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Hier können Sie erfahren, wie man sich auf einen Langstreckenlauf unter allen möglichen Witterungsbedingungen vorbereitet. Über den Lauf in der Ebene, bergauf und bergab, mit oder ohne Brille sind meine Erfahrungen enthalten. Auch über gesunde Lebensweise und Ernährung, über die ausreichende Vitaminzufuhr findet der Leser Anregungen. Die Bedeutung von Gymnastik und besonders die Anleitungen für Dehnungsübungen sind für jeden Aktiven wichtig. Das Verhalten bei Verletzungen wird ebenfalls dargestellt. Für den Gesunden gibt es keine obere Altersgrenze zur Durchführungen von Langstreckenläufen. Der Einsteiger in diesen schönen Laufsport findet eine Fülle von Anregungen, wie er seine Läufe gestalten kann.
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Seitenzahl: 166
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Günter Stubenrauch
OB JUNG ODER ALT, LAUF SOLANGE DU KANNST
- Erfahrungen eines gestandenen Läufers -
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Inhaltsverzeichnis
Titel
1. Vorwort
2. Meine Jogger-Periode
3. Erste Erfahrungen
4. Der leistungsorientierte Läufer
5. Lauf in der Gemeinschaft
6. Die Lebensgestaltung des Läufers
7 . Mein individuelles Trainingsprogramm
8. Verletzungen
Kapitel 9
Impressum neobooks
Wechseljahre, so sagt es das Wort, vollziehen im bestimmten Alter einen Wechsel in der biologischen Verfassung des Menschen. Diesen Wechsel sinnvoll, für Geist und Gesundheit förderlich, zu vollziehen, sollte sich jede Frau, jeder Mann vornehmen. Ja, auch Männer durchleben Wechseljahre. Dieses Buch wendet sich vornehmlich an die älteren Frauen und Männer, die sich diesem Wechsel nicht passiv unterordnen wollen, sondern bestrebt sind, ihre geistigen und körperlichen Potenzen weitestgehend aufrecht zu erhalten, die in Aktivität und gesund alt werden wollen. In diesem Sinne kann „Jogging„ Heilmethode sein. Nun legen Sie aber dieses Buch nicht deshalb beiseite, weil Sie vielleicht denken, zu dieser genannten Altersgruppe gehöre ich noch nicht. Auch für Sie als jüngerem Menschen findet sich bestimmt so manches Wissenswerte auf den nächsten Seiten.
Dieses Buch soll Mut machen all denjenigen, die ihr Leben verändern wollen, ob sie schon älter sind oder noch jünger, es soll den Leser bekannt machen mit der ungewöhnlichen Welt des Laufens, und es soll denen Ratschläge geben, die sich im Lauf versuchen wollen. Dieses Buch wird dem Einsteiger zeigen, wie er gesünder leben kann, und das unabhängig davon, wie alt er ist oder wie „unsportlich„ bzw. „ungeschickt„ er sich einschätzt. Es soll aber auch denen behilflich sein, die sich das Laufen bereits zu Eigen gemacht haben, und die vielleicht das Bedürfnis haben, ihre Lebensweise noch gesünder und ihr Training noch effektiver gestalten zu wollen. Es kann ihnen aber auch helfen, zu erkennen, wie sie schneller und ausdauernder laufen und wie sie ihr Wissen um das Laufen vervollkommnen können. Dieses Buch soll aber keineswegs denjenigen abschrecken, der sich neben dem eigentlichen Lauf keinen umfassenden Dehnungs- und Kräftigungsübungen aussetzen will. Seinen Zeitaufwand zum Joggen und Laufen, zur Vor- und Nachbereitung soll jeder selbst bestimmen.
In diesem Buch sind meine Erfahrungen aus einer über 35-jährigen Zeit als Freizeitläufer enthalten. Diese Erfahrungen beruhen insbesondere auf der Vorbereitung und Teilnahme an 31 Rennsteigläufen, darunter 24 Rennsteigmarathons. Auch 3 Teilnahmen an Berlin-Marathons stehen zu Buche. Desweiteren schöpfte ich meine Erfahrungen unter anderem aus 9 Harzgebirgsläufen und diversen weiteren Laufveranstaltungen. Ohne in Eigenlob zu verfallen, sei hier mitgeteilt, dass ich meinen letzten Halbmarathonlauf auf dem Rennsteig im Jahre 2011bestritt, im damaligen Alter von 83Lebensjahren. Seitdem nehme ich nicht mehr an Wettkämpfen teil, laufe auch nur noch recht wenig, bin aber nach wie vor aktiv unterwegs auf Nordic-Walking-Touren.
