Ohne Worte? Nicht mit uns! - Britt Hagedorn - E-Book

Ohne Worte? Nicht mit uns! E-Book

Britt Hagedorn

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Beschreibung

Britt Hagedorn hat über 2000 Talkshows moderiert und ist auch sonst nicht auf den Mund gefallen. Die Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin weiß sich versiert und zielorientiert in verschiedenen Kommunikationssituationen zu bewegen und hat fundiertes Know-How, wie Sprache eigentlich funktioniert. Sabine Altena hat als Journalistin, Coach und Speakerin langjährige Erfahrung im Moderieren, Überzeugen und Vortragen. Ihre gemeinsame Sprach-Power vermitteln sie nun in ihrem Ratgeber: nicht wissenschaftlich-theoretisch, sondern locker-unterhaltsam und mit Witz. Dabei durchstreifen sie vielfältige Lebens- und Kommunikationssituationen: Gespräche mit Kindern, Partnern, Freundinnen oder Chefs, vom Small Talk bis zum öffentlichen Auftritt. Ihr breites Wissen ergänzen sie durch unterhaltsame Anekdoten aus ihren privaten und beruflichen Lebensläufen. Ein Buch für Frauen mit multifunktionalem Alltag, die wissen wollen, wie das Leben durch die richtige Kommunikation einfacher und damit erfüllter werden kann. Das humorvolle und kluge Coaching zweier Meisterinnen im Sprach-Florett des Lebens.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 239

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Britt Hagedorn ist in Hamburg aufgewachsen und studierte Kultur- und Literaturwissenschaften in Bremen. Als TV-Moderatorin (Hamburg 1, NDR, Sat.1) war sie lange Zeit regelmäßig im Fernsehen zu sehen, davon zwölf Jahre mit ihrer eigenen Sendung „Britt – der Talk um eins“. Später übernahm sie Formate wie „Weck up“, „Mein Mann kann“ und „Total gesund! Mit Britt und Dr. Kurscheid“. Danach wanderte sie nach Mallorca aus, wo sie heute mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern lebt. 2021 absolvierte sie eine Ausbildung als Kommunikationstrainerin.

Sabine Altena war 20 Jahre als Moderatorin und Reporterin bei namhaften Radio- und TV-Sendern tätig. Sie stand auf Bühnen vor bis zu 50 000 Menschen und interviewte unzählige Weltstars. Heute coacht sie Führungskräfte und Vorstände weltweit für öffentliche Auftritte und Präsentationen. Sie hält Vorträge und ist Mitglied der German Speakers Association. Ihre Schwerpunkte: elegante Schlagfertigkeit, Überzeugungskraft, Charisma und Personal Branding. Sabine lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern teils am Ammersee, teils auf Mallorca.

Einfach glücklicher mit treffenden Worten

Manchmal ist das Leben verdammt kompliziert. Wir wollen etwas sagen, aber es kommt falsch an. Wir suchen Hilfe und kriegen nichts als nervende Belehrungen. Wir sehnen uns nach tollen Gesprächen, kleben aber an der Oberfläche fest. Wir werden fies angegriffen und können nicht cool kontern. Wir lieben unsere Partner, aber die merken nichts mehr davon.

Klare Fälle: Hier stimmt etwas mit der Kommunikation nicht. Die Sprachprofis Britt Hagedorn und Sabine Altena verraten, wie jeder wunderbar wortgewandt werden kann und dadurch viel besser mit anderen klarkommt.

Inhalt

Vorwort

Kapitel 1: Also ich an deiner Stelle ...

Warum Ratschläge oft ganz fiese Schläge sind

Wer anderen Rat gibt, fühlt sich super. Wir glänzen gern mit unserem Wissen. Doch leider wird’s schnell belehrend, wenn wir uns nicht die Legitimation dafür holen.

Kapitel 2: Versetz dich mal in meine Lage

Warum wir richtig zuhören müssen, um besser zu verstehen

Zuhören ist eine echte Kunst. Nur wenn wir wirklich wahrnehmen, was andere sagen, und nicht zu viel selbst reden, können wir kluge Entscheidungen treffen.

Kapitel 3: Und was glaubst du?

Warum die beste Antwort oft eine kluge Frage ist

Dialog statt Monolog: Der Schlüssel zu tiefsinnigen Gesprächen und erfolgreichen Verhandlungen sind die richtigen Fragetechniken. Die lassen sich zum Glück leicht lernen.

Kapitel 4: Umzug in den fünften Stock? Klar helf ich gern.

Wie du deine eigentlichen Bedürfnisse erkennst und klar kommunizierst

Von wegen immer nur lieb sein! Andere zu unterstützen, ist eine nette Sache, aber niemand sollte seine eigenen Bedürfnisse ständig zurückstellen, um es anderen recht zu machen.

Kapitel 5: Ein beherztes Ja zum Nein!

