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Schönheitschirurgie - Chancen für mehr Lebensqualität. Fluch oder Segen? Aus Insidersicht informiert das Buch ehrlich und sachlich über die Fallstricke der heutigen Schönheitschirurgie. Die beiden Autoren, und langjährig erfahrene Fachärzte für Plastische und Ästhetische Chirurgie, lüften das Geheimnis um die wahren Machenschaften der Branche und lassen den Leser bei der "Operation Schönheit" hinter die Kulissen blicken. Warum manche Schönheitsoperationen von vornherein misslingen müssen, wie Sie mit Pfusch und unnötige Risiken umgehen, und worauf Sie bei den beliebtesten ästhetischen Eingriffen unbedingt achten sollten - das Buch bietet zu diesen und zu vielen weiteren Aspekten alles, was Sie wissen müssen.
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Seitenzahl: 160
Veröffentlichungsjahr: 2015
Operation Schönheit
Risiken erkennen, Chancen nutzen
Prof. Dr. med. Klaus Plogmeier, Prof. Dr. Robert Oellinger
1. Auflage
»Alt werden will jeder, alt sein niemand« konstatierte der englische Schriftsteller Jonathan Swift bereits im 18. Jahrhundert. Alt aussehen wollen auch nur wenige. Aus diesem Grunde boomt die Anti-Aging Medizin. Bei diesem recht jungen Medizinzweig lassen sich zwei Richtungen unterscheiden. Diejenige, die sich zur Aufgabe macht, das biologische Altern zu verlangsamen sowie die, deren Ziel es ist, die sichtbaren Folgen des Alterns oder andere ästhetische Makel zu korrigieren. Der zweite Bereich ist der wesentlich erfolgreichere. Gelegentlich stimmt mich diese Tatsache immer noch ein wenig traurig. Denn nach wie vor bin ich der Überzeugung, dass ein Herzinfarkt oder eine Demenz die Lebensqualität doch stärker beeinträchtigt als Mimikfalten oder ein hängender Busen. Dennoch sehe ich natürlich auch den Grund für den überwältigenden Erfolg der ästhetischen Variante des Anti-Agings: Die Ergebnisse sind sofort sichtbar, messbar und in den meisten Fällen ja auch höchst eindrucksvoll. Aber man muss es natürlich richtig machen. Sehr zurecht gehen die beiden Autoren intensiv darauf ein, welcher Wildwuchs teilweise noch immer im Bereich der Schönheitschirurgie herrscht. So unübersehbar wie inzwischen das Angebot an ästhetisch-plastischen Eingriffen ist, so schwer beurteilbar ist daher auch die Qualifikation derer, die diese Eingriffe ausführen. Wer sich mit dem Gedanken einer ästhetisch-plastischen Operation trägt, sollte sich vorher genau informieren. Dabei hilft Ihnen dieser Ratgeber. Umfassend und auf dem neuesten Stand werden alle wichtigen Eingriffe präsentiert – und das von zwei der profiliertesten Vertreter des Faches. Für jeden, der unbeschönigt die Fakten kennenlernen will.
Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Präventions- und Anti-Aging Medizin (GSAAM)
das Streben nach Schönheit ist ungebrochen; wer jung und gut aussieht, hat die besten Chancen im Beruf und Privatleben. »Eine Frau ist hässlich, wenn sie keine andere Wahl hat«, sagte Tucholsky einmal sehr provokativ. Die heutige Zeit scheint ihm recht zu geben, denn immer mehr Menschen nutzen die modernen Möglichkeiten der Beauty-Chirurgie, um ihren Vorstellungen von Schönheit Ausdruck zu verleihen oder ihr äußeres Erscheinungsbild der inneren Vorstellung vom eigenen Ich anzupassen; das Leben einfach positiv verändern. Wa(h)re Schönheit? Der große, lukrative Markt der »Schönheitschirurgie« reizt leider auch so manchen »Medizinmann mit Dollarblick« zum großen, schnell verdienten Geld, da es in Deutschland immer noch die Rechtslage erlaubt, dass jeder approbierte Arzt »Schönheitsoperationen« durchführen und sich Schönheitschirurg nennen darf. Neben dem ungetrübten Blick auf die wahren Machenschaften der Beauty-Chirurgie im Streifzug zwischen Pfusch und Genie, dem mitunter riskanten Spagat zwischen Ökonomie und Ethik geben wir Ihnen wertvolle Insider-Tipps zu den wichtigsten Beauty-Korrekturen. Die ausführlichen Beschreibungen der unterschiedlichen Methoden, Techniken und Materialien zu den beliebtesten Indikationen mögen zu Ihrer umfassenden Information beitragen. Wir wünschen uns, Ihnen und allen »Schönheitsinteressierten« mit diesem Werk einen interessanten und hilfreichen Wegweiser durch das Labyrinth des schönen Scheins mit wertvollen Hinweisen und Ratschlägen aus unserem erfahrenen Facharzt-Blickwinkel geben zu können. Dies an passender Stelle begleitet mit einem kleinen Augenzwinkern auf amüsante Anekdoten und manch Skurriles aus der Welt der Beautymedizin.
Einen sicheren Weg zu Ihrer ganz persönlichen Schönheit
wünschen Prof. Oellinger und Prof. Plogmeier
Geleitwort
Liebe Leserin, lieber Leser,
Teil I Ästhetisch-Plastische Chirurgie – geprüfte Qualität?
