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Expedition in Richtung Coma Berenices - auf der Spur des großen Rätsels Es ist die bedeutendste gemeinsame Expedition in der bekannten Geschichte der Galaxis Milchstraße: Über die fast unvorstellbare Distanz von 225 Millionen Lichtjahren geht der Flug des terranischen Trägerraumschiffs BASIS - in Richtung des Galaxienhaufens Coma Berenices. An der Großen Leere, jenem über 100 Millionen Lichtjahre durchmessenden Leerraum zwischen den Galaxienhaufen, der gigantischen Großen Mauer vorgelagert, warten geheimnisvolle Welten und seltsame Wesen auf die Galaktiker. Und dort, so hat der Ennox Philip versprochen, wartet auch das "Größte Kosmische Rätsel", wobei natürlich keiner ahnen kann, was sich wirklich hinter dieser Bezeichnung verbirgt. Perry Rhodan und die 12.000 Besatzungsmitglieder der BASIS sowie der sie begleitenden Schiffe - Terraner, Arkoniden, Akonen, Topsider, Blues, Ertruser, Haluter und viele andere Völker mehr sind vertreten - wissen nicht, was sie an der Großen Leere erwartet. Sie sind aber auf alle Eventualitäten vorbereitet, denn dreieinhalb Jahre Flugzeit sind lang. Sowohl Alltagstrott als auch Zwischenfälle begleiten die Menschen an Bord der BASIS bei der Reise mit dem FLUGZIEL GROSSE LEERE ...
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Seitenzahl: 137
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Nr. 1650
Flugziel Große Leere
Expedition in Richtung Coma Berenices – auf der Spur des großen Rätsels
von Horst Hoffmann
Es ist die bedeutendste gemeinsame Expedition in der bekannten Geschichte der Galaxis Milchstraße: Über die fast unvorstellbare Distanz von 225 Millionen Lichtjahren geht der Flug des terranischen Trägerraumschiffs BASIS – in Richtung des Galaxienhaufens Coma Berenices.
An der Großen Leere, jenem über 100 Millionen Lichtjahre durchmessenden Leerraum zwischen den Galaxienhaufen, der gigantischen Großen Mauer vorgelagert, warten geheimnisvolle Welten und seltsame Wesen auf die Galaktiker. Und dort, so hat der Ennox Philip versprochen, wartet auch das »Größte Kosmische Rätsel«, wobei natürlich keiner ahnen kann, was sich wirklich hinter dieser Bezeichnung verbirgt.
Perry Rhodan und die 12.000 Besatzungsmitglieder der BASIS sowie der sie begleitenden Schiffe – Terraner, Arkoniden, Akonen, Topsider, Blues, Ertruser, Haluter und viele andere Völker mehr sind vertreten – wissen nicht, was sie an der Großen Leere erwartet. Sie sind aber auf alle Eventualitäten vorbereitet, denn dreieinhalb Jahre Flugzeit sind lang.
Perry Rhodan – Er leitet die Expedition zur Großen Leere.
Robert Gruener – Der Kybernetiker verliert seine Kinder.
Arlo Rutan – Der Chef des Landekommandos spielt Krieg.
Harold Nyman – Ein Kommandant führt Buch.
Mila und Nadja Vandemar
27. Oktober 1202 NGZ – 16 Millionen Lichtjahre
Arlo Rutans Gedanke war: Jetzt haben sie uns!
Von seiner einhundert Kopf starken Truppe war kaum noch etwas zu sehen. Die wenigen, die ihm geblieben waren, lagen neben ihm in der Mulde, die ein Geschoss in die Trümmer gesprengt hatte. Eine Handvoll, nicht mehr. Er hatte nicht die Zeit, sie zu zählen.
Schweiß brach ihm aus. Der kalte Wind floss an seinem SERUN ab. Staubpartikel glühten kurz im Energieschirm auf. Aber selbst der nahezu perfekte Schutzanzug kam ihm plötzlich nur noch vor wie eine dünne, verletzliche Haut.
»Ortung!«, brüllte eine Stimme in seinem Helm, trotz der sofortigen Geräusch-Filterung unangenehm laut. »Ich hab einen im Visier!«
Der Mann rechts von ihm, Devon Haggin, hatte sich halb aus der Mulde geschoben und hinter einem Stück halb zerbröselten, flechtenbewachsenem Mauerwerk verschanzt. Er zielte mit einem schweren Impulsstrahler auf eine Stelle zwischen den Trümmern, etwa achtzig Meter entfernt, und feuerte.
