Onlinesucht - Isabel Willemse - E-Book

Onlinesucht E-Book

Willemse Isabel

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Beschreibung

Was tun, wenn der Umgang mit Gadgets zur Sucht wird? Smartphones, Tablets und Laptops sind zu unseren ständigen Begleitern geworden, das Scrollen durch Soziale Netzwerke wie Instagram oder TikTok, das Versenden von Bildern oder Textnachrichten und das Spielen von Videogames gehören zu beliebten Freizeitbeschäftigungen. Ein Großteil der Jugendlichen und Erwachsenen beweist einen kompetenten und vernünftigen Umgang mit diesen Gadgets und kann sich problemlos zwischen digitaler und analoger Welt hin und her bewegen. Aber es gibt auch einen kleinen Teil, dem das nicht gelingt. Wenn die exzessive Mediennutzung negative Auswirkungen auf das Sozialleben und Hobbys, den Beruf oder die Ausbildung und allenfalls auch die Gesundheit hat, dann könnte es sich um eine Onlinesucht handeln. Dieser Ratgeber informiert und bietet Hilfe. Das Buch beinhaltet neben einem theoretischen Teil, in dem das Störungsbild fundiert beschrieben wird, einen praktischen Teil mit konkreten Vorschlägen für Betroffene und Bezugspersonen. Die Arbeitsmaterialien zu diesem Buch können nach erfolgter Registration von der Hogrefe Website heruntergeladen werden

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 173

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Cover for EPUB

Isabel Willemse

Onlinesucht

Ein Ratgeber für Eltern, Betroffene und ihr Umfeld

2., überarbeitete Auflage

Onlinesucht

Isabel Willemse

Isabel Willemse

ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

Departement für Angewandte Psychologie

Pfingstweidstrasse 96

8037 Zürich

Schweiz

E-Mail: [email protected]

Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt. Der Verlag weist ausdrücklich darauf hin, dass im Text enthaltene externe Links vom Verlag nur bis zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses eingesehen werden konnten. Auf spätere Veränderungen hat der Verlag keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.

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All rights, including for text and data mining (TDM), Artificial Intelligence (AI) training, and similar technologies, are reserved.

Alle Rechte, auch für Text- und Data-Mining (TDM), Training für künstliche Intelligenz (KI) und ähnliche Technologien, sind vorbehalten.

Verantwortliche Person in der EU: Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Merkelstraße 3, 37085 Göttingen, [email protected]

Anregungen und Zuschriften bitte an den Hersteller:

Hogrefe AG

Lektorat Psychologie

Länggass-Strasse 76

3012 Bern

Schweiz

Tel. +41 31 300 45 00

[email protected]

www.hogrefe.ch

Lektorat: Dr. Susanne Lauri

Bearbeitung: Lydia Zeller, Zürich

Herstellung: Daniel Berger

Umschlagabbildung: golubovy, Getty Images

Umschlag: Hogrefe Verlag

Satz: Claudia Wild, Konstanz

Format: EPUB

2., überarbeitete Auflage 2025

© 2016, 2025 Hogrefe Verlag, Bern

(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-96401-0)

(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-76401-6)

ISBN 978-3-456-86401-3

https://doi.org/10.1024/86401-000

Nutzungsbedingungen

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Die Inhalte dürfen nicht zur Entwicklung, zum Training und/oder zur Anreicherung von KI-Systemen, insbesondere von generativen KI-Systemen, verwendet werden. Das Verbot gilt nicht, soweit eine gesetzliche Ausnahme vorliegt.

Diese Bestimmungen gelten gegebenenfalls auch für zum E-Book gehörende Download-Materialien.

Zitierfähigkeit: Dieses EPUB beinhaltet umrandete Seitenzahlen (Beispiel: 1) und in einer Seitenliste, die den Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe und des E-Books im PDF-Format entsprechen.

