Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Border Collie Pauline soll eigentlich Besuchshund werden. Die Ausbildung dafür absolviert sie, wie sie sagt, im Schlaf. Doch zum Einsatz im Seniorenheim soll es einfach nicht kommen, weil jemand namens Corona etwas dagegen hat. Das versteht Pauline nicht! Wie so vieles in ihrem Leben. Dass der Bodensee so heißt, weil man dort den Boden sehen kann, ist logisch. Aber die Bäume im Schwarzwald sind genauso grün, wie anderswo und auch der Grund im Kahlgrund ist nicht kahl, sondern mit Bäumen und Büschen bewachsen. Und über die Himmelsleiter kommt man nicht in den Himmel, sondern landet irgendwo mitten im Wald. Solcherlei Aussagen bringen Pauline die Erkenntnis, dass Menschen schon sehr seltsame Tiere sind. Bis zu ihrem ersten richtigen Einsatz vergehen drei Jahre, während derer uns Pauline mitnimmt auf ihren Hof mit all seinen Tieren, auf ihre Urlaubsreisen, in ihre Hundeschule und schließlich ins Seniorenheim.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 159
Veröffentlichungsjahr: 2023
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Regina Haumaier
Pauline – Besuchshund im Lockdown
Texte: © 2022 Copyright by Regina Haumaier
Umschlag: © 2022 Copyright by Regina Haumaier
Verantwortlich
für den Inhalt: Regina Haumaier
Liebhartsberg 2
84570 Polling
Druck: epubli – ein Service der Neopubli GmbH, Berlin
Border Collie Pauline soll eigentlich Besuchshund werden. Die Ausbildung dafür absolviert sie, wie sie sagt, im Schlaf. Doch zum Einsatz im Seniorenheim soll es einfach nicht kommen, weil jemand namens Corona etwas dagegen hat. Das versteht Pauline nicht! Wie so vieles in ihrem Leben.
Dass der Bodensee so heißt, weil man dort den Boden sehen kann, ist logisch. Aber die Bäume im Schwarzwald sind genauso grün, wie anderswo und auch der Grund im Kahlgrund ist nicht kahl, sondern mit Bäumen und Büschen bewachsen. Und über die Himmelsleiter kommt man nicht in den Himmel, sondern landet irgendwo mitten im Wald. Solcherlei Aussagen bringen Pauline die Erkenntnis, dass Menschen schon sehr seltsame Tiere sind.
Regina Haumaier
Pauline – Besuchshund im Lockdown
Menschen sind schon seltsame Tiere
Für Sarah
Dezember 2018 bis Dezember 2019
***
Du weißt vielleicht schon, dass ich Pauline gerufen werde! Eigentlich heiße ich aber Espero a Pauline von der Saußbachklause. Aber weil es natürlich viel zu lange dauern würde, mich bei meinem vollen Namen zu rufen, heiße ich eben kurz und bündig Pauline! Der hintere Teil, „von der Saußbachklause“, ist mein Zwingername. Ich wurde nämlich im Bayerischen Wald geboren - in Freyung, in der Nähe der Saußbachklause. Dort lebte ich dann auch die ersten neun Wochen nach meiner Geburt, zusammen mit meinen fünf Geschwistern Esprit, Etienne, Esmée, Ella-Malou und Eugene bei unserer Mama Whisky, die eigentlich Abbygale of Auld Hemp heißt. Dann gab es da noch die Tanten Kaya, Roxy, Ruby und Onkel Achiko. Aber an die kann ich mich nicht mehr so gut erinnern. Warum die alle anders gerufen werden, als sie wirklich heißen, weiß ich nicht. Von meinen Geschwistern haben nur Esprit, Ella-Malou und ich unsere Namen behalten. Etienne heißt jetzt Malibu, Esmée heißt Mila und Eugene wird jetzt Monty gerufen.
