Ollys Einwurf - Dirk Oltersdorf - E-Book

Ollys Einwurf E-Book

Dirk Oltersdorf

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Beschreibung

Die Kolumne „Ollys Einwurf“ ist seit der ersten Ausgabe des Bochumer Stadtteilmagazins „Der Ehrenfelder“ fester Bestandteil des Heftes. Monat für Monat entstand über sechs Jahre eine kleine Ehrenfelder Chronik mit kuriosen, schönen, skurrilen, mal sinnvollen oder auch sinnfreien Geschicht(ch)en rund um das kultige Wohnviertel und eine von vielen Lesern lieb gewonnene Rubrik. Den Namen Ehrenfeld sucht man in der Bochumer Verwaltungswelt allerdings vergebens. Dieser gemütliche Flecken, grob gelegen zwischen Bermuda-Dreieck, Universitätsstraße, Wiesental und Eickhoff, gehört vollständig zu Wiemelhausen. Die Umbenennung in „Ehrenfeld“ vereinbahrten im März 1874 kurzerhand die Anwohner, als Erinnerung an den siegreichen deutsch-französischen Krieg. Eine bis heute einprägsame Bezeichnung, die zwar niemals den Rang eines Stadtteils erhielt, aber dank Clemens Erlemann, dem „Architekten“ des Ehrenfeld, seit Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem beliebten Wohngebiet wurde. Übrigens wohnt man nicht IN Ehrenfeld, sondern IM Ehrenfeld.

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Seitenzahl: 91

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Verrückt, vertrackt, verschmitzt, verschroben – aber immer versöhnlich.

Für die Einzige

(Mehr Glück kann Mann nicht haben)

„… wer wohnt schon in Düsseldoooooorf …“

(Herbert Grönemeyer)

Das Buch

Die Kolumne „Ollys Einwurf“ ist seit der ersten Ausgabe des Bochumer Stadtteilmagazins „Der Ehrenfelder“ fester Bestandteil des Heftes. Monat für Monat entstand über sechs Jahre eine kleine Ehrenfelder Chronik mit kuriosen, schönen, skurrilen, mal sinnvollen oder auch sinnfreien Geschicht(ch)en rund um das kultige Wohnviertel und eine von vielen Lesern lieb gewonnene Rubrik. Den Namen Ehrenfeld sucht man in der Bochumer Verwaltungswelt allerdings vergebens. Dieser gemütliche Flecken, grob gelegen zwischen Bermuda-Dreieck, Universitätsstraße, Wiesental und Eickhoff, gehört vollständig zu Wiemelhausen.

Die Umbenennung in „Ehrenfeld“ vereinbarten im März 1874 kurzerhand die Anwohner, als Erinnerung an den siegreichen deutsch-französischen Krieg. Eine bis heute einprägsame Bezeichnung, die zwar niemals den Rang eines Stadtteils erhielt, aber dank Clemens Erlemann, dem „Architekten“ des Ehrenfeld, seit Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem beliebten Wohngebiet wurde.

Übrigens wohnt man nicht IN Ehrenfeld, sondern IM Ehrenfeld.

Viel mehr Ehrenfeld-Informationen hier: www.historisches-ehrenfeld.de

Der Kolumnist

Dirk „Olly“ Oltersdorf ist ein Ur-Ehrenfelder. Langjährig und sehr glücklich verheiratet mit der „Einzigen“, bekennender Rotwein-, Whisky- und Ruhrgebietsfan lebt seit seiner Fertigstellung sehr gern in Bochum.

Als gelernter Schriftsetzer arbeitete er später fest und frei als Werbetexter, Autor, Gag- und Ghostwriter. Neben Lesungen eigener Texte ist er in Kombination mit dem Irish-Folk-Singer Rüdiger „Bolle“ Boldt, Blues-Maniac Ralf Weber und Macondo-Herausgeber Frank Schorneck ein Viertel des in Bochum weltberühmten Kult-Quartetts „Whiskylesung“.

