Pemberdayaan - P. Hermann Stahlhacke MSF - E-Book

Pemberdayaan E-Book

P. Hermann Stahlhacke MSF

0,0

Beschreibung

P. Hermann Stahlhacke MSF, Ordenspriester der Kongrgation der "Missionare von der Heiligen Familie", ist der letzte europäische Missionar seines Ordens in Indonesien. Er ist ein Urgestein der seelsorglichen, sozialen und politischen Arbeit, Kämpfer für den Erhalt der Lebensgrundlagen der einheimischen Bevölkerung, der Dayak, auf Kalimantan, brennend in der Fürsorge für die Zukunft der jungen Menschen in seinen Gemeinden, getrieben für eine praktische Seelsorge, die auch mit leiblichem Wohlstand verbunden ist. Er hat bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert gewählte Laien in seinen Gemeinden mit verantwortlichen und leitungsbezogenen Aufgaben betraut. Er erhält mit den Dayak ihre Kultur und überführt sie in zeitgerechte Formen. Mehrfach übernahm er als Provinzial auch überregionale Führungsverantwortung. Im Ruhestand hat er in einer über ein Jahr hin in einem regen E-Mailverkehr seine wichtigsten Erfahrungen in einer unmittelbaren Sprache mitgeteilt, die im Wortlaut in diesem Buch veröffentlicht sind.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 118

Veröffentlichungsjahr: 2021

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Geleitwort Weihbischof Matthias König

Vorwort Heimatverein Drolshagen

Ein Wort zuvor…

Präludium

Zu Hause – Schulzeit – Noviziat – Priesterweihe

Reise nach Indonesien 1964

Buntok 1965

Ampah 1972

Pangkalan Bun und Nanga Bulik 1981

Eine Kaharingan-Zeremonie 1988

Provinzialszeit – 1.Periode 1990 – 1993

Provinzialszeit – 2.Periode 1993 - 1996

Provinzialszeit – 3.Periode 1996 - 1999

Zurück an die Basis – 1999 - 2008

Inkulturation – ein eigenes Kapitel

Inkulturation – der Lebensbaum-Tabernakel

Die Geschichte von Hermanita

Die Geschichte von Arin

Epilog – der Unruhestand

Bina Sumber Daya - ein wichtiger Nachtrag

Soziale und Ökologische Projekte und Inkulturation

Zeiten der Corona-Pandemie 2021

Lebensgeschichte aus dem Fotoalbum

Geleitwort Weihbischof Matthias König

Matthias König Titularbischof von Elicroca Weihbischof in Paderborn

Der Heimatverein Drolshagen hat sich der lobenswerten Aufgabe gestellt, die Lebensspuren von „Drolshagenern in aller Welt“ zu verfolgen.

Dabei führt natürlich kein Weg an Pater Hermann Stahlhacke MSF (Missionar von der Heiligen Familie) vorbei.

Vor Jahrzehnten hat er sich nach Asien aussenden lassen und wirkt seit langer Zeit auf der Insel Borneo - Kalimantan.

Für eine Reihe von Jahren hat er auch das schwere Amt des Provinzoberen in der Region übernommen.

In dieser Zeit fiel eine wichtige Grundsatzentscheidung der MSF: Nicht mehr Europa sollte Zentrum der Arbeit und Berufungswerbung sein, sondern der asiatische Raum. Denn dort, vor allem in Indonesien, in Vietnam und auf den Philippinen, baten immer mehr junge Männer, in diese Gemeinschaft aufgenommen zu werden.

Das führte zu „beneidenswerten Nöten“: Die vielen Kandidaten müssen untergebracht, ernährt und ausgebildet werden. Vorhandene Häuser reichten nicht mehr aus, neue Konvente für diese Postulanten und Novizen, sowie auch für die zeitlichen Professen im Studium mussten gefunden oder neu gebaut werden.

Pater Stahlhacke hat schon als Provinzial, aber seitdem in vielfältigen Aufgaben mitgeholfen, diese Not zu lindern. Viel Gutes ist entstanden, viele Berufungen konnten gefördert werden, viele junge Männer wurden für die Missionare der Heiligen Familie zum Priesterberuf geführt.