Ich wurde als letzte von uns geboren und wog mit meinen 350 Gramm auch am zweitwenigsten und war am zweitkleinsten. Nur Etienne war noch kleiner als ich. In den ersten paar Wochen schlief ich sehr viel, was meine Züchterin Uschi zu der irrigen Annahme verleitete, ich sei die Ruhigste und Bravste von uns allen. Das erzählte sie auch Regina, die von Anfang an recht klare Vorstellungen davon hatte, was für einen Hund sie haben wollte: ein Mädchen sollte es sein, schwarz-weiß sollte sie sein, ruhig und verschmust sollte sie sein (wegen des späteren Einsatzes im Seniorenheim) und Pauline sollte sie heißen.
So machte sie sich also im Internet auf die Suche nach einem Züchter, der einen Wurf plante, bei dem die Welpen im Februar oder März abzugeben wären. Sie wollte nämlich im Februar erst noch einmal auf eine lange Wanderung gehen und ihren Welpen danach zu sich holen. Für sie stand da auch schon fest, dass sie ihren neuen Hund richtig ausbilden und dann Besuche im Seniorenheim machen wollte. Bei ihrer Suche stieß sie auf meine Mama.
Sie fand die Homepage meiner Züchterin, in der stand, dass ein Wurf geplant wurde, jedoch nicht, welche der Hundedamen Welpen bekommen sollte. Auf den Fotos gefiel Regina aber gleich Whisky am besten. Und als sie von meiner Züchterin Uschi erfuhr, dass genau sie meine Mama werden sollte, wusste sie ganz sicher, dass sie aus diesem Wurf ihren Welpen bekommen würde. Da war meine Mama noch gar nicht läufig!
Vorher musste sie aber noch ein Treffen mit Uschi überstehen, bei dem sie auf Herz und Nieren geprüft wurde. Eine gute Zuchtstätte wie meine gibt ihre Welpen nämlich nicht an jeden ab, sondern schaut sich das neue Frauchen oder Herrchen genau an.
Endlich war es so weit. Mama wurde läufig und Uschi fuhr mit ihr zu meinem Papa Quince. Das ist spanisch und heißt fünfzehn. Blöder Name, wenn man ihn übersetzt. Ich habe auch einen spanischen Namen. Zumindest am Anfang. Espero a Pauline heißt nämlich „Ich warte auf Pauline“. Und warten mussten alle! 63 Tage lang, während meine Mama immer dicker wurde.
Als wir am Zweiten Weihnachtsfeiertag zur Welt kamen, wurden wir gleich gewogen und fotografiert. Dazu bekam jeder von uns ein andersfarbiges Halsband mit auf die Decke gelegt, damit man uns unterscheiden konnte. Bei Esprit war das gar nicht nötig gewesen. Der ist nämlich als einziger von uns black-merle - also gefleckt. Und blaue Augen hat er auch. Und außerdem war er der Dickste von uns. Mama ist schwarz-weiß und Papa rot-merle, also rot-gefleckt. Uschi hatte gehofft, wir wären allesamt gefleckt, aber den Gefallen taten wir ihr nicht. Bis auf Esprit. Wir anderen waren schwarz-weiß.
Uschi hat Regina gleich mitgeteilt, dass wir da wären, woraufhin sich Regina sofort die Fotos angesehen hat. Dabei hatte ihr zwar Ella-Malou am besten gefallen, aber ich habe mich immer wieder in ihr Unterbewusstsein geschlichen - sagt sie. Ich winziges kleines Ding habe bei ihr wohl Muttergefühle oder so was ausgelöst. Außerdem hat Uschi ihr schon bald erzählt, dass Ella-Malou so ein Treibauf wäre und daher für Seniorenbesuche wohl nicht geeignet sei, ganz im Gegensatz zu mir. Esmée hatte Regina eigentlich nie auf dem Schirm. Na, und irgendwann hat sie wohl ihrem Unterbewusstsein geglaubt und ganz sicher gewusst, dass wir beide zusammengehören, auch wenn sie nicht unbedingt so eine Schlaftablette wie mich hatte haben wollen.