Übersicht

Cover

Titel

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Geleitwort

Inhalt

Glossar

5Inhaltsverzeichnis

Geleitwort

1 Einleitung

2 Zahlen und Fakten zur Mediennutzung

2.1 Verschicken von Texten, Bildern und Videos

2.2 Soziale Netzwerke und Videoplattformen

2.3 Musik hören

2.4 Gamen

2.5 Mediennutzungs- und Freizeittypen

2.6 Risiken im Web

2.6.1 Cybermobbing

2.6.2 Sexting

2.6.3 Cybergrooming und Sextortion

2.6.4 Pornografie

3 Wann spricht man von Onlinesucht? Kriterien zur Diagnose

3.1 Übermäßiges Beschäftigen mit Internetspielen

3.2 Entzugssymptomatik

3.3 Toleranzentwicklung

3.4 Kontrollverlust

3.5 Fortsetzung trotz Einsicht in die psychosozialen Folgen

3.6 Interessenverlust

3.7 Täuschen von anderen Personen

3.8 Dysfunktionale Stress- und Problembewältigung

3.9 Gefährdung oder Verlust

4 Wie Onlinesucht entsteht

4.1 Risikofaktoren

4.1.1 Personenbezogene Faktoren

4.1.2 Umweltbezogene Faktoren

4.1.3 Mediennutzungsbezogene Faktoren

4.1.4 Schutzfaktoren

4.2 Erlernen von Suchtverhalten

4.3 Aufrechterhaltende Faktoren

5 Wie verbreitet ist Onlinesucht?

6 Begleiterkrankungen

6.1 Depression

6.2 Ängste

6.3 Schlafstörungen

6.4 ADHS/Aufmerksamkeitsdefizit

7 Mediennutzung in der Familie

7.1 Eltern sind Vorbilder

7.2 Ältere Geschwister zeigen, wie es geht

7.3 Die anderen machen alles besser

8 Regeln zum Medienumgang finden

8.1 Was bei der Regelfindung zu beachten ist

8.2 Wie es ganz praktisch funktionieren kann – ein Beispiel

9 Wie kann man Onlinesucht konstruktiv begegnen?

9.1 Den Ton ändern

9.2 Interesse zeigen

9.3 Kreative Nutzung fördern

9.4 Medienfasten

9.5 Grenzen setzen

9.6 Alternativen bieten

10 Ziel: Medienkompetenz

11 Selbsthilfe

12 Wann sollte professionelle Hilfe geholt werden?

Anhang

Glossar

Kontaktadressen

Arbeitsblätter und Hinweise zum Zusatzmaterial

Literatur

Über die Autorin

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1:  Aktivitäten von zwei- bis fünfjährigen Kindern (Kieninger et al., 2023)

Abbildung 2:  Freizeitaktivitäten mit Medien von Kindern (sechs bis dreizehn Jahre) (Suter et al., 2023)

Abbildung 3:  Medientätigkeiten von Schweizer Jugendlichen nach Geschlecht (Külling-Knecht et al., 2024)

Abbildung 4:  Lieblingsgames der Schweizer Jugendlichen (Külling-Knecht et al., 2024).

Abbildung 5:  Freizeit- und Mediennutzungstypen nach JAMESfocus, 2011 (Willemse et al., 2011, S. 7)

Abbildung 6:  Wandlung eines negativen Gefühls in ein positives – Lust und Befriedigung (Scholz, 2014, S. 53).

Abbildung 7:  Teufelskreis der Onlinesucht

Abbildung 8:  Medienkompetenz als Blumenstrauß (Suter, Willemse, Waller, Genner & Süss, 2015)

Abbildung 9:  Beispiel eines Zeitkuchens (ausgefüllt)

Abbildung 10:  Ziele von Max

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1:  Internetnutzende in Deutschland 2009 bis 2023. Mindestens selten genutzt (in Prozent) (Beisch & Koch, 2023).

Tabelle 2:  USK-Symbole und deren Bedeutung (USK Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, 2024)

Tabelle 3:  PEGI-Symbole und deren Bedeutung (PEGI Pan European Game Information, 2024)

Tabelle 4:  Mediennutzungsbezogene Faktoren (bezogen auf Games und Social Media)

Tabelle 5:  Medienbezogene Entwicklungsaufgaben des Kindes- und Jugendalters (LWL-Landesjugendamt, Schulen und Koordinationsstelle Sucht, 2022)

