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«Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung» – die neunfache Frucht des Geistes ist nicht einfach ein moralischer Tugendkatalog, sondern umfasst vielmehr das Wesen unseres Gottes, der in Jesus Mensch geworden ist und uns diese Eigenschaften vorgelebt hat. Dieses Buch ist eine Einladung, mit ihm auf die Reise zu gehen, um diese Eigenschaften Gottes tiefer zu entdecken und durch ihn in uns zum Blühen und zur Entfaltung bringen zu lassen!
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Seitenzahl: 300
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Lilo Keller
Offenbarungen aus den Himmelsräumen
© 2025 Lilo KellerOffenbarungen aus den Himmelsräumen
1. Auflage 2025© Schleife Verlag, Pflanzschulstrasse 17CH-8400 Winterthur, SwitzerlandTel. +41 (0)52 2322424E-Mail: [email protected]
ISBN 978-3-907675-01-4Bestellnummer: 120.205
E-Book-ISBN 978-3-907675-02-1E-Book-Bestellnummer: 120.205E
Die Bibelstellen sind, wenn nicht anders angegeben, der Lutherbibel,revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe,© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, entnommen.
Die Bibelstellen aus der Elberfelder Bibel 2006,© 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH,Witten/Holzgerlingen, sind mit ELB gekennzeichnet.
Die Bibelstellen aus der Hoffnung für alle, © 1983, 1996, 2002, 2015by Biblica, Inc., sind mit HfA gekennzeichnet.
Die Bibelstellen aus dem Bibeltext der Schlachter,© 2000 Genfer Bibelgesellschaft, sind mit SLT gekennzeichnet.
Die Bibelstellen aus der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen, © 2011 Genfer Bibelgesellschaft, sind mit NGÜ gekennzeichnet.
Umschlaggestaltung: Pia Maurer, Atelier für DimensionenLektorat: Judith Petri und Thomas BänzigerSatz und eBook: Nils GroßbachDruck: Booksfactory, Berlin
Alle Rechte vorbehalten, auch für auszugsweise Wiedergabe und Fotokopie.
Inhaltsverzeichnis
VorwortGeleitworteEinstimmung«Ich klopfe an – darf ich dich lieben?»Jesus wartet im RosenmeerRuf zur Erneuerung unseres Bundes mit GottDie Vision vom GebetstrichterDer Kampf um die geistliche HoheitDer Herr der HeerscharenGöttliche PaukenschlägeDas Lied des LammesDas schöne ErbteilDie Auferstehungskraft JesuPresswehen«Werdet nicht irre»Die Vierte im BundeDer Reiter auf dem weissen Pferd und das verborgene MannaAuf dem Weg zur ReifeKraft aus der Höhe – Wie wir sie erwarten und empfangen könnenDas Feuer Gottes und seine Facetten – Teil 1Das Feuer Gottes und seine Facetten – Teil 2Streiflichter aus dem Leben EliasSieben Schlüssel zu einem geistlichen LebenAnbetung und die Gegenwart GottesSimeon und Hanna – prophetische Vorbilder für unsere ZeitDer Ackerkauf – Ein Wort der Wegweisung für diese ZeitGeerdet im Himmel – Die Tore unserer Feinde besitzenDer AtompilzDie Sicht auf Goschen mitten im SturmNestzeitenDie zwei Flügel des grossen AdlersDer Löwe von Juda brülltEinladung in die MeisterklasseWegwartenDer Himmel ist uns näher, als wir denken. Im Buch Genesis wird beschrieben, wie die Erde bzw. der Garten Eden Teil von Gottes Wohnraum war. Gott «wandelte in der Abendkühle im Garten» (1. Mose 3,8). Und auch den Menschen, den er in den Garten setzte, um ihn zu bebauen und zu bewahren, schuf er aus der perfekten Symbiose zwischen Materie und Geist. Kein anderes Wesen war privilegiert, den Atem Gottes eingehaucht zu bekommen. So ist der Mensch der ideale «Schnittpunkt» zwischen Himmel und Erde. Er ist von seinem Schöpfer eingeladen, durch die entsprechende Tür zu gehen, die uns die jeweiligen Welten tiefer erschliesst: So wie wir auf unserem Planeten auf Reisen gehen, um dessen einzigartige Schönheit zu erkunden, dürfen wir auch die Räume des Himmels erforschen. In Jesus Christus haben wir die explizite Einladung und den Zugang dazu.
Einmal mehr lädt uns Lilo Keller mit diesem Buch ein, die Realitäten des Himmels nahe an unser Herz zu lassen. Sie sind weder fern noch abstrakt und werben dafür, dass wir unserem Alltag nicht entfliehen, sondern diesen davon durchdringen lassen. Offenbarungen des Himmels sind keine Trophäen, mit denen man sich rühmen oder schmücken kann. Sie werden von Lilo als «Ausdrucksformen des Heiligen Geistes» beschrieben, «mit denen er himmlische Wirklichkeiten in unser Herz hineinlegt und uns seine Liebe und Anteilnahme sehen und schmecken lässt». Ob Sie in diesem Forschen schon Erfahrung gesammelt haben oder noch Novizen sind: In Ihnen wird die Dankbarkeit und Liebe Ihrem Schöpfer und Erlöser gegenüber wachsen. Aber nicht nur das, das Schauen, Staunen und Erfragen der Geheimnisse Gottes führt auch zu einer spürbaren Veränderung Ihres ganzen Wesens.