Ich dagegen war mir da nicht so sicher! Weder, dass wir zusammengehören, noch dass ich eine Schlaftablette sein sollte! Zugegeben, als Regina mich das erste Mal besuchte, - da war ich sieben Wochen alt - schlief ich die erste Stunde voll durch. Ich fand es nicht komisch, dass diese fremde Frau plötzlich in unseren Auslauf stieg, sich auf den Boden setzte und mich aufweckte. Ich wollte schlafen oder allenfalls meine Geschwister ärgern. Sie holte mich aber zu sich und streichelte mich. Gefiel mir gar nicht! Die sollte mich in Ruhe lassen! Ich büxte ihr dauernd wieder aus und versteckte mich unter Esprit und Ella-Malou, den beiden dicken. Regina überlegte schon ernsthaft, ob sie mich nicht doch lieber gegen Etienne eintauschen sollte. Der hatte nämlich noch keine Familie für sich gefunden. Wäre mir ganz recht gewesen! Kam aber anders! Etienne, oder Malibu, wie er jetzt heißt, hat dann sogar sehr schnell jemanden gefunden. Er wohnt jetzt mit drei großen Border Collie Buben zusammen im Allgäu und ist bereits ein YouTube-Star.
Schließlich fiel Uschi mir in den Rücken und erlaubte der fremden Frau, mich aus dem Auslauf zu nehmen. Was diese auch sofort tat! Nun saßen wir also auf der Couch, ich auf ihrem Schoß, und sie hielt mich fest. Egal wie sehr ich mich auch wehrte, ich kam nicht los von der. Dann wurde es mir doch zu bunt und ich drehte mich um, kletterte an ihrem dicken Bauch hoch und sah ihr mit meinem stechenden Borderblick tief in die Augen. Und genau das war wohl der Grund dafür, dass sie doch mich zu sich nahm, auch wenn mir das in dem Augenblick nicht bewusst war. Sie setzte mich nämlich in den Auslauf zurück und fuhr endlich wieder weg.
Eine Zeitlang hatte ich nun meine Ruhe und wir durften jetzt auch immer öfter hinaus ins Freie. Da lag ganz viel Schnee und man konnte sogar von den Schneehügeln aus über den Zaun...... ;-) Allerdings wurden in den nächsten Wochen schon ein paar meiner Geschwister von ihren neuen Familien abgeholt.
Zwei Wochen später war Regina wieder da und mit ihr ein junger Mann, Florian. Die beiden packten mich einfach ein und nahmen mich in ihrem Auto mit. Florian saß am Steuer des Autos und Regina, die daneben saß, hielt mich wieder auf ihrem Schoß fest. Ich wollte aber nach wie vor weg von der Frau und zappelte energisch, aber erfolglos, herum. Die Fahrt dauerte ganz schön lange und zwischendurch hielten wir mal zu einer kleinen Pause an. Florian verschwand kurz bei McDonalds. Regina hatte mich in der Zwischenzeit auf eine kleine Wiese getragen und dort abgesetzt. Da fuhren aber so viele Autos vorbei, dass ich mich fürchtete und zum ersten Mal froh war, als Regina mich wieder auf den Arm nahm. Aber noch froher war ich, als Florian mit einer verlockend duftenden Tüte wieder zurückkam und ich flüchtete sofort zu ihm und kuschelte mich in seine Arme. Er musste aber Auto fahren, sodass ich wieder zurück auf Reginas Schoß wanderte, wo ich von ihr ein großes Stück von ihrem Burger und ein Salatblatt bekam.