In diesem Buch sind also Anregungen zu finden sowohl für den Einsteiger, wie er einige in diesem Buch enthaltene Hinweise beachten könnte, als auch für den schon Fortgeschrittenen, um zu vergleichen, wie es andere machen. Jeder der es will, kann sich selbst vornehmen, dieses oder jenes zu versuchen, oder auch, um sich zu prüfen, warum andere manches anders machen oder um sich auch bestätigt zu fühlen, weil sie die gleichen Erfahrungen wie andere gesammelt haben.
Schon hier empfehle ich all denen, die sich vornehmen zu laufen, damit nicht zu warten, bis sie dieses Buch gelesen haben. Beginnen Sie noch vor dem nächsten Umblättern mit dem Lauf und Sie werden Ihre Freude daran haben.
Im Mittelpunkt all dessen, was mit Laufen zu tun hat, steht immer, aktiv zu sein, sich zu bewegen, dann aber auch gleich, sich sinnvoll zu bewegen, und schließlich, seine Leistungen zu steigern, um sich im Wettkampf mit anderen zu messen. Der Sport im Allgemeinen und das Laufen im Besonderen soll vorrangig Mittel für Wohlbefinden, Gesundheit und Fitness sein. Der Leser möge sich bei der Lektüre dieses Buches immer daran erinnern, daß ich hier keine Rezepte oder allgemeingültigen Dogmen verbreiten will, sondern ausgehend von meinen eigenen Erfahrungen nur Anregungen vermitteln möchte. Speziell sei auch darauf hingewiesen, daß ich bei der Darlegung medizinischer Fragen immer von meinen laienhaften Vorstellungen, aber auch von meinen eigenen Erfahrungen, zum Teil auch von angelesenen Erkenntnissen ausgehe und keine medizinischen Ratschläge erteilen will. Jeder Mensch hat seine eigene Anatomie, seine eigene Psyche und seine eigenen physischen Fertigkeiten und Fähigkeiten, auf denen er, wenn er es will, selbst aufbauen kann, will er sich dem Laufen hingeben.
Es ist mir Bedürfnis, all denen zu danken, die mich zum begeisterten Läufer werden ließen. Es sind dies vornehmlich die Organisatoren und fleißigen Helfer des Rennsteiglaufes, die den Teilnehmern dieses Laufes Jahr für Jahr, und dies seit Jahrzehnten, zu einem starken Erlebnis verholfen haben. Sie sind es letztlich, die mir ständig die Anregungen dafür gaben, mich immer wieder diesem unvergleichlichen und eindrucksvollen Ereignis Rennsteiglauf zu stellen. Das begann im Dezember mit der zielgerichteten Vorbereitung auf den nächsten Rennsteiglauf und endete im November mit der geistigen Verarbeitung meiner Lauferlebnisse des verflossenen Jahres.
Dank sei auch ausgesprochen an meine Frau, die nicht nur mit großem Verständnis meiner sportlichen Betätigung gegenüber steht, sondern die mich sogar aktiv unterstützt, die mir mit ihren Erfahrungen aus ihrer eigenen nunmehr 28-maligen Teilnahme am Rennsteiglauf bei der Bearbeitung dieser hier vorliegenden Lektüre kräftig zur Seite stand.
An dieser Stelle auch meinen Dank an Herrn Prof. Dr. Heinz David und Herrn Dr. Priewich, die meine Darlegungen zu sportmedizinischen Fragen kritisch begleiteten.
Vielen Dank richte ich auch an die Sportsfreunde meiner Laufgemeinschaft, den Köpenicker Rennsteigtigern, die mir mit ihren praktischen Lauferfahrungen so viele gute Ratschläge erteilten und auch so manchen Hinweis für die vorliegenden Zeilen gaben.
Bleibt mir an dieser Stelle noch, die Hoffnung und den Wunsch zu hegen, daß recht viele ältere und gesunde Menschen, ob Männlein oder Weiblein, den Mut fassen, während und spätestens nach dem Lesen den Hausschuh mit dem Laufschuh zu tauschen und in der Natur praktisch versuchen, sich durch Lauf gesund zu erhalten. Es würde mich auch freuen, wenn Einsteiger und Fortgeschrittene ab und zu das hier Geschriebene zur Hand nehmen, um Anregungen zu schöpfen für ihr Jogging oder für ihren leistungsorientierten Lauf.
