NotAufnahme - Ralf Podszus - E-Book

NotAufnahme E-Book

Ralf Podszus

0,0

Beschreibung

Lachen ist die beste Medizin! Auch wenn der Gang zum Arzt in aller Regel unangenehm ist, so passieren dort doch allerhand unfassbar amüsante Geschichten: Wie verursacht ein Gänseblümchen den Besuch in der Notaufnahme? Warum befindet sich ein amputierter Fuß im Kofferraum einer Ärztin? Was tun, wenn das beste Stück in der Lieblingsvase der Schwiegermutter stecken bleibt? Wie handeln, wenn der Enddarm zum Endgegner wird? Und kann eine Krankenpflegerin im Schockraum überhaupt noch etwas schocken? Ralf Podszus, Moderator des erfolgreichen Podcasts »NotAufnahme«, nimmt uns mit auf eine Reise zu den lustigsten Patientengeschichten. Von A wie Allgemeinmedizin bis Z wie Zahnmedizin –hier darf gelacht werden, bis der Arzt kommt!

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 207

Veröffentlichungsjahr: 2022

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Ralf Podszus Ann-Catherin Karg

NOTAUFNAHME

Ralf Podszus Ann-Catherin Karg

NOTAUFNAHME

Die lustigsten Patientengeschichten

Von A wie Allgemeinmedizin bis Z wie Zahnmedizin

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen

[email protected]

Wichtiger Hinweis

Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.

Originalausgabe

1. Auflage 2022

© 2022 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Türkenstraße 89 · 80799 München

Tel.: 089 651285-0 · Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Lektorat: Caroline Kazianka

Umschlaggestaltung: Sonja Vallant

Umschlagabbildung: iStock/drbimages, SebastianGauert, HRAUN, AaronAmat

Übernahme des Gestaltungsdesigns von: Schlenker pr GmbH & Co. KG, Liststraße 9, 70180 Stuttgart

Illustrationen im Innenteil: Elements.envato.com: candenstudio: 202; studiotopia: 202; yellowline_std: 203; Shutterstock.com: AnyaPL: 31, 137; Artco: 11, 71, 67, 77, 83, 93, 95, 99, 101, 133, 139, 153, 163, 183, 191; Auttapon Wongtakeaw: 61, 103; davooda: 23, 177; DStarky: 35, 87; indigo.diamond: 15, 17, 137, 173; Kirill Mlayshev: 41, 147, 181; lukpedclub: 27, 53, 111, 115, 153, 155, 196; popicon: 167; RaulAlmu: 45, 47, 57, 133, 143

Satz: Helmut Schaffer Grafik + Satz, Hofheim a. Ts.

eBook: ePUBoo.com

ISBN Print 978-3-7423-2232-6

ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-2005-3

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-2006-0

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.rivaverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de

Inhalt

Vorwort

Allgemeinmedizin

Anästhesie

Apotheke

Aufwachraum

Auslandseinsätze

Bereitschaftsdienst (ärztlicher Bereitschaftsdienst)

Chirurgie

Dermatologie

Ergotherapie

Frauenheilkunde (Gynäkologie)

Geleaste Schwester/Pfleger auf Abruf

Hospiz

Innere Medizin

Jagd-Ambulanz

Kinderarzt/Kinderärztin (Pädiatrie)

Luftrettung (DRF)

Mannschaftsarzt/Mannschaftsärztin (Sport)

Notaufnahme

Notruf (ärztlicher Bereitschaftsdienst)

Orthopädie

Pathologie

Physiotherapie

Pneumologie

Proktologie

Quickies

Rettungsdienst und Krankentransport

Schockraum

Schönheitschirurgie

Tiermedizin

Toxikologie

Urologie

Veranstaltungs-Arzt/Ärztin

Wartezimmer

Wasserrettung

X und Y

Zahnmedizin

Register

Quellen

Danksagung

Für Feline Luise Tilda Liv

Hinweis

Dies ist ein humoristisches Buch. Die beiden Autor*innen sind Journalist*innen und haben jedes Kapitel sorgfältig recherchiert. Mitunter fehlt jedoch aus stilistischen Gründen manche langweilige Information oder trockene Fakten wurden absichtlich verkürzt oder weggelassen, weil ansonsten der Unterhaltungswert darunter leiden würde. Der Humor steht klar im Vordergrund und hier ordnet sich alles Übrige unter.