***
„Darf Pauline denn Burger fressen?“ hatte Florian gefragt, als wir auf der Fahrt in mein neues Zuhause bei McDonalds angehalten hatten. Und Regina hatte geantwortet: „Ja, schmeckt eh wie Hundefutter!“ „Hmmmh! So schmeckt also mein neues Hundefutter!“, dachte ich damals. Und das war der erste Trugschluss, dem inzwischen noch einige folgten!
Schicksalsergeben rollte ich mich anschließend zusammen, steckte meine Schnauze zwischen meine Hinterbeine und verschlief den Rest der Fahrt.
Wie lange wir noch fuhren, kann ich nicht sagen, denn ich schlief bald auf Reginas Schoß ein. Als wir dann endlich ankamen, wurde ich an der Leine gleich mal in einen Garten gebracht und konnte mich endlich erleichtern. Danach lernte ich die weiteren Mitglieder meiner neuen Familie kennen. Da war zuerst Florians Mama Hildegard. Die mochte ich gleich! Sie roch so interessant. Ich wusste nur zuerst nicht, wonach genau. Sie kitzelte mich am Bauch und hatte nichts dagegen, dass ich ihr das ganze Gesicht abschleckte und an ihren Ohren knabberte. Man konnte sich auch so schön in ihren Haaren verstecken.
Soferl dagegen war blöd! Die hatte mich sofort angeknurrt – da hab ich sie kurzerhand in die Pfote gebissen und mich dann gleich hinter Regina versteckt. Dabei hatte ich schon mit ihr spielen wollen, mit dieser schrulligen Alten!
In den nächsten drei Stunden drehte sich alles um mich! Regina war ganz für mich da. Ich bekam Futter aus der Dose und aß alles restlos auf. Wir spielten im Garten und Regina zeigte mir, wo im Haus mein Kennel steht. Das ist ein großer Käfig, in den ich mich zurückziehen konnte, wann immer ich meine Ruhe haben wollte oder Ruhe geben sollte. Dort durfte mich niemand stören. Da war Regina streng. Der Kennel war schön: dick mit Kissen und einer Lammfelldecke ausgelegt, mit Spielzeug drin und er stand in einer richtigen Höhle. Gleich daneben stand mein Wassernapf. Irgendwann kam dann auch mein neues Herrchen nach Hause, der Schos. Den mag ich auch. Bei dem darf ich einfach alles!
Nach einiger Zeit wurden plötzlich alle recht hektisch, zogen fremd riechende Kleider an und gingen nach draußen. Regina sagte, sie hätten jetzt die Stallarbeit zu erledigen. Sie setzte mich in einen kleinen Freilauf im Garten und ließ mich dann einfach allein. Ich fand das voll bescheuert und teilte es auch lautstark der Welt mit. Regina tat so, als würde sie mich nicht hören, was ich ihr aber nicht abnahm. Ich konnte sie doch sehen! Sie war vorne im Hof, nur etwa 30 bis 40 Meter von mir weg. Ab und zu verschwand sie dort im Stall, kam jedoch immer gleich wieder heraus. Also musste sie mich auch hören! Das tat sie wohl auch, denn sie kam plötzlich auf mich zu. Na also, geht doch! Ich war sofort mucksmäuschenstill – jetzt würde sie mich hier herausholen und mitnehmen, damit ich mein neues Zuhause ausgiebig würde erkunden können. Doch was tat sie? Sie kam mit dieser doofen Soferl im Schlepptau in den Garten und man konnte Soferl ansehen, dass sie von der Aussicht, die nächste Stunde mit mir zu verbringen, genauso wenig begeistert war, wie ich. Was sollte das? Regina band Soferl neben meinem „Gehege“ an einen Baum und ging wieder.
Unter lautem Protestgekläffe sah ich zu, wie sie im Hof Kälberfutter in Eimer füllte und immer wieder im Stall verschwand. Ich musste tief in mein Repertoire greifen und von Kläffen über Knurren bis hin zu Jaulen und Heulen alles hervorholen, was meine Stimme hergab, bis sich endlich jemand meiner erbarmte. Nachbar Daniel kam zu mir und streichelte mich. Befreien wollte er mich aber auch nicht.
