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Ein tabuloser Ratgeber für ein lebendiges Sexleben als Eltern
Sexualität endet nicht mit dem ersten positiven Schwangerschaftstest – sie verwandelt sich. Und sie darf genauso lebendig, sinnlich und orgasmisch bleiben wie zuvor. Dieses Buch lädt ein, die Magie der partnerschaftlichen Verbindung neu zu entdecken: Mit liebevollen Anregungen, achtsamen Impulsen und vielen praktischen Ideen für Intimität, auch im Alltag mit kleinen Kindern.
Wenn der Kinderwunsch drängt, wenn der Körper sich in der Schwangerschaft verändert, wenn der Alltag mit kleinen Kindern wenig Raum für die Liebe lässt – Orgasmic Parents begleitet durch die Höhen und Tiefen, die das Elternsein ausmacht und bei denen das Liebesleben manchmal auf der Strecke bleibt.
Dieses Praxisbuch ist der Kompass, wenn Eltern sich wiederfinden, berühren und gemeinsam wachsen wollen – vom Kinderwunsch und der Schwangerschaft bis weit über die ersten Babyjahre hinaus. Mit Übungen für ein neues Körpergefühl, Beziehungstipps für mehr Intimität und viel Wissen und Inspirationen zeigenMaraStadick und Vivien Adam den Weg in eine erfüllte Paarbeziehung.
Liebevoll, vielfältig und übersichtlich designt und illustriert von Natalia Alicja Dziwisch macht es schon beim gemeinsamen Lesen Lust auf mehr Nähe und neue gemeinsame Abenteuer.
Willkommen beiOrgasmic Parents – die Reise zu mehr Liebe, Intimität und gelebter Lust im Familienleben beginnt hier.
»Dieses Buch zeigt, dass Sexualität in der Phase des Elternwerdens und Elternseins nicht enden muss, sondern sich verändern und vertiefen kann. (…) Es öffnet den Raum, Sexualität neu, diverser und ehrlicher zu denken.« Prof. Dr. Mandy Mangler, Autorin von »Das große Gynbuch«
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Seitenzahl: 316
Veröffentlichungsjahr: 2025
Mara Stadick
Vivien Adam
Natalia Alicja Dziwisch
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Edition Michael Fischer GmbH
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EIN BUCH DER EDITION MICHAEL FISCHER
1. Auflage 2025
© 2025 Edition Michael Fischer GmbH
www.emf-verlag.de
Redaktion und Lektorat:
Susanne Haffner, Iris Rinser
Korrektorat:
Korrekturbüro Wonschik
Cover, Illustrationen, Layout & Satz:
Natalia Alicja Dziwisch
Verwendete Schriften:
Redaction (Forest Young, Jeremy Mickel)
Raleway (Matt McInerney, Pablo Impallari,
Rodrigo Fuenzalida)
ISBN 978-3-7459-3029-0
Vorwort
Willkommen!
Persönliche Geschichten
Was erwartet dich?
Sexualität und Körperliebe in der Schwangerschaft
Kinderwunsch
Körperliche Veränderungen
Der ganze Körper
Brüste
Bauch
Geni(t)al
Gefühle und Emotionen
Traurigkeit
Wut
Angst
Emotionen und Trauma
Freude
Sexualität und Beziehung
Die Geburt, eine Erfahrung voller Hingabe und Kraft
Geburt
Vorbereitung auf die Geburt
Vorbereitende Körperübungen
Wahl des Geburtsorts
Vorbeugung von Geburtsverletzungen
Wenn dein Kind sich Zeit lässt
Geburtsberichte
Selbstbestimmte Geburt
Orgasmische Geburt
Sternengeburt
Rolle des Partners / der Partnerin
Sexualität und Intimität nach der Geburt
Wochenbett und Rückbildung
Beckenboden
Veränderungen des ganzen Körpers
Das veränderte Geni(t)al
Brüste
Stillen
Veränderungen der Brüste
Spendenmilch
Gefühle
Wochenbettdepression
Traumatische Erfahrungen
Elternliebe
Liebe, Lust und Familienleben
Familienmodelle
Geteilter Alltag und Mental Load
Rollenverteilung
Arbeitszeitmodelle
Selbstfürsorge
Sex nach der Geburt
Verhütung
Schwangerschaftsabbruch
Solosex
Sex im Familienalltag
Tipps von Eltern für Eltern
Interviewte Personen
Übungen und Tipps
Glossar
Literatur
Danksagung
von Prof. Dr. med. Mandy Mangler
Als Gynäkologin begleite ich Frauen und Paare in unterschiedlichen Lebensphasen. Dabei erlebe ich täglich, wie viele Menschen mit Fragen zur eigenen Lust, zum veränderten Körpergefühl nach einer Geburt oder zu den Unsicherheiten im Umgang mit dem eigenen Begehren zu mir kommen – oft verbunden mit einem Gefühl von Scham oder dem Eindruck, „nicht mehr normal“ zu sein.
Die Wahrheit ist: Elternschaft verändert vieles. In dieser Lebensphase ist Sexualität eine enorme Herausforderung. Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit, hormonelle Umstellungen und die permanente Beanspruchung durch den Alltag mit Kind(ern) verändern nicht nur den Körper, sondern auch die Wahrnehmung von Nähe, Berührung und Erotik. Für viele ist das zunächst irritierend. Außerdem ist es zwischen Windelwechseln und Schlafentzug schwierig, Zeit für Sinnlichkeit zu finden. Und ungleich verteilte Care-Arbeit kann dazu führen, dass sich auch das Lustgeschehen ungleich verteilt. Aber: Es liegt auch eine große Chance in dieser Lebensphase. Elternschaft eröffnet – wenn wir sie lassen – neue Wege, uns selbst als sexuelles Wesen zu begegnen – kreativer, freier, absichtsloser. Der Körper muss nicht mehr „funktionieren“, sondern darf wieder spüren. Lust darf sich aus dem Druck befreien, „abzuliefern“, und wird dadurch vielschichtiger, ehrlicher, lebendiger. Diese Phase hat das Potenzial, innig, vertraut und sexuell anregend zu sein.