Tabelle 6:  Wochenprotokoll

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7Geleitwort

Woran merken Angehörige und Betroffene selbst, dass sich eine Onlinesucht entwickelt? Was sind die Ursachen und die Zusammenhänge, dass so etwas auftreten kann? Wie kann man den Teufelskreis bremsen und ihm entkommen? Wie kann man vorbeugen, dass man nicht wieder die Kontrolle verliert? Solche Fragen beantwortet der vorliegende Ratgeber, wissenschaftlich fundiert, verständlich und mit vielen anschaulichen Fallbeispielen aus der Praxis. Die Autorin, Isabel Willemse, schöpft aus dem Vollen ihrer vielfältigen Erfahrungen: als medienpsychologische Forscherin, die alltagsnahe Fragen untersucht, als Lehrbeauftragte an der Fachhochschule und in Workshops und Weiterbildungen sowie als Psychotherapeutin, welche Menschen bei medienbezogenen Problemen und Krisen erfolgreich hilft. Die Autorin ist selbst ein „Genussmensch“ im Umgang mit Medien, daher kann sie die Faszination verstehen, welche von Onlinemedien ausgeht. Sie weiß als Fachperson aber auch, was es braucht, um die Kontrolle über die eigene Mediennutzung zu behalten und nicht in eine Verhaltenssucht zu geraten. Ein Leben ohne Onlinemedien ist in der heutigen Gesellschaft nicht denkbar – und wäre auch gar kein Ideal, denn man würde an einem wichtigen Teil unserer Kultur nicht teilhaben können. Wenn man heute zu „Handyfasten“ und „Offline Days“ aufgefordert wird, dann macht dies deutlich: Fastenzeiten sind kein Dauerzustand, sondern eine Zeit des Innehaltens und des Reflektierens über den Lebensalltag. Onlinemedien sind ein „Lebensmittel“ geworden: Wir brauchen sie, um zu arbeiten, zu lernen, uns zu informieren, zu kommunizieren. Sie sind ein „Genussmittel“ geworden: Wir können viele Formen der Unterhaltung, Erholung, Spannung und Entspannung, des Zugangs zu kulturellen Erlebnissen darin finden. Sie können aber auch zu einem „Suchtmittel“ werden, wenn wir die Kontrolle über unsere Mediennutzung verlieren und wenn die Onlinemedien zum Lebensmittelpunkt werden, der immer mehr andere, wertvolle Erfahrungen verdrängt. Um die Onlinemedien im eigenen Leben positiv zu nutzen, muss man ihren Stellenwert im Alltag bewusst gestalten. Das Buch zeigt daher auf, wie die Mediennutzung heute allgemein aussieht, wel8che Funktionen sie einnimmt, welche Chancen und Risiken bestehen und welche Hilfestellungen es gibt, um die richtigen Medien auszuwählen, Medienkompetenz zu entwickeln und den Medienalltag selbstverantwortlich zu gestalten. Dabei ist es wichtig, die Merkmale von Onlinesucht zu kennen, um sie bei Angehörigen oder bei sich selbst frühzeitig zu erkennen und Gegensteuer geben zu können. Diagnosekriterien und Risikofaktoren werden hier sorgfältig erklärt. Die Empfehlungen in diesem Buch tragen auch zur Prävention bei. Sinnvolle Regeln des Medienumgangs in der Familie helfen, dass Onlinesucht gar nicht erst entsteht. Ein großer Teil des Ratgebers vermittelt Informationen und konkrete Handlungsempfehlungen für Bezugspersonen von gefährdeten Menschen. Betroffene werden aber auch direkt angesprochen, wie sie sich selbst helfen können, ihre Gefährdung einzuschätzen oder aus einer Onlinesucht aktive Auswege zu finden. Arbeitsblätter im Anhang geben dazu konkrete Hilfestellungen. Schließlich wird noch aufgezeigt, wie und wo man sich professionelle Hilfe holen kann, wenn man allein nicht zurechtkommt. Immer mehr Fachleute haben sich in den letzten Jahren Kenntnisse und Methoden angeeignet, um Betroffenen rasch und wirkungsvoll helfen zu können. Wenn man Onlinesucht überwinden oder ihr vorbeugen will, dann darf man den Blick nicht einengen auf den Umgang mit den Medien. Man sollte den ganzen Menschen und seinen Alltag, seine Beziehungen und seine Lebensaufgaben einbeziehen. Diesen Ansatz verfolgt der vorliegende Ratgeber. Er beleuchtet die Zusammenhänge, in denen die Nutzung von Onlinemedien stattfindet, und gibt konkrete Hilfestellungen, um das Leben on- und offline ohne Suchtverhalten zu genießen.

Daniel Süss, Professor für Medienpsychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Professor für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Mediensozialisation und Medienkompetenz an der Universität Zürich.

91  Einleitung

Medien sind allgegenwärtig. Sie erleichtern unseren Alltag, sorgen für Freude, manchmal aber auch für Kummer. Verbringt das eigene Kind, der Partner oder die Partnerin sehr viel Zeit mit dem Computer oder dem Handy und vernachlässigt Dinge, die er oder sie früher gerne gemacht hat, wirkt sich das meist negativ auf die Beziehung aus. Oft sieht die betreffende Person darin kein Problem. Andere wiederum spüren, dass sie die Kontrolle verloren haben und Hilfe brauchen. Dieser Ratgeber ist für all jene gedacht, welche die Schattenseiten der Medien erleben und Unterstützung suchen.