Manche, die heute in der Provinzleitung tätig sind, sind Schüler von Pater Hermann oder in seiner Zeit in die Gemeinschaft eingetreten. Er selber ist von demütiger Dankbarkeit über all das, was Gott hat wachsen lassen.

Ich selber durfte im Februar 2015 zusammen mit dem Missionsreferenten unseres Erzbistums Paderborn, Herrn Ulrich Klauke, und einer kleinen Gruppe Pater Stahlhacke in Ampah auf Kalimantan besuchen.

Dort durften wir das „St. Liborius Haus“ auf dem Gelände der MSF feierlich einweihen, das als Unterkunft für Katechisten und andere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Gemeindearbeit dient. Sein Heimatbistum konnte dieses und andere Projekte aus weltkirchlichen Mitteln großzügig fördern.

Es war damals eine Freude, den Pater mit so viel Vitalität und Engagement mitten unter den Menschen zu erleben.

Auch eine Fahrt in das Landesinnere machte deutlich, wie sehr er dort mit den Menschen verbunden war. Wir sind bereichert und dankbar wieder nach Deutschland zurückgekehrt, beeindruckt von der Persönlichkeit eines echten Missionars, dessen Wirken und Persönlichkeit wichtige Weichen gestellt hat.

Nun lebt er, wie er selber es formuliert hat, auf dem „Altenteil“ seiner Gemeinschaft. Aber auch von dort aus ist er unermüdlicher Brückenbauer von Hilfe und Fortentwicklung der Missionare von der Heiligen Familie. Drolshagen hat allen Grund, auf diesen durch die Heimat im Glauben tief geprägten Glaubensboten stolz zu sein. Gut, dass sein Leben und Wirken vom Heimatverein auf diese Weise gewürdigt wird!

Dazu viel Segen!

Vorwort Heimatverein Drolshagen

Unser Heimatverein hat schon auf seiner ersten Homepage über Pater Hermann Stahlhacke und seine Tätigkeitsschwerpunkte auf Borneo kurz berichtet; und zwar unter der Rubrik „Drolshagener in aller Welt“, in der besondere Drolshagener Bürger mit ihren Arbeiten, vorwiegend in der Entwicklungshilfe, vorgestellt wurden.

Auf der neu gestalteten Homepage sollte natürlich auch Hermann Stahlhacke nicht fehlen. Doch der Text und die dazugehörigen Bilder sollten jetzt mehr Auskunft geben als auf der alten Internetseite.

Um diesen Eintrag zu schreiben, haben Walter und Dorothee Wolf (Hermann Stahlhackes Nichte) ihn gebeten, von sich und seiner Arbeit zu berichten, um aus diesen Informationen eine Internetseite zu gestalten. Über ein Jahr hin kamen so viele Informationen, Geschichten und Bilder von und über Hermann Stahlhacke zusammen, dass eine einzelne Internetseite gar nicht ausgereicht hätte, um die Fülle seiner Tätigkeiten und „Wirkungen“ angemessen darstellen zu können. So kam nun eine eigene Veröffentlichung mit seinen eigenen Texten zustande, der der Heimatverein eine große Leserschaft wünscht.

Hermann Stahlhacke war (und ist) der Drolshagener, der auf der Insel Borneo in Südostasien am weitesten entfernt von seiner Sauerländischen Heimat wirkt. Ja, Hermann Stahlhacke „wirkt“. So knapp, aber auch so präzise könnte es die Leserin, der Leser der hier vorgelegten Lebensbeschreibung Hermann Stahlhackes am Ende der Lektüre zusammenfassen.

Der Familienname Stahlhacke ist im Drolshagener Land weit verbreitet. Eine Hacke aus Stahl ist ein kräftiges Werkzeug. Hermann Stahlhacke macht seinem Namen alle Ehre. Er war und ist es immer noch: ein wirkkräftiges Werkzeug im Garten des Herrn.

