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Wenn die große Liebe zerbricht... ...können einige Menschen recht gelassen damit umgehen - viele machen allerdings die Erfahrung, dass plötzlich das ganze Leben in Scherben liegt, dass die Gefühle Achterbahn fahren und alles komplett sinnlos geworden ist. Warum stecken die einen ein solches Erlebnis nach kurzer Zeit ganz gut weg, während die anderen in eine ernsthafte Krise geraten? Wie kann man an einer solchen Krise wachsen? Was kann man gegen Liebeskummer tun? Der Heilpraktiker für Psychotherapie Andreas Poppe untersucht Liebeskummer und Lebenskrisen und beschreibt Wege, aus diesen gestärkt hervorzugehen.
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Seitenzahl: 111
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Andreas Poppe
Nie wieder: Liebeskummer!
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Nie wieder: Liebeskummer!
Triggerwarnung
Was???
Wie man sich einen kräftigen Liebeskummer verschafft
Wie man Liebeskummer „heilt“
Impressum neobooks
Jeder Mensch ist es wert geliebt zu werden - aber kein Mensch ist es wert, dass man sich wegen ihm das Leben zur Hölle macht.
von Andreas Poppe
Dieses Buch beschreibt die Probleme heterosexueller Männer und Frauen, die sich auch als Männer und Frauen fühlen. Ich halte es für wahrscheinlich, dass meine Schilderungen auch für Menschen hilfreich sind, die nicht heterosexuell sind und die sich nicht als dasjenige Geschlecht fühlen, welches ihnen „bei der Geburt zugewiesen“ wurde.
Ich glaube, dass ich allgemeinmenschliche Probleme beschreibe. Ich schreibe nicht über Diversität, weil sie mich nicht interessiert, ich gendere nicht, weil ich keinen Sinn darin sehe. Und solange Gesetze und Allgemeine Geschäftsbedingungen mir eine Wahl lassen, schreibe ich was ich will und drücke mich auch so aus, wie ich es für richtig halte.
Wer damit leben kann, ist gern eingeladen, zu überprüfen, ob das Geschriebene trotz Nicht-Diversität hilfreich ist. Wer das für unerträglich hält, muss das Buch nicht lesen.
Natürlich gibt es Menschen, die ein solches Buch zielgerichtet lesen, um sich zu erregen und einen Shitstorm entfachen.
Auch ein Lebensentwurf.
Oh help me, please doctor, I'm damaged
There's a pain where there once was a heart (Keith Richards / Mick Jagger)
Oh helfen Sie mir, bitte Doktor, ich bin verwundet
da ist ein Schmerz wo früher ein Herz war.
Es gibt eine bestimmte Art von Liebeskummer, bei dem man glaubt, die eigene Existenz ist bedroht. Oder es ist ein Liebeskummer, bei dem wir keinen Sinn mehr im Leben entdecken können, wie es der Romantiker Eichendorff schrieb:
Hör’ ich das Mühlrad gehen:
Ich weiß nicht, was ich will —
Ich möcht’ am liebsten sterben,
Da wär’s auf einmal still!
Ich schreibe in diesem Buch nicht über den verständlichen Trennungsschmerz, nicht über eine nachvollziehbare Kränkung - ich schreibe über den vernichtenden Liebeskummer. Denn im Unterschied zu Gefühlen, die sich auf einen bestimmten Menschen beziehen, ist der vernichtende Liebeskummer vermeidbar.
Liebeskummer ist vermeidbar? Der vernichtende Schmerz, der mein ganzes Leben erschüttert, ist vermeidbar? „Was hat der Typ geraucht“, werden sich jetzt einige Leser fragen.
Ich muss Sie leider enttäuschen: 2004 habe ich mir das Rauchen abgewöhnt, und Cannabis ist überhaupt nicht meine Droge.
Ich bin im Gegenteil sehr stolz darauf, auch ohne die Hilfe bestimmter Chemikalien auf absurde Ideen zu kommen. Einige dieser Ideen sind einfach Blödsinn, andere geben einen guten Gag, und die dritte Kategorie ist es wert, dass ich mir einige ernsthafte Gedanken darüber mache. Diese dritte Kategorie hilft mir, ein Problem von einer mir bisher unbekannten Perspektive aus zu betrachten. Und nicht selten komme ich damit einer Lösung näher.
Mit dem Liebeskummer ist es ähnlich. Seit meiner Pubertät hat er mich in unterschiedlichen Formen heimgesucht. Und erst im Jahre 2019 - da war ich schon 58 Jahre alt - fiel mir eine neue Perspektive auf, die das Desaster befriedigend erklärt und hoffentlich eine Lösung bietet. Und natürlich fiel mir die Perspektive erst dann auf, als ich wieder unter einem unangenehmen Liebeskummer litt. Ich fühlte mich irgendwie fremd und unpassend in meinem aktuellen Leben, wollte ausbrechen und lernte eine Frau kennen, welche genau das Leben repräsentierte, zu dem ich mich hingezogen fühlte. Heute weiß ich, dass das - außer einer kurzen Affäre - gar nichts werden konnte. Ein anderer Mensch ist keine Krücke, kein Pflaster, mit dem ich die Wunden meines Lebens bedecken kann. Wenn ich nicht im Frieden mit meinem aktuellen Leben bin, stößt das interessanterweise die meisten Frauen ab.