Den Autor*innen ist Diversität sehr wichtig. Dennoch wird in diesem Buch nicht durchgängig gegendert, weil auch dies den Lesefluss stören könnte. Stattdessen wird in den einzelnen Kapiteln zwischen den verschiedenen Geschlechtern hin und her gewechselt, damit es so einen Ausgleich gibt.

Vorwort

Ist Ihnen schon einmal etwas Lustiges oder Peinliches bei Ihrem Arzt passiert? Verkehrt herum auf die Behandlungsliege gelegt, versehentlich die Zimmerpflanze umgestoßen oder den verkehrten Raum betreten, in dem sich gerade ein Patient komplett entkleidet hat. Nein? Dann haben Sie bestimmt schon einmal Ihre Medikamente falsch eingenommen und vielleicht ein Zäpfchen heruntergeschluckt, im Narkosehalbschlaf den Krankenpfleger angebaggert oder Sie haben wenigstens Ihrem Kind einen vermeintlich coolen englischen Namen gegeben, in dem die Kinderärztin dann einen fetten Rechtschreibfehler entdeckt hat, so ähnlich wie im Kapitel »Kinderarzt/Kinderärztin (Pädiatrie)«? Auch nicht? Abwarten. Bei der nächsten Blasenentzündung, Magenspiegelung oder Zystenentfernung kommen Sie vielleicht ganz groß raus! Eventuell gehören Sie ja zu den Menschen, die sich zu gerne irgendwelche Gegenstände in Körperöffnungen schieben, die – bei aller Liebe – dort wirklich nichts zu suchen haben. Sollten Sie in diesem Moment lustvoll den Ansaugstutzen Ihres Staubsaugers anschmachten: kuriose Sexunfälle im Haushalt gibt es immer wieder. Sie lesen darüber dann etwas in diesem Buch. Patienten wie SIE, liebe Leserin, lieber Leser, tragen dazu bei, dass in geselligen Ärzterunden über die humorvollen Begegnungen mit den Kranken geredet wird.

Und davon gibt es einige. Ein niedergelassener Arzt behandelt am Tag circa 45 Patienten, das sind etwa 900 Patienten im Monat. Bei so vielen verschiedenen Kontakten kommt es immer wieder zu komischen, peinlichen und verrückten Situationen. Genau die verfolgen seit drei Jahren sechs Millionen Hörer und Hörerinnen bei »NotAufnahme – Die lustigsten Patientengeschichten«. In meinem Podcast erzählen Ärzte aus sämtlichen Fachrichtungen sowie Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, was ihnen tagtäglich Sonderbares widerfährt. In der Audioserie gibt es alle zwei Wochen ein Humor-Update mit den besten Storys zum Lachen. Und in diesem Buch gehen wir erstmals chronologisch vor – von A wie Allgemeinmedizin bis Z wie Zahnmedizin. Einige Geschichten werden Sie aus dem Podcast kennen, andere Geschehnisse werden Ihnen neu sein.. Ergänzt durch neue Gedanken, Informationen und Recherchen – jedes Mal mit der Absicht, Sie zum Lachen zu bringen. Denn Lachen ist die beste Medizin.

Als bekennender Hypochonder gehe ich selbst natürlich regelmäßig zum Arzt. Erst wenn meine Hausärztin sagt, dass ich gesund bin, habe ich keinen Zweifel mehr. Zumindest bis ich die Praxis verlassen habe. Ärzte geben mir ein gutes Gefühl. Und viele Ärzte noch viel mehr bessere Gefühle. Und darum habe ich den Jackpot gezogen, als ich in eine Arztfamilie eingeheiratet habe. Auf einmal hatte ich sie alle um mich: Allgemeinmediziner, Chirurgen, Kardiologen, Sportmediziner und sogar Tierärzte. Bei jedem Halskratzen, bei Leberfleckverfärbungen oder Schnittwunden (ich bin sehr ungeschickt) brauchte ich künftig nur die Schwiegereltern, die Schwägerin oder irgendeine Tante oder irgendeinen Onkel der anderen Familienseite anzurufen. Dachte ich zumindest. Was ich nicht wusste: Ärzte versorgen alle Menschen – aber Mitglieder der eigenen Familie erst, wenn mindestens eine Gliedmaße ab ist und das Blut fontänenartig durch die Gegend spritzt. Diese Erkenntnis traf mich schwer. Dabei wird so viel Potenzial verschwendet! Mein Potenzial. Klage ich dennoch hin und wieder mein Leid (erst neulich entdeckte ich einen Knubbel an meinem Hals), ernte ich dafür Hohn und Spott. Selbst nach einem Deorollerwechsel und damit verbunden schmerzhaft geröteten Achseln habe ich für schnelle Therapie-Tipps lieber einer befreundeten Hautärztin ein Foto geschickt, weil die Familie darüber nur Witze gemacht hätte. Dabei brauchte ich für die Entrötung nicht weniger als zwei Wochen Cortison-Creme. Nichtsdestotrotz tauchen im Podcast einige Geschichten der Mischpoke auf, mit die besten – noch einmal danke dafür!