Rutan schrie auf, als der Strahl ins Leere ging und wirkungslos verpuffte. Im gleichen Moment aber blitzte es an drei anderen Stellen einige Male kurz auf, und Haggins Körper verwandelte sich in eine blutrote Fackel. Durch den Punktbeschuss aus mehreren hochwirksamen Waffen wurden die Schutzfelder des SERUNS bis zum kritischen Punkt überlastet und brachen viel schneller zusammen, als das eigentlich der Fall sein durfte.
Devon Haggin verschwand von einem Augenblick auf den anderen, als hätte es ihn niemals gegeben. Sein letzter Schrei hallte grausam in den Ohren seiner Kameraden. Unmittelbar nach ihm erwischte es drei andere Männer.
»Der Narr!«, schimpfte Meg Fothern, die letzte noch lebende Frau des Trupps. »Er hat uns verraten! Sie wissen jetzt, wo wir sind, und sie werden uns genauso aus dem Universum fegen wie ihn, Jo, Derez und Pato! Arlo, wir haben nur noch eine Chance!«
»Niemals«, knurrte Rutan. Der Ertruser krampfte die Finger um die Griffe seiner beiden Strahler. »Sie haben uns überrumpelt. Sie besitzen Waffen und Verteidigungssysteme, von denen wir keine Ahnung hatten. Sie verstecken sich hinter ihren Deflektoren und schicken uns mit einer Art Virtuellbildner erzeugte Ortungen, auf die Haggin hereingefallen ist. Aber sie sind verwundbar, und wir werden sie kriegen – und wenn ich der Letzte bin, der ihre Achillesferse findet!«
Es donnerte, aber das waren keine Schüsse der Gegner oder Bombeneinschläge. Der Himmel hatte sich mit dunkelvioletten Schleiern überzogen, in denen es schon seit einer halben Stunde heftig wetterleuchtete. Jetzt zuckten die ersten richtigen Blitze auf die Oberfläche herab – wie um jene zu bestrafen, die es wagten, diesen Ort und seine stummen Zeugen einer uralten, versunkenen Zivilisation zu entweihen.
Unsinn!, dachte Arlo Rutan. Von wegen versunken!
Sie eröffneten verblüffenderweise nicht das Vernichtungsfeuer auf die Galaktiker – jetzt, da sie die Gruppe eingekesselt und genau lokalisiert hatten. Warum nicht? Spielten sie mit ihnen? Wollten sie die Galaktiker leiden lassen, damit sie im Angesicht des sicheren Todes begriffen, was sie dieser Welt und ihren Ahnen angetan hatten?
»Bis die Verstärkung aus dem Raum da ist, lebt von uns keiner mehr«, hörte er eine männliche Stimme sagen, fast jammern. »Sie sind schneller, sie sind hier! Und die Korvette kann nicht schießen, ohne uns mit ihnen zu töten.«
»Hör auf!«, herrschte der Ertruser ihn an. Der Chef der Landetruppe hasste diesen Ton. Er hasste alles, was er mit Schwäche, Resignation und Aufgabe zusammenbrachte. Rutan, der Zweieinhalbmeterhüne mit den 2,20 Meter breiten Schultern, verlangte absoluten Gehorsam, aber mehr noch Kampf bis zur Selbstaufgabe. Er verachtete Schwächlinge und liebte »ganze Kerle«, die genauso Frauen sein konnten. Er verlangte, dass jeder sich so einsetzte wie er selbst. Das machte ihn nicht gerade beliebt, aber das kümmerte ihn den Teufel.
Vor allem jetzt, wo jeden Moment alles zu Ende sein musste. Er hatte hier auf Coma-1 alles riskiert und verloren, auch wenn er das noch immer nicht wahrhaben wollte. Sie hatten ihn geschickt, weil er der Beste war. Sie hätten alle 2000 Mann absetzen können, aber sie hatten ihm vertraut und in einer Blitzmission die bessere Chance gesehen.
Sollte er wirklich so sterben? Als Versager in Erinnerung bleiben?
»Sie können unsere SERUNS beeinflussen«, kam es von Meg Fothern. »Die Pikosyns. Sonst wären Haggin und davor die anderen nicht so einfach zerpulvert worden. Sie haben die Schutzschirme geschwächt, und ...«
Weiter kam sie nicht, denn nun brach die Hölle los.
Der kalte Wind – es herrschten Außentemperaturen von maximal fünf Grad Celsius – entwickelte sich zum Sturm, in den Donner und Blitze aus dem nun fast purpurschwarzen Himmel schlugen. Er fuhr durch die Ruinen der Trümmerstadt und heulte wie die wiedererwachten Geister von namenlosen Wesen, die seit mindestens 10.000 Jahren tot waren.