Auf Wiedersehen beim Lauf in der Natur, warum nicht auch auf dem Rennsteig.
WIR LEBEN NICHT, UM ZU LAUFEN,
WIR LAUFEN, UM ZU LEBEN.
Zunächst war mein Leben bis ins fortgeschrittene Alter hinein nicht vom Sport geprägt. In der Schule war ich froh, wenn die Turnstunde vorüber war, im späteren Leben stand teilweise sogar eine gewisse Bequemlichkeit der körperlich-sportlichen Aktivität im Wege. Eine Ausnahme: Gern bin ich von Kindheit an geschwommen, aber halt nur so viel, wie es mir nichts weiter als Spaß machte. Heute weiß ich nicht mehr zu begründen, warum ich keinen Sport trieb. Es kann sein, daß mich meine wahrlich nicht herausragenden Leistungen und Fähigkeiten beim Schulsport davon abhielten, sportlich aktiv tätig zu werden. Auch der Versuch meines Vaters, in mir Anregungen zum Geräteturnen zu wecken - er war selbst bis ins reifere Alter hinein ein nach meinen Erinnerungen guter Geräteturner - schlugen völlig fehl. Bereits nach dem Besuch der ersten von ihm veranlaßten Turnstunde war ich unwillig, weiter zu turnen. Es wird auch so gewesen sein, daß meine Interessenlage in den jungen Jahren nicht auf Sport gerichtet war, und daß auch niemand da war, der in mir sportliche Interessen weckte, etwa am Ballspiel oder an der Leichtathletik. Sicher spielte es auch eine Rolle, daß mein Zeitfonds auch ohne Sport ausgefüllt war.
Am Ende meiner 30iger Jahre war ich körperlich nicht in der besten Verfassung, Rauchen und ein gewisses Übergewicht, mangelnde Bewegung und zu wenig frische Luft, das waren die Negativfaktoren, mit denen ich mich auseinanderzusetzen hatte.
Dann jedoch, als ich die 40 schon weit überschritten hatte, ging in mir die Erleuchtung auf, daß eine sinnvolle sportliche Betätigung der eigenen Spannkraft und Energie dient. Wöchentlich eine Stunde Hallenvolkssport war zunächst die logische Folge, aber nicht das Gelbe vom Ei, wie man so schön sagt. Es fehlte die frische Luft, die ja neben der Bewegung der Gesundbrunnen für Körper und Geist ist.
2.1 Bevor ich Läufer wurde
In gewissem Sinne kam mir der Zufall zur Hilfe, durch den ich näheren Kontakt zum sportlichen Laufen erhielt. Als ich nämlich mit meiner Familie eine Wohnung nahe der Natur, fast im Grünen, bezog, wurde ich von meinem damaligen Nachbarn animiert (Danke, Albert), frühmorgens um fünf Uhr vor der Arbeit kleine Morgenläufe zu absolvieren. Bei diesen Läufen lag mein Tempo zunächst, da ich ja Einsteiger war, nur wenig über einem normalen Gehtempo. Mir fiel es auch schwer, bereits nach wenigen Kilometern meinem Partner zu folgen. Dies gelang mir erst nach mehreren Wochen. Durch regelmäßige Läufe, so fünf- bis sechsmal wöchentlich, konnte ich dann mein Tempo über eine längere Distanz von etwa fünf Kilometern Schritt für Schritt so stabilisieren, daß ich die ganze Strecke im gleichmäßigen, wenn auch langsamen, Tempo ohne Gehpausen laufen konnte. Die beste Kontrolle über die Geschwindigkeit war damals die Unterhaltung mit meinem Partner. Solange ich mit ihm während des Laufes sprechen konnte, war auch meine Geschwindigkeit nicht zu hoch. Auf diese Art und Weise wurde aus der zufälligen Bewegung regelmäßiges Laufen in einer Größenordnung von zunächst etwa einer halben bis zu einer dreiviertel Stunde mehrmals wöchentlich, dies aber noch immer im mäßigen Tempo. Zu dieser Zeit war ich fast 45 Jahre alt und in mir entwickelte sich fast unmerklich der Wille und das Bedürfnis, regelmäßig und weiter, eventuell auch schneller, zu laufen.