Wirklich immer verlassen kann ich mich übrigens auf einen Menschen: meine Frau. Leider ist sie keine Ärztin, hat tragischerweise aber genug Mediziner-Gene in sich, um sich wie der Rest der Verwandtschaft über meine gesundheitlichen Probleme lustig zu machen. Fast hätte unsere damals noch junge Beziehung ein jähes Ende gefunden, als mir nach einem unglücklichen Zwischenfall mit einem Zwiebelschneider dieser in Panik geäußerte Satz über die Lippen kam: »Ich will keine Bluttransfusion!« Dafür ist sie Journalistin. Und witzig. Für dieses Buch ein Glücksfall, denn so konnten wir beide über die lustigsten Patientengeschichten schreiben, die Mitarbeitende im Gesundheitswesen tagtäglich erleben. Es gibt also mehr Lesestoff für Sie, in den Sie jetzt ganz entspannt mit dem ersten Kapitel starten können. Oder möchten Sie lieber zuerst in die »Dermatologie« reinblättern, weil hier vielleicht weitere intime Peinlichkeiten vom Podcast-Moderator verraten werden? Schräg wird es dort auf jeden Fall. Schauen Sie zudem unbedingt bei der »Schönheitschirurgie« vorbei. Dort möchte ein Mann seine Hoden aufpumpen lassen, damit die Klöten künftig krass klobig sind. Wie viele Spinnen auf dem Kopf einer Frau leben können, erfahren sie in der »Apotheke«. Im »Hospiz« darf ebenfalls gelacht werden, wenn ein Patient nicht lange, aber dafür lichterloh fackelt. Und apropos Tod: In der »Pneumologie« streiten sich zwei Frauen leidenschaftlich vor einem Krankenbett, auf dem ein kurz zuvor Dahingeschiedener ruht. Wie auch immer Sie sich entscheiden: Wir freuen uns, wenn Sie dieses Buch lesen, ob nun von A bis Z oder nach Ihrem eigenen System. Viel Freude damit! Und bleiben Sie gesund – oder vielleicht werden Sie doch krank und sorgen bei Ihrem Arzt-Besuch dafür, dass es demnächst weitere lustige Patientengeschichten gibt.

Allgemeinmedizin

Klackerdiklack, der Finger ist ab!

Es gibt Geräusche, die man nie wieder vergisst: die Klospülung, die das in der Gesäßtasche aufbewahrte und beim Herunterziehen der Hose in die Toilettenschüssel gefallene neue Smartphone dem Untergang weiht. Das Motorengeräusch des mühsam zusammengejobbten Autos und natürlich den ersten Schrei seines Kindes. Und manche Ereignisse werden akustisch gleich derart eindrücklich begleitet, dass sie eines subtil wirkenden Horrorschockers würdig wären. Wie das Klack klack, klack klack, klack klack. Dazu gleich mehr.

Eine Hamburger Allgemeinmedizinerin befand sich mit ein paar Kollegen gerade in ihrer gemütlichen Mittagspause in ihrer Gemeinschaftspraxis auf St. Pauli, als es plötzlich wild an der Tür klopfte. Warum ein derartiger Aufruhr durchaus geboten war, erschloss sich beim Anblick der verursachenden Patientin ziemlich schnell. Im Rhythmus des Pulsschlags spritzte ihr in Fontänen das Blut aus einem ihrer Finger, dem ein ganzes Stück fehlte. Genauer gesagt handelte es sich um das komplette letzte Glied, das beim Zuwerfen der Autotür leider auf der falschen Seite zurückgeblieben und abgetrennt worden war. In ihrem Schock war die Patientin dennoch geistesgegenwärtig genug gewesen, das abgehackte Fingerstück, von dem sie hoffte, dass es wieder angenäht werden könne, mitzunehmen.

