Nova Scotia – Kanada - Wolfgang Opel - E-Book

Nova Scotia – Kanada E-Book

Wolfgang Opel

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Beschreibung

Nova Scotia ist die vielleicht europäischste Provinz Kanadas und in den Sommermonaten von Deutschland aus gut zu erreichen. Berühmt sind die vielen Seen, ausgedehnten Wälder und langen oft menschenleeren Strände am Atlantik. Kleine Fischerdörfer erinnern an Ost- und Nordsee in vergangenen Zeiten. Viele Touristen konzentrieren sich auf Halifax, Lunenburg, Peggy‘s Cove oder die Cape Breton Highlands, was den Nachteil hat, dass diese Ziele oft überlaufen sind. Dieses Buch wurde für Reisende geschrieben, die mehr sehen wollen und vor allem über genug Reisezeit verfügen, um die Schönheiten Nova Scotias richtig genießen zu können. Basierend auf 20 Jahren Nova Scotia-Erfahrung wurden für dieses Buch 50 wunderschöne und einzigartige Ziele ausgesucht, die familienfreundlich und meist einfach zu erreichen sind. Sie liegen abseits der „ausgetretenen Pfade“, aber manchmal auch in unmittelbarer Nähe der sogenannten Hauptattraktionen. Die Besonderheiten dieser 50 Orte werden auf die eine oder andere Weise nachhaltig in Erinnerung bleiben und so die Sehnsucht auf einen erneuten Besuch von Nova Scotia wach halten. 2., aktualisierte Auflage

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Seitenzahl: 162

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Wolfgang Opel

KANADA

NOVA SCOTIA

IMPRESSUM

Kanada – Nova Scotia

50 Tipps abseits der ausgetretenen Pfade

Wolfgang Opel

© 2. Auflage 2023 360° medien

Nachtigallenweg 1 I 40822 Mettmann

360grad-medien.de

Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Der Inhalt des Werkes wurde sorgfältig recherchiert, ist jedoch teilweise der Subjektivität unterworfen und bleibt ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

Redaktion und Lektorat: Christine Walter

Satz und Layout: Marc Alberti

Gedruckt und gebunden:

LD Medienhaus GmbH & Co. KG I Van-Delden-Str. 6-8 I 48683 Ahaus

www.ld-medienhaus.de

Bildnachweis: siehe Seite 232

ISBN: 978-3-96855-442-6

Hergestellt in Deutschland

360grad-medien.de

Wolfgang Opel

KANADA

NOVA SCOTIA

Vorwort

Nova Scotia: Kanadas Tummelplatz am Meer

Nicht immer ist ein Werbespruch der Tourismusindustrie so zutreffend wie der für Nova Scotia. Seit Jahrzehnten steht er auf jedem Auto-Nummernschild: Canada’s Ocean Playground – und das nicht ohne Grund, denn kein Ort ist in Nova Scotia weiter als 70 Kilometer vom Meer entfernt!

Der Atlantik ist hier allgegenwärtig. Man sieht ihn, man hört ihn und man riecht ihn, sobald man sich ihm nähert. Selbst etwas weiter im Inland kann man aufgebockte Fischerboote sehen, die auf ihren Einsatz warten. Briefkästen in Form eines Wals recken ihre Mäuler dem Postboten entgegen und ausgediente Lobsterkäfige zieren Terrassen und Vorgärten. Und trotzdem gibt es im Inland tiefe Wälder mit hunderten kleineren und größeren Seen und im Nordosten sogar höhere Berge. Seit Jahrtausenden wird die Halbinsel im Osten Kanadas von den Mi’kmaq bewohnt, die früher ihre Wohnplätze je nach Jahreszeit zwischen den Stränden und Buchten am Meer und den Seen in den geschützten Wäldern wechselten und dabei die Flüsse und Seen als Wasserstraßen benutzten, so wie wir heute die Highways und Straßen.