Daher ist es sehr erfreulich, dass dieses Buch den Raum öffnet, Sexualität neu, diverser und ehrlicher zu denken – insbesondere im Kontext von Elternschaft. Es erzählt nicht die altbekannte Geschichte vom Verschwinden der Sexualität im Familienalltag. Sondern es setzt einen anderen, sehr wohltuenden Fokus: indem es zeigt, dass Sexualität in der Phase des Elternwerdens und Elternseins nicht enden muss, sondern sich verändern und vertiefen kann. Viele Frauen und Partner*innen kommen zu Wort, die von ihren Erfahrungen berichten: von körperlicher Nähe, von der Suche nach neuer Intimität, von Momenten der Erschöpfung und Desorientierung ebenso wie von lustvollen Neuentdeckungen, von überraschenden Begegnungen mit dem eigenen Körper und dem des Partners oder der Partnerin. Dieses Buch lädt dazu ein, sich zu befreien von starren Bildern und Vorstellungen, was „richtiger Sex“ zu sein hat.
Sexualität ist ein zentrales Element menschlicher Identität und Intimität. Und doch wird sie im gesellschaftlichen Diskurs oft auf sehr enge Definitionen reduziert: Wir haben häufig einen sogenannten Male Gaze, eine männliche Perspektive auf Sex, und diese besteht aus einer linearen Abfolge von Erektion, Penetration und Ejakulation. Was davor, dazwischen und darüber hinaus geschieht – Empfindung, Fantasie, emotionale Verbundenheit, weibliches Begehren –, wird höchstens beiläufig und etwas abwertend als „Vorspiel“ erwähnt.
Ein zentraler Verdienst der Autorinnen – schon mit ihrem ersten Buch „Orgasmic Woman“ – ist es, die weibliche Lust nicht nur am Rande zu erwähnen, sondern sie ernst zu nehmen – in ihrer Vielfalt, in ihrer Eigenständigkeit, in ihrer physiologischen Realität. Dabei spielt neben der Vagina auch die Klitoriseine zentrale Rolle. Viel zu lange wurde dieses hochsensible Organ in medizinischen Lehrbüchern, im Schulunterricht und im gesellschaftlichen Bewusstsein marginalisiert oder gar ignoriert. Dabei ist sie ein Schlüssel zu weiblichem Lustempfinden. Dass sie auch in diesem Buch einen selbstverständlichen Platz bekommt, ist nicht nur richtig, sondern notwendig.
Ich freue mich sehr, dass die Autorinnen einen ganzheitlichen Blick auf das Thema Sexualität und Elternschaft gewählt haben. Dass sie eine Sprache gefunden haben für das, was oft unausgesprochen bleibt. Und dass sie zeigen: Sexualität ist nicht weniger, sondern mehr als Penetration und Ejakulation. Sie ist Nähe, Spiel, Berührung, Kommunikation – und sie darf sich verändern, wachsen und neu erfunden werden.
Das Buch, das Sie in den Händen halten, ermutigt dazu, sich selbst und einander neu zu begegnen – mit Neugier, Humor, Nachsicht und dem Mut, alte Vorstellungen loszulassen. Und es erinnert daran, dass Intimität nicht erst im Schlafzimmer beginnt, sondern in jedem Moment, in dem wir uns wahrhaftig begegnen – auch mitten im Chaos des Familienlebens.
Ich wünsche Ihnen beim Lesen nicht nur Erkenntnisse, sondern auch sinnliche Momente, Freude und Lust auf mehr.
Prof. Dr. med. Mandy Mangler
Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin, Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum
Chefärztin der Klinik für Gynäkologie, Vivantes Klinikum Neukölln
Autorin von „Das große Gynbuch“
Schön, dass du dieses Buch in den Händen hältst – es richtet sich an dich und deine*n Partner*in(nen), wenn ihr bereit seid, ein Abenteuer zu wagen. Vielleicht das schönste Abenteuer, das es gibt: Eltern zu werden und neue kleine Wesen auf ihrem ganz eigenen Weg in dieser Welt zu begleiten. Und gleichzeitig die Liebenden und sexuellen Wesen, die ihr seid, zu bleiben. Euch in eurer neuen Rolle als Eltern einzufinden und zugleich eure Sexualität und Intimität miteinander zu vertiefen.
Das mag wie eine Utopie klingen. Die Realität sieht oft anders aus: Vielleicht fühlt es sich so an, als würdet ihr euer bisheriges Leben als Paar, das das Leben genießt, hinter euch lassen und in eine neue Welt springen, sobald ihr Eltern werdet. Das, was ihr kanntet – eure Rollen als Liebende, als sexuelle Wesen –, scheint zu verschwinden. Ihr fühlt euch abgetrennt von eurer Sinnlichkeit, eurer Lust, eurer Partnerschaft. Plötzlich seid ihr vor allem Vater oder Mutter in einem Familienchaos ohne Pause, und das Gefühl, dass diese neue Rolle alles andere verdrängt, ist überwältigend. Kennt ihr das? Oder ahnt ihr es? Dann seid ihr hier genau richtig.
Wir haben dieses Buch geschrieben, um unseren Teil dazu beizutragen, dass die Wirklichkeit sich der Utopie annähert. Denn so wie es ist, muss es nicht bleiben. Ja, Kinder verändern alles. Ja, die Zeit und Energie für euch selbst und eure Partnerschaft werden weniger, und die körperlichen Veränderungen tun ihr Übriges. Doch das Elternsein muss euch nicht von eurer Sinnlichkeit und Lust trennen – es kann sie vertiefen.
Dafür ist es entscheidend, dass ihr den Mut habt, gemeinsam ehrlich und offen auf die Veränderungen eurer Sexualität während der Schwangerschaft, der Geburt und im Leben mit euren Kindern zu blicken. Hier geht es darum, zu verstehen, wie diese neuen Phasen euch beeinflussen – körperlich, emotional und in eurer Beziehung – und wie ihr Wege finden könnt, als Liebende und Eltern gleichermaßen erfüllt zu leben. Es beginnt damit, euch gegenseitig zu unterstützen, bewusst Zeit für euch als Paar zu nehmen und vor allem den Mut zu haben, die eigenen Bedürfnisse NICHT hintenanzustellen. Genau dabei möchten wir euch mit diesem Buch helfen.
