Parson und Jack Russell Terrier - Petra Hagemeier - E-Book

Parson und Jack Russell Terrier E-Book

Petra Hagemeier

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Beschreibung

Parson und Jack Russell Terrier wurden seit Jahrhunderten für die Jagd im Fuchsbau gezüchtet und verwendet. Heute wird der kernige Naturbursche vor allem als fröhlicher Familienhund und Begleiter – vor allem auch beim Reiten – geschätzt. Dieser kompetente Ratgeber aus der Reihe "PraxisWissen Hund" bietet geballtes Wissen über Auswahl, Haltung, Erziehung und Beschäftigung der temperamentvollen und nicht ganz unkomplizierten Rasse. Er gibt Ersthundehaltern Sicherheit und garantiert mit praxisnahen Tipps ein harmonisches Zusammenleben von Mensch und Hund.

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Seitenzahl: 158

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dieses E-Book ist die digitale Umsetzung der Printausgabe, die unter demselben Titel bei KOSMOS erschienen ist. Da es bei E-Books aufgrund der variablen Leseeinstellungen keine Seitenzahlen gibt, können Seitenverweise der Printausgabe hier nicht verwendet werden. Stattdessen können Sie über die integrierte Volltextsuche alle Querverweise und inhaltlichen Bezüge schnell komfortabel herstellen.

Lebhaft, mutig und charmant

Russell Terrier sind beliebte sportliche Freizeitpartner, wertvolle Jagdhelfer und unterhaltsame Familienhunde. Die schlauen Jagdhunde sind vielseitig einsetzbar und perfekte Begleiter für aktive Menschen. Lesen Sie alles über die Ansprüche, Erziehung und zahlreichen Beschäftigungsmöglichkeiten.

© Anna Auerbach/Kosmos

SO SIND RUSSELL TERRIER

— zum Wesen der Rasse

Ein lebhaftes und aktives Erscheinungsbild mit furchtloser und fröhlicher Veranlagung wird im Rassestandard des selbstbewussten Russell Terriers beschrieben, der weder ängstlich noch aggressiv sein soll.

© Anna Auerbach/Kosmos

Jagdhund. Der Russell Terrier ist ein vollwertiger Jagdhund, der ursprünglich für die Arbeit am Fuchsbau gezüchtet worden ist. Eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein und viel Mut gehören zu den grundlegenden Eigenschaften dieser cleveren kleinen Hunde. Klare Linien und souveräne Führung sind bei der Erziehung eines Russells erforderlich.

© Anna Auerbach/Kosmos

Neugierig und aufgeweckt. So schaut der Russell Terrier in die Welt. Nicht nur optisch ist jeder von ihnen ein absolutes Einzelstück. Kein Russell Terrier gleicht 1:1 dem anderen.

© Anna Auerbach/Kosmos

Aktiv und energiegeladen. Russell Terrier sind gesellige Hunde und spielen bei gegenseitiger Sympathie gerne und ausdauernd mit Artgenossen.

© Anna Auerbach/Kosmos

Kinderfreund. Mit Kindern kann der Russell Terrier unter Aufsicht sehr gut harmonieren und genießt auch gerne entspannte Kuscheleinheiten.

© Anna Auerbach/Kosmos

Schnell und wendig. Bei passender Erziehung sind Russell Terrier großartige Familienhunde. Und auch für sportliche Aktivitäten sind die kleinen Energiebündel immer zu begeistern. Agility ist dabei nur eine von vielen Möglichkeiten.

SO SIND RUSSELL TERRIER

— Geschichte und Wesen

© Anna Auerbach/Kosmos

UNTERSCHEIDUNG DER TYPEN

Kaum eine Rasse ist bezüglich des Namens so umstritten wie der Russell Terrier. So hören Sie sicher oft die Bezeichnungen Jack Russell Terrier, Parson Russell Terrier, Parson Jack Russell Terrier.

