizzen und Zeichnungen, die etwas Leben und Praxisnähe in diese Anleitungen gebracht haben.
Beginnen wir Ihren heilsamen Weg in ein entspanntes und zufriedenes Leben mit einer kleinen, nicht ganz ernst zu nehmenden Geschichte ...
Es war einmal die gute alte Zeit.
Ruhig, ja fast behäbig, verrann sie über viele tausend Jahre der Menschheitsgeschichte. Wie ein ruhiges Bächlein plätscherte sie dahin. Immer gleich schnell, ohne Hast und immer berechenbar.
Die Jahreszeiten kamen und gingen. Die Natur bestimmte das Leben und die Arbeit der Menschen. Landwirtschaft und Jagd sicherten Jahrtausende hindurch dem Menschen die Existenz.
Über einen langen Zeitraum passte sich der Mensch diesen Gegebenheiten der Natur und den daraus entstehenden Arbeiten in der Landwirtschaft an. Doch dann kam die industrielle Revolution und die Lebensweise der Menschen änderte sich in relativ kurzer Zeit dramatisch. Jahreszeiten oder Wetter spielten in den Städten und Industrieanlagen kaum noch eine Rolle. Tags wie nachts wurde gearbeitet. Ruhezeiten gab es bald nicht mehr. Immer neue Technologien wurden erfunden, und immer schneller änderten sich die Arbeits- und Lebensbedingungen. Die Zeit verging immer schneller. Die Maschinen produzierten immer schneller immer mehr Dinge. Und je schneller sie wurden, desto höher wurden die Anforderungen an die Menschen. Das Leben beschleunigte sich. Die Eisenbahn, Autos und Flugzeuge wurden erfunden. Mobile Telefone machten die Menschen überall erreichbar. Alles wurde immer schneller. Niemand hatte mehr Zeit. Keiner wollte mehr auf etwas warten. Die Zeit war zu einem sehr kostbaren und teuren Gut geworden.
Und weil sie immer und überall erreichbar waren, besuchten sie sich nicht mehr. Sie riefen nur noch einander an oder schickten sich Textnachrichten.
Die Menschen hetzten nur noch von Termin zu Termin, ohne sich um andere zu kümmern. Dafür hatten sie einfach keine Zeit mehr. Und so wurden sie einsam.
Jede freie Minute verbrachten sie deswegen an ihren Computern und Smartphones, um Textnachrichten zu schreiben. Doch sie blieben einsam und Gefangene ihrer Terminkalender.
Und so wurde ihre einsame Seele krank. Sie wünschten sich die gute alte Zeit zurück. Doch die würde nie wieder kommen. Eine neue Zeit war heimlich und leise an ihre Stelle getreten. Sie bestand aus Stahl, Beton, Glas, Smartphones, Uhren, Terminen und Stress.
“Niemand kann die alte Zeit mehr zurückholen“, dachten die Menschen und wurden traurig. Und so gingen sie zu ihren Ärzten und schluckten viele bittere Pillen, die sie nicht glücklicher, sondern nur sehr müde machten. Doch eines Tages entdeckten einige Menschen die vergessenen Lehren einer weit entfernten Kultur. Die uralten Lehren erinnerten die Menschen an das Wissen, das immer schon in ihnen geschlummert hatte. Es konnte die neue Zeit wieder langsamer und erträglicher machen und wies den Menschen einen Weg aus der Zeitfalle. Sie zeigte den Gestressten, wie sie mit einfachen Mitteln die Zeit wieder beherrschbar machten.
Zuerst waren die Menschen skeptisch. So einfach sollte das funktionieren? Das konnte doch gar nicht sein! Viele glaubten nicht daran und nahmen lieber weiter ihre bitteren Pillen. Doch sie wurden davon trotzdem nicht glücklicher.
Andere hörten auf die alten Meister und begannen darüber nachzudenken. Sie befolgten die Ratschläge und erlebten ihre Wirkung.
Und so befreiten sich viele Menschen ihrer unsichtbaren Ketten. Die Zeit war wieder etwas, dass sie sich selbst einteilen konnten. Diese Menschen begriffen, dass die schnelle Zeit eine Illusion war. Jeder hatte Zeit, wenn er es nur wollte. Die schnelle Zeit war nur eingebildet und eine große Lüge. Doch sie beherrschte diese Menschen nun nicht mehr, sondern die Menschen bestimmten wieder über sich selbst.