1 Schönheitschirurgie im Wandel
1.1 Im Bann der Schönheit
1.2 Ganz schön skurril: Lotosfüße, Tellerlippen und ein Indianer beim Beauty-Doc
1.3 Abendländische Schönheitsideale: Durch dick und dünn
1.4 Schönheitschirurgie in Zahlen
1.5 Riskanter Kult um Körper und Schönheit
2 Der Operateur
2.1 Die richtige fachärztliche Ausbildung: Vorsicht vor Etikettenschwindel
2.2 Erfahrung ist und bleibt das beste Rezept
2.3 Im Rampenlicht: Mehr Schein als Sein?
3 Die Beratung und Behandlungsplanung
3.1 Beratungsqualität auf dem Prüfstand
3.2 Individualität statt Uniformität
3.3 Maßgeschneidert. Aber bitte in Maßen
3.4 Eingebildete Hässlichkeit
3.5 Kinder und Jugendliche beim Schönheitschirurgen?
3.6 Schönheitschirurgie macht glücklich: Makelkorrektur und Zufriedenheit
4 Wa(h)re Schönheit
4.1 Preis der Schönheit
4.2 Gefahr Schönheitstourismus
4.3 Nepper, Schlepper, Schönheitsopfer
4.4 Warentest: Brustimplantate, Faltenfiller & Co
4.5 Gütesiegel? Wie sinnvoll sie wirklich sind
4.5.1 Unbestechliche Aufpasser und Garanten für Sicherheit?
4.6 Schönheitschirurgie up-to-date: Neue Techniken hinterfragt
4.7 Prêt-à-porter: Sinn oder Unsinn schönheitschirurgischer Modetrends
4.8 In welchem Maße beeinflussen Stars, für welche Eingriffe sich Patienten entscheiden?
4.9 Auflage und Quote: Medienmacht gleich Patientenohnmacht?
4.10 World Wide Web: Gefangen im Netz der schnellen News
5 Der Patient
5.1 Bereit für eine Beauty-OP? Gedanken und Vorüberlegungen
5.1.1 Die Attraktivitätsformel: Schönheit von Kopf bis Fuß
5.1.2 Vermessen schön kurz gefasst:
5.2 Aus der Praxis
5.3 Idealvoraussetzung: Der perfekte Patient
5.4 Ja, ich will! Der Entscheid für eine Schönheits-OP steht
5.5 Praxis, Institut, Tagesklinik, Klinik oder Krankenhaus?
5.6 Der Countdown läuft: Die wichtigsten Vorbereitungsmaßnahmen
5.7 Narkose: Schön im Schlaf?
5.8 Wer operiert mich? Checkliste Arztwahl
5.9 Beauty-Talk: Checkliste Beratungsgespräch
Teil II Die beliebtesten Schönheitskorrekturen – Details und Tipps
6 Nicht-invasive Verfahren und Trends
6.1 Schöne Männer braucht das Land?
6.2 Andere Länder, andere Sitten
6.3 Ungebremster Boom bei nicht-chirurgischen Behandlungen
6.4 Sanft entfalten mit Botulinumtoxin
6.4.1 Übrigens …
6.5 Faltenfiller und mehr: Hyaluronsäure
6.6 Eigenfett: Recycling der schönsten Art
6.7 Vampir-Lifting: Die DNA des Luxus?
6.8 Körperkult extrem: Bizarre Trends
7 TOP 10: Die beliebtesten Eingriffe
7.1 1 Brustvergrößerung (Augmentation)
7.1.1 Die Operation
7.1.2 Die optimale Implantatlage
7.1.3 Die gängigen Schnitttechniken
7.1.4 Das richtige Implantat
7.1.5 Nach der OP
7.1.6 Mögliche Risiken
7.1.7 Brustaufbau mit Eigenfett
7.2 2 Fettabsaugung (Liposuktion)
7.2.1 Die Behandlungsmethoden
7.2.2 Nach der OP
7.2.3 Mögliche Risiken
7.2.4 Kryolipolyse: Mit Kälte gegen Fett
7.3 3 Augenlidkorrektur (Blepharoplastik)
7.3.1 Operation Oberlid
7.3.2 Inneres Brauenlift
7.3.3 Operation Unterlid
7.3.4 Nach der OP
7.3.5 Mögliche Risiken
7.4 4 Nasenkorrektur (Rhinoplastik)
7.4.1 Der alles entscheidende Nasenfaktor?
7.4.2 Die Operation
7.4.3 Nach der OP
7.4.4 Mögliche Risiken
7.5 5 Brustverkleinerung (Reduktion)
7.5.1 Die Operation
7.5.2 Gängige Schnitttechniken
7.5.3 Brustverkleinerung nach Hall-Findlay
7.5.4 Nach der OP
7.5.5 Mögliche Risiken
7.6 6 Bauchdeckenstraffung (Abdominoplastik)
7.6.1 Die Operation
7.6.2 Nach der OP
7.6.3 Besondere Risiken
7.6.4 Gut in Form: Weitere Körperstraffungs-OPs
7.7 7 Bruststraffung (Mastopexie)
