Verlag: Piper ebooks Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

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E-Book-Beschreibung Paper Prince - Erin Watt

Ellas Leben war bisher alles andere als leicht, und als ihre Mutter stirbt, muss sie sich auch noch ganz alleine durchschlagen. Bis ein Fremder auftaucht und behauptet, ihr Vormund zu sein: der Milliardär Callum Royal. Aus ihrem ärmlichen Leben kommt Ella in eine Welt voller Luxus. Doch bald merkt sie, dass mit dieser Familie etwas nicht stimmt. Callums fünf Söhne – einer schöner als der andere – verheimlichen etwas und behandeln Ella wie einen Eindringling. Und ausgerechnet der attraktivste von allen, Reed Royal, ist besonders gemein zu ihr. Trotzdem fühlt sich zu ihm hingezogen, denn es knistert gewaltig zwischen ihnen. Und Ella ist klar: Wenn sie ihre Zeit bei den Royals überleben will, muss sie ihre eigenen Regeln aufstellen …

Meinungen über das E-Book Paper Prince - Erin Watt

E-Book-Leseprobe Paper Prince - Erin Watt

Mehr über unsere Autoren und Bücher:www.piper.de

Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch von Ulrike Brauns

ISBN 978-3-492-97648-0März 2017© Erin Watt 2016Die englische Originalausgabe erschien 2016 unter dem Titel »Broken Prince« bei EverAfter Romance.Deutschsprachige Ausgabe:© Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2017Covergestaltung: FAVORITBUERO, München nach einem Entwurf von Meljean BrookCovermotiv: mettusDatenkonvertierung: psb, BerlinSämtliche Inhalte dieses E-Books sind urheberrechtlich geschützt. Der Käufer erwirbt lediglich eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf eigenen Endgeräten. Urheberrechtsverstöße schaden den Autoren und ihren Werken. Die Weiterverbreitung, Vervielfältigung oder öffentliche Wiedergabe ist ausdrücklich untersagt und kann zivil- und/oder strafrechtliche Folgen haben.In diesem E-Book befinden sich Verlinkungen zu Webseiten Dritter. Wir weisen darauf hin, dass sich der Piper Verlag nicht die Inhalte Dritter zu eigen macht.

Für die Fans, die diese Reihe so sehr lieben wie wir

REED

Das Haus liegt still und dunkel vor mir, ich betrete es durch den Hauswirtschaftsraum neben der Küche. Fast tausend Quadratmeter, und kein Mensch weit und breit. Unwillkürlich muss ich grinsen. Meine Brüder ausgeflogen, die Haushälterin fort und mein Dad wer weiß wo, das heißt, mein Mädchen und ich haben die Villa ganz für uns.

Yeah.

Ich verfalle in leichten Trab, durchquere die Küche und laufe die Hintertreppe hoch. Hoffentlich erwartet Ella mich oben in ihrem Bett, süß und sexy in einem meiner alten T-Shirts, in denen sie neuerdings schläft. Noch besser wäre natürlich, sie würde gar nichts tragen … Ich werde schneller, komme an meinem Zimmer vorbei, dann an Eastons und Gids, bis ich endlich vor Ellas Tür stehe, die zu meiner Enttäuschung geschlossen ist. Auf mein Klopfen folgt keine Reaktion. Verwundert fische ich mein Handy aus der Hosentasche und schicke eine kurze SMS.

Wo bist du, Babe?

Sie antwortet nicht. Ich tippe mit dem Handy gegen mein Bein. Wahrscheinlich ist sie heute Abend mit ihrer Freundin Val unterwegs. Eigentlich gar nicht so schlimm, ich könnte eine Dusche vertragen, bevor wir uns sehen. Die Jungs haben bei Wade Unmengen Hasch geraucht, und ich will Ellas Zimmer nicht vollstinken.

Neuer Plan. Duschen, rasieren und dann mach ich mich auf die Suche nach meinem Mädchen. Ich ziehe mein T-Shirt aus, knülle es in einer Hand zusammen und öffne meine Zimmertür. Ohne das Licht anzumachen, schlage ich den Weg Richtung Bad ein und streife mir dabei die Schuhe ab.

Ich rieche sie, bevor ich sie sehe.

Was zur …?

Der abscheuliche Geruch von Rosen setzt sich mir in die Nase, und ich drehe mich zum Bett. »Nicht möglich«, knurre ich, als ich die Silhouette auf meinem Bett entdecke.

Wut rauscht mir durchs Rückenmark, ich marschiere zurück zur Tür und haue auf den Lichtschalter. Was ich sofort bereue, denn das schwache, gelbliche Licht enthüllt die nackten Rundungen einer Frau, mit der ich nichts zu tun haben möchte.

»Was zur Hölle willst du hier?«, fauche ich die Exfreundin meines Vaters an.

Brooke Davidson lächelt schüchtern. »Du hast mir gefehlt.«

Mir klappt der Kiefer runter. Ist das ihr verdammter Ernst? Ich werfe einen schnellen Blick in den Flur, um sicherzustellen, dass Ella immer noch nicht da ist. Dann steuere ich geradewegs das Bett an.

