Organized Living - Shira Gill - E-Book

Organized Living E-Book

Shira Gill

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Beschreibung

Starten Sie Ihr aufgeräumtes Leben mit dem inspirierenden neuen Buch von Shira Gill, Autorin von Minimalista.

Viele Menschen, die mit dem Alltagschaos in ihren vier Wänden kämpfen, fragen sich, wie es in den Häusern und Wohnungen von professionellen Aufräum-Coaches wohl aussehen mag. Das neue Buch von Shira Gill, bekannt durch ihr erstes Buch Minimalista, macht dies nun möglich: es stellt fünfundzwanzig Aufräumexpertinnen und Lifestylecoaches aus der ganzen Welt vor und gewährt einen Blick in ihr Zuhause, ihre Räumlichkeiten und sogar in ihre Schränke. Wir erfahren, wie sie zu den Personen wurden, die sie heute sind, und was sie in ihrer Arbeit antreibt und motiviert.

Begleitet von einer Vielzahl an illustrierenden Fotos, persönlichen Erfahrungsberichten und unzähligen praktischen Tipps erhalten Sie eine Vielzahl an visuellen Inspirationen und cleveren Organisationstipps, die Sie in Ihrem eigenen Zuhause umsetzen können. Dabei wird deutlich, dass es kein allgemeingültiges „Genau so muss es sein“ gibt, sondern jeder Mensch für sich herausfinden muss, was ihm wichtig ist und welches Maß an Ordnung er braucht.

Für alle, die weniger Unordnung, Überforderung und Stress in ihrem Leben und mehr Zeit und Energie für die Dinge haben möchten, die ihnen am Herzen liegen, bietet Organized Living die beste Gelegenheit, direkt von den Besten der Branche zu lernen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 286

Veröffentlichungsjahr: 2025

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SHIRA GILL

MIT FOTOS VON VIVIAN JOHNSON

ORGANIZED LIVING

Die besten Tipps von 25 Aufräum-Coaches für ein leichteres und schöneres Leben

Für die deutsche Ausgabe

© Prestel Verlag, München · London · New York, 2025 in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH Neumarkter Straße 28 · 81673 München

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2023 bei Ten Speed Press, ein Imprint von Random House, bei Penguin Random House LLC, New York. TenSpeed.com oder RandomHouseBooks.com

Text copyright © 2023 by Shira Gill LLC

Photographs copyright © 2023 by Vivian Johnson

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Der Verlag behält sich die Verwertung des urheberrechtlich geschützten Inhalts dieses Werkes für Zwecke des Text- und Dataminings nach § 44 b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen.

Programmleitung: Claudia Schönecker

Projektmanagement: Andrea Bartelt-Gering

Übersetzung aus dem Englischen: Nina Kavelar für Print Company, Wien

Lektorat und Satz: Print Company Verlagsgesellschaft m.b.H., Wien

Design: Betsy Stromberg

Production designers: Mari Gill and Faith Hague

Herstellung: Luisa Klose

Anpassung des deutschen Umschlags: Tabea Tetzel

Lithografie: Nick Patton

ISBN 978-3-641-33350-8V002

INHALT

EINLEITUNG

CHECKLISTE – DIE WERKZEUGE DER ORDNUNGSPROFIS

ZU BESUCH BEI ...

KREATIV UND BUNT IN MONTREAL

Tinka Markham Piper

DIE PARISER ESSENZIALISTIN

Marie Quéru

SÜDSTAATEN-CHARME IN CHARLESTON

Nikki Boyd

ALTES BAUERNHAUS NEU INTERPRETIERT

Ashley Murphy

EIN KLEINES JUWEL IN BROOKLYN

Laura Cattano

CHECKLISTE NACHHALTIGKEIT

DER ZERO-WASTE-HAUSHALT

Julien Febvre

EIN KREATIVES PAAR UND SEIN STADTHAUS

Jean Gordon

DAS SCHICKE LOFT DER UNTERNEHMERIN

Ashley Jones

EIN RANCH-HAUS VOLLER LICHT UND LEICHTIGKEIT

Holly Blakey

BLICK IN DIE BAUMWIPFEL MITTEN IN MEXIKO CITY

Claudia Torre

CHECKLISTE PLATZ SPAREN LEICHT GEMACHT

EKLEKTISCHER VINTAGE-STIL IN VANCOUVER

Fiona Nurse

AFROKARIBISCHE EINFLÜSSE AN DER WESTKÜSTE DER USA

Jennifer Du Bois

NACHHALTIGER STIL UND NÄHE ZUM WASSER

Wiebke Liu

DAS HEILIGTUM

Margarida Madeira

DIE FAMILIENFARM

Brandie Larsen und Ryan Eiesland

CHECKLISTE WOHNEN MIT KINDERN

WOHNLICHER LUXUS IN ATLANTA

Brittani Allen

DER BUNGALOW AM STRAND

Jen Robin

FENG-SHUI-ENERGIEN IN QUEBEC

Sachiko Kiyooka

OPTIMIERTES WOHNEN IN DER HAUPTSTADT

Rachel Rosenthal

DAS SELBSTBAUHAUS

Jen Martin

CHECKLISTE VON ZU HAUSE AUS ARBEITEN

MOBILER MINIMALISMUS

Xiomara Romero

EINE STADTOASE IM HISTORISCHEN LISSABON

Tânia Lourenço

MINIMALISTISCH UND EINLADEND IN PORTLAND

Devin VonderHaar

DER ZWISCHENSTOPP DER WELTENBUMMLERIN

Georgia Lewis

SKANDINAVISCHER STIL IN STOCKHOLM

Sarit Sela

CHECKLISTE DIE TRICKS DER ORDUNGSPROFIS

 

EIN PAAR WORTE ZUM SCHLUSS

DANKSAGUNG

LISTE DER ORDNUNGSPROFIS

ÜBER DIE AUTORIN UND DIE FOTOGRAFIN

EINLEITUNG

MEIN WERDEGANG

Wenn ich Leuten erzähle, dass ich eine professionelle Ordnungsberaterin bin, stellen sie mir jedes Mal dieselbe Frage: »Sieht es bei dir zu Hausewirklichso ordentlich aus?« Und ich antworte ganz ehrlich: Ja.