Elegant und klar ablehnen: Wie wir lernen, uns abzugrenzen

Nicht Nein sagen zu können, ist ein typisches Frauenproblem. Macht aber nichts, denn das lässt sich mit ein paar Übungen und Tricks ändern.

Kapitel 6: Ich und Botox? Na, logisch!

Warum dich ein offenes Ja weiter bringt als ewiges Herumgedruckse

Ein beherztes Ja hat etwas Befreiendes. Es macht groß, bringt dich nach vorne, zeigt Entscheidungsfreude und nimmt Kritikern charmant den Wind aus den Segeln.

Kapitel 7: Mann, Frau, Super-GAU?

Muss nicht sein. Achtsame Kommunikation hält die Liebe frisch

Immer schön achtsam bleiben: Wenn Paare miteinander reden, geht es eher um die Tücken der Kommunikation als um geschlechtsspezifische Unterschiede.

Kapitel 8: „Ich muss mal mit Ihnen sprechen!“

Feedback ist kein Freibrief fürs Herunterputzen – wie du gekonnt damit umgehst

Hinweise auf Dinge, die nicht optimal laufen, werden leider leicht zu persönlichen Angriffen, dabei ist konstruktives Feedback ein ganz wertvolles Geschenk.

Kapitel 9: Jetzt schreit spricht Mama

Warum du besser mit deinen Kids klarkommst, wenn du deine Worte achtsam wählst

Kommunikation mit Kindern findet auf ewig dünnem Eis statt. Was heute klappt, ist morgen schon wieder für die Tonne. Trotzdem ist der Nachwuchs ansprechbar.

Kapitel 10: Schön, dass deine Mutter gleich ein paar Wochen bleibt

Kommunikations-Harakiri mit der lieben Verwandtschaft

Auch wenn du deine Sippe wirklich gernhast, kann sie manchmal ganz schön nerven. Talk und Umgang mit der Verwandtschaft erfordern ganz besondere Tipps und Tricks.

Kapitel 11: Small Talk: Jetzt erst mal was sagen

Lifehacks für die große Kunst des kleinen Gesprächs

Der Einstieg übers Wetter ist immer gut. Danach muss es aber ein wenig in die Tiefe gehen und danach in der Balance bleiben. Keine Sorge: Alles eine Frage der Übung.

Kapitel 12: Warum verdammt antwortet mir hier keiner?

Kann ein Akt auf dem Drahtseil sein: Die Kommunikation über Messengerdienste

Whatsapp und Co. sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Leider haben die Mininachrichten auch Nebenwirkungen und Risiken. Wie du diese vermeidest, erfährst du hier.

Kapitel 13: Hilfe, mir steckt da ein Wort im Hals!

Schlagfertigkeit trainieren: Wie du endlich auf alles eine passende Antwort hast

Um auf blöde Sprüche cool zu kontern, musst du nicht sechs Wochen ins Rhetorik-Bootcamp. Wir verraten verbale Tricks, mit denen du lässig Paroli bietest.

Kapitel 14: Und jetzt kommst du!

Deine Bühnenshow: Goldene Regeln für Präsentationen und Auftritte

Trotz Aufregung, Nervenflattern und weichen Knien: Mit Geduld, effektiven Techniken, viel Praxis und guter Laune kann jeder lernen, wie ein Profi vor Publikum zu reden.

Besser reden – meine Favoriten

Impressum

Liebe Leserin (und natürlich auch lieber Leser),

ein Buch über Kommunikation? „Ich kann doch schon sprechen“, denkst du jetzt vielleicht und fragst dich: „Was soll ich denn damit?“ Wir sagen es gleich vorweg: Ganz viel! Denn es geht nicht um theoretische Sprachmodelle aus der Wissenschaft oder intellektuelles Theoriegeschwurbel, das dich in drei Sekunden in den Tiefschlaf befördert. Es geht um ehrliche Kommunikation, um Real Talk. Mit echten Beispielen, echten Menschen, echtem Leben. Die sind der Hauptbestandteil dieses Buches. Wir berichten von delikaten Situationen aus dem alltäglichen Wahnsinn des Lebens mit Partnern, Kids, Bossen, Kollegen, Freunden und Schwiegermüttern.

Es geht um Missverständnisse, unfreiwillige Beleidigungen in Form von gut gemeinten Ratschlägen oder schlecht gemachten Feedbacks, um Desaster in der Whatsapp-Gruppe und wie man sie vermeiden kann. Wir verraten, wie du mit schlauen Fragen tiefsinnige Gespräche führst und weder beim Small Talk noch im Dialog mit den Liebsten ohne Worte bleibst. Gut zu wissen, dass wir auch Tricks auf Lager haben, mit denen du zum Beispiel schlagfertig(er) wirst, öfter mal Nein sagst oder dir mindestens genauso oft ein beherztes Ja zutraust.