»Verschwinde«, sage ich und greife nach ihrem Handgelenk, um sie von meinem Bett zu ziehen. Verdammt, jetzt muss ich auch noch dringend ein neues Laken auftreiben, denn wenn es etwas gibt, das schlimmer riecht als altes Bier und Hasch, dann Brooke Davidson.

»Warum? Sonst hast du dich doch auch nicht beklagt.« Sie leckt sich auf eine Art über die roten Lippen, die wohl sexy sein soll, bloß dass sich mir davon der Magen umdreht. Es gibt ein paar Leichen in meinem Keller, von denen Ella nichts weiß. Vieles, wovon ihr ganz sicher schlecht werden würde. Die Frau vor mir gehört dazu.

»Ich dachte, ich hätte sehr deutlich gemacht, dass ich deinen dreckigen Hintern nie wieder anfassen will.«

Brookes selbstgefälliges Grinsen wird dünn. »Und ich, dass du nicht so über mich sprechen sollst.«

»Ich spreche, wie ich will.« Ich werfe einen weiteren nervösen Blick zur Tür. Vor lauter Verzweiflung fange ich an zu schwitzen. Brooke darf nicht mehr hier sein, wenn Ella nach Hause kommt.

Wie, zum Teufel, könnte ich das denn erklären? Mein Blick fällt auf Brookes Klamotten, die auf dem Boden liegen – das dürftige Minikleid, die Spitzenunterwäsche, ihre Absatzschuhe.

Meine Schuhe stehen genau bei ihren. Weshalb dies verdammt verfänglich aussieht.

Ich schnappe mir Brookes Schuhe und schleudere sie aufs Bett. »Was immer du hier abziehen willst, ich spiele nicht mit. Verschwinde.«

Sie wirft die Schuhe zurück. Einer der Absätze hinterlässt einen Kratzer auf meiner nackten Brust, bevor er wieder zu Boden fällt. »Zwing mich doch.«

Ich massiere mir den Nacken. Abgesehen davon, sie zu packen und einfach vor die Tür zu setzen, habe ich wohl nicht viele Optionen. Aber wie soll ich das Ella erklären, wenn sie mich dabei erwischt, dass ich Brooke aus meinem Zimmer schleppe?

Hey, Baby, bin gleich wieder da. Ich bringe nur schnell den Müll runter. Du musst wissen, dass ich ein paarmal mit Dads Freundin gepennt habe, und jetzt, nach ihrer Trennung, will sie mir offenbar wieder an die Wäsche. Das ist nicht im Geringsten krank, oder? Und dann hilflos kichern.

Ich balle die Hände zu Fäusten. Gideon hat immer gesagt, dass ich selbstzerstörerisch handle, aber das hier ist ein ganz neues Level. Ich habe mir das eingebrockt. Ich habe mich durch die Wut auf meinen Vater dazu verleiten lassen, mit dieser Schlampe ins Bett zu steigen. Ich habe mir gesagt, dass er nichts anderes verdient, nach dem, was er Mom angetan hat.

Jetzt bin ich der Idiot.

»Zieh dich an«, zische ich. »Diese Unterhaltung ist beendet –« Schritte im Flur.

Ich höre, wie jemand meinen Namen ruft.

Brooke legt den Kopf schief. Sie hört es auch.

Scheiße, Scheiße, Scheiße.

Ellas Stimme direkt vor meiner Tür.

»Ach, wie gut, Ella ist zu Hause«, sagt Brooke, während mir das Blut in den Ohren rauscht. »Ich habe Neuigkeiten, die ich gern mit euch beiden teilen möchte.«

Wahrscheinlich ist es das Dümmste, was ich tun kann, aber mir geht nur ein Gedanke durch den Kopf: Tu was. Diese Frau muss verschwinden.

Ich stürze nach vorn, greife nach Brookes Arm, um sie von der Matratze zu zerren, aber sie reißt mich herum. Ich will auf keinen Fall ihren nackten Körper berühren, verliere aber das Gleichgewicht. Sie nutzt die Gelegenheit und presst sich von hinten gegen mich. Ein sanftes Lachen trifft mein Ohr, während ihre gekauften Titten an meinem Rücken glühen.

Panisch sehe ich dabei zu, wie sich der Türknauf dreht.

Brooke flüstert: »Ich bin schwanger, und zwar von dir.«

Was?

Meine Welt kommt zum Stehen.

Die Tür fliegt auf. Ellas so wunderschönes Gesicht erscheint, ihr Blick findet meinen. Ich sehe zu, wie sich ihr Gesichtsausdruck von Freude zu Schock wandelt.

»Reed?«

Ich bin wie erstarrt, nur mein Verstand läuft auf Hochtouren. Wann ist das letzte Mal was zwischen Brooke und mir gelaufen? Das muss St. Patrick’s Day gewesen sein. Gid und ich hingen zusammen am Pool ab. Er hat sich betrunken, ich hab mich betrunken. Er war über irgendwas total aufgebracht. Dad, Sav, Dinah, Steve. Ich hab’s nicht ganz kapiert.

Entfernt nehme ich wahr, dass Brooke kichert. Ich sehe Ellas Gesicht, ohne es wirklich wahrzunehmen. Ich sollte etwas sagen, aber ich tu’s nicht. Ich bin beschäftigt. Beschäftigt damit, in Panik auszubrechen. Verzweifelt nachzudenken.