Und Männer: wenn ihr eine Frau kennenlernt, welche sich permanent über ihr aktuelles Leben beschwert, sollten auch bei euch die Alarmglocken klingen. Ansonsten habt ihr eine gute Chance, zum Pflaster, zur Krücke oder gar zum Retter in der Not zu werden. Und so romantisch es klingt, die Jungfrau aus den Klauen eines Drachen zu retten - der Drache in ihrem Inneren entzieht sich eurem scharfen Schwert. Den kann die Jungfrau nur selbst töten.
Mit 58 Jahren! Als ich mich von dem Schock erholt hatte, dass mir mein ganzes Leben hindurch eine so wichtige Tatsache entgangen war, fiel mir gleich etwas aus meiner etwas jüngeren Vergangenheit auf. 2014/ 2015 habe ich mich beruflich verändert, was mit einem deutlichen Verlust an sozialem Status einher ging. Während dieser Zeit begann ich zwei kurze Affären mit Frauen, die im Status etwas über meinem aktuellen (aber auch klar unter meinem vorherigen) Status standen. Beide Affären hielten keine zwei Wochen, bevor ich sie beendete. Offensichtlich war ich mit meiner beruflichen Veränderung so zufrieden, dass ich den Statusverlust erst einmal ganz gut verschmerzen konnte. Es war eher ein Phantomschmerz, der mich zu diesen Affären trieb.
Mein Liebesleben besteht zum Glück nicht nur aus Kummer. Aber die verzweifelten Momente hatten alle einen Kontext, in dem mir in meinem Leben irgendwas fehlte, was ich durch eine Partnerschaft ersetzen wollte: selber schuld, also.
Als ich soweit gekommen war, machte ich mich daran, die Lebens- und Liebesgeschichten von Patienten, Klienten, Freunden und Bekannten zu durchforsten, um zu prüfen, ob sich da nicht ähnliche Muster fänden.
Wie zu erwarten wurde ich fündig - aber jede neue Geschichte war für mich aufregend, weil ich so viele Möglichkeiten entdeckte, sich einen kräftigen Liebeskummer zu verschaffen. Und weil ich von der Vielfalt so begeistert bin, möchte ich Ihnen einige dieser Gescheiten erzählen.
Wie gesagt - ich habe bei der Niederschrift dieses Buches nichts geraucht und auch sonst keine Drogen genommen. Aber ich finde die Erkenntnis, für den eigenen Liebeskummer zu hundert Prozent verantwortlich zu sein, derart aufregend, dass ich unbedingt darüber schreiben muss. Dabei scheint meine Erkenntnis gar nicht so originell zu sein. YouTube und einschlägige Bücher sind voll mit dem Gedanken: „Wenn du eine glückliche Beziehung willst, bringe zunächst dein Leben in Ordnung. Kein anderer Mensch kann das für dich tun.“
Aber was heißt das? Wie hängen Faktoren, die an meinem Leben nicht stimmen, mit meinem Liebeskummer zusammen?
Früher dachte ich, ich müsse beruflichen Erfolg und Status erringen, dann würde schon alles nach Wunsch verlaufen. Es war für mich außerordentlich bitter zu erkennen, dass ich nach Erreichen dieser Ziele genauso unglücklich war wie vorher.
Ich kenne Frauen, die meinen, ihr Leben sei dann in Ordnung, wenn sie ihre äußere Erscheinung verbessern.
Aber es ist nicht die Krönung meines Lebens, die Traumfrau zu heiraten, und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Ehe mit einem Traummann die ultimative Erfüllung für eine Frau ist.
Seitdem mein Sohn auf dieser Erde wandelt, weiß ich, was bedingungslose Liebe ist. Ich würde daher gar nicht bestreiten wollen, wie sehr Kinder und Familie Bestimmung ins Leben bringen. Aber sie können nur dann die Krönung sein, wenn der Rest des Lebens am richtigen Ort ist. Das Bedürfnis, für meinen Sohn da zu sein, war für mich ein sehr wichtiger Antrieb, auch in verzweifelten Situationen weiterzumachen. Das ist eine Konstante meines Lebens, die sich richtig anfühlt.
Nur: der Rest meines Lebens wird dadurch nicht automatisch geheilt. Und auch die Schmerzen, die entstehen, wenn ich mich in die falsche Frau verliebe, sind nicht weniger geworden.
Was mich am Glück hindert, steckt leider in mir selbst.
Solange ich nicht den für mich passenden Platz im Leben gefunden habe, werde ich nicht so recht glücklich sein können. Wenn ich jetzt Liebeskummer erfahre, dann weiß ich, dass dieser nichts anderes als ein Hinweis darauf ist, was mit meinem Leben immer noch nicht stimmt. Das macht dieses furchtbare Gefühl irgendwie wertvoller als es das früher für mich war. Es bekommt einen Sinn und ist besser zu ertragen.
Ich möchte Sie einladen, mich auf dieser Reise zu begleiten. Sie hat mir geholfen, aus der Opferrolle herauszutreten und auch die Verantwortung für die widrigen Erlebnisse zu übernehmen und einen Sinn in jeder Erfahrung - sei sie „gut“ oder „schlecht“ - zu finden.
Zwei schmerzhafte Erlebnisse fallen mir ein, welche erst jetzt einen Sinn für mich ergeben.
Das erste: vor vielen Jahren inszenierte ich im Ausland und verliebte mich irgendwann - natürlich unglücklich - in eine der Schauspielerinnen, mit denen ich zu tun hatte. Aus meiner heutigen Perspektive könnte ich sagen, dass ich mich in meinem Leben in Deutschland irgendwie gefangen fühlte und gern ausgebrochen wäre. Ich hätte bestimmt innerhalb Deutschlands ausbrechen können oder aber in ein anderes Land ziehen können. Für beides fehlten mir aber offensichtlich die Eier. Hätte ich die Liebe dieser Schauspielerin errungen, dann wäre ein Grund da gewesen, der mir den letzten Kick hätte geben können. Und ein zweiter Aspekt fällt mir ein: die betreffende Schauspielerin kam immer mal auf mich zu und erklärte, dass sie glaubt, endlich mit mir den Weg zu einem wahrhaftigen schauspielerischen Ausdruck zu finden. Sie war für mich sozusagen auch ein Symbol dafür, wie wichtig mein Beitrag für die Theaterkultur dieses Landes werden könnte. Die Liebe dieser Frau hätte mir - meiner unbewussten Überzeugung nach - den Weg aus meinem „falschen“ Leben in eine Welt zeigen können, in der mein Beitrag wichtig gewesen wäre. Es wäre ein Weg an einen Ort gewesen, an den ich wirklich gehöre. Diesen Weg mit all seinen Risiken allein zu beschreiten, fehlte mir offenbar der Mut.
Eine zweite schmerzhafte Erfahrung ergibt auch erst jetzt für mich einen Sinn. Ich verliebte mich - ebenfalls unglücklich - in eine Psychologin. Ich war nicht bei ihr in Therapie, aber wir hatten eine Art freundschaftliches Verhältnis zueinander, so dass wir recht häufig miteinander sprachen. Es war die erste Frau, von der ich mich wirklich „gesehen“ und verstanden fühlte. Bei ihr musste ich mich nicht verstellen, konnte all meine Schattenseiten offenbaren und hatte den Eindruck akzeptiert zu werden. Heute weiß ich, warum ich von der Liebe zu ihr nicht lassen konnte - auch dann, als sie mir klar mitteilte, dass mehr als eine Freundschaft nicht zu machen sei. Mein Unbewusstes war davon überzeugt, dass ihre Liebe mir gezeigt hätte, dass ich auch mit meinen Schattenseiten ein liebenswerter Mensch bin. Dabei bin ich doch der einzige Mensch, der meine Schattenseiten lieben lernen kann. Niemand kann mir diese harte Arbeit abnehmen.
Partnerwahl ist also offenbar kein ausschließlich biologischer Vorgang. Gerade diese beiden zuletzt beschriebenen Erlebnisse haben mir gezeigt, dass Partnerwahl auch eine unbewusste Abkürzung auf einem Weg sein kann, der eigentlich hätte persönliches Wachstum werden sollen.
Der systemische Therapeut Jay Haley beschrieb einmal eine notwendige Voraussetzung für eine unglückliche Beziehung: Man muss sich aus den falschen Gründen den falschen Partner wählen (Jay Haley: „Die Jesus-Strategie“, 5. Auflage, Heidelberg 2018).
Als ich diese Worte zum ersten Mal gelesen hatte, konnte ich mich vor Lachen kaum halten, obwohl ich gerade in einer öffentlichen Bibliothek saß. Ich musste so sehr lachen, weil ich die tiefe Wahrheit dieser Aussage spürte. Und ich wusste, dass dies nicht nur für unglückliche Partnerschaften galt, sondern eben auch dann, wenn es gar nicht zu einer Partnerschaft kommt, wenn die Liebe nicht erwidert wird.
Was also führt uns zu einer Partnerwahl, die nicht gut für uns ist und uns Kummer bereitet? Und was hat diese Partnerwahl mit den Defiziten unseres Lebens zu tun?
Und jetzt löse ich mein Versprechen ein und berichte nicht nur über meine Erlebnisse, sondern auch über die meiner Freunde, Bekannten, Patienten und Klienten. Anhand dieser verschiedenen Geschichten erzählt sich für mich die Vielfalt, mit der die Partnerwahl die Flecken des eigenen Lebens überdecken soll. Natürlich interessiert es mich auch, ob es Unterschiede gibt, was die Partnerwahl von Männern und Frauen betrifft.
Die erste Geschichte, die ich Ihnen erzählen möchte, hat keinen sichtbaren Moment schmerzhaften Liebeskummers in sich. Sie schildert im Gegenteil ein ziemlich normales Leben. Und genau deshalb möchte ich den Reigen mit ihr eröffnen:
