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Leopard 1 und 2, aber auch viele andere Panzer aus deutscher Produktion sind heute in aller Munde - nicht zuletzt wegen des russisch-ukrainischen Kriegs seit 2022. Doch die Geschichte der Konstruktion und Herstellung von gepanzerten Fahrzeugen in Deutschland geht weit zurück - bis in den Ersten Weltkrieg. Das Werk behandelt alle wichtigen Panzermodelle von den Anfängen bis heute - vom A7V über den Tiger bis hin zu Leopard 2 und Panther KF51.
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Seitenzahl: 160
Veröffentlichungsjahr: 2025
Thomas Anderson
Vom Ersten Weltkrieg bis heute
Einleitung – Vom A7V zum Main Ground Combat System
Mit Dem Panzer In Die Schlacht
Sturmpanzerwagen A7V |
Deutschlands erster Panze
K-Wagen
LK 1 und 2 |
Leichte Kampfwagen
Großtraktor
Leichttraktor
Neubaufahrzeug
PzKpfw I |
Ein erster Massenpanzer
Panzer Für Den Krieg
Eine deutsche Panzerwaffe
PzKpfw II |
2 cm Kampfwagen
PzKpfw IV |
Ein Panzer zur Kampfunterstützung
PzKpfw III |
Der 3,7-cm-Kampfwagen
Sturmgeschütz |
Ein Panzer für die Infanterie
Panzerbefehlswagen |
Von der Funkentelegrafie zum Funksprechgerät
Moderne leichte Panzer
Panzerschock |
T-34 und KW
Schützenpanzerwagen |
Schwert und Schild für die Infanterie
Panzerspähwagen |
Der Weg zum modernen Aufklärungsfahrzeug
Panzer III Langrohr
Panzer IV Langrohr
Sturmgeschütz Langrohr
Wespe und Hummel |
Panzerhaubitzen für die Panzerdivisionen
Aufklärungspanzer Luchs
Der Tiger |
Geburt einer Legende
Der Panther |
Ersatz für den Panzer IV
Königstiger |
Überlegenheit auf dem Gefechtsfeld
Porsches Maus |
Zu schwer und zu langsam
Kalter Krieg
In die Nachkriegszeit
M48 |
Ein Schritt zurück?
Leopard |
Der Standardpanzer
Schützenpanzer lang HS 30 |
Ein SPW der 1. Generation
Schützenpanzer kurz |
Ein „Bremsklotz“ für die Aufklärer
M113 G |
Ein Battle Taxi für die Bundeswehr
Raketenjagdpanzer 1
Kanonenjagdpanzer |
Der KaJaPa - Ein neues Sturmgeschütz?
Marder |
Ein echter Schützenpanzer
Kampfpanzer 70 |
Ein Panzer für die Zukunft?
FlaKPz Gepard
FlaRakPz Roland II
Spähpanzer 2 |
Ein neuer Luchs
Jaguar |
Neuer Raketen-Jagdpanzer
Gepanzerte Unterstützungsfahrzeuge
Transportpanzer 1 |
Ein Fuchs für die Truppe
Skorpion |
Minenwerfer auf Ketten
Wiesel |
Ein wirklich kleiner Panzer
Neue Herausforderungen
In die Gegenwart |
Der Einfluss der sowjetischen Rüstung auf den deutschen Panzerbau
Leopard 2 |
Kalter Krieger
Büffel |
Ein neuer Bergepanzer
Schützenpanzer Puma
Leopard 2 |
Durch Anpassung in die Zukunft
Panzerhaubitze 2000 |
Ein überlegenes Artilleriesystem
Spähwagen Fennek |
Auf leisen Sohlen
Der GTK Boxer |
Rad versus Kette
T-14 |
Neue Ansätze aus Russland
Waffensystem Panzer – eine ungewisse Zukunft?
Impressum
Autor
Bildnachweis
Vom A7v Zum Main Ground Combat System
Kaum ein Symbol des modernen Krieges ist so eng mit der technologischen Entwicklung, industrieller Leistungsfähigkeit und ideologischer Aufladung verbunden wie der Panzer. Vom klobigen Sturmpanzerwagen A7V des Ersten Weltkriegs über die berüchtigten Tiger und Panther des Zweiten Weltkriegs bis hin zum hochmodernen Leopard 2 der Bundeswehr: Der deutsche Panzerbau steht seit über einem Jahrhundert im Spannungsfeld von Ingenieurskunst, Kriegen und geopolitischen Umbrüchen.
Dieses Buch widmet sich der vielschichtigen Geschichte des deutschen Panzerbaus – nicht allein als technischer Entwicklungspfad, sondern als Spiegel einer wechselvollen nationalen Geschichte. Es erzählt von bahnbrechenden Innovationen und fatalen Fehleinschätzungen, vom Krieg der Fabriken und von politischen Kontroversen im Frieden.
Der Panzer der Blitzkriege – der PzKpfw III – war ursprünglich mit einer 3,7 cm KwK bewaffnet. (Foto: Slg. Anderson)
Die Entwicklung der Menschheit ist untrennbar mit der Geschichte des Krieges verknüpft. Mit dem Fortschritt kultureller und technologischer Entwicklungen wurden auch militärische Auseinandersetzungen immer komplexer und zerstörerischer. Was einst als Beutezug gegen benachbarte Stämme begann, kulminierte in den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts.
Militärische Akteure strebten stets danach, ihre Kampfkraft zu steigern. Pferd und Wagen ermöglichten größere Beweglichkeit. Einfache Hieb- und Stichwaffen wurden im Laufe der Entwicklung durch Distanzwaffen wie Pfeil und Bogen abgelöst. Diese wiederum wichen den Feuerwaffen, deren Entwicklung den Krieg grundlegend veränderte. Mit dem Ausbau leistungsfähiger Verkehrsnetze, dem flächendeckenden Einsatz der Eisenbahn und der Verbreitung des Verbrennungsmotors entstanden schließlich die Massenarmeen der Moderne.
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs erreichte diese Entwicklung einen furchtbaren Höhepunkt – den ersten industrialisierten Krieg.
Der deutsche Generalstab setzte auf einen raschen Sieg im Westen und plante, Frankreich über Belgien zu umgehen und mit einem umfassenden Angriff die französische Armee bei Paris zu zerschlagen. Doch der Überraschungseffekt verpuffte, der Vormarsch kam zum Erliegen. Entlang einer rund 1.000 Kilometer langen Front entwickelte sich ein zermürbender Stellungskrieg. Jeder Versuch, die gegnerischen Linien durch Frontalangriffe zu durchbrechen, endete in verlustreichen Niederlagen.
Das Moment der Bewegung wurde durch den massiven Einsatz des Maschinengewehrs und der Artillerie ausgehebelt.
Nun dominierte die Defensive das Schlachtfeld. Im Geschosshagel starben Zehntausende, ganze Jahrgänge gingen elend zugrunde. Es mangelte an Mitteln, dieses Problem wirksam zu lösen – an technischen Möglichkeiten, Schützengräben zu überwinden und die Wirkung der eigenen Waffen nach vorne zu tragen.
Erste Versuche, starre, eingefrorene Frontlagen zu durchbrechen, hatten britische Militärtechniker und Ingenieure bereits 1914 unternommen.
Ziel dieser Arbeiten war es, technische Mittel zu entwickeln, die den verlustreichen und in seinen Ergebnissen weitgehend stagnierenden Stellungskrieg durchbrechen sollten.
Gepanzerte Radfahrzeuge waren bereits vor dem Ersten Weltkrieg im Einsatz, spielten jedoch im Kriegsgeschehen nur eine begrenzte, eher symbolische Rolle. Hauptsächlich wurden sie für Aufklärungs- und Verbindungsaufgaben verwendet, erwiesen sich jedoch aufgrund ihres schwachen Panzerschutzes und ihrer relativen Unbeweglichkeit im unwegsamen Gelände als kaum tauglich für den Stellungskrieg.
Moderne Panzertechnik: ein Leopard 2A5 im Gelände. (Foto: Tank-Masters/Ralph Zwilling)
Die Einschränkungen der Panzerwagen offenbarten den Bedarf an geländegängigen, stärker gepanzerten Kampffahrzeugen mit überlegener Antriebstechnik.
Die Kombination von Verbrennungsmotor, endloser Gleiskette und eines gepanzerten Aufbaus führte schließlich zur Entwicklung eines neuen Waffensystems: des Tanks oder Panzers. Ziel war es, Beweglichkeit, Feuerkraft und Panzerschutz in einem Fahrzeug zu vereinen. Der erste Einsatz britischer Tanks – am 15. September 1916 bei Flers-Courcelette – erfolgte mit 49 Mk-I-Tanks, von denen jedoch 17 bereits auf dem Anmarsch wegen technischer Defekte ausfielen. Dennoch markierte dieser Tag den Beginn einer neuen Ära der Kriegführung.
Ein gut getarnter Panther Ausf G wartet auf den russischen Angriff. (Foto: Slg. Anderson)
Nur ein Jahr später, während der Schlacht von Cambrai (20. November bis 7. Dezember 1917), setzten die Briten bereits 376 Kampfpanzer ein, unterstützt durch zahlreiche weitere gepanzerte Fahrzeuge. Der Durchbruch an mehreren Frontabschnitten bewies das Potenzial der neuen Waffe eindrucksvoll.
Das Deutsche Reich reagierte auf diese Entwicklung vergleichsweise spät – trotz seiner hochentwickelten Industrie.
Der A7V, der erste Panzer deutscher Produktion, demonstriert seine Geländegängigkeit. (Foto: Slg. Anderson)
Mit der Machtübernahme von Adolf Hitler bahnte sich ein weiterer Großkonflikt an. Deutsche Ingenieure schufen die Grundlagen einer Panzerwaffe, die es Hitler ermöglichte, innerhalb relativ kurzer Zeit Europa zu unterwerfen. Auch der Fall des großen Russlands erschien denkbar. Was mit dem 3,7-cm-Kampfwagen begann, fand seinen Höhepunkt in Panzern wie Tiger und Panther.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden relativ schnell neue deutsche Streitkräfte. Diese wurden zunächst mit ausländischem Gerät, mit Masse US-amerikanischen Ursprungs, ausgerüstet. Spätestens seit Anfang der 1960er-Jahre jedoch war die westdeutsche Industrie in der Lage, den eigenen Bedarf durch moderne Waffensysteme zu decken. Der Leopard 1 entstand, ein bemerkenswert vielseitiger Kampfpanzer.
Nach dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts 1991 vollzog die deutsche Sicherheitspolitik eine grundlegende Umorientierung. Die bisherige Ausrichtung auf Landesverteidigung im Rahmen des Ost-West-Konflikts verlor an Bedeutung. Stattdessen traten neue sicherheitspolitische Herausforderungen in den Vordergrund: internationale Krisenbewältigung, Friedenssicherung und die Bekämpfung von Terrorismus.
Die Bundeswehr wurde reformiert und zunehmend für Auslandseinsätze im Rahmen von NATO-, EU- und UN-Missionen eingesetzt, z. B. auf dem Balkan, in Afghanistan oder Mali. Auch der Begriff der „vernetzten Sicherheit“ gewann an Bedeutung – also das Zusammenspiel von Diplomatie, Entwicklungspolitik und militärischen Mitteln.
Insgesamt markierte die Zeit nach dem Kalten Krieg eine Abkehr von der rein defensiven Ausrichtung hin zu einer aktiveren, international eingebundenen deutschen Sicherheitspolitik.
Diese neue deutsche Sicherheitspolitik geriet jedoch bald unter Druck durch ein Russland, das zunehmend offensiv und imperialistisch auftrat. Die Annexion der Krim 2014 und der russische Überfall auf die gesamte Ukraine 2022 markierten eine sicherheitspolitische Zeitenwende. Beide Vorgänge stellten einen tiefgreifenden Bruch mit der europäischen Friedensordnung dar. Deutschland und Europa reagierten zunächst mit wirtschaftlichen Sanktionen und diplomatischen Mitteln, hielten jedoch an einer insgesamt kooperationsorientierten Haltung gegenüber Russland fest.
Die Bundesregierung erkannte, dass die bisherigen Mittel nicht ausreichten, um Europas Sicherheit zu gewährleisten. Die von Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner historischen Rede vom 27. Februar 2022 beschriebene Zeitenwende brachte eine Rückbesinnung auf Landes- und Bündnisverteidigung im Rahmen der NATO. Die risikoscheue deutsche Sicherheitspolitik wich einer realistischeren, robusteren und strategischeren Sicht der Dinge.