Sind das alles unterschiedliche Rassen? Unterschiedliche Typen Hund? Oder unterschiedliche Namen für ein und denselben Typ Hund? Versuchen wir, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

RASSEBEZEICHNUNG

Jack Russell Terrier, Parson Russell Terrier, Parson Jack Russell Terrier – alle drei Namen gehören zu den aktiven, weißen Russell Terriern. Als Jack Russell Terrier wird der niederläufige (kurzbeinige) Typ bezeichnet. Der Parson Russell Terrier ist der hochläufige (langbeinige) Typ. Bei beiden Typen ist es nicht relevant, welche Fellstruktur der Hund hat. Sowohl glatt- als auch stock- und rauhaarige Russell kommen bei beiden Typen vor. Daher kann auch mit dem Gerücht aufgeräumt werden, dass es sich beim Jack Russell um glatthaarige und beim Parson Russell um rauhaarige Terrier handelt; diese Aussage ist schlichtweg falsch. Der „Parson Jack Russell Terrier“ kann umgangssprachlich zum „Parson Russell Terrier“ gezählt werden, das ist die korrekte Bezeichnung – also ohne „Jack“ dazwischen.

© Anna Auerbach/Kosmos

Egal ob Jack Russell Terrier oder Parson Russell Terrier – jeder Typ ist ein Energiebündel für sich.

VDH- / FCI-TYP

Die beiden im vorigen Absatz (siehe hier) beschriebenen Typen Jack Russell Terrier und Parson Russell Terrier sind als eigenständige Rassen im internationalen Hundezuchtverband der FCI bzw. deren deutschen Zuchtverbänden im VDH gelistet.

© Petra Hagemeier

Rauhaariger Jack Russell Terrier nach FCI-Standard

ENGLISCHER STANDARD

Zudem gibt es noch den originalen englischen Standard des Russell Terriers. Hier ist die korrekte namentliche Bezeichnung „Jack Russell Terrier“. Der Jack Russell Terrier nach englischem Standard bezeichnet den Typ des Russell Terriers, wie er ursprünglich in Großbritannien entstanden ist. Hier sind ausschließlich hochläufige (langbeinige) Terrier mit einer Schulterhöhe von 25,4 – 38,1 cm zu finden, die in der Regel von etwas kraftvollerer Statur sind als die beiden VDH- / FCI-Typen. Auch bei diesem Typ sind alle Haararten vertreten. Im Jack Russell Terrier Club of Great Britain wird seit 1974 der Jack Russell Terrier gezüchtet, wie er Ende des 19. Jahrhunderts vom Begründer und Namensgeber der Rasse, dem Reverend John „Jack“ Russell gezüchtet wurde.

© Anna Auerbach/Kosmos

Stockhaariger Jack Russell Terrier nach englischem Standard

ENTSTEHUNG UND GESCHICHTE

Der Russell Terrier hat seinen Ursprung als Jack Russell Terrier in England, dem Mutterland vieler Hunderassen. Dort wurde die Rasse ursprünglich nicht nach Jack Russell Terrier und Parson Russell Terrier unterschieden, es gab einfach nur den einen – den Jack Russell Terrier.

Der Pfarrer John „Jack“ Russell suchte als begeisterter Fuchsjäger und Reiter im frühen 19. Jahrhundert vergeblich nach einem Terrier, der weniger hart war, als die damals zur Jagd eingesetzten Terrier, die oftmals den Fuchs nicht nur aufspüren, sondern auch gleich töten wollten. Zudem suchte er Hunde, die absolut sozialverträglich waren, damit sie problemlos in einer Meute zur Jagd eingesetzt werden konnten.

Bei einem Spaziergang traf er im Jahr 1819 einen Milchmann. Dieser besaß eine kleine Terrier-Hündin, die genau seinen Wunschvorstellungen entsprach. Sie war von kompaktem Körperbau in der Größe eines Fuchses, hatte drahtiges, festes und hauptsächlich weißes Fell mit nur wenigen farblichen Marken. Er kaufte sie vom Fleck weg und so wurde die Hündin „Trump“ (siehe hier) zur Stammmutter der Jack Russell Terrier.