Wir treten an für feine Gespräche mit mehr Bewusstheit statt aggressivem Blindflug. Mehr Analyse statt beleidigter Leberwurst. Humor statt Groll. Wir müssen nicht alles verstehen, was andere denken und tun. Und wir müssen es auch nicht gut finden. Aber – und das ist doch spannend – egal, wie wir es finden: Mit diesem Gedanken bleiben wir gelassener. Bewusster. Fröhlicher. Witziger. Und das ist schließlich mehr, als 90 Prozent der westlichen Bevölkerung für sich verbuchen können. Läuft!

Niemand ist perfekt: Unser Scheitern jetzt schwarz auf weiß

Ach ja, wir haben noch nicht erwähnt: Dies ist auch ein Buch des Scheiterns. Genauer gesagt unseres eigenen Scheiterns. Es gibt kein Perfekt. Auch und erst recht nicht in diesem Buch. Wir berichten nicht darüber, wie perfekt wir sind – sondern wie wir uns sehr unperfekt perfekt fühlen. Selbst wir als Kommunikationsprofis tappen in die typischen Fallen, machen viel Mist und könnten uns danach in den Hintern beißen, weil wir wieder einmal unsere eigenen Regeln nicht eingehalten haben. Rummeckern, schimpfen, pauschal verurteilen, angeben, tiefstapeln, verbal stolpern, hinfallen und wenig elegant wieder hochrappeln – wir können selbst so ziemlich alles bieten, was es an Kommunikationsfehlern gibt. Warum? Einfach weil wir Britt und Sabine sind. Frauen, Mütter, Managerinnen, Speakerinnen, Freundinnen, Coaches, Selbstständige, Schatzis, Chauffeurinnen, Caterinnen, Gastgeberinnen und vieles mehr.

Der einzige Unterschied zwischen uns als Privatmenschen und als Kommunikationsprofis besteht darin, dass wir gelernt haben, wie es besser geht. Theoretisch zumindest. Wir wissen also, was besser ist, als herumzukreischen. Wo es knallen kann und wie man das vermeidet. Dass wir das im Alltag nicht immer umsetzen, ist logisch. Weil wir Gefühle, Gewohnheiten, Glaubenssätze und Autopiloten haben, die Perfektion verhindern. Zum Glück. Sonst wären wir nämlich auch noch Streberinnen.

Das, was wir selbst leben, ist auch die zentrale Botschaft dieses Buches: Sei nicht perfekt, aber fang an, über dein eigenes Kommunikationsverhalten nachzudenken. Denn damit kannst du schon wahnsinnig viel erreichen. Was tust du, wenn die Welt um dich herumbrüllt? Schreist du mit? Oder denkst du nach: Was könnte ich jetzt besser machen, als die Konflikte eskalieren zu lassen und mich in Dauerschleifen abzuarbeiten? Woher kommt mein Frust? Wie könnte ich ihn verhindern, statt mich nur drüber zu ärgern?

Wir möchten dich nicht belehren, sondern nur anstupsen, zu realisieren, was du gerade tust. Denn ganz oft kommen uns Dinge aus dem Mund, die wir eigentlich gar nicht sagen wollen. Wir sind dann wie fremdgesteuert, obwohl wir doch so gern das Ruder in der Hand hätten.

Ein großer Gedanke: Meine Welt ist nicht deine

Unser Handwerkskoffer in Buchform hilft super in vielen festgefahrenen Situationen, in denen man erst mal einen Knoten aufpulen muss. Nutz ihn wie ein Beautycase mit vielen Tools, abrufbar auf gutem Energielevel – und auch wenn die Batterien leer sind und nur Bad Vibes gefunkt werden. Im Prinzip ist alles wie immer eine Sache der Übung. Wie eine Fremdsprache, die man lernt, indem man sie spricht. Alles bleibt Theorie, bis du es anwendest. Wenn sich am Ende der Lektüre unseres kleinen Zauberbuches nur ein großer Gedanke bei dir verankert, dann gerne dieser: Meine Welt ist nicht deine Welt. Das bedeutet so viel wie: Alles ist gut. Die Überlegung schockiert kurz bis ins Mark, um sich dann wohlig ums Herz zu legen wie ein fein geschäumter Cappuccino mit einem Schuss Baileys.

Herzlichst

Kapitel 1

Also ich an deiner Stelle …

Warum Ratschläge oft ganz fiese Schläge sind

Anderen Rat zu geben, ist eine tolle Sache. Wir fühlen uns super, wenn die Welt erkennt, wie schlau wir sind. Und dürfen dabei auch noch Machtgefühle und Geltungsbedürfnis unter dem Deckmäntelchen der Hilfsbereitschaft ausleben. Komisch nur, dass diejenigen, die den Rat bekommen, sich dabei oft schlecht fühlen. Woran liegt das? Und wie klappt es besser? Unsere Devise: Ratschläge sind prima und nützlich, aber du solltest sie nicht austeilen, ohne vorher eine Legitimation einzuholen.

