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Mit Bewegung den Parkinson ausbremsen.
Mittlerweile gibt es sehr gute Medikamente zur Behandlung der Parkinson-Krankheit, aber auch Sie können ganz aktiv etwas tun:
Bewegen Sie sich! Egal ob in der Frühphase oder im fortgeschrittenen Stadium - zahlreiche Studien zeigen, dass durch körperliches Training die Durchblutung und die Verschaltungen im Gehirn verbessert werden. Dadurch erhalten und verbessern Sie Ihre Motorik und können weiteren Einschränkungen sogar entgegenwirken.
Elmar Trutt, langjährig erfahrener und leitender Physiotherapeut der Parkinson-Klinik Ortenau stellt Ihnen im Buch diejenigen Übungen und Sportarten vor, mit denen seine Patienten die besten Ergebnisse erzielen konnten. Profitieren auch Sie von Nordic Walking, Kraft- und Gleichgewichtsübungen und erfahren Sie, warum Tanzen und Spiele mit der Spielkonsole hervorragende Möglichkeiten sind, sich trotz der Diagnose Parkinson körperlich und geistig fit zu halten.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 161
Veröffentlichungsjahr: 2017
Elmar Trutt
1. Auflage
auch wenn es gute Medikamente für das idiopathische Parkinson-Syndrom gibt, haben es Betroffene selbst in der Hand, ihre Motorik, also Beweglichkeit, mit Übungsaktivitäten, Strategien und Bewegung bestmöglich zu erhalten. Die alltägliche Erfahrung und auch viele Untersuchungen zeigen, dass körperliches Training und die Schulung der Wahrnehmung beweglicher halten und sie deshalb ein wesentlicher Bestandteil der Therapie sind. Verstehen Sie Training und Medikamente nicht als gegensätzliche Ansätze! Beide Aspekte ergänzen einander. Eine gute Einstellung über Medikamente ist eine Grundvoraussetzung für Bewegung und somit auch unverzichtbar, um üben und trainieren zu können.
Das Buch gibt Ihnen und Ihren Angehörigen sowie Ihren Therapeuten viele Empfehlungen und Übungen, die Sie trainieren können. Gleichzeitig sollte Sie das nicht davon abhalten, sich physiotherapeutisch betreuen zu lassen. Mit den Übungen, die Sie im Buch finden, haben Betroffene und spezialisiert arbeitende Therapeuten gute Erfahrungen gemacht. Wichtig für Sie ist, dass Sie nicht unzählig viele verschiedene Übungen durchführen, sondern sich einige heraussuchen, die Sie regelmäßig mit Freude praktizieren.
Neben Übungen und Trainingsvorschlägen finden Sie in diesem Buch auch Tipps und Anregungen für schwerer betroffene Menschen und deren Angehörige. Themen wie Körperlagewechsel im Alltag sowie Stürze und Hilfsmittel haben ihren Platz. Sie sollen helfen, den Alltag besser und sicherer zu bewältigen.
Mein großes Anliegen an Sie, liebe Betroffene: »Machen Sie es dem Parkinson etwas schwerer und ärgern Sie ihn mit Bewegung!« Sie selbst sind in der Verantwortung, mit den durch das idiopathische Parkinson-Syndrom hervorgerufenen Schwierigkeiten so gut wie möglich umzugehen.
Es grüßt Sie herzlichst
IhrElmar Trutt
Morbus Parkinson gehört mit einer Prävalenz von 0,1–0,3 Prozent in Europa zu den häufigsten neurogenen Erkrankungen. Die Behandlung von Patienten mit Morbus Parkinson bleibt für die Physiotherapeuten eine Herausforderung. Eine Vielzahl von Problemen, die im Krankheitsverlauf auftreten, wie zum Beispiel Gang- und Gleichgewichtsdefizite spricht nur unzureichend auf Medikamente an. Aus diesem Grund spielt die Physiotherapie neben anderen nichtmedikamentösen Therapien eine wichtige Rolle in der erfolgreichen Behandlung von Patienten mit Morbus Parkinson.