Das Kennenlernen der Himmelsräume ist weder das Privileg von ein paar wenigen noch ein Hobby für die Interessierten. Jesus hat diesbezüglich gegenüber den Schriftgelehrten und dem Volk sowohl eine Notwendigkeit wie auch eine Dringlichkeit angedeutet. Er wurde nach Zeichen gefragt, stattdessen schalt er sie, dass sie zwar die offensichtlichen Wetterphänomene, nicht aber die Zeichen der Zeit deuten könnten (siehe Matthäus 16,1–4). Das Erkennen und Einordnen der Zeichen der Zeit, auf dem Fundament des Wortes Gottes, gibt uns Zuversicht, Hoffnung und ein inneres Gehaltensein. Diese Wachheit im Geist ist jetzt vonnöten, damit uns weder die Bequemlichkeit noch der Terror des Weltgeschehens davon abhalten können, uns in das «Heer der Morgenröte» einzureihen und dem «Herrn der Heerscharen» zu folgen.
Das innig ausgeführte letzte Kapitel «Wegwarten» spricht von der Verletzlichkeit, der Qualität und dem Charakter dieser Frau, die mich neun Monate unter ihrem Herzen getragen hat. Ich bin ihr über alles dankbar, dass sie während Jahrzehnten einen mutigen und geraden Weg gegangen ist, der viele Leserinnen und Leser inspiriert hat, in Liebe, Wahrheit und Klarheit dem Lamm nachzufolgen, wohin es auch geht.
Andreas Keller, Gesamtleiter der Stiftung Schleife
Wir leben in absolut spannenden Zeiten. Vielleicht nie zuvor in der Geschichte der Gemeinde Jesu gab es so viele offene Türen und Möglichkeiten, das Evangelium zu verkünden und das Reich Gottes auf dieser Welt auszubreiten, wie in unserer Zeit. Und zugleich so viele Herausforderungen und damit Gelegenheiten, sich auf dem Weg der Nachfolge falsch auszurichten und in Richtung Kompromiss, Rückzug, Unglauben oder Zynismus abzudriften.
Genau für «eine Zeit wie diese» (Ester 4,14) hat Gott uns bestimmt, den entscheidenden Unterschied zu machen, indem wir klar und in Liebe auf unseren Bräutigam ausgerichtet unseren Weg gehen und so zu Wegweisern für viele andere sowie zu effektiven Bauleuten des Reiches Gottes hier auf der Erde werden.
Damit wir jedoch diesen Weg «dem Lamm nach» konsequent bis zum Ende gehen können, brauchen wir immer wieder dringend frischen «Proviant» vom Himmel, der uns stärkt, ermutigt und klare Sicht und Ausrichtung gibt. Dieses sehr zu empfehlende Buch meiner wunderbaren Freundin Lilo Keller ist «ein ganzer Sack» von solch himmlischem Proviant in Form von Offenbarungen und tief gehenden Einsichten einer der bewährtesten prophetischen Stimmen im deutschsprachigen Raum und damit ein wahrer und immer wieder neu zu hebender und im Herzen zu bewegender Schatz für alle, die ihre Bestimmung als Teil der Braut Christi in dieser speziellen Zeit bis zum Ende erfüllen wollen!
Georg Karl, Gründer und Leiter des Glory Life Netzwerkes, Deutschland
Ausleger sagen über den Propheten Jesaja, er sei mit beiden Füssen auf dem Boden gestanden und hätte zugleich mit seinem ganzen Wesen im Himmel gelebt. Genau das mag ich über Lilo Keller und ihr vorliegendes Buch sagen.
Es dreht sich um das Kerngeschäft unseres Glaubens, um Gottes totale Liebe für alle Menschen, Jesus Christus als Lamm und Bräutigam, stille werden vor dem Herrn, seine Stimme und Gegenwart immer tiefer erkennen und erleben, sich auf das stets neue Wirken des Heiligen Geistes einlassen, Erneuerung unserer Herzen und Gesinnungen, mit Gott zusammen kreativ und kraftvoll wirken zugunsten der Menschen und der ganzen Welt, und das alles nicht nur allein, sondern fröhlich verbunden mit der ganzen Kirche in allen ihren Formen und Schattierungen.
Lilo Keller spricht nun aber nicht einfach über das alles. Sie berichtet aus echter tiefer Berührung, und das Zeugnis ihres ganzen bisherigen Lebens, und sie ist schon einige Zeit unterwegs, beglaubigt ihr zentrales Anliegen. Irgendwie trägt sie die Erde unaufhörlich in den Himmel und den Himmel auf die Erde.
Beide Bereiche berühren sich. Lilo wohnt im Himmel und auf Erden, und sie schreibt so liebevoll, klar und kraftvoll darüber, dass es den Leser mitnimmt an diese Orte. Unser Glaube wird ermutigt wie auch unser tägliches praktisches Leben in allen seinen konkreten Bezügen inspiriert. Das ist wohl das Anliegen der Autorin, im Kapitel über die Meisterklasse vielleicht am dichtesten beschrieben.