Mehr über ihn unter www.dirkoltersdorf.com

Inhaltsverzeichnis

Ein Rückblick

Warten gehört zu unserem Leben

Holterdipolter

Wissenslücken

Verbindungsprobleme

Alle Jahre wieder

Ehrenfelder Nächte sind lang

Tief im Westen

Exzenter-Exzentrik

Non scholae, sed vitae discimus

99 Luftballons

FIFA:

F

eine

I

nternationale

F

ußball

A

bzocke

Ein ganzes Jahr Geschichten von daheim

Spanische Schnupfenfarm: Hatschienda

Ehrenfelder Kochstudios

Schilda, Ortsteil Ehrenfeld

Sackerl für’s Kackerl

Straßenbau, (k)ein Kinderspiel

Lizenz zum Gelddrucken

Es grünt so grün

Über sieben Brücken musst Du geh’n

Steht der Großglockner jetzt im Ehrenfeld?

Wir werden wieder Weltmeisterin

Niemals geht man so ganz

Oskar-Hoffmann-Straße reloaded

So klein, so süß und so beliebt

Entzugsstrapazen

Die Welt ist komisch, aber nicht lustig

Eiskalt erwischt

Inselkoller

Ist das Kunst oder kann das weg?

Zugeschaut, mitgebaut

Dunkler Fleck auf grüner Lunge

Nix für ungut

Skurrile Ausgrabungen und schräge Geografie

Beam' uns hier raus, Scotty!

Wo sind eigentlich die Postkarten hin?

Bochumer Endzeit-Blues

Raucherland bald abgebrannt

Kulinarische Horizonte

Die deutschen Adler sind müde

Kauderwelsch und Dummtipp

Ich mich bewerben? Ich muss gefunden werden!

Das Runde gibt’s auch in eckig und oval

8chtung, 2felhafte Erscheinung

Farbenfrohe Monotonie

Wann wird’s endlich wieder wie es nie war

Transparent ist an Bochums Baustellen nur das Glas

Nikolaus, ich halt’s nicht aus

Jubeln, bis weit über die Schmerzgrenze

Herzlichen Glückwunsch, liebe „3Sätzler“

Als wie wennze sachs den VfL gibbet ni mer

Neuer Deckel, lecker Fleisch und Amtsschikane

Falscher Hase in der Wahlkampfgeisterbahn

Farbenfrohes Bochum, Wurst & WM

Der Mai ist vorüber, die Bäume schlagen aus

VfL Bochum schafft das Double

Kindheit, Redaktionsschluss und Oppa-Humor

Es gibt Tage…

Tolle Aussichten

Genau so war es, ich schwöre!

Due Funghi, per favore – zwei Pils, bitte

Dann doch lieber Regen und den VfL

Denkmalschutz

Wo bitte geht’s zum Ehrenfeld

Rollendes und Kühlendes

Lesen gefährdet die Dummheit

Bestattungsmarathon

Zur Bürgermeisterwahl – jeder bitte nur ein Kreuz

Knappschaftsmaiabendfestbaumblues

Vom Feeling her habe ich ein gutes Gefühl

Es kann unmöglich so schwer sein

Och, schon aus

Die Whiskyleser

Ein Rückblick.

Aufgrund einer schwerwiegenden Karma-Verwechslung erblickte ich das elektrische Licht der Welt nicht in finanziell üppig gepolsterter Umgebung, sondern befand mich, sobald die verklebten Äuglein es zuließen, in einer rustikalen, aber durchaus heimelig zu nennenden Hein de Groot-Atmospähre der 1960-er-Jahre.

Die bis heute nicht dem Umbenennungswahn zum Opfer gefallene Gabelsbergerstraße war für die ersten zwölf Lebensjahre mein Mikrokosmos. Hier pulsierte, nicht nur auf wohnlich engstem Raum, das Leben. Schräg gegenüber – in der Beletage – der Friseursalon Venues, ums rechte Eck der winzige Tabakladen Nate, dessen Größe nach Schließung soeben zum Umbau in eine winzige Garage reichte.