Während sich in der Praxis ein Arzt samt zweier Medizinischer Fachangestellter um die Frau kümmerten und sie bis zum Eintreffen des Notarztes betreuten, wollte die Allgemeinmedizinerin das eventuell noch zu kittende Glied möglichst fachmännisch verpacken. Das Erste, was ihr dabei in die Hände fiel: ein Urinbecher. In diesen steckte sie also den letzten Teil des Fingers, an dem sich ein langer, knallrot lackierter Nagel befand. Und immer dann, wenn sie den Urinbecher bewegte, klackerte der Nagel mit blutigem Fleischanhang gegen die Plastikwand. Klackklack, klackklack, klackklack. So lange, bis der Notarzt endlich eintraf, die Patientin samt ihrem abgetrennten Fingerglied abtransportierte und der bis dato beherrschten Ärztin dann erst mal die Gesichtszüge entglitten.

Immerhin war der schaurige Zwischenfall für sie schnell vorbei und die Gedanken daran kommen künftig nur noch beim Anblick von Urinbechern zurück. Während die Patientin ein Leben lang an ihren Unfall erinnert werden wird: Zu groß war die nervenschädigende Splatterei gewesen, als dass das fehlende Fingerglied wieder hätte angenäht werden können. Ein Gutes konnte die Teilamputierte der Sache dann aber doch abgewinnen, wie sie ihrer Ärztin später grinsend erzählte: Das Lackieren von neun statt zehn Fingernägeln bedeute immerhin eine nicht zu vernachlässigende Zeitersparnis.

Anästhesie

Wer schläft, hat davor nicht gesündigt

Nicht viele Menschen können bei Party-Gesprächen behaupten, dass im Monat über 100 flüchtige Bekanntschaften neben ihnen einschlafen. Anästhesisten und Anästhesistinnen können das. Sie sind jedoch nicht Super-Casanovas, One-Night-Stand-Götter oder haben den unwiderstehlichsten Schlafzimmerblick, sie machen einfach ihre Arbeit. Bei den meisten Berufen ist es die ultimative Beleidigung, wenn bei der Ausübung des Jobs die Kundschaft einschläft. Narkosefachärzte haben bei einem hundertprozentigen Schlummerergebnis dagegen alles richtig gemacht. Ein weiterer Party-Angeber-Punkt: Sie führen die Liste der höchsten Knockout-Quote an … Außerdem sorgen die Verantwortlichen für das Extrem-Chillen dafür, dass die Operation schmerzfrei und im Schlaf stattfinden kann. Auch hier können die Dämmer-Diener wieder bei einer Party angeben, denn sie mixen den perfekten Cocktail. Einen Schlaf-Cocktail. Und der besteht oft aus einem Schlafmittel, einem Schmerzmittel und einem Mittel, welches die Muskulatur erschlaffen lässt. Da klingt Schlaf so schön unschuldig. Das Narkose-Nickerchen ist jedoch ein reversibles Koma. Also kurz mal Koma und zurück. Dieser Kunst-K.-o. knipst das Bewusstsein komplett aus – zusätzlich das Reaktionsvermögen und die Schmerzen. Weil das Luftholen ebenfalls nicht mehr selbstständig funktioniert, muss jeder Patient und jede Patientin während einer Vollnarkose künstlich beatmet werden.

Beim Narkotisieren läuft allerdings nicht immer alles glatt und der Verwirrtheitszustand nach dem künstlichen Tiefschlaf kann unberechenbar sein (mehr dazu im Kapitel zum Aufwachraum). Der Tiefschlaf-Treffer gelingt nur, wenn die richtige Dosis Narkotika in die Vene gespritzt wird oder genug Xenon-Gas durch eine Maske zum Inhalieren strömt. Bei mir selbst ging dieser Vorgang auf dem OP-Tisch einmal schief. Der Anästhesist sagte in seinem besten Party-Angeber-Ton: »Zählen Sie jetzt einmal bis zehn. Das werden sie nicht mehr schaffen.« Und ich zählte. Langsam. Eins. Zwei. Drei. Vier … Bei 17 meinte mein Döse-Doktor genervt, dass ich bitte aufhören solle. Sorry. War ja nicht mein Fehler. Vielleicht lag die Venenkanüle nicht richtig in der Vene – dann gelangt das Medikament lediglich in die Haut und kann nicht wirken.