© aus Räber, Enzyklopädie der Rassehunde, Bd. 2, Kosmos-Verlag

John „Jack“ Russell suchte mit viel Herzblut und Passion einen nach seinen Vorstellungen brauchbaren Jagdhund.

Nach gut 30 Jahren hatte der jagende Pfarrer im Jahr 1850 sein persönliches Ziel erreicht. Er hatte den Jack Russell Terrier durch fortwährende Einkreuzung verschiedener Terrier-Arten nach seinen Idealvorstellungen gezüchtet. Einen Hund, der den Fuchs nicht tötet, sondern aufspürt und stellt, dabei arbeitswillig und sozialverträglich ist. Er züchtete übrigens niemals speziell für Ausstellungen nach optischen Merkmalen, sondern reinweg für die rassespezifische vollwertige Brauchbarkeit zur Jagd.

© aus Räber, Enzyklopädie der Rassehunde, Bd. 2, Kosmos-Verlag

Die Terrier-Hündin „Trump“ wurde zur Stammmutter der Russell Terrier.

Zum besseren Verständnis wird die Rasse im Folgenden lediglich „Russell Terrier“ genannt. Diese Bezeichnung beinhaltet sowohl den Jack Russell Terrier als auch den Parson Russell Terrier.

URSPRÜNGLICHE VERWENDUNG

Die ursprüngliche Verwendung des Russell Terriers ist die Baujagd auf Füchse. Diese Arbeit unter der Erde liegt ihm voll im Blut, doch im Gegensatz zu anderen Terrierrassen arbeitet der Russell Terrier nicht mit blinder Schärfe, beißt sich nicht kopflos fest. Er liegt lautgebend vor dem Fuchs, fährt kurze, heftige Attacken gegen ihn und bringt ihn so dazu, aus dem Bau zu flüchten bzw. zu „springen“. Wegen dieser Arbeitsweise wird der Russell Terrier auch oft als „Gentleman“ unter den Terriern bezeichnet.

Während der Russell Terrier in England überwiegend klassisch bei der Baujagd gearbeitet wird, werden bei uns in Deutschland die zahlreichen Talente dieses klugen weißen Hundes in verschiedenen Aufgabenbereichen bei der Jagd, auch über der Erde, geschätzt. Dazu zählt seine Apportierfreude, die bei der Feder- und Haarwildjagd nützlich ist. Kleineres Haarwild wie mittelgroße Hasen oder Kaninchen stellen kein Problem für ihn dar. Bei der Wasserjagd ist der wasserfreudige Russell Terrier ein wertvoller Helfer, der mit Passion und Ausdauer zuverlässig das Wasserwild aufstöbert. Mit seinem ausgeprägten Spurwillen und seiner feinen Nase wird der flexible Jagdhund auch erfolgreich bei Nachsuchen eingesetzt. Auch bei Drückjagden sind Russell Terrier im Einsatz und tragen durch ihren extremen Finderwillen dazu bei, Schwarzwild aufzuspüren und zu stellen, sind jedoch schlau genug, sich nicht darin zu verbeißen.

Ein weiteres Arbeitsfeld der Russell Terrier ist die Rattenjagd. Ob nun auf dem Bauernhof oder im Reitstall – Terrier halten als kompromisslose Arbeiter sehr wirkungsvoll die Umgebung frei von den lästigen Nagern. In der professionellen Schädlingsbekämpfung wird inzwischen erfolgreich mit Russell Terriern gearbeitet. Ohne Chemie werden die Hunde, manchmal auch in Kooperation mit Frettchen, zur wirkstofffreien Bekämpfung bei Überpopulation von Ratten eingesetzt, beispielsweise auf Hühnerfarmen, in Getreidespeichern oder in landwirtschaftlichen Betrieben.

© Sebastian Grell

Russell Terrier sind begnadete Mäuse- und Rattenjäger.