Vor über 400 Jahren kamen die ersten Europäer nach Nova Scotia und veränderten das Land entscheidend, allerdings nicht immer zum Besseren. Heute ist Nova Scotia die vielleicht europäischste Provinz Kanadas, was eine der Ursachen für die Zunahme des Tourismus auch aus den deutschsprachigen Ländern sein mag. Lange, breite Strände und kleine Fischerdörfer erinnern besonders im Osten und Süden Nova Scotias an Ost- und Nordsee-Landschaften. Der Westen der Provinz zieht mit den welthöchsten Gezeiten die Besucher an.

Die Touristenwerbung konzentriert sich oft auf die sogenannten Highlights wie die Waterfront von Halifax, Peggy's Cove, Lunenburg und den Cape Breton National Park – dabei bietet Nova Scotia viele weitere schöne und attraktive Ziele, die sich zu entdecken lohnen. Auch nach 20 Jahren und teilweise wochenlangen Reisen in Kanada, besonders in Nova Scotia und den anderen maritimen Provinzen, entdecke ich immer wieder neue und für mich unbekannte und unerwartete „Schätze“. Einige davon stelle ich hier vor. Die meisten liegen „abseits der ausgetretenen Pfade“, andere gleich neben den Hauptzielen der meisten Touristen.

Diese 50 Ziele ergeben eine mögliche Reise in Uhrzeigerrichtung um Nova Scotia mit dem Start- und Zielpunkt Halifax. Letztendlich kann sich natürlich jeder Leser seine Route gemäß den eigenen Interessen und zeitlichen Plänen zusammenstellen. Im Bereich der Bay of Fundy und des Minas Basin mit ihren gewaltigen Gezeitenunterschieden sollte bei der Planung unbedingt eine Gezeitentabelle konsultiert werden, um die besten und nachhaltigsten Erlebnisse und Erinnerungen mit nach Hause nehmen zu können. Die Gezeitentabellen sind in den Touristeninformationen oder im Internet, hier am Beispiel für Halifax, zu finden: tides.gc.ca/eng/station?sid=490 bzw. über die interaktive Karte auf tides.gc.ca/en/stations, in die man zum jeweiligen Ziel hineinzoomt und über „View Station Data“ die Daten für die Planung abruft.

Die angegebenen Öffnungszeiten und Gebühren entsprechen dem Stand vom Mai 2023, mögliche Änderungen kann man dem Internet entnehmen.

In dieses Büchlein sind auch Tipps und Anregungen von Freunden und Bekannten eingeflossen. Stellvertretend sei hier Emanuel, Kerol, Beth, Herb und Annette gedankt. Gewidmet ist es mit herzlichem Dank meiner Begleiterin auf allen unseren Reisen um die Welt und besonders nach Nova Scotia!

Ich wünsche allen Interessierten viel Spaß, tolle Erlebnisse und neue Erkenntnisse bei der Reisevor- und -nachbereitung, und besonders natürlich abseits der ausgetretenen Pfade!

Wolfgang Opel

INHALTSVERZEICHNIS

GROßRAUM HALIFAX

  1.Sir Sandford Fleming Park: Naturparadies in der Großstadt

  2.Halifax: auf deutschen Spuren

  3.Crystal Crescent Beach Provincial Park

  4.Entdeckungen am Bedford Basin: Fort Sackville, Scott Manor House und Admiral Cove Park