Gleichzeitig handelt es sich hierbei um eine Möglichkeit, als Eltern eine erfüllte Sexualität zu leben, und nicht um ein weiteres Leistungsmerkmal, an dem ihr scheitern könnt. Unser Buch ist eine Einladung, euren Ängsten, Sorgen und Herausforderungen zu begegnen, die mit dem Elternwerden einhergehen. Anstatt zusätzlichen Druck aufzubauen, möchten wir euch diesen nehmen und euch dabei unterstützen, euren eigenen Weg in eurem eigenen Tempo zu finden.
Die Frage, wie Sexualität und Elternsein zusammenpassen, ist eine, die viele Paare beschäftigt. Doch selten wird darüber gesprochen. Zu groß sind oft Scham und Unsicherheit. Kann es dem Baby schaden, wenn wir während der Schwangerschaft Sex haben? Mag mich mein*e Partner*in noch, wenn sich mein Körper nach Schwangerschaft und Geburt verändert hat? Ist es okay, im selben Raum Sex zu haben, in dem das Kind schläft?
Diese Fragen zeigen: Die Sexualität verändert sich mit dem Elternwerden – und sie wird plötzlich auf den Prüfstand gestellt. Gerade dann, wenn äußere und innere Erwartungen kollidieren. Denn hinter den Unsicherheiten steckt oft mehr als bloße Unwissenheit: Es sind gesellschaftliche Bilder und Normen, die tief in uns wirken und unseren Umgang mit Sexualität als Eltern prägen. Besonders Frauen sehen sich dabei mit widersprüchlichen Rollenanforderungen konfrontiert: „Hure“, „Heilige“ oder „Mutter“. Diese Schubladen lassen kaum Raum für alle Facetten einer Frau. Besonders das Bild der „guten Mutter“, die fürsorglich und aufopferungsvoll ist, erlaubt es kaum, dass sie gleichzeitig auch ein sexuelles Wesen bleibt. Ein Ausdruck dieser Tabuisierung findet sich in der medialen und pornografischen Darstellung der sogenannten „MILF“ – ein Begriff, der Sexualität und Mutterschaft bisher nur in einem stark verzerrten, oft übersexualisierten Kontext zulässt. Diese extreme Form zeigt, wie wenig Raum es im gesellschaftlichen Diskurs dafür gibt, dass Mütter selbstverständlich auch sinnliche, begehrende und begehrenswerte Menschen sind. Im feministischen Kontext wird der Begriff jedoch zunehmend als Akt der Selbstermächtigung verstanden, indem Mütter ihre sexuelle Identität bewusst selbstbestimmt zurückgewinnen und den Begriff positiv besetzen.
Selbst so intime Momente wie das Stillen, in denen manche Frauen Erregung empfinden, werden sofort mit Scham belegt. Es darf nicht sein, dass Muttersein und sexuelle Empfindungen in einem Atemzug genannt werden. Doch warum? Warum wird einer Frau die Freiheit genommen, beides zu sein – eine fürsorgliche Mutter und ein sinnliches, sexuelles Wesen? Anscheinend leben wir in einer Zeit,in der wir diese Trennung noch nicht überwunden haben. Und es braucht Mut, sich dem entgegenzustellen und die eigenen Bedürfnisse anzunehmen, anstatt sie zu verleugnen. Genau das ist der Kern dieses Buches. Es geht darum, sich diese Natürlichkeit zurückzuholen. Sexualität sollte nicht heimlich sein müssen und nur bestimmten Menschen zugesprochen werden. Sie gehört zum Leben aller Menschen – sie ist Teil unseres Alltags, unserer Beziehungen und unseres Daseins.
Dein sexuelles Wesen ist keine Bedrohung für deine Rolle als Mutter, sondern ein Teil dessen, wer du wirklich bist.
Dieses Buch möchte zeigen, dass es nicht nur erlaubt ist, beides zu sein – Eltern und sexuelle Wesen – es ist euer Recht. Wir wollen euch dazu inspirieren, auf spielerische und liebevolle Weise wieder zueinanderzufinden – emotional wie körperlich. Auch wenn es sich manchmal anfühlt, als wärt ihr meilenweit voneinander entfernt. Die Erschöpfung, der Schlafmangel, die ständige Fürsorge für euer Kind – all das raubt Energie und Zeit für Intimität. Aber wenn ihr als Paar bewusst Zeit und Raum für eure Beziehung und eure Sexualität schafft, liegt darin auch eine wunderbare Chance. Dann kann diese neue Phase nicht nur anstrengend sein, sondern auch eine Zeit, in der ihr euch noch tiefer und intensiver miteinander verbindet.
Und wenn ihr euch liebt, begehrt und füreinander da seid, gebt ihr euren Kindern das wertvollste Geschenk mit auf den Weg: emotionale Sicherheit. Wenn eure Kinder in einer lebendigen Beziehung ihrer Eltern, die es verstehen, gut für sich zu sorgen und gemeinsam für sie da zu sein, aufwachsen, dann können diese Kinder sichere Bindung erleben und haben die besten Chancen, in ihrem Leben auch einmal glücklich zu werden. Gleichzeitig erleben sie dabei etwas ebenso Wichtiges: dass es selbstverständlich und schön ist, sinnliche, liebende, sexuelle Wesen zu sein – und dass Liebe und Lust auf achtsame Weise gelebt werden dürfen. Und vielleicht findet ihr dabei auch eine neue, tiefere Ebene der Intimität und Leidenschaft – eine, die durch die Erfahrung des Elternseins bereichert und nicht behindert wird.
Dieses Buch ist dafür da, euch zu zeigen, dass sich Sexualität und Elternschaft nicht gegenseitig ausschließen. Es soll euch inspirieren, ermutigen und unterstützen – damit ihr als Paar die Nähe, Sinnlichkeit und Liebe leben könnt, die euch (und eure Kinder) glücklich macht.