Diese Schrift gehört zur kostbaren Sparte der geistlichen Literatur, die ich sehr schätze und die wir so sehr brauchen. Sie gründet ganz auf der Heiligen Schrift, der Bibel, und es ist Lilo ein zentrales Anliegen, dass ihr Buch nicht über diese alles tragende Basis hinausgeht. Gleichzeitig enthält es Dinge, die überraschen, die mich herausfordern, und das tut gut. Wir erleben unseren Glauben ja unterschiedlich, und auch das gehört dazu und macht die schöne Vielfalt christlichen Erbes aus und spiegelt die Grösse und Güte unseres Gottes.
Was immer wieder heraussticht und wie der Basso continuo alles untermalt und trägt, ist die Anbetung Gottes. Diese wohl schönste, wenn auch angefochtendste Sache kommt Schritt auf Schritt zur Entfaltung in diesem Buch. Die Autorin hat sich ein Leben lang nicht gescheut, in Anbetung mit all ihren Formen zu investieren. Dass dies wunderbare Tiefen eröffnet und gleichzeitig viel Leiden und Kampf bedeutet, werden alle verstehen, die sich selber immer wieder in Anbetung hineingeben. Weil aber der Heilige Geist uns hilft, so Lilo, in und trotz allem nicht aufzuhören anzubeten, führt uns unsere oft schwache Anbetung näher zum Herrn. Und dies verändert die Dinge vielleicht am stärksten, weshalb Lilo im Kapitel «Der Atompilz» Jesus sagen hört: «Wer mich anbetet, vertreibt die Finsternis und schafft Raum für mein kreatives erneuerndes, heilendes und schützendes Licht.»
Der anfangs erwähnte Jesaja hatte entscheidenden Einfluss auf das realpolitische Geschehen seiner Tage und bewirkte viel Hilfreiches für sein Volk Israel und die umliegenden Nationen. Dasselbe wünsche ich diesem Buch. Wir haben es heute mindestens genauso nötig wie damals in den rauen Zeiten des Propheten.
Hansjörg Kägi, Pfr. Dr. theol., Dozent
Mit Lilo verbindet mich eine tiefe Freundschaft im Herzen und im Geist, die über Jahrzehnte gewachsen ist und sich in der letzten Zeit immer mehr vertieft hat. Über die Jahre habe ich sie als eine Frau erlebt, die aus einer tiefen Herzensbeziehung und Nähe zu Jesus Einsichten und Offenbarungen empfangen und diese ohne Menschenfurcht, aber in grosser Demut weitergegeben hat. Jesus konnte ihr Geheimnisse anvertrauen, die er nur denen offenbart, die in einer solchen Nähe und Vertrautheit mit ihm leben.
Als Trägerin und Verwalterin der Geheimnisse Gottes empfängt Lilo immer wieder frisch und unmittelbar das Wort des Herrn für heute. Was sie schreibt, ist so echt und authentisch, weil sie es selbst auch durchlebt hat. Sie hat sich vom Herrn immer weiter in sein Wesen und in seinen Charakter verändern lassen, in allem ausgehalten und immer wieder überwunden. Mit ihrer ganzen Person, ihrem ganzen Herzen und Sein legt sie ein Zeugnis davon ab, dass ihre Wegweisungen und Prophetien echt sind. Sie ist ein Geschenk Gottes an den Leib und an die Nationen, weil ihr Christuszeugnis immer wieder neue Türen für Jesus öffnet.
Diese Gnade teilt Lilo auch mit diesem Buch aus. Es nimmt uns mit hinein in das Evangelium Jesu Christi, die Kraft seines Opfers, seiner Erlösung und seiner Herrschaft über alles, damit wir zu dem Leib werden, von dem Ströme lebendigen Wassers fliessen, die die einzige Antwort auf die Nöte dieser Welt sind. Wir bekommen Anteil am Lamm, dem der Vater die Rollen der Geschichte gegeben hat, um sie zu öffnen. So werden wir Teilhaber an Gottes Geschichte, die er heute schreibt.
Der ewige Strom der Liebe Gottes fliesst durch dieses Buch. Der Herr bereitet ein königliches, priesterliches Volk vor, das ein tiefes Christuszeugnis in sich trägt und der Welt noch einmal verkündigt, dass das Lamm gesiegt hat!
Olga Dammer, Theologin, Leiterin Jeremia-Werk e. V., Deutschland
In den vorliegenden Kapiteln schauen Sie, lieber Leser, wie durch ein Kaleidoskop in eine Welt von kraftvollen Botschaften, die Gott mir zur Ermutigung, Stärkung und Wegweisung anvertraut hat. Dabei spiegelt sich die Liebe und Treue Gottes für seine Menschen und seine Welt, die ich in Worten, Bildern und prophetischen Visionen gesehen und erlebt habe.
Bewusst ist die Reihenfolge thematisch und nicht zeitlich geordnet, weil ich versucht habe, zeitlose Worte aus den vergangenen Jahren in einen Kontext zu stellen.
Über Jahrzehnte spüre ich ein dringliches Anklopfen des Heiligen Geistes, in eine Liebes- und Regierungsgemeinschaft mit dem Vater im Himmel durch Jesus Christus einzutreten. Dabei ist es mein Herzensanliegen, ein Verständnis dafür zu wecken, dass Offenbarungen keinen Selbstzweck erfüllen, sondern Werkzeuge aus dem Himmel sind, die uns helfen, seine Stimme zu hören, Umstände durch die Augen eines liebenden Vaters zu beurteilen und Zeugen seiner Herrlichkeit zu sein, die vom Heiligen Geist geleitet sind.