Ihre Seele atmete wieder auf und begann zu heilen. Und je mehr ihre Seele heilte, umso fröhlicher und glücklicher wurden sie.
Und weil sie sich nicht aufgegeben haben, leben sie noch heute in innerer Ruhe und Zufriedenheit bis ans Ende ihrer Tage.
So oder ähnlich könnte ein Märchen über die heutige Zeit klingen. Doch ist es wirklich so einfach? Wenn man sich mit Freunden und Arbeitskollegen unterhält, hört man immer wieder: „Die Zeit rast!“, oder auch: „Wir haben einfach keine Zeit mehr; wie haben wir das nur früher gemacht?“
Doch vergeht die Zeit wirklich schneller? Natürlich nicht. Zeitempfinden ist rein subjektiv. Jeder empfindet es anders, wie sein Tag verstreicht.
Die gefühlte Zeit vergeht aber tatsächlich schneller. Das liegt an den vielen Dingen, die wir nebenbei tun, während wir andere Dinge erledigen. Wir füllen unsere Zeit mit Aktivitäten, die den Geist unentwegt beschäftigen. Es gibt kaum noch Pausen für unser überlastetes Gehirn. Zwischen Arbeitsabläufen checken wir schnell E-Mails, WhatsApp, Facebook und Twitter. Das Radio läuft ständig, das Unterbewusstsein hört mit und zeichnet auf. Ohne Pause prasseln Informationen auf uns ein, die das Gehirn filtern muss.
Selbst wenn wir körperlich nichts tun, denken und planen wir unsere nächsten Aktivitäten. Wir sind in Gedanken immer schon ein paar Schritte weiter als in der Realität. Das ist natürlich nicht ungewöhnlich. Wenn aber im Hintergrund zu viele verschiedene Denkprozesse ablaufen, bleibt natürlich nur noch wenig an „Rechenleistung“ für die tatsächlich ablaufenden realen Tätigkeiten übrig. Bis zu einer permanenten Überforderung ist es dann nicht mehr weit. Das kostet uns viel Energie, physisch wie auch psychisch.
Psychologen und Psychiater fragen nicht ohne Grund, warum es so viele Depressionen und stressbedingte Krankheiten gibt. Warum nehmen derartige Erkrankungen stetig zu? Hier wird oft der Vergleich von heute zu früheren Zeiten mit Krieg und Hunger bemüht, doch dieser Vergleich hinkt.
In früheren Zeiten, während des Krieges und danach, waren die Stressoren natürlich bedeutend höher. Ständig waren die Menschen von Tod, Krankheiten, Verwundung, Schmerz und Hunger bedroht. Das stimmt ohne Zweifel. Und warum sind damals die Leute nicht massenhaft stressbedingt umgekommen? Manche sind es vermutlich auch. Suizid war an der Tagesordnung und viele Todesfälle wurden einfach dem Krieg und der entmenschlichten Umwelt zugesprochen. Keiner hatte Verständnis für jemanden, der an Überforderung zusammengebrochen war. Jeder hatte mit sich und dem Überleben seiner Familie zu tun. Kaum einer hätte eine solche Überlastung des anderen wahrgenommen. In schlechten Zeiten ist schließlich jeder Mensch mit seiner Lebenssituation überfordert. Aber auch damals gab es nicht nur Stress, Angst und Terror. Die Menschen waren wesentlich hilfsbereiter als heute. Jeder half jedem, so gut er konnte. Man tat sich zusammen, um zu überleben. Die Gruppe gab Schutz und soziale Nähe in der Not. Das baute auch Stress ab und es gab Pausen im Chaos, wo Körper und Geist entspannen konnten. Es war ja nicht immer nur Krieg und Not.
Und auch die Arbeit war nicht nur Arbeit. Arbeitsabläufe waren in Jahrhunderten gewachsen und gleich geblieben. In den ländlichen Gebieten gab es über das Jahr saisonal bedingte Arbeitsspitzen und auch ruhigere Zeiten. Die Arbeit an sich ging ruhig und ausgewogen vonstatten. Zwar waren es überwiegend körperlich schwere Arbeiten, aber man sorgte auch für ausreichend Pausen. In der aufstrebenden Industrie dagegen wurden völlig neue und sich ständig verändernde Umfelder in kürzester Zeit geschaffen. Immer besser optimierte Abläufe in Produktion und Transport schufen gnadenlose und leistungsorientierte Arbeitsbedingungen. Viele Menschen verkrafteten diese schnellen Veränderungen nicht. In den Städten war schon damals die Suizidrate weitaus höher als auf dem Lande mit seiner festen sozialen Struktur und den gewohnten und berechenbaren Arbeitsabläufen.