© Anna Auerbach/Kosmos

Bei der Jagd kann ein Russell Terrier vielfältig eingesetzt werden.

WESEN

Freundlich, lustig, intelligent, lebhaft, quirlig – so werden die Russell Terrier meist beschrieben. Man liest aber auch Umschreibungen wie furchtlos, mutig, temperamentvoll, wachsam.

Alle Begriffe beschreiben das Wesen recht zutreffend. Oft eilt dem Russell Terrier auch der Ruf eines kläffenden, aggressiven und sturköpfigen Köters voraus, den man sich besser nicht anschafft, weil man sicher keine Freude damit hat. Aus meiner Erfahrung kann ich Ihnen versichern, dass Russell Terrier sehr liebenswerte und treue Hunde sind, die als große Charaktere in kleinen Körpern einfach unglaublich viel Freude bereiten.

Man darf aber nicht vergessen, dass Russell Terrier stets unerschrocken und selbstständig arbeitend auftreten. Denn die ursprüngliche Verwendung zur Baujagd erfordert viel Selbstbewusstsein und Mut beim Einschliefen in einen dunklen, unbekannten Fuchsbau, ohne zu wissen, wo es lang geht und wo der Fuchs sich aufhält. Zögern oder Unsicherheit würde schlimmstenfalls den Tod für den Hund bedeuten. Aufgrund dessen halten sich Russell Terrier oft für größer, als sie tatsächlich sind, und werden daher meist als größenwahnsinnig verschrien. Bei der Jagd werden aber nun einmal Hunde benötigt, die entschlossen und mit Intelligenz und Kreativität ihre Aufgaben selbstständig erfüllen. Im jagdlichen Einsatz nimmt der Russell Terrier teilweise sogar schwere Verletzungen in Kauf, die er zunächst aufgrund seiner hohen Trieblage meist selbst gar nicht bemerkt – was das Schmerzempfinden betrifft, sind Russell Terrier deutlich härter im Nehmen als andere Rassen.

Die meisten Russell Terrier sind übrigens keine Couchpotatos – das sei der Form halber an dieser Stelle erwähnt. Sicher wird es Ausnahmen geben, denen es vollkommen reicht, die meiste Zeit des Lebens gemütlich auf dem heimischen Sofa zu verbringen. Aber mehrheitlich sind die kleinen, weißen Hunde bei weitem keine Faulpelze und freuen sich, wenn Kopf und Körper gefordert werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich beim Russell Terrier, wie bei den meisten Hunderassen, sowohl liebenswerte als auch herausfordernde Wesenszüge finden. Sie werden aber sicher schnell feststellen, dass die liebenswerten überwiegen.

© Anna Auerbach/Kosmos

Sicherheit für alle Beteiligten. Ist der Hund nicht zuverlässig abrufbar, bleibt die Leine besser dran.

INDIVIDUALISTEN – KEIN HUND IST GLEICH.

Trotz gleicher Rassezugehörigkeit weist jeder einzelne Hund individuelle Charaktereigenschaften auf. Und so wird auch kein Russell Terrier genau wie der andere sein. Geben Sie jedem Hund die Chance, als eigene Persönlichkeit respektiert zu werden.

JAGDINSTINKT

Russell Terrier gehören zu den Jagdhunderassen, und genau für diesen Zweck, die Jagd, wurden sie ursprünglich gezüchtet. Egal, was viele Züchter ihren Interessenten vorgaukeln oder einigen Zuchtlinien nachgesagt wird – den Jagdtrieb kann man beim Russell Terrier nicht wegzüchten. Er ist genetisch bedingt vorhanden und wird bei jedem Welpen automatisch mitgeliefert, ob man das nun will oder nicht. Wie stark ausgeprägt der Jagdtrieb eines einzelnen Hundes dann tatsächlich ist, hängt vom jeweiligen Individuum ab und auch davon, wie daran gearbeitet wird. Aufgrund seiner genetischen Disposition wird ein Russell Terrier beim Spaziergang Mäuschen, Hase oder Reh blitzschnell bemerken und ihm nachstellen wollen. Wichtig ist, dass der Jagdtrieb beim Russell Terrier reglementiert wird. Ermöglichen Sie dem Hund niemals unkontrolliertes Jagen und Hetzen, genauso wenig wie Fangen und Töten. Ist er im Freilauf nicht zuverlässig kontrollierbar und abrufbar, gehört der Hund an die Leine. Denn andernfalls stellt er eine ernstzunehmende Gefahr für sich und andere dar.

