Perry Rhodan 27: Andromeda (Silberband) - Clark Darlton - E-Book

Perry Rhodan 27: Andromeda (Silberband) E-Book

Clark Darlton

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Beschreibung

Im Jahr 2404 terranischer Zeitrechnung ist es soweit: Die sogenannte sechste Epoche der neueren Menschheitsgeschichte bricht an. Perry Rhodan wagt mit seinem neuen Flaggschiff CREST III den direkten Vorstoß über den Leerraum zwischen den Sterneninseln. Sein Ziel ist die Galaxis Andromeda - und damit der unmittelbare Herrschaftsbereich der mysteriösen Meister der Insel. Was die Terraner dort erwartet, weiß niemand an Bord des Kugelraumschiffes. Nach wie vor ist Andromeda von einem undurchdringlichen Mantel des Geheimnisses umgeben. Erste Erkenntnisse gewinnt die Besatzung der CREST durch den Paddler Kalak, ein aus 800-jährigem Todesschlaf erwachtes Wesen mit unheimlichen Fähigkeiten. Der eigentliche Schock steht den Menschen nach dramatischen Kämpfen auf einer Dunkelwelt jedoch erst noch bevor: Tief in Andromeda, nahe der verbotenen Zentrumszone, treffen die Männer und Frauen der Expedition auf ihre Doppelgänger. Die Zentrumswächter von Andromeda sehen nicht nur aus wie Menschen, sie kämpfen auch so verbissen und klug wie Menschen ...

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Nr. 27

Andromeda

Im Jahr 2404 terranischer Zeitrechnung ist es soweit: Die so genannte sechste Epoche der neueren Menschheitsgeschichte bricht an. Perry Rhodan wagt mit seinem neuen Flaggschiff CREST III den direkten Vorstoß über den Leerraum zwischen den Sterneninseln. Sein Ziel ist die Galaxis Andromeda – und damit der unmittelbare Herrschaftsbereich der mysteriösen Meister der Insel.

Was die Terraner dort erwartet, weiß niemand an Bord des Kugelraumschiffes. Nach wie vor ist Andromeda von einem undurchdringlichen Mantel des Geheimnisses umgeben. Erste Erkenntnisse gewinnt die Besatzung der CREST durch den Paddler Kalak, ein aus 800-jährigem Todesschlaf erwachtes Wesen mit unheimlichen Fähigkeiten.

Einleitung

Franz Dolenc schrieb in seinen Anmerkungen zu den in diesem Buch enthaltenen Originalromanen: »Ich halte diese ›Gleichheit‹ zwischen Tefrodern und Terranern für einen absoluten Schwachsinn. Tefroder sind bekanntlich (wie sich noch herausstellen wird) aus den Lemurern hervorgegangen, die vor 50.000 Jahren die Erde verlassen mussten und sich in Andromeda ansiedelten. Spätestens nach der dritten/vierten Generation hätten sich Unterschiede herausbilden müssen! Eine absolut gleichlaufende Entwicklung auf Terra und Tefrod ist unmöglich!«

Man könnte dagegen halten, dass nichts im Universum unmöglich ist, was nicht als nicht möglich bewiesen worden ist. Doch dies wäre billig. Alle Wahrscheinlichkeit spricht gegen eine solche Parallelentwicklung, wie sie im Fall der Tefroder und Terraner beschrieben wird. Das trifft allerdings auch auf die meisten Werke der SF-Literatur zu, in denen Außerirdische so geschildert werden, als wohnten sie um den nächsten Häuserblock, mit einem Raumschiff und einem Strahler als Alienausweis. Nicht erst heute wissen wir, dass eine Million denkbarer Welten auch eine Million völlig andersgearteter Geschöpfe hervorbringen müssen. Ein Kardinalproblem der Science Fiction also?

Ich meine, nein. Die Faszination und die Fremdartigkeit anderer Wesen lebt nicht in erster Linie von deren äußerlicher Gestalt. Autoren (sofern sie der menschlichen Spezies angehören) sind in dem Moment zum Scheitern verurteilt, in dem sie versuchen, etwas zu schildern, was außerhalb ihres Vorstellungsbereichs liegt – und der ist nun einmal begrenzt durch das, was wir in irgendeiner Form kennen oder aufgrund von Informationen, die unser Verstand fasst, extrapolieren können. Zitiert sei der Spruch von den »Marsbewohnern, die vielleicht auf Viking saßen und sich über uns Menschen amüsierten, ohne dass wir sie als Leben hätten erkennen können«.

Unsere so menschenähnlichen Aliens sind Träger von Botschaften, die wir in die Zukunft projiziert sehen möchten. Leute, mit denen Autoren und Leser etwas anfangen können. Lassen wir also den Tefrodern ihre Menschenähnlichkeit und ihre parallelentwickelte Technik, und lassen wir uns faszinieren von einer erdachten Evolutionsstory, die den MdI-Zyklus bis heute zu einem der erfolgreichsten in der gesamten PERRY RHODAN-Serie gemacht hat.

Die diesem Buch zugrunde liegenden Originalromane sind: Die sechste Epoche von K. H. Scheer; Vorstoß in die Dunkelwelt und Die Geistersonne von H. G. Ewers; Sperrzone in Andromeda und Im Reich der Zentrumswächter von Clark Darlton; Die Mikro-Henker und Der unheimliche Roboter von H. G. Ewers.

Rastatt, im Sommer 1986

Prolog

Seit jenem Tag im Jahr 2400, an dem Icho Tolots vage Hinweise zur Entdeckung des galaktischen Sonnentransmitters aus sechs blauen Riesensternen führten, ist vieles geschehen. Von ungeheuren Gewalten ins Nichts zwischen den Galaxien geschleudert, mussten Perry Rhodan und seine Begleiter mit der CREST II in den Fallensystemen der Unbekannten, die von ihren Hilfsvölkern geheimnisvoll »Meister der Insel« genannt werden, um ihr Leben kämpfen.

Genaueres weiß selbst Grek-1, der zu den Terranern übergelaufene Geheimdienstchef der Maahks, nicht über die Beherrscher Andromedas auszusagen. Die Maahks, wasserstoffatmende Intelligenzen und vor 10.000 Jahren von den Arkoniden aus der Milchstraße vertrieben, leben als unfreiwilliges Hilfsvolk der Meister der Insel im Zwergnebel Andro-Alpha. Ihr mit Hilfe von Duplos vorgetragener Invasionsversuch der Milchstraße konnte, nicht zuletzt durch den Einsatz der Parasprinter, verhindert werden.

Greks Hinweisen ist es zu verdanken, dass die Terraner im Jahr 2402 in einem weiteren intergalaktischen Transmittersystem Fuß gefasst haben. Von dort aus dringt Perry Rhodan mit dem »Geheimsatelliten Troja« in den zweiten Andromeda vorgelagerten Zwergnebel, Andro-Beta, ein, um mehr über die Pläne des Gegners zu erfahren. Die Terraner haben alle Hände voll zu tun, um ihre Identität vor dem Wächtervolk der Twonoser zu verbergen und erleben phantastische Abenteuer mit den Mobys, planetengroßen Weltraumwesen, die sich von Energie ernähren. Weiterhin kommt Perry Rhodan alles darauf an, die Anwesenheit von Menschen im Vorfeld Andromedas vor den Meistern der Insel geheim zu halten.

Er kann nicht verhindern, dass die scheinbar toten Mobys durch unbekannte Hyperimpulse aktiviert werden, um in einer beispiellos grausamen Strafaktion Tod und Verderben über die Welten der Twonoser zu bringen. Die terranischen Schiffe müssen sich aus dem Hexenkessel Andro-Beta vorerst zurückziehen. Ein Space-Jet-Kommando dringt kurz darauf erneut in den Sternennebel ein und landet auf der Suche nach dem Hypersender auf dem »unmöglichen« Planeten Gleam. Man bringt den Sender zum Schweigen. Die Moby-Gefahr ist gebannt, Perry Rhodan macht Gleam zum terranischen Stützpunkt in Andro-Beta.

Zeittafel

1971 – Perry Rhodan erreicht mit der STARDUST den Mond und trifft auf die Arkoniden Thora und Crest.

1972 – Mit Hilfe arkonidischer Technik Aufbau der Dritten Macht und Einigung der Menschheit.

1976 – Das Geisteswesen ES gewährt Perry Rhodan die relative Unsterblichkeit.

1984 – Galaktische Großmächte versuchen, die Menschheit zu unterwerfen.

2040 – Das Solare Imperium ist entstanden. Der unsterbliche Arkonide Atlan taucht auf.

2102 – Entdeckung der Akonen im Blauen System.

2103 – Perry Rhodan erhält von ES einen Zellaktivator.

2104 – Entdeckung des Planeten Mechanica und Ende des Robotregenten.

2114 – Bündnis mit den Posbi-Robotern nach Kampf um die Hundertsonnenwelt.

2326 – ES verstreut 25 Zellaktivatoren in der Galaxis.

2327 – Terraner entdecken das Zweite Imperium der Blues.

2328 – Sieg über die Blues und Friedensvertrag zwischen den galaktischen Imperien.

2329 – Perry Rhodan heiratet die Plophoserin Mory Abro.

2400 – Entdeckung der Transmitterstraße nach Andromeda und Kampf gegen die Maahks. Perry Rhodan hört erstmals von den geheimnisvollen Herren Andromedas, den Meistern der Insel.

2401 – Fünf Agenten Terras werden im Andro-Alpha-Nebel durch Multiduplikatoren dupliziert. Die Invasion der Milchstraße durch die Maahks wird mit Hilfe der Parasprinter abgewehrt.

2402

1.

Im Tiefbunkerhauptquartier von Gleam schrillten Glocken. Die Schirme der Hyperkomgeräte begannen zu flackern. Das Fernbild eines Raumschiffoffiziers wurde erkennbar.

Der Diensthabende von Power Center sah auf die Chronometer. Es war kurz nach drei Uhr morgens.

»Major Nostrates, Leichter Kreuzer KALAGAN, Erstes Auffanggeschwader, Vierte Schlachtkreuzerflottille. Ortungsergebnis an Power Center. Ein großes Schiff, vermutlich Raumer der Imperiumsklasse, beendet soeben sein Eintauchmanöver in das Normaluniversum. Erkennungsimpuls ist nach gültigem Kode abgestrahlt und von uns entschlüsselt worden. Der Großadministrator kehrt zurück. Der Name seines Schiffes wurde mit CREST III angegeben. Bestätigen Sie bitte.«

Zwei Stunden später gab der Funkchef Manöveralarm. Die Erkennungszeichen des fremden Schiffes wurden nun auch auf Gleam empfangen. Der Sender arbeitete wegen der Abhör- und Einpeilgefahr mit schwächster Leistung.