Der Vergleich hinkt also wirklich. Der feindlichen Umwelt früher wurde mit Zusammenhalt und menschlicher Nähe in einem überschaubaren Umfeld entgegengewirkt.
Das Leben heute funktioniert nach völlig anderen Regeln und ist geprägt von Konkurrenzdenken, Anonymität und sozialer Kälte.
Was also ist nun anders? Nun gut, wir leben nicht mehr im unmittelbaren Krieg. Unsere Lebensumstände sind nicht mehr ganz so lebensfeindlich. Besser verträglich oder gar optimal sind sie deswegen aber auch nicht. Wenn wir ehrlich sind, besteht bei den meisten doch das Leben nur noch aus Stress und Hektik.
Wir stehen frühmorgens todmüde auf, weil wir wie immer schlecht geschlafen haben. Dann bringen wir unsere Kinder in die Schule und hetzen im Stau auf Arbeit. Jeder will der Erste sein und drängelt, was nur geht. Keiner kennt den anderen und sieht nur gesichtslose Fahrzeuge vor sich und als Gegner. Unfälle und Stress bestimmen den Arbeitsweg. Wenn wir dort ankommen, sind wir eigentlich schon am Ende mit unseren Nerven.
Aber jetzt geht es erst richtig los. Auf dem Schreibtisch stapelt sich neue Arbeit, die gestern noch gar nicht geplant war. Auf der Baustelle steht der Chef und brüllt alle zusammen, weil schon wieder Terminverzug droht. Unsere Arbeitsabläufe heute setzen sich aus vielen unabhängigen Puzzleteilen zusammen. Das war auch früher schon ähnlich, damals jedoch kannte man auch alle anderen Teile des Puzzles noch persönlich. Man wusste, wer seine Arbeit wie macht und nahm Rücksicht oder passte sich an. Es war Teamarbeit in einem überschaubaren sozialen Umfeld.
Heute gibt es keine Rücksichtnahme mehr. Jeder ist ein winziges, anonymes Rädchen in einer riesengroßen und unbekannten Maschine. Jedes Rädchen kennt nur seinen Bereich und muss sich blind auf alle anderen verlassen. Die Arbeit befriedigt dabei nicht, da man keine Ergebnisse mehr sieht und nichts mehr allein „erschafft“. Die einzelnen Teile arbeiten meist auch nicht harmonisch miteinander, sondern oft eher gegeneinander. Jeder will und muss besser sein als der andere. Nur wer mehr leistet und schneller arbeitet als der andere, kann auch erfolgreich sein. Wer das nicht schafft, geht unter. Dabei wird mit Ellenbogen gekämpft, so gut es nur geht. Jeder ist des anderen Konkurrent. Von oben und von den Kollegen wird ein ständiger Druck ausgeübt. Dieser Druck wird oft als existenzbedrohend wahrgenommen. Wer den Leistungsdruck nicht aushält, wird gnadenlos entsorgt. Und wer die Fehler eines anderen bei seinen Vorgesetzten zum eigenen Vorteil nutzen kann, tut das meist auch. Dadurch baut sich innerhalb des Arbeitsumfeldes ein gewaltiger seelischer Druck auf, der für manche kaum auszuhalten ist. Einerseits muss man schnell arbeiten, um sein Pensum zu schaffen, darf sich aber andererseits keine Fehler und Angriffsflächen für Andere erlauben. Das ist Stress in Reinkultur.
Aber der Tag ist ja noch lange nicht vorbei. Die Arbeit wird beständig mehr und ist in der normalen (immer sehr knapp bemessenen) Arbeitszeit oft nicht mehr zu schaffen. Man bleibt länger, um noch etwas Angefangenes fertig zu stellen. Das kostet Zeit. Plötzlich wird einem bewusst, das das Kind ja noch in der Schule ist und auch noch Termine am Nachmittag hat. Man hetzt zum Auto und stellt sich wieder in den Feierabendstau. Der Termin rückt näher, die Zeit verfliegt. Man grübelt über die Arbeit und was man noch machen könnte, da das Geld ja immer knapp ist. Nun das Kind schnell abgeholt und zum Ballett, Schach oder Fußball gefahren und abgegeben. „Hubschraubereltern“ wird das im Fachjargon der Erzieher und Lehrer genannt. Einfliegen, Kind parken und sofort wieder abschwirren!