Alles ist anders – auch der Sex! Mal chaotisch, mal albern, mal abgelenkt, mal nur kurz ... Genießt die Magie in dem, was da ist!
Meine erste Schwangerschaft war, soweit ich mich erinnere, eine klassische Erfahrung: Die ersten drei Monate litt ich unter ständiger Übelkeit, danach fühlte ich mich richtig wohl, und am Ende wurde es schwerfälliger. Doch ich hatte weiterhin Sex. Ich weiß noch, dass meine Tochter sich Zeit ließ, zur Welt zu kommen. Neben scharfem Essen und Bewegung war Sex eines der Mittel, das wir nutzten, um den Prozess zu beschleunigen. Die Geburt dauerte lange, aber mit der Unterstützung meines Partners und der Hebamme schaffte ich es. Als dieses kleine Wesen schließlich auf meinem Bauch lag, fühlte ich nur noch pures Glück. Ich hatte mein Leben lang Kinder gewollt, und nun war es endlich so weit. Es war wie in einer Blase: nur sie und ich. In dieser Zeit existierte nichts anderes für mich. Sex spielte keine Rolle mehr.
Diese anfängliche Verliebtheitsphase wich jedoch allmählich der Alltagsrealität. Brustentzündungen, dauerhaften Schlafmangel und Kinderkrankheiten meisterte ich noch irgendwie. Aber nach einem Jahr war ich wieder schwanger. Und mein Körper war offenbar noch nicht bereit dafür. Ich hatte eine Symphysenüberdehnung – eine schmerzhafte Lockerung der Genitalbeinfuge – und musste den Großteil der Schwangerschaft im Liegen verbringen, was mit einem einjährigen Kind beinahe unmöglich war. In dieser Phase fühlte ich mich oft alleine. Meine Herkunftsfamilie lebte weit weg, und ich führte eine Beziehung mit klassischer Rollenverteilung: Ich war die Mutter und Hausfrau, mein Partner der Ernährer. Er arbeitete auswärts und war nur an den Wochenenden zu Hause. Zum Glück bekam ich von der Krankenkasse eine Haushaltsunterstützung bezahlt. Wenn mein Partner zu Hause war, war ich oft einfach nur froh, meine Tochter abgeben zu können und mal ein bisschen Ruhe zu haben.
Es war eine harte Zeit. Ich erinnere mich an einen besonders schlimmen Magen-Darm-Infekt, bei dem ich das Gefühl hatte, ich würde jeden Moment sterben. Dennoch musste ich mein Kind stillen und versorgen, obwohl ich kaum aufstehen konnte. In solchen Momenten fühlte sich das Muttersein wie eine besonders perfide Form der Folter an. Sex? Der war in weite Ferne gerückt – ich war schon glücklich, wenn ich es schaffte zu duschen.
Die zweite Geburt war herausfordernd. Während meiner ersten Schwangerschaft gab es den Verdacht auf Gebärmutterhalskrebs. Und aufgrund einer Konisation (Entfernung eines Stücks Gewebe aus dem Gebärmutterhals) nach der ersten Geburt war der Muttermund frisch vernarbt und wollte sich nun nicht richtig öffnen. Am Ende brauchte ich eine PDA. Dadurch verlor ich die innere Verbindung zu meinem Kind. Es flutschte quasi einfach aus mir heraus, ohne dass ich aktiv dabei war und ohne dass ich etwas spürte. Es dauerte einige Zeit, bis wir das aufgeholt hatten. Meine Tochter lag oft den ganzen Tag an meinem Bauch. Ich nahm das Tragetuch quasi gar nicht mehr ab. Ich selbst existierte kaum noch ohne Kind.
Natürlich war mir vorher nicht klar gewesen, wie wenig Raum für mich in einem Leben mit Kindern sein würde. Neben dem Tag-und-Nacht-Muttersein schaffte ich gerade so das Nötigste: den Alltag zu bewältigen, den Haushalt zu führen und mein Studium zu beenden. Sex gehörte nicht dazu. Klar gab es viele schöne Momente, und manchmal war es auch kurz entspannt. Aber immer wenn ich dachte, es wird jetzt besser, wurde ein Kind krank.
Manchmal fragte ich mich, ob das alles wirklich so sein musste. Vielleicht hätte ich mehr tun können, um meinem Körper und meiner Sexualität mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Mein Körper war mir fremd – schwach, aus-gezehrt, verändert. Der Beckenboden war geschwächt, der Bauch weicher, und meine Vagina fühlte sich unendlich weit an. Meine Brüste gehörten dem Kind, das ich stillte. Manchmal konnte ich meinen Körper kaum noch als meinen eigenen erkennen, geschweige denn als etwas, das ich erotisch finden könnte. Wie sollte da noch Leidenschaft entstehen, wenn ich mich selbst nicht einmal schön fühlte? Es war, als hätte ich mich von einem sexuellen Wesen in ein Mutterwesen verwandelt.
Wenn dann doch mal ein kleiner Moment für Nähe hätte da sein können, war mein Kopf woanders. Meistens bei dem, was noch zu tun war oder was außen passierte. In jedem Winkel der Wohnung waren die Kinder zu hören. Ich hatte akustische „Mama-Halluzinationen“: Ich hörte Kinder weinen oder nach mir rufen, obwohl sie fest schliefen. Und auf keinen Fall durften sie mich oder uns beim Sex hören – das könnte sie ja fürs Leben verstören.
Wenn ich heute mit etwas Abstand auf diese Zeit blicke, sehe ich vor allem, wie unglaublich naiv ich in diese Zeit gegangen bin. Mehr darüber zu wissen, hätte glaube ich viel verändert. Aber was damals inmitten von Chaos und Erschöpfung unerreichbar schien, hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Schritt für Schritt fand ich meinen Weg zurück zu mir selbst.