Dr. Stephan Schlösser

Vorsitzender des Heimatvereins für das Drolshagener Land e.V

Ein Wort zuvor…

Im Jahr 2020 kamen zwei glückliche Zufälle zusammen. P. Hermann Stahlhacke, Ordenspriester der MSF, der „Missionare von der Heiligen Familie“, in Indonesien und unser Onkel, fragte in einer Mail nach dem Datum der ersten Marienheider Wallfahrt der Drolshagener Pfarrgemeinde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Wir waren erstaunt über eine derartige Frage und so teilte er uns mit, dass P. Joseph Pati Mudaj, ein junger indonesischer Mitbruder, anlässlich des 100. Jahrestages der Tätigkeit der „Missionare von der Heiligen Familie“ im Jahr 2026 ein Buch über deren Geschichte in Indonesien und dabei auch über ihn, den letzten Europäer seiner Kongregation, schreiben wolle und dazu natürlich von ihm Fakten benötige. Gleichzeitig hatten wir im Vorstand des „Heimatvereins für das Drolshagener Land“ einen Vorschlag aufgegriffen, wieder über die Menschen aus Drolshagen, die irgendwo auf der Welt eine besondere Aufgabe erfüllen, zu berichten. Diese sollten auf der Homepage des Heimatvereins vorgestellt werden.

Daher habe ich unseren „Öime“, wie wir ihn oft liebevoll in Drolshagener Platt nennen, gebeten, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, was heißt, die Erinnerungen, die er seinem Mitbruder weitergab, auch mit uns zu teilen. Aber das ging nicht so einfach, wie wir uns das vorgestellt hatten, da er nicht dasselbe gleichzeitig in zwei Sprachen verfassen konnte, zumal wir den eigenartigen indonesischen Humor in einer Übersetzung nicht ohne weiteres verstehen könnten. Und er wollte sich ganz auf die Drolshagener einstellen.

Auf meinen Vorschlag, doch nur ein paar Daten tabellarisch für die Homepage zu schicken, gab er zur Antwort, das könne er nicht; vielmehr wolle er erzählen und auch für den Heimatverein etwas genauer und umfassender schreiben.

Daraus ist ein sehr intensiver Austausch per E-Mail über mehr als ein Jahr geworden. Diesen habe ich zusammengeführt, ohne seine erzählende Sprache zu verändern, die das Drolshagener Idiom mit indonesischer Sprachgewohnheit verbindet. Es ist ein sehr persönlicher, authentischer, detailreicher und stellenweise emotionaler Text geworden, der ihn so darstellt, wie wir ihn über viele Jahre erfahren haben.

Anlässlich seines 60-jährigen Priesterjubiläums möchten wir vielen, die ihn kennen oder die ihn mittelbar kennenlernen wollen, sein Leben vorstellen, sein unbeirrbares Engagement, meist in aller Stille, seinen tiefen Glauben an das Gute im Menschen und die Liebe zu denen, die ihm anvertraut sind. Und deshalb haben wir diesem Buch den indonesischen Titel „Pemberdayaan“ gegeben, was so viel heißt wie „Kraft verleihen, Dynamik geben“.

Nicht umsonst hat er im vergangenen Jahr oft Saint-Exupérys Kleinen Prinzen zitiert: „Du bist für all das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast“. Für die meisten Menschen in seinem geliebten Drolshagen werden die Geschichten, die er erzählt, unbekannt sein. Es bleibt daher zu hoffen, dass die Geschichte seines Lebens sie bereichern kann.

Drolshagen, im Frühjahr 2021 Walter Wolf

Pemberdayaan – eine Lebensgeschichte

Präludium

Ich sitze im Halbdunkel auf der Terrasse, damit ich vom Wi-Fi des Seminars profitieren kann; unser Wi-Fi ist schon zum dritten Mal nicht in Ordnung. Ich schreibe so etwas wie Memoiren, damit ich etwas zu tun habe. und da erwähne ich auch unsere Drolshagener Kirche.

...