Jetzt muss man noch schnell etwas einkaufen, sich wieder durch die Menschenmassen im Einkaufsmarkt wühlen. An der Schlange vor der Kasse wartet man ewig, obwohl es noch zehn andere Kassen gibt, aber nur eine offen ist. Man kocht innerlich, Adrenalin schwappt hoch ... Zurück zum Kind, das schon wartet und drängelt, weil es Hunger hat und nun auch noch Hausaufgaben machen muss.
Und so geht es munter weiter, Termin auf Termin, bis der Tag zu Ende ist. Haushalt machen, Hausaufgaben, Essen, Wäsche ... Es hört nicht auf.
Kommt man dann endlich zur Ruhe, ist man körperlich und nervlich am Ende. Der Fernseher geht an. Und was sieht man dann?
Krieg, Vertreibung, Terror, Anschläge, Tod, Mord. Dazu die neuesten Arbeitslosenzahlen, damit man auch ja die Angst vor einer Kündigung nicht vergisst. Alles wird teurer. Wir sind ständig bedroht. Die Achse des Bösen ist überall!
Irgendwann reicht es dann und man fällt todmüde ins Bett. Schlafen kann man aber auch jetzt nicht. Die Arbeit ist immer noch im Geist präsent und alle Ängste unserer Existenz kreiseln durch unsere Hirnwindungen. Es stellt sich einfach keine Ruhe ein. Vieles Unterbewusste, das am Tag durch unsere Überaktivität überdeckt wurde, bahnt sich jetzt seinen Weg an die Oberfläche. Wenn es tagsüber keine Ruhepause für das überreizte Gehirn gibt, bleiben nur die Ruhephase und der Schlaf. Und der Schlaf kann nicht kommen, weil der Mensch geistig nicht zur Ruhe kommt.
Und so wälzen wir uns stundenlang herum, bis wir in einen unruhigen und flachen Schlaf fallen, der uns nicht erfrischt.
Am nächsten Morgen fühlen wir uns wieder wie gerädert und todmüde. Das ist ein Hamsterrad, dem wir nicht so einfach entkommen können. Wir sind seit frühester Kindheit immer nur auf Erfolg konditioniert worden. Erfolg bringt Geld und Geld erzeugt Wohlstand und Glück. Das erzählten uns unsere Eltern und prügelten es im Notfall auch in uns hinein. Das wird in Endlosschleifen in allen Medien gepredigt, verbunden mit Werbung von schönen und teuren Dingen, die wir gar nicht brauchen, aber unbedingt besitzen sollten. Mit den tollen und unnötigen Dingen könnten wir andere Menschen, die wir gar nicht kennen, beeindrucken. Und das alles kaufen wir von Geld, das wir uns leihen müssen, da wir es nicht haben. Und je mehr Geld wir uns leihen, desto höher ist der wirtschaftliche Druck, unseren Job zu behalten.
Ein Hamsterrad, das wir durchbrechen müssen. Doch die meisten durchbrechen es nicht, sie fliehen nur davor. Sie fliehen in eine Traumwelt. Unsere Medien sind ja wie geschaffen dafür. Sie verkaufen uns Traumwelten für jeden Geschmack. Spiele, Talkshows, Filme, Soaps, Werbung und Social Media sind omnipräsent.
Sie gaukeln uns mit sozialen Plattformen und dem allgegenwärtigen Internet eine Verbundenheit mit Freunden und Familie vor, die unserem Bedürfnis nach sozialer Nähe und Neugier entgegen kommt. Doch auch das ist nur eine falsche soziale Nähe. Und sie wird erkauft mit einer ständigen Erreichbarkeit und der Aufgabe von persönlicher Freiheit.