Links herum der kleine Lebensmittelladen von Herrn Schwengel – ja, so hieß er wirklich. Lange bevor das Wort Marketing, geschweige der Fachbegriff „Quengelregal“ erfunden wurden, hatte der stets in einem blütenweißen Nyltestkittel steckende Inhaber erkannt, dass die Positionierung von Süßigkeiten im winzigen Gang vor der einzigen Kasse bei den unzähligen Kindern der Gegend erhebliche Begehrlichkeiten weckt, denen sie beim Einkauf mit ihren Müttern lautstark Ausdruck verliehen.

Begrenzt wurde unsere Straße am oberen Ende vom Graf-Engelbert-Gymnasium und unten vom Dr. C. Otto-Unternehmenssitz, einem für uns damals unfassbar hohen Gebäude; so mussten Wolkenkratzer aussehen. Heute befindet sich dort die GLS-Bank. Nicht zu vergessen die legendäre „Kellerbude“ auf der Saladin-Schmitt-Straße, die es leicht verändert noch heute gibt und den längst verschwundenen Bäckerladen Schütter auf der Königsallee, dem ich meine Gottseidank überstandene Baiser-Abhängigkeit verdanke. Dieses auch „Spanischer Wind“ oder „Meringue“ genannte weiße Schaumgebäck aus gezuckertem Eischnee oder Aquafaba hat bis heute erheblichen Anteil an meinem Gewicht.

Viel Vergnügen und beste Grüße.

Der Ehrenfelder, Ausgabe September 2009

Warten gehört zu unserem Leben.

An der Supermarktkasse oder der Haltestelle, auf die große Liebe, die richtigen Lottozahlen oder auf Godot. Aber muss diese sowieso schon nervige Warterei noch durch eine Zusatzampel an der Kreuzung Hattinger und Yorckstraße unnütz verlängert werden? Ob zu Fuß oder mit dem Auto, sie erwischt mich jedes Mal. Gefühlte 14 Tage stehe ich dann dort herum und sehe einem orangen Blinklicht bei der Arbeit zu. Manchmal leistet ihm ein beleuchtetes Warndreieck mit dem Schriftzug „Feuerwehr!“ Gesellschaft. Bei der Premiere war das noch spannend. Neugierig suchte ich nach einer endlosen Karawane rasender Großfahrzeuge, besetzt mit wettergegerbten Haudegen in feuerfesten Uniformen, die rasant schlitternd abbiegen, um einer Feuersbrunst kalifornischen Ausmaßes Einhalt zu gebieten. Ich wartete … und wartete … und wartete. Nichts, absolut gar nichts geschah. Ich hatte bereits den Wagen sorgfältig gesäubert, mir Essensreste aus den Dritten gepuhlt, ein langes Gespräch mit meinem Vater geführt und wollte gerade das letzte Kapitel von „Krieg und Frieden“ beenden, als endlich ein Rettungswagen mit zwei vergnüglich plappernden Sanitätern im Schritttempo in Richtung Schauspielhaus fuhr. Heute weiß ich, ich hatte Glück. An manchen Tagen ist trotz ewigem Geblinke überhaupt kein Einsatzfahrzeug in Sicht. Die Sonderampel erlischt dann einfach und gibt den Job an ihren etatmäßigen Kollegen zurück. Ist das nicht verrückt? Überall in Bochum treiben mich plötzlich auftauchende Rettungsfahrzeuge fast in den Herztod. Aber ausgerechnet hier im Ehrenfeld, wo ich durch die Nähe zu Bergmannsheil und Feuerwache sowieso auf der Hut bin, stellt man meine Geduld mit dieser blöden Ampel täglich auf die Probe. Stehe ich vor dem Schuhhaus Dömer herum und warne Kunden, dass hinter der Tür Fußbekleidung lauert?

Der Ehrenfelder, Ausgabe Oktober 2009

Holterdipolter.