Dann war Regina fertig mit ihrer Arbeit und sie ließ mich an der langen Leine zuerst in den Garten und schließlich durfte ich mit ihr zusammen den Hof erkunden. Wir schauten in den Kuhstall hinein, doch dort war es mir noch nicht so geheuer. Da standen so viele Kühe herum und alle glotzten mich blöd an. Und wenn so ein Rindvieh brüllt – mein lieber Schwan, da wackeln dir vielleicht die Ohren!
Nach dem Rundgang durfte ich mit ins Haus und pinkelte gleich mal ins Esszimmer. Ehe ich wusste, wie mir geschah, war ich wieder im Garten. Erst verstand ich nicht, was ich da sollte. Wir waren doch gerade erst hineingegangen. Eine Weile lief ich an der Leine hin und her, dann fiel mir wieder ein, dass ich ja noch nicht fertig war mit Pinkeln. Also erledigte ich das und wurde überschwänglich gelobt dafür. Na gut, wenn Regina sich so freut über meine Pfützen – den Gefallen kann ich ihr tun. Zurück in der Küche, bereitete sie mein Abendessen zu und ich setzte derweil einen großen Haufen ins Esszimmer. Diesmal musste ich nicht gleich wieder hinaus, sondern durfte erst essen, während Regina den Haufen beseitigte und irgendwas murmelte von wegen, sie sei ja selbst schuld. So sah ich das auch!
Beim nächsten Gartengang blieb sie dann so lange mit mir draußen, bis ich beide Geschäfte erledigt hatte. Mann, Olle, als ob ich immer gleich auf Kommando könnte. Da holt man sich ja ´ne Lungenentzündung! Aber bitte, wenn du meinst! Mach ich halt mein Geschäft auf Kommando! Jetzt endlich wurde es gemütlich. Regina trug meinen Kennel ins Wohnzimmer und ich durfte dort auf den Sessel und aufs Sofa.
Es gab sechs Katzen in meinem neuen Zuhause. Die erste, die ich traf, war Flocke. Die fand ich super und mag sie auch heute noch am liebsten! Der kann man herrlich hinterherrennen. Nur dumm, dass sie schneller ist als ich und zudem noch auf Bäume klettern kann. Das musste ich noch üben!
Vor der Susi hatte ich ein bisschen Angst. Die fauchte immer gleich und schaute mich so durchdringend an. Einen richtig stechenden Blick hatte die. Wo man das doch eigentlich uns Border Collies nachsagt!
Die Mimi maunzte immer und trieb sich ständig in meiner Nähe herum, aber wenn ich zu ihr hin wollte, hüpfte sie auf einen Baum. Spielen konnte man mit der also auch nicht.
Und ihre Schwester Fuchsi brachte mir eine tote Maus. Was sollte ich denn mit einer toten Maus?
Dann gibt es noch den Kater Maunzi, der durfte abends zu Herrchen aufs Sofa. Von dort oben durchbohrte er mich mit seinem Blick und fauchte mich ab und zu an. Wenn ich dann trotzdem zu ihm hin ging, bekam er voll die Panik und haute ab.
Na, und mit Kater Schlappe war auch nichts anzufangen. Der war total langweilig. Der machte nämlich gar nichts. Also ich meine wirklich und wahrhaftig GAR NICHTS! Der ließ sich nicht erschrecken, der lief nicht weg, er spielte nicht, fauchte nicht, ja, der schaute mich noch nicht einmal an!
Dann schaute ich ihn eben auch nicht an! Der würde schon noch sehen, was er davon hätte!