Meist sind Jugendliche und junge Erwachsene von Onlinesucht betroffen, daher wird auf diese Altersgruppe jeweils speziell eingegangen. Der Ratgeber richtet sich aber auch an andere Altersgruppen, die einen exzessiven Medienumgang haben, sowie an deren Angehörige (zum Beispiel Partnerin oder Partner).

Es liegt in der Natur des Themas, dass das mediale Angebot und der Umgang damit einem ständigen Wandel unterliegt. Zwar wurde versucht, die aktuellsten Untersuchungsergebnisse zu verwenden, diese können jedoch schneller veralten als in anderen Themenbereichen. Darüber hinaus sammeln alle – Eltern, Jugendliche und Fachkräfte – ständig neue Erfahrungen im Umgang mit neuen Angeboten. Insofern ist dieses Buch auch als Momentaufnahme zu verstehen.

Das Buch gliedert sich in einen eher theoretisch und einen eher praktisch ausgerichteten Teil. Nach einem Kapitel zur allgemeinen Mediennutzung werden die Diagnosekriterien für Onlinesucht vorgestellt, um dann auf die Entstehung und Verbreitung dieses Phänomens einzugehen. Auch mögliche Begleiterkrankungen werden angesprochen. Im praktischen Teil des Buches geht es um Regeln zum Medienumgang, verschiedene Formen der Hilfe für Betroffene und das eigentliche Ziel: einen kompetenten Umgang mit den Medien zu finden. Dabei werden Situationen immer wieder anhand von Fallbeispielen vorgestellt, die allesamt aus der Praxis stammen, jedoch anonymisiert wurden. Ein letzter Abschnitt widmet sich der Frage, wann professionelle Hilfe gesucht werden sollte.

10Dieser Ratgeber muss nicht unbedingt von vorne nach hinten gelesen werden Sie können sich auch einfach die Themen herausgreifen, die Sie interessieren. Im Anhang finden Sie ein Glossar, das sowohl die wichtigsten Begriffe erklärt als auch bei der Navigation helfen kann, da die Seitenzahlen vermerkt sind, auf denen diese Begriffe thematisiert werden. Des Weiteren gibt es im Anhang eine Liste mit Adressen und die im Text erwähnten Arbeitsblätter, die auch als Downloads verfügbar sind.

Gerne möchte ich mich an dieser Stelle bedanken, als Erstes beim Hogrefe Verlag, der diesen Ratgeber überhaupt ermöglicht hat, insbesondere Tino Heeg, Susanne Lauri und Eveline Widmer. Sigrid Weber danke ich für das kritische Auge beim Lektorieren und die wertvolle Zusammenarbeit. Weiter danke ich meinen Teamkollegen und -kolleginnen des Forschungsteams Medienpsychologie der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und des Teams vom IAP Institut für Angewandte Psychologie – Zentrum für klinische Psychologie & Psychotherapie. Ein besonderer Dank geht hier an meine Vorgesetzten, die mich immer dabei unterstützt haben, meine Ziele zu erreichen: Gregor Waller, Marcel Schär, Imke Knafla und Daniel Süss, dem ich auch für das Geleitwort in diesem Buch danke. Zudem hat er mir als Leiter des Psychologischen Instituts der ZHAW ermöglicht, die Überarbeitung der zweiten Auflage zu großen Teilen im Rahmen meiner Arbeitszeit zu machen. Jean-Luc Guyer ein Merci für die vielen inspirierenden Gespräche während des Schreibens. Anna-Lena Huber hat sich während meiner Schreibphase wunderbar um alle Forschungsaufgaben gekümmert und Sonja Weber hat mich während der intensivsten Phase im therapeutischen Bereich vertreten, was mir ermöglicht hat, den Kopf für dieses Projekt freizuhaben – danke euch beiden. Robin Staufer hat alle Angaben zu den Games geprüft – merci. Für die zweite Auflage möchte ich mich bei Ainoa Albertin und Miriam Schnyder für die tatkräftige Unterstützung bei der Recherche und Aktualisierung einiger Textpassagen bedanken. Ebenfalls geht ein herzlicher Dank an all meine Freundinnen und Freunde, die mich auf diesem Weg mit ermutigenden Worten und Gesten und viel Verständnis begleitet haben. Nicht zu vergessen ist meine Familie, die immer an mich geglaubt und mich unterstützt hat. Ganz besonders meine Tochter, die mir einerseits Einblick in die digitale Welt ihrer Generation 11gibt, mir aber auch meinen Medienumgang spiegelt. Zu guter Letzt richtet sich mein Dank an alle Klienten und Klientinnen und ihre Familien, die mir in den letzten Jahren ihr Vertrauen geschenkt haben. Ihnen ist dieser Ratgeber gewidmet.