Der PzKpfw IV war neben dem Panther Deutschlands wichtigster Kampfpanzer im 2. Weltkrieg. (Foto: Slg. Anderson)
Das Waffensystem Panzer, das seit der Zäsur von 1990 sukzessive an Bedeutung verloren hatte, wurde neu gedacht. Der Leopard 2, dieses Spitzenprodukt der deutschen Rüstungsindustrie, wurde modernisiert und grundlegend verbessert. Der Panzer wurde in geringen Stückzahlen an die Ukraine geliefert, damit steht jetzt erstmalig ein deutscher Kampfpanzer wieder im scharfen Einsatz.
Mittelfristig wird die Entwicklung neuer Waffensysteme forciert, darunter das deutsch-französische MGCS-Projekt (Main Ground Combat System), das langfristig den Leopard 2 ablösen soll.
Die vorliegende Abhandlung versucht die technische Entwicklung des deutschen Panzerwesens vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart darzulegen. Im Folgenden werden die wichtigsten deutschen Panzertypen vorgestellt und in ihren historischen Kontext eingeordnet.
Der britische Mark I gehörte zu den ersten Panzern, die operativ im Einsatz standen. (Foto: NARA)
Deutschlands Erster Panzer
Ein A7V wird für den Einsatz vorbereitet. Die Heckansicht offenbart drei der sechs eingebauten MG 08. (Foto: Slg. von Aufsess)
Vor dem Ersten Weltkrieg entschied sich das Deutsche Reich bewusst gegen die Entwicklung gepanzerter Kettenfahrzeuge. Visionäre Entwürfe wie das Motorgeschütz des Ingenieurs Günther Burstyn wurden verworfen – die Traditionalisten in der Obersten Heeresleitung setzten sich durch. Das preußische Kriegsministerium konstatierte sinngemäß, dass eine derartige Maschine nicht mit den Vorstellungen moderner Kriegsführung vereinbar sei und der praktischen Notwendigkeit entbehre. Weiter war in der preußischen Offizierskultur das Vertrauen in „Pferd, Mann und Feldgeschütz“ ungleich höher als in neuartige Technik. Zudem wurde allgemein ein schnelles Kriegsende erwartet.
Erst nach dem britischen Panzereinsatz bei Flers-Courcelette im September 1916 reagierte das Kriegsministerium. Am 13. November 1916 wurde die Entwicklung eines Panzerwagens mit Gleiskettenantrieb befohlen. Mit der Umsetzung wurde Joseph Vollmer beauftragt, Oberingenieur bei der Versuchsabteilung der Inspektion der Kraftfahrtruppen.
Die Entwicklung eines ersten deutschen Kampfpanzers stellte die deutsche Industrie vor erhebliche Herausforderungen. Schwierigkeiten ergaben sich vor allem aus dem damaligen Stand der Technik, den industriellen Kapazitäten des Kaiserreichs und der strategischen Lage.
Während Großbritannien mit dem Einsatz des Mark I im Jahr 1916 faktisch einen technologischen Vorsprung im Panzerbau hatte, fehlte Deutschland bis dahin jede praktische Erfahrung mit solchen Fahrzeugen.
Trotz dieser Probleme stellte die Daimler-Motoren-Gesellschaft bereits im Januar 1917 einen ersten Prototyp vor, den Sturmpanzerwagen A7V. Die Bezeichnung leitete sich von der zuständigen Dienststelle „Allgemeines Kriegsdepartement, Abteilung 7 (Verkehrswesen)“ ab.
Mangels deutscher Erfahrungen analysierte Vollmer britische Beutepanzer, ging jedoch konstruktiv eigene Wege. Statt des starren britischen Laufwerks mit umlaufenden Ketten wählte er ein deutlich flacheres nach Bauart Caterpillar mit gefederten Rollenwagen. Zwei Daimler-Benz-Motoren zu je 100 PS wurden mittig im Rumpf eingebaut, gelenkt wurde durch asymmetrische Drehzahlregelung. Das Getriebe bot drei Gänge, die Maximalgeschwindigkeit lag bei 16 km/h – mithin schneller als die britischen Panzer.