Lordadmiral Atlan wurde vom Pfeifen seines Kommandogerätes geweckt. Schläfrig drückte er die Taste nieder. Auf dem winzigen Bildschirm erschien das Gesicht des Hafenkommandanten. Er strahlte.

»Geht Ihre Uhr vor?«, erkundigte sich Atlan, ehe der Offizier ein Wort sagen konnte.

»Gestern erst repariert worden, Sir«, schmunzelte Oberst Katunga.

»Sicherlich mit einem Presslufthammer«, nörgelte Atlan. »Ihr Terraner lernt es nie. Wild wie Steppengäule und rücksichtsvoll wie eine Axt im Walde. Also, was ist?«

Katunga verzichtete darauf, mehr zu sagen als: »Perry Rhodan ist im Anflug. Sein Schiff heißt CREST III, Landefeld sieben wird soeben geräumt.«

Das genügte vollauf, um Atlan vom Lager springen zu lassen. Katunga vernahm eine arkonidische Verwünschung, die er noch nie gehört hatte.

»Wenn Sie tatsächlich Perry Rhodan meinen, so war ich bisher der Auffassung, er würde erst im Laufe der kommenden Woche eintreffen. Wer hat mich hier eigentlich genasführt?«

»Niemand, Sir. Die CREST III muss eine unverhofft schnelle Reise gemacht haben.«

»Schnelle Reise!«, wiederholte der Arkonide ergrimmt. »Der 5. Januar des Jahres 2404 ist vor wenigen Stunden angebrochen. Seit wann kann man mit einem Imperiumsraumer runde vierhunderttausend Lichtjahre so schnell überbrücken, dass eine Zeitersparnis von wenigstens fünf Tagen die Folge ist? Sie phantasieren, Katunga.«

»Sir, Sie sehen mich ebenfalls überrascht.«

»Irrtum, ich sehe Sie nicht. Sie haben Ihren Charakterkopf aus der Bilderfassung entfernt.«

Katunga beugte sich seufzend nach vorn. Die grinsenden Gesichter der Funker übersah er wohlweislich.

»Sehen Sie ihn jetzt?«

»Was?«

»Meinen Charakterkopf.«

»Oh, habe ich mich so ausgedrückt? Das muss ein Irrtum gewesen sein. Wir treffen uns auf Nummer sieben.«

Atlan schaltete ab und kleidete sich hastig an. Sein Extrahirn meldete sich mit einem Impuls, der den Arkoniden hellwach machte.

»CREST III – also doch ein neues Schiff. Du wirst eine Überraschung erleben.«

Atlan sah sich unwillkürlich um, schüttelte den Kopf und schritt unter die Brause. Die Tiefbunkerquartiere waren komfortabel eingerichtet worden.

Eine halbe Stunde später landete sein Fluggleiter am Rande von Landefeld sieben. Die B-Sonne des Tri-Systems stand am Himmel und überschüttete den Planeten mit einer Flut hellen Lichtes.

Vier moderne Schlachtschiffe der STARDUST-Klasse, die bisher auf Feld sieben gestanden hatten, waren soeben gestartet. Atlan legte den Kopf in den Nacken und sah den langsam aufsteigenden Achthundertmeter-Riesen nach. Sie flogen mit Minimalbeschleunigung.

»Verlegung nach Feld einunddreißig, Sir«, erklärte Oberst Katunga. »Der Befehl dazu kam vom Flottenflaggschiff. Die CREST III schwenkt in die Landekurve ein.«

Atlan sah sich im Kreise der Offiziere um.

Die Männer einer Raumlandebrigade sprangen von den Transportwagen und rannten unter dem anfeuernden Gebrüll eines Majors zur roten Gefahrenlinie hinüber. Dort stellten sie sich auf. Sie trugen Funkbildhelme neuester Konstruktion.

»Großer Bahnhof, was?«, erkundigte sich Atlan anzüglich. »Gleich eine ganze Brigade! Meine Herren, hier geschehen neuerdings seltsame Dinge. Wozu, um alles in der Welt, müssen vier STARDUST-Raumer ihre Abstellplätze verlassen, um einem Imperiumsschiff Platz zu machen? Wenn mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt, misst dieser Hafensektor sechs mal sechs Kilometer. Wenn die Schlachtschiffe ordnungsgemäß gelandet waren, hätte die CREST III noch bequem Platz gehabt. Wozu der Aufwand?«

Niemand wusste eine Antwort. Katunga verschanzte sich hinter den Flaggschiffbefehlen, und Dr.-Ing. Sagener schwieg.

Atlan spürte eine seltsame Erregung von sich Besitz ergreifen, und plötzlich sah er wie in einem Film vor seinem geistigen Auge noch einmal die Stationen des langen Weges Revue passieren, der – das spürte er – hier und heute einen weiteren Wendepunkt nehmen sollte ...

Es war Ende November 2402 gewesen, drei Wochen nach der Zerstörung der Dunkelwelt Modul als letzter Abwehrbastion der Meister der Insel in Andro-Beta, als Grek-1 den Wunsch äußerte, in seine Heimatgalaxis zurückkehren zu dürfen. Der ehemalige Geheimdienstchef der Maahks, nach der fehlgeschlagenen Invasion der Milchstraße neuer Verbündeter und wichtigster Informant der Terraner, war in allergrößter Sorge um sein in Andro-Alpha lebendes Volk. Die erwartete Strafaktion der Meister der Insel musste schon angelaufen sein. In dieser vielleicht schwersten Stunde wollte Grek bei seinen Artgenossen sein.

Perry Rhodan willigte mit gemischten Gefühlen ein. Die CREST II, zur Tarnung wieder mit Zusatztriebwerken ausgerüstet, brachte den Maahk bis an die Grenzen der Kleingalaxis. Von dort aus setzte Grek-1 den Weg allein fort. Auch diesen Wunsch musste Rhodan akzeptieren. Er überließ Grek eine getarnte Space-Jet und blieb mit der CREST im Ortungsschutz einer einsamen Randsonne auf Warteposition zurück.

Was dann geschah, ließ sich aus aufgefangenen Funksprüchen und den Beobachtungen rekonstruieren, die eine Korvette machte, die Perry Rhodan dem Maahk ohne dessen Wissen hinterhergeschickt hatte. Dies geschah nicht aus Misstrauen, und die Berechtigung dieser Maßnahme sollte sich schon bald darauf erweisen.

Grek-1 musste sehr schnell feststellen, dass seine Befürchtungen eingetroffen waren. Die Strafaktion der Meister gegen sein Volk war in vollem Gange. Neben linientreuen, den Meistern der Insel noch ergebenen Maahks gingen auch eigens für diesen Zweck nach Andro-Alpha beorderte Twonoserschiffe gegen die Welten der Methanatmer vor. Dies wiederum führte dazu, dass die bedrohten Maahks endlich in vollem Umfang begriffen, wem sie bisher gedient hatten, und die offene Rebellion wagten.

In Andro-Alpha herrschte das Chaos.

Dennoch erreichte Grek den vom gleichnamigen Methanriesen umlaufenen Sonnentransmitter Alpha-Zentra. Ohne zu zögern, begann er mit Höchstleistung zu funken. Er gab sich als Maahk zu erkennen, allerdings nicht als der ehemalige Geheimdienstoffizier, der den Angriff auf die Milchstraße geleitet hatte. Dies war vorher so mit Perry Rhodan abgesprochen worden. Hätte Grek seine Identität preisgegeben, so wäre zwangsläufig der Verdacht aufgekommen, die Terraner hätten ihn nach Andro-Alpha geschickt, um in ihrem Sinne zu wirken.

Grek-1 appellierte als »Freund« an alle Maahkvölker, die ihre Freiheit liebten. Er beschwor sie, sich von den Meistern der Insel abzuwenden, die ihnen nur Unglück und Verderben brächten. Er forderte die Rebellen zu noch heftigerer Gegenwehr und die noch linientreuen Maahks zur Abkehr von den Tyrannen aus Andromeda auf. Nur gemeinsam, so führte er ihnen vor Augen, könnten sie die Herrschaft der Meister in Andro-Alpha brechen und gegen jede drohende Vergeltung bestehen.

Der Funkspruch, ständig wiederholt, war in einem Umkreis von mehreren Dutzend Lichtjahren empfangen worden. Die Rebellen zeichneten ihn auf und leiteten ihn weiter, bis Greks eindringlicher Einigungsappell in ganz Andro-Alpha zu hören war – auch lange noch, nachdem der ehemals so ranghohe Maahkoffizier schon nicht mehr lebte.

Beim Angriff eines Verbandes linientreuer Maahks wurde die Space-Jet innerhalb von Sekunden zerstört, bevor die Rebellen zu Hilfe kommen konnten.

Perry Rhodans Bestürzung, als die Beobachterkorvette mit der Nachricht von Greks Tod zurückkehrte, war tief. Daran änderte auch die Tatsache zunächst nichts, dass Greks Appell offenbar auf fruchtbaren Boden gefallen war. Weitere ausgeschickte Kundschafterschiffe berichteten davon, dass der Widerstand der Maahks überall in der Kleingalaxis verstärkt aufzuflammen begann.

Die CREST II flog nach Gleam und kehrte im Dezember 2402 über das Schrotschuss-System in die Milchstraße zurück. Lordadmiral Atlan und der neue Verbündete Baar Lun, der letzte vom Volk der Moduls, blieben auf Gleam zurück.

In den darauffolgenden Monaten wurde der Stützpunkt unter der Leitung des Arkoniden weiter systematisch ausgebaut und schließlich vollendet. Nach und nach wurden die terranischen Streitkräfte durch neue Verbände aus der Milchstraße verstärkt. Atlan schickte unter größter Vorsicht Kreuzer in Richtung Andro-Alpha aus, um die dortigen Vorgänge zu beobachten.

Inzwischen war die Besatzung des Geheimsatelliten Troja abgelöst und nach Hause geschickt worden. Troja war mit Robotern bemannt worden und zog weiterhin seine vorgegebene Bahn durch Andro-Beta. Zusätzlich wurden Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, um das Eindringen von Fremden in die Station zu verhindern. Eine Selbstzerstörungsanlage sollte den Satelliten beim Betreten durch Unbefugte auf der Stelle zerstören.

Greks Prophezeiung, dass die Strafaktion die Meister der Insel vorerst von der Milchstraße ablenken würde, schien sich zu bestätigen. Die befürchtete Invasion blieb aus. Dagegen tobten in der Zwerggalaxis weiterhin heftige Kämpfe. Die Maahk-Rebellen wehrten sich mit allen Mitteln gegen die Vasallen der Meister. Rhodan wusste jedoch, dass die trügerische Ruhe für die Galaxis nur eine vorübergehende und trügerische sein konnte. Früher oder später würde das Versteckspielen im Vorfeld Andromedas zu Ende sein, die mysteriösen Beherrscher der Nachbargalaxis würden die Milchstraße nicht vergessen.