  5.Uniacke Estate: Herrenhaus mit Schlosspark

  6.Auf dem High Head Trail bei Prospect

  7.Polly Cove: leicht zu erreichen, aber nahezu unbekannt

  8.Wanderung auf Micou’s Island

SOUTH SHORE EAST

  9.Mit der Fähre nach Big Tancook Island

10.Blue Rocks und Stonehurst

11.Der Goldrausch in Nova Scotia

12.Umrundung von Gaff Point bei Kingsburg

13.Petite Rivière: kleiner Fluss und sehenswerter Ort

14.Entlang der Küste von Green Bay nach Broad Cove

15.Vergebliche Suche nach einer Mauer

SOUTH SHORE WEST

16.Versteckte Strände bei Port Mouton

17.Die Magie des Waldes erleben: „Hemlocks and Hardwood“

18.In Stein geritzt: Begegnung mit der Kultur der Mi'kmaq

19.Sandy Bay: am Strand fast allein

20.Unbekannte Geschichte: schwarze Loyalisten in Birchtown und Shelburne

21.Barrington: ein geschichtsträchtiger Abstecher

22.Cape Forchu Lighthouse

ACADIAN UND FUNDY SHORE

23.Die kleinste Zugbrücke der Welt und der Sandstrand von Port Maitland

24.Rote Felsen an der St. Marys Bay

25.Küstenwanderung zwischen Leuchttürmen

26.Bear River: versteckt im Tal und voller Überraschungen

27.Hinter North Mountain: Hall‘s Harbour und Huntington Point

28.Cape Split: spektakulärer Abschluss von North Mountain

MINAS BASIN

29.Cape Blomidon: der Wohnsitz von Kluskap

30.Blue Beach: Strand, Fossilien und Museum

31.Avondale Peninsula: ein Umweg mit Ein- und Ausblicken

32.Nicht links liegenlassen: Johnson Cove und Waltons Leuchtturm

33.Gezeiten und Geheimnisse um Burntcoat Head

34.Besuch bei Kluskaps Großmutter: Partridge Island................

35.Der Leuchtturm von Cape d’Or

36.Cape Chignecto: eine Annäherung

NORTHUMBERLAND SHORE

37.Das Millbrook Cultural & Heritage Centre: Kultur und Geschichte der Mi’kmaq

38.Amherst Point Migration Bird Sanctuary

39.Sugar Moon Maple Farm: Ahornsirup passt (fast) immer!

40.Pictou: sehenswerte Kleinstadt an der warmen Northumberland Shore

41.Chez Deslauriers/Acadian Trails und die Dünenlandschaft bei Pomquet

CAPE BRETON

42.West Mabou: Wandern an der „schottischen“ Küste von Cape Breton

43.Aspy Bay mit Cabots Landing und Sugar Loaf Mountain

44.Membertou Heritage Park: lebendige Geschichte und heutige Kultur der Mi'kmaq

45.Ganz im Osten: der Louisbourg Lighthouse Trail

46.Point Michaud Beach Provincial Park

EASTERN SHORE

47.Barry Colpitts: Folk Art von der Eastern Shore

48.Memory Lane: ein Ausflug in die jüngere Vergangenheit

49.Martinique Beach: nicht nur dem Namen nach ein ungewöhnlicher Strand

50.Gute Aussichten für Wildtiere: „Hope for Wildlife“

BILDNACHWEIS

Cape Breton

GROSSRAUM HALIFAX

Am Northwest Arm von Halifax

GROSSRAUM HALIFAX

1.Sir Sandford Fleming Park: Naturparadies in der Großstadt

2.Halifax: auf deutschen Spuren

3.Crystal Crescent Beach Provincial Park

4.Entdeckungen am Bedford Basin: Fort Sackville, Scott Manor House und Admiral Cove Park

5.Uniacke Estate: Herrenhaus mit Schlosspark

6.Auf dem High Head Trail bei Prospect

7.Polly Cove: leicht zu erreichen, aber nahezuunbekannt

8.Wanderung auf Micou’s Island

1.SIR SANDFORD FLEMING PARK: NATURPARADIESIN DER GROSSSTADT

Mitten in Halifax liegt der Sir Sandford Fleming Park – ein angenehmer Ruhepunkt für Groß und Klein. Der leicht zu besteigende Dingle Tower bietet schöne Blicke über die Stadt und den Northwest Arm.