7.7.1 Die Operation
7.7.2 Nach der OP
7.7.3 Lifting für die Brustwarze?
7.7.4 Mögliche Risiken
7.8 8 Facelift
7.8.1 Übrigens …
7.8.2 Die Operation
7.8.3 SMAS – die richtige Schicht entscheidet
7.8.4 Midfacelift
7.8.5 Halsstraffung
7.8.6 Stirnlift
7.8.7 Nach der OP
7.8.8 Mögliche Risiken
7.8.9 Facelift beim Mann
7.8.10 Facelift ohne OP
7.8.11 Lippenmodellage
7.8.12 Gesichtsimplantate
7.8.13 Handverjüngung
7.9 9 Brustverkleinerung beim Mann (Gynäkomastie)
7.9.1 Die Operation
7.9.2 Nach der OP
7.9.3 Mögliche Risiken
7.10 10 Ohrkorrekturen (Otopexie/Otoplastik)
7.10.1 Die Operation
7.10.2 Nach der OP
7.10.3 Mögliche Risiken
7.10.4 Echt prall: Eingriffe am Ohrläppchen
8 Nachgefragt: Ästhetisch-Plastische Eingriffe jenseits der Top Ten
8.1 Po-Vergrößerung
8.1.1 Die Operation
8.1.2 Übrigens …
8.1.3 Nach der OP
8.1.4 Mögliche Risiken
8.2 Waden-Vergrößerung (Waden-Augmentation)
8.2.1 Die Operation
8.2.2 Nach der OP
8.2.3 Mögliche Risiken
8.3 Intimchirurgie: Möglichkeiten bei der Frau
8.3.1 Schamlippenverkleinerung (Labienreduktionsplastik)
8.3.2 Schamlippenvergrößerung
8.3.3 Vaginaverengung
8.3.4 Venushügelkorrekturen
8.3.5 G-Punkt-Unterspritzung
8.3.6 Wiederherstellung des Jungfernhäutchens
8.4 Intimchirurgie: Was Männer richten lassen
8.4.1 Penisverlängerung
8.4.2 Penisvergrößerung
8.4.3 Vorhaut-OP
9 Zu guter Letzt
9.1 Zu Risiken und Nebenwirkungen …
9.2 Nach dem Eingriff: Geduld ist gefragt
9.3 Schön bleiben
10 Service
10.1 Nützliche Adressen/Anlaufstellen im Internet
Autorenvorstellung
Sachverzeichnis
Impressum
1 Schönheitschirurgie im Wandel
2 Der Operateur
3 Die Beratung und Behandlungsplanung
4 Wa(h)re Schönheit
5 Der Patient
Die Ästhetisch-Plastische Chirurgie boomt seit Jahren. Der lukrative Markt der »Schönheitschirurgie« birgt für den ahnungslosen Patienten jedoch auch Gefahren und Risiken.
Beauty sells. Der Wunsch nach Schönheit ist fast so alt wie die Menschheit selbst. Ihre Geschichte ist lang und mitunter ganz schön unschön.
Im Bann der Schönheit wurden Kriege geführt und Vermögen vergeudet, es wurde geraubt, gemordet, aber auch geliebt. Zu allen Zeiten wollten Menschen dem aktuellen Schönheitsideal entsprechen, halfen und helfen nach: Mit unterschiedlichen Mitteln, eines davon wurde in den letzten Jahrzehnten dank weiterentwickelter Verfahren, Techniken, Gerätschaften und Produkte immer populärer: die Ästhetisch-Plastische Chirurgie.
Schönheitschirurgie als Online-Game?
Die neue Dimension des Schönheitswahns gibt es jetzt sogar virtuell: Ein ideenreicher Geschäftsmann brachte 2008 eine französische und kurz darauf eine englischsprachige Version des Internet-Spiels »Miss Bimbo« (= »Fräulein Tussi«) erfolgreich auf den Markt. Bereits nach kurzer Zeit waren Millionen Mädchen registriert, darunter auch viele aus Deutschland. Ziel des Spiels: Das schönste, coolste und berühmteste Bimbo der Welt zu schaffen. Virtuell können die Spieler der mit Start-IQ 70 ausgestatteten Puppe zwar Weiterbildungen kaufen, doch schneller kommt voran, wer Miss Bimbo tolle Klamotten, hippe Frisuren und Beauty-OPs kauft. Denn Facelifts und Brustvergrößerungen für die bereits makellose Puppe werden mit maximalen »Coolness-Punkten« als überzeugendste Strategie gefeiert. Und die sind teuer, denn das Startkapital ist schnell verspielt und echte Dollar oder Euros müssen her. Haarsträubende neue Welt, gegen die empörte Eltern aufgebracht reagierten.
Schon vor über 3.500 Jahren versuchten Frauen im alten Ägypten dem ästhetischen Schönheitsideal der Nofretete mit allerlei Hilfsmittelchen nachzueifern, die Philosophen der Antike sahen Schönheit als Ebenbild von Wahrheit, während in der griechischen Mythologie die Schönheitsgöttin Aphrodite mit dem Kriegsgott Mars liebäugelte.