Die Tatsache, dass ich im Fernsehen weit mehr als zweitausend Mal öffentlich Ratschläge gegeben habe, bringt Leute auf Ideen. Zum Beispiel, mich in Beziehungsfragen zu konsultieren. „Frag doch mal Britt“, hieß es häufig in meinem beruflichen und privaten Umfeld, wenn jemand nicht mehr weiterwusste. Eine praktische Sache mit Mehrwert für mich, dachte ich. Denn ich helfe gern. Außerdem mochte ich in dem speziellen Fall den Kollegen, der mir eines Tages sein Leid klagte. Damals war ich in Sachen Kommunikation noch weniger geschult als heute.

Ich hörte mir an, wie schlimm seine Frau angeblich war, dass die Ehe schon lange kriselte, jetzt kurz vorm Ende stand und dringend etwas passieren müsse. „Kannst du nicht mal mit Lisa reden?“, bat er mich und stopfte mich mit verbaler Munition voll. Lisa sei unmöglich, gar nicht zu einer Beziehung fähig, müsse sich dringend ändern und dürfe nicht mehr an ihm herummeckern. Wenn ich das bitte diplomatisch an seine Frau überbringen könnte, würde es ihm besser gehen.

Warum nicht?, dachte ich. Ist ja für beide schön, wenn sie zusammenbleiben. Natürlich stürzte ich mich nicht gleich auf Lisa, sondern wollte eine gute Gelegenheit abwarten. Ich grübelte gefühlt ewig herum, wann der beste Zeitpunkt sein würde. Als wir uns bei einer Veranstaltung zufällig trafen und allein waren, legte ich los und erklärte ihr, wie ich ihre Probleme – leider aus der einseitigen Sicht ihres Mannes – sah und was sie in Zukunft alles besser machen müsse, damit die Liebe bliebe.

Im Nachhinein betrachtet, war das ganz schön bescheuert von mir. Welche Anmaßung, welche Überheblichkeit! Ich hatte im Auftrag eines anderen Ratschläge erteilt und Situationen brachial bewertet, ohne sie auch nur ein einziges Mal aus Lisas Perspektive gehört zu haben.

Gut gemeint ist leider nicht gut gemacht

Der Schuss ging nach hinten los. Lisa war stinksauer („Wie kannst du dich in meine Beziehung einmischen?“), ich beleidigt („Ich habe es doch nur gut gemeint“). Es dauerte, bis wir uns wieder versöhnen konnten. Das war eine gefährliche Kiste und ein typischer Fall für „gut gemeint ist nicht gut gemacht“.

Selbst als Kommunikationsprofi bin auch ich, Sabine, nicht vor Ratschlagfallen gefeit. Ich erinnere mich noch gut, dass ich direkt nach meiner Trainerausbildung das Gefühl einfach nicht loswurde, ich müsse ständig irgendetwas Schlaues sagen. Das war nicht nur für mich tierisch anstrengend, sondern auch für meine Freundinnen und Freunde. Denn plötzlich war ich der Coach für alle Fälle und in allen Lebenslagen. Im Glauben, immer eine tolle Antwort parat haben zu müssen, analysierte ich manchmal wohl wie im Reflex. Erst als ich merkte, dass ich anderen damit ganz schön auf den Senkel ging, manchen Angst machte und einige sogar „aggro“ wurden, kriegte ich die Kurve und erkannte: Ich kann vieles, aber nicht zuhören.

Als ich beim Radio arbeitete, war ich in einigen Redaktionen gefürchtet, weil ich in Meetings immer auf dem Gaspedal stand und ungeduldig über die Köpfe anderer hinweg entschied. „Langsame“ Menschen fand ich furchtbar anstrengend – und für die war ich anstrengend. Das war vor meiner Trainerausbildung. Als frischgebackene Trainerin bin ich dann einer ebenso häufigen wie nervigen Sache erlegen: dem ungefragten Feedback. Das ereilt sehr viele neue Coaches und Trainer: zu viel Interpretieren, zu viel Spüren, zu viel Meinung und zu viel Helfersyndrom, weil man ja schon „bewusst“ und „erleuchtet“ ist. Dieses Phänomen kann man wunderschön auf Instagram und Co. beobachten – und zwar überall dort, wo mit Inbrunst Sinnsprüche gepostet werden, vor allem solche, die es schon zigfach irgendwo anders zu lesen gibt.

Warum passiert das nicht nur uns Profis, sondern auch unzähligen anderen, die mit vermeintlich netten Ratschlägen tief ins Fettnäpfchen treten? Sind Ratschläge überhaupt erlaubt, wenn sie so gewaltig schiefgehen können? Natürlich, sagen wir, denn Ratschläge sind alles andere als schlecht. Viele sind richtig nützlich, tun gut, machen groß und helfen uns durchs Leben.