Es galt deshalb, ihnen zuvorzukommen. Rhodan wusste, dass er der schweren Verantwortung, die er für die Menschheit und alle anderen galaktischen Intelligenzvölker trug, nur dann gerecht werden konnte, wenn er die schwelende Bedrohung ausschaltete. Das hieß für ihn, er musste den Meistern der Insel direkt gegenübertreten und eine Entscheidung herbeiführen, die der Milchstraße langfristig den Frieden sicherte.

Das bedeutete nichts anderes als den direkten Vorstoß nach Andromeda.

Und genau dieser Plan war es, der nun allmählich konkrete Formen anzunehmen begann. Es war nur eine Frage der Zeit, bis man den entscheidenden Schritt wagte.

An diesem 5. Januar des Jahres 2404 schien die Entscheidung gefallen zu sein.

Ortungsergebnisse kamen durch. Die CREST III, das Nachfolgerschiff der veralteten CREST II, näherte sich immer mehr. Wenig später wurden ihre typischen Umrisse erkennbar. Das neue terranische Flaggschiff flog ohne die Tarnaufbauten, die während der vergangenen Operationen in dieser Kleingalaxis üblich gewesen waren, um eine Identifikation zu erschweren. Seit dem Fall der Dunkelwelt Modul waren derartige Tarnungen überflüssig geworden.

Die CREST stieß im direkten Landeanflug im Winkel von etwa sechzig Grad aus den oberen Luftschichten hervor. Als sie von kurz aufflammenden Ringwulsttriebwerken vertikal über dem Hafensektor aufgefangen und im Schutze der Antigravitationsfelder angehalten wurde, war Atlan der Auffassung, Oberst Cart Rudo würde ausnahmsweise einmal eine Gentleman-Landung vorführen.

Das war ein Irrtum. Die CREST III, die von unten betrachtet einer riesigen Halbkugel mit einem weitausladenden Ring in Mittschiffshöhe glich, fiel so schnell, dass die Schallwellen ihres Maschinengetöses nur noch wenig Zeit hatten, vor dem Flugkörper den Boden zu erreichen.

Das Brüllen und Tosen wurde unerträglich. Schließlich kamen die ersten Druckwellen durch. Sie schlugen steil von oben kommend auf den Platz, wirbelten Staubwolken auf und heulten nach allen Richtungen davon.

Oberst Cart Rudo, der Kommandant, hob die Fallgeschwindigkeit mit einem erneuten Bremsschub auf. Ultrahelle Impulsflammen brachen aus den abwärts gerichteten Schlünden der Hochenergiefelddüsen.

Ohne ein Wort zu verlieren, ging Atlan hinter bereitstehenden Terkonitstahlschilden in Deckung. Kasom kam zuletzt an. Er hatte sich den heißen Odem der CREST III fast zu lange um die Nase wehen lassen.

»Sir, der Kahn wird immer größer«, schrie Kasom und deutete nach oben.

»Was dachten Sie wohl?«, wunderte sich Atlan. »Das ist meistens so, wenn sich ein Flugkörper dem Boden nähert. Ihre Entdeckung ist phänomenal.«

Dr. Sagener lachte seltsam. Es klang, als könne er sich kaum noch beherrschen.

Marco Sagener war Chefingenieur und erst seit wenigen Tagen auf Gleam. Er hatte die Nachricht mitgebracht, dass es den terranischen Wissenschaftlern unter der Leitung von Arno Kalup endgültig gelungen war, das Geheimnis der grünen Schutzschirme der Maahks zu lüften und diese sogar zu verbessern. Die neuen Schutzfelder, Hochenergie-Überladungsschirme, kurz HÜ-Schirme genannt, waren nun soweit, dass sie in Serie gehen konnten.

Diese Nachricht war von Atlan und seinen Leuten mit Erleichterung aufgenommen worden, da nun den Terranern eine wirksame Abwehrwaffe gegen die Konverterkanonen der Maahks zur Verfügung stand.

Im übrigen tat Sagener jedoch recht geheimnisvoll und erging sich nur in Andeutungen, wonach für die Menschheit eine neue Etappe in ihrer technischen Entwicklung begonnen hatte. Konkretere Angaben darüber waren ihm nicht zu entlocken gewesen.

»Sir, so habe ich es nicht gemeint«, brüllte Kasom noch lauter. Er war verstört. »Ich habe einige Messdaten empfangen. Die CREST III steht noch etwa drei Kilometer über uns und trotzdem ist sie nicht mehr in voller Größe zu überblicken.«

»Höchstens noch tausend Meter«, vermutete Oberstleutnant Faser mit größtmöglicher Lautstärke. »Mir braucht niemand zu erzählen, wie ein Imperiumsraumer aus dieser Entfernung aussieht. Tausend Meter und keinen mehr. Wenn man ihn nur noch ausschnittweise sehen kann, ist er nicht mehr höher.«

»Müssen Sie immer recht haben?«, tobte Kasom. »Verdammt, ich habe die Messungen mitgehört.«

Atlan war plötzlich erblasst. Er drehte sich langsam und fast ruckartig um. Den Männern schien, als hätten sie plötzlich einen Roboter vor sich.

Dr. Sagener fühlte den brennenden Blick das Admirals. Weit über ihnen orgelten die Triebwerke des neuen Flottenflaggschiffes im Leerlauf. Trotzdem wurde der Orkan immer stärker.

Die Soldaten waren längst hinter den Schutzschilden verschwunden.

»Da oben wird man sich jetzt vor Lachen die Bäuche halten«, meinte Kasom erbost. »Die haben uns doch genau auf den Bildschirmen. Rudo macht sich einen Spaß daraus, die Triebwerke etwas stärker als üblich laufen zu lassen. Aber wieso schießt der Kahn dann nicht in den Raum? Mit der hohen Schubleistung kommt Rudo niemals auf dem Boden an. Oder doch? Dann hat er eben seine Gravofelder um ein Hundertstel heruntergeschaltet.«

Kasoms Selbstgespräch war laut genug gewesen, um von den meisten Offizieren verstanden zu werden. Atlan war noch immer blass. Dr. Sagener senkte den Blick. Da schaute der Arkonide wieder zu dem Schiff hinauf. Zwei Sekunden später wusste er, dass Kasoms Behauptungen richtig waren.

Die CREST III wurde immer größer, und trotzdem hatten ihre weitgespreizten Landebeine noch nicht den Boden berührt.

Als die CREST III nur noch zweihundert Meter hoch war, hatte der jüngste Kadett begriffen, dass dieser Übergigant niemals ein fünfzehnhundert Meter durchmessendes Schiff der Imperiumsklasse sein konnte. Da kam etwas ganz anderes an; etwas, das einem erfahrenen Raumpiloten wie Atlan die Sprache verschlug und ihn fassungslos in die gleiche Richtung starren ließ.

Melbar Kasom revidierte seine Meinung. Cart Rudo hatte seine Antigravfelder durchaus nicht heruntergeschaltet, um durch diesen Trick höhere Schubleistungen entwickeln zu können.

Dieses Schiff brauchte die Werte, damit man seine Masse trotz der Neutralisation der Gleam-Schwerkraft sicher beherrschen konnte.

Nun wurde es auch verständlich, warum die vier Schlachtschiffe das Gelände verlassen mussten. Die CREST II hätte noch Platz gehabt; dieser Übergigant nicht mehr.

Atlan bemühte sich, seine tiefe Erregung zu verbergen. Kasom und die anderen Männer machten kein Hehl aus ihrer Begeisterung. Sie drängten sich hinter dem Stahlschild zusammen, hielten sich gegenseitig fest und schrien sich ihre Meinungen zu. Es handelte sich um Schätzwerte über die Größe des neuen Flottenflaggschiffes.

Atlan wartete, bis die riesigen Auflageteller der Landebeine den Boden berührten. Kurz darauf ließ das Dröhnen nach. Das Arbeitsgeräusch der Triebwerke erstarb mit einem letzten Grollen. Es wurde still.

Die CREST III war im Mittelpunkt von Feld sieben gelandet. Demnach musste ihre Polachse etwa drei Kilometer entfernt sein. Wenn man davon ausging, ließ sich ein ungefährer Wert über den Durchmesser der Kugelzelle ermitteln – wenigstens bei einem Raumer der Imperiumsklasse.

Hier war es nicht mehr möglich. Die Sinneseindrücke verwischten sich; das Gehirn weigerte sich, die von den Augen aufgenommenen Eindrücke zu verarbeiten. Es war eine unterbewusste Reaktion.

Atlan sah nur Ausschnitte des Rumpfes. Oberst Katunga bat um Ruhe. Die Soldaten der Raumlandebrigade sprangen hinter ihren Deckungen hervor und stellten sich wieder auf.

Atlan hielt Dr. Sagener am Arm fest.

»Einen Moment, Doktor! Jetzt kommt es auf zwei Minuten auch nicht mehr an. Was haben Sie mir zu sagen? Oder dürfen Sie noch immer nicht sprechen?«

Sagener verneigte sich.

»Sir, ich habe die Ehre, Ihnen den ersten terranischen Serienneubau der GALAXIS-Klasse vorstellen zu dürfen. Die offizielle Bezeichnung lautet ULTRA-Schlachtschiff. Die CREST besitzt drei Kalupkonverter in neuer Kompaktbauweise. Jeder Konverter ist stark genug, um das Schiff mit millionenfacher Lichtgeschwindigkeit durch den Linearraum zu bringen. Reichweite pro Einheit vierhunderttausend Lichtjahre, zusammen einskommazwei Millionen Lichtjahre. Der Durchmesser der Kugelzelle beträgt zweieinhalb Kilometer, also tausend Meter mehr als bei Schiffen der Imperiumsklasse. Ringwulstbreite nur dreihundertfünfzig Meter, gleiche Höhe. Vierundzwanzig Landebeine, Auflagefläche der Bodenteller sechzigtausend Quadratmeter. Zwanzig Normaltriebwerke mit etwa vierzigfach erhöhter Schubleistung gegenüber den Imperiumsraumern, ebenfalls neuartige Kompaktbauweise. Wir haben die Erfahrungen von hundert Jahren verwertet. Zwölf Großkraftwerke zur Versorgung der Normalverbraucher; Waffen sind prinzipiell Selbstversorger und unabhängig von jeder fremden Energiezufuhr. Beschleunigung trotz der riesigen Masse sechshundertfünfzig Kilometer pro Sekundenquadrat, also fast Kreuzerwerte; Vierfachstaffelschirme, drei Normalausführungen, vierter Schirm ist ein HÜ-Schirm nach dem Muster der Maahks. Theoretisch unzerstörbar; unangreifbar gegen die sagenhafte Konverterkanone, da energetisch gleichwertig. Hauptbewaffnung sechzig Transformkanonen schwersten Kalibers. Abstrahlkapazität von tausend Gigatonnen pro Geschütz. Dazu alle anderen konventionellen Energiewaffen. Stärkster Terkonitpanzer, Wabenbauweise.«

»Hören Sie auf, bitte«, forderte Atlan mit brüchiger Stimme.