Den Jagdtrieb können Sie jedoch in der Regel gut umlenken, indem Sie diese Motivation des Hundes in die Erziehung, Ausbildung und Beschäftigung integrieren.

WILLKOMMEN ZUHAUSE

— Auswahl und Eingewöhnung

© Anna Auerbach/Kosmos

BELIEBTER ALLROUNDER

Der Russell Terrier ist zweifelsohne ein kleiner Hund mit sehr großem Fanclub. In vielen Bereichen begleiten diese quirligen, pfiffigen Vierbeiner den Menschen unkompliziert und mit großer Begeisterung.

Egal, ob als reiner Familienhund, bei der Jagd, im Hundesport oder als Reitbegleithund. Der Russell Terrier ist ein absoluter Allrounder und daher scheinbar zu Recht sehr weit oben auf der Beliebtheitsskala der Hundeliebhaber.

KLEINER HUND – GROSSE ANSPRÜCHE

Aber der Russell Terrier bringt auch einige Anforderungen mit sich. Haben Sie bitte immer im Kopf, dass er zwar ein kleiner Hund ist, der jedoch große Ansprüche hat, denen Sie gerecht werden müssen. Nehmen Sie sich vor der Anschaffung eines Russell Terriers unbedingt die Zeit, sich ausgiebig über die Rasse zu informieren. Sprechen Sie mit verschiedenen Besitzern, mit den rassebetreuenden Zuchtverbänden und nicht zuletzt mit erfahrenen Züchtern von Russell Terriern. Aus dieser Vielfalt an Erfahrungen werden Sie wertvolle Informationen und neues Wissen vermittelt bekommen.

GEDANKEN VOR DEM HUNDEKAUF

Seien Sie ehrlich zu sich selbst und stellen sich bewusst die Frage, ob Sie ein ganzes Hundeleben lang für das neue vierbeinige Familienmitglied da sein können und wollen? Ein Russell Terrier hat durchaus eine Lebenserwartung von ca. 15 Jahren und mehr.

© Anna Auerbach/Kosmos

Klein, handlich, aufgeweckter Gesichtsausdruck. Lassen Sie zunächst einige nüchterne Gedanken vor dem Hundekauf zu, ehe Sie dem Charme des Russell Terriers erliegen.

Wenn Sie nicht gerade allein leben, lassen Sie unbedingt auch Ihren Partner, die Kinder, im Haushalt lebende Familienmitglieder oder WG-Mitbewohner zu Wort kommen. Ist wirklich jeder einverstanden, dass ein Russell Terrier einzieht? Fühlen sich alle beteiligten Personen wohl mit dem Gedanken? Hat unter Umständen jemand eine Tierhaarallergie? Wenn Sie nicht gerade im freistehenden Eigenheim wohnen, wie steht es mit Nachbarn im Haus oder dem Vermieter? Ein ungefragt angeschaffter Hund kann schnell zu Unstimmigkeiten führen. Nichts wäre schlimmer, als wenn der Vierbeiner gleich nach ein paar Tagen wieder ausziehen müsste, weil grundlegende Dinge Zuhause ungeklärt geblieben sind.

Und schließlich wird sich Ihr Leben inklusive bisherigem Tagesablauf vermutlich etwas ändern, wenn erst ein Vierbeiner einzieht. Der Hund möchte seine regelmäßigen Gassirunden und Beschäftigung haben und er muss bei jeder Wetterlage raus, um sich lösen zu können – jeden Tag.