Aber bevor wir uns tiefer in die Materie stürzen, sollten Sie etwas wissen: Mein Zuhause ist nicht so aufgeräumt, weil ich besessen von alphabetisch sortierten Ordnern oder nach Farben gruppierten Körben bin (obwohl ich gute Körbe zu schätzen weiß), sondern weil ich den Wunsch habe, in einer Welt, in der es so viel Leid und Zerstörung gibt, Ordnung und Ästhetik zu schaffen.

Ich bin als Einzelkind in der Bay Area von San Francisco aufgewachsen. Meine Eltern waren kreative Alternative, die jahrelang vergeblich versuchten, ihre Differenzen zu überwinden. Als ich acht Jahre alt war, trafen sie die weise Entscheidung, sich scheiden zu lassen. Das ging nicht ohne Gerichtsstreit ab und mündete schließlich im geteilten Sorgerecht, sodass ich jeden zweiten Tag mit Sack und Pack zwischen den Häusern meiner Eltern hin- und herpendeln musste. Mein Vater war ein dynamischer, großzügiger, charismatischer und brillanter Mann, der zeitweise unter schweren Depressionen litt. Meine kindlichen Ängste verarbeitete ich, indem ich stundenlang mein Zimmer umgestaltete, bis daraus ein ansprechender Rückzugsort entstanden war. In diesen prägenden Jahren, die ich oft als schlimm und schmerzhaft empfand, half mir mein Ordnungssinn, ein Gefühl des Friedens, der Schönheit und der Geborgenheit zu erzeugen. Jahre später, als mein Vater seinen langen Kampf gegen die Depressionen verlor, fand ich Zuflucht im Aufräumen (und unterstützte auch andere dabei), während ich die Phasen der Trauer durchlebte. Ordnung zu machen wurde für mich zu einer Form der Selbstfürsorge – und das ist es heute noch, wenn ich dringend etwas brauche, das mich aufbaut.

Kaum hatte ich gelernt, mein Zimmer in einen ansehnlichen Ort zu verwandeln, bat ich Freunde und Familienmitglieder, auch bei ihnen aufräumen zu dürfen. Ich flehte sie fast an! Ich war immer extrem neugierig auf andere Menschen und stellte nun diesen »Klienten« einige Fragen, bevor ich anfing:Was ist dir gerade wichtig? Wie möchtest du nach außen wirken? Wie möchtest du dich in deinem Raumfühlen? Dann ging es an die Arbeit. Sämtliche Dinge, die nicht zur Vision passten, mussten gehen, und alles andere wurde sorgfältig geordnet. Vieles wurde umfunktioniert, etwa Behältnisse, Körbe, Deko oder Textilien. Selbst die größten Zweifler unter meinen Freunden staunten, als ich ihnen half, das verborgene Potenzial ihrer Wohnbereiche freizulegen. Schränke, Schlafzimmer oder Heimbüros wurden effektiv entrümpelt und aufgeräumt. Es war wie Zauberei. Ich erlebte mit, wie die Verwandlung der Räume ihre Besitzer näher an ihre Ziele brachte. Ich erkannte, dass ich nicht nur ihr Zuhause verschönerte, sondern ihnen auch ihre wahren Interessen und ihr Potenzial bewusst machte – sodass sie authentischer leben konnten.

Damals dachte ich noch nicht daran, mein Hobby zum Beruf zu machen, sondern arbeitete fast zwanzig Jahre lang als Schauspielerin am Theater. Als ich mit meiner ersten Tochter im achten Monat schwanger war, verlor ich meinen damaligen Vollzeitjob als Eventplanerin und war gezwungen, umzusatteln.

Während ich mit meiner Tochter Chloe fast ein Jahr lang zu Hause blieb, wurde mir klar, dass alle Eltern, die ich kannte, komplett überfordert mit dem häuslichen Chaos und den Unmengen an Spielsachen, Kinderklamotten und Familienkrimskrams waren. Als mich die Frauen in meiner neuen Elterngruppe fragten, wie ich es schaffte, die Unordnung zu bändigen, realisierte ich, dass ich mit meiner Antwort unbewusst mein Aufräumverfahren und meine Philosophie desWeniger-ist-mehrdefinierte. Meine Art des Minimalismus richtete sich gegen Überfluss, Verschwendung und Konsumzwang, aber ohne, dass ich dabei auf für mich wichtige Dinge verzichten musste. Ich hatte weder einen Businessplan noch eine spezielle Ausbildung, nur das starke Bedürfnis, anderen Menschen das Leben zu erleichtern, indem ich ihnen zeigte, was für mich funktionierte. Ich stellte eine Website zusammen, kündigte meine Dienste in einer Rundmail an und machte es mir zum Ziel, anderen dabei zu helfen, materiell und mental Ordnung zu schaffen und ihr Zuhause in eine Wohlfühlumgebung zu verwandeln.

Wenige Tage, nachdem ich die E-Mail verschickt hatte, meldeten sich die ersten Interessenten. Anfangs verbrachte ich die Wochentage mit Chloe und arbeitete samstags und sonntags in dreistündigen Einheiten, während mein Mann Jordan bei unserer Tochter blieb. Nachdem ich jobmäßig jahrelang im Theater und im Gastgewerbe zweigleisig gefahren war, hatte ich endlich das Gefühl, angekommen zu sein und eine Arbeit zu haben, die ich liebte, die eine positive Wirkung hatte, von der ich leben konnte und die mir den Luxus bot, viel Zeit mit meiner Tochter verbringen zu können. Es war aufregend. Jede Situation meiner Klienten war einzigartig und eine neue, interessante Herausforderung, wodurch meine Tätigkeit immer spannend blieb. Ich arbeitete für Künstler, Lehrer, Therapeuten, Ärzte, Anwälte, IT-Unternehmer, Beamte und sogar NASA-Wissenschaftler. Ich half Menschen, die trauerten, unter Ängsten und Depressionen litten oder die gerade eine Scheidung durchmachten. Ich besuchte Villen auf bewachten Anwesen und winzige Einzimmerwohnungen. Bei meiner Arbeit stieß ich auf Waffen, Sexspielzeuge, wertvollen Schmuck und Bündel von Geldscheinen. Aus nächster Nähe erlebte ich Eheprobleme, Wutanfälle und Nervenzusammenbrüche mit. Mir wurde Kaviar und Champagner serviert, aber ich musste auch schon Rattenkot, Katzenurin und Schimmel beseitigen. Ich habe schon ziemlich alles gesehen, was man sich vorstellen kann. Es berührt mich, dass mir so viele Menschen das Vertrauen entgegenbrachten, mir ihre kostbarsten (und privatesten) Dinge zu zeigen und mir erlaubten, bei ihnen Ordnung zu schaffen. Meine Arbeit steckte voller aufregender Erlebnisse.