Auf das Fahrgestell wurde ein kastenförmiger Aufbau aus genieteten Panzerplatten montiert. Die Panzerung betrug 15–30 mm und bot Schutz gegen Infanteriewaffen und leichte Artillerie-Splitter.
Die Bewaffnung war Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Letztlich wurde eine erbeutete belgische 5,7-cm-Schnellfeuerkanone vom Typ Maxim-Nordenfelt im Bug montiert, ergänzt durch sechs MG 08 zur Nahverteidigung. Die Besatzung umfasste bis zu 16 Mann, darunter Techniker für den laufenden Motorenbetrieb.
Im Januar 1917 war der erste Prototyp einsatzbereit. In Vergleichstests zeigte der A7V gute Leistungen auf festem Untergrund. Den britischen Panzern war der Panzer an Geschwindigkeit überlegen, hinsichtlich Geländegängigkeit und Grabenüberschreit-Fähigkeit jedoch unterlegen. 100 Fahrgestelle wurden bestellt, davon zwanzig für den A7V, der Rest für ungepanzerte Transportschlepper (Überlandwagen).
Wegen Materialengpässen und organisatorischer Konflikte verzögerte sich die Fertigung. Erst Anfang 1918 standen die zwanzig A7V zur Verfügung, je zehn wurden zwei Kampfwagen-Abteilungen zugewiesen.
Eine Bewertung des Kampfwerts des A7V fällt gemischt aus. Seine Feuerkraft war für die Unterstützung eines Sturmangriffs effektiv, die Panzerung ausreichend gegen leichte Waffen. Seine mangelnde Geländegängigkeit, insbesondere bei schlammigem Untergrund, führte jedoch zu Ausfällen an der Front.
Vier A7V auf Bahnwaggons – ein Fünftel der deutschen Panzerfertigung im Ersten Weltkrieg (Foto: Slg. Kümmel)
Nach Kriegsende wurde „Hedi”, ein umgebauter A7V, während der Unruhen in Berlin eingesetzt.(Foto: Slg. Anderson)
Sturmpanzerwagen A7V
Typ
Panzerkampfwagen
Hersteller
DMG (Berlin-Marienfelde), Loeb (Berlin-Charlottenburg), Büssing (Braunschweig), Lanz (Mannheim)
Fertigung
1917
Besatzung
16 Mann
Hauptbewaffnung
5,7 cm Maxim-Nordenfeldt
Sekundärbewaffnung
6 MG 08, 1 absetzbares MG 08/15
Munitionsvorrat
300 Granaten 5,7 cm, 18.000 Patronen MG
Panzerung
frontal 30 mm, seitlich 15 mm, Dach 6 mm
Gewicht
30 t
Antrieb
2 Daimler 4-Zylinder Reihenmotoren
Leistung
2 x 100 PS
Geschwindigkeit
16 km/h Straße, 8 km/h Gelände
Leistungsgewicht
6,7 PS/t
Reichweite
bis 70 km
Ein alternatives Versuchsmodell, der A7V-U, orientierte sich stärker am britischen Design mit umlaufendem Kettenlaufwerk und seitlichen Kanonenerkern, blieb aber ein Einzelstück.
Letztlich konnte der A7V – trotz vielversprechender technischer Ansätze – nicht mit den alliierten Panzermassen konkurrieren. Großbritannien und Frankreich produzierten bis Kriegsende über 5.000 Panzerfahrzeuge, während das Deutsche Reich nur 20 kampffähige Exemplare ins Feld führte. Damit blieben deutsche Panzereinsätze marginal.
Das Fahrgestell des A7V, in der Mitte die beiden 100-PS-Daimler-Motoren. (Foto: Slg. Anderson)
Parallel zum Bau des A7V, des ersten einsatzfähigen deutschen Panzers, sollten im Deutschen Reich weitere, zum Teil skurril wirkende Entwicklungen angestoßen werden.
Zeitweise bewertete das Kriegsministerium den A7V sehr negativ, der Nutzen des Panzers wurde angesichts der hohen Kosten und des großen fertigungstechnischen Aufwands in Frage gestellt. Trotzdem wurde 1917 der Bau eines Großkampfwagens angeregt.