Sagener war unerbittlich. Er sonnte sich in seinem Wissen um das größte Geheimnis des Solaren Imperiums.

»Noch eine Minute, Sir. Die CREST III besitzt zwei ringförmige Außenhangars ober- und unterhalb des großen Triebwerkwulstes. Dadurch keine Platzbeanspruchung im inneren Zellenraum. Das Ultraschiff ist gleichzeitig ein Trägerschiff, ohne dadurch in seiner Kampfkraft als Ultrariese geschmälert zu werden. Besatzung fünftausend Mann. Davon dreitausend Mann Stammbesatzung, zweitausend Mann sind für die Korvetten und Moskitos bestimmt.«

»Moskitos?«

»Neuartige Raumjäger«, fuhr Sagener unbeirrt fort. »Sechsundzwanzig Meter lang, mit einem Bugdurchmesser von vier Metern und einem Heckdurchmesser von drei Metern. Besatzung zwei Mann. Scharfgepfeilte Deltatragflächen und hochragende Seitenleitwerke. Moskitos sind sowohl für Flüge innerhalb einer Atmosphäre als auch im Weltraum geeignet. Sie besitzen Lineartriebwerke in Kompaktbauweise mit einer Reichweite von 100.000 Lichtjahren. Die Bewaffnung besteht aus einem leichten, starr in Flugrichtung eingebauten Transformgeschütz sowie einem ebenfalls starr eingebauten Thermogeschütz. Jeder Moskito verfügt auch über den neuartigen HÜ-Schutzschirm.

Was die Korvetten betrifft, so wurden auch diese Beiboottypen, unter Beibehaltung des bereits gewohnten Durchmessers von sechzig Metern, vollständig umkonstruiert. Sie besitzen ebenfalls Transformkanonen und HÜ-Schutzschirme. Die Reichweite der Triebwerke konnte auf 200.000 Lichtjahre gesteigert werden. Stammbesatzung pro Korvette zwanzig Mann. Die CREST III führt fünfzig Korvetten und fünfhundert Moskitos mit sich. Das wären im wesentlichen die wichtigsten Daten.«

Dr. Sagener trat zurück. Vor Atlan flimmerte die Luft. Gucky materialisierte vor seinen Füßen.

»Hallo, alter Junge«, sagte die Riesenmaus ungewohnt ernst. »Du hast deinen Monoblock vernachlässigt. Ich habe deshalb deinen Bewusstseinsinhalt erfasst. Nein – auf der CREST III hat niemand gelacht, wie Kasom vermutete. Wir waren eher um euch besorgt. Wenn man so ein Riesending sieht, dann bekommt man einen Schreck.«

Er winkte den anderen Offizieren zu und zeigte seinen großen Nagezahn. Atlan fuhr dem Mutanten über das weiche Nackenfell.

Unter dem Riesenrumpf des Ultraschlachtschiffes öffneten sich die Luken. Die untere Polschleuse war zwölfhundertfünfzig Meter vom Außenrand der Zelle entfernt. Ein Fußgänger musste fünfzehn bis zwanzig Minuten laufen, um erst einmal unter dem in etwa elfhundert Meter Höhe beginnenden Überhang des äquatorialen Triebwerkwulstes anzukommen. Atlan war, als stünde er am Fuße eines steil aufragenden Bergriesen, dessen Gipfel unsichtbar blieb.

Gucky schwieg. Nachdenklich sah er zu dem Schiff hinüber. Wagen fuhren vor. Erregte Männer riefen und schrien.

Atlan betrat wie ein Schlafwandler das Fahrzeug. Sie fuhren zwischen zwei Landebeinen hindurch und tauchten in den Schatten der unteren Kugelwandung ein.

Perry Rhodan wartete vor dem leuchtenden Antigravfeld einer kleinen Mannschleuse. Die führenden Offiziere der CREST III standen hinter ihm.

Als er den Gemütszustand des Freundes bemerkte, sprach er kein Wort. Er legte dem Arkoniden die Hände auf die Schultern und suchte seinen Blick. So schauten sie sich lange an, bis sich Atlans Verkrampfung lockerte. Er versuchte ein Lächeln.

»Willkommen, Freund«, sagte er leise. »Ich hatte mit Überraschungen gerechnet, damit aber nicht. Ihr Terraner habt also nicht geschlafen! Wer eure Initiative kennt, konnte es vermuten. Sind diese Schiffe schon in Serie gegangen?«

»Die Mondwerften sind bereits umgestellt worden. Ein ungeheures Programm.«

Atlan nickte. »Der Mensch hat mein Volk nunmehr weit überflügelt. Vergiss jedoch nie, dass du mit einem arkonidischen Beiboot der Sechzigmeterklasse angefangen hast. Es wird deinen Übermut dämpfen, Barbar.«

Rhodan lachte. Atlan hatte sich wieder gefasst. Das ironische Funkeln kehrte in seine Augen zurück.

»Einer der drei Kalups dürfte nach dem Überführungsflug ausgebrannt sein. Man wird ihn hier austauschen müssen. Hast du auch daran gedacht?«

Atlan schaute den Freund forschend an. Rhodan entgegnete mit leiser Stimme:

»Die letzten auf Gleam eingetroffenen Großtransporter haben alles gebracht, was wir für die Galaxisklasse benötigen. Die CREST geht sofort in die Werft. Aus- und Einbau dauern nur noch vierundzwanzig Stunden. Es sind spezielle Antigravschächte installiert worden. Sie führen von den Wartungsschleusen durch das Schiff bis hinauf zu den Konverterräumen. Der Aggregatwechsel ist kein Problem mehr. Es ist nicht mehr erforderlich, eine Heimatwerft aufzusuchen und die ausgebrannten Kompensationskonverter zu demontieren, damit man sie aus den Maschinenhallen entfernen kann. Bei der CREST III geschieht der Austausch sozusagen in einem Stück. Tritt ein, Freund, und sieh dich um. Der Empfang hat Zeit. Komm!«

2.

Sechster Januar 2404, Erdzeit. Lagebesprechung im Hauptquartier Perry Rhodans auf Gleam, Tri-System, Andro-Beta.

Fast stündlich kamen Transporter und neue Flotteneinheiten über Gleam an und schwenkten auf die festgelegten Kreisbahnen ein. Nur die Großraumfrachter landeten, löschten ihre Ladungen und traten sofort nach der Generalinspektion der Maschinenanlagen den Rückflug zum vierhunderttausend Lichtjahre entfernten Schrotschusstransmitter an.

Dort sorgte Rhodans Stellvertreter, Staatsmarschall Reginald Bull, für den reibungslosen Ablauf der Nachschubbrücke, die man über den Abgrund des kosmischen Leerraumes gebaut hatte.

Atlan sah sich um. Der Saal war so groß, wie man es von dem Besprechungsraum eines Oberbefehlshabers erwarten konnte. Die sinnverwirrende Fülle der technischen Einrichtungen wies darauf hin, dass hier das Nervenzentrum von Power Center lag.

Die Flottenoffiziere und wissenschaftlichen Spezialisten gehörten zur Elite der Menschheit. Es waren nur wenige Nichtmenschliche anwesend, unter ihnen der Mausbiber Gucky, der Haluter Icho Tolot, der Modul Baar Lun und Atlan. Sie waren alle zuverlässig genug, um in die Planung der Menschheit eingeweiht zu werden.

Gucky hatte sich zu den Mutanten gesellt. Außer ihm waren noch der Teleporter Ras Tschubai, der Mutantenchef Telepath John Marshall, der Hypno André Noir, der Späher Wuriu Sengu, die Wellensprinter Tronar und Rakal Woolver sowie der Doppelkopfmutant Iwan-Iwanowitsch Goratschin erschienen.

Die Wissenschaftler und Techniker aller Fachgebiete gehörten zumeist dem oberen Flottenstab an. Atlan erblickte nur wenige Zivilisten, unter ihnen den Erbauer des Gleam-Stützpunktes, Chefingenieur Efhard Laut, sowie Dr.-Ing. Sagener, der bereits mit der Umschulung des Werftpersonals begonnen hatte.

Der dritte Zivilist war ein Kosmopsychologe der Solaren Abwehr. Sein Name war Prof. Dr. Mentsche Rosenstayn, ein hagerer, dunkelhaariger Terraner mit klugen Augen.

Eine Stunde nach Eröffnung der Administratorsitzung liefen immer noch die farbigen Drei-D-Filme, die von den Wachkreuzern der Betaflotten im benachbarten Andro-Alpha-Nebel aufgenommen worden waren. Dazu wurden ständig Messdaten und positronische Auswertungen eingeblendet.

Professor Rosenstayn war zur Zeit der wichtigste Mann. Von seinem Urteil hing viel ab. Es war die Aufgabe seines Teams gewesen, die in Andro-Alpha beobachteten Ereignisse auszuwerten und daraus Schlüsse zu ziehen. Rosenstayn hatte sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Mentalität der Maahks befasst, so dass er in der Lage war, die derzeitige Entwicklung in Andro-Alpha mit den Plänen Terras abzustimmen, um dem terranischen Vorstoß nach Andromeda größtmögliche Erfolgsaussichten zu ermöglichen.

Während die Bilder kommentarlos vor den Augen der Zuschauer abliefen, begann der Kosmopsychologe mit seinem Abschlussbericht.

»Wie wir alle von Grek-1 wissen, haben sich im Lauf der Jahrtausende innerhalb der Maahk-Nation zwei Gruppen herausgebildet. Da sind zum einen jene Maahks, die den Meistern der Insel bedingungslos ergeben sind. Diese Gruppe wurde von Grek-1 abfällig als Leibeigene bezeichnet. Ihnen gegenüber steht die große Mehrheit der Maahks sowie der anderen Methan-Völker, die bis vor wenigen Monaten die Vormundschaft durch die Leibeigenen und deren Herren mehr oder weniger reserviert, aber ohne nennenswerten Widerstand ertragen hatten. Nun, die Situation hat sich seit November 2402 grundlegend verändert. Im Zuge der Strafexpedition der Meister kam es zu einem massiven Aufstand der Maahks, so dass sich die Meister gezwungen sahen, die Flotten der Leibeigenen durch weitere Hilfskräfte aus Andromeda zu verstärken. Die im September 2402 aus Andro-Beta abgezogenen Blaurüssel-Schiffe – die nach Andromeda gegangen sind – wurden ebenso nach Andro-Alpha entsandt wie unzählige andere Schiffe bislang unbekannter Hilfsvölker.«

Rosenstayn deutete auf die Bildschirme.