Bei den Pharaonen und im alten Rom waren bereits Ärzte um das äußere Erscheinungsbild ihrer Patienten bemüht. Griechische Heerscharen stritten um die schöne Helena, Homer besang die Schönheit als letzten Grund im Kampf um Ehre und Macht. Oder: Schönheit als Machtfaktor, wenn wir zum Beispiel an Kleopatra und Cäsar denken. Die legendären Beine der Dietrich – die Liste lässt sich schier unendlich weiterführen. Der Traum von Schönheit und Jugend geht durch alle Zeiten und Kulturen. Schönheit als Lebenselixier, Macht, Erotik und Signal zum Arterhalt – mit ihren unschönen und dennoch verlässlichen Begleitern Kampf, Neid und Missgunst.
Jahrhunderte lang galten in China kleine, zierliche Frauenfüße, die so genannten Lotusfüße, als chic und verkörperten Reichtum. Mädchen wurden unter dem Postulat der Schönheit einer quälenden Prozedur unterzogen, indem ihre Füße im frühen Kindesalter fest mit Bandagen eingeschnürt wurden, damit sie nicht weiter wachsen konnten. Mitunter faulten die Zehen, brachen oder die Füße wurden gefühllos. Wer schön sein wollte, musste in China schon ziemlich leiden. Anderer Kontinent, anderes Schönheitsideal: Einige afrikanische Völker dehnen ihre Unterlippe mit Holzscheiben bis auf Tellerumfang auf. Je größer, je elastischer die Lippe, desto besser beziehungsweise begehrenswerter wirkt dort das Gegenüber.
Aus Südamerika wird berichtet, dass sich vor einigen Jahren wohl der erste Indianer aus dem Amazonas-Gebiet per Skalpell verschönern ließ. Er wollte einfach für seinen Stamm jünger aussehen. Im Schlaf träumte er von einem Geist, der ihm eine Maske aufs Gesicht legte. Dies interpretierte er als Zeichen, sein Gesicht verjüngen zu lassen.
Was im Laufe der Geschichte als »schön« galt, verkörperte den jeweiligen modischen Zeitgeist und war mitunter krassesten Gegensätzen unterworfen: Die ideale Frauenfigur der Renaissance war wohlbeleibt mit starken Hüften und leichtem Doppelkinn, ein untrügliches Zeichen für Wohlgenährtheit und damit Wohlstand. Das setzte sich im Barock fort, bestes zeitgenössisches Beispiel: die bekannte »Rubensfigur«, Frauen mit üppigen Rundungen auf Gemälden des Malers Peter Paul Rubens. Kehrtwende im 20. Jahrhundert: Schlankheit wurde zum absoluten Muss, der Magerwahn hält sich bis heute. Eine übermäßige Medienpräsenz extrem dünner Models am Rande der Magersucht mag den einen oder anderen inzwischen nachdenklich stimmen. Zur Perfektion der Perfektion werden Fotos für Modemagazine retuschiert und gaukeln etwas vor, das nicht einmal die Schönsten der Schönen aufweisen können. Medien vermitteln ein Körperbild, das mit der Realität rein gar nichts mehr zu tun hat: Hübsch, jung, schlank und erfolgreich lautet die theoretische Formel, an der sich viele messen und meinen, daran gemessen zu werden.
Es mag ein Vorurteil sein, dass unser äußeres Erscheinungsbild einhergeht mit unserer sozialen Positionierung, dass heutzutage »Dicksein« für mangelnde Leistungsbereitschaft oder Sich-gehen-Lassen steht. Fakt ist jedoch, dass das einstmals angestrebte Übergewicht inzwischen überproportional die unteren sozialen Schichten der Bevölkerung betrifft und Bessergestellte zunehmend Wert auf ihr Äußeres und ihren Körper legen. Der perfekte Körper als Statussymbol und Wettbewerbsvorteil, Erfolgsfaktor für Liebe und Karriere. Frei nach dem Motto: Der gute und erfolgreiche Mensch ist schön, Versager sind hässlich. Zahlreiche Studien belegen die Tatsache, dass schöne Menschen definitiv Vorteile haben. Sie finden schneller einen Job und werden eher als sympathisch und erfolgreich eingestuft.