Blick vom Dingle Tower über den Northwest Arm

Die vom Meer und Hafen geprägte Großstadt Halifax ist zwar an den Rändern durchgrünt und naturnah, aber im Zentrum gibt es nur noch wenige naturbelassene Flächen. Eine davon ist der 75 Hektar große Point Pleasant Park am südlichen Ende von Halifax Downtown, eine andere der am Northwest Arm gelegene Sir Sandford Fleming Park – weniger formell auch „Dingle Park“ genannt. Er war einst der Sommersitz des zu Wohlstand gekommenen Eisenbahningenieurs und UnternehmersSir Sandford Fleming, der ihn 1908 der Stadt Halifax vermachte. Sein Vermögen stammte unter anderem aus der Tätigkeit für den Bau der Canadian Pacific Railway, die eine entscheidende Bedeutung für die Bildung des einheitlichen Staates Kanada hatte. Fleming war auch der Begründer der weltweit standardisierten Zeitzonen. Sein Anwesen trug den Namen The Dingle, was mit „Waldschlucht“ übersetzt werden kann und den Park gut beschreibt. Das 38 Hektar große, am Wasser gelegene Gelände bietet dem stadtmüden Touristen erholsame Spaziergänge, zwei Badestrände an der Meeresbucht und einen Spielplatz für Kinder.

Im Zentrum des Parks steht der Dingle Tower, ein dominanter Gedenkturm, der den Park und den ganzen Northwest Arm der Bucht von Halifax überragt. Der zehnstöckige, aus Natursteinen gemauerte Turm ist von Frühjahr bis Herbst geöffnet und erlaubt von seiner durch Stahlgitter geschützten offenen Plattform reizvolle Ausblicke auf die Stadt, den Park und die in der Sonne glitzernde Wasserfläche, die bis zum Atlantik reicht, wo bei guter Sicht der Leuchtturm von McNabs Island zu sehen ist. Viele der sehr schön gelegenen und teilweise großzügigen Grundstücke entlang des Wasserarms verfügen über Steganlagen, sodass man oft Segel- und Motorboote beobachten kann. Beim Besteigen des Turms – über teilweise sehr breite und bequeme Stahlgittertreppen – kommt man an vielen Gedenktafeln vorbei, die sowohl an die Entdeckungsgeschichte Kanadas durch die Europäer wie auch an die Finanziers des Turms, kanadische Provinzen, Universitäten und andere erinnern. Besonders interessant sind die Tafel zum Gedenken an John Cabot, den Italiener in britischen Diensten, der bereits 1497 Nordamerika erreicht hatte, sowie ein Stein aus dem Tor des Geburtshauses des französischen Entdeckers und Geografen Samuel de Champlain, der 1604 erstmalig die Küste Nova Scotias kartografierte. Die Eingangstür des Turms wird von zwei stattlichen bronzenen Löwen bewacht, die denen an der Nelson-Säule am Londoner Trafalgar Square gleichen.

Dingle Tower

Spielplatz neben dem Dingle Tower

Zwei Löwen bewachen den Eingang zum Turm

Entlang des Parkufers ziehen sich Wege, die von Spaziergängern, „Power-Walkern“ und Leuten, die ihre Hunde ausführen, eifrig genutzt werden. Ein etwas längerer Spaziergang von 1,3 Kilometern führt um einen Teich, den Frog Pond, der wie sein Name schon sagt, von Fröschen, aber auch von Fischen und Wasservögeln bewohnt wird, die man übrigens keinesfalls füttern sollte! Immer wieder laden Bänke zum Picknick oder einfach nur zum Beobachten der Tierwelt und der schönen Umgebung ein.

INFO

Lage: Der Park ist unweit von Halifax Downtown auf der Südseite der Northwest Arm genannten Meeresbucht.

Anfahrt: Mit dem Auto fährt man zur Straße 253 (Purcells Cove Rd)und biegt dort in die Dingle Road. Der Park ist auch mit dem Bus der Linie 15 vom Mumford Terminal aus zu erreichen. Er hat mehrere Eingänge und Parkplätze, u.a. in unmittelbarer Nähe des Dingle Tower und des Spielplatzes.