Damals stellte ich mir oft die auch heute noch unbeantwortete Frage, warum sich die Ärzte erst dann um die Gesundheit eines Menschen kümmern, wenn dieser bereits erkrankt ist, warum die Ärzte erst dem Kranken Pillen verschreiben, anstelle bereits vorbeugend dem gesunden Patienten Sport zu verordnen. Die Kassen und die Gesellschaft könnten doch viel Geld sparen, wenn sie in den Mittelpunkt ihrer Gesundheitspolitik den Sport stellen würden. Um Sport zu treiben, ist natürlich auch der Wille des noch Gesunden notwendig, das weiß ich wohl. Ich kann mir aber auch vorstellen, daß durch die Gesundheitspolitik die gesundheitssportliche Betätigung der Menschen mit den Mitteln belohnt werden kann, mit denen die Krankheiten bekämpft werden müssen, in gewissem Maße also Sportstätten statt Pillen. Nun aber zurück zu meiner sportlichen Entwicklung.
2.2 Als es begann
Erst mit knapp 50 Jahren entwickelte ich mich zu einem volkssportorientierten Langstreckenläufer, der zunächst ohne ausreichendes Training und ohne Erfahrungen 1979 den Mut fasste, am 45-Kilometer-Rennsteiglauf teilzunehmen. Eigentlich hatte ich damals nur im Auge, nichts weiter zu erreichen, als mich selbst zu bestätigen und meine Belastungsgrenzen kennenzulernen. Diese meine erste Teilnahme am Rennsteiglauf wurde mir auf Grund meiner unzureichenden physischen Vorbereitung auch gebührend quittiert, indem ich mich über die Distanz von 45 Kilometer in der langen Zeit von über sieben Stunden, genau in 7:08:00, hinweg quälte. Aber geschafft hatte ich es; glücklich über den erfolgreich absolvierten Lauf war ich auch. Reicher war ich aber auch um eine wichtige Erfahrung: Erst gründlich trainieren, den Körper auf hohe Belastungen einstellen, und sich erst danach an größere Aufgaben heranwagen.
Dies alles schreibe ich, um dem Leser und vorrangig dem Einsteiger und älteren Läufer erkennen zu geben, daß ich nicht durch das Lesen schlauer Bücher meine Leistungsfähigkeit erhöhen konnte, sondern nur durch beharrliches Training, und da hier vom Laufen die Rede ist, durch regelmäßiges Lauftraining, zunächst unabhängig von Dauer und Intensität. Auch für den, der sich nur das Sitzefleisch oder den Winterspeck vom Leibe und den Infarkt vom Herzen halten will, gilt: Beharrlichkeit ist das Geheimnis der erfolgreichen körperlichen Aktivität. Und besonders wichtig ist, Freude und Entspannung soll das Laufen bereiten. Wer durch die Natur trabt und die Vögel nicht zwitschern hört, die Sonne nicht scheinen sieht, der läuft nicht um zu leben, sondern setzt sich der Gefahr aus, zu leben, um zu laufen. Mein Bestreben ist es, mit diesen Ausführungen vorrangig ältere, aber auch bisher unsportliche Menschen anzusprechen. All denen, die sich gern sportlich betätigen wollen, aber meinen, dies körperlich nicht mehr zu schaffen, und denen, die über den Schatten des unsportlichen Lebens springen wollen, möchte ich mit diesem Buch einen Gegenbeweis zu ihrer bisherigen Meinung antreten. Allen, auch Jüngeren in dieser gleichen Situation rufe ich zu: Versuchen Sie es! Es gehört erst einmal nichts weiter dazu, als einfach loszulaufen, sich zu bremsen, wenn einem die Luft ausgeht, und sich keine Gedanken darüber zu machen, was die Nachbarn, Bekannten und Spaziergänger sagen, wenn Sie so völlig unbekümmert durch die Botanik traben.
Mit dem Laufen kann also jeder Gesunde zu jeder Jahreszeit beginnen. Natürlich ist der Lauf im Frühjahr und im Frühsommer angenehmer und motivierender als im heißen Hochsommer, im naßkalten November oder im eisigen tiefen Winter. Wer sich im Frühjahr oder Frühsommer zum Laufen entschließt, der sollte dann auch sofort beginnen. Aber auch derjenige, bei dem der Entschluß zum Laufen in einer unangenehmeren Jahreszeit (etwa als Neujahrsvorhaben) heranreift, sollte aktiv laufend auf bessere Zeiten hoffen. Jeder von denen, die sich zum Laufen entschlossen haben, sucht sich als erstes eine angenehme Laufstrecke, vielleicht durch den Wald oder durch freies Feld und Flur, möglichst aber ebene und nicht zu harte Wege.
