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Entspannt verreisen mit Kind.
Reisen bereichert. Reisen mit Kindern erst recht. Damit der gezielte „Freiflug“ klappt, hat Profipapa Christian Busemann einen Reiseführer für alle Formen von Auszeiten mit Kindern zusammengestellt. Wie immer steuert er darin eigene Erfahrungen und zahllose Tipps bei, was Vorbereitung und Umsetzung angeht. Ob Urlaub auf dem Bauernhof, Zelten in Dänemark oder Kleinkindwandern im Himalaja, mit „Parents to Go“ im Gepäck ist man gut gerüstet.
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Seitenzahl: 287
Veröffentlichungsjahr: 2015
Buch
Reisen bereichert. Reisen mit Kindern erst recht. Die Motivation ist klar: Mal raus. Tapetenwechsel. Die Welt sehen. Man ist ja nicht eingerostet, nur weil man Kinder hat. Ganz im Gegenteil. Denen will man doch die Welt zeigen. Dabei wird die sichere Bank gegen Anarchie eingetauscht. Ab Reiseantritt herrscht »Freiflug«. Mit »Parents To Go« will Christian Busemann jedem Weltenbummler und Baggersee-Plantscher mit Anhang einen veritablen Reiseführer für alle Formen und Sorten von Ferien, Urlauben, Auszeiten, Ausflügen oder sonstigen Auslandsaufenthalten vorlegen. Wie die Väterkurse ist auch dieses Reisebuch mit eigenen Erfahrungen und zahllosen Tipps angereichert – sowohl was die Vorbereitung als auch die Umsetzung angeht. Der Autor verrät, wie man in Deutschland herrlichen Bauernhof-Urlaub mit dem eigenen Spross verbringen kann, wie man längere Bus- oder Zugfahrten in allen Ländern der Erde für den Nachwuchs kurzweilig gestaltet oder was es bei einer Langzeitreise/Kurzauszeit mit Kindern zu beachten gilt.
Autor
Christian Busemann produziert seit Jahren Unterhaltungsfernsehen. Zusätzlich und mit großer Hingabe verdingt er sich regelmäßig als Autor für diverse Moderatoren oder als Redakteur für unterschiedliche Zeitschriften. Im Goldmann Verlag sind bereits zwei »Papa To Go«-Bücher erschienen. Christian Busemann lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Hamburg. Ein Einblick ins Tohuwabohu unter: www.papatogo.de.
Von Christian Busemann außerdem im Programm
Papa To Go – Schnellkurs für werdende Väter ( auch als eBook erhältlich)
Papa To Go – Intensivkurs für Väter ( auch als eBook erhältlich)
Christian Busemann
Parents To Go
Das Reisebuch für Eltern
Alle Ratschläge in diesem Buch wurden vom Autor und vom Verlag sorgfältig erwogen und geprüft. Eine Garantie kann dennoch nicht übernommen werden. Eine Haftung des Autors beziehungsweise des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist daher ausgeschlossen.
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1. Auflage
Originalausgabe Januar 2015
Wilhelm Goldmann Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH,Neumarkter Str. 28, 81673 München.
© 2015 Wilhelm Goldmann Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Umschlaggestaltung: Uno Werbeagentur, München
Umschlagmotiv: CSA Images; FinePic®, München
Redaktion: Vera Serafin
Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling
CB · Herstellung: IH
ISBN 978-3-641-14398-5V002
www.goldmann-verlag.de
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Inhalt
Vorwort
Reisen mit Kind und Kegel – Warum? Wohin? Wie?
Dialog mit dem Reisegott
Warum ihr reisen müsst
Wo soll’s denn hingehen?
Familienreisen vom Spezialisten
How to Survive a Pauschalreise
Urlaub selbst gemacht – Individualreisen
My Home is your Castle – Social Travelling
Hurra! Reisevorbereitungen!
Die Nervositäts-Checklisten – Habt ihr auch an alles gedacht?
Reiseapotheke & Co.
Parents-To-Go-Mentalcoach: Wie überlebt ihr die Reisetage und bleibt dabei so dufte Typen, wie ihr seid?
Anreise
Anreise per Schiene – Wenn der Zug einmal ins Rollen kommt …
Anreise per Auto – Der Letzte schmeißt den Motor an!
Anreise per Luft – So fliegt ihr günstig und entspannt
Und wer mal alleine mit den Kids reisen will …
Unplugged-Zeitvertreib für die Reisebrut – Spielideen für unterwegs
Während der Reise
Gesundheit und Hygiene
Die Basics: Liebe und Schlaf
Nehmen wir jetzt den Buggy mit oder nicht?
»Den Delfin da, bidde, Papa, ja?«
Erinnerungen für alle
Die Kurzauszeit
Die 5 Stufen zur Kurzauszeit
Konkrete To-dos vor Antritt der Kurzauszeit
Zu guter Letzt: Der Parents-To-Go-Mentalcoach für die Ultrareise
Anhang
Die 20 Must-Have-Apps für den Urlaub
LESEN bitte!
Register
Vorwort
Früher reisten wir nur in Begleitung eines einzelnen schlichten Koffers in die große weite Welt. Er beherbergte nicht nur unser gesamtes Beach-, Party- und Sightseeing-Outfit, sondern gewährte auch dem noblen Necessaire samt Sonnenmilch, Rasierschaum, Duschgel und dergleichen großzügig Asyl. Und als wäre all das nicht schon genug, fanden auch noch unzählige Extras wie tonnenweise Bücher, Yogamatte, Fernglas, Schnorchelausrüstung und was man eben sonst noch so braucht, Platz. Und, ja, zugegeben, wir mussten auch schon mal unser gesamtes Gewicht einsetzen, um den Koffer zuzukriegen. Aber die maximal zulässigen 20 Kilo, die rissen wir nie.