Der K-Wagen sollte eine Länge von etwa 13 m haben, ein Gewicht von über 100 t wurde erwartet. Das Fahrwerk ähnelte dem des A7V-U und umspannte den gesamten Panzerkasten. Zwei leistungsfähige Daimler-Benz-Motoren aus dem Bootsbau sollten für eine angemessene Motorisierung sorgen (Gesamtleistung 1300 PS). Seitlich waren zwei im Vergleich zum A7V-U nochmals vergrößerte Erker montiert, die mit jeweils zwei 7,7-cm-Feldkanonen nA ausgerüstet wurden. Als Sekundärwaffen waren sieben MG 08 vorgesehen. Die Besatzung sollte eine Stärke von 27 Mann haben.
Der taktische Nutzen eines derartig schweren Panzers wäre mutmaßlich eher gering gewesen. Die gegnerische Artillerie hätte die langsam nach vorne kriechenden Ungetüme schnell zusammenschießen können. Das Lenken eines Fahrzeugs mit derart großer Kettenauflagelänge wäre aufgrund der enormen querwirkenden Kräfte sehr problematisch gewesen. Bergeversuche wären angesichts des hohen Gewichts illusorisch gewesen.
Die Entscheidung, ein derartiges Projekt ohne ausreichende technische Erfahrung und unter dem Eindruck fehlender Ressourcen durchzuführen, ist im Nachhinein kaum nachvollziehbar.
Die beiden K-Wagen, hier während der Fertigung, wurden nach dem Krieg verschrottet. (Foto: Slg. Anderson)
Ein Modell des K-Wagens. Die Heckansicht zeigt die großen Seitenerker, hier war der Antriebsstrang untergebracht. Der Kommandostand ist vorne sichtbar. (Foto: Historyfacts)
K-Wagen
Typ
schwerer Panzer
Hersteller
Wegmann & Co. (Kassel), Riebe Kugellagerfabrik (Berlin-Weißensee)
Fertigung
1917-18
Besatzung
27 Mann
Hauptbewaffnung
vier 7,7-cm-Feldkanonen 96 nA
Sekundärbewaffnung
7 MG 08
Munitionsvorrat
unbekannt
Panzerung
30 mm
Gewicht
130 t
Antrieb
zwei Daimler-Benz Marine-Diesel
Leistung
2 x 650 PS
Geschwindigkeit
8 km/h
Leistungsgewicht
10 PS/t
Reichweite
unbekannt
Dies insbesondere, da bereits die Fertigung des nur 30 t schweren A7V als zu aufwendig betrachtet wurde. Im August 1918 wurden alle Arbeiten am K-Wagen und auch die Fertigung des A7V eingestellt. Nach Kriegsende wurde bei der interalliierten Kontrollkommission angefragt, ob mit dem einen fast fertig gestellten K-Wagen noch Testfahrten durchgeführt werden könnten. Die Anfrage wurde abgelehnt, beide Prototypen mussten verschrottet werden.
Der Kleinpanzer LK I basierte auf handelsüblichen Pkw, eine sehr wirtschaftliche Lösung. (Foto: Slg. Kadari)
Leichte Kampfwagen
Unabhängig vom Kriegsministerium, das die Entwicklung schwerer Panzer vorzog, wurde 1917 von unbekannter Stelle auch der Bau eines leichten Panzers angeregt. Leichte Panzer, so wurde argumentiert, erlaubten einen vielseitigeren taktischen Einsatz. Auch wäre aufgrund deutlich geringerer Herstellungs- und Unterhaltskosten die Fertigung hoher Stückzahlen, und damit der Masseneinsatz großer Formationen möglich.
Wieder war Oberingenieur Joseph Vollmer für die Arbeiten verantwortlich. Er wählte einen eher unkonventionellen Weg. Dem Heer standen große Stückzahlen ziviler Personenkraftwagen vom Typ 18/40 und 25/60 zur Verfügung, die nach Abnahme der Karosserie umgebaut werden sollten. Vollmer entwarf einen Hilfsrahmen, der ein Kettenlaufwerk trug. Dieser Hilfsrahmen konnte an den Fahrgestell-Rahmen der jeweiligen Pkw angeflanscht werden. Der vorne liegende Motor trieb die Antriebsachse im Heck an.