Ein Schweizer Käse ohne Löcher würde die Eidgenossen in tiefe Depressionen stürzen. Poolbillardspieler stünden entsetzt vor ihren Tischen, müssten sie auf ihre sechs Taschen verzichten, in denen kunstvoll die Kugeln verschwinden. Der Erfinder Louis Leitz wäre verarmt und verkannt gestorben, kämen seine berühmten Aktenordner ohne das Griffloch im Ordnerrücken daher. Sie sehen, Löcher haben durchaus ihre Bewandnis und Berechtigung. Schleierhaft ist mir jedoch, was sie seit Jahrzehnten auf der Oskar-Hoffmann-Straße zwischen Schauspielhaus und der großmannssüchtigen Endlos-Baustelle des Exzenter-Hochhauses verloren haben. Dieser Straßenabschnitt müsste mit Warnschildern gekennzeichnet werden, da jedes Befahren einen massiven Verstoß gegen die Genfer Menschenrechtsverordnung darstellt. Wieviele Zahnfüllungen mir die unzähligen, in jedem Frühjahr aufs Neue von der Stadt laienhaft geflickten Schlaglöcher bereits gelockert haben, kann ich nur grob überschlagen. Einige Untiefen bieten genug Platz, um mühelos einen Ölwechsel durchzuführen – aber das ist ja verboten. Auch kann ich nicht ermessen, wie lange mein betagtes Automobil diese Folter überhaupt noch verkraftet, bevor es comicgleich auseinanderbricht. Der CD-Spieler zumindest lässt sich jedes Mal nach dem Eintauchen in die erste Kuhle bis zum Ende der Marterstrecke nicht mehr dazu bewegen, auch nur einen weiteren Ton von sich zu geben. Wahrscheinlich werde ich es nicht mehr erleben, dass dieses Stück Ehrenfelder Lebensader eine durchgängige und professionelle Fahrbahndecke erhält. Aber den Enkeln meines Neffen drücke ich fest die Daumen.

Der Ehrenfelder, Ausgabe November 2009

Wissenslücken.

Da lebt man Jahrzehnte in diesem gemütlichen Vor-Stadt-Viertel und glaubt alles und jeden zu kennen und dann kommen die Herren Bleidick und Ernesti daher und beweisen einem das Gegenteil. Erleuchtet wurde ich Ende Oktober in der sympathischen Buchhandlung Napp, als Augen- und Ohrenzeuge bester Heimatgeschichte. Mit Fotos, Plänen und Postkarten zeichneten die oben erwähnten ein spannendes Bild des Ehrenfeld, bei dem mir viele Fragezeichen im Gesicht standen. Oder kannten Sie Clemens Erlemann, den „Architekten“ unseres Viertels? Ich musste passen. Überrascht war ich auch, dass hinter dem heutigen Schauspielhaus, am Standort der Kammerspiele, die Familie von Schell im Haus Rechen residierte. Dort konnte man noch vor 100 Jahren mit Ruderbooten das Anwesen umrunden oder sich gastronomisch verwöhnen lassen. Interessant fand ich zudem, wer die Drusenbergschule tiefer gelegt hat, wieso das Knappschaftsgebäude nicht an der Königsallee steht und wie das Traditionslokal „Panzergrotte“ zu seinem Namen kam. Außerdem fragte ich mich, ob Mr. Bermuda-Dreieck weiß, dass es 80 Jahre vor seinem Freisitz am Mandragora bereits einen großen Biergarten im Rechener Park gab? Nach all diesen Neuigkeiten platzte ich fast vor Stolz, dass ich das einstige Kino „Lichtburg“ kannte (Oppa Heinrich sei Dank) und wusste, dass das Graf-Engelbert-Gymnasium mal Bismarckschule hieß. Dass aber am heutigen Finanzamt-Süd das 5-Sterne „Parkhotel Haus Rechen“ prunkte, hielt ich zunächst für einen Scherz. Interessant jedoch, dass den Menschen an dieser Stelle bis heute Geld aus der Tasche gezogen wird.

Nach Lektüre des Buches „Historisches Ehrenfeld“ bin auch ich endlich stadtteiltauglich und die erwähnten Fragezeichen sind stabilen Ausrufezeichen gewichen.

Der Ehrenfelder, Ausgabe Dezember 2009

Verbindungsprobleme.