Heute ist das alles anders. Denn heute finden wir uns dort wieder, wo wir früher niemals hinwollten: beim Vorabend-Check-in! Und das nicht nur mit einem Koffer …
Herzlich willkommen zu Parents To Go, dem Reisebuch für Eltern. Ihr habt beim Boarding mehr als zwei Tickets in der Hand? Dann ist dies euer Buch! Ob kurz oder lang, pauschal oder individuell, nur im Kopf, um die Ecke oder um die Welt – wie auch immer ihr euren Aufenthalt gestalten wollt, im Folgenden werdet ihr intensiv und umfangreich auf euer neues Zeitalter des Reisens vorbereitet. Hier erwartet euch das notwendige Wissens-Upgrade für die nächste Dimension: das Reisen mit Kind und Kegel.
Denn: Mit Kindern auf Tour zu gehen, ist intensiv, einzigartig und immer anders. Eiffelturm angucken kann jeder, aber auf der obersten Plattform eine vollgeschissene Windel wechseln nicht. Und an diesen Anblick erinnert man sich ein Leben lang. Also an den auf Paris, natürlich.
Ich habe im Vorfeld zu unseren Reisen immer wieder nach einem praktischen Leitfaden gesucht. Nach einem, der die gesamte Bandbreite der Familienreise mit Baby oder Schulkind abdeckt, vom Kurztrip bis zur Langzeitreise. Von der Inspiration und Idee dazu über wichtige Tipps und Links bis hin zur Vorbereitung und Umsetzung. Eben alles Wissenswerte dazu, vereint in einem Buch. Leider absolute Fehlanzeige! Zwar gibt es zahlreiche spannende Eltern-Reiseberichte mit Infocharakter, aber eben nicht den knackigen, kompakten »Universal«-Reise-Rundumschlag.
Voilà, jetzt ist er da: Parents To Go!
Ich serviere euch backfrische Vorschläge für mögliche Reiseziele nebst persönlichen Erfahrungsberichten, präsentiere unterschiedliche Arten zu reisen für jeden Geschmack und gebe euch eine detaillierte Packliste für alle möglichen Touren an die Hand. Auch die Gesundheit kommt nicht zu kurz, etwa in Beantwortung der Frage, was eine wohl sortierte Reiseapotheke ausmacht. Darüber hinaus erwarten euch zahlreiche Tipps und Infos, wie ihr gemeinsam mit euren Kindern jeglichen Alters eine entspannte Zeit in der Ferne verbringen könnt und dabei die duften Typen bleibt, die ihr seid. Egal, ob beim Kühe melken auf dem Bauernhof oder beim Hochgebirgstrekking im Himalaja.
Reisen mit Kindern wirft Fragen auf wie: Wie können jene Wanderausflüge, Autofahrten oder Langstreckenflüge, die zumindest auf den zweiten Blick wenig reizvolle Abwechslung verheißen, dennoch kreativ, intelligent oder einfach nur so, dass jeder dabei auf seine Kosten kommt, genutzt, oder besser, zeitlich überbrückt werden? Wie reist es sich eigentlich mit einem Menschen, der gerade mal ein paar Monate jung ist, am besten, und was ist bei der Wahl des Urlaubslandes zu beachten? Außerdem: Tragetuch oder Buggy? Aufblasbarer Delfin oder Luftmatratze? Intime Paarzeit oder aktives Teamplay?
Parents To Go steht euch als Freund mit Ratschlägen zur Seite und liefert die passenden Antworten.
Wie bereits in meinen Papa-To-Go-Büchern reichere ich viele der Informationen mit eigenen Erfahrungen und kleinen Anekdoten an und umgekehrt: Erfahrungen unterfüttere ich mit recherchierten Fakten. Aus dieser Mischung erwächst hier und da mitunter sicherlich eine subjektive Färbung, nennen wir es »gelebtes Wissen«.
Ihr könnt das Werk chronologisch lesen oder euch gezielt die Rosinen rauspicken, nach denen ihr sucht. Mir ist aufgefallen, dass Parents To Go seine größte Energie entfaltet und die Lust aufs Reisen ins Unermessliche steigert, wenn man es von vorne bis hinten durchliest. Dennoch gilt: Nehmt das, worauf ihr Lust habt, den Rest lasst einfach liegen!
Das Reisen im 21. Jahrhundert wird einem sowohl in der Planung als auch in der Umsetzung durch das Internet ungemein erleichtert. Ihr müsst nirgendwo mehr orientierungslos umherirren, sogar aus der abgelegensten Wildnis heraus könnt ihr euch einen First-Class-Flug nach Hause buchen. Ihr habt immer euer scharf kalkuliertes Tagesbudget im Auge und könnt im nächsten Ort spontan in einer Privatwohnung absteigen, nachdem ihr bei einer fremden Familie mit zwei Kindern im gleichen Alter wie eure gegessen habt – warum nicht? Die besten Links und Apps zu diesem Thema habe ich für euch zusammengestellt. Sie sollen eure Reise qualitativ »pimpen«.
2012 haben wir »Busemänner« schließlich das Wagnis einer XXL-Tour unternommen. Zusammen mit meiner Frau und unseren Töchtern, zu jener Zeit ein und vier Jahre alt, bin ich drei Monate lang durch Argentinien gereist. Hui, Abenteuerreise! Spektakuläre Natur, einzigartige Kultur, liebenswerte Menschen und dazu jede Menge Tango, Mate und Dulce de leche. Doch die Zeit war nicht nur locker, flockig und Malbec-getränkt, sie bedeutete auch eine physische und psychische Herausforderung für uns, zwang uns gnadenlos und unablässig aus unserer Komfortzone, machte uns aber um viele Erfahrungen und Glücksmomente reicher. Für diejenigen unter euch, die sich ebenso mit dem Gedanken befassen, mal das Stückchen länger zu verreisen, bevor der oder die Kleine eingeschult wird, präsentiere ich nützliche Infos zur Vorbereitung und Umsetzung einer solchen Kurzauszeit sowie Erlebnisse und Erkenntnisse, die gerade dieses Reiseunternehmen in sich birgt.