Mit zunehmender Erfahrung begann ich, bestimmte Muster zu erkennen. Begraben unter all dem Zeug waren Scham, Schuldgefühle, Ängste, Depressionen und Verluste. Ich wollte meinen Klienten helfen, Veränderungen sowohl von außen als auch von innen zu bewirken, weshalb ich 2016 eine Ausbildung zum Lifecoach machte. Mein neu erworbenes Wissen baute ich dann in meine Arbeit ein, sodass ich meinen Klienten auch psychologisch zur Seite stehen und mit ihnen die wahren Ursachen ihrer Unordnung ergründen konnte. Nach zehn Jahren Praxis kondensierte ich meine Prinzipien zu einem einfachen Fünf-Schritte-System: Abklären, Reduzieren, Ordnen, Aufwerten und Erhalten. In meinem ersten Buch,Minimalista,stelle ich meine Methoden vor und beschreibe, wie Sie Ihr Zuhause als Angelpunkt für Veränderung nutzen können, um Ihr Leben so zu gestalten, wie Sie es sich vorstellen.

Mittlerweile biete ich mehr als nur Aufräumen an. Als preiswertere Alternative stellte ich einige Onlinekurse zusammen, die bereits von tausenden Menschen auf der ganzen Welt absolviert wurden. Außerdem gründete ich ein Mentoringprogramm für Unternehmen, um anderen Gründern dabei zu helfen, ihr eigenes Ordnungs- und Lifestylebusiness auf die Beine zu stellen.

Darüber hinaus schreibe ich Bücher, halte Vorträge und arbeite als Coach, aber die größte Freude macht mir immer noch das Aufräumen. Diese Tätigkeit ist der faszinierendste, erfüllendste Beruf, den ich mir nur vorstellen kann.

ORDNUNG NACH MASS

In den letzten Jahren gab es einigen Widerstand gegen die konsumorientierte Art des Ordnungmachens, die in den sozialen Medien recht beliebt ist. Die gute Nachricht: Man muss sein Hab und Gut nicht in einheitliche Behältnisse schlichten oder das Flüssigwaschmittel in eine schicke Glaskaraffe füllen, außer man möchte das. Es gibt keine Patentlösung, die für alle Haushalte passt. Wenn Sie Ihren Kühlschrankinhalt gern farblich sortieren wollen, tun Sie das und erfreuen Sie sich am Farbspiel Ihres Regenbogens! Falls Ihnen das aber übertrieben erscheint, ist es überhaupt kein Problem, wenn Sie davon absehen.

Letzten Endes soll Ihr aufgeräumtes Zuhause Ihnen das Leben erleichtern und effizienter machen. Sie können in Ihrem Wohnbereich und Ihrem Leben durchaus auch Ordnung schaffen, ohne neue Produkte zu kaufen oder eine farbcodierte Snackbar einzurichten. Das Ordnungs-Komplettpaket mit allen Schikanen ist nämlich völlig optional.

WENIGER IST MEHR: EIN BLICK IN MEIN ZUHAUSE

Seit ich mich vor über zehn Jahren selbstständig machte, ist mein Haus meine Kreativwerkstatt. Dort konnte ich jeden Raum reduzieren, aufräumen und gestalten, um meine Erfahrungen und Methoden schließlich an meine Klienten weiterzugeben. Ich wohne zusammen mit meinem Mann, meinen zwei Töchtern und meinem Hund Patches in einem 110 Quadratmeter großen Bungalow im Craftsman-Stil. Wir entfernten Wände und die Türen der Küchenschränke, strichen alle Flächen, stellten die Möbel um, probierten verschiedene Systeme und Produkte aus und ordneten alles immer wieder neu. Aber die größte Wirkung hatte das Entrümpeln. Wir klärten als Familie ab, was uns wichtig ist (Gemeinschaft, Kreativität, Reisen, Eiscreme) und mit der Zeit fiel es uns immer leichter, Dinge loszulassen, die uns im Weg stehen. Da wir keinen Keller oder Dachboden haben, müssen wir gut überlegen, was ins Haus kommen darf. Was wir nicht mögen, brauchen oder regelmäßig nutzen, muss raus. Mittlerweile gibt mir das Ausmisten den gleichen Kick wie früher das Shoppen. Das Reduzieren hat mein Leben auf allen Ebenen bereichert und ich habe mehr Zeit, mehr Energie, mehr Freiheit und mehr Raum, um mich auf das, was mir wirklich wichtig ist, zu konzentrieren. Wenn ich mich zwischen Platz und Besitz entscheiden müsste, würde ich jedes Mal mehr Platz wählen.

Sie kombiniert mein Interesse an Menschen mit meiner Begeisterung für Psychologie, Persönlichkeitswachstum und menschliche Entwicklung – sogar meine Leidenschaft für Mode, Styling und Design passt dazu. Anderen zu zeigen, wie sie ihr Zuhause in einen ästhetischen Wohlfühlort verwandeln und gleichzeitig ihr Leben verbessern, gehört zu den größten Freuden meines Lebens.

Für dieses Buch besuchte ich 25 Ordnungsexperten auf der ganzen Welt, um sie zu interviewen. Jede und jeder von ihnen machte einen anderen Werdegang durch und besitzt unterschiedliche Fähigkeiten und Talente, aber sie alle eint der Wunsch, anderen zu helfen, ihre Unordnung zu bändigen, ihre Räume zu entschlacken sowie ihr Zuhause und ihr Leben grundlegend zu verändern.

Ich finde es immer spannend, die Wohnbereiche anderer Ordnungsprofis zu entdecken (ob bei der Arbeit oder als Recherche für dieses Buch), und ich lernte vieles dazu, das ich in meinen Beruf und Haushalt integrieren konnte. Jedes Treffen war eine einzigartige Gelegenheit, mich vom Wissen meiner Kollegen inspirieren zu lassen. Dieses Buch entstand aus dem Wunsch, meinen Lesern und Leserinnen einen Einblick in diese meist verborgene Welt zu bieten: in die ordentlichen Häuser der Menschen, die Ordnung in die Häuser anderer bringen.