Ein großer Verband eiförmiger Raumschiffe wurde von walzenförmigen Raumfahrzeugen angegriffen und in wenigen Augenblicken vernichtet.

Andere Eischiffe, die den Bedrängten zu Hilfe eilten, wurden von der Angriffsflotte ebenfalls attackiert und mit schweren Verlusten zurückgeschlagen.

Professor Rosenstayn fuhr fort:

»Die Angreifer sind revoltierende Methans aus dem Hauptvolk der Maahks. Die Eischiffe der aus dem Betasystem abgezogenen Rüsselwesen stehen kurz vor der völligen Vernichtung. Die Eingreifreserven der leibeigenen Maahks haben keine Überlebenschance. Es ist anzunehmen, dass die Aufständischen im Laufe der kommenden Wochen den Alpha-Transmitter zerstören werden, um die überlichtschnelle Nachschubverbindung zum Andromedanebel abzuschneiden. Danach wird es zu einer Großoffensive gegen Andromeda kommen. Unter Berücksichtigung der ungeheuren Zielstrebigkeit aller Wasserstoff-Methan-Atmer kann mit sechsundneunzigprozentiger Gewissheit ausgesagt werden, dass Andro-Beta unbehelligt bleiben wird. Die Maahks haben hier nichts verloren. Ihre Erkundungsvorstöße mit Einzelschiffen in den Bereich dieser Kleingalaxis beweisen, dass das Oberkommando der Alphabewohner nicht an eine Flottenkonzentration leibeigener Andromedaverbände in diesem Lebensbereich glaubt. Der hiesige Sonnentransmitter ist von den Meistern der Insel selbst zerstört worden. Wir befinden uns hier in einem abseits der Brennpunkte liegenden System, das für die Maahks sowohl wirtschaftlich als auch taktisch und strategisch uninteressant ist. Sie besitzen hier weder Rohstoffplaneten noch irgendwelche Werft- und Nachschubbasen. Sie werden die im Alphanebel aufgebauten Siedlungssysteme mit all ihren unerschöpflichen Produktionsmöglichkeiten als Sprungbrett benutzen und beschützen. Die zielstrebige Revolte gegen die Einheiten der Meister der Insel ist leicht durchschaubar. Das Endziel der Maahkvölker liegt im großen Andromedanebel. Aber auch die Meister der Insel haben, angesichts der Auseinandersetzung mit den Maahks, derzeit andere Probleme als sich um Andro-Beta zu kümmern. Diese Kleingalaxis hat für sie keine strategische Bedeutung mehr, so dass uns auch aus dieser Richtung keine unmittelbare Gefahr droht.

Wir halten daher den Zeitpunkt für gekommen, den ersten Erkundungsvorstoß nach Andromeda zu wagen, um vorerst wichtige Fragenkomplexe zu lösen.«

Perry Rhodan saß an der oberen Rundung des weitgeschwungenen Konferenztisches. Er zog das Mikrophon näher.

»Wie lauten, Ihrer Auffassung nach, diese Fragen, Professor?«

Mentsche Rosenstayn brauchte nicht nach einer Antwort zu suchen. Er konnte das Ergebnis von millionenfältigen Detailauswertungen vorlegen.

»Nach dem missglückten Angriffsversuch des Maahkgeheimdienstes im Mai 2401 auf die Milchstraße war mit dem Beginn einer Großoffensive in den folgenden zwölf Monaten zu rechnen. Die Zerstörung des Twin-Transmitters reduzierte diese Gefahr auf fünfzig Prozent des angenommenen Maßstabes.

Die anschließende Empfangssperre des galaktischen Sechsecktransmitters machte die Milchstraße offensivsicher, soweit es sich um ein Vordringen fremder Streitkräfte mit Hilfe der Sonnentransmitter handelte. Ob es den Meistern der Insel möglich sein könnte, unsere Transmittersperren aufzuheben, kann ich nicht beurteilen. Psychologische Auswertungen sind ohne Unterlagen unmöglich. Man sollte jedoch von derart überragenden Intelligenzwesen annehmen, dass sie bei einer so ungeheuren Gefahr, wie sie durch eine Großoffensive der Maahks entsteht, kaum daran denken werden, die Eroberung der Milchstraße als primäres Ziel zu verfolgen. Ich halte die Milchstraße vor einem Einfall systemfremder Wesen so lange für sicher, wie die Kämpfe im Andromedanebel anhalten.

Und damit wäre ich bereits bei Ihrer Frage angelangt. Wir halten den Vorstoß nach Andromeda unter anderem auch deshalb für notwendig, um die Reaktionen der Meister der Insel auf die bevorstehende Maahkoffensive festzustellen. Dabei müsste es möglich sein, ausreichende Daten über die Verhältnisse in Andromeda zu sammeln und Verbündete gegen die Meister zu finden.«

Nach Rosenstayns Vortrag kamen die Vertreter der anderen Teams zu Wort. Dabei wurde unter anderem auch die Existenz eines aus sechs Sonnen bestehenden Haupttransmitters – nach dem Muster des galaktischen Sonnensechsecks – im Zentrumsbereich Andromedas als selbstverständlich vorausgesetzt, obwohl eine derartige Station aus keiner der bisher bekannten Schaltanlagen und Darstellungen ersichtlich war. Weder in der Schaltstation im Twin-System, noch in der des Schrotschuss-Systems und auch nicht auf Kahalo, in deren maßstabgetreuen Projektionen die Transmitterstationen durch blinkende Punkte gekennzeichnet waren, gab es irgendwelche Hinweise auf etwaige Sonnentransmitter in Andromeda. Die Gründe dafür waren unbekannt, dennoch bestand kein Zweifel daran, dass im Zentrumsbereich Andromedas ein Sonnentransmitter existieren musste.

Auch die Möglichkeit, die Meister der Insel könnten in der Lage sein, die Transmittersperre des galaktischen Sonnensechsecks zu umgehen, wurde diskutiert. Doch ohne konkrete Daten war keine endgültige Schlussfolgerung möglich.

Die Lagebesprechung, die nach fünfstündiger Debatte zu einer Einsatzbesprechung geworden war, endete mit dem Befehl Perry Rhodans, die CREST III fernflugklar zu machen.

Die Kommandeure erhielten detaillierte Anweisungen. Die über Gleam stationierte Flotte sollte bis zur Rückkehr des Ultraschlachtschiffes auf zehntausend Einheiten verstärkt werden.

3.

Die CREST III hatte Gleam mit einer Flut aus Atomfeuer und orkanartigen Druckwellen verlassen. Es waren nur Randerscheinungen gewesen, die beim Start eines Schiffes dieser Klasse unvermeidbar waren.

Der Thermoplaststahl des Landefeldes, eine Mischung aus bestrahlten Legierungen und verbandsveredelten Kunststoffen, hatte unter dem Feuerodem der zwanzig Riesentriebwerke beinahe zu kochen begonnen, obwohl durch die Antigravitationsneutralisatoren nur die Masse des Schiffes zu bewegen gewesen war.

Es stand jetzt schon fest, dass die Spritzgusspisten der Raumhäfen überholungsbedürftig waren. Ultrariesen der Galaxisklasse verlangten bei der Dauerbenutzung eine mechanische und thermische Festigkeit, die bisher nicht für erforderlich gehalten worden war.

Die zweieinhalb Kilometer durchmessende Riesenkugel hatte erst in den höchsten Schichten der Atmosphäre Fahrt aufgenommen. Die Kommandanten der Raumer der Imperiumsklasse hatten es sich nicht nehmen lassen, ein Vergleichsfliegen zu veranstalten.

Sogar die moderne IMPERATOR der USO war der CREST III in den Beschleunigungswerten um etwa fünfunddreißig Kilometer pro Sekundenquadrat unterlegen gewesen. Die schnellen Kreuzer der Städteklasse hatten jedoch mühelos mithalten können.

Die Leistung der neuen Kompakttriebwerke, die kaum mehr Platz beanspruchten als die Ringwulstmaschinen der Imperiumsschiffe, war phänomenal. Die auf Gleam stationierten Psychologen hatten vor einer zu augenfälligen Demonstration gewarnt. Die Gefahr einer euphorischen Stimmung unter den Männern der Betaflotte war akut geworden.

Rhodan hatte sofort Gegenmaßnahmen ergriffen, um den Jubel zu dämpfen. Die CREST III war nichts anderes als ein Erzeugnis terranischer Schiffsbaukunst. Augenblicklich erschien sie noch unverwundbar. Doch dies konnte sich vielleicht ändern.

Die Kunst des Überlebens bestand darin, ständig um einen Schritt voraus zu sein. Ein Stillstand in der Forschung war gleichbedeutend mit dem Untergang eines raumfahrenden Volkes.

Der finanzielle Aufwand wurde nur von wenigen Männern gewürdigt. Die Blütezeit des Solaren Imperiums war angebrochen. Allein die General Cosmic Company unter der Leitung des im Ministerrang stehenden Halbmutanten Homer G. Adams warf Gewinne ab, die man in der breiten Öffentlichkeit als ausreichend betrachtete, ohne Rückgriff auf imperiale Steuergelder das Neubauprogramm durchführen zu können.

Dies war ein Irrtum; aber er wurde nicht beachtet. Die GCC sah ihre Aufgabe in erster Linie darin, neuentdeckte Sauerstoffplaneten für die Besiedlung durch menschliche Auswanderer vorzubereiten, Forschungsprogramme ins Leben zu rufen, Raumhäfen anzulegen und die Handelsverbindungen zu anderen Völkern zu fördern. Dazu kamen noch zahllose Detailaufgaben, die alle Unsummen verschlangen.

Dessen ungeachtet ging es terranischen Bürgern wirtschaftlich so gut wie niemals zuvor in der Geschichte. Männer wie Perry Rhodan, Atlan, Adams und Tifflor kannten jedoch die Leistungsgrenzen.

Diese Grenzen waren mit der angelaufenen Serienfertigung und den erforderlichen Umrüstungen vorerst erreicht. Raumschiffe waren teuer. Ihr Herstellungswert konnte auf den Solar genau ermittelt werden; ihr Nutzungswert ließ sich nicht in Zahlen ausdrücken.

Rhodan ging von der Voraussetzung aus, dass die Existenz der Menschheit und ihr Wohlergehen jeden Aufwand rechtfertigte. Das war der tiefere Grund zum Start der CREST III.