Soziologen sehen im Trend zum vermeintlich perfekten Aussehen eine Folge der Individualisierung: Der einzelne definiert sich heutzutage stärker durch sein Aussehen als durch Familie, traditionelle Bindungen oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsschicht. Kein Wunder also, dass viele der »ungerechten« Natur maßgeschneidert nachhelfen lassen.
Auch wenn sich der eine oder andere von uns vielleicht inzwischen ein wenig vom manchmal ausufernden Schönheitswahn genervt fühlt, wirklich freimachen von den postulierten Vorgaben in Sachen Schönheit können wir uns doch nicht.
Und warum auch: Wer sein äußeres Erscheinungsbild der Vorstellung vom eigenen Ich anpassen möchte, hat heute viele faszinierende Möglichkeiten. Der Gang zum Schönheitschirurgen wird daher immer selbstverständlicher, um das Leben besser und schöner zu machen. Das jugendliche Frische ausstrahlende Gesicht oder der optimierte Körper gehören für viele inzwischen zum guten Lebensstandard – wie teure Kleidung, exklusive Accessoires, ein Personal Trainer oder der regelmäßige Besuch beim Friseur und der Kosmetikerin.
Statussymbol Körper-Tuning
Die französische Schriftstellerin und Feministin Benoîte Groult über ihren Entschluss zur Beauty-OP: »Es hieß also etwas tun, um diesem hinterlistigen Älterwerden entgegenzutreten, ihm ganz energisch den Befehl zu erteilen, erst in zehn Jahren wieder vorbeizukommen. Ich wollte mir einen neuen Kopf leisten. Ich habe entdeckt, dass ich mir selbst mein kostbarstes Gut bin und dass ich dieses unanständig teure Geschenk verdient habe: ein Lifting.«
Zur Wiederherstellung und Optimierung von Gesicht und Körper waren schon bei den Pharaonen, im alten Rom und in der Renaissance Ärzte am Werk, die sich um das perfekte Äußere ihrer Patienten kümmerten. An über 3000 Jahre alten Mumien entdeckten Wissenschaftler angenähte Ohren. Doch erst seit Mitte oder Ende des 19. Jahrhunderts gibt es Schönheitsoperationen, wie wir sie heute kennen. Johann Friedrich Dieffenbach, der allgemein als Begründer der modernen Plastischen Chirurgie gilt, gehörte zu den ersten Ärzten, die ab 1847 die Narkose mit Äther als Novum in den medizinischen Alltag brachten. 1898 führte Jacques Joseph, ein Berliner Chirurg, die erste Nasenkorrektur nach heutigen Gesichtspunkten durch. Grundlage war die entsprechend weiterentwickelte Anästhesie. Frühere Nasenkorrekturen sind bereits aus dem 16. Jahrhundert bekannt, als Chirurgen durch die zu der Zeit weit verbreitete Syphilis und Strafaktionen entstellte Nasen mit Haut vom Unterarm rekonstruierten. 1912 gilt als das Geburtsjahr des modernen Liftings, 1926 entdeckten clevere Forscher Eigenfett als Faltenfiller, in den 1920ern und 30ern wurde an Brustvergrößerungen mit Glaskugeln und anderem Füllmaterial experimentiert, bis 1962 der Durchbruch mit Silikonimplantaten gelang.
Selbst zeitlose Schönheitsidole wie Marilyn Monroe ließen für den schönen Schein chirurgisch Hand anlegen: Sie gönnte sich ein neues Kinn.
Nach Angaben der American Society of Plastic Surgeons gaben die Amerikaner im Jahre 2009 trotz Wirtschaftskrise rund zehn Milliarden Dollar für über zwölf Millionen kosmetische Eingriffe aus – immerhin ein dickes Plus von 70 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Marktforscherschätzungen zufolge wurden 2013 allein in Europa 869,4 Millionen Euro(1) mit medizinischen Beauty-Behandlungen (invasive und nicht invasive Treatments wie Faltenunterspritzungen mit Botulinum, Hyaluronsäure & Co) umgesetzt. Nach Statistiken der Vereinigung der deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen hat im Jahr 2013 umgerechnet jeder Ästhetisch-Plastische Chirurg 504 Eingriffe durchgeführt, Experten sprechen von einem weltweiten Wachstum von über 5 %.
In Deutschland auf der Beliebtheitsskala der chirurgischen Eingriffe ganz oben: Die Brustvergrößerung, gefolgt von Fettabsaugen, Augenlid- und Nasenkorrekturen. Im amerikanischen Ranking führte 2011 noch die Fettabsaugung vor Brustvergrößerungen. Nach neuesten Angaben aus 2013 ist die Brustvergrößerung sowohl weltweit als auch in den USA beliebter denn je und nunmehr auch hier führend(2).
Weltweit lag Deutschland nach Zahlen der International Society of Aesthetic Plastic Surgery (ISAPS) bereits 2011 im guten Mittelfeld unter den TOP 25: Platz 11 bei der Anzahl der Ästhetisch-Plastischer Chirurgen und Platz 10 bei den durchgeführten Eingriffen, die mit knapp 500.000 beziffert wurden. Tendenz steigend, denn das ISAPS Ranking 2013 sieht Deutschland inzwischen auf Platz 10 hinsichtlich der Zahl praktizierender Fachärzte und sogar auf Platz 4 – hinter den USA, Brasilien und Mexiko – bezüglich der Eingriffe, die sich der aktuellen Statistik zufolge auf 654.115 summieren (chirurgische und nicht chirurgische Behandlungen).
Die Zahlen beruhen auf Angaben befragter Ärzte, wobei die Dunkelziffer erfahrungsgemäß relativ hoch einzuschätzen ist. Nicht alle Ärzte geben ihre Zahlen preis und überdies wurden ausschließlich Fachärzte für Plastische und Ästhetische Chirurgie erfasst. Die von Ärzten anderer Fachrichtungen und von selbst ernannten Schönheitschirurgen durchgeführten Eingriffe bleiben dabei unberücksichtigt.
Offizielle Gesamtzahlen gibt es demnach für Deutschland nicht, unterschiedlichen Hochrechnungen zufolge sind über eine Million ästhetischer Behandlungen (einschließlich Falten- und sonstiger nicht-invasiver Eingriffe) wahrscheinlich.
Schöne, heile Welt, wenn alles glatt läuft …
Wirtschaftsfaktor Schönheit. Die Beauty-Chirurgie boomt seit Jahren und damit die Zahl unseriöser Angebote, unerfahrener Chirurgen und unqualifizierter Behandlungen. Da Schönheitsoperationen Eingriffe ohne medizinische Indikation sind und von jedem Arzt, auch ohne Facharztausbildung, angeboten werden dürfen, ist der Wildwuchs in der Schönheitschirurgie vorprogrammiert. Immer mehr Möchtegernchirurgen mit mangelnder Qualifikation versuchen, mit unseriöser Abzocke Profit aus dem weiterhin wachsenden Markt zu schlagen. Doch diese Kehrseite der schillernden Medaille wird von vielen unterschätzt.
Scharlatanerie
Dubiose Geschäfte mit der Schönheitschirurgie: Vor einigen Jahren machte ein skandalöser Fall von ärztlichem Fehlverhalten Schlagzeilen. Eine 49-jährige Mutter von drei Kindern wollte sich in einer Tagesklinik den Bauch straffen lassen.
Der Schönheitschirurg operierte sie vier Stunden unzulässiger Weise ohne Narkosearzt. Nachdem die Patientin einen Kreislaufzusammenbruch mit Herzstillstand erlitt, konnte der Arzt sie wiederbeleben. Doch statt sofort den Notarzt zu rufen, ließ er sie mehrere Stunden in der Praxis liegen, um womöglich in der Zeit Fehler zu vertuschen. Die Patientin verstarb nach 12 Tagen. Der Arzt kam immerhin vor Gericht, wurde der Körperverletzung mit Todesfolge und des versuchten Mordes für schuldig befunden und wanderte in den Knast.
Auch wenn hier und da in den Medien über Probleme bei Schönheitsoperationen berichtet wird, scheinen Komplikationen, Fehler oder sogar Todesfälle durch Schönheitsoperationen in der medizinischen Fachliteratur ein absolutes Tabuthema zu sein. Aus diesem Grund startete die Uniklinik Bochum vor einigen Jahren eine Studie über Leidtragende missglückter Schönheits-OPs: Hier wurden über mehrere Jahre 21 Todesfälle und 52 lebensgefährliche Erkrankungen nach Fettabsaugungen anonym erfasst. In einem Fall wurde dermaßen stümperhaft mit der Absaugkanüle der Dünndarm durchlöchert, dass es zu Entzündungen im Bauchraum mit bakterieller Vergiftung des gesamten Organismus kam. Die Patientin starb wenige Tage nach dem Eingriff an »kotiger Bauchfellentzündung«. Die häufigsten gefährlichen Komplikationen sind Infektionen, Blutvergiftungen und Schock bei unsachgemäß durchgeführten Eingriffen und mangelnder Nachsorge. Durch unzureichende Hygiene gefährden leichtfertig agierende Ärzte ihre Patienten. Werbefotos mit Patienten, die während des Eingriffs einen Snack zu sich nehmen oder Fett absaugende Mediziner, die nur kurze Handschuhe tragen und mit nackten Unterarmen agieren, lassen versierte Chirurgen erschauern. »Unerwartete« Pannen sind dabei Programm, denn schon ein paar Keime auf einer Kanüle können den Patienten in Lebensgefahr bringen.
Mangelnde Sorgfalt und der Einsatz minderwertiger Produkte − bestes Beispiel: fehlerhafte Brustimplantate − haben gravierende gesundheitliche Auswirkungen mit einem langen und beschwerlichen Leidensweg zur Folge. Statt Freude am schönen Ergebnis bleibt den Betroffenen nur Leid und Verdruss.
Dies alles muss und darf nicht sein, denn es gibt sie, verantwortungsbewusste und talentierte Fachärzte für Plastische und Ästhetische Chirurgie, die qualitativ hochwertige ästhetische – und selbstverständlich medizinische – Leistungen vollbringen.
Doch ist dies die besagte Suche nach der Nadel im Heuhaufen? Wie finde ich die seriösen echten Könner der Branche, wo lauern die Fallstricke und warum? Es ist notwendig, eine kritische Analyse möglicher Gefahren, Risikofaktoren und Schwachstellen jenseits der eigentlichen OP zu erarbeiten. Wer sind die einzelnen »Mitspieler«, die vielschichtigen Haupt- und Randfaktoren für eine vorhersagbare, rundherum gelungene Operation, wie sie sich der Patient ursprünglich erhofft hat?
Hier erfahren Sie die ganze Wahrheit über die 3 grundlegend entscheidenden Parameter für eine erfolgreiche Behandlung: Operateur – Produkt – Patient.
Der wichtigste Baustein ist der Operateur. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes die »Schnittstelle«, die Schaltzentrale, in der die Weichen gestellt werden.
Falsche oder richtige Richtung? Was ist entscheidend? Wir fokussieren uns jetzt auf den Operateur und durchleuchten ihn auf »Herz und Nieren«. Der geprüfte Operateur – ein Chirurgencheck.