Auf den Fahrzeugrahmen wurde ein einfacher Panzeraufbau montiert, der im hinteren Teil einen kleinen mit einem MG 08 bestückten Drehturm trug. Die Besatzung bestand aus dem Fahrer und dem Kommandanten, der zugleich die Waffe bediente. Insgesamt entsprach die Konstruktionsweise damit der eines (Rad-)Panzerwagens mit Gleisketten-Laufwerk.
Das Fahrzeug, LK I genannt, wurde 1918 einer Kommission vorgestellt. Das Projekt wurde abgelehnt, Vollmer erhielt aber Gelegenheit, eine verbesserte Variante zu entwickeln.
Die einfache Konstruktionsweise blieb bestehen, wieder kamen Fahrgestelle ziviler Pkw zum Einsatz. Die Motorleistung, entweder 40 oder 55 PS, hing vom jeweiligen Pkw-Fahrgestell ab. Die Form des Panzeraufbaus wurde verbessert, die Front war nun geschossabweisend ausgelegt. Um der Forderung nach einer besseren Bewaffnung zu entsprechen, plante Vollmer zwei Versionen. Eine trug wie der LK I einen Drehturm mit einem MG 08. Die andere Variante war mit einem Brustwehr genannten festen Kasematt-Aufbau versehen, in dem ein Geschütz eingebaut werden sollte. Laut Vollmers Erinnerungen sollte auch hier die belgische 5,7-cm-Schnellfeuerkanone zum Einbau kommen.
LK II
Typ
leichter Panzer
Hersteller
Montage: Steffen & Heymann (Berlin-Charlottenburg), Fahrgestell: zumeist Daimler-Benz 25/60
Fertigung
1918
Stückzahl
24
Besatzung
2 Mann
Hauptbewaffnung
ein MG 08, oder eine 5,7 cm Maxim-Nordenfeldt
Munitionsvorrat
120 Schuss bei 5,7-cm-Bestückung
Panzerung
8–14 mm
Gewicht
8,4 t
Antrieb
Daimler-Benz Benziner
Leistung
55 PS
Geschwindigkeit
18 km/h
Leistungsgewicht
10 PS/t
Reichweite
128 km Straße
Der verbesserte leichte Kampfwagen, der LK II, fand schließlich die Zustimmung der Obersten Heeresleitung. Insgesamt wurde die Fertigung von 800 Fahrzeugen autorisiert. Bis Kriegsende konnten nur 24 fertig gestellt werden.
Da Deutschland nach dem verlorenen Krieg keine Panzer mehr zugestanden wurden, wurden zehn LK II (MG-Turm) an Schweden verkauft, wo sie leicht modifiziert als Stridsvagn m/21-29 bis 1939 im aktiven Dienst liefen. Die restlichen vierzehn Fahrzeuge wurden an Ungarn geliefert.
Der LK II kann als erfolgreicher deutscher Versuch gelten, einen wirtschaftlichen Massenpanzer einzuführen. Das Konzept des leichten Panzers selbst hatte sich bei Kriegsende bereits durchgesetzt, Frankreich hatte etwa 2.700 FT17 im Kampf stehen.
Der Großtraktor während einer Vorführung. Der große Rahmen war eine Funkantenne. (Foto: Slg. Anderson)
Im November 1918 endete der Erste Weltkrieg mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches. Die Kriegsschuld wurde Deutschland zugeschrieben, die Sieger, allen voran Frankreich, forderten immense Wiedergutmachungen. Darüber hinaus zwang der Versailler Vertrag das Deutsche Reich zur Abrüstung.
Der Weimarer Republik blieben aufgrund der harschen Einschränkungen des Versailler Vertragswerks nur schwache Streitkräfte, das „100.000-Mann-Heer“. Diese Formationen hatten lediglich die Mittel, in Deutschland für Recht und Ordnung zu sorgen. So erfolgte der Aufbau einer deutschen Panzertruppe unter äußerst ungünstigen Bedingungen. Alle Arbeiten mussten unter Geheimhaltung durchgeführt werden. Die ersten Kettenfahrzeuge und Panzer wurden unter Tarnbezeichnungen entwickelt.