Bei einer anderen Operation strömte bereits das Mein-Gehirn-wird-jetzt-so-was-von-heruntergefahren-Gas in meinen Körper. Die Vene war also richtig getroffen und der Schlummer-Trunk macht sich dann richtig breit im Blutkreislauf. Ich bemerkte, wie alles an mir wabbelig wurde, inklusive meiner Gedanken. Dennoch brachte ich es noch kurz vor dem kompletten Abschalten zu einem Flachwitz und fragte den Anästhesisten: »Wird der Chirurg hier wirklich Zitterheini genannt?« Der Messerwetzer im Hintergrund hörte dies und lachte laut auf. Eine wirklich blöde Idee, den Chirurgen zum Lachen zu bringen, kurz bevor er meinen Körper zehn Zentimeter aufschlitzen muss. Und mit diesem Bild des wiehernden Arztes ging ich dann direkt in meinen Albtraum. Beim Aufwachen kontrollierte ich sofort, ob ich mit dem dummen Spruch nicht selbst eine Zitternarbe verursacht hatte. Zum Glück hatte der Lachflash des Schnibbel-Virtuosen wohl nicht lange angehalten und er hatte konzentriert das Skalpell schwingen können.

Die Kunst eines Anästhesisten besteht darin, Dauer und Tiefe des Schlafes immer richtig einzustellen. Wie viel Schlaf-, Schmerz- und Muskelerschlaffungsmittel sind für die jeweilige Operation nötig? Ein dünner Mann oder eine dicke Frau brauchen unterschiedlich viel von der Substanz, die für das Wegdösen verantwortlich ist. Nicht nur das Gewicht, auch die Größe, das Alter, die Fitness, Tätowierungen, Piercings, Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahmen oder Tabak-, Drogen- und Alkoholkonsum spielen für die Berechnung des Schlafcocktails eine entscheidende Rolle. Deshalb sprechen die für das problemlose Pennen Verantwortlichen vor der OP mit den zu Behandelnden. Dieses Gespräch ist außerdem wichtig, weil viele Patienten und Patientinnen Sorge vor dem bevorstehenden Kontrollverlust haben, wenn sie nicht mehr Herr (oder Frau) ihrer eigenen Sinne sind und jemand mit einem weißen Kittel ihr Gehirn austrickst. Einfühlsame Gespräche vor dem Eingriff können diese Angst nehmen.

Dabei können wir wirklich heilfroh sein, dass wir nicht vor dem 19. Jahrhundert leben. Berauschende Stoffe und Opium wurden bereits in der Antike benutzt und milderten, wenn auch mehr nach Zufallsdosierung, den einen oder anderen Schmerz. In den folgenden Epochen wurde dieses Wissen wieder vergessen – und fortan musste jeder die Zähne zusammenbeißen, wenn ein medizinischer Eingriff notwendig war. Wem nach einer Schlacht im Dreißigjährigen Krieg ein Bein amputiert werden musste, der wäre vor der Säge-Aktion sicherlich happy gewesen, ein Medizingespräch über bevorstehenden Kontrollverlust zu führen. Stattdessen wanderte ein Beißholz oder ein Beißstab zwischen die Zähne – und die Redewendung »mit einem Bein im Grab stehen« war alles andere als nur eine Redewendung. Wer das Gliedmaßen-Massaker überlebte, hatte dennoch eine gute Chance, draufzugehen: Denn ein einziges Beißholz wanderte massenhaft von Mund zu Mund …

Warum aber wurde das Wissen um schmerzstillende Mittel wie Opium über Jahrhunderte vernebelt? Die Kirche ist schuld! Wenn jemand leiden musste, dann hatte das schon seinen Grund. Der Schmerz wurde als Prüfung betrachtet. Leiden war total angesagt. Verdächtig waren die Menschen, welche gesund und glücklich durchs Leben gingen. Und wer gar mit Tinkturen sein Joch verbessern wollte, lief Gefahr, kurze Zeit später auf einem wärmenden Scheiterhaufen zu brennen. Ab dem 16. Oktober 1846 wurde dann weniger gelitten. Der Zahnarzt William Thomas Green Morton führte damals in Boston publikumswirksam eine Betäubung mit Äther vor – die Geburtsstunde der modernen Anästhesie. Und wahrscheinlich das einzige Mal, dass Menschen keine Angst vor einem Zahnarzt hatten.

Doch zurück zu den voroperativen Aufklärungsgesprächen – und zu der nicht unrelevanten Frage nach den Noxen. Dieses merkwürdige Wort bezeichnet Stoffe, die man einnimmt und die eine schädigende Wirkung auf den Körper haben. Lustigerweise heißen diese Lebensverkürzer im allgemeinen Sprachgebrauch »Genussmittel«. Und über die muss der Anästhesist mit seinen Patienten bei der Anamnese sprechen. Wenn im Vorgespräch nicht geklärt werden kann, wie viel Fusel freiwillig durch den Blutkreislauf rauscht, wird vielleicht zu wenig Schlafmittel dosiert, und dies kann bei der OP fatale und schmerzhafte Folgen haben. Ein Patient aus Köln antwortete seinem Anästhesisten auf die Frage, wie viel Alkohol er am Tag zu sich nehme: »Ja normaaal!« Auf die Nachfrage, was denn für ihn normal sei, meinte er: »So ein, zwei Flaschen.« Der Arzt machte sich also eine Notiz und schrieb auf, dass sein Patient ein bis zwei Flaschen Bier am Tag trinke. Große erstaunte Augen verfolgten das Gekritzel auf dem Anamnese-Bogen und schließlich korrigierte der Patient: »Wieso Bier? Wodka!« Jemand, der so viel Alk am Tag in sich reinpumpt, benötigt viel mehr Narkosemittel als jemand, der sich mal ein Gläschen Wein gönnt oder ein hippes dunkelviolettes Bier mit Rosmarin und Crème de Cassis. Narkosemedikamente sind in gewisser Hinsicht auch Drogen. Muss die Leber regelmäßig einen rücksichtslosen Rauschmittelkonsum aushalten, dann wird sie mit sämtlichen Einschläferungsdrogen genauso fertig. In dem Fall wird die zwei- bis dreifache Dosis OP-Schlaf notwendig sein. Vielleicht muss bei so einem Alkoholkonsum sogar in einer der nächsten Behandlungen die Leber generell geflickt werden. Wer eine Leberzirrhose durchleidet, kann gleich dauerhaft mit einem Beißholz zwischen den Zähnen durchs Leben gehen.

Auch vermeintliche Körperverschönerungen können im Übrigen die Operation beeinträchtigen. So müssen sämtliche Piercings abgenommen werden – egal wie viele und wo diese in der Haut stecken. Wenn die Chirurgin mit einem Elektrokauter arbeitet, der Venen und Arterien verödet und Gewebe schneidet oder vollständig entfernt, dann entsteht Strom, der über den Körper abgeleitet wird. Metalle im Körper können sich dabei erhitzen und zu üblen Verbrennungen führen. Die Piercings würden sich bei dieser Hochfrequenz-Chirurgie mit dem Elektroskalpell regelrecht aus dem Patienten herausbrennen. Die Erklärung dieses Vorgangs geht den Piercing-Fans meist regelrecht unter die Haut und motiviert sie recht schnell, ihren metallenen Körperschmuck aus Augenbrauen, Bauchnabeln, Brustwarzen, Lippen, Nasenflügeln, Ohrläppchen, Zungen oder sonst wo herauszunehmen.

Mitunter stecken jedoch ganz andere Gegenstände in Körpern, zum Beispiel im »sonst wo«. Bei einer Operationsvorbesprechung in München wurde eine Frau von einer älteren Ärztin und einem Arzt im Praktikum zu ihren Gewohnheiten und ihrem Körper befragt. Der junge Krankenhaus-Kollege übernahm die Gesprächsführung und arbeitete Stück für Stück sämtliche Fragen der OP-Checkliste ab. Schließlich fragte er, ob sich irgendwelche Metalle im Körper befänden. »Ja, ich habe eine Spirale in meinem Körper«, antwortete seine Patientin wahrheitsgemäß. Verdutzt schaute der Narkotika-Newcomer erst seine Vorgesetze an, drehte sich wieder zurück, machte große Augen und meinte dann: »Wo wäre denn diese Spirale?« Frauen können mit einem kurzen Nicken ganze Gespräche führen und mit einer leichten Kopfbewegung Richtung Patientin machte die Ärztin deutlich, dass sie im Anschluss an die Anamnese ihren Auszubildenden beiseitenehmen und ihm im Schnelldurchlauf verschiedene Verhütungsmethoden erklären würde, weil dies seine Eltern offenbar vergessen hatten. So kann es also durchaus passieren, dass vor einer OP nicht nur die Patientin, sondern auch der Narkosearzt aufgeklärt werden muss.

Apotheke

Die spinnt doch!