Ich hoffe, dass meine Geschichte dich nicht abschreckt. Sie soll vielmehr ein Beispiel dafür sein, wie wichtig es ist, auf diesem manchmal herausfordernden Weg der Mutterschaft die Unterstützung zu finden, die du brauchst. Besonders als Paar ist es entscheidend, schon vor der Geburt – und auch später immer wieder – innezuhalten und darüber nachzudenken, wie ihr gemeinsam durch diese intensive Zeit findet, ohne euch dabei zu verlieren. Genau dafür schreiben wir dieses Buch: Um euch zu inspirieren und Wege aufzuzeigen, wie ihr eure Verbindung lebendig und voller Liebe – und ja, auch voller Lust – bewahren könnt.
Ich erinnere mich mit viel Freude an meine vier Schwangerschaften, die Geburten und die intime Zeit des Stillens meiner Kinder. Diese Erfahrungen haben mich tiefer mit meinem Frausein verbunden. Gleichzeitig war diese Zeit nicht frei von Herausforderungen – zwischen meinen Geburten lagen nur 20, zwischen den letzten beiden 26 Monate. Es gab also kaum eine Phase, in der ich nicht entweder schwanger war oder stillte. Trotzdem schwingt Leichtigkeit in mir, wenn ich mich an diese Zeit erinnere. Während meiner Schwangerschaften war ich körperlich immer bis zum Ende voll fit – ich genoss meine Sexualität, fuhr weiterhin Fahrrad und fühlte mich sehr frei.
Als Kind hatte ich immer das Gefühl, dass ich einmal einen Jungen und ein Mädchen haben würde. Ich wollte alleine Mutter sein und einen Mann nur als Erzeuger haben: intelligent und gut aussehend. Später wurde mir klar, dass ich mir doch einen Menschen wünschte, der als Vater immer präsent sein würde. Den traf ich während meines Referendariats.
Die erste Schwangerschaft kündigte sich dadurch an, dass ich meine Brüste anders wahrnahm: Sie spannten und wurden größer – das faszinierte mich. Mit jeder Woche wurden sie empfindlicher, was ich im Liebesspiel sehr genoss, mich jedoch forderte, wenn ich im kalten Wasser schwimmen ging, da meine Brustknospen dann schmerzten. Meine Lust blieb während der Schwangerschaften stark. Und in der ersten Schwangerschaft gab es noch viel Zeit, Intimität mit meinem Partner zu genießen. Wir liebten es, meinen wachsenden Körper zu bewundern, das heranwachsende Leben zu spüren und all das. Sogar die Dammmassagen, die wir regelmäßig vor der Geburt machten, wurden zu intimen, liebevollen und sexuellen Momenten.
Meine erste Geburt begann in der Nacht mit leichten Wehen. Am Morgen fuhren wir ins Geburtshaus, doch da der Muttermund erst zwei Zentimeter geöffnet war, gingen wir noch einmal nach Hause. Auf Anraten meiner Hebamme brachten wir die Wehen mit lustvollem Sex so richtig in Schwung. Als diese regelmäßiger wurden, fuhren wir mit der Straßenbahn wieder ins Geburtshaus. Dort erlebte ich den Geburtsprozess im Wasser, und ich konnte mich gut mit den Wehen verbinden und in den Schmerz hineinatmen. Als meine Tochter dann auf meinem Bauch lag, noch in der Wanne, war mein erster Gedanke: „Wird es beim nächsten Mal auch so leicht sein?“
Meine zweite Geburt war tatsächlich die leichteste. Auch sie fand im Geburtshaus statt, im Raum unter uns der Geburtsvorbereitungskurs, den wir gerade „verpassten“. Am Ende des Abends präsentierten wir den anderen Kursteilnehmer*innen stolz und glücklich unsere zweite Tochter. Nach dieser Geburt dachte ich: „Unsere Familie ist noch nicht komplett.“
Die dritte und vierte Geburt waren komplizierter. Beide Kinder erblickten das Licht der Welt im Krankenhaus, was klar nicht mein Wunsch-Geburtsort war. Rückblickend wurde mir bewusst, dass der kurze Abstand zwischen den Geburten dazu geführt hatte, dass meine Kinder in den letzten Wochen der Schwangerschaft nicht mehr so gut versorgt worden waren.
Besonders beeindruckend war für mich jedoch die letzte Geburt – sie war eine der tiefsten Erfahrungen meines Lebens. Die Herztöne meines Sohnes waren nicht gut, daher mussten wir sofort vom Geburtshaus ins Krankenhaus wechseln. Wir entschieden uns für das Krankenhaus in der Nähe, da dieses dafür bekannt war, möglichst Spontangeburten zu unterstützen. „Sie reizen es bis zum letzten Moment aus“, waren die Worte der Hebamme, was gut gemeint war, in mir aber Panik auslöste. Ich wollte auf keinen Fall einen Notkaiserschnitt mit Vollnarkose. Trotz intensiver Wehen war mein Körper blockiert, und mein Muttermund öffnete sich nicht weiter. Erst als ich nach einer unangenehmen vaginalen Untersuchung, die den Zweck hatte, die Werte meines Sohnes zu überprüfen, tiefe Verbindung zu meinem Kind aufnahm, öffnete sich mein Körper wieder. Ich führte innerlich ein kurzes Gespräch mit ihm, hatte dann ein klares „Ja, wir schaffen das jetzt!“, und nur drei Wehen später war mein Muttermund vollständig geöffnet. Nach zwei Presswehen war mein Sohn geboren und unsere Familie vollständig.
Bereits im Vorfeld hatten mein Partner und ich entschieden, dass er kurz nach der Geburt unseres vierten Kindes eine Vasektomie durchführen lassen würde. Dieses Mal mussten wir nach der Geburt auf ihn warten, bis seine Wunde verheilt war. Aber auch das dauerte nicht lange, und wir waren im ersten Monat nach der Geburt auch wieder sexuell aktiv.
Das Stillen war für mich eine unvergleichliche Erfahrung der Nähe und Verbundenheit mit meinen Kindern. Mein Körper produzierte stets die genau richtige Menge Milch, die sie brauchten. Nach jeder Stillzeit blieb eine Brust etwas größer als die andere, doch mit der Zeit fanden sie wieder zu ihrer ursprünglichen Form.
Insgesamt gesehen war die Erfahrung, Leben zu schenken, für mich eine Reise der tiefen Hingabe und des Vertrauens – in meinen Körper und ins Leben selbst. Dafür bin ich unendlich dankbar.