132  Zahlen und Fakten zur Mediennutzung

Das mediale Angebot entwickelt sich rasant und es ist kaum möglich, immer auf dem neuesten Stand zu sein, vor allem dann, wenn man es selbst nicht ständig nutzt. Nichtsdestotrotz lohnt es sich, einen groben Überblick zu haben. Im Folgenden wird dargestellt, welche Angebote es gibt und welche aktuell (2023/2024) in verschiedenen Altersgruppen die Favoriten sind. Da sich die Geräte dahin gehend entwickelt haben, dass sie viele Funktionen in sich vereinen, werden im Folgenden nicht die Geräte vorgestellt, sondern die Inhalte bzw. Funktionen.

Kinder wachsen mittlerweile mit einem großen Repertoire an Medien auf, wie die miniKIM-Studie (Kieninger et al., 2023) aus Deutschland zeigt. Bis zu einem Viertel der Kinder im Vorschulalter (zwei bis fünf Jahre) in Deutschland hat einen Kindercomputer und ein Fünftel besitzt ein Tablet oder einen (Smart-)TV. Gemäß den Haupterziehungspersonen haben 13 Prozent der Kinder Zugang zu einem Streamingabonnement. Kinder im Vorschulalter verbringen ihre Zeit hauptsächlich mit drinnen und draußen Spielen, aber schon an dritter Stelle der jeden oder fast jeden Tag ausgeübten Aktivitäten kommt das Anschauen oder Vorgelesenbekommen von Büchern als analoges Medium. Und an fünfter Stelle (nach Malen/Zeichnen/Basteln) steht bereits das Schauen von Bewegtbildern (Fernsehen, Videos, etc.) (siehe Abbildung 1). Knapp ein Fünftel der Vier- bis Fünfjährigen beschäftigt sich mindestens einmal wöchentlich mit einem digitalen Spiel. All diese Angaben stammen von den primären Erziehungspersonen (Kieninger et al., 2023).

Die Bedienung von Geräten wie Smartphones oder Tablets ist mit der Verbreitung von Touchscreens auch für sehr kleine Kinder einfacher geworden, sie erfolgt intuitiv und schon Kinder unter drei Jahren handhaben sie mit einer großen Selbstverständlichkeit. Die meistgenutzte Funktion bei Kindern unter fünf Jahren sind Videoportale und Streamingdienste (Kieninger et al., 2023).

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Abbildung 1:  Aktivitäten von zwei- bis fünfjährigen Kindern (Kieninger et al., 2023)

15Im Primarschulalter (sechs bis dreizehn Jahre) nimmt die Mediennutzung einen festen Bestandteil der Freizeit der Kinder ein. 2022 hatte ungefähr die Hälfte der deutschen Primarschüler:innen ein eigenes Smartphone und etwa ein Drittel eine tragbare Spielkonsole, einen CD-Player und ein Fernsehgerät im Zimmer, wie die KIM-Studie 2022 zeigt (Feierabend, Rathgeb, Kheredmand & Glöckler, 2023a). Kindercomputer sind bei 15 Prozent der Kinder im Einsatz, 12 Prozent sind in Besitz eines Laptops und etwa ein Fünftel einer festen Spielkonsole. Jedes fünfte Kind hat im eigenen Zimmer Zugang zum Internet und acht Prozent nutzen Streamingdienste, wie beispielsweise Netflix. Nahezu 70 Prozent schauten täglich oder beinahe täglich fern und etwa die Hälfte der Kinder nutzten gleich oft ihr Smartphone oder Handy. Etwa ein Drittel gamten und nutzten das Internet mindestens fast jeden Tag. Die beiden liebsten Freizeitbeschäftigungen der deutschen Primarschülerinnen und -schüler waren 2022 das Treffen von Freunden und draußen spielen. An dritter Stelle steht das Sporttreiben, gefolgt von Unternehmungen mit den Eltern oder der Familie an vierter und Fernsehen sowie gamen beides an fünfter Stelle. Gemäß den Einschätzungen der Eltern sind Kinder im Alter von sechs bis dreizehn Jahren an einem Wochentag durchschnittlich 43 Minuten online, wobei die Nutzungsdauer mit zunehmendem Alter deutlich steigt. Jeweils etwa 40 Prozent der Kinder gaben an, Serien, Filme oder Videos aus Langeweile zu schauen oder weil sie etwas Spannendes erleben wollen, und 37 Prozent nutzten diese, um sich nicht allein zu fühlen. Der Messenger-Dienst WhatsApp wurde von 48 Prozent als beliebteste App angegeben, gefolgt von YouTube (30 Prozent) und TikTok (28 Prozent). Knapp ein Drittel der Kinder, welche das Internet nutzte, machte von Sprachassistenz-Diensten wie Alexa oder Siri Gebrauch (Feierabend et al., 2023a).