Meine erste Zeit auf dem Hof war aufregend. Die ersten paar Nächte wurde ich zwar im Kennel eingesperrt, der stand aber nachts genau vor Reginas Bett. Wenn ich Pippi musste, dann wollte ich natürlich raus aus dem Kennel und machte ganz schön viel Krach. Ich wollte schließlich nicht in mein Bett pieseln. Regina hörte mich dann und führte mich an der Leine nach draußen.
Überhaupt durfte ich die ersten paar Wochen nur an der langen Leine raus. Ich wollte nämlich nicht auf Regina hören und blieb auch nicht gerne in ihrer Nähe. Ich wollte doch die Welt erkunden.
Bei Soferl wollte ich auch nicht bleiben. Die war nicht wirklich nett zu mir. Bei Spaziergängen lief ich aber ganz nahe bei Soferl. Irgendwie wusste ich instinktiv, dass sie auf mich aufpassen würde, sollte doch mal was sein.
Beim Thema Fütterung war ich als Welpe sehr mäkelig. Ich wusste ja noch nicht, was mir schmeckte und probierte so ein bisschen herum. Meine Züchterin hatte Regina erzählt, dass ich alles gewöhnt sei: Trockenfutter, Dosenfutter und BARF. Das heißt „Biologisch artgerechtes rohes Fleisch“. Viele Hundehalter stehen da drauf! Meine Züchterin erzählte aber nicht, dass sie mir so ziemlich alles häppchenweise, per Hand hatten einflößen müssen. Das erfuhr Regina erst viel später.
Sie probierte es erst mit verschiedenem Trockenfutter. Ich aß auch alles, aber nur einmal. Es folgte diverse Dosenkost. Konnte man auch einmal essen. Schließlich versuchte sie es doch mit BARF und kaufte beim Metzger Rinderhackfleisch. Das aß ich ganz auf. Sie versuchte es noch mit ganz klein geschnittenem Gulasch. Schmeckte auch. Gefrorener Pansen vom Fressnapf, dann natürlich aufgetaut. War auch gut.
Regina glaubte nun herausgefunden zu haben, was mir schmeckte und bestellte in einem Online-Shop für Tiernahrung fünfundzwanzig Kilo gewolfte Welpen-Nahrung. Das Zeug passte gerade einmal so in den Tiefkühlschrank. Nach zwei Tagen mochte ich es nicht mehr. Bäh! Regina wollte mein Futter dann stets den Katzen geben und rief laut „Minniminniminni!“ Das konnte ich dann doch nicht zulassen. Ich habe allerdings den Verdacht, dass sie mich da ausgetrickst hat. Es kam nämlich nie eine Katze.
In der Zeit lernte ich Filou kennen. Filou ist auch ein Border Collie, ein paar Monate älter als ich. Er gehört einer Freundin von Regina. Filou kam jetzt öfter vorbei, mindestens einmal in der Woche, manchmal auch zweimal. Dann spielten wir zusammen im Garten. Wir rannten schnell um die Bäume und fetzten durch Hildegards Gemüsegarten, dass die Salatpflanzen nur so flogen.
Hildegard hat dann ihren Gemüsegarten eingezäunt. Allerdings mit einem sehr niedrigen Zaun. Ein paarmal kam auch Paula mit ihrem Frauchen zum Spielen und Paula rannte von uns allen am wildesten. Einmal lief sie voll in Hildegards niedrigen Zaun und blieb mit dem Kopf darin hängen. Paula ist ein Beagle und nochmal vier Monate älter als Filou. Nach dem Akt mit dem Gartenzaun durfte Paula nicht mehr kommen.
***
Bereits eine Woche nachdem ich auf dem Hof angekommen war, durfte ich in die Hundeschule. Dazu mussten wir aber über eine halbe Stunde mit dem Auto fahren. Es gab auch ein paar Hundeschulen und auch einen Hundeverein bei denen man nicht so weit hätte fahren müssen, aber Regina hatte sich die alle angesehen und nur diese eine hatte ihr gefallen. Sie war da sehr wählerisch was meine Ausbildung anging.