Es gibt mittlerweile Studien, die zeigen, dass eine gezielte Therapie die parkinsonspezifischen Symptome und deren sekundäre Folgen hinauszögern oder reduzieren können. Daher ist Bewegung unumstritten ein wesentlicher Bestandteil der Gesundheitsfürsorge. Besonders Parkinson-Patienten mit ihrer Beeinträchtigung der Beweglichkeit können und sollten von einem ausgewogenen Bewegungs- und auch individuell angepassten Sportprogramm profitieren. Auch die gerade erst verabschiedete S3-Leitlinie betont noch einmal die positiven Effekte regelmäßiger Übungen im Hinblick auf die Symptomatik bei Parkinson-Patienten. Viele Studien haben dies nachhaltig dokumentiert und es entspricht dem heutigen Wissensstand, dass gerade regelmäßiges Bewegungstraining einen positiven Effekt auf die Symptomatik bei Parkinson-Patienten hat. Dabei sind auch die Angehörigen miteinzubeziehen, denn sie können auf diesem Wege mithelfen, die Lebensqualität von Parkinson-Patienten nachhaltig zu verbessern.
Bei der vorliegenden Lektüre des Parkinson-Übungsbuches wünschen wir Ihnen viel Freude und hoffen, dass Sie auf diesem Wege die ärztlichen Bemühungen durch entsprechende begleittherapeutische Übungen zu Ihrem eigenen Wohl unterstützen und die Anregungen im täglichen Leben umsetzen können.
Friedrich W. Mehrhoff,Deutsche Parkinson Vereinigung e. V., Neuss
Titelei
Liebe Leserin, lieber Leser,
Geleitwort
Bleiben Sie in der Frühphase aktiv
Warum als Parkinson-Betroffener aktiv sein?
Was Sie beim Üben beachten sollten
Übung 1: Lange Wadenmuskulatur dehnen
Übung 2: Hintere Oberschenkelmuskulatur dehnen
Übung 3: Vordere Oberschenkelmuskulatur dehnen
Welchen Stellenwert hat der Physiotherapeut?
Nordic Walking
Einfluss und Wirkung des Nordic Walking
Kreuzgang koordinieren
Wie gehen Sie vor?
Wie Sie trainieren sollten
Schritt I: Kreuzgang
Schritt II: Große Schritte
Schritt III: Große Armbewegungen
Schritt IV: Oberkörper aufrichten
Schritt V: Schulter gegen die Hüfte mitdrehen
Schritt VI: Handtechnik während des Schubs
Bergauf – Bergab
Laufbandtraining
Wie oft sollten Sie trainieren?
Erfahrungen aus der Klinik
Laufbandtraining starten
Training bei sicherem Gang
Training bei unsicherem Gang
Sie möchten sich weiter steigern?
Krafttraining und Gleichgewichtsübungen
Gründe für den Kraftverlust
Wer soll seine Kraft trainieren?
Übungen an Geräten
Kabelzug
Beinpresse
Rückentrainer
Welche Muskulatur sollten Sie trainieren?
Übungen für zu Hause
Gemeinsam statt einsam
Zeigen Sie die Zähne
Trainieren ohne Geräte
Übung 1: Beine und Gesäß kräftigen
Übung 2: Rückenmuskulatur mitkräftigen
Übung 3: Rückenmuskulatur kräftigen
Übung 4: Rumpf- und Beinmuskulatur kräftigen
Übung 5: Rücken, Gesäß und Beine kräftigen mit dem Ball
Übung 6: Vordere Rumpfmuskulatur dehnen, vordere Faszien mobilisieren
Übung 7: Bauchmuskulatur trainieren
Anspruchsvolle Gleichgewichtsübungen für zu Hause
Labile Unterfläche: Spielend drehen
Labile Unterfläche: Ausfallend schreiten
Labile Unterfläche: Gehend kreuzen
Labile Unterfläche: Partnerschaftlich üben
Andere Methoden und Übungen
Was ist BIG?
Wie funktioniert das?
Was sagen wissenschaftliche Erkenntnisse?
Für welche Betroffenen ist die Methode geeignet?
Effektive, aber anstrengende und anspruchsvolle Therapie
Therapie verordnet bekommen
Aktiv mit Sport gegen Parkinson
Was bringt der Sport?