Vermeiden Sie möglichst Kopfsteinpflaster und benzingeschwängerte Straßen. Laufen Sie auf Asphalt vorsichtig. Wählen Sie nach Möglichkeit eine Strecke, die auch etwas für das Auge und die Lunge bietet. Schwierig zu laufende Abschnitte können Sie später in Angriff nehmen. Nun laufen Sie los und finden Sie immer Freude am Lauf, sei es durch die Eindrücke aus der belebten und unbelebten Natur, sei es durch Ihren sauerstoffgeschwängerten Körper oder durch Ihr erreichtes Erfolgserlebnis.
Durchdenken Sie das oben zu meiner Person Gesagte. Dann kann in Ihnen die Erkenntnis erwachsen, sich einen Laufpartner zu suchen, der es Ihnen gleichtun will, mit dem Sie gemeinsam die Schönheiten der Natur und des Laufens genießen können, mit dem Sie sich auch unterhalten können. Das alles dient auch dazu, Verkrampfungen beim Lauf zu begegnen.
Wer den Zustand erreicht hat, daß er mit den sinngemäßen Worten des Bergsteigers und Abenteurers Reinhold Meßner sagt, „eigentlich bin ich zu alt zum Laufen, aber es ist zum Aufhören zu spät“, der hat den wichtigsten Schritt bereits getan, um das Laufen zum festen Bestandteil seiner gesunden Lebensweise zu machen.
In diesem Buch halte ich grundsätzlich den Begriff Jogging und leistungsmäßiges Training auseinander. Training ist immer darauf orientiert, daß der Läufer seine Trainingseinheiten zur Leistungssteigerung absolviert, ständig also bestrebt ist, im Wettkampf bestimmte Ergebnisse zu erreichen. Jogging ist aber in der Regel nichts weiter als ein gleichförmiger, ständig im gleichen Trab durchgeführter Lauf. Deshalb darf hier gesagt werden, der Jogger beachtet nicht die unterschiedlichsten Methoden, die im Training zur Leistungssteigerung führen wie z.B. Tempoläufe, Fahrtspiel, Laufen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, anaerobischer Lauf und ähnliches, sondern er läuft um seiner selbst willen, halt deshalb, um sich gesund zu erhalten.
Die Begriffe anaerobisch und aerobisch spielen im Läuferleben eine maßgebende Rolle, weshalb sie hier näher erklärt werden. Ich kann längere Zeit mit dem allein durch die Atmung zur Verfügung gestellten Sauerstoffvolumen laufen. Das ist aerobischer Lauf. Demgegenüber kann ich aber auch so schnell oder bergauf mit hoher Intensität laufen. In diesem Fall wird der Sauerstoffbedarf des Organismus größer sein als durch die Atmung zur Verfügung gestellt werden kann. In diesem Falle zehrt der Körper von seinem Sauerstoffhaushalt und der Lauf findet unter anaerobischen Bedingungen statt, das heißt, der Körper geht eine Sauerstoffschuld ein. Diesen anaerobischen Lauf kann man nur kurzzeitig durchstehen (zum Beispiel während einer Sprintphase oder zur Bewältigung eines kurzen Bergabschnitts). Der Langstreckenläufer wird demzufolge generell unter aerobischen Bedingungen, also ohne Sauerstoffschuld, laufen müssen. Anaerobische Abschnitte sind natürlich nicht generell zu vermeiden, müssen aber durch relative Ruhephasen während des weiteren Laufes ausgeglichen werden.
Viele Läufer geben sich, und das auch berechtigterweise, mit Jogging zufrieden. Sie sind bestrebt, ihrem Körper frische Luft durch Bewegung zuzuführen, sich durch körperliche Aktivität frisch und fit zu halten und immer Freude am Lauf zu haben. Sie sind zufrieden, wenn sie unabhängig von der Zeit ihren Lauf beendet haben, ob sie nun einen, fünf oder zehn Kilometer gelaufen sind. Damit sollen dem Jogging beileibe nicht seine Qualitäten abgesprochen werden, sondern es ging mir im Gegenteil darum, lediglich den Unterschied zwischen Jogging und leistungsorientiertem Training zu verdeutlichen. Auch ich habe in meinem Läuferleben mit dem Jogging begonnen, ehe ich überhaupt den Gedanken faßte, leistungsorientiert zu laufen, um auch an Laufveranstaltungen teilzunehmen. Ich wußte damals noch nichts vom Fluidum des Wettkampfs, der für mich nicht ein Lauf gegen den anderen ist, sondern ein Messen des eigenen Leistungsvermögens. Nicht Siegen wollen war das Ziel meiner Teilnahme an solchen Gemeinschaftsveranstaltungen. Teilnehmen in der Schar der Läufer im Kampf gegen den eigenen inneren Widerstand, beim Austesten des eigenen Leistungsvermögens, zur Feststellung seiner eigenen Grenzen, ohne den anderen Läufer als Gegner denn vielmehr als gleichgesinnten Partner zu sehen, das war das Wettkampferlebnis für mich, dem ich mich stellen wollte. Auch im Wettkampf verlor ich nie den Blick für die Schönheiten der Natur, auch nicht für die Freuden und Leiden des Partners neben mir.