Niemand konnte darüber hinwegsehen, dass eine Gefahr erst dann ihre Schrecken verlor, wenn man sie in allen Konsequenzen erkannt hatte.

Die neue Epoche in der Geschichte der neuen Menschheit begann mit einem Gewitter aus den Korpuskulartriebwerken eines neuartigen Schiffsgiganten. Wie sie enden würde, war noch nicht vorauszusehen.

Die CREST III war vertikal zur kurzen Achse des Andro-Beta-Nebels in den Leerraum vorgestoßen. Dort war sie auf Kurs gegangen; aber niemand hatte gewusst, welche von den Millionen und Milliarden Sonnen des Andromedanebels man als Zielstern aussuchen sollte.

Einer war so bedeutend und unbedeutend wie der andere. Es gab keine Anhaltspunkte, keine Karten, keine festliegenden Koordinaten. Die astronomische Erfassung der Randgebiete war für raumstrategische Zwecke ungenügend. Erst die Untersuchungen an Ort und Stelle konnten klarstellen, welche Sterne Planetenfamilien besaßen, ob sie bewohnt waren – und von wem sie bewohnt waren. Es war ein Flug ins Ungewisse.

Die einzig tröstliche Gewissheit war die Tatsache, dass man vor dem ersten Sprung zur benachbarten Galaxis für eine ausreichende Rückendeckung gesorgt hatte.

Das Tri-System war zu einem Heerlager ersten Ranges geworden. Stündlich kamen neue Verbände mit tatenhungrigen Besatzungen an.

Die Nachrichten aus der fernen Milchstraße waren zufriedenstellend. Die Akonen, Stammväter der Arkoniden und die bisher schlagkräftigsten Gegner der Menschheit, waren durch den katastrophalen Verlust von etwa achtzigtausend modernen Robotschiffen militärisch und wirtschaftlich so geschwächt worden, dass sie für wenigstens fünfzig Jahre keine Bedrohung mehr darstellten.

Die Blues auf der so genannten Eastside des galaktischen Zentrums rieben sich in mörderischen Bruderkämpfen auf. Sie hatten das Interesse an Siedlungssystemen humanoider Völker verloren.

Alle anderen Völker der Milchstraße verhielten sich Terra gegenüber weitgehend neutral.

Rhodan konnte es nun wagen, im Andromedanebel nachzusehen, wer diese geheimnisvollen Meister der Insel waren, was sie eigentlich bezweckten und wie groß ihre tatsächliche Macht war.

Alle Auswertungen wiesen darauf hin, dass die Unbekannten wenigstens fünftausend Jahre lang ihr phantastisches Absicherungssystem vernachlässigt hatten. Wachtruppen hatten sich eigenständig und offenbar unkontrolliert entwickelt. Teils waren sie mutiert, teils waren sie durch Bestrafungsaktionen zu unversöhnlichen Gegnern der Beherrscher von Andromeda geworden.

Ein alter Fehler der Meister der Insel wirkte sich aus. Die Wasserstoff-Methan-Atmer standen davor, Andromeda anzugreifen.

Meterstarke Panzerplatten aus Terkonitstahl begannen zu klingen. Ein Kalupscher Kompensationskonverter, groß und ausladend wie ein zwanzigstöckiges Hochhaus mit wuchtigen Nebengebäuden, lief aus.

Das von ihm erzeugte Kompensatorfeld, von dem sowohl die vierdimensionalen Energieeinflüsse des Einsteinuniversums als auch die Kräfte des übergeordneten fünfdimensionalen Hyperraumes reflektiert wurden, fiel in sich zusammen.

Das Ungeheuer der Technik glitt in den Normalraum zurück, in dem die Begriffe wieder verständlich und die physikalischen Verhältnisse stabil wurden. Die CREST III wurde.

Sie entstand im Leerraum zwischen dem kleinen Andro-Beta-Nebel und der riesigen Andromedagalaxis, die noch rund fünfhundert Lichtjahre entfernt war.

Damit war das vierte Linearflugmanöver beendet worden. Rhodan hatte es für zu riskant gehalten, die Strecke von fünfzigtausend Lichtjahren mit nur einer Überlichtflugphase zu überwinden.

Die derzeitige Taktik hieß orten, orten und nochmals orten. Man musste wissen, was vor dem Schiff lag, wer eventuell in den Randzonen wartete und welche Sonne mit einiger Wahrscheinlichkeit Planeten besaß.

Die kosmonautische Hauptzentrale der CREST III war wesentlich größer als die entsprechenden Kommandostände der Superschlachtschiffe. Die Aufgliederung der Schaltelemente war übersichtlicher geworden; die wichtigsten Nebenzentralen hatte man direkt angegliedert. Für Notfälle war ein System von Kleintransmittern eingebaut worden. Sie konnten benutzt werden, wenn alle anderen Verbindungswege durch Wirkungstreffer unbrauchbar werden sollten.

Die CREST III war im Grunde genommen ein gigantischer Wabenkörper mit mehr oder weniger großen Hermetikräumen. Die gewaltigsten Hallen lagen unter dem Äquatordeck. Dort waren die Riesenmeiler der zwölf Kraftwerke und die drei Kalups installiert worden.

Die fünftausend Besatzungsmitglieder lebten und handelten in einem Irrgarten der Technik. Es war niemand mehr in der Lage gewesen, die vielen Räumlichkeiten als Gedächtnisgut in sich aufzunehmen. Die technische Ausbildung hatte die Gehirnkapazität der Männer bereits voll beansprucht.

So hatte man sich zu einer speziellen Hypnoschulung entschlossen. Wenn es darauf ankommen sollte, würde sich jedermann daran erinnern können, welche Bedeutung beispielsweise der 894. Nebenschaltraum im 64. Sektor des 19. Decks hatte. Ein bewusstes und abrufbereites Wissen um diese internen Dinge wäre eine zu große Belastung gewesen.

Die Zentralbesatzung bestand in erster Linie aus wissenschaftlichen Offizieren, Kosmonauten und Unteroffiziersdienstgraden. Hier, im Nervenzentrum des Schiffes, konnten nur erstklassige Spezialisten ihren Platz finden.

Die Panoramagalerie der halbrunden Frontalschirme war vielfach größer als auf Raumern der Imperiumsklasse. Die Bildflächen reichten bis zu den oberen Schaltbühnen hinunter und konnten von jedem Platz aus einwandfrei überblickt werden.

Etwa vierhundert Nebenbildschirme, bestimmt für Übertragungen aus den vielen technischen Zentralen und der Feuerleitstation, waren sinnvoll angeordnet.

Atlan fühlte sich in diesem Dschungel aus zahllosen Gerätschaften etwas verloren. Vergleiche mit Imperiumsraumern waren unbefriedigend. Im Prinzip war auf der CREST III alles gleich, und doch war alles anders.

Auf den Hundertachtziggradschirmen der Panoramagalerie funkelte und gleißte das Sternenmeer des Andromedanebels. Dunkelsektoren hoben sich nur noch schattenhaft ab. Das Ballungszentrum konnte ebenfalls nicht mehr optisch erfasst werden. Das Flottenflaggschiff befand sich schon zu nahe vor den Randgebieten, die teilweise Kleingalaxien für sich waren.

Leuchtende Kugelhaufen und offene Konzentrationen lenkten die Aufmerksamkeit ab. Die Männer der CREST III standen vor der unmöglich erscheinenden Aufgabe, in dieses milliardenfältige Gewimmel aus verschiedenfarbigen Sonnen schematische Ordnung zu bringen. Man konnte hundert Millionen Kurse und noch einige Milliarden andere einschlagen. Die Auswahl war groß und dementsprechend sinnverwirrend.

Die Ortung lief auf Hochtouren. Rhodan scheute sich nicht, die überlichtschnellen Taster einzusetzen, obwohl damit eine gewisse Ortungsgefahr verbunden war.

Der vier- und fünfdimensionale Energieeinfall der Sterne war ungeheuer groß: Man erhielt hunderttausend Daten auf einmal, und jeder Endwert war so gut wie der andere.

Atlan erhob sich aus seinem Manöversitz und schaute sich um. Weiter hinten erblickte er die Mutanten. Bis auf Iwan-Iwanowitsch Goratschin waren sie alle an Bord gegangen. Der Doppelkopfzünder hatte beim Start unter einem hochinfektiösen Pilzausschlag gelitten, wie er auf Gleam hier und da vorkam.

Atlan setzte seine Bordmütze auf und ließ mit einer gewohnheitsmäßigen Schulterbewegung den Druckhelm des Raumanzuges in die Rückenhalterungen einrasten. Auf der CREST III herrschte seit dem dritten Linearmanöver bedingte Gefechtsbereitschaft. Die leichten Raumanzüge mussten für alle Fälle angelegt werden. Sie waren kaum unbequemer als die normalen Uniformkombinationen. Die Rückentornister mit den Kraftversorgern und Atemaggregaten waren winzig. Sie stammten aus siganesischen Präzisionsfabriken.

Dr.-Ing. Bert Hefrich, Leitender Ingenieur der CREST III und Major der Flotte, gab die routinemäßigen Klarmeldungen und anschließend einen stichwortartigen Situationsbericht durch.

Hefrich gehörte ebenso wie zweitausend andere Männer zur ehemaligen Besatzung des Superschlachtschiffes CREST II. Rhodan hatte es für richtig gehalten, diese tausendfach gesiebten Spezialisten und erfahrenen Männer auf die CREST III zu übernehmen und ihnen die Einsatzschulung der hinzugekommenen Mannschaft zu übertragen.

Dadurch waren die insgesamt fünftausend Männer des Flottenflaggschiffes wesentlich schneller zu einer reaktionsschnellen Einheit geworden, als es bei dem normalen Einfliegen von Schiffsneubauten möglich war. Außerdem stellten die Ultragiganten der Galaxisklasse extrem hohe Anforderungen an das Personal.

Glocken läuteten. Eine Robotstimme forderte die Männer der Freiwache auf, zum Mittagessen in den Kantinen zu erscheinen. Rhodan erhob sich, klappte den Helm zurück und nickte Atlan zu.

Sie gingen quer durch die Riesenzentrale und warfen noch einen Blick auf die Bildschirme der Heckgalerie. Der Kommandoraum war ebenfalls kugelförmig, schwer gepanzert und lag im genauen Mittelpunkt des Schiffskörpers.

Im Ultraschlachtschiff CREST III war die Kugelhülle der Zentrale mit neuartigen Vorrichtungen versehen. Bei einer Explosion oder Teilvernichtung war es mit hoher Wahrscheinlichkeit möglich, dieses Schiff im Schiff in ein schwergepanzertes Beiboot zu verwandeln und mit eigener Maschinenkraft aus dem zerplatzenden Torso zu entkommen.