Kleine Bemerkung am Rande: Es ist wirklich interessant, dass es, wenn die Kinder kleiner sind, keine wesentlichen Unterschiede zwischen der Packliste für einen Wochenendausflug nach St. Peter-Ording und der für eine Mammuttour nach Buenos Aires gibt. Dazu aber später!
Parents To Go ist mehr als eine Wuchtbrumme an Informationen und eine Gebrauchsanweisung für alle reisewilligen Eltern. Es ist vielmehr zugleich ein Postulat: Kinder haben heißt NICHT Passentzug oder Verurteilung zu 15 Jahren Clubtanz! Es heißt lediglich anders und vorausschauender reisen. Mehr nicht. Und so wünsche ich mir, dass ihr eventuell mal das Gewohnte sein lasst und euch auf zu neuen Ufern wagt. Vielleicht mag euch dieses Buch ja dazu verleiten, dann hätte es schon ganz viel erreicht.
Parents To Go ist, wie es sich für ein Reisebuch gehört, in großen Teilen unterwegs entstanden. In Argentinien, auf Elba, in Rom, in Stockholm, auf Teneriffa, während der Zugfahrt zwischen Hamburg und Berlin und zuletzt in einem umgebauten Schweinestall in Sierksdorf. Bis auf die Einsiedelei an der Ostsee, wo ich die Arbeit am Buch abgeschlossen habe, waren meine Frau Kristy und unsere beiden Töchter Romy und Hanna meine ständige zauberhafte Reisegesellschaft, meine Gefährten. Die Kleinen haben uns in der Ferne bunte Türen geöffnet, schräge Begegnungen geschenkt und die Tage niemals so verbringen lassen, wie wir sie zuvor geplant hatten. Danke, ihr Süßen, ihr seid die wahren Reiseleiter!
Viel Spaß beim Lesen und Reisen
Christian Busemann
Reisen mit Kind und Kegel – Warum? Wohin? Wie?
Dialog mit dem Reisegott
Mensch:
»Lieber Reisegott, wir wollen weg. Alle zusammen. Genug im Dauerregen gehockt, Blätter gefegt, Schneemänner gebaut, verkrustete Schlammbrocken aus dem Unterfell des Hundes gebürstet, horrende Strom- und Heizkosten bezahlt, die vornehme Blässe des Nachbarn ertragen, Grippeviren-Flatrates genossen und zu viel Zeit vor der Glotze verbracht – uns reicht’s! Wir wollen dorthin, wo es warm ist. Wo Schleck-Eis an jeder Straßenecke lauert, wildfremde Menschen unsere Kinder knutschen und ihnen Lollys zustecken oder junge Männer halbnackt auf MTX-Crossmaschinen durch die Hitze brettern. Die Sonne scheint, die Liegen sind belegt, am Büfett herrscht Gerangel um das Chemie-Rührei mit Sandalenmännern in beigen Kurzarmhemden, aber, lieber Reisegott, wir sind meteorologisch so runtergewirtschaftet, dass wir selbst das gerne in Kauf nehmen, Hauptsache weg! Kommen wir ins Geschäft?«
Reisegott:
»Nun, lieber Antragsteller, du kennst ja unseren Petrus – wenn der ein Blümchen ordentlich gießen will, dann kennt er kein Halten und mischt eine Schweinekombi zusammen, die selbst ein drittklassiges Amateur-LSD-Labor nicht zu brauen wagen würde. Ich sehe, ihr habt genug gelitten – ihr sollt ziehen!«
Mensch:
»Du bist so gütig, hab Dank! Und beste Grüße auch an den bärtigen Himmelspförtner mit Wetter-Tourette. Wir sind dann mal im Reisebüro …«
Reisegott:
»Moment mal, mein Freund! Bevor du mit deinen Zöglingen davonbraust, will ich dir noch etwas Wichtiges anvertrauen. Weißt du, ich mache diesen Job hier oben nun schon verdammt lange. Nix 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich oder Home-Office. Stattdessen 24/7 immer dieselben Möchtegern-Marco-Polos, die meinen, mal eben mit Kindern in den Urlaub fahren zu können, ohne auch nur ein Sekündchen vorher darüber nachzudenken. Das geht gar nicht. Lass es mich so sagen: Wo Sonnenschein herrscht, brauchst du auch Schatten. Oder wenigstens eine gute Sonnencreme.
Mensch:
»Alles klar, danke! Wir kaufen eh immer 50er-Creme für die Kleinen.«
Reisegott
»Ich war noch nicht fertig, hab acht! DU, Mensch, hast eine Aufgabe, eine Mission. Ich möchte, dass du die ewig währenden, ehernen Regeln des Reisens vernimmst und jede einzelne festhältst. Für dich, deine Kinder und die gesamte Menschheit!«
Mensch:
»Das heißt, ich bin jetzt sowas wie ›Travel-Moses‹?«
Reisegott:
»Yep, so ist es. Die wichtigsten Prinzipien will ich dir heute mit auf den Weg geben. Mag sich die Menschheit dran halten oder nicht – sie sind bewährt, praktisch anwendbar und erleichtern das Leben auf Reisen wahrhaftig!
Mensch guckt irritiert, regungslos.