EINE KURZE GESCHICHTE DES AUFRÄUMENS

Als ich im Jahr 2010 mit dem professionellen Aufräumen begann, wurde ich oft gefragt, was ich beruflich mache. Wenn ich sagte, ich sei eine Ordnungsberaterin, reagierte man meist mit Achselzucken und ausdruckslosen Blicken, die zu sagen schienen:Es gibt wohl nichts, das es nicht gibt. Ich kannte niemanden, der die gleiche Tätigkeit ausübte, aber nach kurzer Suche stieß ich auf dieNational Association for Productivity and Organizing Professionals– eine Organisation für Produktivitäts- und Ordnungsexperten. Die NAPO wurde 1985 von einer kleinen Gruppe Frauen in Los Angeles gegründet. Ihr Ziel war es, Wissen zu vermitteln, Geschäftsbeziehungen zu verbessern, die Forschung in der Branche zu fördern und Öffentlichkeitsarbeit für den Berufsstand zu leisten.

In den letzten Jahren entstand ein regelrechter Boom um das professionelle Aufräumen. Es gab Bücher, TV-Sendungen und die erste Ordnungsexpertin, die weltweite Berühmtheit erlangte: Marie Kondo. Aufräumprofis gelten mittlerweile als Pioniere und Lifestyle-Influencer. Über Content-Portale wie Blogs und Podcasts und in den sozialen Medien, etwa auf Instagram und TikTok, haben sie sich einen festen Platz im kulturellen Zeitgeist geschaffen. Die NAPO besteht heute aus 30 Untergruppen, die weltweit über 4000 Mitglieder zählen. Im Jahr 2017 wurde dieNational Association of Black Professional Organizers(NABPO) gegründet, um Ordnungsexperten aller ethnischen Zugehörigkeiten Fortbildung und Unterstützung anzubieten. Der Januar wurde zum offiziellen »Schaff-Ordnung«-Monat ernannt.

Die amerikanische Einzelhandelskette The Container Store, die sich auf Ordnungsprodukte und Schränke nach Maß spezialisiert, entwickelte sich zu einem wahren Imperium mit fast hundert Filialen in den USA. In der Branche gibt es mittlerweile ein großes Angebot an Ausbildungs- und Zertifizierungsprogrammen, Konferenzen, Kursen und Retreats. Über Google findet man Ordnungsprofis, die sich auf alle erdenklichen Bereiche spezialisiert haben, unter anderem auf ADHS, digitales Aufräumen (zum Beispiel E-Mail- und Bildverwaltung), Entrümpeln und Umzüge, Raumplanung und Nachhaltigkeit. Für jeden Schwerpunkt gibt es den passenden Experten.

WIE KAM ES DAZU?

Das exzessive Konsumverhalten (vor allem in den USA) führte zur Entstehung einer ganzen Berufsgruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Menschenzu helfen, Unordnung und Überfluss zu beseitigen, damit sie bewusster und nachhaltiger leben können. Das professionelle Aufräumen hat seine Wurzeln in einer Kultur, die mehr anhäuft, als sie verkraften kann.

Noch nie war es so einfach, Haushaltswaren, Kleidung oder elektronische Geräte zu bestellen. Praktisch auf Knopfdruck holen wir sie in unser Haus. Aber all das Zeug, das wir ansammeln, verursacht auch eine Reihe von Problemen, unter anderem Schulden, überfüllte Wohnungen und Häuser, Stress und Müllberge. Unser kollektiver Massenkonsum hat einen Punkt erreicht, an dem wir uns durch unseren Besitz nicht mehr frei, sondern überwältigt und eingeengt fühlen. Unzählige meiner Klienten haben mir anvertraut, wie erleichtert sie wären, ginge ihre Garage oder ihr Keller einfach in Flammen auf oder würde durch andere Umstände komplett zerstört. »Kann man nicht einfach alles abfackeln, damit ich mich nicht darum kümmern muss?« Zwar brauchten wir keine globale Pandemie, um herauszufinden, dass sich das Zuhause auf unser ganzes Leben auswirkt, aber die neue Situation brachte Menschen auf der ganzen Welt dazu, ihr häusliches Umfeld und ihren Lebensstil zu überdenken.

DIE BRANCHE IM BLICKPUNKT

SCHWARZE FRAUEN RÄUMEN AUF

Bei den Recherchen zu diesem Buch traf ich viele Ordnungsexpertinnen, die eine Bereicherung für die gesamte Branche sind. Eine davon ist Dalys Macon, Gründerin des Ordnungsunternehmens D’Vine Order. Sie hat eine Brustkrebserkrankung überstanden und arbeitete mehr als 38 Jahre im öffentlichen Dienst, davon vier Jahre für das Militär. Als sie einen der ersten Kurse der NAPO belegte, begann ihre Karriere als professionelle Aufräumerin. Dalys war schon immer ordnungsliebend gewesen, aber erst, nachdem sie dreizehn Jahre lang Freunden und Angehörigen geholfen hatte, wagte sie 2019 den Sprung in die Selbstständigkeit.

Dalys verschlang zahlreiche Bücher, Zeitschriften und Blogs zum Thema Aufräumen und merkte, dass in den Medien meist Menschen weißer Hautfarbe zu Wort kamen. Darum rief sie eine eigene Plattform ins Leben, um Frauen nicht-weißer Herkunft in den Blickpunkt zu rücken. Sie knüpfte Kontakte zu anderen nicht-weißen Ordnungsberaterinnen, um sich zu vernetzen und Wissen zu teilen. Kurz danach, im Januar 2020, lancierte sie die Plattform Black Girls Who Organize (BGWO), die als Instagram-Account begann. Ein Jahr lang sollte darauf jeden Monat eine nicht-weiße Frau der Branche vorgestellt werden; die Community wuchs jedoch schnell, sodass Dalys in den ersten zwölf Monaten schon über 70 Frauenprofile veröffentlichte. Mittlerweile gibt es eine achtmonatige Warteliste für Anwärterinnen. Neben der Aktivität auf Instagram veranstaltet BGWO monatliche Treffen, wo Fachwissen ausgetauscht wird und Neulinge der Ordnungsbranche Fragen zu Themen wie Vertragsbedingungen, Honorar und die besten Geschäftspraktiken stellen können. Frauen aus London, Nigeria und Ghana haben sich der Community angeschlossen und Dalys plant, in Zukunft auch Retreats und Konferenzen anzubieten, um ihre florierende, vielfältige Gemeinschaft aus Ordnungsprofis weiter zu fördern und zu unterstützen. Klientinnen und Kolleginnen sind von ihr begeistert, denn sie hat die Ordnungsbranche im Alleingang umgekrempelt und wichtige Veränderungen initiiert