Hinweis: In den Sommermonaten ist der Park bewirtschaftet, es gibt Toiletten.

2.HALIFAX: AUF DEUTSCHEN SPUREN

Dass Lunenburg deutsche Ursprünge hat, ist bekannt. Doch wieverhält es sich mit Halifax? Ein Rundgang mit einem Ausflug in die Geschichte der Stadt bringt Erstaunliches zu Tage.

Halifax macht weitgehend den Eindruck einer britisch-amerikanischen Großstadt. Beim Blick auf den Stadtplan sieht der aufmerksame Beobachter jedoch auch deutsch klingende Straßennamen wie Gottingen Street, Brunswick Street oder Dresden Row, alle in Downtown unweit der Zitadelle. Eigentlich ist das kein Wunder, denn schon bald nach der Gründung 1749 kamen die ersten Aussiedler aus dem deutschen Sprachraum hier an. Im Auftrag des in Herrenhausen bei Hannover geborenen britischen Königs George II., gleichzeitig Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg, waren Auswanderungswillige für Britisch-Amerika geworben worden, indem man ihnen ausreichend Land und Starthilfe versprach. Beim Registrieren dieser Einwanderer wurden Namen und Herkunftsorte gemäß dem sprachlichen Vermögen der Beamten anglisiert – und so wurde aus Krause Crouse, aus Weihnacht Whynot, Rehfuss wandelte sich in Rafuse, aus Braunschweig wurde Brunswick und aus „deutsch“ wurde „dutch“, was bis heute immer wieder für Verwirrung sorgt.

St. Pauls Church – das älteste Gebäude der Stadt

Little Dutch Church mit Friedhof

Historische Darstellung von 1868

Es empfiehlt sich, den Rundgang unterhalb der Zitadelle am ältesten Gebäude der Stadt, der St. Pauls Church, zu beginnen. Diese diente auch den ersten deutschen Immigranten als Kirche, bis sie 1755 ihr erstes eigenes Gotteshaus erhielten, die „Little Dutch(!) Church“, die heute das zweitälteste Gebäude von Halifax ist. Man findet sie weiter nordwestlich, in der Brunswick Street Nr. 2393. Mitbegründer war der deutschstämmige Otho Wilhelm Schwartz, der wirtschaftlich und politisch erfolgreichste Deutsche seiner Zeit in Nova Scotia. Er soll unter der Kirche bestattet sein. Die Windfahne auf dem Turm zeigt übrigens noch immer ein „O“ für Ost anstatt ein „E“ für East. Auf dem Friedhof stehen Grabsteine mit deutschen Namen wie Johann Albrecht Leizer, Thomas Bauer, James William Merkel, George Merlin oder Matthias Holland. Die Merkels betrieben eine Landwirtschaft in der damals so benannten German Town, im heutigen Stadtteil North End. Daran erinnert noch die Merkel Street. Im North End gibt es heute kaum noch Häuser aus dem 18. oder frühem 19. Jahrhundert, da dieses Stadtviertel bei der Halifax-Explosion im Jahr 1917 fast vollständig zerstört wurde. In ein anderes Viertel, das erst Dutch Village und dann Westerwald hieß, führt die Bayers Road, benannt nach dem Einwanderer Georg Bayer, der in der Gegend einen Bauernhof hatte. Auch hier lebten deutsche Einwanderer, doch erinnert heute nur noch ein Straßenname daran: Westerwald Street. Kein Grund, sich deshalb auf den weiten Weg dorthin zu machen.

Grabstein für Johann Albrecht Leizer

Eine weitere Gruppe Deutscher kam als sogenannte Hessische Söldner nach Halifax, um auf Seiten der Briten im Krieg gegen die abtrünnigen Vereinigten Staaten zu kämpfen. Zu ihrem Glück kamen sie wegen Friedensverhandlungen nicht mehr zum Einsatz. Einige der deutschen Söldner desertierten, andere schieden offiziell aus dem Dienst und erhielten sogar Land in der Nähe von Halifax zugeteilt. Der Befehlshaber dieser Truppen, Baron Oberst Franz Carl Erdmann von Seitz, starb 1782 in Halifax und ist in der St. Pauls Church bestattet.