Übertreiben Sie es?
Tanzen bei Morbus Parkinson
Warum schneidet der argentinische Tango so gut ab?
Klinische Erfahrungen
Tai Chi Chuan
Radfahren
Klinikerfahrung
Wie können Sie Ihre Motivation hochhalten?
Klinikerfahrung
Hilfen bei Fortschreiten der Erkrankung
Mobil und im Gleichgewicht bleiben
Konzentrieren Sie sich auf eines, kein Dual-Tasking!
Mit dem Tremor leben
Den Tremor kontrollieren
Gleichgewicht erhalten
Erkenntnisse aus Studien
Was sollten Sie beim Gleichgewichtstraining beachten?
Klinikerfahrungen
Übung 1: Einbeinstand
Übung 2: Tandem
Übung 3: Treppenstand
Übung 4: Zwischen den Stühlen
Übung 5: Klebeband
Übung 6: Luftballon schlagen
Beeinträchtigungen des Gehens
Welche Möglichkeiten haben Sie, Ihr Gehen zu verbessern?
Klinikerfahrungen
Was sollten Sie beachten beim Treppensteigen?
Treppe hoch
Treppe runter
Motorische Blockaden (Freezing) des Gehens
Was sind Blockaden?
Wie sehen Freezing-Episoden aus?
Eine besondere Form der Gehstörung: Festinationen
Was können Sie tun?
Was ist die Cueing-Methode?
Funktioniert Cueing immer?
Welche Cues können Sie nutzen?
Hilfsmittel Rollator
Fehlhaltungen des Rumpfes
Gemäßigte Rumpffehlhaltung
Was können Sie tun?
Übung 1: Stehend an der Wand
Übung 2: Theraband am Türgriff
Übung 3: Hocker an der Wand
Übung 4: Türrahmen drücken
Übung 5: Pezziball drücken
Übung 6: Muskeln und Faszien dehnen
Extrem nach vorn gebeugter Rumpf (Kamptokormie)
Was können Sie tun?
Übung 1: Stuhllehnen-Stütz
Übung 2: Stab schwingen
Übung 3: Hüftbeugemuskulatur dehnen
Übung 4: Brustmuskulatur dehnen
Übung 5: Wandkrabbeln
Übung 6: Untere Muskulatur kräftigen
Extrem zur Seite geneigter Rumpf (Pisa-Syndrom)
Was können Sie tun?
Übung 1: Wandstand
Übung 2: Wandsitz mit Stab
Übung 3: Lange Seite kräftigen
Übung 4: Kurze Seite dehnen
Übung 5: Drehdehnlagerung
Übung 6: Im Türrahmen dehnen
Extrem nach unten geneigter Kopf
Was können Sie tun?
Übung 1: Kopf drücken und drehen
Übung 2: Kopf aufrichten
Übung 3: Kopf und Theraband
Körperlagewechsel und Sturzprophylaxe
Tipps und Techniken, um sich zu positionieren
Wie Sie vom Sitzen zum Stehen kommen
Übung: Das Aufstehen vom Stuhl trainieren
Bett: Umdrehen und Ein- sowie Aussteigen
In das Bett einsteigen
Aus dem Bett aussteigen
Weitere Aufstehhilfe
Im Bett umdrehen
Übung 1: Drehen und Wenden verbessern
Übung 2: Gesäß anheben
Sturzrisiko und Stürze
Was führt zum Sturz?
Wie können Sie Stürze vermeiden?
Stürze vermeiden, äußere Einflüsse verändern
Stürze vermeiden, Raum anpassen
Stürze vermeiden durch geeignetes Verhalten
Stürze vermeiden, innere Einflüsse beachten
Gehhilfsmittel
Danksagung
Service
Literatur
Autorenvorstellung
Sachverzeichnis
Impressum/Access Code
Wenn Sie sich in der Frühphase der Erkrankung befinden, heißt Ihr Motto: Bewegen. Trainieren Sie, was gefällt – Gleichgewichts-, Kraft- und Ausdauertraining.