Reisegott:
Also, jetzt nimm dein Drecks-Smartphone und schalte die Memo-Aufnahme ein und danach poste den Schrott bei Facebook, verstanden?«
Mensch:
»A-a-alles klar! Dann schieß mal los!«
Reisegott:
»Na schön, Regel Nummer eins: ›One for you, one for me‹, das alte Lied von Geben und Nehmen – im Urlaub euer täglich Brot. Ihr möchtet bestimmte Sehenswürdigkeiten besuchen, tut das. Aber dann plant irgendwann im Laufe des Tages ein schönes, kleines Happening für eure Kinder ein, auf das sie sich freuen können. Gebt den Strand, nehmt die Kathedrale! Gebt den Zoo, nehmt das Museum of Modern Art. Entlasst sie auf den Spielplatz, dann entlassen sie euch im Gegenzug in eure Shoppinghotspots. Immer ein Event für die Kids einplanen, und schon lebt es sich viel leichter.
Regel Nummer zwei: Vergesst bitte jegliche Ernährungszwänge – ihr habt Urlaub! Esst und habt Spaß. Und wenn die Kleinen mal ein Stück Pizza oder eine Portion Eis mehr verputzen, dann los! Deswegen müssen sie später weder bei ›Biggest Loser – Kids‹ abspecken noch in irgendeiner Lehmhütte bei den strengsten Eltern der Welt darben.
Ebenfalls wichtig Regel Nummer drei: Lasst von absehbar stressigen Vorhaben ab. Die Laune ist im Keller, wenn die Kids schreien oder nörgeln, allen zu heiß ist, der Weg sich als viel zu weit herausstellt oder Mama und Papa sich in all dem Stress hemmungslos zoffen – wem nützt das bei Tempo 140 auf einer unbefestigten Straße? Schaltet also lieber einen Gang runter, atmet tief durch und buddelt euch entspannt am Strand entlang.
Vergesst nie Regel Nummer vier: Urlaub habt nicht nur ihr Eltern, sondern auch eure Kinder. Es gilt wie schon beim Thema Essen: Ausnahmen dürfen für diese befristete Zeit durchaus die Norm werden – länger Wachbleiben, nach der Kinderdisco doch noch ein kleiner Geschäftebummel, Hörbücher lauschen zum Einschlafen, eine weitere Runde Ponyreiten oder mal eine zweite Folge von der Lieblingssendung gucken. Springt über euren Spießerschatten und zeigt euch großzügig wie der ADAC bei der Pannenstatistik.
ABER, und hier kommt Regel Nummer fünf ins Spiel: Eure Kinder sind nicht immer der Boss! Wenn ihr mehr Zeit für euch braucht, boykottiert die Kinderdisco. Ihr solltet euch täglich mindestens drei gemeinsame Wachstunden am Abend für Gespräche bei Rotwein, wilden, brutalen Gänseblümchen-Sex, intensive Buchdiskussionen oder Spannereien in die gegenüberliegenden Fenster bewahren.
Und: Lasst euch mehr treiben, wenn ihr merkt, dass euer Tagesprogramm aus allen Nähten platzt. Plant nur jeden zweiten oder dritten Tag ein oder zwei Events ein – die übrige Zeit gestaltet nach Lust und Laune. Ein gemeinsamer Urlaub ist für die ganze Familie nämlich ein tolles Erlebnis und schweißt euch fest zusammen. Druck ist hier das falsche Rezept!
Außerdem ganz wichtig, Regel Nummer sechs: Zieht nie ohne Taschenmesser los, um Obst zu filetieren oder das Sandwich in nette, kleine Häppchen zu schneiden – warum lachst du denn?«
Mensch:
»Also, äh … ich dachte nur gerade, das passt jetzt irgendwie nicht in die Aufzählung – aber nein, ehrlich, Super-Tipp! Ist notiert!«
Reisegott
»Wird leider auch gerne vergessen. Pass auf, zwei hab ich noch.
Nummer sieben: Nein, es macht nichts, wenn euer Kind nicht mit einem anderen Kind im Urlaub spielen will! Verabschiedet euch von dem Wunsch, dass es sich, kaum angekommen, mit dem Kleinen von der Nachbarliege verbrüdert. Das klappt nämlich erst dann, wenn ihr es nicht mehr unbedingt herbeiführen wollt!
Und zu guter Letzt: Seid euch dessen bewusst, dass sich eure Stimmung auf die eurer Kinder überträgt. Gerade Babys und Kleinkinder lesen immer ganz intensiv in den Gesichtern ihrer Eltern, um so deren Gesamtgefühlslage zu ermitteln.
So, das war’s! Tragt es in die Welt hinaus, habt eine schöne Zeit und vergesst mir ja die Heimreise nicht.«
Mensch:
»Ich danke dir, Reisegott! Da sind wirklich wahnsinnig tolle Ansätze und Impulse dabei.«
Reisegott:
»Es reicht. Gute Reise!«
Mensch:
»Oh ja, schon so spät. Du hast Recht! Ich werde das Reiseregelwerk sofort posten und nehm’s dann gedanklich mit unters Kopfkissen. Unters Reisekopfkissen, versteht sich. Tschüss!«
Parents To Go gefällt das!
Warum ihr reisen müsst
Man kann es so sehen: Das Reisen mit Kindern bis zum Vorschulalter ist die Vorstufe zum Sadomasochismus. Mit Billardkugel im Maul, aber ohne Ideologie im Kopf.
Sie entsteht aus einer Not-Wendigkeit heraus. Wie sonst soll der Tapetenwechsel her? Und so entscheiden sich ausgewachsene, vernünftige Menschen freiwillig, vielleicht in Rotweinlaune und bei fummeliger Atmosphäre, vor dem Laptop für die Verlegung des in sich funktionierenden Systems Zuhause an einen anhand von Google-Bildern oder HolidayCheck für gut befundenen Ort irgendwo im warmen Teil der Welt. Ihre Vorstellung: Das Reiseziel bietet in Sachen Entertainment mindestens dieselbe Qualität wie die Homebase. Und sind dann auch noch Tiere mit am Start, Strand, Meer oder Pool, Abenteuerspielplätze und hyperaktive Animateure, ist das ganze Projekt praktisch ein Selbstläufer, und der Urlaub kann beginnen.