Folgt man der Brunswick Street nach Süden, kommt man nach Schmidtville, einem kleinen Stadtviertel, das auf den deutschen Einwanderer Christian Schmidt verweist. Schmidt und seine Frau parzellierten 1830 das durch seine Frau geerbte Land, und sie verkauften es an Interessenten. So entstand mit Schmidtville ein zentrumsnahes Wohnviertel südlich der Spring Garden Road, in dem noch heute viele schöne Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert stehen. Zwei Straßen benannte Schmidt nach der Herkunft seiner Vorfahren: Dresden Row und Rottenburg (heute Clyde) Street. Birmingham Street ist nach dem Geburtsort von Schmidts Frau Elisabeth benannt. Das Haus der Schmidts an der Ecke von Dresden Row und Clyde Street wurde leider 1980 zerstört. Einige noch bestehende Straßenzüge von Schmidtville sollen unter Denkmalschutz gestellt werden – ob das gelingt, bleibt abzuwarten.

... und es gibt sogar eine Berlin Street!

Die Dresden Row ist übrigens für ihre Restaurants mit internationaler Küche bekannt – aber eines mit deutscher Küche fehlt noch in Halifax. Schade, ein Essen dort wäre ein passender Abschluss des Spaziergangs durch die deutsch geprägte Geschichte von Halifax!

INFO

Lage: im Zentrum von Halifax; empfohlener Start: Barrington Street, Ecke Prince Street

Anfahrt: Der Spaziergang zwischen Little Dutch Church und Schmidtville dauert 1-2 Stunden. Detaillierte Informationen erhält man in den Nova Scotia Archives, 6016 University Avenue.

Unterkunft: Prince George Hotel, 1725 Market Street, www.princegeorgehotel.com; zahlreiche weitere Hotels und Motels.

3.CRYSTAL CRESCENT BEACH PROVINCIAL PARK

Nahe Halifax, aber doch ruhig gelegen, ist der Crystal Crescent Beach ein lohnendes Ziel für alle, die nach ein oder zwei Tagen Sightseeing Lust auf Sonnenbaden und Wandern haben.

Der Crystal Crescent Beach Provincial Park liegt südlich von Halifax in Sambro Creek auf einer schmalen Halbinsel, die weit in den Atlantik ragt. Der Park hat drei sichelförmige Strände aus hellem Sand, von denen zwei mit bequemen Holzwegen verbunden sind. Die Parkmöglichkeiten sind großzügig, sodass es trotz der Nähe zur Hauptstadt selbst an Wochenenden im Hochsommer noch genügend Platz gibt, sogar für Camper. Allerdings ist die Übernachtung in dem nur mit einfachen Toiletten ausgestatteten Park nicht gestattet.

Mehrere Wanderwege sind in der Nähe der Strände sehr gut ausgebaut; etwas weiter entfernt gehen sie in Pfade über, die aber infolge der häufigen Nutzung und mit ihren blauen Farbmarkierungen meistens deutlich zu erkennen sind. Der längste der Wege führt entlang der Küste bis zur Spitze der Halbinsel zum Pennant Point und ist als Rundweg ungefähr 11 Kilometer lang. Stellenweise führt der Weg über große, helle Granitfelsen, die weite Blicke über den Ozean und auf die der Küste vorgelagerten Inseln bieten. Bei guter Sicht ist sogar der berühmte Leuchtturm von Sambro Island zu sehen, der seit 1758 arbeitet und als der älteste noch in Betrieb befindliche Leuchtturm von Nordamerika gilt.