5 GUTE GRÜNDE, JETZT AUFZURÄUMEN

EFFIZIENZ|Statt 20 Minuten lang nach Schlüsseln, Geldbörse, Kuli oder Regenschirm zu suchen, können Sie Ihre Zeit für wichtigere und schönere Dinge nutzen.

KLARHEIT UND KONTROLLE|Wenn jeder Gegenstand in Ihrem Zuhause einen Nutzen und einen festen Platz hat, können Sie und Ihre Familie alles innerhalb von Sekunden finden. Ist das nicht wunderbar?

FREIHEIT|Möchten Sie Ihr Zuhause vermieten, für einen Wochenendtrip packen oder spontan eine Party schmeißen, ohne vorher noch überall aufräumen zu müssen? Ein ordentlicher Wohnbereich ermöglicht es Ihnen, andere Aktivitäten leichter auszuführen.

RUHE|Auf grundlegendster Ebene bedeutet Ordnung auch inneren Frieden. Wenn Ihr Besitz rationalisiert und strukturiert ist, überträgt sich dieses System auch auf alle anderen Bereiche Ihres Lebens. Prägen Sie sich das ein: Auf alle. Anderen. Bereiche.

NACHHALTIGKEIT|Ein aufgeräumtes Zuhause hilft Ihnen, Verschwendung einzudämmen und nicht zu viel zu kaufen. Unser Überkonsum hat einen kritischen Punkt erreicht, aber noch ist es nicht zu spät, unsere Gewohnheiten zu ändern und die Umwelt zu entlasten.

WARUM ICH DIESES BUCH GESCHRIEBEN HABE

Als ich mit meiner Arbeit als Ordnungsberaterin begann, fühlte ich mich noch allein, aber dank dem Internet konnte ich mich mit Kollegen auf der ganzen Welt verbinden – unter anderem in Städten wie Sydney, Tel Aviv, Manila und Mexiko City. Ich hatte das Vergnügen, sie virtuell oder persönlich kennenlernen und einen Blick in ihre Häuser werfen zu dürfen. Bei jeder Gelegenheit fragte ich sie, wie sie ihre eigenen Wohnbereiche ordneten und optimierten. »Wo steht bei dir der Wäschekorb? Was befindet sich unter der Küchenspüle? Wie viele Bettlaken besitzt du eigentlich? Was machst du mit den nervigen kleinen Plastikdingern, die Kinder immer von Geburtstagspartys mitbringen?«

Falls Sie schon einmal überlegt haben, wie es wohl bei einem Ordnungsprofi zu Hause aussieht, haben Sie sich wahrscheinlich auch schon einmal die Frage gestellt, warum man Ordnungscoach wird. Da ich mit vielen Kollegen inzwischen gut befreundet bin, weiß ich, dass wir auf völlig unterschiedliche Weise in denselben Beruf gefunden haben. Ein häufiger Irrglaube ist der, dass wir alle von unserer Liebe für Ordner und stapelbare Plastikbehälter angetrieben werden. In Wirklichkeit ist das Aufräumen von Wohnräumen ein sehr sozialer Beruf, denn wir verändern nicht nur das Zuhause unserer Klienten, sondern oft auch ihr Leben. Und ja, die meisten von uns mögen säuberlich beschriftete Behältnisse, aber was uns alle verbindet und motiviert, ist unser Wunsch, zu helfen, Ordnung, Leichtigkeit, Ästhetik und Effizienz zu erzeugen, damit eine Verbesserung auf allen Ebenen entstehen kann. Viele von uns entdeckten diesen Beruf nach traumatischen oder traurigen Erlebnissen, etwa einer schwierigen Kindheit, einem Todesfall, einem anderen Verlust oder einer Scheidung. Wir fühlen mit anderen mit und wollen ihnen helfen – und das tun wir, indem wir Ordnung schaffen und funktionelle Systeme einrichten.

Dieses Buch stellt Ihnen nicht nur die inspirierenden Wohnräume der ordentlichsten Menschen der Welt vor, sondern auch die Persönlichkeiten, die darin wohnen, und die Begeisterung, die ihre Arbeit beflügelt. Wir besuchen Minimalisten in ihren 30-Quadratmeter-Wohnungen (und sogar einem Wohnwagen), Maximalisten in geräumigen Vorstadthäusern und alles dazwischen. Auf den folgenden Seiten finden Sie hochspezialisierte Ordnungsberater, die nur eine ganz bestimmte Art von Bereich bearbeiten, und solche, die am liebsten ein ganzes Haus umkrempeln. Manche Ordnungsprofis waren früher Anwälte, Meeresbiologen oder Krankenpfleger, andere hatten inmitten der Pandemie ihr Studium abgeschlossen und machten sich selbstständig. Die Bilderund Interviews sollen Sie inspirieren und die Expertentipps, Informationen und Ordnungsstrategien können Ihnen helfen, Ihr eigenes Zuhause zu optimieren und schöner zu gestalten.

Ich habe alle Experten, die hier vorgestellt werden, persönlich besucht, zusammen mit Vivian Johnson, mit der ich seit vielen Jahren arbeite und die sämtliche Fotos für dieses Buch gemacht hat. Wir reisten ohne Stylisten und Requisiten, also bekommen Sie die ungestellte Wahrheit zu sehen und werden erfahren, wie die Ordnungsprofis wirklich leben und wohnen. Begleiten Sie uns auf diese Reise und gehen Sie dabei auch Ihren eigenen Weg, der Ihnen hoffentlich viel Freude machen wird.

Die 25 Experten, über die Sie hier lesen werden, haben ihre Türen, Schubladen und Schränke für uns geöffnet – sehr mutig! Vielleicht können Sie einige Ideen für sich mitnehmen. Im ganzen Buch verteilt finden Sie auch Ordnungs-Checklisten, in denen alle Tipps nach Themengebieten sortiert sind. Machen Sie es sich gemütlich und werfen Sie einen Blick in die Welt dieser talentierten, dynamischen und ganz unterschiedlichen Menschen, die meine Kollegen und Freunde sind. Ich kann es kaum erwarten, sie Ihnen vorzustellen!

CHECKLISTE • DIE WERKZEUGE DER ORDNUNGSPROFIS

Möchten Sie Ordnung in Ihrem Zuhause schaffen, wissen aber nicht, was Sie brauchen, um anzufangen? Damit Sie kein unnötiges Zeug kaufen, habe ich ein simples Starterpaket für Sie geschnürt, sodass Sie wie die Profis reduzieren und aufräumen können. Die folgenden Hilfsmittel sind jene, die wir Ordnungsberater am häufigsten verwenden.

BEHÄLTER UND BEUTEL

Beim Aufräumen braucht man immer einige Behälter, um Müll, Recycling, Bioabfälle, Spenden sowie alles, was Sie verkaufen, zurückgeben und weitergeben wollen, sofort sortieren und einpacken können. Für die meisten Projekte genügen ein paar Einkaufstüten aus Papier, aber wenn Sie schwere oder sperrige Gegenstände ausmisten, sind Laub- und Gartensäcke, stabile Kartons oder die großen blauen Taschen von IKEA eine gute Wahl.

HINWEISSCHILDCHEN

Oft sieht es beim Entrümpeln unordentlicher als zuvor aus, darum hilft es, alle Behälter und Stapel mit Haftnotizen oder ausgedruckten Schildchen zu beschriften, damit Sie den Überblick behalten. Typische Kategorien sindbehalten, spenden, verschenken, wegwerfen, recyceln, kompostieren, schreddern, zurückgeben, reparierenoderumräumen.

»ÜBERGANGSKISTE«

Beim Aufräumen und Ausmisten werden Sie immer wieder auf Dinge stoßen, die eigentlich in einen anderen Raum gehören. Statt jeden Gegenstand sofort umzuräumen, können Sie alle temporär in einer »Übergangskiste« (oder großen Tasche) sammeln und zum Schluss an ihren Platz bringen.

MASSBAND

Das Bandmaß aus dem Baumarkt ist ein äußerst nützlicher Helfer. Aufräumprofis vermessen damit Schubladen, Schränke und Regale, damit sie passgenaue Ordnungssysteme kaufen können. Ein Maßband ist auch praktisch, wenn Sie einen Raum neu gestalten oder die Möbel umstellen wollen.

KLEBEMITTEL

Klebeknete oder Gelkleber sind ein Muss, um Gegenstände an ihrem Platz zu fixieren – vom Poster bis zum Schubladeneinsatz, den Sie damit rutschfest machen können. Klebereste von Stickern, Etiketten oder Deko-Folie können Sie mit Klebstoff-Entfernerspray oder der natürlichen Alternative Zitronenöl lösen. Haftnotizen sind wichtig, damit Sie sich merken, welche Dinge wohin gehören.

NOTIZBUCH ODER -APP

Die meisten Ordnungsexperten, die ich kenne, verwenden eine Notiz-App auf dem Handy, um die Details ihres Projekts festzuhalten, etwa Größen, Maße und Einkaufslisten, aber ein Notizbuch aus Papier und ein Stift tun es natürlich auch.

ETIKETTIERGERÄT

Viele Profis bevorzugen die führenden Etikettiergeräte Cricut oder P-touch oder bestellen sich personalisierte Etiketten, aber Sie können auch ganz einfach einen Weinglas- oder Kreidestift verwenden (die man abwischen kann) oder einen klassischen Marker (etwa Edding oder Sharpie), mit dem Sie auf Malerkrepp oder Washi-Tape in einer Farbe ihrer Wahl schreiben.

KABELBINDER

Das Kabelchaos ist der Feind aller Ordnungsfreunde. Kabelbinder aus Nylon oder Silikon, Klettbänder oder auch magnetische Kabelclips helfen Ihnen, den Kabelsalat zu bändigen. Wenn Sie dann auch noch Kabeletiketten oder von Hand beschriftete Schildchen daran befestigen, wissen Sie immer, welches Kabel zu welchem Gerät gehört. Tipp: In einer Kabelbox können Sie das ganze lästige Plastikgeschlängel, das unter Ihrem Schreibtisch für Hässlichkeit sorgt, geschickt verbergen.

REINIGUNGSMITTEL

Eigentlich versteht es sich von selbst, ist aber dennoch erwähnenswert: Einen Allzweckreiniger und ein paar Putzlappen sollte man beim Aufräumen immer griffbereit haben. Stellen Sie sich am besten auch einen Besen oder den Staubsauger in die Nähe.

SNACKS

Aufräumen ist Schwerstarbeit! Belohnen Sie sich zwischendurch mit leckeren süßen oder herzhaften Zwischenmahlzeiten, damit Sie genug Energie, gute Laune und mehr Ausdauer haben.

WAS DIE PROFIS SONST NOCH MÖGEN

Viele der Experten, die ich interviewt habe, zählen auch Etikettenschaber, Zangen, Hämmer, Unterlegscheiben, Batterien, Zwirn, Wäschefaltbretter und Werkzeughalter zu ihren nützlichsten Hilfsmitteln. Die meisten von ihnen vertreten die Meinung, dass man Behälter und Ordnungssysteme am besten erst kauft,nachdemman ausgemistet hat – und das auch nur, wenn Sie keine passende Aufbewahrungslösung aus Dingen, die Sie schon besitzen, zusammenstellen können. Kaufen Sie also nur, was Sie wirklich brauchen, und vermessen Sie vorher die Höhe, Breite und Tiefe des Bereichs, den Sie damit optimieren wollen. Schreiben Sie dann alles auf, was Sie besorgen werden, und halten Sie sich an Ihren Plan. So vermeiden Sie, dass Sie Ihren Einkauf später bereuen – und ungeplanten neuen Krempel ins Haus schleppen.

TINKA MARKHAM PIPER

KREATIV UND BUNT IN MONTREAL

TINKAS WERDEGANG

Tinkas Kindheit war von Veränderungen und Umzügen geprägt. Als Tochter eines Auslandskorrespondenten lebte sie innerhalb von vierzehn Jahren in sieben verschiedenen Ländern. Schon in jungen Jahren wurde sie mit ihrer Familie aus Kriegsgebieten in Saigon und Beirut evakuiert. Von ihren Eltern lernte sie: »Blühe auf, wo du hingepflanzt wirst.« Trotz der ständigen Turbulenzen war sie immer offen für neue Orte, Menschen und Erfahrungen. Tinka half es, Todo-Listen zu erstellen und ihre Kostbarkeiten zu ordnen. Sie baute sich gern ihr eigenes »Nest«, wo immer sie auch war, ob in ihrem eigenen Zimmer oder bei Freunden. Als sie einmal bei Freunden übernachtete, räumte sie das Badezimmer der Familie auf. Sie erstellte sogar ihr eigenes Bibliothekssystem – zum Leidwesen ihres jüngeren Bruders, der immer, wenn er ein Buch von ihr ausleihen wollte, ein Formular ausfüllen musste. Gab er es zu spät zurück, bekam er von Tinka eine Säumnisgebühr aufgebrummt.

Als Tinka ein Teenager war, starb plötzlich ihr Vater. Von da an widmete sie ihr Leben und Streben ihrer Ausbildung. Sie erlangte einen Bachelorabschluss und eine Lehrbefähigung von der Princeton University und weitere Abschlüsse in Sozialarbeit und Gesundheitswesen an der Columbia University. Sie sagt, dass ihr die engen Beziehungen zu ihrer Familie und ihren Freunden halfen, mit Verlusten umzugehen und mentale Stärke zu entwickeln.

Zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn versuchte sich Tinka in verschiedenen Tätigkeitsbereichen. Sie arbeitete in San Francisco an der Bildungsreform der Wohlfahrtsorganisation AmeriCorps und in New York an Programmen zur Suizidprävention mit. Sie war Fürsprecherin und Sozialarbeiterin für die Klienten eines Pflichtverteidigers. Nach den Anschlägen vom 11. September unterstützte sie das amerikanische Rote Kreuz und die Katastrophenschutzbehörde FEMA. Danach fand sie einen tollen Job und forschte an einem Institut für Stadtepidemiologie. Dort leitete sie an einer Leichenhalle in New York ein Projekt, bei dem Morde, Selbstmorde und Überdosen statistisch ausgewertet wurden. Das alles erwähnt sie ganz nebenbei, als wäre es keine große Sache.

Nachdem sie zusammen mit ihrem Mann (ihrer Highschool-Liebe) ins kanadische Montreal gezogen war, arbeitete sie an der McGill University im Bereich globale Gesundheit und Sozialpolitik, bis sie schließlich das machte, was sie am meisten erfüllte: kreative Lösungen für Wohnräume zu finden, um das Wohlbefinden ihrer Bewohner zu verbessern. In ihrer nomadenhaften Kindheit lernte sie, jeden Raum in ein heimeliges Nest zu verwandeln, und ihre Kenntnisse aus Sozialarbeit und Gesundheitswesen kamen ihr zugute, als sie ihre Begeisterung für das Entrümpeln, Aufräumen und Umgestalten zum Beruf machte. Im Jahr 2012 gründete sie ihr Unternehmen Solve My Space mit dem Ziel »ein Zuhause zum Wohlfühlen zu erschaffen«.

Tinka bezeichnet sich selbst als »Chaosberaterin« und »Raumlöserin«, die ihre psychologische Erfahrung mit ihrem Interesse an Ordnung und Design verbindet. Ihr Motto lautet: »Leichtigkeit mit Tiefgang«. Sie sucht immer nach neuen Möglichkeiten, durch eine Verschönerung des Wohnbereichs auch die psychische Gesundheit der Menschen zu verbessern. Sie begleitet ihre Klienten durch große Umbrüche im Leben – in Form von durchdachten Veränderungen, die ein gutes Gefühl geben, und vielen praktischen Ratschlägen. Während der Corona-Lockdowns arbeitete Tinka online und half über hundert Personen aufder ganzen Welt, ihre Wohnräume aufzufrischen und sich an die neue Arbeitsund Schulsituation anzupassen. Viele litten unter Ängsten und Unsicherheit. In ihrer Kolumne »Ask Tinka« beantwortet sie Fragen von Lesern und gibt ihnen Tipps – etwa wie sie Sachspenden unter die Leute bringen oder ihr Zuhause während der dunklen Wintermonate aufhellen können.

Tinkas größte Motivation ist jedoch die positive Wirkung auf die Psyche. Sie glaubt, dass wir uns mit den emotionalen Aspekten des Wohnens auseinandersetzen müssen, wenn wir unsere privatesten Räume gestalten. Oft berät sie Klienten, die unter Beziehungsproblemen, Ängsten, Depressionen, ADHS, Trauer oder Verlusten leiden. Tinka erfüllt alles, was sie tut, mit Freude, Humor, Empfindsamkeit und ganz viel Herz. In ihrem fröhlich bunten Zuhause und in den Räumen auf der ganzen Welt, die sie bereits verwandelt hat, sieht man, dass alles, was sie anpackt, wie auf magische Weise aufblüht.

TINKAS ZUHAUSE

Betritt man Tinkas Haus zum ersten Mal, kann man sich vor Freude kaum halten. Der geräumige, farbenfrohe Wohnbereich ist eine gelungene Mischung aus moderner Architektur, hohen Decken und Elementen zum Erkunden und Schwelgen. Tinka scherzt, dass sie eine Maximalistin ist, die sich gern mit Kunst, Büchern, Textilien, Keramik und Vintage-Sammlerstücken umgibt.Sie ist ein großer Fan der australischen Künstlerin Rachel Castle, deren Motive überall im Haus zu sehen sind: in Form von (gerahmten) Geschirrtüchern, Bettwäsche, Kissen und Originaldesigns. Tinka unterstützt auch lokale und aufstrebende Künstler (wie etwa Ara Osterweil, Nova Mercury, Judit Just, Alexandra Collin und Véronique Buist) und stellt ihre Werke liebevoll aus. Sterne, Kreise, Ovale und runde, weiche Formen in Kontrastfarben zieren die Räume und erzeugen eine augenzwinkernde Atmosphäre kindlicher Verspieltheit.