Wenn die Reisehungrigen dann aber nach Abendessen und Kinderdisco das ältere Kind nicht vor 23 Uhr zum Schlafen bewegen können und das kleinere Kind schon gegen 5 Uhr morgens wieder kerzengerade die Spiele eröffnen will, kann so ein »Urlaub« dummerweise schnell ans Eingemachte gehen und das im Menschen schlummernde Böse erwecken.
Es ist aber auch folgende Perspektive erlaubt: Blicke ich wie jetzt gerade beim Verfassen dieser Zeilen in meiner Schreibkombüse in Hamburg auf die Fotos an der Wand, dann sehe ich da meine beiden Töchter im Urlaub in St. Peter-Ording, in Argentinien, auf Mallorca und Elba. Komplett unterschiedliche Urlaube, aber ein gemeinsamer Nenner: die strahlenden Gesichter der Kinder. Randvolles Glück, pure Zufriedenheit, volles Vertrauen – das Lachen der kleinen, dank wasserfester Sonnenmilch glänzenden Menschen drückt aus: Hier fühlen sich zwei so richtig gut aufgehoben, so sicher, geborgen und vollständig. Ein Augenblick wahrer Freude, festgehalten für die Ewigkeit. Ob sie sich später noch genau an diesen einen Moment erinnern werden, das weiß ich nicht. Aber ich erinnere mich daran. Ich kann zu jedem Foto die Geschichte drumherum erzählen und meine Gefühle von damals erneut aufrufen. Natürlich war nicht alles Gold. Wenn ich mich in die jeweilige Situation zurückversetze, erinnere ich mich zum Beispiel, in welch unausgeschlafenem und ausgelutschten Zustand der Schnappschuss auf Mallorca entstanden ist, oder wie viele Strapazen wir schon gemeistert hatten, als ich in El Calafate in Patagonien die Kamera zückte.
Aber ganz im Ernst: Das ist es alles wert! Diese Innigkeit als Familie erleben zu dürfen, diese intensiven Momente, sich seinen Kindern voll und ganz widmen zu können, und gemeinsam fremde Kulturen und Länder kennenzulernen und zu erkunden, jeder mit seinem individuellen Erleben, mit seinen Wörtern oder Lauten kommentierend, das hat eine so unbändige Kraft, eine solche Begeisterung, der sich keiner entziehen kann. Die Fotos an der Wand zeugen davon. Und ich hoffe, ihr habt jetzt so richtig Lust bekommen, sofort euren Familienurlaub zu buchen. Doch haltet inne, wir steigern die Vorfreude noch!
Gut, offenkundig ist das Reisen mit Kindern mit einem gewissen Kraftaufwand verbunden. Dieser Umstand ist nicht von der Hand zu weisen und wird nolens volens im Verlauf des Buches immer wieder mit real erlebten Beispielen belegt. Aber wie ihr ja nun auch schon mitbekommen durftet, macht die wunderbare Wucht an Abenteuer und Erlebnissen alle Mühe wieder wett. Hier kommen nämlich all die guten Gründe, warum ihr einfach auf Reisen gehen MÜSST! Für eine kurze, längere oder gaaaanz lange Zeit.
Spielplätze – das Eintrittstor zu fremden Kulturen
Das Reisen, mit Kindern links und rechts an der Hand, schmeckt nach Freiheit. Wir können für einen festen Zeitraum ganz bewusst loslassen und andere, fremde Mentalitäten kennen- und lieben lernen, regelrecht darin eintauchen. Vielleicht um die Erforschung der Clubszene ärmer, dafür aber um die Erfahrung einiger Spielplatzbesuche, spontaner Crashkurse in fremdländischen Umgangsformen und einen pädagogischen Kulturaustausch auf Elternebene reicher. Das ist schon eine ganze Menge.
Auf den Spielplätzen dieser Welt zeigt sich nämlich schonungslos der wahre Charakter eures Reiselandes. Hier bekommt ihr einen unverfälschten Einblick in die Seele des Volkes. Ihr werdet Zeuge dessen, wie Kinder untereinander und mit ihren Eltern agieren und wie wiederum Eltern im Umgang mit ihresgleichen ticken. Ihr werdet ausführlich spannenden Themengebieten auf den Grund gehen können, wie zum Beispiel dem, welche Rolle Glaube, Liebe und Elternvertretung in jener Gesellschaft spielen, oder jenem, warum das einheimische Kind eurem Kind soeben elegant von der Schaukel »geholfen« hat. Nein, kein Quatsch. Das ist irre spannend. Und eine Kontaktbörse zugleich. Hier werden zarte Bande zu den Einwohnern geknüpft, und ehe man es sich versieht, ist man vielleicht bei einer Kindergeburtstagsparty auf einer Veranda in Melbourne oder auf einem Familiengrillfest außerhalb Córdobas gelandet. Alles nur, weil ihr mit anderen Eltern ins Gespräch gekommen seid oder zunächst die Kinder miteinander gespielt haben. Kurz gesagt: Wer will und offen ist, dem bieten sich hier die besten Voraussetzungen, ein Land und seine Menschen auf der ganz privaten Insiderebene zu erkunden. Und ihr werdet selbst feststellen, mit den ersten Kontakten wird man immer offener und kommunikativer und diese wunderbare Eigenschaft überträgt sich auch auf die Kinder. Haben wir unsere große Tochter Romy lange Zeit doch eher als ein zurückhaltendes, ja fast scheues Kind wahrgenommen, haben sie unsere vielen Reisen, insbesondere unsere Kurzauszeit in Argentinien, regelrecht geöffnet. Aus dem »Blümchen« wurde eine richtige »Topfpflanze«, aus dem Mäuschen ein Partytiger, aus der Einbahnstraße eine Ausfallstraße. Plötzlich hagelte es von ihrer Seite aus Fragen am laufenden Band, unbekümmert sprach sie fremde Kinder an oder textete unsere Gastgeber ungefragt in Grund und Boden. Kaum vorstellbar, dass sich Romy lange Zeit hinter mir versteckt hatte, wenn wir Freunde auf der Straße trafen. Deswegen bin ich auch felsenfest davon überzeugt: Reisen fördert die Entwicklung der Persönlichkeit von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen.