Bei diesem Thema liegen die Tücken wie so oft im Detail und eher im Wie als im Was. Hört sich abstrakt an? Deutlich wird es, wenn man die verschiedenen Perspektiven betrachtet und das Ratgeben nicht grundsätzlich infrage stellt. Es gibt Menschen, die Rat verteilen, und welche, die ihn empfangen. Das ist die Basis. Beide Rollen sind völlig unterschiedlich. Es ist natürlich gar nichts dagegen einzuwenden, wenn wir andere unterstützen, indem wir ihnen mit Rat zur Seite stehen. Wir brauchen aber die Legitimation dafür. Und die müssen wir uns vom Gegenüber holen, bevor wir loslegen. Ein freundliches „Darf ich dir einen Rat geben?“ reicht als Startschuss schon aus. Wenn der andere damit einverstanden ist, kann es losgehen. Aber bitte mit Gefühl.

Die Perspektive des Ratgebers

Betrachten wir erst einmal die Perspektive des Ratgebenden. Ihm geht’s – zumindest am Anfang – recht gut, wenn er seine Weltanschauung herausposaunen darf. Schließlich zeigt jeder gern, wie clever er ist und was er alles kann. Wir fühlen uns kompetent, wertgeschätzt und respektiert, vielleicht sogar bewundert. Wir lieben es also, Ratschläge zu erteilen, denn das erhöht das eigene Machtgefühl. In lehrenden Berufen müsste der Zwang zum Tippsausteilen eigentlich als Berufskrankheit anerkannt werden. Ratschläge sind prima Streicheleinheiten fürs eigene Ego mit einem praktischen Zusatzeffekt: Wir müssen uns dafür noch nicht einmal sonderlich anstrengen. Denn anderen etwas vorzuschlagen, ist meist leichter, als es selbst zu tun. Also laufen wir zur Hochform auf. Kommt noch ein wenig Neigung zum Größenwahn hinzu, überschätzen wir uns leicht. Wir belästigen andere und werden Nervbolzen, wenn jeder Satz beginnt mit „Also ich in deiner Situation würde …“.

Zwischenmenschliches Verhalten löst Machtgefühle aus. Auf der Basis dieser Erkenntnis untersuchte ein Team um Michael Schaerer von der Singapore Management University den Zusammenhang von Macht und Ratschlägen. Dabei stellten die Forschenden fest, dass jemand, der als Ideengeber fungiert, sein eigenes Machtgefühl stärkt. Logisch, dass diejenigen, die nach Macht streben, sehr gern beraten. Demnach gilt: Wer nach Macht strebt, teilt eher großzügig und ungefragt Ratschläge aus und weiß es zu schätzen, dass er dabei unter dem Deckmäntelchen der Hilfsbereitschaft vorgehen kann. Macht und Ratschlaggeben spielen dynamisch zusammen. Das gilt übrigens nicht nur für typische Machthaber und Nach-Macht-Streber. Auch Menschen, die nicht viel mit Führungswillen am Hut haben, spüren die wohltuende Wirkung.

Aus der Sicht des Empfängers

Ungemütlich wird’s dann für die Gegenseite. Denn jede Predigt braucht einen Zuhörer, um nicht ins Leere zu gehen. Natürlich wäre es klasse, wenn andere geduldig zuhören, artig danken, das Erlernte umsetzen und drei Tage später positiv feedbacken („Das war wirklich ein toller Rat von dir. Jetzt ist bei mir alles wieder gut“). Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass das eher selten vorkommt. Und wenn, dann in praktischen Dingen. Wie erstellt man eine Exceltabelle? Wo gibt’s einen günstigen Handytarif? Wie kriege ich mein Klo ohne chemische Keule sauber? Hast du ein Rezept für Suppe mit Kokosmilch und Currypaste? Auf der Sachebene flutscht das, doch sobald Emotionen ins Spiel kommen, bebt die Erde.

Aus der Sicht des Empfängers sind Ratschläge häufig Belehrungen, Angriffe, Beleidigungen oder Demütigungen. Der Vorschlag, etwas besser zu machen, impliziert unausgesprochen, dass das Bisherige nicht gut war. Und das trifft tief ins Herz, ins Epizentrum der Emotionen. Faustregel: Kommt der Rat ungefragt, gefällt er meist nur dem, der ihn gibt.

Minenfeld Job

Die folgende Situation ist aus dem Berufsleben gegriffen und du hast sie vielleicht selbst schon erlebt oder warst sogar selbst betroffen. Stell dir vor, eine Kollegin hat folgendes Problem: Die Chefin meckert regelmäßig an ihr herum, kritisiert ihre Arbeit vor allen. Die Betroffene heult sich bei den Kollegen aus und fragt: „Wie soll ich bloß damit umgehen?“ Nun baut sich einer nach dem anderen vor ihr auf: „Wie kann man nur so empfindlich sein!“ – „Nimm’s positiv!“ – „Ich an deiner Stelle würde einfach mal zurückbrüllen“ – „Ich habe kein Problem damit, ich höre einfach weg“ – „Ich habe drei Jahre mit einem Chef ausgehalten, der noch viel schlimmer war“ …

Hilft das der Kollegin weiter? Wahrscheinlich nicht. Stattdessen weiß sie jetzt, dass die anderen sie mimosenhaft finden, dass ihre Sicht auf die Welt zu düster ist, dass sie zu ängstlich ist und eigentlich gar nicht in diesen Beruf passt. Und sie wird mit großer Wahrscheinlichkeit das Gefühl haben, als hätten die lieben Kollegen nur darauf gewartet, auf ihr herumhacken zu dürfen. Und noch schlimmer: Sich auch noch die Mitschuld dafür geben. Sie hat schließlich gefragt.