Dies war nur eine der vielen Neuerungen, die man in den Konstruktionssälen des irdischen Mondes entwickelt hatte.

Die Robotposten vor den Panzertoren der Mannschleuse salutierten. Uniformierte Männer drängten sich vor den Ausgängen. Die CREST III würde einige Stunden im Normalraum bleiben und Messungen vornehmen. In den wissenschaftlichen Stationen herrschte Hochbetrieb. Die Ortungs- und Funkzentrale war voll besetzt. Hier wurde das Essen von Robotern direkt zu den Diensthabenden gebracht.

Perry Rhodan und der Arkonide fuhren mit einem Normallift hinunter zum Messedeck. Die Messe selbst war ein Raum ohne besonderen Komfort. Die Ausgabeschalter waren verschwunden. Die Speisen wurden von einem automatischen Verteilersystem aus den hohlen Tischstützen ausgefahren und vor den Sitzplätzen abgestellt.

Oberstleutnant Brent Huise, der Erste Kosmonautische Offizier, beschnüffelte misstrauisch den roten Brei, der von einem Ring blassgelber Masse umgeben wurde.

»Ein kluger Mann sagte einmal, man könnte die wirtschaftliche Stärke eines Reiches an dem Essen erkennen, das man auf seinen Raumschiffen erhält. Danach zu urteilen, müssen im Solaren Imperium katastrophale Zustände herrschen. So armselig sah das Zeug noch nie aus.«

Huise schwang ein Bein über die Lehne des Drehstuhls – und versuchte, ihn mit der Masse seines Körpers zu demolieren. Es gelang ihm nicht. Es war ihm noch nie gelungen!

Melbar Kasom lachte grollend. Er drückte fünfmal auf den Wählschalter der Automatik und schüttete die Zusatzportionen auf seinen Spezialteller. Es entstand ein roter, dampfender Berg mit gelben Verzierungen.

Huise verzog angewidert das Gesicht.

»Sie sind ein Vielfraß, Kasom. Wo bringen Sie das nur unter?«

»Die ersten zwanzigtausend Kalorien in der oberen Hälfte der Speiseröhre. Wenn ich dann noch etwas zu schlucken bekomme, wird allmählich mein Magen in Anspruch genommen. Haben Sie etwas dagegen?«

Auf Kasoms Gesicht lag ein spöttischer Ausdruck, und sein sandfarbener Haarkamm richtete sich auf.

Huise schüttelte den Kopf. Kasoms 16 Zentner gaben ihm zu denken.

»Na also«, brummelte der Riese von Ertrus. »Warum dann die Aufregung? Dass ihr Terrageborenen nie eure dummen Bemerkungen unterlassen könnt. Reine Energieverschwendung, behaupte ich.«

Einige Leutnants, die am Nebentisch saßen, grinsten still vor sich hin. Sie gehörten zum neuen Personal und waren daher im Sprachgebrauch der anderen Männer so genannte »Frischlinge«, die sich erst einmal zu bewähren hatten.

Atlan registrierte alles. Ihm entging nicht die kleinste Einzelheit, und daraus zog er Rückschlüsse auf die Moral der Besatzung. Das Ergebnis war hervorragend.

Rhodan aß seine Synthesespeisen, ohne eine Miene zu verziehen. Der Brei war nahrhaft, aber nicht besonders wohlschmeckend.

Kasom sprach den Arkoniden an.

»Sir – Sie haben doch wohl bei Ihrer Wanderung durch die Geschichte der Erde auch spanische Stierkämpfe gesehen, oder?«

»Sicher. Ich war nicht davon begeistert. Warum?«

Kasom grinste plötzlich.

»Was ist denn mit den abgestochenen Stieren passiert?«

Atlan holte tief Luft. Rhodan beherrschte sich meisterhaft. Huise blickte sich erstaunt um. Von solchen Dingen hatte er noch nie gehört.

»Was – Stierkämpfe? Sie meinen, da hätte jemand die Ochsen anschließend aufgegessen und ...«

»Mit Stieren«, unterbrach Kasom, und sein Blick wurde drohend. »Verdammt, Sie sollen mich nicht immer unterbrechen, wenn ich an meinen Magen denke. Das regt mich auf.«

»Die Tiere wurden großmäuligen Ertrusern um den Hals gebunden und mit ihnen ins Meer geworfen, wo es am tiefsten war«, log Atlan. »Sagt Ihnen das etwas?«

Kasom schluckte den letzten Bissen hinunter und drückte mit einem schwermütigen Gesichtsausdruck erneut auf die Wähltaste.

»Sie sind hartherzig, Sir«, beschwerte er sich. »Sie werden die Nöte eines Meisters aller Klassen niemals richtig zu würdigen wissen.«

Huise lachte unterdrückt. Die Leutnants ließen seltsame Geräusche hören. Kasom drehte sich um. Seine Stimme dröhnte.

»Wenn Sie sich schon anmaßen, in Gegenwart erwachsener Männer Platz zu nehmen, so überhören Sie gefälligst deren Gespräche. Als ich noch Leutnant war, klebte ich mir den Mund zu.«

»Jawohl, Herr Oberst«, sagte ein Afroterraner von zwei Meter Größe. »Womit, Herr Oberst?«

»Geben Sie es auf, Kasom«, warf Rhodan ein. »Mit diesen frischgebackenen Helden können Sie alles machen, nur sollten Sie sich nie auf ein Wortgefecht einlassen. Sie heißen Ishe Moghu, Leutnant?«

Der schwarzhäutige Hüne sprang auf und nahm Haltung an. Er strahlte.

»Jawohl, Sir.«

»Wo waren Sie vorher stationiert?«

»Vierte Flotte unter General Konstable, Schwerer Kreuzer KONATA. Ich erhielt meinen Marschbefehl im hundertsechsten Bluessektor, Eastside, Sir.«

Rhodan lächelte.

»Bluessektor, Melbar! Ich schätze, dass diese Männer, so jung sie auch sein mögen, mit voller Berechtigung neben uns Platz nehmen dürfen. Schmecken Ihnen die Proteine nicht mehr?«

Der Ertruser erhob sich mit einer Entschuldigung. Ehe er ging, klopfte er dem Schwarzhäutigen »zart« auf die Schulter und erwartete, ihn ächzend auf den Stuhl sinken zu sehen. Der Terraner tat ihm den Gefallen nicht.

»Eh – sind Sie aus Eisen?«, staunte Kasom mit einem verwunderten Blick auf seine Pranken.

»Durchaus menschlich, Herr Oberst. Das kommt nur durch mein Stahlkorsett.«

»Mann, nun gehen Sie schon«, drängte Atlan. »Fragen Sie ja nicht weiter. Diese Terraner gehören zu einer ganz besonderen Sorte Mensch.«

»Ich dachte, ich würde sie seit wenigstens hundert Jahren kennen«, überlegte der Ertruser.

»Die lernen Sie nie kennen«, belehrte ihn der Arkonide. »Ich wundere mich heute noch. Sie sind übrigens um keine Spur besser als die Erdgeborenen.«

Kasom zuckte die Schultern und stampfte auf den Ausgang zu. Da erfolgte der Alarm.

Sirenen heulten auf, Bildschirme flackerten, Robotstimmen gaben Kommandos durch. Der Zentralewachhabende schien auf alle erreichbaren Knöpfe gedrückt zu haben.

Die Offiziersmesse verwandelte sich in einen Ameisenhaufen. Augenblicke später war der Raum leer. Nur Atlan und Perry Rhodan saßen noch an ihrem Tisch.

Ein Deckenbildschirm blendete auf. Cart Rudo wurde sichtbar. Er rief nach Rhodan.

»Sir, ich melde mich jetzt erst, weil ich abwarten wollte, was die Orter ausgemacht haben. Demnächst wird es wohl häufig zu Gefechtsalarm kommen.«

»Natürlich. Seien Sie tolerant. Lieber zehn Fehlanzeigen als ein Versager im entscheidenden Augenblick. Was gibt es?«

Rudo lachte unsicher auf.

»Es sieht ganz danach aus, als hätten meine Männer exakt gearbeitet – ohne Nerven. Ich habe die Angaben persönlich überprüft. Ortung, Sir!«

Rhodan beugte sich vor und umklammerte die Kanten des Kunststofftisches.

»Was?«

»Eine beachtlich große Metallmasse. Die Elementtaster zeigen zu fast hundert Prozent Legierungen aller Art an.«

»Wo?«

»Nahe eines einsamen Außenrandsystems. Der Flugkörper steht vor einer kleinen, roten Sonne.«

»Geschwindigkeit?«

»Unbedeutend. Annähernder Stillstand. Es sind keine exakten Messwerte aus dieser Entfernung zu erhalten. Distanz zu dem Objekt beträgt nach Hyperechoauswertung achthundertundzwölf Lichtjahre. Das Ding ist wirklich sehr groß, man hat einen Durchmesser von zirka hundert Kilometern ermittelt.«

»Man glaubt, ermittelt zu haben«, korrigierte Rhodan sofort. »Lassen Sie sich keine Märchen erzählen, Rudo. Bekommen Sie energetische Eigenstrahlungen herein?«

»Keine Spur. Deshalb habe ich mit dem Anruf gewartet. Ich traue der Geschichte auch nicht. Wer weiß, was da fahrtlos im Raum steht.«

»Eben – fahrtlos!«, warf Atlan ein. »Das ist die einzige Angabe, die mir zu denken gibt. Ich kenne keinen Körper, der nicht wenigstens einige Kilometer pro Sekunde schnell wäre. Sogar Schiffswracks pflegen in der Regel nicht zum Stillstand zu kommen. Wieso bewegt sich dieses Riesending nicht?«

Rhodan musterte den Freund mit einem raschen Blick. Seine Augenfältchen vertieften sich. Er traf seine Entscheidung so schnell, wie man es von ihm gewohnt war.

»Wir kommen. Legen Sie mir die Diagramme vor. Zentralgehirn für die Sekundärkontrolle vorbereiten. Tippen Sie alles in die Automatik, was Ihre Männer bisher ermittelt zu haben glauben. Bis gleich.«

Der Kommandant schaltete ab. Rhodan schob den Kunststoffteller zum Einwurfschlitz und sah geistesabwesend zu, wie das Geschirr verschwand.