Sind Sie bereit, auf Ihren Hund Rücksicht zu nehmen, was Ihre Urlaubsplanung betrifft? Wohin mit dem Russell Terrier, wenn Sie die große Flugreise planen? Haben Sie zusätzliche Kosten für die Hundepension einkalkuliert?

Haben Sie eine spontan verfügbare Vertretung, falls Sie selbst einmal krankheitsbedingt nicht in der Lage sind, sich um Ihren Hund zu kümmern?

© Anna Auerbach/Kosmos

Nicht jeder Russell Terrier mag gern gekuschelt werden. Unabhängig vom Geschlecht ist das eher eine Typfrage.

  9 FRAGEN, DIE SIE VOR DEM KAUF KLÄREN SOLLTEN

Haben Sie sich mit den Rasseeigenschaften beschäftigt? Russell Terrier sind kleine Hunde, die sehr niedlich aussehen. Leider wird oft vergessen, dass es sich um einen vollwertigen Jagdhund handelt. Die Erziehung ist anspruchsvoll und wird nicht selten unterschätzt. Als Einsteiger benötigen Sie sicher Unterstützung und sollten einen kompetenten Hundetrainer an der Hand haben.

Sind alle im Haushalt lebenden Personen einverstanden? Falls Sie nicht allein leben, lassen Sie Ihre Familie oder Mitbewohner zu Wort kommen. Nur, wenn alle im Haushalt lebenden Personen Ihre Entscheidung befürworten, ist der Russell Terrier auch wirklich willkommen.

Haben Sie genügend Zeit? Neben den täglichen Gassi-Runden möchte der Russell Terrier auch einige Stunden gemeinsame Beschäftigung genießen. Besonders das erste Jahr ist sehr zeitintensiv, bis aus dem wuseligen Welpen ein angenehmer erwachsener Hund wird.

Haben Sie ein stabiles Nervenkostüm? Bei der Erziehung eines Russells wird Ihnen sehr viel Konsequenz abverlangt. Zudem benötigen Sie viel Ruhe und Geduld. Oft werden Ihre Nerven vor eine Zerreißprobe gestellt. Und dann hat der Hund es auch verdient, dass Sie ihm mit Fairness und Verlässlichkeit begegnen.

Sind Sie gern draußen und wetterfest? Bei Wind und Wetter möchte Ihr Russell Terrier raus, um seine Geschäfte erledigen zu können. Gummistiefel und Regenjacke sollten zu Ihrer Grundausstattung gehören.

Mögen Sie Hundehaare? Auch wenn der Russell Terrier optisch kein wirkliches Fellmonster ist, seien Sie gewiss, dass Sie nicht ohne Hundehaare leben werden. Die widerspenstigen, meist weißen Haare piksen sich in Kleidung, Sofa und Autositz. Penibel sauber ist vorbei.

Wie steht es um Ihre Finanzen? Nur mit dem Kaufpreis für den Hund ist es nicht getan. Allein die Erstausstattung ist selbst bei dem kleinen Russell Terrier kostspielig. Dazu kommen laufende Kosten für Futter, Tierarzt, Haftpflichtversicherung, Hundesteuer, Hundefriseur und Hundeschule. Eventuell fallen weitere Kosten für eine Kranken- oder OP-Versicherung an.

Was ist im Urlaub? Sind Sie bereit, Ihre Urlaubsgewohnheiten umzustellen? Die Flugreise auf die Malediven zu tauschen gegen den Strandurlaub an der Ostsee oder Wandern am Bodensee? Falls nicht, kennen Sie eine gute Hundepension, in der Ihr Hund ohne Sie Urlaub machen kann? Oder kann er während Ihres Urlaubs bei Freunden oder Verwandten untergebracht werden?

Gibt es einen Plan B? Haben Sie jemanden, der Ihren Hund spontan nehmen kann, wenn einmal Sie krank sind oder Überstunden anfallen?