Vor meiner Schwangerschaft fühlte ich mich in meinem Körper unglaublich wohl und sexy. Ich machte viel Sport, wie Fahrradfahren und Poledance, und entwickelte ein gutes Gefühl für meinen Körper. Doch plötzlich ging es mir körperlich so schlecht, dass ich dachte, ernsthaft krank zu sein. Aber tatsächlich war ich schwanger. Obwohl die Freude darüber riesig war, wurden die körperlichen Begleiterscheinungen schnell überwältigend. Übelkeit und Erschöpfung nahmen so viel Raum ein, dass die Lust auf Sexualität fast komplett verschwand. Mein Körpergefühl veränderte sich – es fühlte sich an, als würde mir die Energie regelrecht ausgesaugt werden. Und immer wieder kam etwas Neues. Kaum hatte ich mich an eine Veränderung gewöhnt, kam die nächste, ohne dass ein Ende in Sicht war.
Im zweiten Trimester änderte sich das dann: Meine Vulva war ständig geschwollen, extrem empfindlich, und ich spürte eine Explosion meiner Lust. Das führte dazu, dass ich wieder vermehrt masturbierte, was sich schön anfühlte. Noch faszinierender war, dass meine Orgasmen während der Schwangerschaft intensiver und anders wurden – ich konnte die Wellen bis in die Gebärmutter spüren, von tief unten bis hinauf unter die Rippen. Diese Kontraktionen fühlten sich wunderschön an. Manchmal stellte ich mir vor, dass sie für mein Baby wie eine sanfte Massage wirken könnten.
Auch die Sexualität mit meinem Partner lebte im Laufe der Schwangerschaft wieder auf, doch da war immer etwas, das zwischen uns stand – im wahrsten Sinne des Wortes. Der wachsende Bauch war allgegenwärtig, ich konnte ihn mir nicht zwischendurch einfach auf den Rücken schnallen, um ungestörte Zweisamkeit zu genießen. Unser Baby war immer präsent, immer dazwischen.
Mit meinen „neuen“ Brüsten konnte ich mich nur schwer anfreunden. Sie waren plötzlich so viel größer, und ich weinte oft, weil ich Schwierigkeiten hatte, sie zu akzeptieren. Die Angst vor Dehnungsstreifen, wie sie meine Mutter hatte, war allgegenwärtig und trübte die Beziehung zu meinem Körper. Ich hatte meine kleinen Brüste sehr gemocht und hatte nie das Bedürfnis gehabt, einen BH tragen zu müssen. Mit dem Milcheinschuss musste ich die milchleckenden Brüste immer in einen BH quetschen. Das fühlt sich bis heute einengend an. Hinzu kam, dass meine Brüste nicht nur größer, sondern auch unterschiedlich groß wurden. Einen passenden BH zu finden, ist dadurch schwer geworden. Entweder sitzt er auf einer Seite zu eng oder auf der anderen zu locker. Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich es sofort: Diese Asymmetrie, die mir früher nie aufgefallen war, springt mir heute jedes Mal entgegen. Auch das trägt dazu bei, dass ich mich in meinem Körper fremd fühle.
In den letzten Wochen vor der Geburt versuchten mein Partner und ich verschiedene Dinge, um die Wehen anzuregen – unter anderem auch Sex. Doch nichts schien wirklich zu helfen, und am Ende mussten wir nach drei anstrengenden Tagen der Wehen gemeinsam mit den Ärzt*innen die Entscheidung für eine Bauchgeburt, einen Kaiserschnitt, treffen. Das war ein schwerer Moment für mich, aber im Vordergrund stand die Erleichterung, dass es meinem Sohn gut ging. Obwohl ich gehört hatte, dass der Bauchbereich nach einem Kaiserschnitt beim Sex lange schmerzen könnte, hatte ich davor keine Angst. Sechs Wochen nach der Geburt, wie empfohlen, wagten wir es wieder – und es war der perfekte Zeitpunkt. Nichts tat weh, und ich hatte keine Scheu, weiterzumachen.
Mit der Zeit hat sich unsere Sexualität verändert. Wir sind oft einfach zu müde, oder es bleibt kaum Raum dafür im Alltag mit einem Baby. Wenn wir es schaffen, sind wir glücklich darüber und schätzen die Momente der körperlichen Intimität. Und wenn es nicht klappt, sprechen wir offen darüber. Wir sagen uns, dass wir Lust aufeinander haben, auch wenn die Erschöpfung überwiegt. Dieses gegenseitige Verständnis und die Sicherheit, dass das Begehren weiterhin da ist, geben uns viel Halt. Gleichzeitig fühlt sich mein Körper noch immer etwas fremd an – fast so, als wäre er mir nur verliehen worden, um meinem Sohn zu dienen. Seine primäre Aufgabe scheint jetzt darin zu bestehen, ihn zu nähren und ihm Nähe zu schenken. Manchmal vergesse ich, dass dieser Körper auch für mich und meine Lust da ist – für die anderen schönen Dinge des Lebens. Aber tief im Inneren weiß ich, dass es nur eine Phase ist, dass ich meinen Körper Stück für Stück wieder zurückgewinnen werde. Ich versuche, ihm mit mehr Mitgefühl und Respekt zu begegnen, weil er so viel geleistet hat und immer noch trägt. Und ich versuche, die Nähe mit meinem Kind bewusst zu genießen. Sie wird nicht ewig so intensiv bleiben, auch diese Zeit vergeht.
Dieses Buch richtet sich an einzelne Menschen, an Paare und an Menschen in vielfältigen Beziehungskonstellationen. Wir möchten alle Menschen ansprechen – gleich welcher Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung. Denn Menschen sind vielfältig und genauso ihr Erleben in Beziehungen, Sexualität, Schwangerschaft, Geburt und im Familienleben.