Reisen heißt sich selbst und andere entdecken
Lösen wir uns von bekannten Strukturen, die uns im normalen Alltag Halt und Verlässlichkeit bieten, tritt bei allen Familienmitgliedern erfahrungsgemäß eine vorübergehende Unsicherheit ein. Diese wird vornehmlich bei uns Erwachsenen, die die Last der Verantwortung für den geplanten Auslandsaufenthalt tragen, spürbar, dank unelegant krampfigem Mienenspiel gar sichtbar. Doch »Abteilung Nachwuchs« zeigt sich eher aufgekratzt und manifestiert die Vorfreude mit strahlendem Gesicht, Hüpfen und Kreischen. Kinder sind genügsame Zauberwesen, die sich überall wohlfühlen und glücklich sind, vorausgesetzt, wir sind auch da.
Zwangsläufig rückt die Familie mit der räumlichen Veränderung sofort physisch näher zusammen. Jedoch nicht unbedingt mental, vor allem, wenn es zuvor im Beruf turbulent zuging, meine Frau auf den letzten Drücker arbeitsintensive Projekte abschließen musste und die Kinder persönlich vorzubereitende Schul- oder Kindergarten-Events auf dem Plan hatten, kurz, jeder eigentlich schwer vertieft in seinem Kosmos vor sich hin bastelte. Und dann, mit einem Mal, sind alle E-Mails, Meetings und Abgabetermine ausgesetzt, genauso wie solche für Reiten, Turnen oder Playmobil spielen. Der gelernte, tägliche Ablauf – futsch! Er ist plötzlich ein anderer und jedes Familienmitglied muss sich an dem fremden Ort erst einmal orientieren, seinen eigenen Rhythmus und seine neue Position finden. Das gelingt selten auf Anhieb, aber genau darin liegt ein weiteres, sehr wertvolles Geschenk des Reisens: in der Auseinandersetzung. Sich mit seinen Lieben intensiv auszutauschen, sie mal fern und frei von allem Alltagsgeschehen zu betrachten und zu erleben – das ist a) super spannend und b) unendlich bereichernd. Dabei kreieren wir nämlich nicht nur im Geist ein neues Bild von unserem Partner und unseren Kindern, sondern müssen auch damit umgehen und uns selbst neu definieren. Das Rudel im Relaunch: Das große Kennenlernen beginnt und überrascht damit, welche tief verborgenen Charaktereigenschaften in den einzelnen Mini-Backpacker-Aspiranten und in einem selbst noch so schlummern, erlebt man gemeinsam ein Abenteuer in der Fremde und gluckt permanent zwischen Schlafsack und Senator Lounge zusammen. Infolgedessen ist es wahrlich nur konsequent, sich als Familie, fußballerisch ausgedrückt, noch kompakter aufgestellt wiederzufinden als noch vor Abflug.
Die aufeinander angewiesene Reisegemeinschaft ist ein sehr schlagkräftiger, sich gegenseitig stützender und ständig selbst bereinigender Haufen. Da geht es um Anpassungsfähigkeit, aufkeimende und ausgelebte Ängste, einzeln und im Kollektiv, aber auch Mut und Zusammenhalt, Egotrips und versuchte Ausbrüche aus der Gemeinschaft, wie bei uns beispielsweise durch »Prinzessinnengehabe« oder »Wanderboykott«. Was ist wichtig, was unwichtig, für mich und die anderen? Banale Diskussionen über die Tagesgestaltung hier, Geduldsproben dort, Zipperleinchen bei dem einen, miese Laune bei dem anderen, und dabei im Kern stets die Suche nach Aussprache und Kompromiss – die fröhliche Schicksalsgemeinschaft on the road ist ein ständig aktiv rumorendes Biotop ohne Ruhezeiten, das ob des internen Dauerdialogs nichts so schnell erschüttern kann. Und während wir also fremde Länder bereisen, um sie zu entdecken, entdecken wir von Tag zu Tag immer wieder eine weitere neue Facette unserer Familie und ihrer Mitglieder.
Reisen macht schlau!