Anregen statt herunterputzen

Wie schade, wenn sich die Situation wirklich so abspielt, denn hier könnte vieles besser laufen. Ein Mensch mit mehr Bewusstheit über Kommunikation kann gute Anregungen liefern:

Wie wäre es, die meckernde Chefin um ein Feedbackgespräch zu bitten (Read more: „Ich muss mal mit Ihnen sprechen!“, S. 124 ff.)? Vielleicht stellt sich dabei heraus, dass sie das gar nicht so meint. Oder selbst unter Druck den Kopf verliert und sich entschuldigt.

Eine andere Strategie: Du bist ein gelassener Typ, meisterhaft im Meditieren und cool genug, den Sturm einfach an dir vorbeiziehen zu lassen und deine Emotionen auszuschalten? Dann konzentrier dich nur auf einen Gedanken: „Ich nehme das nicht persönlich.“ Ist eine prima Lösung, gelingt aber leider kaum jemandem.

Verbündete helfen meist besser. Gibt es einen Mentor, eine Chefin oder einen Chef der meckernden Chefin? Du kannst dort um ein Gespräch bitten. Es ist wichtig, aus der Opferrolle herauszukommen und auf Augenhöhe zu arbeiten.

Andere Variante: Find heraus, ob nur du leidest. Bist du nicht allein, ist Aussitzen vielleicht eine energiesparende Option. Führungskräfte, die mit vielen Leuten Probleme haben, halten sich oft nicht lange.

Nicht vergessen: Wenn sich nichts ändert, hast du langfristig immer noch die Möglichkeit, zu kündigen oder in ein anderes Team zu wechseln. Denn manche Menschen lassen sich einfach nicht ändern. Darauf zu warten, wäre verschwendete Lebenszeit.

Erste Hilfe, wenn es dich trifft

Ratschläge ohne Legitimation sind unangenehm. Trotzdem muss eine Begegnung mit ungebetenen Tipps nicht zur Katastrophe werden. Denn viele Menschen sind sich über die Wirkung nicht im Klaren. Wenn dir das passiert, hast du immer noch Rettungsanker:

Um das Thema in eine andere Richtung zu lenken, fragst du zurück: „Du würdest mir raten, mein Kind früher schlafen zu legen. Hast du selbst Kinder? Wie kriegst du die zeitig ins Bett?“ Oder, wenn dein Gegenüber kein Kind hat: „Kennst du Familien, in denen das klappt? Das würde mich interessieren.“

Nimm den ungebetenen Tipp als Aufhänger für ein hoffentlich angenehmeres Gespräch. Ein Kollege rät dir zu mehr Sport? Du übergehst die möglichen Hintergedanken und erzählst eine Anekdote aus deiner Kindheit aus der Volleyballmannschaft – und schon seid ihr bei einem anderen Thema.

Wenn jemand glaubt, dir sagen zu müssen, dass es mal Zeit für eine andere Frisur wird, darfst du zugeben, wie das auf dich wirkt: „Ich habe das jetzt als Kritik an meinen Haaren verstanden. Ist das wirklich so gemeint?“

Wenn ein Ratschlag überhaupt nicht passt, lehnst du höflich ab: „Ich glaube, das ist nichts für mich.“

UND WAS IST MIT?

Klugscheißen unter Eltern

Ratschläge an Eltern? Ganz gefährliches Terrain! Man kann sich dabei eigentlich nur die Finger verbrennen, sodass man sich besser komplett heraushält. Wer insbesondere bei einer Mutter klugscheißen will, versetzt ihr meist einen regelrechten Dolchstoß ins Herz. Denn so gut wie jede ungebetene Einmischung kommt als Belehrung und Kritik rüber. Wenn die Mutter eines kleinen Gelassenheitswunders ein ADHS-Kind beobachtet und sie beiläufig erwähnt, dass bei ihr zu Hause feste Rituale Liebe und Geborgenheit vermitteln und alle ganz artig am Tisch sitzen, muss sie noch nicht einmal verbal nachtreten („Versuch das doch auch mal“). Sie hat ja schon gesagt, dass es Zappelchens Mama an der Mutterkompetenz schlechthin fehlt: an der Fähigkeit, dem eigenen Kind Liebe zu geben. Schlimmer geht’s nimmer.