Normalerweise kommen Apotheker erst ins Spiel, wenn die Diagnose bereits feststeht. Doch dieser haarige Fall wäre ohne die guten Augen eines Pharmazeuten wohl nicht so schnell geklärt worden.

Eine Frau suchte in der Apotheke Hilfe und Beratung bezüglich eines durchaus unangenehmen Hautausschlags in ihrem Gesicht, dessen Herkunft ihr völlig schleierhaft war. Der Apotheker verwies die Stammkundin an einen Hautarzt, der den Ursprung der roten Stellen aber ebenfalls nicht eruieren konnte. Eine Cortisonsalbe sollte es richten, weshalb die Frau mit entsprechendem Rezept wieder den Apotheker ihres Vertrauens aufsuchte. Und dem stockte mitten im Aufklärungsgespräch über Art und Weise der Anwendung der Atem, als er es im Haar seines Gegenübers plötzlich krabbeln sah.

Doch nicht etwa Läuse spazierten darin herum, sondern Spinnen! Daumengroß, kurzbeinig und kompakt krabbelten sie hoch und runter, während die Frau von alledem rein gar nichts mitbekam. Ein Schock für den Apotheker, der, um der ahnungslosen Kundin eben diesen zu ersparen, ihr seine Beobachtung so schonend wie möglich beizubringen versuchte. Vielleicht zu schonend. Denn glauben konnte die Frau die achtbeinige Ungeheuerlichkeit erst, nachdem der Apotheker einen Spiegel geholt und sie sich selbst von der Existenz der blinden Passagiere überzeugt hatte. Schreiend rannte sie davon. Die Spinnen in ihrem Haar nahm sie mit, ihre Handtasche ließ sie in der Panik zurück.

Wie sich später herausstellte, war Spider-Woman direkt in die Praxis ihres Hautarztes geeilt, der die Arachniden nun ebenfalls sah und den ominösen Ausschlag als Bisse identifizierte. Entstanden wahrscheinlich des Nächtens, während die Patientin schlief und die Spinnen auf Erkundungstour über ihr Gesicht krabbelten …

Doch wie in aller Welt konnten sich die Gliederfüßer einnisten bei der Frau, deren Erscheinungsbild durchaus gepflegt war? Im Bemühen, ihrem Haar etwas Gutes zu tun und es auf natürliche Weise regenerieren zu lassen, hatte sie es längere Zeit nicht gewaschen. Quasi eine Schutzzone für die Spinnen, die wahrscheinlich während einer Waldwanderung auf ihrem Kopf gelandet waren und sich im flauschigen Haupthaar ungestört vermehren konnten.

Einmal Ejakulat-Creme zum Mitnehmen, bitte

Ein bisschen ist es so wie Stille Post, was eine Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) Tag für Tag bei ihrer Arbeit in einer Apotheke erleben kann. Denn was tatsächlich auf den Pillenverpackungen steht und in der Werbung angepriesen wird, hat oft nur wenig mit dem gemein, was die Kunden und Kundinnen vor Ort verlangen.

Auch einer im Umgang mit allerlei Chemikalien geschulten PTA kann kurz mal komisch werden, wenn ein Kunde frisch von der Leber weg »Atom-Aspirin« bestellt. In Wahrheit plant der oder die dann jedoch meist keinen nuklearen Erstschlag, sondern hat einfach nur Kopfschmerzen. Und gegen die hilft neben dem schnöden Aspirin eben auch Thomapyrin – kapiert?

Noch so ein Satz, der Pillenverchecker stutzig macht: »Ich hätte gerne ein paar Implantate.« Quasi ungebremst wandert der Blick dann zur oberen Körpermitte und kann eine eigene Einschätzung der Sachlage evozieren, aber wirklich gedient wäre der Kundin damit nicht. Denn unabhängig davon, wie man selbst zu plastischer Chirurgie steht – bei Halsschmerzen ist sie, im Gegensatz zu Halspastillen wie Ipalat, auf keinen Fall angeraten.

Nicht nur für Hobby-Handwerker einigermaßen überraschend wird in der Apotheke zuweilen gerne »Laminat« verlegt, äh, verlangt. Und auch hier wünschen sich die Kunden selten einen neuen Bodenbelag für ihre Butze, sondern wollen ein durchaus nerviges Zipperlein loswerden: Pilzinfektionen, zum Beispiel am Fuß, die sich unter anderem mit Lamisil behandeln lassen.

Dass der Name ihres Produkts irgendwie suboptimal gewählt wurde, scheint den Herstellern eines Saftes, der gegen Bronchitis helfen soll, durchaus bekannt. »Unaussprechlich, aber ausgesprochen gut« lautet deshalb der Claim zum pflanzlichen und rezeptfreien Gebräu, das in der Apotheke gerne als »Umbalumba« geordert wird. Was klingt wie die Bestellung des achten Lumumba von Malle-Michi, drückt in Wahrheit das Begehr nach Umckaloabo aus.

Als Apotheken-Fachkraft kritisch hinterfragen sollte man ebenfalls die Bestellung einer »Ejakulat-Fettcreme«. Hilfreich bei trockener Haut und Neurodermitis soll die sein und ist in Wahrheit eine Elacutan-Creme. Der enthaltene Wirkstoff ist übrigens Harnstoff und so erschließt sich immerhin, welch gedankliche Verbindung für die Verwechslung sorgt.

Und dann gibt es da noch einen Online-Dienst der immer dann Rettung verspricht, wenn zwei Leute miteinander kommunizieren, die unpraktischerweise nicht dieselbe Sprache sprechen. So erschien eines Tages eine Kundin in einer Cottbusser Apotheke, die offenbar beim Joggen gewesen war. Sie zeigte auf ihren unteren Rücken und sagte »Aua«, weshalb die PTA auf einen schmerzhaften Muskelkater oder eine Zerrung tippte. Sie zog also ein Präparat mit entzündungshemmendem und schmerzlinderndem Wirkstoff aus einer Schublade hervor und wollte es der Kundin eben geben, als diese ihren Google-Übersetzer bemühte. Zum Glück, wie sich herausstellte, denn tatsächlich erschien folgende, in ihrer Drastik durchaus überraschende Frage auf dem Display: »Kann ich mir das in mein Arschloch stecken?« Was die Dame in Wahrheit benötigte, war übrigens eine Salbe gegen Hämorrhoiden.

Auch nicht vornehmer drückte sich ein älterer Herr aus, der zwar grundsätzlich derselben Sprache wie die PTA mächtig war, sich aber trotzdem missverständlich ausdrückte. Er brauche etwas gegen »ultimativen Durchfall«, sagte er und bekam eine ganze Reihe geeigneter Medikamente vorgeschlagen. Zweifelnd, dass sein Problem richtig verstanden worden war, fragte er noch einmal nach, ob denn klar geworden sei, was er wolle? Er suche etwas gegen starken Durchfall, antwortete die Pharmazeutisch-technische Assistentin etwas perplex und wurde dann noch mehr überrascht. »Nein!«, entfuhr es dem Mann. »Ich habe Verstopfung und möchte bitte wieder richtig kacken können.« Und wieder wäre ein Besuch in der Apotheke beinahe nach hinten losgegangen …

Aufwachraum

Wo Wettschwimmer, Weltall und Wahnsinn verwundern

Nach der Operation ist vor der Blamage im Aufwachraum … Wer zu Hause im Schlaf spricht, schnarcht, mit den Zähnen knirscht, sich intensiv im Bett bewegt, stark zittert oder gar schlafwandelt, geht nur seinem Partner oder seiner Partnerin auf die Nerven. Im Krankenhaus kann die Darbietung beim Schlummern schnell zum Stationstalk werden – etwa wenn die peinliche Quasselei mit geschlossenen Augen so manches intime Detail offenlegt.

Es passiert nicht selten, dass Patienten nach einer Operation verwirrt und verstört aufwachen oder sogar halluzinieren. Die vorübergehende Bewusstseinsstörung ist das sogenannte delirante Syndrom, kurz Delir. Diese ernst zu nehmende Verwirrtheit muss vom medizinischen Fachpersonal überwacht werden. Meist hält der Zustand der kognitiven Störung nur ein paar Minuten nach dem Aufwachen aus der Narkose an. Es gibt jedoch Menschen, die deutlich länger delirieren – Stunden und selbst Tage. Mitunter gibt es aus den Halluzinationen sogar kein Zurück mehr! Die richtige Narkosedosis kann helfen, diesen Albtraum zu vermeiden. So haben Mitarbeitende der Anästhesie eine verantwortungsvolle Aufgabe, wenn sie den Zustand ohne Bewusstsein künstlich für die Operation herbeiführen (gerne zurückblättern und nun mit noch mehr Hochachtung das Kapitel zur Anästhesie durchlesen).