Reisen macht schlau! Das ist ein amtlicher Fakt. Auf Reisen wird ständig improvisiert, die übliche Routine unterbrochen. Ständig erwarten euch und die Kinder vollkommen neue Eindrücke: Land, Gerüche, Menschen, Speisen, das Wasser, der Strand. Wenn ihr tatsächlich ein Urlaubsziel erwischt, das sich arg von eurer gewohnten Umgebung unterscheidet, dann lernt ihr alle unendlich viel dazu. Und selbst frisch geschlüpfte Babys, die immer so unschuldig verpeilt wirken, als würden sie nichts sehen, hören, riechen, also null raffen in ihrer ganz eigenen, noch so unfertigen Welt, registrieren jede Menge – allein über die Nahrungsaufnahme! Aus Mamas Brust oder durch den servierten Brei. Es ist die veränderte Speisekarte, die die Minigourmets positiv irritiert. Die eigene und familiäre Mobilität genießend, sehnen sich die kleinen Globetrotter ohnehin nach ständigem Input und sammeln so fleißig Erfahrungen und Eindrücke wie ihr eure Meilen auf der Miles & More-Karte. Der ambulante Zustand, mit Mama und Papa »woanders als zu Hause zu sein«, wirkt auf Babys oder ältere Knirpse nicht als Bedrohung. Ganz im Gegenteil, er erzeugt Freude. Das schenkt Vertrauen und führt zu Flexibilität und Unkompliziertheit bei späteren Reisen, aber auch im Alltag beim Reagieren auf veränderte Situationen. Romy und Hanna sind mittlerweile sehr erfahrene Reisebegleiter. Zu Hause haben sie getrennte Zimmer, aber auf Reisen schlafen sie in einem Bett, im Zustellbett, in unserem Bett oder einfach auf der Tasche auf dem Kofferwagen, im Auto, sitzend oder liegend. Sind sie hungrig, geben sie sich schon mal überbrückungsweise mit trockenem Brot zufrieden und alarmieren nicht das Jugendamt, werden nicht umgehend Nudeln serviert. Mir scheint es so, als sei es ihnen einfach das Wichtigste, dass wir alle zusammen sind und uns im Fall einer Hungerattacke gemeinsam auf die Suche nach »Beute« begeben. Wird dann auch noch demokratisch entschieden, herrscht allenthalben so eine eklig beste Grinsebacken-Laune, wie zuletzt gesehen bei der mittlerweile aus dem Verkehr gezogenen »Rama«-Familie.
Wie aus wissenschaftlichen Untersuchungen hervorgeht, brennen sich fremde Reize und Impulse selbst bei Kindern ins Oberstübchen, die zwar keine Babys mehr sind, aber den Urlaub ob ihres Alters trotzdem schnell wieder vergessen haben. Sie ordnen die zahllosen Eindrücke einfach in unterschiedliche Fächer in ihrem Gehirn ein und können diese dann nicht nur wieder aufrufen, sondern auch klar differenzieren. Ein Schulkind lernt übrigens ähnlich. Tag für Tag nehmen daher die speichernden Regalböden im Kopf zu. Auf Reisen wird also erwiesenermaßen die Strukturfähigkeit des Kindergehirns verbessert. Dies aber natürlich nur, wenn ihr eurem Kind die Welt zeigt und es auf das eine oder andere Phänomen aufmerksam macht. Sind einige der Impressionen zudem mit starken Emotionen verbunden, prägen sie sich noch besser ein. Kurz: Gefühlsamplitude mit Ausschlag nach oben oder unten – und die Nummer bleibt im Kopf hängen! Romy erinnert sich heute noch schmerzlich daran, wie sie auf La Palma ihr Kuscheltier verloren hat oder wie sie zum ersten Mal stundenlang mit einem Kind spielte, das nicht ihre Sprache sprach. Oder wie sie mit vier Jahren verbotenerweise allein auf einem ausgewachsenen Hengst ritt. Kristy und ich erinnern uns wiederum zu gut daran, wie wir uns bei 47 Grad °C Gewächshausklima, die Kinder auf dem Arm und auf den Schultern hockend, zu den Wasserfällen von Iguazú schleppten, um einen ausgiebigen Blick auf das Naturspektakel werfen zu können.
Jede Menge Anstrengungen sorgen für blubbernde Hormonsprudel aus Adrenalin und Endorphin, und einer Zwangsräumung der persönlichen Komfortzone steht nichts mehr im Weg. Dank der überbordenden begleitenden Emotionen brennen sich die Erinnerungen doppelt so stark ins Gehirn – und je größer die Abweichung vom Gewohnten, desto intensiver fallen Lernzuwachs und Erfahrungen aus. Für alle.
Reisen heißt Verrücktes tun
Reisen bedeutet auch, Dinge zu tun, die man normalerweise im Alltag und zu Hause nicht veranstalten würde, wie zum Beispiel nackt eine vegane Wurst braten, Tango tanzen auf einem öffentlichen Platz oder mit einem Kamel in die Wüste reiten und bei Beduinen im Zelt mit den Händen aus der Schüssel zu Abend essen. Es gibt so irre viele Möglichkeiten. Wie wäre es denn mal mit Delfinen zu schwimmen, über Ruinen zu springen, in Höhlen zu klettern (von der Riesending-Höhle ist abzusehen!), ungefährliche Schlangen aufzuscheuchen, nach Dinosaurierknochen zu graben, eine Nachtwanderung über die Insel zu wagen, ein Floß zu bauen, Pampashasen in freier Natur zu füttern, den Strand mit kraterähnlichen Baggerkuhlen zu durchlöchern, stundenlang zu baden, zu viel Eis, Crêpes und Gummibären zu essen, in einem Theaterstück mitzuspielen, ein Comic auf dem Bauch eines dicken Mannes zu zeichnen, einen Schatz zu finden, einen Regenwurm als Haustier zu adoptieren, Gemüse anzubauen, nach Gold zu schürfen, Salz zu ernten oder Schokolade selbst zu machen – eben seltene Dinge zu tun, die man sonst nicht tut? Andere Dinge. Dinge, die Abwechslung im Leben bedeuten und, wie ich finde, total kostbares Erinnerungsgut darstellen. Reisen ermöglicht es euch, jede Menge davon anzuhäufen. Wann wollt ihr endlich anfangen zu sammeln?