Aber was meine Memoiren angeht, die Du vielleicht für einen Eintrag in eurer Homepage unter „Drolshagener in aller Welt“ unterbringen könntest, muss ich Dich enttäuschen. Ich schreibe auf Indonesisch. Die Idee dafür kam von einem jungen Mitbruder, der selbst gerne schreibt, im Rahmen unserer MSF-Geschichte auf Kalimantan. Wir sind 2026 als Missionare 100 Jahre hier. Und weil ich zufällig der letzte Mohikaner der alten, der europäischen Missionare bin, soll ich etwas zur Feierlichkeit beitragen. Und gleichzeitig soll es wohl ein Beitrag werden für unsere jungen Leute, besonders die noch in der Ausbildung sind. Er wird also im pädagogischen Stil aufgesetzt. Ich schreibe nicht streng chronologisch, sondern mehr nach Themen. Ich soll z. B. über meine Jugendzeit schreiben, über Berufung usw. Da habe ich also jetzt die Zeit von der Machtübernahme der Nazis, die ja mit meinem Geburtstag ungefähr zusammenfällt, bis zur ersten Wallfahrt nach Marienheide dazu gepackt.

Ihr Lieben, ich versuche weiter zu machen, mit erheblichen Schwierigkeiten: ich bin ein Abendmensch, vielleicht wie die Fledermaus, die tagsüber im Gebälk kopfüber über mir schläft, jetzt aber unterwegs ist auf Nahrungssuche; ich habe also die Post auf den Abend verschoben und sitze nun auf der Terrasse, mit einer kleinen Lampe im Rücken, damit ich die Tasten sehen kann; aus einem Wust von Kabeln aus Beppos Zimmer habe ich mir eine kleine Lichtleitung gebaut.

Ich habe ja sonst nichts zu tun; und da habe ich eben mit Schreiben angefangen, Anekdötchen usw. Vieles ist natürlich nur im Indonesischen interessant, wie Sprachwitz und Ähnliches. Zum Beispiel habe ich in meiner Provinzialszeit aus Geckerei nach einem Synonym für MSF gesucht, wie „Schlaue Jungs“ für SJ, die Abkürzung für die Jesuiten, und da habe ich im Wörterbuch das Wort „Musafir“ gefunden, wo gleich alle drei Buchstaben vertreten sind: MuSaFir. Das Wort ist eigentlich arabisch, wird aber auch in Indonesien gebraucht, meist poetisch, und bedeutet so viel wie „Pilger“, „Wanderer“. – So weit so gut. Zur gleichen Zeit brauchte ich eine Adresse und einen Namen für den schmalen Gang von der Hauptstraße zu unserem Provinzialat. Ich habe den zuständigen Mann, einen Hadji, darum gebeten und „Gang Musafir“ vorgeschlagen. Er fragte: „Warum diesen Namen?“ Ich sagte ihm: „Wir sind alle Pilger auf dieser Erde zu Gott im Himmel.“ – „Oh schön, schön!“ sagte er und ich hatte einen Namen für unseren Gang – und dazu einen frommen Eindruck hinterlassen. Aber die Geschichte ging noch weiter. Der Direktor unseres Seminars, des Postulates, das auch am „Gang Musafir“ liegt, sollte ein Drei-Monats-Magazin herausgeben. Er hat das Magazin „MuSaFir“ genannt, mit den drei erhöhten Buchstaben MS F. Anschließend haben wir Wasser aus unserem guten Brunnen in Ampah verkauft, und das Wasser „MuSaFir-Wasser“ genannt. Seit einigen Monaten gießt ein Bruder hier auf unserm Komplex Kerzen für Kirchen, später auch Devotionalienkerzen; die haben einen Sticker „Lilin-MuSaFir“, „MuSaFir-Kerze“

Ja, das reizt natürlich, einen eher lustigen Artikel zu schreiben. Oder wie ich in einem Dorf im Gebiet um Ampah zu einer neuen Gemeinde kam, nur, weil ich dort an einem Abend mit meinem Motorrad platt gefahren habe. Also „eine neue Gemeinde dank Platten am Motorrad.“