Aber das waren keine Geister.
Die humanoiden Gestalten tauchten in dem Sturmgewitter auf wie Racheengel in grell leuchtenden Auren. Sie zeigten sich endlich, überall. Wohin Arlo Rutan sich auch drehte, er sah sie herankommen, langsam und absolut sicher. Die Umrisse waren im grellen Licht nicht klar zu erkennen, aber ganz bestimmt hielten sie ihre Waffen auf ihn und die Letzten des Landetrupps gerichtet, um sie mit einem letzten Feuerschlag aus diesem Universum zu fegen.
»Ich will nicht sterben!«, schrie es in Rutans Helm. »Nicht hier, nicht so weit von zu Hause! Hier bleibt nicht einmal eine Erinnerung an mich übrig!«
Rutan fluchte, drehte sich um und paralysierte den Mann, der in Hysterie geriet.
»Du bist besessen«, kam es von Meg.
»Da kannst du verdammt Recht haben«, knurrte er. »Und jetzt passt auf.« Er gebrauchte die Mehrzahl-Anrede, ohne zu wissen, ob ihn außer Meg Fothern überhaupt noch jemand hörte. Die grellen Gestalten kamen näher, langsam und so gottverdammt ruhig. Wie die Vollstrecker eines Urteils, das unbekannte Richter über die Frevler gefällt hatten.
Trotz der Abfilterung der Helmscheibe schmerzte die Helligkeit an den Augen. Hochgewachsene Wesen waren es, in ihrem Leuchten und mitten zwischen den Blitzen und den inzwischen albtraumhaft wirkenden Trümmern der ehemaligen Stadt wie Rächer aus einer anderen Welt.
Noch fünfzig Meter, vierzig ...
»Hör auf, Arlo! Lass uns kapitulieren. Vielleicht findet sich dann ...«
Megs Worte waren umsonst. Der Ertruser duckte sich so tief wie möglich in die Mulde, löste die Verschlüsse seines SERUNS und stieg aus dem Anzug. Er tat das mit einer Schnelligkeit, die Meg ihm nie zugetraut hätte. Rutan, nun nur noch mit einer Unterkombination bekleidet, löste die Waffen vom SERUN. Ganz kurz blickte er die Frau an. Sie erschrak, als sie in sein derbes Gesicht sah, das von blau eingefärbten Ziernarben in Flammenform bedeckt war und zum Fürchten aussah. Dann sah sie sein Grinsen und ahnte, dass er einen letzten Trumpf ausspielen wollte.
»Du auch«, verlangte er von ihr. Sie fragte nicht lange und entledigte sich ebenfalls ihres Schutzanzugs.
Die SERUNS bliesen sich regelrecht auf und umgaben sich wieder mit ihren Schutzschirmen. Dann jagte ihr Gravo-Pak sie in die Höhe. Sie stiegen auf wie zwei Raketen, während der Ertruser Meg Fothern an sich riss und mit auf den Grund der Mulde drückte. Sie begriff, dass er ihren Anzug über die Pikosyns genauso programmiert hatte wie seinen eigenen.
Beide legten den Kopf in den Nacken und sahen, wie ihre SERUNS im konzentrischen Feuer von mindestens zwanzig fingerdicken Impulsstrahlen aufzulodern begannen und explodierten.
»Bleib ganz ruhig, Mädchen«, flüsterte Arlo Rutan Meg zu, den rechten Arm noch schützend über sie gelegt. »Was jetzt kommt, ist meine Sache. Wenn wir Glück haben, dann glauben sie, dass wir beide die Letzten waren. Sie haben unsere SERUNS vernichtet und meinen natürlich, dass wir noch in ihnen gesteckt haben.«
»Bist du so sicher?«, fragte sie zweifelnd.
Wie zur Bestätigung sprang plötzlich ein Mann im SERUN aus seiner Deckung in der Mulde. Er ließ seine Waffe fallen, hob beide Arme weit in den Himmel und schrie, dass er sich ergeben wolle.
Sie töteten ihn auf die schon bekannte Weise. Dann waren sie da.
Arlo Rutan und Meg Fothern atmeten nicht. Sie lagen in der Mulde, halb in den matschigen, sandigen Boden gepresst. Ihre Unterkombinationen waren ebenfalls sandfarben, was sie für wichtige Sekunden vor einer Entdeckung bewahrte.
Als dann der erste der Leuchtenden, von dem die dicken Regentropfen als Funken absprühten, in Griffweite vor ihnen stand und der Scheinwerferkegel seines Helms sie erfasste, war Arlo Rutan schon aufgesprungen und feuerte mit seiner Impulswaffe, unterstützt von Meg, so lange auf ihn, bis die leuchtende Sphäre um ihn zusammen- und er selbst in die Knie brach.