Mein Gebet ist, dass der Klang des Himmels Sie ermutigt, heilt und tiefer hineinzieht in die ewige Anbetung des dreieinigen Gottes.
Lilo Keller
Sicher ist es vielen von uns nicht entgangen, dass inmitten der grossen Erschütterungen, die inzwischen wohl jedes Land der Erde erreicht haben, die Gegenwart Gottes in vielen Gemeinden und Gruppierungen spürbar zunimmt. Menschen fragen wieder neu nach Gott, und auch unter Gläubigen macht sich ein grosser Hunger und Durst nach mehr von ihm bemerkbar. Es ist, als würde das Wort Gottes den Leser lesen und nicht umgekehrt. Viele meiner Freunde, gestandene Christen, machen in dieser Zeit dieselben Erfahrungen wie ich.
Als Antwort auf unsere Bitte, dass die Kraft Gottes zunehme und wie ein Strom unsere Länder bedecke, tut der Heilige Geist zuerst nochmals ein tiefes Werk an unserem Herzen. Falsche Motive werden aufgedeckt, heimliche Götzen offenbart und verborgene Wunden geheilt.
Ich merke, wie dadurch eine neue Offenbarung der Vaterliebe Gottes zu fliessen beginnt, die zu der inneren Gewissheit führt, dass wir als Söhne und Töchter Gottes mit derselben Liebe geliebt werden, mit der der Vater Jesus geliebt hat (siehe Johannes 17,26). Eine revolutionäre Erkenntnis, die – wenn sie unser Herz erreicht und nicht einfach im Kopf stecken bleibt – uns dahin bringt, dass wir mit unserem ganzen Sein «in die Ruhe Gottes» eintreten können, um das zu tun, aber auch zu lassen, was die Liebe uns lehrt.
Während der Sommermonate habe ich dreimal erlebt, wie es in der Nacht an meine Schlafzimmertür geklopft hat. Jedes Mal bin ich aufgestanden und habe die Tür in der Erwartung aufgetan, dass Jesus oder ein Engel mich besuchen möchte. Als beim dritten Mal wieder niemand da war, wurde mir klar, dass es darum ging, Jesus die Tür meines Herzens für eine neue, tiefere Art der Gemeinschaft mit ihm zu öffnen, was ich dann auch tat.
«Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir» (Offenbarung 3,20).
Zu meiner grossen Überraschung kam Jesus dann in einer Zeit der Anbetung auf mich zu. Ich sah in meinem Geist, dass er etwas in der Hand trug, konnte aber nicht erkennen, was es war. Als Jesus mir gegenüberstand, schaute er mich liebevoll an und überreichte mir einen Granatapfel mit der Frage:«Darf ich dich lieben?»
Ich war so überwältigt von dieser Frage, dass nur ein schluchzendes Ja aus mir herausbrach. Als hätte Jesus nur auf dieses Ja gewartet, überschattete mich seine Gegenwart darauf mit einem tiefen Frieden, und er sprach zu mir: «Ich bin auf dich hin da, und du bist auf mich hin da! Ich habe dich für diese Zeit vorbereitet!»
Mein Herz wollte fast zerspringen wegen dieser Liebe, die für den Verstand im Grunde unfassbar, aber so überwältigend ist, dass sie fast wehtut. Ich verstand jedoch, dass Jesus mich mit seiner Frage und dem mitgebrachten Liebesapfel herausforderte, unbekannte Aspekte, neue Erfahrungen und Konsequenzen seiner Liebe zuzulassen. Das apostolische Gebet aus dem Epheserbrief wurde mir dabei zum kostbaren Wegbegleiter:
«Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heisst im Himmel und auf Erden, dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid. So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle» (Epheser 3,14–19).
Es bewegt mich, dass Jesus einen Liebesapfel gewählt hat, um mein Herz zu gewinnen und mich zu motivieren, mich weiter dem Prozess zu stellen, verwandelt zu werden in sein Bild und eingewurzelt und gegründet zu sein in seiner Liebe. Der Granatapfel ist allgemein ein Symbol für Liebe, Leidenschaft und Emotionen. Das hebräische Wort für Granatapfel ist rimon, es beinhaltet auch den Aspekt des «Aufstehens; sich Erhebens und Erhabenseins».
Der Herr Jesus, dem der Vater einen Namen über allen anderen Namen gegeben hat, steht vor uns, seiner Braut, übergibt uns einen Liebesapfel und fragt:
Darf ich dich mit aller Leidenschaft, mit all meinen Emotionen, mit allem, was ich bin und habe, lieben?Darf ich dich umfangen und hineinführen in meine vollkommene Liebe?Darf dich meine Liebe so sehr mit meiner Kraft ausrüsten, dass ich dich «anziehen» kann wie einen Handschuh?Darf ich dich mit meiner Liebe gürten und dich meine Wege führen, die höher sind als die deinen?Interessant ist, dass auf den zwei Säulen von Salomos Tempel zweihundert Granatäpfel eingraviert waren. Sie wurden auch auf dem Abschluss der beiden Säulen angebracht. Die rechte Säule hiess Jachin, was bedeutet: «Er wird etablieren!» Ich glaube, dass Jesus in uns als Tempel des Heiligen Geistes seine Liebesidentität so verstärkt, dass wir verstehen: Er ist unsere Identität!
Die linke Säule hiess Boas, was bedeutet: «In ihm ist Stärke!» Gott wird zu unserer Stärke, und dieses Bewusstsein lässt uns in der Wahrheit ruhen, dass die «Schlachten Gottes» nicht durch Heer oder Kraft geschlagen werden können, sondern durch seinen Geist (siehe Sacharja 4,6).
Ich weiss nicht, wer schon einmal versucht hat, die wunderschöne, aber widerstandsfähige Schale eines Granatapfels zu durchdringen, um an die Samen und das Fruchtfleisch heranzukommen. Da braucht es gekonnte Kunstgriffe! Die Samen haben einen sehr hohen Gehalt an Vitamin C und sind äusserst gesund und energiespendend.
Genau so ist auch das Wort Gottes: voller Energie, voller Ermutigung, voll von lebendiger Substanz aus dem Himmel, die uns nährt. Wenn wir Gottes Wort, seine Verheissungen und prophetischen Zusagen wie Samen in unserem Herzen aufnehmen, haben wir seine Zusage, dass daraus ein Baum wächst, in dessen Zweigen die Vögel des Himmels nisten können (siehe Matthäus 13,32).
Es lohnt sich, jeden Widerstand zu durchbrechen, der uns hindern will, an die Liebe Gottes zu glauben. Es braucht Mut und eine klare Entscheidung, alte Enttäuschungen, schwierige Umstände und hart gewordene Herzen aufgrund von Verletzungen hinter uns zu lassen, zu vergeben, loszulassen und neu anzufangen. Das bedeutet mit anderen Worten: im Heute die Stimme der Liebe in uns höher zu achten als unsere Befindlichkeiten. Der Lohn dafür wird die süsse Gemeinschaft mit Jesus sein, die uns alle Bedrückung vergessen lässt und zum Türöffner wird, damit wir uns in den Räumen des Geistes bewegen können (siehe Kolosser 3,1–3)
Granatäpfel waren auch angehängt an den Saum des Gewandes der Priester für den Dienst im Heiligtum:
«Und sie machten an seinen Saum Granatäpfel aus blauem und rotem Purpur, Scharlach und gezwirnter feiner Leinwand und machten Schellen aus feinem Golde; die taten sie zwischen die Granatäpfel ringsherum am Saum des Obergewandes, je einen Granatapfel und eine Schelle ringsherum am Saum, für den Dienst, wie der HERR es Mose geboten hatte» (2. Mose 39,24–26).
Blauer und roter Purpur repräsentieren priesterliche Würde, kaiserlich-königliche Macht und Majestät. Die Farben Blau und Rot stehen aber auch für Offenbarung, für die Liebe und das Blut Jesu. Im neuen Bund sind wir als auserwähltes Geschlecht dazu berufen, als Könige und Priester auf Erden zu herrschen. Das heisst, wir sollen die Pläne Gottes auf dieser Erde umsetzen, indem wir in der Kraft und Abhängigkeit vom Vater im Himmel die Werke tun, die wir ihn tun sehen.
«Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen und hast sie unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden» (Offenbarung 5,9–10).
Der Überlieferung nach waren die Schellen bzw. Glöcklein am Kleid des Hohepriesters angebracht, damit das Volk an ihrem Klang hören konnte, ob er seinen Dienst im Allerheiligsten verrichtete. Niemand konnte ja in die Nähe des heiligen Gottes kommen, ohne zu sterben. Nur an diesem einen Tag im Jahr war es dem Hohepriester erlaubt, in das Allerheiligste zu gehen, um für seine Sünde und die des Volkes Busse zu tun.
Als Geri und ich einmal einige Monate in Moravian Falls in North Carolina, USA, verbrachten, um nur mit Gott Gemeinschaft zu haben, sass ich an einem Tag in meinem Prophetenstübchen im Erdgeschoss und wartete. Plötzlich hörte ich einen sehr lauten Glockenklang, wie Kirchenglocken. Ich stand auf, ging vor die Tür, um zu hören, woher der Klang kam. Aber da war nur Stille. Das Ganze wiederholte sich zweimal, aber ich konnte den Klang nur im Zimmer hören. Mit diesem Rätsel ging ich zu Bob Jones, meinem Prophetenvater, und befragte ihn über das Erlebte. Seine Antwort war: «Was du hörst, ist der Herr, Jesus, der Hohepriester, der über sein Land schreitet und seine Liebe, seine vollkommene Erlösung, seine Herrschaft und sein Kommen verkündet!»
Die Tatsache, dass der Herr des Himmels und der Erde in allen Geburtswehen um sein Kommen unsere Länder und Nationen durchschreitet und die Lufträume mit seinem Klang erfüllt, begeistert mich. Wofür die Granatäpfel und die Glöcklein symbolisch stehen – Gottes Liebe, die Leidenschaft und Fähigkeit zur Fruchtbarkeit sowie den Klang des Himmels, der die priesterliche, königliche Salbung trägt –, kommt in ihm zusammen. Gleichzeitig sind wir als seine Erben dazu bestimmt, solche Glocken zu sein und im vollen Bewusstsein unseres Standes als Trägerinnen und Träger seines Klanges, seiner Liebe und seines Charakters ihn im Leben zu repräsentieren.
«Wie lieblich sind auf den Bergen die Füsse der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König!» (Jesaja 52,7).