St. Patrick’s Day … Ich bin noch oben getaumelt, auf mein Bett gefallen und irgendwann aufgewacht, weil jemand an meinem Schwanz saugte. Abby konnte es nicht sein, da hatte ich mich schon von ihr getrennt, und sie war auch nicht der Typ, der sich trotzdem einfach in mein Zimmer schleichen würde. Und ich bin sicher niemand, der einfach so einen Blowjob ausschlägt.

Ella steht der Mund offen, und sie sagt etwas. Ich verstehe kein Wort, drehe mich in einer Spirale von Schuldgefühlen und Selbsthass, aus der ich von selbst nicht rauskomme. Ich kann sie nur anstarren. Mein Mädchen. Das hübscheste Mädchen, das ich je gesehen habe. Ich kann meinen Blick nicht von dem goldenen Haar, diesen großen blauen Augen losreißen, die mich anflehen, das alles zu erklären.

Sag was, befehle ich meinen nicht gehorchenden Stimmbändern.

Meine Lippen regen sich nicht. Ich spüre eine kalte Hand in meinem Nacken und zucke zusammen.

Sag was, verdammt noch mal. Lass sie nicht einfach gehen –

Zu spät. Ella rennt weg.

Das laute Knallen der Tür reißt mich aus meiner Starre. Mehr oder weniger. Bewegen kann ich mich immer noch nicht. Ich kann kaum atmen.

St. Patrick’s Day … Das ist über sechs Monate her. Ich verstehe nicht viel von schwangeren Frauen, aber an Brooke ist eigentlich nichts zu erkennen. Das ist unmöglich.

Unmöglich.

Das Kind kann unmöglich von mir sein.

Ich springe vom Bett, stürze zur Tür und ignoriere, dass meine Hände wie wild zittern.

»Im Ernst?«, höre ich Brookes amüsierte Stimme. »Du rennst ihr nach? Wie willst du ihr das denn erklären, Schätzchen?«

Wütend fahre ich herum. »Ich schwöre bei Gott, wenn du nicht endlich von selbst verschwindest, schmeiße ich dich eigenhändig raus.« Dad hat immer gesagt, dass sich ein Mann, der seine Hand gegen eine Frau erhebt, selbst degradiert. Deshalb habe ich nie eine Frau geschlagen. Bis ich Brooke Davidson traf, hatte ich auch noch nie das Bedürfnis.

Sie geht über meine Drohung hinweg. Spottet lieber weiter und spricht jede meiner Befürchtungen nacheinander aus. »Was willst du ihr denn vorlügen? Dass du mich nie angerührt hast? Dass du mich nie wolltest? Was glaubst denn du, wie dieses Mädchen reagieren wird, wenn sie erfährt, dass du mit der Freundin deines Vaters geschlafen hast? Meinst du wirklich, dass sie dich dann noch will?«

Ich schiele in den nun leeren Flur. Aus Ellas Zimmer kommen gedämpfte Geräusche. Am liebsten würde ich zu ihr sprinten, aber das geht nicht. Nicht, solange Brooke noch im Haus ist. Was, wenn sie splitterfasernackt aus meinem Zimmer rennt und herausposaunt, dass sie von mir schwanger ist? Wie soll ich das Ella erklären? Was könnte ich sagen, damit sie mir glaubt? Brooke muss erst weg, bevor ich Ella gegenübertreten kann.

»Verschwinde.« Ich richte meinen ganzen Frust gegen Brooke.

»Willst du nicht erst wissen, was es wird?«

»Nein, will ich nicht.« Ich betrachte ihre schlanke, nackte Form und erkenne eine leichte Wölbung. Mir steigt die Galle in den Mund. Brooke ist nicht der Typ, der zunimmt. Ihr Aussehen ist ihre einzige Waffe. Die Schwangerschaft an sich ist jedenfalls nicht gelogen.

Aber das Kind ist nicht von mir.

Vielleicht ist es von Dad, aber todsicher nicht von mir.

Ich renne hinaus in den Flur. »Ella«, rufe ich, obwohl ich keine Ahnung habe, was ich zu ihr sagen soll. Aber jedes Wort ist besser, als nichts zu sagen. Ich verfluche mich noch immer dafür, vorhin so erstarrt zu sein. Mann, was bin ich doch für ein Versager.

Ich bleibe in ihrem Türrahmen stehen, schaue mich um, aber da ist nichts zu entdecken. Dann höre ich es – das tiefe, raue Dröhnen eines Sportwagenmotors. In einem Anflug von Panik sprinte ich die Treppe zum Vordereingang hinunter. Brooke kichert hinter mir wie eine Hexe an Halloween.

Ich will die Haustür aufreißen, aber sie ist natürlich abgeschlossen. Als ich sie endlich öffnen kann, ist draußen keine Spur mehr von Ella. Sie muss mit Schallgeschwindigkeit davongerast sein. Scheiße.

Die Steine unter meinen Füßen erinnern mich daran, dass ich nichts als eine Jeans anhabe. Ich mache kehrt, renne zurück, die Treppe hinauf, immer drei Stufen auf einmal nehmend, bleibe aber wie angewurzelt stehen, als Brooke oben am Treppenansatz erscheint.