Arlo Rutan, der Ertruser, verpasste dem plötzlich Schutzlosen einen solchen Faustschlag, dass der Gegner in drei Metern Entfernung auf dem Rücken landete und alle viere von sich streckte.
Rutan war mit einem Satz bei ihm und kniete auf seiner Brust, das Knie in die elastische Halskrause des Anzugs gedrückt. Er setzte den Strahler auf die Helmscheibe des Wehrlosen und rief dessen Begleitern zu:
»Entweder ihr ergebt euch auf der Stelle, oder Aktet Pfest ist die längste Zeit euer Befehlshaber gewesen! Ich mache keinen Spaß – dafür habe ich mich viel zu lange auf diesen Augenblick gefreut!«
*
Arlo Rutan behielt den Kopf unten. So schreckenerregend der Ertruser auch wirkte, wenn er in seinem ureigensten Element war und seine 2000-köpfige Landetruppe drillte, so klein war er nun, als er sich Perry Rhodans Standpauke anzuhören hatte.
Arlo Rutan hatte eine normale leichte Bordkombination angelegt, für seine Begriffe war das eine unauffällige und viel zu »nackte« Art der Bekleidung. Seine Unsicherheit war daran abzulesen, dass seine Finger unkontrolliert mit dem Material der Kombi spielten, wo normalerweise seine Waffen an einem zwanzig Zentimeter breiten Gurt hingen. Oder dass seine Muskeln zuckten und sich als mächtige Pakete unter der Kombi abzeichneten.
»Kriegsspiele«, sagte Perry Rhodan jetzt wütend. Er stand fünf Meter vor dem Mann von Ertrus und musste den Kopf dennoch zurücklegen, um Rutan in die Augen zu schauen. »Dumme, primitive Kriegsspiele! Ich werde das nicht mehr dulden! Was denkt ihr Burschen euch dabei eigentlich? Ihr seid dem vielleicht strengsten Auswahlverfahren unterzogen worden, das es gibt. Nur wer die nötige physische und psychische Konstitution, Charakterstärke und Intelligenz nachweisen konnte und außerdem auf seinem Gebiet ein absoluter Könner ist, konnte sich für die Teilnahme an dieser Expedition qualifizieren. Jetzt habe ich Zweifel, ob die Auswahlkriterien streng genug waren.«
»Ein Könner auf seinem Gebiet«, bemerkte Reginald Bull bissig, »ist er bestimmt.«
Arlo Rutan schluckte. Er starrte über die Köpfe der Terraner hinweg ins Leere. Die fremden Sterne und Galaxien auf den vielen Schirmen nahm er gar nicht richtig wahr.
Ausgerechnet in die Hauptzentrale der BASIS hatten sie ihn zitieren müssen. Es sollte wohl eine Demonstration sein. Zwar gingen die meisten Mitglieder der Zentralebesatzung ihrer normalen Arbeit nach und taten so, als ignorierten sie die Szene. Aber dass neben Rhodan auch gleich noch Bull erschienen war, sprach für sich. Hätten sie ihn nicht an einen neutralen Ort bestellen können, irgendwo in der Mitte der BASIS? Die Zentrale befand sich am Bug des Raumgiganten, und Rutans Kampftruppe war im Hecktrichter untergebracht. Auch das konnte in Rutans Augen durchaus als Provokation und Diskriminierung aufgefasst werden.
»Ich warte auf eine Antwort«, forderte Rhodan.
Arlo Rutan sah ihn an. Seine Halsmuskeln zuckten. Dann nickte er und sagte trotzig:
»Ich wurde nach Absolvierung der von dir angesprochenen Tests zum Chef des Landekommandos der BASIS bestimmt, bestehend aus 2000 geschulten und erfahrenen Männern und Frauen. Als solcher trage ich die Verantwortung dafür, dass diese Truppe das bleibt, was sie ist: eine prachtvolle Kämpferelite mit der Aufgabe, dieses Raumschiff mit allen 12.000 Besatzungsmitgliedern gegen jeden äußeren Feind zu verteidigen, auf den wir irgendwann im Lauf der langen Reise stoßen. Ich schließe die Galaktiker auf den angeschlossenen Schiffen mit ein, abgesehen von der ATLANTIS.«
»Das musste ja kommen«, seufzte Bull. »Ich kann dir verraten, dass dein Herzensfreund Aktet Pfest in diesen Minuten von Atlan ebenfalls einige nette Worte hört. Mann, Arlo – wenn wir jetzt schon anfangen, uns in Lager zu spalten, dann können wir die Expedition gleich abbrechen, bevor sie richtig begonnen hat!«
»Meine Leute und ich spalten nicht«, verteidigte sich der Ertruser. »Aber es ist allein unsere Aufgabe, die Sicherheit der BASIS und ihrer Mannschaft in den fremden Sternenräumen zu garantieren, die wir erreichen werden. Nicht die dieser Arkoniden. Oder wurde ich da falsch informiert?«
Bull setzte zu einer heftigen Entgegnung an, aber Rhodan stoppte ihn mit einer Handbewegung. Er wies auf eine Sitzgruppe in einer etwas abseits gelegenen Nische zwischen Formenergiewänden. Die drei Männer verteilten sich um einen ovalen Tisch.