Diese Vielfalt sprachlich sichtbar zu machen, ist uns ein großes Anliegen. Gleichzeitig möchten wir, dass sich unser Text flüssig lesen lässt. Deshalb wählen wir bewusst unterschiedliche Anredeformen – mal das „du“, wenn wir dich persönlich ansprechen, zum Beispiel als schwangere oder gebärende Person oder mal nur als Partnerperson. Mal das „ihr“, wenn wir euch als Paar oder Begleitende meinen. Wenn du dich an der einen oder anderen Stelle nicht direkt angesprochen fühlst: Bitte lies dich trotzdem mit. Im Zweifel bist du immer gemeint.
Manche Begriffe sind neu, manche erklärungsbedürftig. Am Ende des Buches findet ihr ein Glossar, in dem ihr zentrale Begriffe schnell nachschlagen könnt. Diese sind im Text blau markiert.
Dieses Buch möchte euch begleiten und zur Seite stehen. Es ist für alle, die sich ein Kind wünschen, mitten in einer Schwangerschaft sind oder bereits mit Kindern leben. Dabei richtet sich der Blick immer wieder auf deine Verbindung zu dir selbst, zu deinem Körper, zu deiner inneren Kraft – und zu dem oder den Menschen an deiner Seite, sei es deine Partnerin, dein Partner oder eine andere nahestehende Person.
Wir teilen mit euch, was uns über viele Jahre hinweg in der Arbeit mit Menschen berührt, bewegt und bereichert hat – als Sexual-, Körper- und Traumatherapeutinnen, als Expertinnen, als Mütter, als Liebende. Wir erzählen euch nicht, wie es „richtig“ geht. Sondern wir laden euch ein, euch selbst besser kennenzulernen, euch zuzuhören, neue Wege zu entdecken – in eurer Sexualität, in eurer Beziehung, in eurem Alltag als werdende oder wachsende Familie.
Und natürlich haben wir auch weiterführende Literatur und Quellen für euch gesammelt – zum Vertiefen, Stöbern und Nachlesen. Ihr findet diese im Literatur- und Linkverzeichnis.
Wahres Lernen findet im Körper statt – nicht nur im Kopf. Schwangerschaft, Geburt und Sexualität sind zutiefst körperliche Prozesse und Entwicklung geschieht durch Spüren und Erleben – darum ist der Praxisteil ein zen-traler Bestandteil dieses Buches. Unsere Körperübungen laden dich ein, mit dir selbst in Kontakt zu kommen. Sie sind so gestaltet, dass du sie alleine machen kannst – in deinem Tempo, auf deine Weise. Wir legen dir sehr ans Herz, unser Buch wirklich als Praxisbuch zu nutzen und dir und euch Zeit dafür zu nehmen: Probiere aus, soviel du möchtest, und entscheide selbst, was davon dir guttut.
Ein weiterer wichtiger Aspekt unseres Buches ist eure Beziehung als Paar. Wie bleibt ihr in Verbindung, während sich so vieles verändert? Wie könnt ihr einander Halt geben, präsent füreinander sein, Intimität bewahren oder neu entdecken? Unsere Impulse wollen euch einladen, miteinander im Gespräch zu bleiben – mit Worten oder mit Berührung. Sie sind Anker in einem oft turbulenten Alltag, kleine Oasen, die ihr euch gemeinsam schaffen könnt. Ob zur Unterstützung in der Schwangerschaft, zur Stärkung eurer Bindung oder einfach, um Zeit miteinander zu verbringen – nutzt sie so, wie es euch entspricht.
Am Ende des Buches findet ihr eine Übersicht über alle Übungen und Impulse – damit ihr jederzeit dorthin zurückkehren könnt.
Was dieses Buch besonders macht: Es erzählt nicht nur aus unserer Perspektive. Über dreißig Menschen haben ihre Erfahrungen mit uns geteilt – Eltern, die offen berichten, wie sie Schwangerschaft, Geburt und die erste Zeit mit ihren Kindern erlebt haben. Sie teilen mit euch, was sie bewegt hat, was sie herausgefordert und getragen hat – damit ihr euch darin wiederfinden oder davon inspirieren lassen könnt. Eine Übersicht über diese Menschen fin-det ihr am Ende des Buches. Zusätzlich haben wir zwei Expertinnen interviewt – eine erfahrene Hebamme und eine Hypnobirthing-Leiterin –, die uns unterstützt haben, euch fachlich fundierte Einblicke zu geben, rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett.
Im Buch findet ihr Ausschnitte aus diesen Gesprächen. Die vollständigen Interviews könnt ihr auf unserer Webseite nachlesen unter
www.orgasmic-woman.com/buecher/orgasmic-parents
Hier findet ihr übrigens auch Infos zu den Workshops, die wir zum Buch anbieten. Wir wünschen euch von Herzen eine inspirierende Lektüre und viele Momente voller Nähe, Freude und Lebendigkeit. Beim Lesen. Und beim Lieben. Eure Mara, Vivien, Natalia
Kinder zu wollen oder nicht: Beides braucht Mut, Klarheit und die Freiheit, eigene Wege zu gehen.
Für manche Menschen ist es selbstverständlich, dass sie eines Tages eine Familie gründen wollen. Für andere ist es abhängig von dem Menschen, dem sie begegnen und mit dem plötzlich der Wunsch nach einem Kind aufkommt. Manche überrascht eine ungeplante Schwangerschaft und wieder andere setzen sich gar nicht mit dieser Frage auseinander oder entscheiden sich bewusst gegen eigene Kinder.
Jeder Mensch hat das Recht, diese Entscheidung individuell zu treffen. Doch in unserer Gesellschaft ist vor allem das Frausein noch immer stark mit Mutterschaft verknüpft, und Frauen ohne Kinderwunsch werden häufig mit Unverständnis konfrontiert. Rund um das Kinderkriegen existieren zahlreiche Vorurteile und gesellschaftliche Erwartungen. Viele erleben Druck von ihren Eltern, endlich „Enkelkinder nach Hause zu bringen“. Und nicht selten heißt es, eine Frau ohne Kinder sei „egoistisch“ oder „nicht richtig angekommen im Leben“. Andererseits fürchten einige, ihr soziales Leben würde mit einem Kind enden. Wie stark diese Vorurteile und Erwartungen wirken, zeigt auch die Studie der Sozialwissenschaftlerin Claudia Rahnfeld, die festhält, dass Frauen sich zunehmend gegen Kinder entscheiden – nicht weil sie Kinder grundsätzlich ablehnen, sondern weil die gesellschaftlichen Anforderungen an Mutterschaft als überhöht und kaum vereinbar mit einem selbstbestimmten Leben empfunden werden.
Die Vorstellungen darüber, was es bedeutet, ein Kind zu bekommen und es auf seinem Weg zu begleiten, sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Und die Entscheidung für oder gegen ein Kind gehört wohl zu den tiefgreifendsten und persönlichsten, die ein Mensch in seinem Leben treffen kann. Sie ist geprägt von individuellen Wünschen, biologischen Gegebenheiten und den jeweiligen persönlichen Lebensumständen.
„Ich habe das immer bewundert, dass Freundinnen schon im Teenageralter oder noch früher diesen starken Wunsch hatten, Kinder zu bekommen. Für mich war das immer total fremd. Vielleicht auch, weil ich eine sehr junge Mama habe, die nie in einer klassischen Mutterrolle war. Ich hab das sehr genossen, die Zeit mit meinem Partner: wegzugehen, tanzen zu gehen. Und ich bin ja dann auch erst mit Anfang dreißig schwanger geworden, beide Male ungeplant.“ Nora
„Ich wollte schon als junges Mädchen unbedingt Kinder. Aber es gab eine Phase, wo ich so glücklich mit mir selbst war und wo mein Leben so verrückt war, würde ich mal sagen, dass ich mich nicht getraut hätte, ein Kind zu bekommen. Und dann hat sich das tatsächlich wieder verändert. Ja und aktuell, auch wenn alles noch so frisch ist, oder vielleicht weil es so frisch ist, denke ich, ich will auf jeden Fall noch ein zweites.“ Pia
„Mit zwanzig Jahren wollte ich gar keine Kinder, deswegen habe ich mich auch von meinem vorigen Beziehungspartner, der schon Kinder wollte, getrennt. Ich bin ganz viel durch die Gegend gereist und habe meine Freizeit genossen. Dann habe ich meinen Mann kennengelernt. Und da hatte ich das Gefühl, ich würde doch gerne Kinder haben. Er kommt aus Ghana. Da werden Kinder, glaube ich, noch ganz anders wertgeschätzt und es gehört einfach dazu.“ Elena
„Ich wollte immer Kinder. Bei meinem großen Kind, da war ich mit dem Papa nicht in einer Paarbeziehung und habe das zum Zeitpunkt der Schwangerschaft auch noch mal ganz klar entschieden, dass ich das nicht möchte. Da hatte ich ganz schön damit zu tun, von dem Bild loszulassen, was ich vorher hatte: Es gibt die große Liebe und mit der bekommt man dann Kinder und dann ist man die happy Family. Das musste ich auf jeden Fall aufgeben.“ Ronja
„Bei uns sind viele Kinder im Urlaub entstanden. Das war halt der Moment, wo ich mal loslassen konnte, mal entspannen und mich wirklich öffnen konnte. Denn wenn ich am Funktionieren bin, dann ist das ein angespannter, verschlossener Zustand des Körpers. Und der Übergang von diesem Verschlossenen zu diesem Öffnen ist gar nicht so leicht.“ Josi
„Ich wollte eigentlich schon immer Kinder. Ich saß mit meinem Kindergartenfreund auf der Rückbank im Auto und da haben wir darüber gesprochen, was wir so wollen. Und da meinte ich, dass ich auf jeden Fall vier Kinder will. Das war für mich immer total klar. Und wenn man dann so die eigene Periode hat, dann ist das ja supersafe, dass man dann auch Mama werden kann. Das war ein wichtiger Aspekt für mich schon als Kind und Jugendliche.“ Saskia
„Ich hatte in meiner Herkunftsfamilie eher das Gefühl, dass ich eine Last bin. Also dass Kinder eher beschränken in den eigenen Möglichkeiten. Als Kind haben meine Kindergartenfreundin und ich uns gegenseitig gesagt: ‚Kinder auf gar keinen Fall!“ Timo
Was ist, wenn der Kinderwunsch groß ist, aber die Erfüllung auf sich warten lässt? Während manche Menschen scheinbar mühelos schwanger werden, manchmal ohne es gewollt zu haben, wünschen sich andere sehnlichst ein Kind, doch es will einfach nicht klappen – trotz aller Hoffnung, Planung und Bemühungen.
Ein unerfüllter Kinderwunsch kann enorm belasten, Selbstzweifel schüren und verborgene Ängste zum Vorschein bringen.
Diese Situation kann emotional sehr herausfordernd sein. Viele beginnen, an sich selbst zu zweifeln. Wer biologisch keine Kinder austragen oder zeugen kann, fühlt sich womöglich weniger als Frau oder Mann – was das auch immer bedeuten mag. Und wenn der Gang zur Gynäkologin oder zum Andrologen keine körperlichen Hindernisse zutage bringt, bleibt erst recht die Frage: Warum funktioniert es ausgerechnet bei uns nicht?
Tatsächlich ist es medizinisch nicht ausreichend erforscht, warum Menschen kinderlos bleiben. Hinter einem unerfüllten Kinderwunsch können sich sowohl körperliche als auch seelische Gründe verbergen. Unbewusste Blockaden geben uns innerlich vielleicht nicht die Erlaubnis, Mutter oder Vater zu werden. Vergangene Erfahrungen, familiäre Prägungen oder tiefer liegende Beziehungsthemen könnten eine Rolle spielen. Auch Themen, die sich in der Sexualität zeigen, etwa Schwierigkeiten mit Hingabe, Vertrauen und Intimität, könnten unbewusst der natürlichen Zeugung im Wege stehen.
Und wenn Sex irgendwann nur noch einem Zweck dient, nämlich der Zeugung eines Kindes, kann das die Lust und den Genuss daran erheblich mindern. So entsteht leicht ein Teufelskreis: Der Druck wächst, die Leichtigkeit geht verloren – und genau das kann die natürliche Empfängnis zusätzlich erschweren.