Reisen heißt sich auf zu Hause freuen
Und auch das ist Reisen: Rückkehr! Die Reise nach Hause bedeutet die Aussicht auf die gewohnte Umgebung und die feste Struktur des Alltags. Und nach einigen Tagen, Wochen oder Monaten wieder die eigenen vier Wände zu betreten, ist wie das ritualisierte Brechen des Goldfoliensiegels eines Nutella-Glases: Ich weiß, was kommt, aber es ist trotzdem immer wieder aufs Neue geil! Wieder zu Hause sein, ist die Heimkehr in das so Vertraute, in dem man sich sicher und geborgen fühlt. Wochenlange Abstinenz ist wohl die heilsamste und effektivste Art, sein Obdach neu schätzen zu lernen, erst recht mit den vielen gesammelten Eindrücken von der Reise im Kopf, die Vergleiche mit anderen Orten ermöglichen.
Kehren wir nach zwei Monaten, drei Wochen oder auch nur nach zwei Tagen zurück, freuen sich unsere Töchter diebisch auf ihr neuerliches Date mit ihrem Spielzeug und verschwinden dann für Stunden in ihrem Zimmer. Altes Spielzeug ist plötzlich so reizvoll wie neues.
Und meine Frau und ich freuen uns darauf, wieder mehr Zeit alleine verbringen zu können. Nach intensiver Familienzeit ist jeder von uns glücklich, gleitet das Leben in die alten Bahnen zurück. Romy geht wieder in die Schule und Hanna in den Kindergarten. Na ja, jedenfalls so lange, bis es wieder Zeit ist, erneut einen Trip zu unternehmen, und das ist bei uns in der Regel recht absehbar.
Reisen relativiert vieles und rückt die Welt wieder zurecht. Für mich jedenfalls. Ich bemerke dann bei mir so eine aufgeklarte und ungetrübte Wahrnehmung meiner Umwelt. Der dauerhafte Druck des Alltags ist abgestreift, der Schleier vor den Augen hat sich verflüchtigt. Ich erkenne von selbst wieder schöne Details im Leben, kann sie definieren und erfreue mich an besonderen Momenten. Wer seine Frontscheibe ordentlich gewaschen hat, dem fallen allerdings auch eigene Versäumnisse und die der anderen plötzlich wieder viel stärker auf. Gute Sache, klar, kann aber nerven. Auch klar.
Urlaub regeneriert meine Achtsamkeit, und diese versuche ich mir stets so lange wie möglich zu erhalten. Ich schwöre mir jedes Mal hoch und heilig, mich nicht sofort wieder in die Mühle der Dauererreichbarkeit zu begeben, es langsam angehen zu lassen, und für eine gewisse Weile – ich werde immer besser, ehrlich! – gelingt mir das auch tatsächlich. Doch für gewöhnlich braucht es am Ende nur ein, zwei Auslöser, und schon zerren mich die bösen Geister der Gegenwart schneller als gedacht in die alte Tretmühle zurück. Da wir die Haken, die der Alltag namens Hase schlägt, natürlich mittlerweile gut kennen, ist es uns daher umso wichtiger, so oft wie möglich mit den Kindern zu verschwinden, uns phasenweise auszuklinken. Das tut uns als Familie – und als Einzelnen – gut.
Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob es der Ausflug in den Harz für zwei Tage ist oder der mehrwöchige Trip durch Kanada. Der Tapetenwechsel, die Veränderung des Tagesablaufs, die Intensität der Familienzeit und die Flut an außergewöhnlichen Erlebnissen pusten allen die Birne frei, ordnen und sortieren die Basis und inspirieren zu frischen Taten. Nach Reisen sind wir eher bereit, neue Kapitel zu schreiben.
Special Reisebegleiter: ganz normale Ängste
»Ich heiße nicht Hanna, ich heiße Muschel-Sternschnuppe, der Vobel«, klärt mich meine kleine Tochter auf, grinst und guckt aus ihrem Fenster. »B« und »G« sind derzeit auf dem Vertauschmarkt schwer angesagt oder werden einfach ganz knallhart und rigoros aus den Wörtern gekickt. Wie sie auf den restlichen Namen kommt, keine Ahnung! Aus dem Radio dröhnt irgendein Top-20-Rotation-Hit, die Sonne schickt ihre ersten Strahlen, und wir düsen mit dem Auto durch den Frühnebel in Richtung Kindergarten. Ich drehe mich zu ihr um und sehe diesen kleinen Menschen mit seinem puppenhaften Profil und den lachenden Augen, dessen gesamte Gestalt man mit einem einzigen Blick erfassen kann. Ihre geflochtenen Zöpfchen ruhen links und rechts auf ihren Schultern, im Arm hält sie ihren Stoffhund und schaut vergnügt auf die vorbeirauschende Landschaft. In diesem Augenblick ist alles gut, alles richtig, fühlt sich das Leben so friedvoll und warm an. Pures Glück und tiefe Liebe durchströmen mich. Diesen Moment kann uns keiner nehmen. Aber zerstören: Als mich plötzlich das typische bösartige Radiograuen der Morning-Show mit dem Besten von überhört bis totgehört brutal in die Realität zurückzerrt, zucke ich zusammen und finde mich wieder vollends im Alltag meines kleinen einfachen Lebens in Hamburg. Und mit mir die Angst, die mich manchmal kurz vor unseren Familienreisen heimsucht. Es können noch so unkomplizierte Trips sein, wie nach Mallorca, Schottland oder Borkum, doch oftmals, vor allem nach dem Erlebnis eines intensiven Gefühls der Liebe und Harmonie, übermannt mich reflexartig die pure, nackte Angst. Angst davor, meine Kinder nicht immer schützen zu können. Angst davor, dies könnte der letzte Moment miteinander sein. Angst davor, gerade eine Veränderung zu provozieren, die doch gar nicht sein müsste. Bringen wir unsere Kinder nicht wieder zum x-ten Mal ego-getrieben in Gefahr, nur weil Kristy und ich diese Reise unternehmen wollen?