ANFÄNGERHUND ODER NICHT?

Dem Russell Terrier wird nachgesagt, dass er nichts für Anfänger sei. Es ist sehr richtig, sich mit dem Wesen und den Besonderheiten dieser Rasse vorab intensiv auseinanderzusetzen, da die unüberlegte Anschaffung eines Russell Terriers selten gut geht. Sehr oft wird leider schon nach den ersten Wochen oder Monaten wegen Überforderung ein neues Zuhause gesucht und der Russell wird als unerziehbarer Terrorist abgestempelt. Das ist vielfach so, weil man sich zu sehr von einem kleinen, niedlichen Hund hat blenden lassen, der von einigen Züchtern als toller Familienhund für sportliche Menschen angeboten wird. Natürlich kann auch ein Ersthundehalter mit einem Russell Terrier gut zurechtkommen, es erfordert aber manchmal Unterstützung von erfahrenen Züchtern und sachkundigen Hundetrainern auf dem Weg, ein Team zu werden. Wer sich darauf einlässt, dass ein Russell dabei einiges an Zeit, Schweißperlen, viel Konsequenz und manchmal auch Verzweiflung und Tränen kostet, wird schließlich mit einem liebenswerten, vielseitig einsetzbaren Hund belohnt, der ein zuverlässiger Begleiter in allen Lebenslagen ist.

Wichtig ist, dass Sie für Ihren Hund immer ein ehrlicher und verlässlicher Teampartner sind, an dem er sich jederzeit verbindlich orientieren kann. Sind Sie nicht konsequent und schaffen keine verbindlichen Spielregeln, werden diese Schlupflöcher vom Russell Terrier umgehend gefunden und zielstrebig zum eigenen Vorteil genutzt – welcher wiederum Ihr Nachteil sein wird. Der Russell kann sich zu einem waschechten Terroristen entwickeln, wenn man es nicht versteht, richtig auf ihn einzugehen und seinen individuellen Ansprüchen gerecht zu werden.

© Anna Auerbach/Kosmos

Der Russell Terrier stellt Ersthundehalter oft vor einige Herausforderungen.

ZEITLICHER AUFWAND

Der zeitliche Aufwand, den ein Hund in Anspruch nimmt, ist schlecht in Worte zu fassen.

Da ist zum einen der tägliche zeitliche Aufwand. Natürlich möchte Ihr Hund gern einige Male am Tag nach draußen, um „gelüftet“ zu werden. Sprich, er möchte seine kleinen und großen Geschäfte verrichten, bei jedem Wetter. Die Fütterung und Pflege nehmen ebenfalls täglich etwas Zeit in Anspruch. Und natürlich möchte Ihr Hund auch regelmäßig beschäftigt werden. Keine Angst – kein Hund, auch nicht der Russell Terrier, benötigt ein 24-Stunden-Entertainment. Ein ausgewogenes und dem Hund angepasstes Beschäftigungsmodell erfordert jedoch mitunter schon ein paar Stunden Zeit in der Woche.

Zum anderen ist da der längerfristige Zeitaufwand, der anfällt, um den Russell Terrier vom Welpen zum entspannten erwachsenen Begleiter heranwachsen zu lassen. Das erste Jahr im Hundeleben ist für den Zweibeiner in der Regel das zeitintensivste und arbeitsreichste. Stellen Sie sich besonders in der ersten Zeit auf einige kurze Nächte ein und auf geduldiges Erlernen der Spielregeln mit Ihrem Welpen. Es wird einige Tage und Wochen dauern, bis Ihr Welpe stubenrein ist und bis er nichts mehr zerkaut und zerstört, was Ihnen lieb ist. Behalten Sie die Nerven und bleiben Sie geduldig.

© Anna Auerbach/Kosmos

Die täglichen Gassi-Runden kann man ganz wunderbar auch als Familien-Spaziergang gestalten.

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