Rhodan winkte einen vierten hinzu – Meromir Pranka, den neuen Feuerleitchef der BASIS. Früher hatte der 114-jährige Terraner diesen Posten auf der QUEEN LIBERTY des Hanse-Chefs Homer G. Adams bekleidet, als Adams noch Romulus gewesen war, der Kopf der Widerstandsorganisation WIDDER.
Er beherrschte seinen Arbeitsbereich in der neuen Umgebung mittlerweile so perfekt, als sei die Coma-Flotte nicht erst vor 88 Tagen – am 1. August 1202 NGZ, genau zwölf Uhr mittags –, sondern schon vor jenen dreieinhalb Jahren aus der Milchstraße aufgebrochen, die für den Flug zur Großen Leere veranschlagt waren. Und dies galt für alle Teilnehmer der bestausgerüsteten Expedition, die Menschen und andere Galaktiker jemals angetreten hatten. Rund acht Monate lang hatten sie vorher Zeit gehabt, sich miteinander vertraut zu machen und in unzähligen Übungen aufeinander einzuspielen. Bewährte Mannschaftsteile waren zusammengeblieben, neue hatten sich etabliert. Es waren Freundschaften geschlossen worden oder auch nur Zweckbündnisse, die ihrer Bewährung harrten und in jeder Hinsicht ausbaufähig waren.
Das Verhältnis zwischen Meromir Pranka und Arlo Rutan schien in dieser Hinsicht ein hoffnungsloser Fall zu sein, ähnlich wie das zwischen Rutan und Pfest.
Der Ertruser war dabei nicht einmal der Unruhestifter und Querulant, für den man ihn aufgrund seiner bissigen Art und der kernigen, einschüchternden Sprüche halten musste, die er bei jeder Gelegenheit von sich gab. Er war natürlich ein Typ, mit dem man nicht nur kleine Kinder erschrecken konnte. Wer nicht unbedingt mit ihm zu tun hatte, der ging ihm aus dem Weg, wo er konnte. An manchen Tagen, so erzählte man sich, verdrosch er aus lauter Spaß am Raufen ein halbes Dutzend seiner 300 ertrusischen Artgenossen von der Landetruppe. Hinterher nannte er das sportliches Training und Aufrechterhaltung der Kampfmoral.
Doch bei aller erschreckenden Fassade steckte hinter der massigen Stirn unter dem Sichelhaarkamm ein wacher Geist, der sich um das Schicksal der BASIS in den fast unvorstellbaren Fernen sorgte, die er in seiner Phantasie von allen möglichen unbekannten Gegnern bevölkert sah. Arlo Rutan war der festen Überzeugung, dass die Sicherheit der Expedition in erster Linie in seinen Händen und denen seiner 2000 Sternenkämpfer lag.
Leider glaubte Meromir Pranka das Gleiche von sich und seiner »Klaviatur der Vernichtung«. So nannte er die Offensivbewaffnung der BASIS, die tatsächlich einer ganzen Raumflotte alter Prägung überlegen war. Für den Feuerleitchef galt indessen ebenfalls, dass nichts so heiß gegessen wie gekocht wurde. Er liebte seine phantastische Klaviatur auf die Art, wie ein genialer Techniker sein Hightech-Instrumentarium vergötterte. Bei all dieser Liebe – und das glaubte ihm Perry Rhodan – wünschte sich der ehemalige Widder allerdings, mit seinen Kanonen in Würde alt werden zu können, ohne sie jemals im Ernstfall eingesetzt haben zu müssen.
Die Coma-Flotte war nicht in die Unendlichkeit aufgebrochen, um irgendjemandem etwas wegzunehmen oder sonst wie zu schaden. Ihre Ziele waren andere. Ihre Teilnehmer hofften mehr zu gewinnen als materielle Dinge.