»Niemals ist das mein Kind«, knurre ich. Wenn es wirklich meins wäre, hätte Brooke diese Karte längst ausgespielt und nicht so lange gewartet. »Ich glaube nicht mal, dass es von meinem Dad ist, sonst hättest du dich wohl kaum wie eine billige Nutte nackt in mein Zimmer gesetzt.«

»Ich sage, von wem es ist«, erwidert sie kühl.

»Wo ist der Beweis?«

»Ich brauche keinen Beweis. Es steht mein Wort gegen deins, und bis das Ergebnis des Vaterschaftstests da ist, habe ich längst einen Ring am Finger.«

»Na, dann viel Glück.«

Sie greift nach meinem Arm, als ich an ihr vorbeiwill. »Ich brauche kein Glück. Ich hab ja dich.«

»Nein. Du hattest mich nie.« Ich schüttle sie ab. »Ich mache mich auf die Suche nach Ella. Bleib hier, solange du willst, Brooke. Ich habe deine Spielchen so was von satt.«

Ihre eisige Stimme lässt mich wie angewurzelt stehen bleiben, bevor ich mein Zimmer erreiche. »Wenn du Callum dazu bringst, mir einen Heiratsantrag zu machen, erzähle ich allen, das Kind ist von ihm. Hilfst du mir nicht, wird jeder glauben, das Kind ist von dir.«

Ich gehe bis zu meiner Tür. »Der DNA-Test wird beweisen, dass es nicht meins ist.«

»Vielleicht«, flötet sie, »aber er wird zeigen, dass ein Royal der Vater ist. Diese Tests unterscheiden nicht immer zwischen Verwandten, besonders nicht zwischen Vätern und Söhnen. Und allein diese Tatsache wird Ella zweifeln lassen. Deshalb frage ich dich, Reed, soll ich der Welt – soll ich Ella – sagen, dass du Papa wirst? Denn das werde ich tun. Oder lässt du dich auf meine Forderung ein, und niemand wird es je erfahren.«

Ich zögere.

»Haben wir eine Abmachung?«

Ich beiße die Zähne aufeinander. »Wenn ich das mache … Wenn ich meinem Vater diese … diese …«, ich suche nach dem richtigen Wort, »Idee deinetwegen in den Kopf setze, dann lässt du Ella in Ruhe?«

»Was, um alles in der Welt, meinst du?«

Ich drehe mich langsam um. »Ich meine damit, dass Ella nie auch nur ein Sterbenswörtchen von diesem Scheiß erfährt. Du sprichst nie wieder mit ihr, nicht mal, um das …«, ich wedele zu ihrem nun angezogenen Körper, »… zu erklären. Du lächelst, du grüßt, aber keine vertraulichen Gespräche.«

Ich traue dieser Frau nicht, aber wenn ich mit ihr irgendwie um Ella – und ja, um mich – feilschen kann, dann tue ich das. Dad hat sich sein fauliges Bett selbst gemacht. Darin darf er sich gern noch ein bisschen wälzen.

»Abgemacht. Du bearbeitest deinen Vater, und du und Ella, ihr könnt euer Happy End haben.« Brooke lacht, während sie sich nach ihren Schuhen bückt. »Wenn du sie zurückgewinnen kannst.«

Zwei Stunden später flippe ich aus. Es ist schon nach Mitternacht, und Ella ist noch nicht wieder da.

Wo bleibt sie denn? Würde sie bitte einfach endlich nach Hause kommen und mich anbrüllen? Ich will, dass sie mir sagt, dass ich ein Arsch bin und keine Sekunde ihrer Zeit wert. Und zwar ins Gesicht, Feuer speiend. Ich will, dass sie mich anschreit, mich tritt, schlägt.

Ich will sie, verdammt.

Ich werfe einen Blick auf mein Handy. Sie ist schon seit Stunden weg. Schnell wähle ich ihre Nummer, aber es tutet und tutet nur.

Noch ein Tuten, und die Mailbox springt an.

Ich schreibe: Wo steckst du?

Keine Antwort.

Dad macht sich Sorgen.

Ich texte die Lüge in der Hoffnung, dass sie darauf reagiert, aber mein Handy bleibt stumm. Vielleicht hat sie meine Nummer blockiert? Der Gedanke tut weh, ist aber nicht völlig aus der Luft gegriffen, weshalb ich ins Zimmer meines Bruders renne. Sie wird uns wohl kaum alle blockiert haben.

Easton schläft noch, aber sein Handy liegt zum Laden auf dem Nachttisch. Ich schicke ihr damit eine weitere Nachricht. Sie mag Easton. Sie hat seine Schulden bezahlt. Ihm wird sie doch antworten, oder?

Hey, Reed sagt, irgendwas ist passiert. Alles okay bei dir?

Nichts.

Vielleicht hat sie ja unten an der Straße geparkt und ist am Strand? Ich stecke Eastons Handy ein, für den Fall, dass sie ihn doch noch kontaktiert, und laufe wieder nach unten Richtung hintere Terrasse.

Der Strand ist menschenleer, weshalb ich bis zum Grundstück der Worthingtons jogge, dem Anwesen vier Häuser weiter. Dort ist sie auch nicht.

Ich sehe mich um, die steinige Küstenlinie entlang, hinaus aufs Meer, aber da ist rein gar nichts. Kein Mensch. Keine Spuren im Sand. Nichts.

Der Frust weicht leiser Panik, während ich zurück zu unserem Grundstück laufe und in meinen Range Rover steige. Mit einem Finger auf dem Startknopf trommle ich mit der anderen Hand gegen das Armaturenbrett. Denk nach. Denk nach. Denk nach.

Valerie. Sie muss bei Valerie sein.

Weniger als zehn Minuten später stehe ich vor Vals Haus, aber Ellas blaues Cabrio ist nirgendwo zu entdecken. Ich lasse den Motor laufen, springe aus dem Wagen und laufe die Auffahrt hoch. Auch dort steht Ellas Auto nicht.

Ich werfe einen Blick auf mein Handy. Keine Nachricht. Auch auf Eastons nicht. Das Display verrät mir, dass das Football-Training in zwanzig Minuten losgeht, das heißt, Ella wird in der Bäckerei erwartet. Normalerweise fahren wir ja zusammen, das haben wir ja sogar beibehalten, nachdem sie das Auto von meinem Vater geschenkt bekommen hat.

Ella sagte, dass sie nicht gern Auto fährt. Ich sagte, dass es zu gefährlich war, morgens zu fahren. Wir haben uns gegenseitig was vorgelogen. Wir haben uns selbst angelogen, weil wir uns die Wahrheit nicht eingestehen wollten: dass wir einander nicht widerstehen konnten. Zumindest gilt das für mich. Von dem Moment an, an dem sie zur Tür hereinkam, mit großen Augen und hinter einer harten Schale verschanzt, konnte ich mich nicht von ihr fernhalten.

Meine Instinkte schrien förmlich, dass sie Ärger bedeutete. Aber meine Instinkte lagen falsch. Nicht sie bedeutete Ärger. Sondern ich. Noch immer.

Reed, der Zerstörer.

Wäre ein cooler Spitzname, wenn es hier nicht um mein und ihr Leben ginge, das ich dem Erdboden gleichmache.

Der Parkplatz der Bäckerei ist leer, als ich eintreffe. Nachdem ich fünf Minuten lang nonstop gegen die Tür hämmere, öffnet die Besitzerin – Lucy heißt sie, glaub ich – mit einem Stirnrunzeln.

»Wir öffnen erst in einer Stunde«, informiert sie mich.

»Ich bin Reed Royal, Ellas …« Tja, was bin ich? Ellas Freund? Ihr Stiefbruder? Ihr was? »Kumpel.« Verdammt, nicht mal das bin ich. »Ist sie da? Es ist ein Notfall.«

»Nein, sie ist heute nicht erschienen.« Lucys Augenbrauen kräuseln sich besorgt. »Ich habe bei ihr angerufen, aber sie ist nicht drangegangen. Sie ist eine so zuverlässige Arbeitskraft, deshalb bin ich davon ausgegangen, dass sie zu krank ist, um sich abzumelden.«

Mir wird mulmig. Ella hat keinen einzigen Arbeitstag ausfallen lassen, obwohl sie für diesen Job so scheißfrüh aufstehen und fast drei Stunden arbeiten musste, noch bevor die Schule anfing.

»Ah, okay, dann wird sie wohl zu Hause im Bett sein«, murmle ich und wende mich ab.

»Warten Sie«, ruft Lucy mir hinterher. »Was ist denn passiert? Weiß Ihr Vater, dass Ella verschwunden ist?«

»Sie ist nicht verschwunden«, rufe ich zurück, schon fast bei meinem Auto angelangt. »Sie ist zu Hause. Ganz wie Sie sagen, krank im Bett.«

Mit quietschenden Reifen verlasse ich den Parkplatz und rufe Coach Lewis an. »Ich schaffe es heute nicht zum Training. Wir haben einen Notfall in der Familie.«

Ich überhöre geflissentlich die Salve von Kraftausdrücken, die Coach Lewis loslässt. Nach ein paar Minuten hat er sich wieder gefasst: »Also gut, aber dass du mir bloß morgen früh in Uniform auf dem Platz stehst.«

»Jawohl.«

Kaum wieder zu Hause, treffe ich unsere Haushälterin Sandra, die gerade Frühstück macht.

»Haben Sie Ella gesehen?«, frage ich die rundliche Brünette.

»Kann ich nicht behaupten, nein.« Sandra wirft einen Blick zur Uhr. »Aber normalerweise ist sie um diese Zeit längst weg. Wobei das genauso für Sie gilt. Was ist los? Haben Sie heute kein Training?«

»Beim Trainer gab’s einen Notfall in der Familie«, lüge ich. Ich bin so verdammt gut im Lügen. Das wird fast zur Selbstverständlichkeit, wenn man jede Stunde jedes Tages die Wahrheit unterdrückt.

Sandra schüttelt leicht den Kopf. »Hoffentlich ist es nichts Ernstes.«

»Ja, das hoffe ich auch«, erwidere ich. »Das hoffe ich auch.«

Wieder oben gehe ich in das Zimmer, das ich mir besser mal gleich vorgeknöpft hätte, anstatt Hals über Kopf wegzufahren. Vielleicht ist sie ja zurückgekommen, während ich unterwegs war, um sie zu suchen. Aber Ellas Zimmer liegt totenstill da. Ihr Bett ist noch immer gemacht. Der Schreibtisch sieht makellos aus.

Ich laufe ins Bad, aber auch das sieht unbenutzt aus. Genauso ihr Schrank. All ihre Sachen hängen auf identischen Holzkleiderbügeln. Ihre Schuhe stehen ordentlich aufgereiht auf dem Boden. Genauso mehrere ungeöffnete Taschen und Kartons voller Klamotten, die Brooke vermutlich für sie ausgesucht hat.

Mit Mühe unterdrücke ich mein schlechtes Gewissen und durchsuche die Nachttischschublade – leer. Ich habe ihr Zimmer schon einmal auf den Kopf gestellt, damals, als ich ihr noch nicht traute, und seither lagen immer ein Gedichtband und eine Männeruhr auf ihrem Nachttisch. Die Uhr sah genauso aus wie die von meinem Dad. Ihre gehörte Dads bestem Freund Steve, Ellas biologischem Vater.

Ich bleibe mitten im Zimmer stehen und schaue mich um. Nichts hier deutet auf ihre Anwesenheit hin. Kein Handy. Kein Buch. Kein … oh, verdammt noch mal … ihr Rucksack ist auch weg.

Ich verlasse das Zimmer und laufe den Flur hinunter zu Easton.

»East, wach auf. East!«, sage ich laut.

»Was?« Er stöhnt. »Muss ich schon aufstehen?« Er öffnet die Augen und blinzelt mich an. »Scheiße, ich komm zu spät zum Training. Warum bist du überhaupt noch hier?«

Er springt aus dem Bett, und ich kann ihn gerade noch am Arm packen, bevor er davonrennt. »Wir gehen heute nicht zum Training. Coach weiß Bescheid.«

»Was? Warum –«

»Das ist jetzt nicht wichtig. Wie hoch waren deine Schulden?«

»Meine was?«

»Wie viel hast du Loreno geschuldet?«

Er schließt kurz die Augen. »Achttausend. Warum?«

Ich überschlage das schnell im Kopf. »Dann hat Ella jetzt noch so um die zwei Riesen, oder?«

»Ella?« Er runzelt die Stirn. »Was ist mit Ella?«

»Ich glaub, die ist abgehauen.«

»Abgehauen? Wohin?«

»Abgehauen. Weg von hier«, knurre ich, stoße mich vom Bett ab und gehe zum Fenster. »Dad hat sie bezahlt, damit sie hierbleibt. Hat ihr zehn Riesen dafür gegeben. Denk mal drüber nach, East. Er musste einer Waisen, die sich mit Strippen über Wasser gehalten hat, zehn Riesen hinblättern, damit sie bei uns wohnen wollte. Und die gleiche Summe wollte er ihr sicher jeden Monat geben.«

»Wieso ist sie abgehauen?«, fragt er verwirrt, noch immer halb schlafend.

Ich starre einfach weiter zum Fenster hinaus. Wenn er erst richtig wach ist, wird er schon eins und eins zusammenzählen.

»Was hast du angestellt?«

Los geht’s.

Die Dielen knarzen unter seinen Füßen, während er durch das Zimmer flitzt. Er zieht sich an und flucht dabei ununterbrochen.

»Ist doch egal«, sage ich ungeduldig. Dann drehe ich mich wieder zu ihm um und zähle auf, wo ich schon überall war. »Wo könnte sie denn sonst sein?«

»Sie kann sich dicke ein Flugticket leisten.«

»Aber sie achtet doch aufs Geld. Sie hat kaum was ausgegeben, seit sie hier ist.«

Easton nickt nachdenklich. Dann treffen sich unsere Blicke, und wir sprechen unisono, als wären wir die Zwillinge der Familie und nicht unsere Brüder Sawyer und Sebastian. »GPS.«

Wir rufen beim GPS-Service an, der zu Atlantic Aviation gehört und deren Geräte Dad in jedem Fahrzeug installieren lässt, das er kauft. Die hilfsbereite Mitarbeiterin erzählt uns, dass der neue Audi S5 vor dem Busbahnhof steht.

Wir sind durch die Tür, bevor sie uns die Adresse vorlesen kann.

»Sie ist siebzehn. Ungefähr so groß.« Ich halte mir die Hand unters Kinn, um der Frau am Ticketschalter Ella zu beschreiben. »Blondes Haar. Blaue Augen.« Augen wie der Atlantik. Sturmgrau, kaltblau, unendlich tief. Ich habe mich mehr als einmal in diesem Anblick verloren. »Sie hat ihr Handy vergessen.« Ich halte meins hoch. »Das braucht sie aber unbedingt.«

Die Frau schnalzt mit der Zunge. »Die war hier. Sie hatte es sehr eilig, von hier wegzukommen. Sie hat ein Ticket nach Gainesville gekauft. Ihre Großmutter ist gestorben, wissen Sie?«

East und ich nicken. »Wann ist der Bus abgefahren?«

»Oh, schon vor Stunden. Sie müsste mittlerweile dort angekommen sein.« Betrübt schüttelt sie den Kopf. »Sie hat so sehr geweint, als wäre ihr Herz gebrochen. Das sieht man heutzutage ja nicht mehr oft – dass den jungen Leuten so viel an ihren alten Verwandten liegt. Richtig goldig. Sie tat mir sehr leid.«

East ballt neben mir die Hände zu Fäusten. Wut strahlt in Wellen von ihm aus. Wären wir allein, hätte ich längst eine dieser Fäuste im Gesicht.

»Haben Sie vielen Dank.«

»Gern.« Sie entlässt uns mit einem Nicken.

Wir verlassen das Gebäude und bleiben vor Ellas Auto stehen. Ich strecke die Hand aus, und Easton schlägt mir den Ersatzschlüssel hinein.

In der Mittelkonsole finde ich ihren Schlüsselanhänger, den Gedichtband und zwischen den Seiten die Fahrzeugpapiere. Im Handschuhfach hat sie ihr Handy versteckt, es zeigt jede meiner ungelesenen Nachrichten.

Sie hat alles zurückgelassen. Alles, was mit den Royals zu tun hat.

»Wir müssen nach Gainesville«, sagt Easton leise.

»Ich weiß.«

»Erzählen wir Dad davon?«

Callum Royal einzuweihen, würde bedeuten, dass wir seinen Flieger nehmen könnten. Dann wären wir in einer Stunde da. Sonst läge eine sechseinhalbstündige Fahrt mit dem Auto vor uns.

»Keine Ahnung.« Die Dringlichkeit, sie zu finden, hat nachgelassen. Ich weiß jetzt, wo sie ist. Ich kann zu ihr. Ich muss mir nur darüber klar werden, wie ich das angehen will.

»Was hast du angestellt?«, will mein Bruder erneut wissen.

Ich bin noch nicht bereit für die volle Ladung Hass, die ich nach meiner Antwort abkriegen werde, also schweige ich.

»Reed.«

»Sie hat mich mit Brooke erwischt«, sage ich heiser.

Ihm klappt die Kinnlade runter. »Brooke? Dads Brooke?«

»Ja.« Ich zwinge mich dazu, ihn anzusehen.

»Was zur Hölle? Wie oft hattest du was mit Brooke?«

»Ein paarmal«, gebe ich zu. »Aber schon ewig nicht mehr. Und definitiv nicht letzte Nacht. Ich hab sie nicht angerührt, East.«

Sein Kiefer krampft. Er würde mir liebend gern eine verpassen, aber er hält sich zurück. Nicht in der Öffentlichkeit. Er kennt Moms Worte genauso gut wie ich. Haltet den Namen Royal sauber, Jungs. Was man schnell einreißt, baut man nur langsam wieder auf.

»Man sollte dich an deinen Eiern aufhängen und vergessen.« Er spuckt mir vor die Füße. »Wenn du Ella nicht findest und zurückbringst, dann besorg ich höchstpersönlich den Strick.«

»Das wäre angemessen.« Ich versuche, ruhig zu bleiben. Aufregen hilft ja doch nichts. Genauso wenig, wie diesen Wagen auf den Kopf zu stellen. Oder laut loszubrüllen, obwohl ich gerade nichts lieber täte, als das Maul weit aufzureißen und all meiner Wut und meinem Selbsthass Luft zu machen.

»Angemessen?« Er schnaubt abfällig. »Dir ist es also egal, dass Ella in irgendeiner Unistadt hockt und sich von Besoffenen begrapschen lassen muss?«

»Sie ist Überlebenskünstlerin. Ich bin davon überzeugt, dass sie gut aufgehoben ist.« Das klingt so lächerlich, ich muss fast selbst über diese Worte würgen. Ella ist eine umwerfende junge Frau, und sie ist ganz allein. Niemand kann vorhersehen, was ihr zustoßen könnte. »Fährst du ihren Wagen nach Hause, bevor wir nach Gainesville aufbrechen?«

Easton sieht mich mit offenem Mund an.

»Also?«, frage ich ungeduldig.

»Klar. Warum nicht?« Er reißt mir den Schlüssel aus der Hand. »Wen juckt es schon, dass sie eine ziemlich heiße Siebzehnjährige ist, die ganz allein unterwegs ist, noch dazu mit fast zwei Riesen in bar?« Meine Hände ballen sich zu Fäusten. »Wieso sollte ein Junkie, high auf Meth, auf die Idee kommen, dass sie ein wehrloses Opfer ist? Mensch, die kleine Maus wiegt ja nicht mehr als mein Bein, die kann sich sowieso nicht verteidigen.« Allmählich bekomme ich keine Luft mehr. »Noch dazu wird jeder Typ, dem sie begegnet, natürlich ausschließlich gute Absichten haben. Niemand wird sie in eine dunkle Gasse schleifen, um sich an ihr zu vergehen, bis sie –«

»Halt deine verdammte Schnauze!«, brülle ich.

»Na endlich.« Easton reißt die Arme hoch.