Im Laufe der Jahre musste ich feststellen, daß im Jogging viel Routine steckt, daß Jogging einförmig ist, denn die gleiche Bewegung wird ständig wiederholt. Viele Jogger benutzen zu ihren Läufen ständig die gleiche Strecke, sie kennen jede Wurzel, jeden Stein, jeden Baumstamm, Ast und jedes Blatt auswendig. Diese ständige einförmige Wiederholung der Bewegung und das ständige Wiederkehren des gleichen Erscheinungsbildes in Wald und Flur (und deshalb bezeichne ich Jogging als einförmig) sind natürlich mit bestimmten Problemen verbunden, die im Extremfall zur geistigen und körperlichen Routine führen können. Geist und Körper können vereinsamen, wenn allein in der eintönigen und gleichförmigen Bewegung das Allheilmittel zur Gesunderhaltung gesehen wird. Anders ist es, wenn der Jogger über den Zustand des so von mir dargestellten Joggens hinauswächst, wie beispielsweise beim Lauf unter leistungsorientierten Bedingungen. Anders wäre es auch, wenn ein Jogger sich nicht an die alte Regel hält, immer im gleichen Tempo, immer auf dem gleichen Weg und wenn es geht, immer zur gleichen Tageszeit täglich oder wöchentlich ein- bis dreimal zu laufen. Selbstredend ist es für jeden Läufer zweckmäßig, über eine eigene „Teststrecke„ zu verfügen, auf der er seine Leistungsstärke messen und mit vorangegangenen Testläufen vergleichen kann. Es ist aber in der Regel ausreichend, derartige Testläufe höchstens einmal im Monat vorzunehmen. Nur in Zeiten erhöhter Wettkampfintensität ist eine Verkürzung der Testlaufintervalle zweckmäßig. Die eigentliche Wurzel des Laufes aber liegt in seiner Dynamik, seiner Veränderung und in seiner Vielfältigkeit. Man kann zur Ertüchtigung seines Herzens, seines Kreislaufs, seiner Muskeln und seines ganzen Körpers mehr tun als „nur„ Joggen. Es gibt beim Ausdauerlauf eine Vielzahl von Möglichkeiten an Bewegungsarten und auch eine ganze Menge unterschiedlicher Freuden. Natürlich wird nicht jeder einzelne Lauf die gleichen Erfahrungen vermitteln. Jeder Lauf wird anders sein, und das ist gut so im Interesse der Abwechslung, wenn man ihn, den Lauf, nur vielfältig gestaltet. Damit ist natürlich Jogging, ich wiederhole es, durchaus nicht von der Hand zu weisen. Die meisten Freizeitläufer bevorzugen ja Jogging gegenüber dem leistungsorientierten Training. Wenn man mehr über die soeben dargelegten eigenen Erkenntnisse nachdenkt, wird man feststellen, daß Jogging und leistungsorientierter Lauf auch eine psychologische Seite beinhalten.
Man kann, wie gesagt, beim Joggen derartig abschalten, daß man nur einseitig denkt, man kann aber auch seinen Gedanken freien Lauf lassen, man kann sogar schöpferisch tätig werden. Ich sage das so, weil ich hier selbst die Erfahrung gesammelt habe, daß ich während meiner Jogging-Zeit während des Laufes geistig schöpferisch tätig werden konnte.
Stets und ständig habe ich geistig gearbeitet, weshalb Jogging bei mir auch nicht zur geistigen Starre geführt hat. Nie lief ich ohne Gedanken durch die Gegend, sondern nutzte die Gabe der Natur, das Gehirn durch die höhere Sauerstoffzufuhr selbst anzuregen. Oft kam ich vom Lauf nach Hause und habe anschließend mein während des Laufes erworbenes geistiges Gedankengut weiter verarbeitet.