Finden Sie Ihren Weg, den Körper zu trainieren. Alles, was man heute weiß, deutet darauf hin, dass Sie die Parkinson-Erkrankung mit Bewegung positiv beeinflussen können.
Körperliche Aktivitäten, z. B. als länger andauerndes Trainieren mit vielen Wiederholungen, beeinflussen die Durchblutung und die Verschaltungen im Gehirn. Das konnten mehrere Untersuchungen nachweisen. Sportliche Aktivitäten sorgen außerdem dafür, dass der Körper vermehrt Dopamin produziert. Geeignete Aktivitäten sind z. B Tanzen, Nordic Walking/Wandern, Tai Chi Chuan, Qi Gong, Rad fahren, Schwimmen, Box- und Karatetraining, Pilates.
Das Ziel der Aktivitäten ist nicht, dass Sie sich völlig erschöpfen oder gar komplett unbeweglich werden. Passen Sie die Aktivität an Ihre individuelle motorische Situation an. Zudem gilt: Je früher Sie im Krankheitsverlauf mit intensivem Üben beginnen, desto größer scheinen die Verbesserungen zu sein. Ein Beispiel: Mit einem 4-monatigen Training, das aus aktiven und passiven Mobilisationsübungen bestand, konnte ein Parkinson-Betroffener mit drei Übungsstunden pro Woche sein Gleichgewicht und seine Körperhaltung deutlich verbessern. Betroffene mit geringerer körperlicher Einschränkung und kürzerer Krankheitsdauer verbesserten sich beim Gehen deutlicher als Betroffene mit längerer Krankheitsdauer und mit stärkeren Einschränkungen. Aufgrund dieser Erkenntnisse wird zunehmend diskutiert, ob regelmäßige Ausdaueraktivität den Krankheitsverlauf mildert oder gar verzögert.
Viele Studien zeigen, dass sich in den frühen Stadien der Erkrankung (Hoehn & Yahr I-III) die Motorik verbessert, wenn Sie über einen längeren Zeitraum (sechs bis zwölf Wochen) intensiv trainieren. Ein entscheidender Faktor dabei ist Ihre Motivation! Die Bewegung wirkt positiv auf Stimmung, Schmerzen, Kraft, Gleichgewicht, Schrittlänge und Schrittgeschwindigkeit sowie Aktivitäten des täglichen Lebens.
Auch viele andere Therapieansätze und Ausdaueraktivitäten führen zu guten Ergebnissen. Beispiele sind physiotherapeutische Behandlungen wie Lokomotionstraining auf dem Laufband, Gleichgewichts- sowie Koordinationstraining und parkinsonspezifische Verfahren wie die ▶ LSVT/BIG-Methode und andere ▶ Aktivitäten und Übungen für die Frühphase.
Parkinsonmonster ärgern
Vielen Betroffenen hilft es, sich das Parkinson-Syndrom als Monster vorzustellen. Und das ist dann traurig, wenn Sie körperlich aktiv sind! Denn das hält das Monster klein. Bieten Sie dem Parkinson-Syndrom die Stirn. Üben und trainieren Sie kontinuierlich und beginnen Sie damit möglichst früh – nutzen Sie auch spezifische physiotherapeutische Verfahren, die Ihre motorischen Fähigkeiten verbessern.
Einige Aspekte sollten Sie bei Ihrem Training stets beachten:
Trainieren Sie nicht direkt nach den Mahlzeiten (besser circa zwei Stunden später).
Falls Wirkschwankungen der Medikamente bestehen, trainieren Sie immer in Phasen mit einer guten Medikamentenwirkung (On-Phase).
Machen Sie beim Üben immer möglichst große Bewegungen. Versuchen Sie, diese auch im Alltag zu praktizieren. Damit wirken Sie den kleiner und langsamer werdenden Bewegungen (Hypokinese und Bradykinese) entgegen. Das heißt: Sie sind ständig im Trainingslager, denn der Alltag ist die beste Übungsplattform. Versuchen Sie, die großen Bewegungen in Ihrer täglichen Routine einzusetzen.
Die Übungen sollten Sie nicht überfordern, aber auch nicht unterfordern. Es ist wichtig, dass Sie Ihre individuelle Leistungsgrenze erkennen und das Training darauf abstimmen. Für das Ausloten Ihrer Belastbarkeit sollten Sie Ihren betreuenden Therapeuten zurate ziehen.