Aber nun weiter an der „Geschichte“. Heute Nachmittag – es ist gerade 17.oo Uhr vorbei – kann ich fast nichts sehen, es wird wohl gleich regnen. Ich soll kurz in Tabellenform von mir erzählen, hahaha... Kann ich nicht. Ich habe damals in Ampah mit Stress bei einem Antrag an Misereor aufgegeben, weil die Dame dort immer wieder forderte, dass Dinge, die ich geschrieben hatte, in einer anderen Tabelle aufgeführt werden müssten. Warum hat sie das nicht selbst getan? Alle Informationen waren da, nur nicht in der richtigen Tabelle. Ja, und jetzt kommt die Dunkelheit dazwischen.

So, Ihr Lieben in der Engelbertstraße, heute kann ich bei vollem Licht in meinem Zimmer schreiben, das Wi-Fi ist wieder in Ordnung, bis der nächste „Tupai“ wieder alles durcheinanderbringt. „Tupai“ ist kein Eichhörnchen, gleicht ihm aber etwas; es gibt zig auf unserm Komplex, auf den Bäumen, sie lieben alle Kabel zum Laufen und turnen. Sie werden auch „Baumratten“ genannt, ein hässlicher Name für die putzigen Tierchen; es gibt sie in vielen Größen, von 10 cm bis einen halben Meter mit Schwanz. Und bei all ihren wendigen Kletterkünsten nehmen eben auch Kabel, die zum Wi-Fi gehören, immer wieder Schaden.

Es ist Zeit zum Essen.

Herzliche Grüße. Euer Onkel Hermann …“

Zu Hause – Schulzeit – Noviziat – Priesterweihe

Ich wurde in Drolshagen im Sauerland am 10. Februar 1933 als viertes Kind der Eheleute Emma und Ernst Stahlhacke geboren. Kindheit und Volksschule erlebte ich in der Zeit des Nationalsozialismus in einem Elternhaus, das sich konsequent katholisch gegen die Ideologie der Nazis abschirmte. Ich war dabei, wenn mein Vater BBC hörte, den verbotenen englischen Sender, den kleinen Volksempfänger auf dem Tisch, eine dicke Decke über sich und das Radio gezogen. Später hörte ich, dass man „englisch Inhalieren“ dafür sagte. Ich konnte aber trotzdem das Sendezeichen des Senders hören: vier Paukenschläge des Leitmotivs, das den Anfangstönen der Beethovenschen Schicksalssymphonie ähnelte, dreimal kurz, einmal lang. Unsere Mutter lief jedes Mal einige Male ängstlich ums Haus, ob sich vielleicht ein Unberufener, ein möglicher Denunziant, draußen aufhielt. Ich habe als Jugendlicher den Einmarsch der Amerikaner miterlebt und spielte noch auf dem zurückgelassenen Tiger-Panzer am Herrnscheid.

Ja, dort bin ich nicht nur darauf herum, sondern auch in den Panzer geklettert, eine große Granate hing in einer Hebevorrichtung vor der Öffnung zum Kanonenrohr. Der Panzer stand in Hützemert in dem Seitental nicht weit von der Hagener Straße, und – soweit ich mich erinnere – nicht weit von Ackerschotts1 Haus. Mutter Agnes kann sich vielleicht noch erinnern.

Zufällig habe ich mir vor ein paar Tagen einige Bücher von Ampah holen lassen, u.a. das Buch „Kriegszeit und Kriegsende im Drolshagener Land“, das Hubertus (Halbfas) herausgegeben hat. Darin steht ja die Geschichte vom Tiger-Panzer. Dass ich auf dem „Schicksalspanzer“ gespielt habe, ist ja ziemlich makaber, oder wie soll man das nennen? Der Bericht vom Panzerkommandanten Doll in dem Buch mit dem Titel: „Ein Schuss auf Kirchturm Drolshagen! – Wie Drolshagen seiner Vernichtung entging“ ist ziemlich beängstigend. Nur die Befehlsverweigerung des Kommandanten und seiner Mannschaft, die ihnen das Leben hätte kosten können, hat Drolshagen gerettet. Ihr habt doch sicher das