Strände mit hellem Sand

Nicht immer sind die Wanderwege einfach zu laufen, es gibt auch schwierigere Abschnitte, sodass besonders bei feuchtem und stürmischem Wetter festes Schuhwerk und geeignete Oberbekleidung notwendig sind. Für sportliche Wanderer sind gerade die etwas anspruchsvolleren Partien über die Felsen mit ein wenig Kletterspaß verbunden. Dem durch das Innere der Halbinsel führenden Weg ist schwieriger zu folgen, da er seltener begangen und etwas unübersichtlicher ist.

Während der Wanderungen kann man je nach Jahreszeit verschiedene Vogelarten beobachten und mit Glück auch Stachelschweinen und Hirschen begegnen. Es fällt nicht schwer, sich einen ganzen Tag in diesem abwechslungsreichen Provincial Park aufzuhalten. Man sollte aber daran denken, Speisen und Getränke für ein Picknick mitzuführen, und vor allem auf sich schnell änderndes Wetter vorbereitet sein. Wegen der exponierten Lage der Halbinsel, umgeben vom Ozean mit seinem relativ kalten Wasser, muss man auch an Schönwettertagen mit plötzlich aufziehendem Nebel und den dann rasch absinkenden Temperaturen rechnen.

INFO

Lage: Der Crystal Crescent Beach Provincial Park liegt knapp 30 km bzw. 40 min Fahrtzeit südlich von Halifax.

Anfahrt: Straße Nr. 306 und/oder Nr. 349, kurz nach Sambro (in Richtung West Pennant) nach Süden der Ausschilderung zum Park folgen.

Hinweis: Der Park ist nicht bewirtschaftet, verfügt aber über Toiletten. Selbst an heißen Sommertagen muss man sich auf schnell wechselndes Wetter einstellen.

Unterkunft: Sal's B&B, 241 Village Rd, Herring Cove, www.salsbythesea.com; zahlreiche weitere Hotels, Motels und B&Bs in Halifax und Umgebung.

4.ENTDECKUNGENAM BEDFORD BASIN: FORT SACKVILLE, SCOTT MANOR HOUSE UND ADMIRAL COVE PARK

Fort Sackville, Grenzmarkierungb

Abseits des Trubels von Halifax Downtown kann man am Ende des Bedford Basin, des inneren Hafenbeckens, einen ganz anderen Blick auf die Hauptstadt Nova Scotias gewinnen.

Halifax hat einen der größten Naturhäfen der Welt, was entscheidend für die Standortwahl war. Nach ihrer Gründung 1749 wurde die Stadt an strategisch wichtigen Stellen durch militärische Forts gesichert. Eines davon war Fort Sackville an der Mündung des Sackville River in das Bedford Basin, wo man feindliche Angriffe der Mi’kmaq und von akadischen (französischen) Verbänden erwartete. Von diesem Fort sind nur noch wenige, vom Gras fast verdeckte Steine zu sehen. Anhand der Informationstafeln und beim Blick über das Bedford Basin kann man jedoch einen Eindruck von der strategischen Bedeutung dieses Ortes gewinnen.

Gleich neben dem ehemaligen Fort steht das Scott Manor House, eines der ältesten Gebäude von Halifax, das heute ein Museum ist. Der erste Eigner, Joseph Scott, war gleichzeitig Kommandant des Forts. Das Haus ist zu großen Teilen in seinem Ursprungszustand und zeigt eine für das 18. Jahrhundert in England typische Bauweise mit einem Mansardengiebeldach, die es auch in Nova Scotia häufig gegeben hat. Der Vorteil gegenüber einem Satteldach liegt in dem deutlich vergrößerten Dachraum, wovon man sich bei einem Besuch im Museum überzeugen kann. Neben historischen Möbeln und Haushaltsgegenständen sind besonders zwei Gemälde interessant, die das ehemalige Fort Sackville im 18. Jahrhundert zeigen. Bemerkenswert sind die beiden im Keller zu sehenden, aus lose aufeinandergeschichteten Feldsteinen gegründeten Schornsteine.

Heute ein Museum – Scott Manor House