Sind Ihre körperlichen Einschränkungen eher gering, sollten Sie Trainingstage festlegen und mindestens drei- bis viermal die Woche 30–60 Minuten üben.
Sind Sie schwerer betroffen, können Sie zeitlich oft nur kurze Übungsphasen durchführen. Auch dann: Üben Sie durchaus täglich, entsprechend Ihrer Belastbarkeit.
Haben Sie Gleichgewichtsprobleme und besteht die Gefahr, dass Sie stürzen, wählen Sie Ihren Übungsplatz so, dass Sie abgesichert sind. Am besten, Sie trainieren in einer Zimmerecke mit dem Rücken zur Ecke stehend. Sie sollten sich jederzeit festhalten können. Entfernen Sie gefährliche Gegenstände, die eventuell im Weg stehen. Ein Angehöriger könnte mit seiner Anwesenheit zusätzlich für Sicherheit sorgen.
Achten Sie auf einen gut beleuchteten Übungsplatz.
Falls Sie als Medikament Betablocker einnehmen, sollten Sie nicht in extremen Belastungsbereichen trainieren.
Da Ihre Wahrnehmung für die Bewegungsausmaße verändert ist, können ein Spiegel oder ein Angehöriger für Sie als Korrekturhilfe sehr von Vorteil sein.
Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit vor, während und auch nach den Aktivitäten.
Falls Sie noch unter anderen Erkrankungen leiden, z. B. orthopädischen oder internistischen Beschwerden, stimmen Sie das Training mit Ihrem zuständigen Arzt ab.
Sie profitieren genauso wie gesunde gleichalterige Menschen, allerdings benötigen Sie eine höhere Trainingsdosis als diese.
Welche Schwierigkeiten können beim Üben auftreten?
Schwindel und Benommenheit
Maßnahme 1: Halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt – hat er grünes Licht gegeben, beachten Sie Maßnahme 2–4.
Maßnahme 2: Trainieren Sie mit weniger Intensität; tritt keine Besserung ein, pausieren Sie kurz und versuchen Sie es danach erneut.
Maßnahme 3: Achten Sie darauf, ausreichend zu trinken. Im Zweifelsfall lieber ein Glas Wasser mehr!
Maßnahme 4: Messen Sie Ihren Blutdruck, da es in seltenen Fällen zu einem belastungsabhängigen Blutdruckabfall kommen kann. Ist das der Fall, sollten Sie besser im Beisein einer Person trainieren.
Krampfende, schmerzhafte Muskulatur
Maßnahme 1: Machen Sie eine Pause und versuchen Sie, danach weiterzumachen.
Maßnahme 2: Reduzieren Sie den Schweregrad der Übung.
Maßnahme 3: Dehnen Sie die betroffene Muskulatur mit den ▶ folgenden Übungen und trainieren Sie danach mit etwas weniger Intensität weiter.
Zunehmende Sturzneigung
Maßnahme: Wählen Sie leichtere Übungen. Falls die Sturzneigung bleibt: Üben Sie bitte mit Festhalten.
Zunahme des Tremors
Das ist oft bei Anstrengung und bei Aufregung der Fall, sollte Sie aber nicht vom Üben abhalten.
Beweglichkeit lässt nach
Meist verschlechtert sich die Beweglichkeit dadurch, dass die Wirkung der Medikamente nachlässt.
Maßnahme: Brechen Sie das Training ab und nehmen Sie das Training in einer guten Phase wieder auf.
Körpertemperatur regulieren
Durch die Erkrankung verringert sich bei etwa der Hälfte der Betroffenen die Fähigkeit, die Körpertemperatur zu regulieren, und die Hitzetoleranz sinkt ab.
Maßnahme: Trainieren Sie deshalb nicht bei zu großer Hitze, in direkter Sonne oder bei zu hoher Zimmertemperatur.