Nicht nur die blutfüssige Frau wurde bei der Berührung des Saumes von Jesu Gewand geheilt (siehe Matthäus 9,20). In Matthäus 14,36 lesen wir, dass alle, die ihn berührten, sofort gesund wurden. Jetzt ist eine besondere Gnadenzeit, den Saum des Gewandes Jesu zu berühren. Das heisst mit anderen Worten, mit Gottes Gegenwart und Kraft in Berührung zu kommen und – egal, in welchem Bereich wir es nötig haben – von Jesus zu hören: «Meine Tochter, mein Sohn, dein Glaube hat dir geholfen!»
«In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel. Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: Mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füsse und mit zweien flogen sie. Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens und das Haus ward voll Rauch» (Jesaja 6,1–4).
Ich glaube, dass Gott unsere Gedanken im Hinblick auf seine bleibende, erfahrbare Gegenwart erneuern will. Denn wenn der Saum seines Gewandes den «Thronraum unserer Herzen» erfüllt, können wir erleben, wie sich für uns neue Dimensionen im Geist öffnen. Göttliche Ordnung wird etabliert und unsere Herzen werden zum heiligen Boden. Unsere Anbetung vereint sich mit den Engeln und mit ihnen rufen und prophezeien wir aus vollem Herzen: «Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!»
Der Heilige Geist ist mit grosser Leidenschaft daran, uns als Braut Jesu immer tiefer in diese Vereinigung mit ihm zu führen. Dann werden die Schwellen unseres Herzens wie auch die unserer Versammlungsräume unter der manifesten Herrlichkeit Gottes beben, und der Heilige Geist wird die Vaterliebe Gottes wie einen Strom freisetzen. In diesem Strom ist Leben, Freiheit, Gesundheit und Offenbarung. Der Tag ist nahe, lassen wir uns von ihm lieben!
Gerne würde ich abschliessen mit einer Liebeserklärung von Jesus, angelehnt an Verse aus dem Kapitel 4 des Hoheliedes:
«Du hast mir das Herz genommen, meine Schwester, meine liebe Braut, du hast mir das Herz genommen mit einem einzigen Blick deiner Augen. Du bist gewachsen wie ein Lustgarten von Granatäpfeln. Darf ich in deinen Garten kommen und dich lieben?»
Etwa ein halbes Jahr nach dem Tod meines Mannes stiegen während des Trauerprozesses Gedanken und Bilder der Anklage in mir auf. Ich wurde an Momente erinnert, wo ich in der Vergangenheit in unserer Beziehung zu wenig geliebt, Dinge nicht durchschaut hatte, überfordert und stolz gewesen oder mit meinen Kräften am Ende gewesen war. Ich empfand in meinem Inneren eine tiefe Verlorenheit und Einsamkeit.
Tränenüberströmt flüchtete ich zum Herrn und schüttete ihm mein Herz aus.
Als ich in dieser Verzweiflung vor ihm verweilte, sah ich plötzlich in meinem Geist, wie Jesus mit aufgerissener Brust auf mich zukam und mich einfach in seine Arme nahm. Seine Liebe, sein Erbarmen und sein Trost flossen in mich hinein und ich konnte Vergebung empfangen und loslassen. Trauer, Selbstanklage, Versagen und Überforderung verloren ihre Kraft, und Friede kehrte ein. Ich fand ein neues Ja zu all meinen Begrenzungen und damit verbunden zu einem tiefen Angewiesensein auf seine sättigende Gnade.
Als ich meine Augen wieder öffnete, war ich mit Jesus versetzt in ein grosses Feld von rot leuchtenden Rosen. Wie in dem Kapitel «Ich klopfe an – darf ich dich lieben?» beschrieben, nahm Jesus wieder einen Liebesapfel aus seinem Kleid und teilte ihn in zwei Hälften. Die eine Hälfte übergab er mir, die andere behielt er für sich und begann, mir die Samen von seiner Hälfte in den Mund zu geben. Und ich tat wie selbstverständlich dasselbe, indem ich ihm von meinen Samen zu essen gab. Heiliger Boden!
Kostbar ist der Trost, den Jesus für uns bereithält, und glückselig sind diejenigen, die sich vom Geist des Trostes mitnehmen lassen auf die Reise zum Glück, welches in dem übernatürlichen Frieden Gottes zu finden ist.
«Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden» (Matthäus 5,4).
«Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück» (Jesaja 38,17).
Jesus hat in seiner ersten öffentlichen Predigt in Nazareth Bezug genommen auf eine Prophetie, die Jesaja etwa siebenhundert Jahre vor seinem Erscheinen auf der Erde über ihn verkündet hatte:
«Der Geist des Herrn ruht auf mir, weil er mich berufen und bevollmächtigt hat. Er hat mich gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen und die Verzweifelten zu trösten. Ich rufe Freiheit aus für die Gefangenen, ihre Fesseln werden nun gelöst und die Kerkertüren geöffnet. Ich rufe ihnen zu: ‹Jetzt erlässt Gott eure Schuld!› Doch nun ist auch die Zeit gekommen, dass der Herr mit seinen Feinden abrechnet. Er hat mich gesandt, alle Trauernden zu trösten. Vorbei ist die Leidenszeit der Einwohner Jerusalems! Sie streuen sich nicht mehr voller Verzweiflung Asche auf den Kopf, sondern schmücken sich mit einem Turban. Statt der Trauergewänder gebe ich ihnen duftendes Öl, das sie erfreut. Ihre Mutlosigkeit will ich in Jubel verwandeln, der sie schmückt wie ein Festkleid» (Jesaja 61,1–3; HfA).
Das grösste Glück der Getrösteten ist, dass sie von Jesus befähigt werden, den Trost, den sie empfangen haben, weiterzugeben. Ein Trost, der keine Worthülse ist, sondern durchlebt, authentisch und hilfreich ist. Er weckt Hoffnung und öffnet Tore für die Zukunft.
«Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott» (2. Korinther 1,3–4).
Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen an Trostlosigkeit, Sinnlosigkeit und Lebensüberdruss leiden. Die Nachrichten und Hiobsbotschaften, die uns jeden Tag erreichen, können unser Denken und Fühlen völlig vereinnahmen. Das führt zu einer Überforderung, zu der oft noch hinzukommt, dass uns gegenteilige Meinungen über persönliche, politische, ökologische, theologische Themen tief verunsichern. Entweder wir verstummen dann, verurteilen die jeweils andere Meinung, oder wir begeben uns auf «den höheren Weg»!
Ich glaube, dass der «höhere Weg», den Jesus uns vorgelebt hat, ein Weg der versöhnten Herzen ist – selbst wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Es ist der Weg der Liebe, die langsam ist im Reden, schnell im Vergeben und stetig in der Treue. Diesen Weg, der nur in der Kraft und Salbung des Heiligen Geistes begehbar ist, will Jesus uns lehren.
Jesus hat uns die Salbung des Heiligen Geistes gegeben, damit wir als getröstete, verwandelte, neue Menschen das Licht seines Wesens durch uns leuchten lassen. Martin Bühlmann, ein Freund von mir, hat einmal davon gesprochen, dass wir ihn «abstrahlen» sollen. In diesem Sinne müssen uns die Turbulenzen und Herausforderungen zum Besten dienen, damit unser Innerstes die schier ungeheuerliche und doch wahre Tatsache begreifen und annehmen kann, dass wir durch ihn jetzt befähigt und ausgerüstet sind, sein Königreich auf dieser Erde auszuleben. Lassen wir uns so verwandeln, dass wir in ihm bleiben können und die Salbung bleibend auf uns ruhen kann, denn «wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt» (1. Johannes 4,17).
Noch ein letzter Gedanke dazu: In Hohelied 8 spricht die reife Braut von der Gewissheit ihres Standes und Erbes in ihrem Bräutigam. Das Bild, welches sie über sich selbst hatte, wurde «zurechtgerückt». Sie weiss, dass «der Bräutigam in ihren Locken gefangen ist» (siehe Hohelied 7,6). Unerschütterlich ruht sie in ihrer Auserwählung, aber auch in ihrem Auftrag, nicht mehr für sich, sondern durch die Gunst Gottes als Dienerin für andere zu leben.
In der Liebessprache haben rote Rosen eine ganz besondere Bedeutung und sind ein Symbol von Zugehörigkeit und Treue. Natürliche gesunde Rosen haben Dornen, und so gehört zur Liebe Gottes auch die Dornenkrone, das Sterben, die Trauer, das Leiden und das Auferstehen in neue Dimensionen seiner Liebe – mitgekreuzigt, mitbegraben, mit auferstanden, mit aufgefahren und mit Jesus sitzend an himmlischen Orten.
Unser Vater im Himmel will seine Gemeinde, die Braut für seinen Sohn, auch in und durch die Leiden, die uns nicht erspart bleiben, schönmachen. Die Schönheit besteht in der Abhängigkeit, Bewunderung und Hingabe an den einen, der in allem Leiden mittendrin ist und schon mit seinem Trost auf uns wartet.
Ich glaube, dass es kein Zufall ist, dass Jesus mit mir die Samen des Liebesapfels mitten im Rosenfeld geteilt hat. Visionen, Bilder, Visitationen und Trancen sind keine Trophäen, mit denen wir uns rühmen oder schmücken können. Es sind Ausdrucksformen des Heiligen Geistes, mit denen er himmlische Wirklichkeiten in unser Herz hineinlegt und uns seine Liebe und Anteilnahme sehen und schmecken lässt. Sie dienen dazu, dass wir eingewurzelt und gegründet werden in seiner Liebe.
Es sind Samenkörner, Wahrheiten seiner verschwenderischen Liebe, die im Acker unseres Herzens eingepflanzt werden und in sich schon die Verheissung tragen, dass sie zu einem Baum heranwachsen, der das Potenzial hat, dreissig-, sechzig- und hundertfache Frucht zu bringen. Diese Art von erfahrbaren und verwandelnden Gottesbegegnungen birgt oft das Werben und das Wesen unserer Berufung in sich. Sie gehören uns als ein Schatz, der sich immer mehr entfaltet und dessen Wert wir immer besser kennenlernen. Es ist der Weg von Herrlichkeit zu Herrlichkeit und von Kraft zu Kraft.
Auf diesem Weg, in herrlichen Momenten und tiefen Tälern, lernen wir es, «den Herrn zu schauen»! Dann können wir nicht anders, als ihm wieder Samen von Bewunderung, Anbetung und Dank zurückzugeben. Auch die Tränensaat und das Opfern von Dank, wenn es natürlich gesehen nichts mehr zu danken gibt, sind Samenkörner, die unserem Vertrauen in seine guten und vollkommenen Wege Ausdruck geben.
Ein Nachtgesicht am frühen Morgen des Jom Kippur 2024
Ich wandle mit Jesus in meinem Garten. Viele blühende Rosen, Sträucher, Kräuter und wunderschöne Grünpflanzen wachsen darin. Kleine Bächlein fliessen … Nach einer Weile setzen wir uns nebeneinander auf eine Bank. Jesus sagt zu mir: «Du darfst ruhig ein wenig näher kommen!» Ich rücke immer näher zu ihm. Als Jesus unerwartet aufsteht, nimmt er mich wie ein Kind auf seine Arme und geht weiter auf einem neuen Weg, den ich noch nie zuvor gegangen bin, der aber offensichtlich auch zu meinem Garten gehört.
Aus meiner komfortablen Lage kann ich erkennen, dass wir durch ein Sumpfgebiet gehen. Während ich mich vollständig geborgen fühle, sehe ich, wie seine Füsse im Morast einsinken. Es scheint für Jesus kein Problem zu sein. Nach der Sumpfstrecke setzt er mich wieder auf meine Füsse und wir laufen ein kurzes Stück schweigend weiter.
Nach einer Weile kommen wir zu einem romantischen Haus, dessen Front ganz bewachsen ist mit Pflanzen. Die Türflügel des mit Kletterrosen umringten Torbogens öffnen sich von selbst, als wir näher kommen. Gemeinsam schreiten wir in das Haus. Meine Augen müssen sich zuerst an den «grottenmässigen» Empfangsraum gewöhnen. Aber dort verweilen wir nicht. Jesus geht mit mir eine Treppe hinunter und sagt schmunzelnd: «Ich führe dich jetzt in meinen Weinkeller.»
Dort angekommen nimmt er aus einer riesigen Wand voller edler Weine sehr gezielt eine Flasche heraus und sagt: «Ich möchte mit dir zusammen ein Glas von einem edlen alten Wein trinken!» Jesus zeigt mir die Flasche und fragt mich, welchen Jahrgang ich auf der Etikette erkennen kann. Zu meinem Erstaunen sehe ich die Jahrzahl 1291 und antworte ihm ganz aufgeregt: «Das ist ja das Gründungsjahr der Eidgenossenschaft», worauf er zufrieden lächelt.
Darauf führt er mich ins Obergeschoss in einen Festsaal, in dem ein sehr langer, mit einem weissen Tischtuch bedeckter Tisch steht. Jesus setzt sich an das Kopfende und ich nehme neben ihm Platz. Ein Engel, von dem ich nur einen weissen Ärmel sehen kann, bringt einen Weinkelch aus Glas und öffnet die Flasche. Jesus nimmt die Flasche und schenkt den Wein ein, erhebt den Kelch und sagt zu mir: «Zur Freiheit seid ihr berufen, ihr seid teuer erkauft durch mein Blut, darum werdet nicht der Menschen Knechte!» (vgl. Galater 5,1; 1. Korinther 7,23).
In dieser Begegnung mit Gott stecken viele Botschaften und Geheimnisse. Zum einen sind sie sicher für mich persönlich bestimmt, zum anderen wird darin aber auch Gottes Absicht und seine Sehnsucht deutlich, dass er seine Brautgemeinde zu einer Bundeserneuerung einlädt. Mit der Erneuerung dieses Gottesbundes ist die Autorität verbunden, mit dem Herrn zu regieren und in der Freiheit zu leben, zu der wir als Einzelne wie auch als Nationen berufen sind.
Im Folgenden möchte ich näher auf einige der Stationen in diesem «Nachtgesicht» eingehen.
Alles beginnt in einem Garten, der für einen Ort der Gottesbegegnung im Geist steht. Viele Details meines Gartens sind mir bereits lieb und vertraut. So wie Gott im Garten Eden wandelte und die Gemeinschaft mit Adam und Eva suchte, so will er uns in unserem Herzensgarten durch seinen innewohnenden Geist begegnen, uns lehren, leiten und uns Zukünftiges offenbaren.
Die Erfahrung, mit Gott einen inneren Garten anzulegen, steht allen offen, die Jesus als ihren Herrn angenommen haben. An diesem Ort wird die wiederherstellende Kraft des Heiligen Geistes in uns gestärkt, was dazu führt, dass wir das Wesen und die Herrlichkeit Gottes immer mehr verinnerlichen können. In der Intimität und Freundschaft mit dem Heiligen Geist haben wir Zugang zu einer unerschöpflichen Quelle von Kraft und Salbung, die uns zum Dienst befähigt.
Die Bank in diesem Garten steht im prophetischen Sinne für einen Ort der Ruhe, der Pause, des Ausblicks und des Wartens. Jesus setzt sich gerne zu uns, wenn wir uns so positionieren, dass er Raum hat. Ist es nicht überwältigend, dass der heilige Gott uns einlädt, näher zu rücken? In Jakobus 4,8 lesen wir: «Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch!» So ist es auch in dieser Begegnung geschehen.
Jesus bezeichnet sich selbst als den «Weg». Er kannte den Teil des Gartens, der für mich noch völlig unbekannt war. Er wusste von den gefährlichen Wegabschnitten und trug mich völlig selbstverständlich auf seinen Händen. Dies spricht davon, dass Jesus uns Wege führen wird, die wir noch nie zuvor gegangen sind, wobei er gleichzeitig verheisst, uns nicht zu verlassen noch zu versäumen. Was für eine gewaltige Zusage!