»Was willst du damit sagen?« Ich keuche fast vor Wut. Die Bilder, die Easton mit seinen Worten in mir heraufbeschworen hat, lassen mich wünschen, ich könnte mich in Hulk verwandeln und einfach nach Gainesville rennen. Ich würde alles plattmachen, was sich mir in den Weg stellt, bis ich sie finde.

»Du läufst hier die ganze Zeit rum, als würde sie dir rein gar nichts bedeuten. Vielleicht bist du ja aus Stein, aber ich mag Ella. Sie … sie hat uns gutgetan.« Seine Trauer ist fast greifbar.

»Ich weiß«, presse ich hervor. »Ich weiß, verdammt.« Meine Kehle wird so eng, dass es wehtut. »Aber … wir haben ihr nicht gutgetan.«

Gideon, unser ältester Bruder, hat versucht, mir das von Anfang an klarzumachen. Halt dich von ihr fern. Sie braucht diese Art Drama nicht. Verletz sie nicht, wie ich –

»Was willst du denn damit sagen?«

»Das weißt du ganz genau. Wir sind Gift, East. Jeder Einzelne von uns. Ich habe mit Dads Freundin geschlafen, als Rache für das, was er Mom angetan hat. Die Zwillinge ziehen eine Scheißnummer ab, über die ich nicht mal Näheres wissen will. Deine Spielsucht ist außer Kontrolle. Gideon ist –« Ich unterbreche mich selbst. Gid sitzt in seiner eigenen Hölle, aber das muss Easton ja nicht wissen. »Bei uns stimmt was nicht, Mann. Vielleicht ist sie ohne uns besser dran.«

»Das stimmt nicht.«

Ich glaube, vielleicht doch. Wir tun ihr nicht gut. Ella wollte nichts anderes, als ein normales Leben zu führen. Das kann sie im Hause Royal aber vergessen.

Wenn ich nicht total egoistisch wäre, würde ich es gut sein lassen. Ich würde Easton davon überzeugen, dass es das Beste für Ella ist, so weit wie möglich von uns weg zu sein, wie es eben geht.

Stattdessen sage ich nichts und überlege, was ich zu ihr sagen will, wenn ich sie finde.

»Gehen wir, ich hab ’ne Idee.« Ich mach auf dem Absatz kehrt und steuere erneut den Eingang zum Busbahnhof an.

»Ich dachte, wir fahren nach Gainesville?«, murmelt Easton hinter mir.

»So sparen wir uns den Trip.«

Wir steuern auf direktem Weg den Sicherheitsbeamten an, dem ich einen Hunderter zuschiebe, damit er uns die Überwachungsvideos aus Gainesville anschauen lässt. Der Typ spult die Datei an die Stelle, an der der Bus aus Bayview ankommt. Mein Herz krampft sich zusammen, während ich die Passagiere überfliege. Dann sinkt es, als mir bewusst wird, dass Ella nicht unter ihnen ist.

»Was zur Hölle«, platzt es aus East, als wir zehn Minuten später das Gebäude verlassen. »Die Frau am Schalter hat doch gesagt, Ella saß in dem Bus.«

Ich beiße so fest die Zähne aufeinander, dass ich fast nicht sprechen kann. »Vielleicht ist sie woanders ausgestiegen.«

Wir trotten zurück zum Rover und setzen uns hinein. »Und jetzt?«, fragt er, seine Augen bedrohlich schmal.

Ich fahre mir mit der Hand durch die Haare. Wir könnten jede Haltestelle auf der Busstrecke anfahren, aber das wäre eine ziemlich aussichtslose Sache. Ella ist klug, und sie ist es gewohnt, von einer Sekunde zur anderen abzuhauen und sich ein neues Leben aufzubauen. Das hat sie von ihrer Mutter gelernt.

Wieder habe ich dieses mulmige Gefühl im Magen, als ich mir vorstelle, dass sie sich einen Job in einem Stripclub sucht. Mir ist klar, dass Ella alles tun wird, um ihr Überleben zu sichern. Aber der Gedanke, dass sie sich für ein paar widerliche Perverse auszieht, bringt mein Blut zum Kochen.

Ich muss sie finden. Wenn ihr etwas zustößt, nur weil ich sie verjagt habe, werde ich meines Lebens nicht mehr froh.

»Wir fahren nach Hause«, verkünde ich.

Mein Bruder wirkt erstaunt. »Warum?«

»Dad hat doch diesen Privatdetektiv in der Hinterhand. Der wird sie um einiges schneller finden als wir.«

»Dad wird ausflippen.«

Kein Zweifel. Und ich werde die Konsequenzen, so gut es geht, ertragen, aber jetzt ist das Einzige, was zählt, Ella zu finden.

Genau wie Easton vorhergesagt hat, ist Dad auf hundertachtzig, als wir ihm eröffnen, dass Ella verschwunden ist. Ich bin seit über vierundzwanzig Stunden wach und erschöpft, viel zu erschöpft, um mich heute Abend mit ihm auseinanderzusetzen.

»Warum, zur Hölle, erfahre ich das erst jetzt?«, dröhnt Dads Stimme durch das gewaltige Wohnzimmer, seine tausend Dollar teuren Brogue-Schuhe knallen auf den glänzenden Holzdielen.

»Wir dachten, wir finden sie, bevor das nötig wird«, sage ich knapp.

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