Training stoppen
Bitte stellen Sie das Training ein und wenden Sie sich an Ihren Arzt bei:
Engegefühl oder Schmerzen in der Brust
außergewöhnlicher Atemlosigkeit
ausbleibenden Herzschlägen oder unrhythmischen oder hochfrequenten Herzschlägen
Übelkeit
kalten Schweißausbrüchen
Hoehn-&-Yahr-Einteilung: Um die Krankheitsstadien beschreiben zu können, wird die modifizierte Hoehn-&-Yahr-Skala verwendet. Sie ist benannt nach zwei amerikanischen Parkinson-Expertinnen. Die Skala ist nur eine grobe Stadieneinteilung. Die Einschätzung erfolgt aufgrund der motorischen Beeinträchtigung und berücksichtigt nicht die nichtmotorischen Symptome (z. B. vegetative Symptome, Demenz).
Die Einteilung der Stadien der Parkinson-Erkrankung nach Hoehn und Yahr.
Stadium
Symptome
Stadium 0
Keine Krankheitssymptome
Stadium 1
Einseitige Symptome mit minimaler oder fehlender Funktionseinschränkung
Stadium 2
Leichte beidseitige Symptome ohne Gleichgewichtsstörungen
Stadium 3
Leichte bis mäßige beidseitige Symptomatik, leichte Gleichgewichtsprobleme, körperlich selbstständig. Die Behinderung kann schwach bis mäßig ausgeprägt sein.
Stadium 4
Schwere Symptomatik. Betroffene sind noch eingeschränkt mobil, sind aber schon deutlich in ihren Alltagsaktivitäten eingeschränkt.
Stadium 5
Betroffener ist ohne fremde Hilfe an den Rollstuhl gebunden oder bettlägerig.
Beginnen Sie damit, die Beine zu dehnen:
Führen Sie einen großen Ausfallschritt durch und stützen Sie sich mit Ihren Händen an der Wand ab. Beide Füße zeigen nach vorn.
Verlagern Sie das Körpergewicht so weit nach vorn, bis Sie spüren, wie sich die Wade des hinteren Beins dehnt. Achten Sie darauf, dass die Ferse am Boden bleibt und der hintere Fuß nicht nach außen dreht.
Halten Sie die Dehnung 30–60 Sekunden, danach wechseln Sie die Schrittstellung – das andere Bein kommt nach vorn.
Nun machen Sie mit der Muskulatur des Oberschenkels weiter:
Stellen Sie sich hin und strecken Sie das Standbein durch.
Stellen Sie das andere Bein etwas erhöht ab, z. B. auf einem Hocker.
Beugen Sie den Oberkörper nach vorn und versuchen Sie, das Knie, das auf dem Hocker steht, langsam zu strecken. Lassen Sie den Fuß dabei locker.
Halten Sie die Dehnung 30–60 Sekunden, danach Beinwechsel.
Bei Standunsicherheit bitte festhalten.
Diese Übung fordert auch Ihr Gleichgewicht ordentlich heraus:
Aus dem Stand greifen Sie mit der rechten Hand den rechten Fußrücken.
Spannen Sie die Bauchmuskeln an, sodass das Becken nicht in eine Hohlkreuzposition ausweichen kann.
Ziehen Sie den Fuß in Richtung Gesäß, sodass das Knie nach unten zeigt.
Halten Sie die Dehnung ca. 30–60 Sekunden, danach Beinwechsel.
Die Übung können Sie auch im Sitzen durchführen.
Achtung Führen Sie den Fuß nur so weit an das Gesäß, dass Ihr Knie nicht schmerzt. Verzichten Sie in diesem Fall auf die Übung. Rückenschmerzen können durch Ausweichbewegungen des Beckens ausgelöst werden.