Man ist ununterbrochen erreichbar und erreicht am Ende doch nichts und niemanden. Ständig wird man von irgendwelchen Meldungen oder Nachrichten abgelenkt und schaut in jeder freien Minute auf sein Smartphone. Die wenigen Augenblicke, in denen einmal kurz Ruhe im Geist aufkommen könnte, werden mit unnötigen Informationen zugemüllt. Multitasking ist das große Schlagwort. Aber genau das ist eine Lüge. Multitasking funktioniert nicht. Es zerstreut unsere Aufmerksamkeit nur und belastet uns mehr, als es nützt.
Unsere Zeit ist also nicht zu vergleichen mit der unserer Vorfahren. Dort gab es sehr schwierige Zeiten, aber auch ein intaktes soziales Umfeld und Phasen der Ruhe und Besinnung.
Unser Leben heute wird durch aggressiven Konkurrenzkampf, soziale Kälte und einer ununterbrochenen Informationsflut bestimmt. Es gibt kaum noch Zeiten der Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten. Der Geist findet weder Ruhe noch Befriedigung. Diese finden viele nur noch im Konsum oder in Ablenkungen der Scheinwelt von virtuellen Spielen und Social Media.
Doch wie durchbrechen wir dieses unharmonische und ungesunde Leben auf Dauer? Ein Urlaub kann uns für die Mühsal, mit der wir ihn erwirtschaftet haben, nicht entschädigen. Dafür ist er viel zu kurz und die Energie, mit der wir ihn erarbeitet haben, ist viel höher als der Erholungsfaktor. Außerdem hat der Urlaub heutzutage für viele auch nur noch die Funktion eines Statussymbols. Urlaub muss teuer und exotisch sein, mit viel Aktivität, die man auf Fotos verewigt, um den Luxus auch vor anderen demonstrieren und beweisen zu können. Neid muss man sich eben teuer erkaufen. Erholung ist aber etwas völlig anderes!
Eine längere Auszeit? Ein guter Gedanke, nur muss man dazu auch genügend Geldreserven und Möglichkeiten haben. Und nach der Auszeit muss man auch nur wieder zurück in das Hamsterrad, und alles beginnt von vorn. Es hat sich ja trotzdem nichts verändert.
Doch ist das wirklich richtig? Sollte man sich nicht sein Leben so zurechtbiegen, das man glücklich werden kann? Sollte man, statt zu fliehen, nicht lieber etwas verändern? Konsum macht nicht glücklich, obwohl die Werbung uns das verspricht. Nur das Leben selbst macht glücklich, wenn der Rahmen stimmt.
Um dem Stress die Stirn zu bieten und sein Leben wieder in einen lebenswerten Zustand zu bringen, kann man nur seine Einstellung zum Leben selbst und die Faktoren herum ändern. Dazu ist es nötig, das Leben selbst zu verstehen und radikal alles zu verändern, was in dieses echte Leben nicht hineingehört. Die nächsten Kapitel beschäftigen sich mit genau diesen Themen. Theoretisch und praktisch gehen wir Probleme an, verstehen, was uns wirklich wichtig ist, und wie man Schritt für Schritt sein Stresspotenzial senkt und wieder (auf)lebt. Wir „entrümpeln“ den Alltag und befreien ihn von allem Unnötigen.
Harmonie bringt die Kraft!
Und weil Harmonie auch auf Vertrauen und Nähe basiert, möchte ich im weiteren Text gern zum vertraulichen „du“ wechseln. Ich hoffe, liebe/r Leser/in, du hast nichts dagegen. Ab jetzt werden wir beide, du und ich, gemeinsam an deinem neuen Leben, Version 2.0 arbeiten.
Ich empfehle dir, das Buch erst einmal komplett zu lesen, um einen Eindruck zu gewinnen, wohin die Reise geht und auf was du dich hier einlässt. Wenn du mit dem Weg und dem Inhalt einverstanden bist, kannst du mit den vorgeschlagenen Maßnahmen und Übungen im praktischen Teil beginnen.
Eines sollten wir aber im Vorfeld vielleicht noch klären. Menschen, die unter Stress leiden und sich viele Gedanken machen, die vielleicht auch feinfühliger und sensibler sind als ihre abgestumpften Mitbürger, haben in manchen Fällen etwas gemeinsam. Wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind, spricht man auch von hochsensitiven Personen, so genannten HSP’s.
Was ist aber nun eine hochsensitive Person?
Hochsensibilität ist ein noch relativ junges Fachgebiet. Die Psychologin Dr. Elaine Aron hat erst 1997 durch ihre Publikationen darauf aufmerksam gemacht.1