»Ganz fahrtlos wird es wohl nicht sein«, murmelte er vor sich hin. »Wenn es der Rotationsgeschwindigkeit der äußeren Andromedasysteme um den Zentrumskern angepasst ist, können wir von hier aus kaum eine Standortverschiebung feststellen. Wir müssen näher heran.«

»Ich hatte kaum einen anderen Entschluss erwartet«, sagte der Arkonide seufzend. »Schön, schön, ich bin ja schon ruhig. Man soll mich nicht wieder einen Schwarzseher nennen. Natürlich müssen wir uns ein derart auffallendes Objekt ansehen, zumal es noch ziemlich genau auf unserem Kurs liegt. Ist das ein Zufall?«

»Fügung, würde ich sagen. Irgendwo müssen wir mit Intelligenzen zusammentreffen.«

»Aha! Du möchtest damit sagen, eine Begegnung in diesen einsamen Randzonen wäre dir lieber, als tief im Nebel und in der Nähe von unbekannten Stützpunkten. Das ist vernünftig gedacht. Selbst ein Rhodan scheint allmählich zu lernen. Also – gehen wir?«

Der Terraner warf dem Freund einen grimmigen Blick zu, den Atlan grinsend quittierte.

Zwei Stunden waren nach der ersten Ortung vergangen. Wenn die CREST III ein lebendes Geschöpf gewesen wäre, hätte es nun die Nervenanspannung von fünftausend Männern gespürt.

Sie, die tausendfach Erfahrenen, sahen sich plötzlich vor einer völlig neuen Situation. Sie waren im Begriff, eine fremde Galaxis anzufliegen, und sie hatten etwas entdeckt, was man in den sternarmen Außenzonen am allerwenigsten erwartet hatte.

Aus behutsam vorgehenden Beobachtern waren unvermittelt Jäger geworden, die sich noch nicht darüber einig waren, wie diese Pirsch in fremden Revieren ausgehen würde.

Sogar Icho Tolot, der halutische Kämpfer, zeigte Spuren von Nervosität. Seine drei Augen leuchteten stärker als sonst, und die Bewegungen seiner vier Arme wirkten fahrig. Er versuchte, mit seinem leistungsfähigen Plangehirn die Grobwerte durchzurechnen und zu einem plausiblen Ergebnis zu kommen. Es gab viele davon!

Man konnte zum Beispiel ein treibendes Raumschiff von gigantischen Abmessungen entdeckt haben. Das war einer der Grundwerte. Weshalb es sich aber nicht von der Stelle rührte, keine Tastimpulse auf die Reise schickte und keine Spur eines energetischen Eigenlebens ausstrahlte – das waren bereits Fragen, die ins unbeantwortbare Detail gingen.

Rhodan hatte eine halbe Stunde nach der ersten Ortung eine Offiziersbesprechung einberufen. Es war so gekommen, wie es kommen musste: Niemand hatte den Gedanken erwogen, das unbekannte Objekt unbeachtet zu lassen und die Reise fortzusetzen. Man wollte wissen, was man entdeckt hatte.

So waren vor zehn Minuten die entscheidenden Befehle gegeben worden. Die CREST III hatte Fahrt aufgenommen und war auf den neuen Kurs eingeschwenkt. Die Geschwindigkeit näherte sich der Lichtmauer.

Kurz darauf wurde einer der drei Kalupkonverter hochgefahren. Er baute sein Kompensationsfeld auf, und die CREST verschwand aus dem Normalraum, als wäre sie niemals in ihm Wirklichkeit gewesen.

Der millionenfach überlichtschnelle Direktanflug im physikalisch instabilen Librationsraum zwischen den Dimensionen begann.

Zielstern war die kleine, auf dem Reliefschirm sichtbare rote Sonne, in deren Nähe das Objekt erkannt worden war.

Rhodan war auf alles gefasst. Er rechnete vor allem mit einer Ortung und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten.

Die CREST III war nicht getarnt worden. Wer terranische Schiffe kannte, würde unter Umständen auf die richtige Idee kommen. Rhodan war jedoch entschlossen, das mühevolle Versteckspiel aufzugeben. Die zu erwartende Großoffensive der Maahks hatte die raumstrategische Situation geändert.

Das Eintauchmanöver erfolgte zwanzig Milliarden Kilometer vor dem Fremdkörper. Die Impulsumlenkung der Triebwerke sprang automatisch an. Die CREST III wurde mit vollem Bremsschub aufgefangen und im Zeitraum von nur zehn Minuten auf eine Fahrt von tausend Kilometer pro Sekunde gebracht. Die Zelle, ihre Haupt- und Nebenverbände sowie die zahllosen Maschinenverankerungen hielten diese Beanspruchung ohne Überlastungssymptome aus. Die Andruckneutralisation arbeitete so zuverlässig wie bisher auf noch keinem Schiff des Solaren Imperiums.

Auf den Bildschirmen der optischen Normalerfassung leuchtete ein flacher Körper. Er war von der roten Sonne weiter entfernt, als man angenommen hatte. Der Abstand von fünf Lichtmonaten bedeutete, dass die offenbar unbewohnte Konstruktion nicht mehr als Trabant des Sternes eingestuft werden konnte. Kosmisch betrachtet, stand sie allein im Raum.

Zehn Minuten später kamen die ersten Messauswertungen durch. Diesmal waren sie exakt.

Es handelte sich um einen künstlich erbauten Raumflugkörper von scheibenartiger Gestalt. Die Plattform durchmaß sechsundneunzig Kilometer, war zweiunddreißig Kilometer dick und wies in ihrer Mitte ein unbebautes, völlig ebenes Rund von sechsunddreißig Kilometer Durchmesser auf.

Dieser riesige Platz wurde von einem dreißig Kilometer tiefen Gürtel aus Bauwerken aller Art umgeben. Einzelne Gebäude erreichten beachtliche Höhen. Die Plattform war nur auf einer Oberflächenseite bebaut. Die entgegengesetzte Grundfläche wies lediglich einige Vertiefungen und Rundungen auf, die wohl von den Schlussklappen riesiger Schächte gebildet wurden.

Icho Tolot trat zu Rhodan und Atlan. Er hatte seine Auswertung beendet.

»Ein fliegender Raumhafen mit allen Einrichtungen, die dazugehören«, behauptete der dreieinhalb Meter hohe und zweieinhalb Meter breite Gigant von Halut. »Es gibt keinen Zweifel. Die Frage, wer diese Werftinsel erbaut hat, ist vorerst unbedeutend. Wichtiger ist es, zu wissen, ob sie noch bemannt ist, oder ob sie infolge unbekannter Umstände verlassen wurde. Falls es sich um eine Konstruktion der Meister der Insel handeln sollte, ist diese Wahrscheinlichkeit gegeben. Die Unbekannten haben schon so viele Systeme und sogar Sonnentransmitter aufgegeben, dass es mich nicht wundern würde, wenn wir dort drüben kein Lebewesen mehr anträfen ...«

»Sie sagen es überdeutlich«, bestätigte Atlan. Seine Augen brannten. Er starrte fasziniert auf die Bildschirme der Vergrößerungsschaltung und versuchte, Einzelheiten zu unterscheiden. Die Kraftfeldspiegelteleskope der CREST holten das Ziel nahe heran. Man konnte deutlich Markierungslinien und geometrisch aufgeteilte Flächen innerhalb des Gebäuderinges erkennen.

»Dort ist man früher wohl gelandet«, meinte der Telepath John Marshall. Die anderen Mutanten des Korps standen hinter ihm. Gucky saß auf Kasoms rechter Schulter, hielt sich an seinem Haarkamm fest und sah mit funkelnden Augen zu der Panoramagalerie hinauf.

»Klasse«, schrillte die Stimme des Mausbibers. »Klasse, sage ich! Das wird ein Fall für den Größten unter den Großen.«

»Also für mich«, erklärte Kasom. »Sir, lassen Sie mich mit einem Moskito hinüberfliegen. Die zwanzig Milliarden Kilometer schaffe ich mit einem erstklassigen Kurzmanöver in zehn Sekunden.«

»Der Herr Sonderoffizier Guck hatte sich selbst gemeint«, sagte Atlan ironisch. »Sie werden sich doch wohl nicht für den Größten unter den Großen halten, Spezialist Kasom.«

Tolot lachte mit einer solchen Lautstärke, dass der Ertruser schimpfend zurückwich.

»Ruhe an Bord«, forderte Rhodan scharf. »Begeben Sie sich gefälligst auf Ihre Gefechtsstationen. Das gilt auch für Sonderoffizier Guck und den Herrn USO-Spezialisten.«

Kasom runzelte die Stirn und holte geräuschvoll Luft. Dann stampfte er wortlos davon.

»Die reinste Knechtschaft«, beschwerte sich Gucky. »Hast du das wieder gehört, Fresssack? Er hat mich ›Guck‹ genannt. Da ist dicke Luft. Wenn du dir übrigens nochmals einbilden solltest, du könntest meine Verdienste für dich verbuchen, werde ich dich um Tolots Hals wickeln. Ist das eine Drohung?«

»Angeber«, grinste der Ertruser. »Ehe du deine Paragaben voll entfalten kannst, habe ich dich in die Tasche gesteckt. Ich bin wenigstens siebenmal reaktionsschneller als ein Erdgeborener.«

Gucky richtete sich kampflustig auf und krallte beide Händchen in Kasoms Haarpracht.

»Ruhe«, mahnte John Marshall. »Beherrscht euch. Ihr werdet schon zum Einsatz kommen. Oh, es geht bereits los.«

Es hagelte plötzlich Befehle. Don Redhorse, vor einigen Wochen zum Major befördert, erschien im Eiltempo in der Zentrale. Er ging raschen Schrittes zu Rhodan.

»Don, Sie fliegen mit fünf Korvetten Ihrer Flottille die Plattform an und sehen nach, was dort gespielt wird. Wir bleiben mit Minimalfahrt auf dem bekannten Kurs. Suchen Sie sich Ihre Kommandanten nach eigenem Ermessen aus. Gucky, Ras Tschubai und die Wellensprinter Rakal und Tronar Woolver fliegen mit Ihnen. Die anderen Mutanten bleiben an Bord. Marshall, Sie versuchen, mit Gucky in telepathischem Kontakt zu bleiben, damit wir keine Hyperfunksprüche absetzen müssen. Schaffen Sie das über diese Distanz hinweg?«

John wiegte den Kopf.

»Zwanzig Milliarden Kilometer – ziemlich weit. Es wird darauf ankommen, wie sehr sich der Kleine auf andere Paraaufgaben konzentrieren muss.«

»Das schaffe ich«, rief der Mausbiber empört und watschelte auf seinen kurzen Beinchen auf Marshall zu. »Nun gib nur nicht so an, John. Das haben wir schon mehr als einmal gemacht. Für Telepathiesendungen gibt es theoretisch überhaupt keine Grenzen.«

»Theoretisch«, erklärte John ungerührt. »Hier stehen wir aber mitten in der Praxis. Nach vier bis fünf anstrengenden Teleportersprüngen lässt du nach.«

»Sie werden es versuchen«, entschied Rhodan. »Wo ist Major Redhorse?«