Ihr Physiotherapeut ist ein wichtiger Begleiter, der mit Rat und Tat an Ihrer Seite sein sollte – und er sollte Erfahrung haben im Umgang mit Parkinson-Betroffenen. Das Wissen zum Thema Parkinson kommt in der Ausbildung meist zu kurz. Zum Glück können Physiotherapeuten heute eine extra Fortbildungen zum Thema machen. Falls Ihr Therapeut so eine Fortbildung schon besucht hat, werden Sie sicher davon profitierten. Kenntnisse über Parkinson sind sehr umfangreich und speziell und werden immer bedeutsamer, da es immer mehr Betroffene gibt – das auch aufgrund der demografischen Entwicklung. Häufig empfiehlt die medizinische Literatur, einen Physiotherapeuten erst in fortgeschrittenen Phasen der Erkrankungen aufzusuchen. Aber: Betroffene, die bereits in der Frühphase hin und wieder in bestimmten Abständen Kontakt zu Ihrem Therapeuten haben, sind besser informiert und haben meist schon einen Trainingsvorteil gegenüber Betroffenen, die noch keinen Therapeuten gesehen haben. Des Weiteren gilt:
Ergänzende Informationen finden
Ergänzend gibt es eine Therapiebroschüre für Physiotherapeuten, die Sie bei der Deutschen Parkinson Vereinigungen bestellen oder per Download abrufen können:
www.parkinson-vereinigung.de/shop/products/physiotherapie-bei-patienten-mit-parkinson-syndrom
Therapeuten aus Parkinsonfachkliniken haben darin ihr spezialisiertes Wissen und ihre Erfahrungen gesammelt, das viele hilfreiche Informationen und Anregung für ambulant arbeitende Physiotherapeuten enthält.
Unter www.parkinsonnet.de können Sie die europäischen Leitlinien für Physiotherapeuten herunterladen. Die Leitlinien sind von 20 europäischen Berufsverbänden entwickelt worden. Darin finden Sie auch viele Anregungen für sich selbst – z. B. zum Thema Selbstmanagement.
Suchen Sie so bald wie möglich nach der Diagnosestellung einen Therapeuten auf, damit er Ihnen ein Übungsprogramm an die Hand geben kann.
Stimmen Sie Ihre individuellen Ziele mit ihm ab. Die Behandlungsdauer sowie die Behandlungsfrequenz sind abhängig von Ihrer Situation und Ihren Zielen.
Haben Sie Probleme, die hauptsächlich in Ihrem häuslichen Umfeld auftreten, sollte der Physiotherapeut bei Ihnen vor Ort die Situation beobachten.
In den anfänglichen Stadien müssen Sie den Therapeuten nicht regelmäßig konsultieren, sondern nur immer wieder einmal. So kann sich der Therapeut ein gutes Bild von Ihrem Zustand und eventuellen Veränderungen machen. Erst im Verlauf der Erkrankung wird die Therapiefrequenz zunehmen.
Es wäre für Sie von Vorteil, wenn Sie eine Betreuungsperson hin und wieder zu Ihrem Therapeuten mitnehmen könnten. Die Person könnte Ihnen beim Umsetzen und Üben hilfreich zur Seite stehen.
Wichtig ist es, dass der Therapeut in bestimmten Abständen das Übungsprogramm für zu Hause anpasst.
Nordic Walking trainiert das Gehen sehr gut – vor allem, wenn Sie es gerne tun. Noch mehr Spaß kann es machen, wenn Partner oder Angehörige mittrainieren.
Der Hintergrund ist: Beim Nordic Walking trainieren Sie durch den aktiven Stockeinsatz die Schulterbeweglichkeit und den oft verminderten Armschwung. Die großen Armbewegungen haben außerdem oft einen positiven Einfluss auf die Schrittlänge.
Was sagen dazu medizinische Untersuchungen? Wenn Sie zwei- bis dreimal 60–90 Minuten pro Woche trainieren, können Sie Schrittgeschwindigkeit und Schrittlänge in der geübten Gehgeschwindigkeit nachweislich verbessern. Des Weiteren verbessern sich die Ausdauer und das Gleichgewichtsverhalten sowie Ihr allgemeines Wohlbefinden. Einige Teilnehmer berichteten, ihre Beinschmerzen seien zurückgegangen. Die Gesamttrainingsdauer der meisten Untersuchungen erstreckte sich über Zeiträume von zehn bis zwölf Wochen.
Weitere positive Effekte zeigten sich bei:
Koordination (Kreuzgang)
Rumpfbeweglichkeit
Haltung
Muskeltonus
Armbeweglichkeit
Stimmung
Stoffwechsel (z. B. Gelenke, Muskulatur)