Um Tinkas Sammelleidenschaft mit den minimalistischen Tendenzen ihres Mannes auszugleichen, ließ das Paar im Erdgeschoss raumhohe Einbauschränke entlang der Wände anbringen. Dort ist genug Platz für die Fülle an Künstler- und Bürobedarf, saisonaler Deko und Andenken, die Tinka besitzt. Schließt man die Türen, verschwindet alles wie von Zauberhand hinter einem schlichten Design. Die Kücheninsel sieht aus wie ein übergroßer Esstisch und bietet noch mehr versteckten Stauraum – perfekt, um Tinkas geliebte Servierteller, Vasen, Kerzen, Schmortöpfe, Platzdeckchen und Sammlerstückeunterzubringen. Andrew, Professor der Digital Humanities an der McGill, hat ebenfalls einen guten Blick für Ästhetik, wie sein schickes (und makelloses) Homeoffice verrät. Es steckt voller Kunstwerke und Bücher, die sorgfältig nach Sprache und Thema sortiert sind. Bei der Dekoration der Räume gibt jedoch Tinka mit ihrem typischen, verspielten »Mehr-ist-mehr«-Stil den Ton an, während Andrew für die Entscheidungen zu Architektur und Design zuständig ist. Die beiden beweisen, dass Maximalisten und Minimalisten erfolgreich zusammenarbeiten und -leben können. Das ist eine wichtige Erkenntnis!

Da Tinka zwei Teenager hat, richtete sie mehrere schlaue Systeme ein, die ihren Kindern das Aufräumen erleichtern. In der Waschküche steht immer ein »Teenie-Putzset«, zu dem ein Handstaubsauger, ein Allzweckreiniger, bunt bedruckte Putzlappen und ein Aromatherapie-Raumspray gehören. Ein Korb in der Küche ist der »Müllsammler«, wo man Krimskrams, den man im Haus findet, praktisch zwischenlagern kann. Am Ende der Woche leert Tinka denKorb auf dem Esstisch aus und alle Gegenstände, die niemand für sich beansprucht, werden weggegeben oder gespendet.

Ich staune, wie heiter selbst die rein praktischen Bereiche im Haus gestaltet sind, etwa das Gäste-WC mit seinen fröhlichen Bildern, die in senkrechten Reihen an den Wänden hängen, dazwischen Blumen und eine Kerze auf einem kleinen Sims. Im Eingangsbereich wird man von bunten Kunstdrucken, Pflanzen und Lampen empfangen. Die Schneestiefel stehen auf einer Fußmatte in Rosa und Fuchsia. Papier und Schreibzeug werden statt in unansehnlichen Büroablagen in neonbunten Ständern aufbewahrt. In der Speisekammer lagern die Vorräte in pastellfarbenen Behältnissen unter einem kunstvollen Arrangement aus Keramikwaren, Tabletts, Keksgläsern und Vasen. Sogar die Waschküche, die in den meisten Haushalten rein zweckmäßig aussieht, ist hier bis unter die Decke mit farbenfrohen Bildern, dekorativen Elementen und Pompons geschmückt. In einem so freundlichen, einladenden Raum macht sogar die lästige Hausarbeit Spaß.

In Montreal merkt man die Unterschiede zwischen den Jahreszeiten ganz deutlich und Tinka zelebriert die Übergänge mit kleinen optischen Veränderungen. Sie passt die Bilder, Tischdeko und Pflanzen saisonal an und wechselt in jedem Quartal sogar Keramikwaren, Filzobjekte, Quasten, Obst und Blumen. Im Herbst prasselt im Wohnzimmer ein Feuer im Kamin und Tinka serviert ihren Gästen zum Aufwärmen eine Poutine aus ihrem Lieblingsrestaurant. Kleine Kürbisse und herbstliche Deko zieren jeden Raum. Besser könnte man die Jahreszeit nicht würdigen!

Diese bunte Oase des Maximalismus ist das komplette Gegenteil zu meinem eigenen Einrichtungsstil, dennoch fühle ich mich sofort zu Hause. Unsere Wohnbereiche und andere Plätze, an denen wir uns aufhalten, sind nicht nur Räume, in denen wir essen, schlafen und arbeiten. Sie beeinflussen jeden Tag, wie wir uns fühlen, und können unsere Stimmung dramatisch verändern. Schon ein Tag in Tinkas Haus, umgeben von Perlen, Quasten, Puschel, bunter Schemel, Spielzeug, Basteleien und Keramiken, war für mich transformativ und inspirierend. Zwischendurch rief ich meinen Mann an und verkündete, dass wir mehr Bilder und Pompons zu Hause bräuchten. Ich konnte mir gut vorstellen, wie er die Augen verdrehte, aber das war mir egal. Dieses Haus, genau wie Tinka selbst, kann nicht anders, als dich aufzumuntern und dir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

TIPPS UND ANREGUNGEN

Setzen Sie auch in den rein praktischen Räumen Farbakzente: Bilder, Pflanzen und Stoffe werten »hässliche« Bereiche wie die Waschküche oder die Speisekammer auf.Stellen Sie den Wechsel der Jahreszeiten in Ihrem Zuhause dar, etwa durch passende Bettwäsche oder auch durch Bilder, Accessoires und Textilien, die Sie auf eigenen Jahreszeiten-Regalen präsentieren, so wie Tinka (die dann auch ihre Möbel umstellt).Eine preiswerte Möglichkeit, Ihre Lieblingskünstler auszustellen: Ein Geschirrtuch (oder einen anderen Stoff) mit einem Design, das Ihnen gefällt, einrahmen und aufhängen.Bilderleisten, die an der Wand befestigt werden, bieten zusätzlichen Platz in allen Räumen, etwa für Gewürze in der Küche, Kosmetikprodukte im Badezimmer oder Deko im Schlafzimmer oder im Flur. Auch gerahmte Bilder können Sie auf die Leisten stellen.Bei der Wahl der Aufbewahrungsbehälter ist Ihre Fantasie gefragt. Verspielte Formen wie Kreise, Ovale, Sterne oder Kugeln schaffen eine sanfte, kindlich verspielte Atmosphäre.