In der Schweiz beschäftigen sich zwischen 70 und 80 Prozent der Primarschulkinder mindestens einmal wöchentlich mit Medientätigkeiten, wie Fernsehen, Musikhören und Bücherlesen- oder anschauen (Suter et al., 2023). Die regelmäßige Nutzung vieler medialer Angebote steigt mit dem Alter grundsätzlich an. Auch das Handy nutzten mehr als die Hälfte der Kinder mindestens wöchentlich und zwei Drittel gamen oder nutzen das Internet, indem sie Videos schauen oder anderen Onlinetätigkeiten nachgehen. Im Alter von ungefähr zehn 16Jahren gibt es häufig einen sprunghaften Anstieg in der Häufigkeit der Nutzung. Wie auch in Abbildung 2 zu sehen, hören die Mädchen mehr Musik und Hörspiele und lesen mehr Bücher. Mit Abstand der größte Unterschied zwischen den Geschlechtern zeigt sich beim Gamen.

Abbildung 2:  Freizeitaktivitäten mit Medien von Kindern (sechs bis dreizehn Jahre) (Suter et al., 2023)

Schweizer Kinder nutzen an durchschnittlichen Wochentagen etwa 43 Minuten das Internet und gamen ungefähr eine Viertelstunde (Suter et al., 2023). Auch sie sind schon aktiv in Social Networks unterwegs, 17ungefähr 36 Prozent gibt YouTube oder TikTok als Lieblingsapp an und knapp ein Drittel nutzt am liebsten Instagram. In der Schweiz besitzen 44 Prozent der Kinder ein eigenes Smartphone (Suter et al., 2023).

Das Smartphone und der Computer oder Laptop mit Internetanschluss sind die täglichen Begleiter der Jugendlichen (zwölf bis neunzehn Jahre). Laut der JAMES-Studie 2024 (Külling-Knecht et al., 2024) haben 99 Prozent der Schweizer Jugendlichen ein solches Gerät. In Deutschland besitzen 98 Prozent der Jugendlichen ein Smartphone (Feierabend, Rathgeb, Gerigk & Glöckler, 2024). Das Smartphone ist ein Hybrid, d. h., es vereint sehr viele Funktionen in sich: Es ist ein Mobiltelefon, aber auch eine Uhr, eine Spielkonsole, TV, Fahrplan und vieles mehr. Es kann beinahe alles, was ein Computer kann – nur ist der Bildschirm kleiner. Welche Medien die Schweizer Jugendlichen regelmäßig nutzen, zeigt Abbildung 3.

Die dargestellten Studien (JIM und KIM sowie JAMES und MIKE) werden vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (MPFS) und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in regelmäßigen Abständen, meist alle ein bis zwei Jahre, durchgeführt und sind jeweils online als PDF abrufbar (siehe www.mpfs.de und www.zhaw.ch/psychologie/james). Sie geben einen aktuellen Überblick über die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland und der Schweiz.

Digitale Medien sind aber längst nicht mehr nur Kindern und Jugendlichen vorbehalten. Tabelle 1 zeigt, dass Erwachsene sie ebenfalls in ihrer Freizeit nutzen und auch Senior:innen gewisse Angebote für sich entdeckt haben – manche sprechen liebevoll von Grey Gamern und Silver Surfern. Die regelmäßig durchgeführten ARD-ZDF-Onlinestudien zeigen, wie sich die Internetnutzung in verschiedenen Altersgruppen in Deutschland entwickelt hat (Beisch & Koch, 2023).