Selbst im Small Talk grassiert die Seuche. Wildfremde Leute flöten beim Anblick eines Kleinkindes los: „Oh, süß, Mädchen oder Junge? Wie alt ist es denn?“ Kaum hat die stolze Mutter geantwortet, nimmt der selbst ernannte Experte das als Stichwort für Ratattacken. „Als mein Sohn in dem Alter war, hatten wir die Windel schon abgelegt. Frühes Töpfchentraining, sage ich nur.“

Ob es um Einschlafen, Essen, Schreien, Trotzen, Streiten oder anderen Alltagskram geht – hier kann man nur mantramäßig herunterbeten: Jedes Kind ist anders, jede Familie ist anders. Niemand muss mit anderen verglichen werden. Und das ist gut so. Beiß dir lieber auf die Zunge, als mit einem ungebetenen Rat auf der Verhaltensebene herauszuplatzen.

Ausnahmen gibt es wirklich nur wenige. Sie gelten in der Elternszene allenfalls im Bereich Taktik und Technik: Welcher Möhrchenbrei ist gut? Wer kennt einen tollen Babysitter? Etc. Hier sind Eltern froh um Tipps. Es kann auch passieren, dass du explizit um Rat gefragt wirst und zufällig jemanden kennst, der genau dieses Problem schon gelöst hat. Dann ist die Legitimation tatsächlich da.

Du wirst um Rat gefragt? – Hier kommen unsere Don’ts

Auch wenn du zu den vorbildlichen Beratern zählst, die sich nicht ungefragt aufdrängen und ihr Gegenüber mit ihrem Wissen nerven, ist dem anderen noch nicht unbedingt geholfen. Denn das System des Ratgebens ist fehleranfällig.

Bestenfalls bittet dich jemand anders um einen Rat und gibt dir damit die Legitimation zum Senfabgeben. Du freust dich oder fühlst dich geschmeichelt. Und auch der Ratsuchende freut sich, dass er einen netten Menschen gefunden hat, und fühlt sich ebenfalls geschmeichelt. Schließlich zeigst du ihm, indem du dich mit ihm beschäftigst, dass er dir wichtig ist. Das ist erst einmal sehr gut. Doch sobald es losgeht, schleichen sich meist unbewusst typische Fehler ein, die bei Ratsuchenden Unbehagen auslösen – und zwar auch dann, wenn der Ratschlag eigentlich klug ist. Dazu gehören:

# 1: Wir schließen von uns auf andere

„Ich kann zu Hause so schlecht lernen“, klagt der Studierende, „ich weiß gar nicht, wie ich mein Studium überhaupt schaffen soll.“ Reflexartig springt sein beratender Mensch gedanklich zurück in seine eigene Studienzeit „Also ich habe mich damals immer in die Bibliothek gesetzt. Das hat geholfen.“

Besser: Überleg zuerst, ob deine Situation mit der des anderen vergleichbar ist. Erkundige dich, in welchen Situationen genau das Lernen schwerfällt. Was lenkt ihn ab? Stell ruhig weiterführende Fragen: Wann ist das Lernen mal besonders gut gelungen? Auf welche Art und Weise lernt er? Was macht ihm beim Lernen Spaß, was ist eher eine Qual?

# 2: Wir neigen zum vorzeitigen Lösungserguss

Kaum hat das Gegenüber den Mund aufgemacht, um etwas zu sagen, da wird es auch schon mit der Lösung des Problems abgefertigt: „Du musst das so machen und gar nicht länger drüber nachdenken.“

Besser: Erst mal cool bleiben und den Mund halten. Oft will der andere nämlich gar nicht unbedingt eine Lösung oder zumindest nicht sofort, sondern erst mal klagen. Das kann sehr befreiend sein und hilft, um Dampf abzulassen. Dann ist Trost wichtiger als ein Rat.

# 3: Wir hören nicht richtig zu

Wenn jemand um Rat bittet, rattert es meist im Hirn des übereifrigen Ratgebers. Juhu, da findet mich jemand so toll, dass er mich fragt. Da muss es aus mir heraussprudeln wie aus einem Wasserfall. Warum noch zuhören? Ich weiß die Lösung doch schon und möchte damit auch nicht länger hinterm Berg halten.

Besser: Nicht sofort seinen Senf dazugeben. Den Ratsuchenden erst einmal ausreden lassen und eventuell bei Unklarheiten nachfragen. Was ist genau passiert? Wer war beteiligt? Wie kam es zur Eskalation eines Konfliktes?

# 4: Wir haben eine einzige All-in-one-Lösung

„Ich würde ja so gern mit dem Rauchen aufhören. Aber ich schaffe es einfach nicht. Wie hast du das denn hingekriegt?“, fragt der Raucher die Ex-Raucherin. Nichts schöner als das, denkt sie. Denn auf diesem Gebiet hält sie sich für eine wirklich gute Ratgeberin; schließlich hat sie ihre Kompetenz in Sachen Aufhören als ehemalige Raucherin schon unter Beweis gestellt, weil sie ja eben nicht mehr raucht. Ihr Rat: „Heute Abend die letzte Zigarette und dann nie wieder. Das ist die einzig mögliche Lösung. So habe ich das gemacht, und anders geht’s nicht.“ Das ist ein Trugschluss.

Besser: Wie bei den meisten Themen gibt es beim Rauchstopp nicht nur eine Lösung, sondern viele verschiedene Strategien, die bei jedem anders wirken. Ob mithilfe einer Verhaltenstherapie, mit Medikamenten, die den Abschied vom Glimmstängel erleichtern, oder Zigarettenalternativen – verschiedene Möglichkeiten statt einer All-in-one-Lösung sollten im Mittelpunkt des Beratungsgesprächs stehen.

# 5: Wir machen es uns zu leicht

Die Freundin steht kurz vorm Burn-out. „Ich habe so viel zu tun, ich weiß gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht.“ „Puh, Allerweltsproblem, da fällt mir auch nichts ein“, denkt der auserwählte Berater. Er will aber trotzdem kompetent wirken und flüchtet sich in Phrasen: „Das Leben ist kein Ponyhof/Zuckerschlecken/Kinderspiel. Wir haben es alle nicht leicht. Kopf hoch.“

Besser: Auch wenn viele gern über Stress klagen (wirkt so schön wichtig), kann das ein ernster Hinweis sein. Statt es sich leicht zu machen und pauschale Durchhalteparolen abzuliefern, frag gezielt nach: Seit wann bestehen die Probleme? Was ist vorher passiert? Würde es helfen, wenn ich mit dir nach Lösungen suche?

# 6: Wir treten als Trampeltier auf

Jemand hat Bulimie und du willst helfen? Dann gehen naheliegende Tipps leicht über die Lippen. „Iss doch mal was“ oder „Ich finde, ein bisschen mehr würde dir gut stehen“. Einem Menschen mit Depressionen „Lach doch mal wieder“ oder „Geh mal an die frische Luft“ zu empfehlen, ist ebenso unangemessen, wie einem Krebskranken die Vorzüge von grünem Tee als Allheilmittel zu predigen.

Besser: Wer ernsthafte Probleme hat, ist Kummer mit vermeintlich guten Ratschlägen gewohnt. Da muss niemand verbal nachtreten. Totschweigen und so tun, als wäre nichts, ist aber auch keine Lösung. Kommt das Thema zur Sprache, darf man gerade auch bei Menschen, die einem nahestehen, ruhig nachfragen: Willst du drüber reden? Heute, morgen, vielleicht ein anderes Mal? Lieber gar nicht?

# 7: Wir weisen dem Ratsuchenden die Schuld zu

Haus, Hund, Hof und vier Kinder – da wissen auch Menschen oft nicht weiter, die ihr Leben sonst gut im Griff haben. „Und jetzt muss in der Firma auch noch der Jahresabschluss fertig werden. Wie soll ich das bloß alles schaffen?“ Für viele Außenstehende ist der Fall klar: „Selber schuld. Warum schaffst du dir vier Kinder an und bist auch noch berufstätig? Klar, dass du da zeitlich in Schwierigkeiten kommst.“ Wer als Ratgeber so reagiert, kann relativ sicher sein, nie wieder um Hilfe gebeten zu werden.

Besser: Eine Analyse in aller Ruhe hilft mehr als fixe Schuldzuweisungen. Wo gibt’s Möglichkeiten zur Entlastung? Wer kann miteinbezogen werden? Was erleichtert den Alltag? Oder wie befreit man sich vom Perfektionismus? Meist gibt es mehrere Stellschrauben, an denen man drehen kann.

# 8: Wir sind zu ungeduldig

Wenn jemand uns mehrmals in derselben Sache um Rat fragt, neigen wir zur Ungeduld: „Das habe ich dir schon mal gesagt. Warum hörst du nicht auf mich?“ Der Ratsuchende fühlt sich ertappt und hat ein schlechtes Gewissen.

Besser: Überleg dir, warum dein Rat nicht angenommen wurde. War er vielleicht unangemessen oder zu schwierig umzusetzen? Hast du ihn schlecht rübergebracht? Kannst du das – vielleicht nach der Lektüre dieses Buches – besser? Bezieh den Ratsuchenden in deine Überlegungen mit ein und geht gemeinsam auf Ursachensuche.

JETZT DU

Aufraff-Helferlein

Du hast Motivationsprobleme? Dann spring öfter mal als Ratgeber für andere ein, denen es ähnlich geht. Wie ist das denn zu verstehen?, fragst du dich vielleicht. Forscherinnen der University of Pennsylvania fassten ihre Erkenntnisse dazu folgendermaßen zusammen: Gute Ratschläge zu geben, beeinflusst die Motivation stärker positiv, als welche zu bekommen. Das heißt: Deine eigene Motivation, Dinge zu tun, wird besser, indem du anderen hilfst. Möglicherweise liegt es daran, dass zuerst das Selbstbewusstsein steigt, wenn man Tipps geben darf, und die Motivation sich dadurch von allein erhöht.

Fazit: